Ausgabe 
30.7.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

lnu. Hausarbeit veM -hliisiieiie. - Schrij- .E an den GieT ädchen iur Küche u.tzLll ^aucmadch. sucht Lie^ chmrdt, Neuen Baue i

tWfkllll Q.bct tSK

MLL

ZWx ch-in berB*0!1'^

MZ ^hin ÄjMn

e»«itätÄ «

der ftäujet mbitüden, Billen, & eiet Art, Hoieltz, St­ele., auf allen ^15^ Mit gmtis---

Abc»d filii

jtooual'

he b^LÄr 53it^

r. Waag

hirmfobrik reuzplalz 6

i schirme genschirme

Spazierstöcke paratur in eigener itt sorgfältig und billigst. c7, bezögen tolle Ga­ur gute Spannung

Michr. VerMWx?- auiS'Zentral« gmk. Dtain 13,

M i 8S üKAL-« d LubiMW^-

w 1

;r u teilen

6 es/JSi --

^-Shi-nbcn» *

«IM*** gfe« gelteroroesJL^ piwWSi. i ist nndj der Ju0gj ÄnalSSÜlfe

^et «a^etet Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 3V. Juli 1908

erscheirU^täglich, auyet A Ct*:

Emmtag«. - Beilagen: Y A W monatlich75Pf.,vtertel-

viermal wöchentlich fz?.i a jA. A _^k >Jk A a»., jährlich Mk. 3J0; durch

StehenerZamilienblätter; M M Ää8Ä äWl «TV Llbhole- u. Zweigstellen

»weimalwöchentl.LreiS' EG W fl Ha Ä er H H fl V H W H M H Zte ßÄ A 'SU |S monatlich 65 Pf.; durch

blaNfürvenrrreirSlehen |||| MM K H R< I Bl O g 3L< S diePost Mk.«.-viertel-'

siyivnviivi 4iinwuvi

tüt btt Redaktion 112, MM ^R»r Verantwortlich

:Ss? General-Anzeiger für Oberhessen MM

Lmradme von Anzeigen V r * M u. Land" und.Gerichts-

^Tu" Rotcfionsbrud und Verlag der SrühNschen Unw.-Vuch- und Steindruck»««. R. r-nge. Reöattlon, Lrpedition und vruckeret- Schulstratze 7. 8n!s.g

Vie Landtagswahlen |908.

Die 33. Landtagsperiodc ist erst vor wenigen Wochen zum Abschluß gelangt und schon regt sich in verschiedenen Kreisen die Agitation zu den im Herbst erfolgenden Neu­wahlen für die ausgeschiedenen 25 Kammermitglieder. Han­delt es sich dabei auch zunächst nur um die ersten Dorposten- gefcchte und Rekognoszierungsritte auf dem M bearbeitenden Terrain, so lassen diese doch schon mit Sicherheit erkennen, daß der diesmalige Kampf sehr heftig sein und mit großer Erbitterung durch geführt lverden wird. Und die Parteien haben auch alle Veranlassung dazu, bei der kommenden Wahl mit voller Rüstung auszutrcten, denn es ist doch nach dem jirngften Ausgang der Mahlrechtsdebatte in der Zweiten Kammer und dem Uinstand, daß sich die Mehrhcitsparteien mit 40 Stimmen auf die Seite des Kompromißantrages Glässing stellten, zuversichtlich zu erwarten, daß in der nächsten Kammertagung über eine neue, von der Regierung bereits zugesagte Wahlrechtsvorlage eine endliche Verstän­digung erreicht und somit die kommende Wahl die letzte unter dem Zepter des indirekten Wahl­rechts sein wird. Daß es trotz dieser endlich zwischen den beiden Ständckammern gefundenen Verfassungsgrundlage noch lange schwierige Kämpfe vor allem in der Zweiten Kammer selber kosten wird, um die Vorlage zu einem die Zweidrittel-Mehrl)eit befriedigenden Abschluß zu bringen, bedarf kaum der Erwähnung.

Im allgemeinen ergibt sich für die bevorstehende Wahl folgendes Bild: Von den zur Hälfte ausgeschiedenen Kam­mermitgliedern haben 10 der nationallib. Partei, 5 den Bauernbündlern, 4 den Sozialdemokraten, 3 den Freisinni­gen und 2 dem Zentrum angehört, während der letzte der Ausscheidenden ein Fraktionsloser war. Tie Nationallibe­ralen haben also von ihren bisherigen 18 Kammersitzen nur 8, die Bauernbündler von ihren 13 Sitzen ebenfalls 8, das Zentrum 5 und die Sozialdemokraten 3 Sitze behalten. DaS Zentrum hat somit bei der Wahl am wenigsten zu verlieren, die Freisinnigen am meisten, nämlich alle drei Mandate. Von den zehn von den Rationalliberalen zu ver­teidigenden Sitzen entfallen 6 auf die Provinz Star­kenburg, 3 auf Rheinhessen und nur 1 auf Ober­hessen. In den vier letzteren Wahlkreisen dürfte eine Wiederwahl der bisherigen Vertreter (Reinhart-Worms, Finger-Pfeddersheim, Braun-Oppenheim - Wörrstadt und Stvpler-Lautcrbach) aus wenig Schwierigkeiten stoßen. Da­gegen muß faß in allen Starkenburger Wahlkreisen mit einem wesentlich starken Vorstoß der anderen Parteien ge­rechnet werden, so namentlich in Wald-Michelbach (Dr. Hei­de nreich), Lampertheim (Selinger) und in den beiden Darm­städter Wahlkreisen (Dr. Glässing und Dr. Osann). In Ober- Hessen haben die Freisinnigen ihre drei Sitze zu verteidigen «.Dr. Eutfleisch-Eießen, Reh-Alsfeld und Tamm-Friedberg.) Die Wiederwahl des ersteren ist dadurch gesichert, daß die Nationalliberalen vollzählig für ihn eintreten werden, wäh­rend in Friedberg mit einiger Wahrscheinlichkeit auf eine Zurückeroberung des Wahlkreises für die Nationalliberalen gerechnet wird und der Alsfelder Kreis einen starken Ansturm von den Antisemiten und Bauernbündlern ausgesetzt werden dürste. Von den beiden Zcntrumskreisen (Bingen und Nieoer-Olm-Ober-Jngelheim) erscheint nur der letztere nicht

wenig bedroht, wenn gegen den bisherigen Abg. Dr. Frenah, wie verlautet, ein freisinnig-sozialdemokratischer Gegcnkandr- dat aufgestellt werden sollte.

Das größte Interesse bei den kommenden Wahlen aber dürfte sich auf Mainz,Offenbach und Bürgel konzen­trieren, wo die Sozialdemokraten ihre vier Mandate tvieder erobern müssen. In Offenbach, wo der zur Genüge bekannte rote Ulrich" seit ca. 20 Jahren sein radikales Parteizepter schwingt, war es schon 1902 dem geschlossenen Vorgehen der bürgerlichen Elemente glücklich gelungen, den Terrorismus der Sozialdemokratie zu brechen. Nur die Uneinigkeit der bürgerlichen Wähler war Schuld daran, daß im Jahre 1907 Herr Ulrich noch einmal einen Sitz im Reichstag erlangte. Die bürgerlichen Parteien scharten sich aber bald darnach wieder zu einem einheitlichen Vorgehen zusammen und die Folge war ihr glänzender Sieg bei der Offenbacher Stadt- verordnetcnwahl, durch die die viclgerühmteHochburg der Sozialdemokratie" in Trümmer gelegt wurde.

Auch in Mainz lassen die Wahlen der letzten Zeit deutlich erkennen, daß die dortige Machtstellung der Sozial­demokratie stark ins Schwanken geraten ist. Bei der Reichs­tagswahl 1907 ist ihr der Wahlkreis nur noch mit einer ganz geringen Mehrheit zugefallen: er wäre schon damals von dem nationalliberalen Kandidaten gewonnen worden, ivenn nicht eine kleine, verblendete Gruppe von freisinnig-demo­kratischen Wählern mit großem Eifer für den Sozialdemo­kraten eingetreten wäre. Es kommt jetzt in Mainz nur darauf an, eine richtige Auswahl unter den bürgerlichen Kandidaten zu treffen, um dem Regime der Herren Dr. Da­vid (der doch auch als in Berlin ansässiger Parteisekretär mit Mainz nur noch in sehr loser Verbindung steht) und Adelung ein Ende zu bereiten. Der große Vorort Bürgel, der mit Seligenstadt den vierten Sozialdemokraten, den Bureaugehilfen Orb Entsandte, hat nach seiner Einver­leibung in Offenbach durch die Wahl seiner Gemeinde­vertreter ebenfalls bewiesen, daß er alles dransctzt, die einseitige sozialdemokratische Vertretung mit einer gemein­samen bürgerlichen zu vertauschen.

Nun kommt noch die Wahl in D a r m ft a d t in Betracht. Die Residenz ist über ein Menschenalter durch national­liberale Abgeordnete vertreten gewesen, von 1875 ab durch Männer, wie Wolfskehl, Diehl, Oyly usf. Nur einmal, 1902, gelang es infolge des Zusammengehens der Frei- sinnigcn und Sozialdemokraten, anscheinend eine Mehrheit von wenigen «Stimmen, ans zwei freisinnig-demokratische Kandidaten zu vereinigen. Dre Wähl wurde jedoch mit er­drückender Mehrheit von der Kammer für ungültig er­klärt und es erfolgte die Wahl zweier Nationalliberaler, Dr. Buff und Müller, als deren Ersatzmänner bis jetzt die Herren Dr. Osann und Dr. Glässing der Kammer an­gehörten. Bei der vorjährigen Reichstagswahl wurde be­kanntlich, wie üt so vielen anderen Kreisen, auch in Darm­stadt der Sozialdemokrat mit der enormen Mehrheit von 2000 Stimmen aus dem Sattel gehoben und Dr. Osann gewählt, dank des einmütigen Zusammengehens aller bür­gerlichen Elemente.

Erst vor wenig Tagen hat dieFreisinnige Zeitung", die als früheres Organ des verewigten Eugen Richter, doch immer noch das maßgebende Parteiblatt darstellt, sich mit der Frage der Bün d n i s f ä h i g ke i t d e r So zi a ld e m o-

k r a t i e beschäftigt und dabei darauf hingewiesen, daß diese bei ihrer agitatorischen Tätigkeit und der Wahl ihrer Mittel' von Stufe zu Stufe moralisch herabgesunken ist"; Dor den früheren Männern mußte man Hochachtung haben, aber jetzt sei sie herabgesunken auf das Mveau der Okiffe und der Gosse, gerade in demselben Maße, in welchem ihre Macht wuchs. Es sei für sie ein besonderer Sport, die per­sönliche Ehre ihrer Gegner zu besudeln, sie sei zu einer schimpfenden und verleumdenden Partei geworden, sie suche hinter allem, was ihren vermeintlichen Interessen zuwider- läuft, absichtlich schmutzige Motive und mache sich geradezu der Korrumpierung des deutschen Volkes schuldig. Das Blatt kommt dem Schluß, daß ans allen diesen Grün­den jedes Zusammengehen mit dieser Partei völlig aus­geschlossen erscheinen muß. Auch wir meinen, die hessischen Freisinnigen und Linksliberalen werden es sich sicherlich noch zehnmal überlegen, ob sie wirtlich noch mit der Sozial­demokratie in irgend welche Verbindung eintreten können.

Aus Stadt und Lund.

Gießen, 30. Juli 1908.

** Vom Großh. Hofe. DerDarmstadter Ztg." zufolge reisten das Großyerzogspaar von Hessen mit dem Prinzen und der Prinzessin Reinhard zu SolinS-Hohensolms- Lich gestern nachmittag nach Frankfurt a. M. zur Teilnahine an den Polowettspielen. Von dort aus begaben die Herr­schaften sich abends nach Lich. Wie dieDarinstädt. Ztg." meldet, sind die Söhne des Prinzen Friedrich Karl von Hessen gestern von Schloß Wolfsgartcn nach Frankfurt a. M. zurückgekehrt.

LEI. Landes-Universität. Am 1.August begeht der ordentliche Professor der Philosophie Geh. Hosrat Dr. Her­mann Siebeck sein 25jähriges Diensljubiläum als Ordi­narius an unserer Ludoviciana.

** Das Vorlesungsverzeichnis unserer Uni­versität für das Winterhalbjahr 1908/09 ist soeben erschienen.

"In den Nil he st and versetzt wurde der Großh. Weichensteller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschast Karl Stuckert zu Neinheim mit Wirkung vom 1. Oktober 1908 an.

** Militär-Wochenblatt. Frhr. v. Gall, Lt. im Leib-Garde-Jnf.-Regt. (1,. Großh. Hessen) Rr. 115, scheidet mit dem 31. Juli aus dem Heere aus und wird mit dem 1. August 1908 in der Marine im See-Bat. angestellt.

** Bisrnarckgedächtnisfeicr. Der Gedächtnis-, abend, den die beiden hiesigen nationallibcralen Vereine anläßlich des zehnjährigen Todestages des Altreichskanz­lers veranstalteten, war gut besucht. Pros. L u l e y eröffnete denselben mit einer Begrüßung der Erschienenen und der Gäste aus Lollar und Lauterbach. Nach einer trefflichen Schilderung der Charaktere unserer beiden Herrscher brachte er ein Hoch auf Kuiser und Reich aus. Daran schloß sichs der Gesang der Herrscherhymne. Nachdem der Redakteur des Wetzlarer nationalliberalen Organs, derVaterländ. Blätter" (deren Bismarcknummer verteilt wurde), Herr O. Riedel einen von ihm verfaßten Prolog Dorgetragen

Bayreuther Mspiele.

(Nachdruck verboten.) Bayreuth, 25. Juli.

III. Rheingold.

Gestern war Ruhetag, und heute begann mit einer merk­würdig matten Nheingold-Aufsilhrung die Darstellung des Ringes. Es ist schwer, hier das rech.e Wort zu finden. Man hat eine ganze Anzahl vorlresslicher Künstler zu großem Werke vereinigt. Eine vollendete Ausarbeitung ließ das musikalische Bild in makel­loser Reinheit erstehen. Hans Richter leitet ja wie immer so auch in diesem Jahre die erste Ringaufführung. Konnte es da an etwas fehlen? Nun, es fehlte eben nicht mehr und nickst weniger als das Außerordentliche. Im Lohengrin war es mehr der wundervolle Clwr, die Erscheinung Barys, im Parsifal war es Felix von Kraus, sie hoben fast mühelos die Vorstellung in eine höhere Sphäre. Man hat oft gesagt, und zuweilen glaubt man es selbst: Bayreuths außerordentliche Wirkung beruhe in seinem Tarstellungsniveau, in seinem Stil, der künstlerische Adel kröne das Ganze, während die Einzelleitung möge sie noch so trefflich fein zurücktrete. Ja selbst das Mindergelingen einer Einzelheit vermöge daran nichts zu ändern. Man mochte das im Parsifal glauben, wo beispielsweise Burrian ganz aus dem Rahmen siel und doch dem gewaltigen Eindruck des ersten Aktes keinen Abbruch tun tonnte. Und nun kommt diese zweifel­los vorzügliche Aufführung des Rheingold und wirft mit_ ihrem Mangel an Stimmung die schönsten Maximen über den Haufen. Walter Soomer (Leipzig) sang zum erstenmal den Wotan in Bayreuth. Er hatte die fast urrlösbare Aufgabe, die Er­innerung an Theodor Bertram zu bannen, der hier zuletzt den Wotan gefangen hatte der hier auf so traurige Art ums -eben gekommen ist. Man dachte mit Trauer Bertrams- Wohl hat Herr Soomer eine sehr schöne Stimme, die nur ein bißchen allzu unfrei klingt. Ein verständiger Darsteller ist er auch, mehr vermochte man vorläufig nicht zu fpuren. Frau Reuß -- Beloe, die auf dem offiziellen Programm alsdramatische Assistenz" genannt ist, fang wie immer die Fricka. Leider ist die Stimme der klugen und keiintnisreichen Darstellerin DcrbLübt. Daß Lilly Hafgren (Freia), Alois Hadwiger (Froh) und Schützendorf-Billwidt (Donner) keine Osfenbarungen bieten würden, daraus war man gefaßt. Ihre musikalische Pflicht taten alle. Gegen dicfe Götter hatte Dr. Otto Briesemecster feinen schweren Stand, der wie immer seinen berühmten Loge sang. Diese höchst geistreiche und graziöse Leistung ist so viel gelobt morden, und doch der Witz will auf leichten Füßen laufen ; bei aller Feinl-eit ist Briesemeister immer noch zu plump. Es bleibt schließlich doch alles m der merfoaren Absicht stecken! Und am Ende glaubt man gar an eine recht täppische Wichtigtuerei. Ligenlümlick)ere Züge mochte man an Fafner (Carl Braun) ent- becken, dem sein Bruder Lorenz Corvinus faum nachstand. Von dem pmderen Bruderpaar kann man freilich nur Mime (Hans Breuer) Anerkennung zollen. Max Tawison, der schon als Tel- tarnunb alles verdarb, zeigte sich dem Alberich gar nicht ge- Dachjen. D^e Damen Frieda Hempel, Bella Alfen,

Adr. von Krausborne in Zusammenklang und Intonation ein vollendetes Rheintöchtertrio. Es fehlte nur eben ein bißchen persönlicher Reiz. Den durste man freilich nicht von Fräulein Hempel verlangen, die eine ebenso schöne wie kalte Stimme hat.

So bot das Rheingold wenig Tadelnswertes und gar nichts, was uns begeistern konnte. Gerade das Versagen des Alberich mußte sreilich der dramatischen Gesamteindruck empfindlich schä­digen.

Bayreuth, 26. Juli.

IV. Walküre.

Die Enttäuschung, die mit dem Rheingold begann, scheint ihre Fortsetzung nehmen zu wollen. Glaubte man doch, gerade vom ersten Akt der Walküre Besonderes erwarten zu dürfen. Alfred von Bary, der als Lohengrin so lebhafte Sympathie erweckt hat, war zum Siegmund bestimmt, Frau Leffler-Burkhard zur Sieglinde. 9tun, diese gab denn auch wirklich eine Leistung, die sich vollkommen auf der Höhe ihrer Kundry beinegte. Es ist merkwürdig, die Heroinen, die in unserm Schauspiel so selten werden, sind auf der Opernbühne noch zu finden. Frau Leffler- Burkhard ist eine der hinreißendsten. Was will es gegenüber ihrer großen dramatischen Straft besagen, daß die (Stimme nicht mehr so ganz intakt ist? Eine seltsame Stimme von außerordent­lichem Umfang: ein ausgesprochener Soprantimbre in der Höhe, ein ebenso entschiedener Charakter in der Tiefe. Aber diese Ent­wicklung scheint nicht auf.ganz natürliche Weise zugegangen zu sein. Zuweilen spürt man den Bruch. Man spürt ihn, und man ward doch nicht gestört. Gibt doch diese Frau in der völligen Be­herrschung des musikalisck)--dramatischen Parts nur noch sich selbst. Es ist kein Gedanke mehr an Kapellmeister und Regisseur, ein freies Entfalten aller seelischen Kräfte. Und diese prachtvolle Erscheinung an einen unglücklichen Siegmund gefesselt, der Mut und Anstand eines Tanzstundenhelden hat. Herr von Bary soll wie man erzählt an einem Augenleiden fronten, das ihm die Bewegung auf der Bühne außerordentlich schwer macht. Viel­leicht wurde ihm die Darstellung des Lohengrin, dessen Schritte so wohl abgezählt sind, leichter als die des Siegmund aber die stürmische Leidenschaft des Weisungen brachte er nicht auf, selbst wenn er ruhig neben feiner bräutlichen Schwester zu fitzen hatte. Dafür zeigte sich sein gesanglicher Vortrag auch nicht ohne Manier. Und zwar war es die spezifisch Bayreuther Vtanier, die sich vor­dringlich bemerkbar machte. Briefemeisters Loge zeigt sie in höchster Vollendung, und bei der geistreichsten Gestalt des Ringes ist die Art eines bis in das kleinste Detail durchgearbeiteten Vortrags erträglich und vielleicht erforderlich. Siegmund aber ist durchaus nicht geistreich. So notwendig jedes Wort zum dra- matifd}en Aufbau ist, der Gefühlsuntergrund ist viel stärker. Er diktiert die melodische Linie, die gerade im ersten Akt der Wal­küre hinreißender i)t, denn in allen anderen Teilen des Rings. Und das ging verloren über einer minutiösen Kleinmalerei, die zudem noch stark den Eindruck des Einstudierten machte. Aber auch stimmlich schien Herr von Bary die Indisposition nicht überwunden zu haben, die im Lohengrin seine glänzende Leistung kaum beeinttädtiste. Erst ganz muü .Schluß des zweiten Aktes^

sand er eine gewisse Größe wieder. Allen Hinckley ft.llte einen sehr charakteristischen Hunding auf die Szene. Ellen Gulbransson fang wie so oft -- die Brunhilde. Noch immer ist ihre große schöne Stimme rund und Doll, noch immer aber ist ihre dramatisch Leistung recht kühl und nordisch. Wird sie jm weiteren Verlaufe die Wärme finden?

Hans Soomer fang den Wotan. Wie so vielen Bariton­helden liegt auch ihm der Wotan zu tief. Aber feine Mittel, gesangliche und darstellerisck)e, erlauben ihm, den unglücklichen Göttervater würdig zu repräsentieren. Töne besonderer Wärme findet er aber erst im dritten Akt, der sich überhaupt zu einen Größe emporschwang, an die man nach den beiden vorangehenden Akten kaum glauben mochte. Das SBalfürencnfcmblc erinnere ich mich kaum je so vollendet gehört zu haben. Ellen Gulbransson mit Walter Soomer fangen il-re Abschiedsszene mit erschütternder, Gewalt und das wundervolle Orchester unter Hans Richter brachia den Abend glücklich zunt Abschluß. So brach denn heute zum erstenmal wählend der bisherigen Festspiele das Publikum in spontanen Beifall aus, der genügt hätte, die Darsteller zehnmal auf bie Bühne zu rufen, wenn diese Praktik nicht verpönt wäre.

Ein mit Recht entrüsteter Freund der deutschen Dichtkunst schreibt uns folgend: Zeilen ehrlichen Zornes:

Wie verdorben leider heutigen Tages der Geschmack vieler Menschen ist, dürfte einGedicht" eines (Gott sei dank) unge­kanntenDichters" bezeugen. Jedermann kennt das ergreifende Gedicht Freiligraths:O lieb' so lang du lieben kannst, o lieb so lang du lieben magst, die Stunde kommt, die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und klagst." Ta heißc es nun im ge­nanntenGedicht":O turn )o lang du turnen kannst, o turn so lang du turnen magst--Es kommt die Zeit, da dich dein

Wanst dran hindert und du stöhnend klagst." Ich fand diese Eselei in einem ober hessischen Lokalblatte und kann ihr nur einen Pfuiruf widmen.

Kleine Kunstchronik. Ter weimarische Hoifchau- spieler und Oberregisseur Start Weiser, der auch als Schriftsteller sich vielfach betätigt hat und früher im Ensemble derMeininger" als Darsteller hervorragend wirkte, feierte gestern, am Mittwoch, den sechzigsten Geburtstag. Er ist zu Alsfeld geboren und vom Studium der Theologie zur Schaujplelknnst übergegangen. Ten Krieg von 1870 machte er als Freiwilliger mit. Ter Bcr - band der P r i o a t - T h e a t e r - V e r e i n e Deutschlands, e. B., hält am 22., 23. und 24. August feinen 16. Verbandstag in Einbeck (Hannover) ab, wozu alle dramatüchen Vereine Teutschlands auch solche, die dem Verband nicht angehören emgelaöen wer­den, Vertreter zu entsenden. Ter Verband besitzt eine Bibliothek von rund 600 dramatischen Werken mit ausgeschriebenem kompletten Rollen- und Notemnatenal für Orchester- und Klaviermusik, die den Vereinen zur freien Benutzung (ohne Leihgebühr) zur Ver­fügung stehl.