Nr. 124
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».
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Dte „Siebener §amiiienbIStter" werden dem .Anzeiger* »termal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt siir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
eiedagt sind im tel v5'/, Ter So«::
Vizepräsident Köhler eröffnet die Sitzung um 1OV1 Uhr anb bemerkt vor Eintritt in die Tagesordnung:
M. H. Ehe wir in die heutige Tagesordnung cintreten, lassen Eie, uns nur noch einen Rückblick werfen auf die am Samstag «öffnete hessische Landesausstellung für freie und angewandte -Wirst. Es ist da vor allen Singen des sehr erfreulichen Umstandes Erwähnung zu tun, Dau die hohe Zweite Kammer einmütig war, als es galt, dieses neuerliche Unternehmen unseres Groß^ Herzogs durch Bewilligung der angeforderten Mittel in Höhe
Bauern und Gendarmen.
Wie auS Lemberg gemelbet wird, ist es int Dorfe Czerni- low zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Bauern und Gendarmen gekommen. Der Zufamutenstoß wurde dadurch herbeigeführt, daß Geudarmen eine Untersuchung wegen verbotenen Fischens gegen eine Anzahl Bauern führte. Da nun eine Frau, gegen die sich die Untersuchung besonders richtete, beim Verhör zu lärmen begann, rotteten sich vor dein Gemeindeamt etwa 3000 Bauern, darunter Weiber und Kinder zusammen, die dad Gebäude förmlich belagerten und mit Steinen bewarfen. Als sich ein Gendarm am Fenster zeigte, feuerte ein Bauer einen Nevolverschuß auf ihn ab. Dies var für die Gendarmen das Zeichen, nun ihrerseits auf die Bauern zu feuern, wodurch 5 getötet und 12 verwundet wurden. Von den Verwundeten sind nachträglich noch 4 gestorben, sodaß im Ganzen also 9 Personen den Kugeln der Vendarmen zum Opfer sielen. Natürlich herrscht in Czerni- 'ow große Erbitterung unter den Bauern, die ausschließlich Ruthenen sind. Auch im Abgeordnctenhause herrschte große Erregung, als ein Telcgramin mit der Meldung über die Mutigen Vorgänge bekannt geworden war.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UnioersitätS«Buch- und ©tehibmcfeccL 8t Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag,« 5L Redaktionen^ T^.vld^.ywzeigerGleßen.
E.ne Neichsdotation für den Kaiser.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein Berliner Mittags- blatt behauptet, es sei beabsichtigt, dem Kaiser im Herbst eine Neichsdotation von 10 bis 12 Millionen Mark zuzuwenden. Dem zu erwartenden Dementi gegenüber erklärt das Blatt im Voraus, es werde sich dadurch nicht anfechtcn lassen. ES gebe Situationen, in denen dementiert werden müsse, auch wenn die Nachricht wahr sei. Wir lassen es dahingestellt sein, ob solche Situationen eintreten können. In dem vor- liegenden Falle liegen die Dinge jedenfalls so, daß die Mel- düng mit aller Bestimmtheit für unwahr erklärt werden kann. Dec Reichstag wird sich nicht mit einer Dotation für Seine Majestät zu befassen haben. Damit erledigt sich auch die Annahme, daß der Blockpolitik durch dieses Gerücht Verlegenheiten bereitet werden.
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Neber Fortbildungsschulen.
Anläßlich der Einweihung der Potsdamer Königlichen Handels- und Gewerbeschule für Mädchen hielt der Handcls- nnnister Delbrück eine Ansprache, worin er unter anderem sagte: Die Möglichkeit, sich im Haushalt zu betätigen und in der Familie zu arbeiten, geht für die jungen Mädchen weiter Kreise immer mehr zurück, und die Notwendigkeit, außerhalb der Familie Arbeit zu suchen, steigt dauernd. Für die schulentlassene männliche Jugend sorgen mit steigendem Nachdruck die Gesetzgebung des Staates und die Kommunen. Für das weibliche Geschlecht haben die Frauen und Mädchen die Sache selbst in die Hand genommen, und gerade die Größe ihrer Erfolge nötigt den Staat, die Leitung in seiner Hand zu behalten. Zwar ist der Staat nicht in der Lage, ein allgemeiner Träger derartiger Schuleinrichlnngen zu werden, wohl aber ist es seine Pflicht, anspornend und vorbildlich in dieser Sache zu wirken.
hessische Zweite Kammer.
Darmstadt, 26. Mai.
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cm. welches dis mittel ist. Horch.- Spaziergang im G1g'
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Am Rcgierungstisch: Staaisminister Ewald, Finanzminister •On au t h, Minister des Innern Braun, Geh. Rat Tr. Ei s 2uth, Ministerialräte Tr. Becker, Best, Suff er t, L wacher.
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von 60 000 Mk. zu fördern. Fcstzustellen ist, wie im Laufe weniger Jahre nicht allein draußen im Volk, sondern auch in der Volksvertretung die Einsicht in die weitausschauenden Pläne unseres Großberzogs gewachsen ist, und wie man ihnen — im gegenfah ;u früher — mit Aufmerksamkeit und Ernst m ihrem muge rn folgen sich anschickt. — Denn nicht weniger sieht heute das Land tn ihnen, als das Bestreben, den Kunstgeschmack unserer Seit zu klären und zu veredeln. Ausdiesen Bestrebungen hinaus soll und wird der neue deutsche Stil geboren werden. Nur ans diesen Gesichtspunkten sind die Kimstansstellungen von 1901, 1904 und 1908 aufzufassen und 6U verstellen. Dem gährenden Moste der neuen Kunst von 1901 Trugte der Rauscher von 1904. Nun aber freuen wir uns des jungen Weines der KUnst, den uns dieses Jahr. 1908, zeitigen runb. (Jlanj einig gehen in diesen Fragen nun Fürst und Volk, und dre Kunstgeschichte wird es dermal einst unserem Volke als eine Ehre, die es sich selber gibt, hoch anrechnen, daß es re if war dazu und gewillt, tatkräftig zu fördern, die hoch flieg enden und weitausschauenden Kunstbestrebungen unseres geliebten Grvßhcrzogs Ernst Ludwig, dem spätere Geschlechter einemal den Ehrennamen, den Kunstsinnigen geben mögen.
Zur vorläufigen Beratung im Plenum steht zuerst die Vorstellung des Verbandes des Detaillisten-Vereine im Großherzogtum Hessen, betr. das Verhüllen der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen, die dem zuständigen Ausschuß überwiesen wird.
Ueber die Vorstellung des Verbandes bet Tetaillisten-Vereine nn Gcoßherzvgtum Hessen, betreffend die Besteuerung ber Filialen.
,Abg. Molthan weist aus bie dringende Notwendigkeit hin, die tn dieser Vorstellung behandelte Materie noch in dieser Session in erledigen. Er bittet deshalb, nicht erst die Vorstellung au den Ausschuß zu überweisen, wodurch die Erledigung sehr' ver- zbgert werden würde, sondern sofort einen Berichterstatter mit dem Referat hu betrauen. Die Petenten wünschten dringend die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs, durch welchen den Gemeinden die Besteuerung der Filialen ermöglicht wird. Xtc Petenten find der Meinung, daß mit der Selbsthilfe allein der Konkurrenz der Filialgeschäsre nicht wirksam entgegcngciretcn werden könne, die Steuer müsse unter arten Umständen obligatorisch fein, um einseitigen Interessen in den einzelnen Kommunalverwaltungen zu begegnen. Den Wünschen der Petenten, dw auch die Zulassung zur Vertretung des Kleinhandels in den Handelskammern verlangen, lasse sich am besten bei der Revision der Gemeindesteuergesetze entsprechen und er bitte die Regierung, den Wünschen der Petenten möglichst bald zu entsprechen.
Abg. Tri Osann bittet ebenfalls, die Vorstellung nicht einem Ausschuß zu überlassen, sondern gleich einen Berichterstatter bafür zu ernennen. Er stehe mit seinen Freunden auf dem Standpunkt, daß es notwendig sei, den Gemeinden in dem neuen Gemeindesteuergesetz die Möglichkeit einer Besteuerung der Filialen zu geben. Tas Prinzip der Gerechtigkeit verlange, daß auch die Filialen nach denselben Grundsätzen behandelt werden, wie die übrigen Geschäftsinhaber. Er ersuche die Regierung dringend, den Gemeindesteuergesetzentwurf baldigst dem nächsten Landtag vorzulegen. Tie Wünsche der Petenten auf Besteuerung der Filialen feien durchaus berechtigt.
Abg. Tr. David ist ber Meinung, baß die Ueberweisung ber Vorlage an den Ausschuß notwendig sei, benn es hanble sich doch hier um eine Gesetzesvorlage, die eingehende Erwägung verlange. Wenn aber von den Petenten die Besteuerung ber Filialen im Interesse bes Mittelstandes verlangt werbe, so müsse er diese Begründung doch bekämpfen, benn bie Besteuerung ber Filialen sei boch nur im Interesse eines ganz kleinen Teils von mittelständigen Existenzen geleacn. Der größte Teil des Mittelstandes werde durch eine solche Steuer schwer getroffen. Er könne deshalb auch den weiter von den Petenten gestellten Forderungen sich nicht anschließen.
Abg. Tr. Osann wendet sich gegen die Ausführungen des Vorredners. Tie baldige Erledigung der Angelegenheit sei durchaus im Interesse des Mittelständes gelegen, namentlich auch der kleineren Städte. (Hört, hört.)
Nach einigen loeitcren Ausführungen ber Abgg. Moltha n, Ulrich und Dr. Frenach wird bie Vorstellipig einem Berichterstatter zum mündlichen Referat überwiesen.
Zwei weitere Vorstellungen des Bahnwärters Naas zu Erzhausen und des Bahnwärtes Lotz ebendaselbst wurden für erledigt erklärt, und darauf die Regierungsvorlagen, Nachweisungen über bie Staatseinnahmen und Ausgaben für 1902/03 unb die Rechnung des Fonds zur Ergänzung des Familienfonds des Großh.- Hauses usw. ohne Debatte genehmigt.
Ter Antrag des Abg. Noack, betr. die Neuregelung ber Witwen- und Waisenversorgung der Zivilstaatsdiener, wird dem Ausschußantrag entsprechend, für vorläufig erledigt erklärt, ebenso der Antrag des Abg. Adelung zuin Hauptvoranschlag für 1908, inbetreff t>cr Staatsdienitaspiranien, denen ber Antragsteller ähn-
ALeines FenMeton.
— Die oft gerühmte Findigkeit der Po st I;at( so s hreibt die „9L Bab. Landesztg/, eine neue Ruhmestat aMzn- I neifen. Vor uns liegt eine Postkarte, ans dem Speisewagen zwischen I Frankfurt und Kassel geschrieben. Auf ber Korrespondenzseile stehen I einige dänische Worte, ans der Adresse einige Roten unb die Be-- I pjerfung: „Für das musikalische Mannheim darf ivohl dieser ' Kdresse genug sein." In der Tat ivav „dieser Adresse" für unsere musikalische Post genug. Der betreffende Beamte scheint namentlich »cht bloß musikalisch, sondern auch ein guter Wagnerianer zn sein, O'inii er erkannte in den Roten das Hnnbing°Motio ans dem L'Hbelungenring und sandte die Karte an unseren Hunding-Dar- fttüler, Herrn Hosopernsänger Fönß, dem einige Landsleute die Karte auch wirklich zugedacht hatten. Der Einfall war gut, aber
Findigkeit der Post war doch noch besser. Bravo!
— Die abgebrochenen Arme ber Venus von öilo sind gefunden. Aus Athen wirb gemelbet: In der HHnen Ortschaft Mononvasia in ber Provinz Lagouia würbe ein Mertumsfunb gemacht, ber geignet erscheint, bas Problem ber «mus von Milo zu lösen. Es handelt sich um eine kleine Statuette aus Terrakotta, bie genau dem Original ber Venus t*n Milo im Pariser Louvre entspricht — nur mit bem Unterschiede, baß bet ber Terrakottastntnette bie Arme nicht fehlen. TN Fund stellt bie Göttin bar, wie sie in einer Hand — ber ^hten — einen Spiegel hält, wähvenb sie mit ber Linken ben tzcktenwurf ihres Gewanbes schürzt. Wenn es sich nicht heraus- Men sollte, baß bie gefundene Statuette einen späteren Epock-e avgehört, so bürste bie heißumstrittene Frage: „Wie hielt bie
: Kmus von Milo ihre Arme'?" als gelöst zti betrachten sem. L - Golb in Teutsch-Ostafrika ! Schon feit föngear ß’«t gelangten kurze Nachrichten von anssiHtsvollen GoldsUnden «c bet Wemberesteppe im nörblichen Teil ber Kolonie an bie Öffentlichkeit. Näheres war bisher nicht bekannt geworden, da 'm Unterjnchungen an Ort unb Stelle noch nicht abgeschlossen Men. Mit Recht war man aber gespannt ans das Ergebnis, ton abbaumürbige Goldfuiibe würben die Aussichten der Ktzlo- to ganz bebeutenb verbessern. T ie Zeitschrift „Kolonie unb vrimat" (Nr 18) ist nun in bec Lage, nähere Auf - ^lftsfe zu geben. In einem reich illustrierten, mit einem Wn der. Goldlager versehenen Aufsatz sind bie dortigen Gold?-
lager unb ihre Aussichten eingehenb von fachmännischer Seite geschildert. Tie Aufschließungsarbeiten an ben goldhaltigen Quarzgängen sind soweit gediehen, daß an die Verwertung des Vorkommens gedacht werben kann. In einer Tiefe der Schächte von 25 Metern unb etwa 10 Meter unter dem Grundwasserspiegel ist der Goldgehalt bes pyritischen Erzes noch durchschnittlich über 40 Gramm, unb es ist anzunehmen, baß auch bis 50 ober 60 Meter Tiefe ber Gehalt hoch genug bleibt, um ben Abbau zu lohnen. Tann aber würde Erz genug vorhanden sein für eine Pochwerk- unb Laugewerk-Anlage und die erste Goldmine in Teutsch-Ostafrika wäre entstanden. Eine Kugelmühle ist bereits an Ort unb Stelle geschafft unb wird nach ihrer Ausstellung Gold im Werte von 12 000 Mark monatlich produzieren können. Tas zehnstempelige Pochwerk, dessen Ausstellung in Aussicht genommen ist, könnte natürlich bedeutend mehr leisten. Statt fünf Tonnen mit ber Kugelmühle würben bann etwa 30 Tonnen pro Tag verarbeitet werden können, unb nimmt man nur eine durchschnittliche Ausbeute von 25 Gramm pro Tonne an, so würde man damit bei ungestörtem Betrieb monatlich für 50 000 Mk. Gold erzeugen können. Tie angegebenen Zahlen sind absichtlich sehr niedrig gegriffen, und cs ist ggr nicht unwahrscheinlich, daß ber Ertrag noch viel höher rotrb.
— Eine deutsche Kunstausstellung inAmerika. Durch die Bemühungen des Generalkonsuls Buonz und des Newyvrker Künstmaecens Hugo Reisinger wurde vom Metro- politan-Museunt in Newyork bie Erlaubnis zur Veranstaltung einer deutschen Kunstausstellung in dessen Räumen erwirkt. Bemühungen in diesem Sinne waren bereits Jahre lang im Gange, blieben jedoch au8 prinzipiellen Gründen und wegen "Raummangels erfolglos. Nunmehr stellt das Direktorium sieben Räume ber oberen Galerie des neu erbauten Museums zur Verfügung. Tie Ausstellung soll 125 bis 150 Gemälde deutscher Meister umfassen, außerdem Kleinkultur unb einige Bronzen; fte soll doch bie moderne Kunst repräsentieren. Man plant, bie Ausstellung am 15. Dezember zu eröffnen. Sie soll einige Neonate bauern und möglicherweise in Boston unb Chicago wiederholt werden. Sie steht in feinem Zusammenhang mit ber geplanten architektonischen und Kulturausstelluiig, üi bereu Interesse Professor Schott in Amerika wirkt.
lick), wie ben Schreibgehilsen eine Stationszulage in ben teueren! Städten gewährt wissen will.
Zn dem Antrag Tr. Oi'ann zum Hauptooranschlag 1908, betr. bie anberroeitc Regelung ber Vergütung für bie mittleren Staatsamtsaspiranten, beantragt der Ausschuß, bie Großh. Regierung zu ersuchen, im nächsten Hauptvoranschiag Mittel einzustellen, um im Sinne des Antrags Dr. Osanns, veno. ber Vorstellung ber mittleren Staatsamtsaspiranten eine Erhöhung ber Bezüge derselben sicher zu stellen. — Ter Ausschuß weist int übrigen auf seine Berichte über bie Anträge dldelung unb Tr. Osann hin unb beantragt dann, ben Antrag D a m in zum .Hauptvoranschlag für 1908 für erledigt zu erklären. — Das Haus stimmt dem zu.
In Betreff ber Vorstellung des Verbandes ber Schreib- 6 chilfen bei den hesfisclsen Finanz-, Justiz- unb Verwaltungsbehörden behufs Verbesserung ihrer Geleits- und Stelienverbält- nisse beantragt der Ausschuß, die Vorstellung als durch die seitherigen Verhandlungen in ber Kammer unb die Aeußerung ber Regierung für erfebigt zu erklären. Tas geschieht.
Ter Verband der mittleren Verwaltungsbeamten ist bei ber Kammer vorstellig geworben, bie Vergütungen ber Bureaugehilfen bei den Provinzialdirektionen unb Kreisämtern anderweitig zu regeln. i
Abg. Tri Osan n hat hierzu den Antrag gestellt, die Ver- gütilnn zu normieren, int 1. Jahr auf 1600, im 2. auf 1700, bann auf 1800, 2000, J2100 unb 2200 Mk.
Ter Ausschuß beantragt: Tie Kammer wolle bie Negierung ersuchen, bei ber generellen Neuerung der Bezüge aller Staatsbien stamvärier, die Vorstellung in wohlwollende Berücksichtigung zu ziehen.
Dieser Ausschußantrag wird angenommen.
Bei Beratung der Vorstellung einer Anzahl Oberlehrer um Regelung ihres Besoldungsdienstalters und der Vorstellung Großh. Staatsbeamten, betr. bie Anrechnung von Besoldungsvorbienst- zeit, wird eine, dieselbe betr. Anfrage des Tr. Osann mitberaten. Tie Negierung hat bem Ausschuß in einem längeren Schreiben mitgeteilt, daß eine für alle Beteiligten wirklich befriebigenbe Lösung nur bann gefunden werden könne, wenn in keinem Falle mehr das Lebensalter, sondern nur das Dienstalter als maßgebend angesehen wird. Tazu sei aber eine Aenderung ber gesetzlichen Vorschriften notwendig. Die Regierung empfiehlt deshalb, bie in den Vorstellungen enthaltenen Wünsche mitsamt ben neueren Erhebungen ber Regierung als Material für eine Be- solbnngsordnung zu überweisen. Der Ausschuß hat bei Prüfung ber Sache erwogen, daß bie Befriedigung ber Wünsche ber Petenten einen jährlichen Mehraufwand von 103 000 Mk. erfordern würbe, unb stellt den Antrag: Tie Negierung zu ersuchen, baß sie in Bälbe durch eine eingehende Revision ber Besolbungsorbnung bie möglichste Erfüllung ber Wünsche der Antragsteller wohlwollend unb sachförderlich in bie Wege leite.
Abg. Tri Osann befürwortet in eingehenber Weise die! Annahme des von ihm gestellten Antrags, während Abg. Tr? G u t f l e i s ch bie Wünsche der Petenten wohlwollend bespricht, aber dabei die im Ausschuß gehegten Bedenken über die Schaffung der Mittel^hervorhebt.
Abg. Schönberger stellt das Ersuchen, auch auf die Verhältnisse ber Steuerzahler Rücksicht zu nehmen.
Der Ausschußantrag wird darauf einstimmig ange- n o m m e ri.
Tie Vorstellung ber seminaristisch gebildeten Seminarlehrer um anberroeite Regelung ihrer Gehaltsverhält- msse unb die Vorstellung des Rektors Balser zu Friedberg wird ben Ausschußanträgen entsprechend für erledigt erklärt.
Eine längere Debatte ruft der Antrag Ulrich und Gen./ betr. bie Ausbildung ber V o l kssch u l l e h r e r, hervor. Ter Antrag bezweckt bekanntlich bie Aufhebung ber Praparanden- anstalten, refp. bereit Umwanblung in höhere Bürgerschulen oder Realschulen unb wünscht, baß bie Vorbereitung für bie Lehrerseminare auf den Realschulen erfolgen solle, unb beim Seminar- Itubium französisch unb englisch obligatorisch ausgenommen, ber Religionsunterricht bagegen Wegfällen solle usw. Die Negierung hat, wie sie in ihrem Bericht an ben Ausschuß betont, ben An- forberungen der Antragsteller schon zum Teil entsprochen, zum Teil ist sie in eine nähere Erwägung darüber eingetreten. Für die Vorbereitung zum Seminar die Volksschule auszuschalten, halte sie nicht für zweckmäßig. Sie lege vielmehr Gewicht daraus/ baß bie meisten der ben Volksschullehrerberus wählenben jungen Leute die Volksschule, an ber sie später wirken sollen, selbst burchlausen haben.
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Die Mehrheit bes Ausschusses hat sich mit ben Aussührungest bet Regierung einverstanben erklärt und beantragt, den Antrag Ulrich für erledigt zu erklären.
Abg. Dr. David tritt in längeren Ausführungen für bie im Antrag gestellten Forbernngen ein unb begründet dieselben näher. Er wünscht, daß besonders bem naturwissenschaftlichen Unterricht mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden möge. Dem so viel befiagten Lehrermangel werde nur dadurch in Zukunst wirksam vorgebeugt werden, wenn man bem Lehrer bie volle Beanttenqualifikation zuerkenne unb derselbe nicht länger zwischen Tür unb Angel stehe.
Geh.-Rat Tr. Eisenhuth wiberlegt bie einzelnen Aus-, sührungen bes Vorredners. Dem Verlangen der Antragsteller auf, Beseitigung des Religionsunterrichts stelle sich die Regierung entschieden ablehnend gegenüber. Die Einführung des englischen Unterrichts würde jedenfalls zu einer Überlastung ber Schüler führen. Inwieweit neben ber päbagogischen Fachbilbung eine tiefere Einführung in philosophische Studien möglich fei, werde Gegenstand weiterer Erwägung sein.
Die Kammer nimmt schließlich mit großer Mehrheit den Ausschußantrag an.
Ter Antrag "Noack, die Gleichstellung der höheren Schulen in Hessen betr., wird vom Hause ohne Debatte für1 erledigt erklärt.
Bei der Vorstellung des Bundes deutscher Frauen- v er eine, betr. die Ausdehnung der Fortbildungsschulpflicht. aus die gewerblichen Arbeiterinnen, spricht sich Abg. Dr. F r e n a d warm für bie Einführung einer obligatorischen Fortbilbungs- schulpslicht für Mäbchen aus.
Minister bes Innern Dr. Braun legt noch einmal kurz die schon schriftlich mitgeteilte Anschauung ber Regierung bar Nach einigen weiteren Aeußerungen der Abgg. Ulrich und Adelung, welch letzterer u. a. ausführte, wenn die Regierung nur wollte, so würde sie schon einen Weg finden, antwortete
Minister Braun: Um zu beweisen, daß die Regierung sich ehr wohlwollend zu ber Frage stelle, rege er an, in Form eines Spezialgesetzes den Gemeinden die Möglichkeit zu schassen, im Wege des Ortsstatuts die obligatorische Fortbildungsschule für Mädchen einzuführen.
Der Ausschußantrag, die Regierung zu ersuchen, die baldige Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen für Mädchen mit besonderer Berücksichtigung der praktischen Haushaltungslehre unter Bereitstellung entsprechender staatlicher Mittel in bie Wege zu' leiten und damit die Vorstellung für erledigt zu erklären, wird daraus mit 14 gegen 8 Stimmen angenommen. Da zu einem gültigen Beschluß 27 Stimmen gehören, wird von mehreren Abgeordneten bie Beschlußunsähigkrit konstatiert, und es entspinnt ich nun eine halbstündige, sehr lebhafte Debatte über die Frage, ob der soeben gefaßte Beschluß gültig sei oder nicht. Da eine Verständigung .hierüber .nicht erzielt wird, bricht Vizepräsident
Eintritt thsj idet das Konzen - statt. r •dia. zur Nachricht, !its. der AuGzi timmt ist. älbic.v i. Zahlreiche Beim
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Zweites Blatt 158. Jahrgang Mittwoch 37. Mai 1908
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gverhefien


