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26.10.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.

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Achtungl

Ungarn ohne vorheriges Einverständnis mit Deutschland eine solche bis zur Löhe von 100, Mavk zu gesvähren, die sich in Politik treiben konnte, welche die größten Komplikationen hervor-l Lwulver^.udm von o0 000 bis 100 001 Einwohnern aus 400

ruft und die Gefahr eines allgemeinen Brandes enthält." Diesen Satz derTiirquie" variieren auch andere Blätter in allen Ton­arten.

Wie dieN. A. Z." mitteilt, ist vom deutschen Botschafter in Konstantinopel im Auswärtigen Amt zu Berlin das nach­stehende Telegramm eingegangen: Therapia, den 23. Oktober 1908. Aus den heute hier eingetroffenen Blattern ersehe ich, daß die Pariser Presse mich beschuldigt, ich hätte hier Krieg ge­predigt und gesagt, die Türkei soll Bulgarien den Krieg erklären. Ich erkläre pflichtmäßig, daß ich niemals und zu niemanden ein Wort in diesem Sinne gesagt habe, sondern im Gegenteil alle meine Anstrengungen entsprechend den mir erteilten Instruktionen aus­schließlich darauf gerichtet waren, einen solchen Krieg zu verhin­dern.^ gez. Marschall.

Gründung einer neuen deutschen Zeitung in Konstantinopel.

DieFrkf. Ztg."" meldet aus Berlin: Am 15. November wird in Konstantinopel eine neue deutsche Tageszeitung erscheinen in deutscher und französischer Sprache, die den NamenOtto- manischer Lloyd" führen wird und deren Zweck u. a. natürlich auch ist, über die Absichten der deutschen Politik und über die

Nr. 252

Der «tehener Anzeiger erschein« täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Dteimal wöchentlich -tehenerZomlllenblätter; KDeunal roöcbentl.Krtls»

att für öen Kreis ©leben (Dienstag undJrenag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Seitf ragen Fernsprech Anschlüsse: für die Redaktion 112. Verlag u. Expedition 51 Adresse Mr Depeschen» «nzetgcr Ttcßen.

Annahme von Anzeige»

bezw. 200 Mark steigern und in Schulverbänden mit über 100 000 Einwohnern die Löhe von 750 bezw. 300 Mark erreichen. Danach würde sich bllso der Gehalt der Lehrer in den kleinsten Städten und auf dem Lande auf 13503150 Mark (Lehrerinnen 1050 bis 2400) beziffern, in den kleinen Städten auf 13503350 (Lehrerinnen 10502500), in Mittelstädten auf 13503550 «.Lehrerinnen .10502600, und in den Großstädten schließlich auf 13503900 (Lehrerinnen 10502700).

Vergleicht man diese neue Besoldnngsverhältnisfe mit bcu* jenigen, wie sie das Gesetz vom 3. März- 1897 und seine Air Änderungen schufen, so läßt sich ein großer Fortschritt festftellcn' Jenes Gesetz sichert den Lehrern in den 4 ersten Dienstjahren nur 720 Mark, dann 900 Mark und eine Alterszulage ebenfalls bis tzur Löhe von 900 Mapk, so daß sic erst nach 31 Dienst­jahren ein Gehalt von 1800 Mark erreichten. Durch spätere Maßnahmen wurde allerdings das Grundgehalt für Lehrer in den Städten auf 1100, auf dem Lande «Ulf 1000 Mark crhöht- und sie erdichten auf diese Weise ein Löchstgehalt vonc 2000 vezw. 1900 Mark. Noch weesntlich ungünstiger lag die Sache bei 6)en Lehrerinnen, deren Grundgehalt nur 700, und bereit Höchstgehalt nur 1400 Mark betrug. Demnach würde der Entwurf eine Aufbesserung der Lehrer um 250, bezw. 350 Mark im An­fangsgehalt und um 1150 bezw. 1250 Mark im Höchstgehalt, Der Lehrerinnen um 350 Mark im Anfangsgehalt und um 1000 Mark im Höchstgehalt bebeuten.

Diese Tatsache wäre nun sehr erfreulich, wenn es sich bei dem Gesetz von 1897 um Nornwlsätze gehandelt hätte, wie bei Dem jetzigen Besoldungsgesetzentwurf. Das Gesetz von 1897 aber bezeichnete seine Sätze ausdrücklich als Miniinalfätze und über­ließ es den Schulverbänden, für die weitere Aufbesserung ihrer Lehrer und Lehrerinnen zu sorgen, eine Befugnis, von der diese, woserw nicht die Regierung in Rücksicht auf die finanziell schwäche­ren Verbände dazwischentrat, auch den umfassendsten Gebrauch machten. Das neue Besoldungsgesetz aber, das zwar auch diese Ortszulage vorsieht, bindet sie nach oben, es trifft Überdies eine ganz (tufcerlid^ Gruppeneinteilung, die sich sehr oft mit den tatsächlichen Verhältnissen in Widerspruch befinoen wird, und sichert der Schulaufsichtsbehörde noch immer das Recht, diese Ortszulagen nicht zu genehmigen, so daß sich in diesem Punkte Die Verhältnisse entschieden verschlechtern würden. Wenii auch die Regierung, wie wir gesehen haben, statt der jetzigen zahl­losen Verschiedenheiten in der Besoldung nur 4 bezw. mit Ein­schluß der Lehrerinnen 8 verschiedene Besoldungstlassen schafft und deut Neid der Landlehver auf die Großstadtlcbrer dadurch/ einigermaßen ben Boden entzieht, daß sie jene in ihren Gehalt­sätzen -erhöht, und für diese die Maximalsätze feftiegt, die fror» berungen der Lehrer nach einem Einkommen, das ihrer Kultur« Mission entspricht, berücksichtigt sie jedenfalls nicht.

Schon lange macht sich in der Lehrersckiast der sehr berech­tigte Wunsch geltend, den Sekretären der allgemeinen Verwaltung im Gehalt (18004500) ganz allgemein gleichgestellt zu werden. Dieses Verlangen wird durch die neue Gehaltsordnung nicht er­füllt. Das lag nickst an dem guten Willen der preußischen 9tc gierung, sondern an den sckstechten Verhältnissen des preußischen Staats. Und darauf ist es wohl auch zurückzuführen, daß der Gesetzentwurf nicht auch die Unterschrift des preußischen Kultus­ministers, soiidern nur die des Finanzministers trägt, der damit Die Verantwortung für ihn übernimmt.

Leben ohne Jenseits. So bleibt das neue Haus, das der Meister baute, ein Schrecknis für seine Frau; feine Lebens­arbeit mußte er mit dem Frieden und dem Glück seines Lebens bezahlen. Er, der Erbauer derWohnstätten für Menschen", müßte für alle Zeiten darauf verzichten,selber ein Heim zu haben".Das war der Preis für dieses Glück, von dem die Leute so viel reden." Darunter leidet er und daran geht er zu Grunde. Er ist nicht hart genug, um ein Prophet zu sein. Ihm fehltder Wikingertrotz und das robuste Gewissen". Dazu kommt noch die Furcht vor der Jugend, die mehr kann als er, Ragnar, und die kein sieches Gewissen" hat und sich auch vor denTrollen" nicht fürchtet. Und doch wünscht Solneß die Jugendim Grunde so sehnlich herbei." Und sie kommt und sie stellt Forderungen. An diesen Forderungen geht er, wie eingangs schon gesagt wurde, kläglich zu Grunde. Aber er hat die Forderung erfüllt, und so bleibt er für die Jugend doch ihr Baumeister"".

Das ist in dürren Worten die ungefähre Uebersetzung des Symbolischen, dem der Natur der Sache nach immer etwas lehrhaft-trockenes und nüchternes anhaftet, wie denn auch eine Inhaltsangabe den Inhalt nur andeuten kann.

Die geisrvolle, tiefschürfende Wiedergabe, die das Werk durch das Jbsentheater der Frau Marie Rehofs fand, hinterließ einen schweren nachhaltigen Eindruck, und es rst der Leitung des Theaters Dank zu wissen, daß sie rins diese Aufführung vermittelt hat, obwohl jedenfalls eine größere Zubuße nötig sein dürfte.

Vor allem überraschte das wohlabgewogene, klug be­dachte Zusammenspiel, während sich die Einzeldarstellungen kaum über den guten Durchschnitt hinaushoben. Nur das tiefe Eindringen in den geistigen Gehalr der Dichtung hob die Vorstellung zu ihrer seltenen Höhe.

Marie Re h o f f als Hilde Wangel schuf uns eine äußerst ausgeglichene, warmherzige Gestalt, die von tiefem, inner- licbem Erleben getragen war, das in jeder Geste nacbdrucks voll^zur Geltung tarn. Ms Baumeister Solneß bemühte sich Fritz Wolter nicht vergeblich, den inneren Zwiespalt des nach den Höhen des Lebens strebenden Mannes heraus-

Die Krips im Grient.

Welchen Anteil England an den neuen Unklarheiten über die Lage auf dem Balkan hat, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Die ministerielleDaily News"" stellt es sogar auf das ent­schiedenste in Abrede, daß England der Türkei den Rat gegeben habe, die direkten Verhandlungen mit Oesterreich und Bulgarien abzubrechen. Die Londoner Regierung, so fügt dos Blatt hinzu, werde jede Klärung der Lage durch gütliche Verständigung zwischen den Beteiligten willkommen heißen. 'Jiun wird aber derKöln. Ztg." in Wien amtlich bestätigt, daß der Abbruch der Verhand­lungen zwischen der Türkei, Oesterreich-Ungarn und Bulgarien durch das Einschreiten des englischen Botschaf­ters erfolgt fei, der dem letzten Ministerrat ein Angebot der englisck>en Botschafter den Jungtürken 5 Millionen Pfinrd Ster­ling für die schwebende Schuld und 15 Millionen für die kon­solidierte Anleihe geboten habe. Kiamil Pascha habe davon sofort den österreichischen Botschaster verständigt und hinzugefügt, daß eine Entscheidung über den Abbruch der Verhandlungen nur wider­willig getroffen werde. Hiernach steht es also doch fest, daß England bei dem Abbruche der Verhandlungen doch mitgewirkt hat. In Wien scheint man den Abbruch der türkischen Ver­handlungen allerdings nicht als definitiv anznfehen. Man ist vielmehr der Ansicht, daß diese Verhandlungen sehr bald wieder ausgenommen werden würden. Wie verlautet, hängt die Be­schickung der Konferenz in erster Linie davon ab, daß die Kon­ferenz sich einer Diskussion der Annexion enthalten müßte. Auch tn Konstantinopeler amtlichen Kreisen wird erklärt, die Be­mühungen zur Herbcifü!)rung einer direkten Verständigung noch immer sortgefetzt würden. In der Umgebung des Großwesirs wird versichert, daß England diese Lösung sowohl Oesterreich als auch Bulgarien empfohlen habe.

Das Organ des jungtürkischen KomiteesSchurai Ununet" behauptet, das türkischeGegen Programm umfasse folgende Hauptpunkte: 1. Anerkennung Bulgariens als Königreich und Ostrumeliens als privilegierter Provinz gegen Regelung der fi­nanziellen Verpflichtungen; 2. Regelung der bosnischen Frage, wofür eine Teilnahme an der türkischen Staatsschuld erhofft wird: 3. Integrität der Türkei. Das Blatt sagt jedoch, daß die Türkei ihre Integrität selbst schützen müsse und nicht die Mächte.

Wie verlautet, hat sich die Pforte an den deutschen Bot­schafter gewandt, damit die deutsche Regierung in Wien dahiw- wirke, daß Oesterreich eine Konferenz annehme.

DerNeuen Freien Presse"" wird aus Berlin gemeldet, daß kein kleiner Balkanstaat, also weder Serbien, noch Bulgarien, noch Montenegro eine Einladung zur Balkan-Konferenz erhalten werden.

Der bulgarische Ministerrat hat übrigens beschlossen, dem Wunsche König Ferdinands nachzukommen und mit der türkischen Regierung wegen Zahlung einer pekuniären Entschädigung für Ostrumelien und für direkte Verhandlungen in Verbindung zu treten.

In Wiener unterrichteten Kreisen wird jetzt auf die Richtig­keit der ablehnenden Haltung Deutschlands zu dem englischen Konserenzvorschlage hingewiesen. Schließlich handle es sich bei England nicht um eine Konferenz zur Befestigung des Friedens, fonbern um eine Konferenz, aus der Krieg hervor­gehen solle. Natürlich suche England wieder seine alte Methode anzuwenden und schiebe als Kämpfer einen Dritten, die Türkei, vor. Dietz gesckiehe anscheinend nicht nur Oesterreich-Ungarn und Bulgarien gegenüber, sondern auch, wie es scheint, Rußland ge­genüber in der Dardanellenfrage.

Hetze gegen Deutschland.

Die .Konstantinopeler italienifch-sranzöfische, in engen Be­ziehungen zu Rom stehendeTurguie"" enthält wieder einen serbischen Hetzartikel gegen Deutschland. Die Turquie" nimmt bei Besprechung der jüngsten Ereignisse folgende Frage zum Ausgangspunkt:Gibt es einen vernünftigen Men-

shrxeide:

Buttermaschinen Kämpfer itien, Futierschneid- auchepninpen etc. mpficMt ier, UM odlieimer

Gieszener Stadttheater.

Baumeister Sokneß.

Schauspiel in 3 Aussigen von HenrikJbsen.

Alles, was ich gedichtet habe, ist ohne bewußte Tendenz gewesen'."" sagte Ibsen gelegentlich eines Festes, das der norwegischeVerein für die Sache der Frau"" am 26. Mai 1898 veranstaltet hatte.Meine Aufgabe ist die Men­schenschilderung gewesen. Doch die Sache mag wohl so liegen, daß der Leser, wenn die Schilderung einiger­maßen zutreffend ist, seine Gefühle und Stimmungen hin­einlegt. Man schreibt das dem Dichter zu. Aber nein, dem ist nicht so: man dichtet hübsch fein um, ein jeder nach seiner Persönlichkeit. Nickt nur die, _ die schreiben, son­dern auch die Leute dichten, die lesen; die sind Mit- dickter sie sind manchmal poesievoller als der Dichter selbst.""

Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, mußte man eigentlich davor zurückschreclen, seine Werke zu erläutern, aber Ibsen ist in seiner ganzen Wesensart so sehr diord- lander, daß er, wie einer unserer bedeutendsten Heimai- dichter sagt, in seiner ganzen Tiefe nur von dem ersaßt werden kann, der den nordischen Nebel atmet. Für uns aber bedarf er der Erläuterung, selbst auf die Gefahr hin, mehr in ihn hineinzugeheimnissen als eigcnttich in ihm ist. Und gerade bei seinem Baumeister Solneß ist das nötig. Es ist eine der merkwürdigsten, wenn nicht die merkwür­digste Bühnendichtung des Dichters, der sich darin viel­leicht gar selbst symbolisierte. Es ist durchaus symbolisch für uns. Tenn wie Goethe das Leben von Dämonen beeinflußt glaubte, so glaubt der Norweger an die Trolle- die Unholde, die den Menschen treiben, wie unsere Vor­fahren an gute und böse Geister geglaubt haben. Aber trotz dieser seltsamen Symbolik, die für uns letzten Endes un­verständlich ist, ist das Werk wieder mit so viel Lebens­wahrheit und Lebensecht heil durchsetzt, daß es nur schwer gelingt, den innerlichen Zusammenhang klar und unver- iälscht aus der wunderlichen Vermischung auszuscheiden. Bildliches und Wirkliches stehen nicht immer m deutlich erkennbarem Gegensatz zueinander, sondern verschlingen und

VezugSpretS: nwnatllch75Pf viertel­jährlich 2DIL 2.20; Durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; Durch die Post Tlt. 2.otertd- fährt. aukfchl. Beslellg. ZetlenpretS: total 16'l$f auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich jur Den politischen Teil, füt .Feuilleton* und .Vermischtes": Ernst Anderson; für .Stadt u. Land" und.Gerichts-

Landtagrwahlbewegung.

Wahlbezirk Grünberg-Gießen.

Man «schreibt uns: Am Sonntag nachmittag hielten die Anhänger der Kandidatur Sann in Londorf eine sehr gut beuchte Versammlung ab. Herr Tr. Strecker sprach unter großem iBeifall über die Wahlrechts frage. In der Diskussion ergriffen auch zwei Deutsch-Soziale das Wort. Sehr interessant war dabei, daß die beiden Herren wiederholt versicherten, sowohl ihr Führer Köhler wie ihr Kandidat Lutz hätten bestimmt erklärt, daß sie gegen Den Antrag Glässing und gegen jedes Zugeständnis an die erste Kammer stimmen würden. Als ihnen entgegen­gehalten wurde, wie ba$u der Rücktritt ihres Kandidaten Götz zu «Gunsten von Osann und Glässing in Darmstadt stimme, meinten sie ernst, davon wüßten sie nichts, Götz sei wahrscheinlich gar nicht surütf getreten und schließlich gestanden sie, Osann und der

M oommagTiö'ub Befcflonstni» Md Verlag öst vrllhl'schen Univ.-Vuch- uit» Steln-Nlckerel E. Lange. Eeöaftion, Expedition und 0 ruderet: Schulstratze 7.

verbinden sich zu einem innigen, festen Ganzen.Der Kampf zweier Generationen um eine neue Weltanschauung, Zerstörung und aufbämmernbe Hoffnung und Ai,nung eines neuen Baues von reinen starken Händen in der Zukunft, dargestellt in einem Menschen, das ist nach dem Bonner Literaturgeschichtlicker Litzmann, die Tragödie des Bau­meister (solneß."" Es ist aber noch mehr. Es ist die Tra- gödie des alternden Künstlers, dem der Glaube an sich jelbst fehlt,' der an den Forderungen der jungen Welt, die durch Hilde vertreten wird, elend zugrunde geht. Ein großes Werk, der Kirchturm von Lysanger, ist dem Baumeister ge­lungen, vor langen Jahren, und darauf pocht nun die Welt und verlangt weiter große, gewaltige Werte, ihrSchloß"; aber ihm fehlt die Kraft dazu, er hat sich ausgegeben; mit Anstrengung aller Kräfte sucht er die Forderung zu er­füllen und wird dabei vernichtet. Der Turm ist wiederum ein Gleichnis für das höchste, dem Menschen erreichbare, die Warte einer neuen Weltanschauung. Einst war ja Solneß gläubig in tiefster Demut, und da baute er Kirchen; aber dieser Glaube starb und auf dem Wege zu einem neuen Gott bröckelten Hoffnungen und Herzen unter der Schwere seines Fußes. Zunächst feine Frau, die als Vertreterin ber Frau vom alten Schlage im engen und engsten ihre Befriedigung findet, die sich in ihrem Elternhaus, dem alten, häßlichen, Holzkasten", dem anerzogenen Götter­glauben,ganz gemütlich"" und wohl fühlte. Diesen Glauben mußte er vernichten, wenn er auf den festen Grund neue, herrliche Häuser, eine neue, schönere Weltanschauung bauen wollte, und so bliebdie kleine, schwarze Ritze im Sckorn- siein"". Das Haus brannte nieder, wie er es gewollt gatte, aber anders, wie er es gewollt hatte. Noch war seine Frau nicht frei gewesen, noch hatte ihr die Kraft gefehlt zur neuen Weltanschauung und so verlor sie den Pfad. Sie bekam das Fieber. Und das ging in die Milch über." Das vertrugen ihre Zwillinge, Hofsuung und Lebensfreude, nicht und sie gingen zu Grunde. Aber mehr noch. Auch ihre Puppen, mit denen sie noch als Frau so gern gespielt hatte, ihre Mädchenträume, die sie sorglich bewahrt hatte, jie verbrannten. So war ihr der Inhalt ihres Lebens genommen, denn sie war noch nicht reif gewesen für ein

deutsche Kreise und zahlreiche deutschfreundliche Türken in hoher Stellung interessieren sich für das Unternehmen und haben dessen Gründung ermöglicht. Direktor und Chefredakteur des neuen Blattes wird Dr. M. Grunwald, seit mehreren Jahren AuL- landsredakteur an derVossischen Zeitung" und vordem u. a. Korrespondent derFrkf. Ztg."" in Rom, London und Wien.

Serbien und Montenegro.

Tie antiöfterreichische Bewegung, an die sich nurkmehr auch eine gegen Deutschland gerichtete Agitation anichließt, hat sich infolge des Abbruches der direkten Verhandlungen Oesterreich- Ungarns mit der Türkei verschärft. Die Kriegspartei, aufge­muntert durch englische Einflüsse gewinnt die Oberhand.

Aus amtlicher Quelle wird mitgetellt, daß der serbische Kronprinz Georg mit einer außerordentlichen Gesandtschaft, an dec der Führer der altradikalen Partei, Paschitsch, teilnehmen wird, in einem Monat über Oesterreich nach Petersburg abreisen wird, um dem russischen Kaiser ein Handschreiben des Königs Peter zu überbringen.

Der in Petersburg eingetroffene montenegrinische Gesandte Mijuschkowitsch äußerte: Ganz Montenegro verlangt den Krieg. Nur eine schleunigst cinzuberufende Konferenz könne die ent­flammten Massen beruhigen. Kompensationen für türkische Rech­nung nehme Montenegro nicht an.

Die kriegerischen Frauen.

Gestern hielten die Frauen Belgrads auf dem Theaterplatz vor dem Michael-Denkmal ein Meeting ab, bei dem drei Frauen überaus kriegerische Reden hielten. Hierauf zog die Menge, Die reichlich 10 000 Köpfe zählt.', trr »die englische und türkische Gesandtschaft und von dort zur russischen, vor der sie eine Stunde unter donnernden Hochrufen aushielt. Zum Schluß mar­schierte der Zug 5um Palais des Kronprinzen, dem Ovationen dargebracht wurden. Deren Begeisterung alles bisher bagetoefene übertrafen.

Die Neuregelung der preußischen Lchrerbrsoldung.

Ter freue preußische Lehrerbcsoldungsgesetzentwurf, wie er in Anlage 2 des Mantelgesetzes enthalten ist, sieht als Grundgehalt für Lehrer 1350, für Leh.erinnen 1050 Mark vor. Dazu treten dann 9 jährliche AlterHzulagcn, und zwar für Lehrer im Be­ll rag« fron 200 Marl", für £telfrcreriiinen im Betrage von 150 Mark, so daß die Lehrer ein Höchstgehalt von 3150, die Lehrerinnen ein solches fron 2400 Mark erreichen. In Schulverbänden van über 25 000 Einwohnern sollen diese Kompetenzen mit Geneh­migung der Schulaufsichts'behörde noch durch pensionsfähige Orts­zulagen «erhöht roerben können, während Die Lehrer in kleinen Städten und auf Dem Lande, wofern es sich nicht um Vororte oder Industriezentren haudell, auf die obigen Bezüge beschränkt bleiben. Den Schulverbändellll mit 25 000 bis 50 000 Einwoh­nern soll es nach dem Ennvurf gestattet sein, ihren Lehrern Orts- [ zulagcn bis zur Hohe von jährlich 200 Mark, ihren Lehrerinnen