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Freitag 24. April 1308
158. Jahrgang
Erstes Blatt
Nr. 96
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SS General-Anzeiger für Oberbeffen
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gj o°^mag^io^uh7 Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fchen Unio.-Vuch- und Zteindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. g^eiflenteii:B;<) Vetf.
Die heutige Nummer umfaht 8 Seiten.
pelitifcbe Tagesschau.
Unterzeichnung der Nord- und Ystsee-Berträge.
In Berlin ist gestern von den Vertretern Deutschlands, Englands, Frankreichs, Lollands, Dänemarks und Schwedens das Nordsceabkomnren unterzeichnet worden. Zur gteicbcu Zeit ivurbc auch in St. Petersburg Von den Vertretern Deutschlands, Rußlands, Schwedens und Dänemarks der Ostseevertrag unterzeichnet. Damit sind zwei neue Garantieverträge geschaffen, die zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens bestimmt und geeignet sind, und die wohl auch über den unmittelbaren Gegenstand hinaus, den sie bel)andeln, die freundschaftlichen Beziehungen der Mächte in günstigem Sinne beeinflussen werden. Besonderes Interesse lverben diejenigen Bestimmungen des Ostsee-Vertrages beanspruchen, die einen heiklen Punkt in dem Verhältnis Rußlands zu Schweden regeln sollen.
Deutsches Ikicb.
Reichstag. Es besteht die Absicht, am 29. d. Mts. im Plenum des Reichstages die zweite Beratung des Gesetzentwurfes tetr. die Abänderung des Unterstützungswohnsitzgesetzes, die -weite Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Abänderung des Vogelschutzgesetzes, sowie die dritte Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Hilfsmitglieder int Patentamte vorzunehmen.
Für die Landtags Wahlen in der Provinz West- falen wurde gestern nacht nach langwierigen und zum Teil euß-Lst schwierigen Verhandlungen zwischen der freisinnigen Volkspartei und der nationalliberalen Partei rin Kompromiß auf der Grundlage der Wahrung des Besitz- siandes abgeschlossen. Die Nationalliberalen ziehen dementsprechend ihre schon proklamierten Sondertändidaturen im Wahlkreise Hagen- Echwelm zurück und unterstützen die beiden freisinnigen Kandidaten Als Gegenleistung gewähren die Freisinnigen den Na- ttonalliberalen Wahlbeihilfe in den beiden Kreisen Ältena-Jier- lohn und Hamm-Soest. In Halle-Herford-Bielefeld werden zwei Nationalliberale und ein Freisinniger ausgestellt. In Mmden- Lübbek werben gleichfalls ein Freisinniger und ein Nationalliberaler um die Mandate. .
Der Papst und das Zentrum. Die „Germania" fchreibt: Wir sind in der Lage, auf Grund genauester Information viitzuteiten, daß in diesen letzten Tagen der Pacht Anlaß gehabt und genommen hat, sich in der allerfreundlichsten und wohl- ivollendsten Weise über das Zentrum auszusprechen. In dem Verhältnis und in der Hochschätzung des heiligeir Lotuhles gegenüber den Zielen und Bestrebungen des Zentrums hat sich mchts geändert.
G e g e n Kr i m i n a l ko m m i s s a r W a l d e m ar,M filier, der bekanntlich die erste Untersuchung in ,der Friedbergaffäre führte, ist auf Grund seiner Broschüre über diesen Fall das Disztplt- »arverfahren eingeleitet worden.
Ausland.
Die Abreise des Kaiserpaares von Korfu erfolgt <m 3. Mai. Die „Hohenzollern" trifft am 4. vor Bart ein. Ge- r.eral von Plessen, der General-Achutaut des Katars, machte mit dem „Slcipner" vorgestern einen Jagdausflug nach ler albanesischen Küste und sondierte das Terrain für tinen etwaigen Jagdausflug des Kais e r s dorthin. Wenn tüt solcher statt finden sollte, würde ec einen Tag dauern, xer Herzog von Connaught verläßt heute Korfu.
Das ö st e r r e i ch i s ch e G c s ch w a d e r ist gestern wch 6 Uhr ion Bizerta zur Begrüßung des deutschen Kapers nach Korsu «bgegangen. . r
Der erste italienische F r a u e n k o n g r eß ist gestern in Rom eröffnet worden. Die Königin, Prinzefsin Laetitia, Minister Rava, der Bürgermeister von Rom, die Gemahlin des tu gl iicben Botschafters als Vertreterin der Vorsitzenden des internationalen Frauenbundes Lady Aberdeen, lorvie etwa 1000 Kon- Lreßteilnehmerinnen, darunter mehrere aus Deutfchland, r>rant- aeich, der Schweiz, wohnten der Eröffnung beu
Der Bau der Metta-Bahn begegnet ftnanziellen Schwierigkeiten. Infolgedessen richtete der öudtz an alle Aitaiets eine lange Depesche, die besagt, daß die Bahn bis .Jeeotna lis Mitte Juni sertiggestellt sein werde und am 1. September, »nt Jahrestage der Thronbesteigung des Sultans eröffnet werden lolle. Die bisherigen Arbeiten kosteten dreieinhalb Millionen
Zur Affäre Eulenburg.
Von zuständiger Seite ;uirD in Sachen des Münchener Hardenprozesses mitgeteilt: Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der belastenden 'Aussage des Zeugen Jakob Ernst ist von der Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittelungsversahren, ob eine Verletzung der Eidespflicht vorliegt, eingeleitet worden. Dieses Verfahren wird selbstverständlich mit möglichster Beschleunigung und ohne Rücksicht auf Stand und Stellung der Beteiligten durchgesührt. Tas Ergebnis läßt sich zunächst gar nicht voraussehen, da selbstverständlich erst der Beschuldigte gehört und die belastenden Zeugenaussagen auf ihren J&tert geprüft werden müssen. Uebrigeus ist bei der Berliner Staatsanwaltschaft alsbald nach Abgabe der jetzt angefochtenen eidlichen Zeugenaussage von amtswegen ein umfassendes Ermittelungsverfahren über etwaige sexuelle Verfehlungen des Fürsten in denjenigen Städten und Orten, in -denen er längeren Aufenthalt gehabt hat, angestellt worden, bislang ohne jedes Ergebnis, wenn man nicht die den Berckner Behörden fchon bekannten und durchaus unzureichenden Aussagen des Zeugen Milchhändler Georg Riedcl als solches ansehen will. Ein Berichterstatter der „B. 'Z. a. M." versuchte inzwischen den Fürsten Eulenburg in Liebenberg zu interviewen, wurde jedoch z>um Fürsten nicht zugelassen, da sein Zustand derart ist, uüß jede Aufregung vom Hebet sein kann. Dagegen wurde der Berichterstatter von dem, auf Liebenberg weilenden Reehtsbeistand des Fürsten, Geheimrat Lemme, empfangen, der seit 30 Jahren mit dem Fürsten befreundet ist und in dieser langen Zeit nie etwas bemerkt habe, das auch nur im entferntesten auf Homosexualität deute. Durch den Mund seines Rechtsbeistandes ließ Fürst Eulenburg dem Berichterstatter erklären: „Wie kann man nur an meinem Ejd rütteln! Ich liege hier hilflos, nitu tu München werden die Zeugen veruoinmen. Ich bin außerstande, etwas anderes zu erklären, als was ich unter meinem Eid erklärt habe." Weiter cr.Lärte Geheimrat Lemme: „Ter Fürst wünscht die Anklage, damit endlich einmal alles klar gestellt werde. Er will nicht, daß die Sache int Sande verläuft, denn dann bleiben ja die Vorwürfe auf ihm sitzen. Es ist sein aufrichtiger Wunsch, daß nichts verborgen bleibe, nicht die geringste Kleinigkeit."
Pfund. Für die Fortsetzung des Baues von Medina nach Mekka müßte das Material in Europa gekauft werden. Für die Linie bis Medina sei alles bezahlt. Für die weitere Linie werde nur eine 10 proz. Anzahlung gegeben. DaS großartige Werk könne nicht unvollendet gelassen werden. Es wird deshalb an das religiöse Gefühl der Mohammedaner appelliert und allen denen, die zu dem Bahnbau Beiträge leisten, das Wohlwollen des Sultankalifen zugcsichert. Ein ähnlicher Appell dürste an alle Mohammedaner des Auslandes ergehen.
HnrnheninAnnamundAfghaniftan. Im Innern von Annam sollen infolge von Uebergriffen einiger Mandarine Unruhen ausgebrochen sein. Einer Nachricht aus Simla zufolge haben mehrere Trupps von Afghanen in Stärke von einigen tausend Mann den Kabulfluß überschritten und sich mit den Mohmands vereinigt. Die Mobilmachung von Truppen ist angeordnet. Tiefe sogen. Afghanen sind nicht reguläre Untertanen des Emirs, sondern Stammesangehörige, über die der Emir nur ein ganz wesenloses Aussichtsrecht besitzt, obwohl sie dem Namen nach Afghanen find. Sie werden überall gefunden, wo eine Wahrscheinlichkeit für Unruhen und Streitigkeiten vorliegt. Wohlunterrichtete Kreise machen die ungerechte Haltung des Emirs für die Bewegungen verantwortlich._________________
AUS Stadt UNd LbUttd.
Gießen, 24. April 1908.
— Aus dem Militär-Wochen blatt (Sonder- Ausgabe). Zugeteilt: die ObersUts. z. D.: Schulz, zuletzt Kommandeur der Kriegsschule in Hersfeld, unter Erteilung zum Tragen der Uniform des Füs.-Negts. von Gersdorst (Kurhess.) 9tr. 80, dem Gen.-Kommando des 18. Armeekorps, Witt, Major und Bats.-Kommandeur im Juf.-Negt. Prinz Carl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, unter Stellung z. D.> nut Pension und Erteilung der Erlaubnis zum Tragen seiner bisher. Uniform, dem Gen.-Kommando des 14. Armeekorps. — v. der Osten, Major und Adjutant des Gen. Kommandos des 18. Armeekorps, als Dats.-Kommandeur in das 1. Nassau. Inft.-Regt. Nr. 87, versetzt. — Ernannt: Pennrich, Hauptm. und Komp.-Chef im Jns.-Regt. Prinz Carl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, unter Beförderung zum überzähligen Major, zum Adjutanten des Gen.-Kommandos des 18. Armeekorps. — Zum Bats.-Kommandeur ernannt: Major Lübbe, aggreg. dem Jnf.-Regt. Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfäl.) Nr. 15, unter Versetzung in das Jnf.-Regt. Prinz 'Carl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. —Arnold, Hauptm. und Komp.- Chef int Jnf.-Regt. Graf Dönhoff (7. Ostpceuß.) Nr. 44, m Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disp. gestellt und zum Bezirksoffizier beim Landw.-Bez I Darmstadt (Meldeamt Offenbach) ernannt. — Zum Komp.-Chef ernannt: Der Hauptm. Schön im Jnf.-Regt. Prinz Carl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. — Zum Ober!, beföröert: Lt. Mauck un Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, kommandiert zur Dienstleistung beim Telegr.-Bat. Nr. 1. — Versetzt: Frhr. v.der Goltz, Lt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) sJlr.l 16, in das 3. Obschl.Jnf.-Regt.Nr. 62. o. Bernuth, Oberst und Kommandeur des Garde-Trag.- Regis. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, mit der Führung der 29. Kav.-Brigade, — v. d. Schulenburg, Major beim Stabe des Thür. Hus.-Regts. Nr. 12, unter Versetzung zum Garde-Drag.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr 23, mit der Führung öieses Regiments — beauftragt. — Zum Oberleutnant befördert: der Lt. Joost im Großh. Hess. Tram-Batl. Wc. 18. — Vom 1. Mai 1908 auf ein Jahr zur Dienstleistung kommandiert: Schauenburg, Lt. der Landwehr- Inf. 1. Aufg. (I Darmstadt), zum Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18. — Gr. v. Schwerin, Nlttm. und Vorstand der Militär-Lehrschmiede in Frankfurt a. M., zur Dienstleistung beim Garde-Trag.-Negt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23 kommandiert. — Zum Leutnant befördert: Fähnrich Eichhorn int Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. — Lt. Oekel int 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. ülr. 168 auf sein Gesuch zu den Reserveoffizieren des Regiments übergeführt. — Von seiner Dienststellung auf Gesuch enthoben: Oberstlt. z. D. v. Werner, zugeteilt dem Gen.-Koiuniando des 18. Armeekorps.
•* Eisenbahnpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben die Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektoren Ludwig Pfaff zu Stettin und Gerh. Plagge zu Nordhausen zu Vorständen einer Betriebsinspektton in der Hessisch-Preußischen Elsenbahngememschaft, die Regierungsbamneisler Äug'. Hildebrand ans Hungen, Fritz Hartmann aus Nieder- Modau und Wilh. Sieben aus Darmstadt zu Eisenbahn- Bau- und Betriebsinspektoren in der Hessisch-Preußischen Eisen- bahngemeinschafl ernannt.
** Der Evang. Pfarr verein int Großherzogtnm Hessen gedenkt seine Hauptversammlung am Mittwoch, 13. Mai, in Worms abziihalten. Die Tagesordnung lautet: Eröffnung durch den Vorsitzenden, Dekan Schimpf-Butzbach, mit Schrist- lektion und Gebet. Jahresbericht des Vorsitzenden. Rechnungsablage des Vereinsrechners, Pfarrers Röschen-Freienseen. Referat des Schriftleiters des „Hess. Kirchendl.^, Psarrers Fritsch-Ruppertsburg. Vortrag über die Stellung der Geistlichen zur Denkmalspflege. Antrag auf Beitritt des Pfarr- vereiuS zum Verbände evang. Sittlichkeitsvereine. Stellung zu § 166 des St.-G.-B. Bericht der Sountagskommission. Vortrag über Ausbildung von Diakonen. Bericht der Sterbe- kaffe und Besprechung über die zu gründende Pfarrtöchterhilfe.
**Die Genossenschafts lasse für Komrnunal- for stw a rte hatte 1906 einschließlich 28 609.91 Mk. Kassevorrat eine Einnahme von 84 262.4 Z Mk., darunter 33 923.44 (SJiart Umlage auf die Mclldbe,itzLp, 14 757.27 Mk. Zuschüsse des
Staates und 3844 Mk. überwiesene Strasanteile. Tie Aus- gaben von 63 277.16 Mk. leben sich in der Hauptsache zusammen aus 33 373.30 Mk. Pensionen, 9961.92 Mk. Witwen- und Waisengeldern, 2237.58 Mk. Sterbeguartalen, 7000 Mk. Rücklage zum Resiwvefondö und 8000 Ml. ausgeliehene Kapitalien. Tas verzinsliche Kapitalvermögen (in das der Vvrral am Ende des Rechnungsjahres 1906 — 20 985.31 Mk. nicht übergeht) betrug am Schluß des Jahres 48 000 Mk.
*’ Lebensretter. Der Schiffer Johann Eimuth von Nieder-Lahnstein hat den Taglöhner Matthias May von Dietesheim vom Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog eine Geldprämie verliehen worden.
•• Selbst mord. Gestern Vormittag erhängte sich in seiner hiesigen Schlasstelle der Arbeiter Heinrich Seel aus Watzenborn. Er war längere Zeit krank, auch lebte er in keinen geordneten Familienverhältmssen, was wohl als Rtotio der Tat angesehen werden kann.
"" Verhaftet wurden gestern ein Schneider wegen Trunkenheit, Ruhestörung und Hausfriedensbruchs, 4 Personen wegen Obdachlosigkeit und ein Fremder, der sich unter falschem '.Hainen in verdächtiger Weise in der Stadt aufhielt.
**Die kleinsten Volksschulen in Hessen sind die Schulen in Hainbrunn und Igelsbach im Odenwald. Tic Schule zu Jgelsvach beginnt nämlich ein neues Schustaht mit nur 12 Kindern im Alter von 6 bis zu 13 Jahren, und die zu Hainoruun mit gar nur 6 Kinern. Letztere Schule umfaßt int abgelaufenen Schuljahre 7 und erstere 11 Zöglinge. Tic oeiden Schellen haben einen gemeinschaftlichen Lehrer mit Dem Sitze in Hirschhorn.
X Treis a. d. Lda., 22. April. Heute nachmittag wäre eine hiesige, nahezu 85jährige Frau, als sie mit einem etwa dreijährigen Kinde den Bahnübergang in der Nähe bcö sog.Heiligengartens überschreiten wollte, von dein gegen 3 Uhr hier ankommenden Zuge der Lumdatal-Bahn beinahe überfahren worden, wenn es dem Zugführer nicht gelungen wäre, den Zug kurz vor der ahnungslos dahinschreitenden, scheinbar schwerhörigen Frau zuin Stillstand zn bringen.
Bad-Nauheim, 23. April. Auf 'Anregung des Gewerbevereins Walsdorf tagte am 2. Osterfciertag im Kurhaus „Tenne" eine Versaiumlting zwecks Besprechung eines Bahnprojektes Ba d -N a u h e t m — Us,>ngen — Idstein un'C Fortsetzung an den Rhein. Trotz des ungünstigen Wetters war, nach der „B.-N." Ztg.", der Saal vis auf den letzten Platz gefüllt, ein Beweis, daß die Bevölkerung des östlichen Taunus diesem Projekt großes Interesse entgegenbringt. Die Versammlung hatte lediglich den Zioeck, einen aus 16 Herren bestehenden Ausschuß zu wählen, welcher sich mit dem Bahnprojett eingehender beschästigen soll.
|| Friedberg, 23. April. Die Geschäftsstelle des l a n d w i r t s ch. Vereins für O b e r h e s s e n, die sich seither in Alsfeld befand, wurde aufgehoben und dafür eine neue Geschäftsstelle hier errichtet.
X Lauterbach, 23. April. Die drei israelitischen Religionsgemeinden unseres Kreises erheben im laufenden Rechnungsjahr zusammen 3903 Bit. Umlagen, nämlich Lauteroach 2020 Alk. (107,866 °/0 Zuschlag zu den doppelten Grundzahlen und dem ganzen Elnkornmensteuerbetcag), Crainfeld 1250 Mk. (118,573%) und Schlitz 633 Mk. (57,671%) ? Wallenrod, 23. April. Lehrer Meißner, bei seitherige Inhaber unserer zweiten Lehrerstelle, siedelt mit Beginn des neuen Schuljahres nach Groß-Karben über. Man sieht den allgemein beliebten Lehrer nur ungern aus dem Dorfe fcheiden.
X Ermenrod, 23. April. Unser altes Schul« Haus ist in diesen Tagen a bgebrochen worden und wird im Laufe des Sommers durch einen Neubau ersetzt.
§ Sichenhausen, 23. April., In einigen Wochen steht die Neuwahl eines Bürgermeisters bevor. Da voraussichtlich zwei Parteien miteinander ringen, dürfte der Kampf ein ziemlich heißer werden. — Auch in Hart- mannshain ist dieses Jahr Bürgermeisterwahl.
--Schotten, 23. April. Non den 54 Gemeinden de« Kreises Schotten erheben im Lause des Jahres 1908 Schmitten mir 223,248 Prozent, Glashütten mit 209,723 und Höckersdors mit 202,523 Proz. der doppelten Grundlagen und der ganzen Einkommcnstcu^r^eträge die hocysten Gemeinoe-Steuern. Zwischen 200 und 150 Proz. erheben 11 Gemeinden, zwischen 150 uni) 103 Proz. 24 Gemeinden, zwischen 100 mtb 50 Prvtz. 13 Gemeinden und unter 50 Proz. 3 Gemeinden, nämlich Ruppertsburg 48,785 Proz., Freienseen 33,441 Proz. und Lardenbach 20,838 Ptwz. In der glücklichen Lage, ohne Gemeinoefteuem auszukommen, ist keine Gemeinde des Kreises. Die Kreisstadt Schotten erhebt 89,146 Prvz., sie bringt insgesamt 32 500 Mk. Gemeindesteuern auf. Es folgen Laubach mit 28 000 Mk. (80,020 Prozent), Gedern mit 22 500 Mk. (101,997 Prvz.), Ulfa mit 14 000 Mk. (142,025 Prvz.), Eichelsachsen mit 10 000 Mk. (137,131 Prozent) und Ober-Seemen mit 10 000 Mk. (125,428 Proz.). Unter 1000 Mk. erheben Lardenbach 900 Mk. (20,838 Proz.), SolmS- Jlsdors 800 Mk. (122,156 Prvz.) und Schiinftten 290 Mk. f223,248 Prozent). Evangelische Kirchensteuern erheben serner Laubach (2340 Mk. - 8,36 Prvz.), Michelbach 240 Mk. -- 10,808 Proz.), Schotten (3985 Mk. — 13 986 Prvz3 und lÜrichstein (810 Mk. = 12,856 Prvz): katholische Kirchensteuern erheben Laubach (17 Mark — 5,016 Proz.), Ober-Schmitten (112 Mk. — 2,541 Proz.) und Schotten (50 Mk. — 5,715 Proz.).
§ Ruppertenrod, 22. April. Ein alter 48er Veteran, der Landwirt Johann Reinig, wurde heute unter einem sehr großen Trauergefolge zu Grabe getragen. Der Kriegerverein gab ihm das Ehrengeleit und am Grabe eine dreifache Ehrensalve. 2er Verstorbene hatte ein Alter von 79 Jahren erreicht und war nie ui seinem Leben krank gewesen. Ein stiller, biederer, braver Burger unsrer Gemeinde, erhielt er im vorigen Jahre als Feld, geschworener das allgemeine.Ehrenzeichen.


