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29.9.1908 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Jena

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abgelehnt, jedoch mit dem Bemerken, daß man damit nicht Stellung gegen ihren Erhalt nehmen wolle.

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ir tappen mit der Stange im Nebel herum, wenn wir nicht sagen, welche der beiden in Betracht kommenden Jn- Mnzen, die Fakultäten oder die Staatsgewalt, schuld sind an der Verletzung der Freiheit. Prof. Ernst Mayer- Würzburg: Uebct die Habilitationsbedingungen können wir uns hier nicht unterhalten. Auf der anderen Seite dürfen wir einem Protest gegen die Maßregelung bereits ang^stellter Lehrer nicht aus- weichen. Alfred Webe r-Heidelberg: Werin wir hier nicht Stel­lung nehmen, so erwecken wir den Verdacht, als ob wir uns vor ganz bestimmten politischen gesellschaftlichen Vorurteilen beugen. Wir dürfen uns nicht nachsagen lassen, wir fürchteten uns vor den Sozialisten als Universitätslehrern. Professor v. Amira- München: Eine solche Siachrede wäre lächerlich, weil wir die Frage im nächsten Jahre ausführlich behandeln wollen.

.Damit schließt die Aussprache über diesen Leitsatz. Bei der Abstimmung ivird ein Antrag Lotz angenommen, die Sache zu Der tagen, und dabei ausdrücklich festgestellt, daß man sich nicht um die Beratung der Sache drücken wolle, sondern daß sie für den luchsten Hochschullehrertag entsprechend vorbereitet werden soll. These 3. wurde darauf unter Streichung der beiden letzten Sätze in folgender Form angenommen: Um im Staate jedermann zuzustchen, bedarf diese Unabhängigkeit so wenig wie irgend ein anderes sogenanntes Grundgesetz einer Verbürgung im Gesetz.

Es wurde sodann die These 4. des Referenten v. Llmira zur Diskussion gestellt, die folgenden Wortlaut hat: Auch aus der amtlichen Stellung eines Forschers oder Lehrers kann keine Be­schränkung seiner Forschungs- oder Lehrfreiheit abgeleitet werden, weder unmittelbar noch mittelbar etwa so, als hätte er durch seinen Anstellungsoertrag der staatlichen Amtsgewalt eingeräumt, ihm in jenen Beziehungen Schranken zu setzen. Ein solcher Vertrag würde gegen die guten Sitten verstoßen und folglich nichtig fein. Seine Erfüllung rväre eine Verletzung der im Lehramt liegenden Pflicht der Wahrhaftigkeit. In der Diskussion meinte Professor Binding-Leipzig, man solle nicht über die folgenden Thesen einzeln diskutieren. Wenn ein Minister wisse, daß jemand ein revolutionärer Anarchist sei, so würde er seine Pflicht verletzen, wenn er den Mann zuließe. Hartmann-Wien: Wir müssen unsere Forderungen spezialisieren, sonst können wir gleich nach Hause gehen. Wir müssen sprechen auch über die Frage der theologisck>en Fakultäten. Kaufmann-Breslau: Ich kenne die ungeheuren Schwierigkeiten verschiedener Theologieprofessoren ihren kirchlichen Aemtern gegenüber, aber es gibt auch viele, die trotzdem nach der größten wissenschaftlichen Freiheit streben. Es tagt sich: Tun wir iinfefln theologischen Kollegen einen Dienst, wenn wir die Thesen annehnren, wie sie oorliegen. Ich glaube, wir können nicht mehr tun, als federn seine Freiheit lassem Prof. Lic. THümmel-Jena: Die letzten fünf Thesen tragen geradezu die Ueberfchrift: gehören die theologischen Fa­kultäten noch in die Universitäten? Zweifellos liegt eine Spaltung vor, die auch allen theologischen Fakultäten zum Bewußtsein kommt. Die tl-eologischen era toten sind an den Universitäten, weil geschichtlich unsere Universitäten aus kirch­lichen Gründungen hervor gegangen sind. Die Schvierigkeitert lie­gen darin, daß das ckiristttche Glaubensbewußtsein nicht in an­nähernd gleichem Niaße von der Einheit der Staatsangehörigen geteilt wird, wie das bei anderen Dingen der Fall ist Früher patten wir christliche Völker, folglich auck) einen christlichen Staat. Diesen haben wir tatsackurch nicht mehr. Wir haben heute Leute, die mit Bewußtsein nicht mehr Christen sein wollen. Und diese Leute haben ia das LlerckZe Recht am Staate wie andere. (Lebh. Zustimmung.) Tarin liegt die Schwierigkeit, daß manches gelehrt wird, von dem ein großer Teil der Staatsangehörigen sagt: das interefjurt müh überhaupt nicht mehr. Sollen die theologischen Fakultäten bei den Universitäten verbleiben oder nicht? Ich seist der Behandlung dieser Frage mit großer Seelenruhe entgegen, denn die Lösung wird auch hier aus der Praxis sich ergeben.

Tie Praxis fordert, daß' beide Konlrahenlen, ber Staat und die christliche Gemeinde, sagen mußten: Wir Haden ein großes In­teresse daran, daß die Tiener und Worttührer einer so großen Organisation dort unterrichtet werden, wo die großen Kulin^tätten des Staates sind. Tieies Interesse hat die christliche Lememde evangelischen Bekenntnisses zweifellos. Darüber herrsM in den maßgebenden Kreisen der Evangelischen kein 3roeikL und es herrscht auch kein Zweifel darüber, daß bei einer eventuellen Aus­hebung der theologischen sZaknllälen die theologischen Seminare nur an den Umoerfitaien errichtet werden tonnten. Ob das die römische Kirche freilich auch tun wurde, ist schon eine andere Frage.

Prof. W a h r m u n d (Prag) beantragt, feie weiteren Thesen en bloc anzunehmen. Sollte man sich ober nicht zu dieser Höhemat

Die beiten Schwein«., . knickte bezieht min.- stan Abplanalp,WA Friedberg t. & 1 eie*-

AHSEEEStil Wiederbeginn unserer skn toenÄeite nnd Weissoäk am L Damen können

W-iMIter L4 Ncueubaue.

politische Tagesschau.

Ter deutsch-französische Zwischenfall in Casablanca wird von dem Korrcipondenten derKöln. Ztg." in Tanger folgendermaßen geschildert: Als am 25. September mittag- der deutsche Konsulatssekretär Just in Casablanca in Be­gleitung eines Konsulatsbeamten einige Legionäre, die sich unter den Schutz des Konsulats gestellt hatten, zum Hafen in das Boot begleitet hatte, das sie zu dem deutschen DampferGinIra" bringen sollte, wurde die Einschiffung durch französisches Militär verhindert. Das Bool schlug um, die Insassen sielen ins Wasser und gerieten in Gefahr, zu ertrinken. Die französischen Soldaten entrissen die Le- gionäre gewaltsam ihren Begleitern und schlugen den Kon­sulatssoldaten blutig; sie schlugen ihm derartig ins Gesicht, daß es anschwoll; auch zerrissen sie ihm den Anzug. Just erhob gegen die W^anahme der Legionäre Einspruch, lvoraus der Hafentopitän ihn mit dem Revolver bedrohte. Darauf erschien der Bizekonsul Maenß mit einem Dragoman und verlangte die sofortige Freilassung des K'onsulatssoloaien, der in roher Weise gefesselt worden war. Tie Entlassung wurde anfangs verweigert und erst auf wiederholtes for­melles Verlangen wurde der Soldat unter Vorbehalt wei­terer Schritte freigegeben. Inzwischen hat Deutschland be­reits bestimmte Anträge wegen Genugtuung an Frankreich gestellt. Der französische Minister des Aeußern Pichon emp sing gestern abend den deutschen Geschäftsträger Freiherrn von der Lancken, mit dem er über den Zwischenfall eine Besprechung hatte. Die Unterredung verlief in sehr ver kindlichen Formen. Beiderseits wurde das größte Ent­gegenkommen gezeigt. Im Laufe der Unterrebung bcmerltc Pichon, bevor man über die Frage verhandeln luimc, musst man die Tatsachen genau kennen. Ein ausführlicher Be­richt sei von General d'Amade eingefordert. Einer Haid amtlichen Meldung zufolge ivird, sobald die Antwort des Generals d'Amade über ben Zwischenfall in Casablanca ein- getroffen ist, die Angelegenheit den juristischen Seirätcf des Ministeriums des Aenßern unterbreitet werden.

i-licrung, die bezüglich der Theologiedozenten hier aufgestclltcn c-che nicht in vollem Umfange anerkennen, so würde sic damit aiter d(ii,Hochschullehrern einen Gegensatz von zwei Sttaffeji schaffen, nue Klasse, der die Pflicht der Wahrhaftigkeit, und eine andere träne, der die Pflicht der Unwahrhaftigkeit auserlegt wäre. Tic e.'lgc wäre die Unmöglichkeit irgend eines Zitsammenwirkens Mer beiden Klassen und es müsste daher aus dem Wege der r-lostverwaltung dazu kommen, daß die Angehörigen der zweiten ti'asse um ihren Einfluß ans das akademische Leben gebracht f'trben. 9. Aus der 2. Resolution ergibt sich die Gefahr, die ni-.t der Zulassung konfessioneller von Kircl-engesellschaften er-

-Peter und beaufsichtigter Hochschulen selbst dann verbunden j.-.ibt, wenn den: an solchen Hochschulen zurückgelegten Studicn- iotg in feiner Weise der rechtliche Wert zugestanden wird, der dem : udiengang an staatlichen Hochschulen innewohnt.

An den Vortrag von Prof. v. Almira-München knüpfte sich "-ne außerordentlich rege Diskussion, in der zunächst pu! einzelnen Thesen des Referenten beraten wurden. Zunächst rurde die Tcse 1 behandelt: Die wissenschaftliche Forschung und !>:>.! Mitteilung ihrer Ergebnisse müssen gemäß ihrem Zweck un- ittjängig fei.t von jeder Rücksicht, die nicht in der wissenschaftlichen --cthode selbst liegt. Prof. Alfred Weber-Heidelberg führte taqu aus: Angesichts der Tatsache, daß Einschränkungen der LZihrfreiheit und der Zulassung zum Lehrberuf nicht nur von kirchlicher Seite, sondern auch auf Grund bestimmter gesellschaft- rind wissenschaftlicher Vorurteile erfolgen, haben wir aUc. llvsache, energisch auch ghjeii diese Einflüsse zu protestieren. Genau 1-ägt, wir wollen uns dagegen weliren, daß die regierenden Kreise Jiri) naiver Weise auch ntanck>e Akademiker z. B. die Marxistische Anschauung von der Universität ausgeschlossen haben. Ich er- ir^cre an feie Fälle Dr. Arons und Dr. Michels. Doppelt be- Kämenb ist cs für uns, roftui das Ausland solche Leute mit önßhand uns ioegnimmt und darüber lacht, daß die berühmten ö-'stschcn Universitäten, die Stätten der angeblickstn Lehrfteiheit, clche Leute entfernen. Redner empfiehlt folgenden Antrag: Ta »ii die Hochschrilcn Stätten absolut unabhängiger Forschungen und üchre sein können, darf Weltanschauung uns politische Stellung >k-- Forschere- und Lehrers niemals ein Grund der "Nichtzu- ^ung oder des Ausschlusses vom Lehramt sein. Professor : :cng e l - Greifswald bittet, diesen Antrag zurückzuziehen. Es rin ausdrücklich alle Fragen ausgeschlossen worden, die sich auf M 3ulanung zum Lehramt beziehen. In der Sache selbst sttmme n dem Redner zu. Der Fall Arons sei ein spezieller Fall. tof. Hartman n-Wien meint, die Nichtzulassung zum Lehr- ort prajudiziere feie Freiheit der Forschung genau so wie die ktfernung vom Lehramt. Prof. Kaufmann- BreSlan ist der lnsicht, daß im Falle Arons Die Universität Berlin ihre volle cozuldigkeit getan habe. Prof. Alax Web er-Heidelberg er- litt, er pfeife auf die akademische Freil-eit derer, die schon Lehrer um), wenn die Turchsiebung schon begütig, ehe man überhaupt ilofeemischer Lehrer werde. Prof. Lotz-München warnt davor, i-'Teilte Beschlüsse zu fassen. Er dürste gertwezu danach, im üAsten Jahre die Fragen Arons und Nüchels ausführlicher zu itEanbcln. _ Lujo Brentano- Münck-eit empfiehlt in der

1. statt Der Worte:Die nicht in Der wiisenschaftttchen 'thvde selbst liegt" zu sagen:Die nicht in der von dem Forscher Mt angewandten Methode liegt". Es könnte sonst Vorkommen, te;> Fakultäten sagen: diese Methode ist nicht zulässig. Am >'-2c Weise könnte neuen Piethoden Der Weg Derrammelt werden.

Bei der Abstimmung wurde die These 1. in Der Fassung des übereilten v. uimira einstimmig angenommen, nachdem Der Av- 2ii.erungsvorschiag Brentanos gefallen war. Die These 2. rourDc i^tte Debatte angenommen und Darauf der Antrag Alfred Weber- Xräetberg beraten, wonach Weltanschauung und politische Stellung

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.. i können, Dann beantrage er die übrigen Punkte nid er­läuternden Anhang zu ben vorbergebenben Beschlüßen eu bloc an- zunehmen. Nach längerer GeschäftsorDnnngsdcbalte wird Die These IV in folgender Fassung angenommen : Auch aus der amt- lichen Stellung irgend eines Forschers oder LehrerS kann keine Be­schränkung seiner ForschungS- und Lehrfreiheit abgeleitet werden, weder unmittelbar auS seinem Anstellungsvertrag, noch mittelbar in irgend einer anderen Weise. Ter übrige Teil der These des Referenten wird abgrlchnt. Daraus wird tolgende These 5 än genommen: Ausnahmen von obigen Sätzen sind auch nicht bei atabemnd>cn Lehr Mi Der Theologie anzucrkenneu. Tie ursprüng­liche These 5 des Referenten wird als These 6 angenommen. Annalnne findet ferner die These 9. Die übrigen Thesen werden

Ter Stehener Snzelger Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag S8. September 1908

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_____ _______________ ' u Anzeigenteil: H. Beck.

Der ataSemische Lehrer und die Zreiheit in Forschung und Lehre.

gegründete deutsche HochschullehreNag hat sich Die Wahrnehmung Der den deutschen Hock)schullchrern anver- n-auten ocilngctt ^nteoesien -ur Ausgabe gemacht, und -Vorgänge wie der oE SchtorS in Bonn der Fall Günther in fübingtm, WahEund.AfscM m Innsbruck uno der Fall Schnitzer in Müncknm l-aben deutlich die Rottvendigkeit eines Zusammenschlusses der bcutfd>en -Hochichullehrerschast bargetan. Gestern ist nun in b<2 bcutlche Hochschullehrcrtag zu-

v. gctteten. Im Mittelpunkte seiner Verhandlungen steht die Stellung des akademischen Lehrers zur Frei» heit in orschung und Lehre. Ueber diese Frage tefc- tcrt.e D dlmira-Müncheu unter Vorlegung folgender nciolulion: 1 Tie wissenschaftliche Forschung und die Mit- uilung ihrer ^gebmsie müssen gemäß ihrem Zweck unabhängig -ein von . -der Rücksicht, die nicht in der wissensck-aftlichcn Methode clbst hegt, demnach unabhängig insbesondere von Tradi- :wnen und Vorurteilen der Massen, unabhängig von Autoritätoi md gesellschaftlichen Gruppen, unabljängig von Interessenten. 2. t-iejcr ^atz liegt ebenso im Interesse des Staates nne Der Wissen- d;aft, weil Die Vermehrung und Ausbreitung der Ergebnisse die 'Gesellschaft niemals schädigen, sondern nur fördern kann. 3. Um m Staate jedermann zuzustehen, bedarf die Unabhängigkeit so -?enig nne irgend ein anderes sogenanntes Grundrecht einer Der. jürgung im Gesetz. Es würde vielmehr, wenn sic eingeschränkt m,i sollte, eines Gesetzes bedürfen. Ein solches besteht in Deutschen sonben nicht. 4. Auck) aus der amtlichen Stellung eines Forschers u-Der Lehrers kann keine Beschränkung seiner Forschnngs- und Lehrfreiheit abgeleitet werden, weder unmittelbar noch mittelbar itiua so, als hätte er durch seinen Anstellungsoertrag der staat- II chen Amtsgewalt eingeräumt, ihm in jenen Beziehungen Schranken Tx stben. Ein solck-er Vertrag würde gegen die guten Sitten .erstoßen und folglich nichtig sein. Seine Erfüllung wäre eine ,'crlcBnng tnr im Lehramt liegenden Pflicht der LVahrhaftigkcit.

Tie älteren stiftungsmäßigen Bestimmungen können diesen ritzen keinen Eintrag tun, >vcil sie längst unausführbar geworden uew geivohulieitsrechtlich außer Kraft gesetzt, weil ferner alle Uni- ii .rjitäten Staatsanstalten geivorden sind, deren Erhaltung aus l»m Stiftungsmittcln ganz unmöglich wäre und deren öfsentliche . wecke nicht durch Privatzwecke begrenzt werden. 6. Ausnahmen i-'ii obigen Sätzen sind auch nicht bei akademischen Lehrern der > Geologie anzuerkenitz:n. Sollte etwa ihre wissenschaftliche Ueber- ugung von dem Inhalt der Theologie, die zu lehren sie übei- l iTDimncn haben, in Widerspruch mit den Ansichten einer Kirchen- II I Hörde treten, so würde die Staatsregierung fid) in einen Glaubens-- L.cit cinmifdA-n, wenn sie um eines solck-en Konfliktes willen ne Theologen von ihren Aemtern entfernen oder auch nur an reu Ausiibuug hindern würde. 7. Keine Gründe gegen die Lätze unter 6. lassen sich auS Gesetzen über das staatliche Placet 0<n;inncn,_ weil die Erteilung des Placet nur ein rechtliches Hin- b«iniv beseitigt, Das dis dahin dem Vollzug der kirchlichen An­ordnung durch die Kärchenbehörden entgegenstand, die Staats- ujiening hingegen zu nichts verpflichtet. 8. Sollte eine Staats-

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be3 Forsck)«S und Lehrers niemals ein Grund der Nichtzulassung I aufraffen o&er des Ausschlusses vom Lehramt sein dürfe. Prof. Reich-1 läuternDc Wren empiiehlt die Annahme dieses -lntrages. Er habe einmal in seinen 36 Semestern einen hockchegabten Studenten gehabt, der heute hervorragendes leiste. Er habe ihm geraten, sich zu habilitieren. Der Betreft'ende habe aber erwidert: Ich bin Marxist und ein armer Teufel; da ist es ganz ausgeschlossen, daß ich in ^eutt'chlwrd oder Oesterreich mich habilitieren konnte. Dieser Mann fdjreibe heute sehr grundlegende Werke. Redner erklärt, daß er tn vielen Punkten ein wissenschaftlicher Gegner des Marxismus sei, er habe aber immer das peinliche Gesicht, wenn er die Marxi­stische Geschichtsauffassung behandle, mit einem Gegner zu pvle- mificrcn, der, wenigstens an den Hochschulen mundtot gemacht worden ist. Tas sei ein drückendes Gefühl für einen gewissen­haften Menschen. Große Teile des Volkes standen in Der ma* tcrialifhfdxm Weltanschauung und Da sei cs bedauerlich, daß diese auf den Universitäten keine Vertreter habe. Warum solle nicht der Student einmal die Dinge in nlarerialiftischcr Anschauung kcmtcn lernen. Ebenso wie nichts dagegen einzuwenden sei, roemt sie in konservativ-ultramontaner Beleuchtung einmal be­handelt werden. Man müsse zugeben, daß Die romanisck-en Länder in dieser Beziehung freier seien. 5n Italien gäbe es eine gairzc Reihe Professoren, die Marxisten sind; auch in Frankreich seien Sozralisten als ösfentlichc Professoren angestellt, ebenso in der Schweiz. Warum sei das nickst auch in Deutschland und Ocstrr- reich möglich? Lotz-Münchcn und Rein-Jena bitten, diese ötage erst zu behandeln, wenn ein ausführliches Referat vor» liege. Ziegler-Jena meint, es dürfe nicht jemand in den Lehr köre pr eintreten, nur um vor ber Welt einen Partei standpunkt zu entwickeln. Tas könne er später tun. Es sei nicht gut, wenn sich ausgesprochene Parteileute habilitteren. Linke -Jena er­klärt, daß der philosophischen Fakultät der Universität Jena nie­mals ein Habilittionsgesuch von Dr. Michels Vorgelegen habe. Rein-Jena teilt mit, daß ihm eine gleiche Erklärung aus 91ar- bürg jugegangen sei. Man könne nicht diskutieren über private Unterhandlungen, sondern nur über Fakultätsbeschlüsse. Damit scheide der Fall Michels aus. Max Weber-Heidelberg er­widert, daß inan Michels bedeutet habe, daß die Instanzen fein Habilitationsgesuch nicht genehmigen würden. Ter Fall Arons habe bei der Karl Zeiß-ZtiftunA für die Universität Jena eine entschechende 3iolle gespielt. Es sei zur Zeit dafür gesorgt worden, daß Die Mittel der Stiftung nur unter der Voraussetzung der völligen Lehr- und Fvrschungsfteiheit gewahrt wurden. Lotz- Münck-en: Wir tappen mit der Stange im Nebel herum, wenn

Bulgarien und die Türkei.

Vertretern der Presse ha: der türkische Minister des Aeußern mitgeteilt, daß Die Gescyow-Asfäre, sowie die An­gelegenheit der Orienbahn durch die Vermittlung zweier Großmächte bald erledigt sein würde. Die bulgarischen Truppensendungcn nach Ost-9tumelien erfolgten nach seinen JnsormcPionen lediglich zu Manöverzwecken. Tie bulga­rische Regierung habe keinerlei kriegerische Absichten. Der erste Teil dieser Mitteilung scheint seine Ergänzung durch weitere Telegramme aus Sofia und London zu bekommen. .Die zwei Großmächte sind offenbar Deutschland und Oester­reich. Der deutsche diplomatische Agent in Sofia hat sich nämlich dem Protest des österreichisch-ungarischen Geschäfts­trägers wegen der Wegnahme der Orientbahn durch die bulgarische Regierung angeschlossen und dessen Forderung auf Herausgabe der ostrumelischen Bahnstrecke und auf Herstellung des Status quo ante unterstützt. Wie das Reutersche Bureau meldet, bat auch die e n g l i s ch e R e g i e - rung Bulgarien mitgeteilt, daß sie der Meinung sei, die Fortdauer der Besetzung dec Orientbahn lasse sich nicht rechtfertigen. Unter dem Druck dieser Meinungsäußerungen hat sich Bulgarien nun entschlossen, die durch die Betriebs- Übernahme der Orientbahnstrecte entstandenen Differenzen einer einverständlichen Lösung unter gewissenhafter Scho­nung der Rechtsansprüche aller in Betracht kommenden Interessenten zuzusühren. Als allerwahrschcinlichster Modus der Lösung gilt allgemein die gütliche Ablösung des der Betriebsgesellschaft der Lrientbahnen zustehendcn Exploitationsrechtes durch käuflichen Erwerb seitens des bulgarischen Staates. Bisher besteht in Sofia lein Anlaß zu der Annahme, daß nicht etwa auch die Pforte und die Betriebsgesellschaft die Ermöglichung einer gütlichen Lösung ür die unter den obwaltenden Umständen richtigste Politik halten. Das bulgarisck)e Volk scheint aber einstweilen recht wenig geneigt zu sein, den Konflikt mit der Türkei friedlich beizulegen. Am Sonntag sanden nämlich in 27 Städten Bulgariens Versammlungen gegen die Orientbahngesellschaft tatt. Die allenthalben angenommenen Resolutionen be­tätigen, daß das Volk zu allen Opfern bereit sei, um die besetzte Eisenbahnlinie zu behaupten. Tie in der Stadt Tschrrpan angenommene Resolution droht, nicht einen einzigen Angestellten der Orientbahn-Geiellschaft lebend wieder zulassen zu wollen. Zwischenfälle )tnb demnach nuht ausgeschlossen, und der türkische Kriegsminister soll raher anaeordnet haben, daß das 3. Armeekorps binnen 24 Stunden sürdieMobilisieruna in Bereitschaft zu halten sei._______

Ausland.

Oesterreichs Antw ort aus die Marokkonote, xerPolit. Korr." zufolge ist dte Erwiderung Lefterreich- Ungarms aus dte franzojisch-spanische Marotko-Aote dem ranzo,ischen und dem spanischen Botschafter in Wien zuge- gungen. Lte lautet in allen wesentlichen Punkten zonim- mend, betont aber die Notwendigkeit eines solidaruchen Vorgehens Europas in der marokkanischen Frage.