Ausgabe 
26.6.1908 Zweites Blatt
 
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Freitag Sir. Juni 1908

158. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 148

Giehener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gderhefjen

DieStetzener LamMenblatter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das UretLblaN Iflr den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..randwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversitäts - Buch- und Steindnickerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuk- straße 7. Expedition und Verlag,' 6L ReÜLkttsnr^E"-^ ^sl.-vldruAnzeigerGießen.

Der ttaiser in Niel.

Kiel, 25. Juni. Heute vormittag bei den militärischen Meldungen nahm der Kaiser die Meldung des auf Sr. M. SchiffWürttemberg" dienenden Matrosen Kühlte entgegen. Der Urgroßvater des Matrosen batte bei der Geburt des Kronprinzen an Kaiser Wilhelm I. sein Bild geschickt, das ihn selbst, seinen Sohn, seinen Enkel und seinen Urenkel dar­stellt. Der alte Kaiser hatte ihm eines der bekannten Bilder Vier Generationen" geschickt, auf bcni er mit dem Kaiser Friedrich, dem jetzigen Kaiser und dem Kronprinzen dargestelli war. Der Kaiser teilte dem Matrosen mit, daß er dem Vater des Matrosen sein Porträt im Nahmen schenken werde.

Der Kaiser machte heute nachmittag einen Besuch an Bord der PachtGermania" des Herrn Krupp von Bohlen- Halbach und begab sich sodann zum Bahnhose zum Empfang des Königs von Sachsen. Nach herzlicher Begrüßling unternahnten die beiden Monarchen mit ihren Gefolgen eine Rundfahrt durch den Hafen. Hierauf gingen die Monarchen an Bord derHohenzollern", wo der König mit seinem Ge­folge Wohnung nimmt. Um 8 Uhr fand an Bord der Hohenzollern" Tafel statt, an welcher außer den Gefolgen der König von Sachsen, der deutsche Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich, Heinrich tmbj Adalbert teilnahmen; ferner Geh. Negierungsrat Professor Dr. Busley, Gutsbesitzer v. Schiller und Krupp von Bohlen.

polstäfcbc Tagesschau.

Landwirtschaft und Militär.

Zu der Forderung, den l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n U n t e r- richt beim Militär einzuführen, wird der Königsb. Hartungschen Ztg. geschrieben:

Sicherlich wäre ein solcher Unterricht für viele Soldaten and) ohne Rücksicht auf die Schädigungen der Landwirlscha't biud) die Leutenot sehr förderlich. In erster Reihe muß aber für die Beurteilung der Frage, ob ein landwirtschaftlicher Unterricht für Soldaten eingeführt werden soll, entscheidend in Betracht kommen das militärische Interesse. Vor anderthalb Jahrzehnten ist die drei­jährige Dienstzeit nach langen, schweren parlamentartscheu Kämpfen endlich in eine zweijährige verwandelt worden. Tie gesetzliche Fest­legung der zweijährigen Dienstzeit ist norf) recht jungen Datums. Bis vor wenigen Jahren ist gerade von koiiservatlver Seite die Herabsetzung der Militärdienstzeit voll drei auf zivei Jahre schwer getadelt worden, weil zwei Jahre angeblich nicht ausreichten, um einen Soldaieii derart auszubildeii, ivie es im Interesse der Wehrhaftigkeit des Vaterlandes dringend erforderlich sei. Wenn jetzt aber eine wertere Verkürzung der militärischen Ausbildungszeit denn barauf kommt es bei der Einführiing eme§ landwirt­schaftlichen Unterrichts für Soldaten doch tatsächlich an, nid)t bloß für zulässig, solidem and) für erwünscht bezeichnet wird, so richten damit die Konservativen gegen sich selbst indirekt sehr harte Vorwürfe. Tie Forderrnig des Ausschusses des derrtscheli Land- wirtschaftsrats bederrtet eine nachträgliche Rechtfertigung der Hal- tilng der Freisinnigen in der Frage der Verkürzung der Dienstzeit. Aber abgesehen davon, muß erwogen werden, ob ein landwirt­schaftlicher Unterricht im Heere erfolgreich fein kann, solange viel­fach Znstände im Heere herrschen, von benen dieGermania" folgende Schilderung-entwirft:Jetzt fommt der Bauernsohn ins Regimeiit, wird von Vorgesetzten mrd Kameraden geringschätzig als dummer Bauer behandelt uiid mit Bezeichnungen wie Sandeler",bummer Barier" und dergleichen tituliert." Hier mutz erst Abhilfe geschaffen werben. Erst dann können landwirt­schaftliche JnstrrlktionssliUidcrr sörderlid) fein."

Sstzsssrg öes? Stadtverordneten.

Gießen, 26. Juni.

Anweserrd: Oberbürgermeister Mecum: die Beigeordneten Georgi und .Heyligeirstaed't, sowie die Stadtverordneten: Dr. Bier- mer, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Gabriel, Grüne­wald, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Dr. Haberkorn, Haubach^Helm, Jann, Jughardt, Krumm, Leib, Löber, Petri, Plank, Dr. Schäfer, Simon, Troß, Wallenfels, Winn.

Mitteilungen.

Rektor und Senat haben zum Jahresfest der Landes- univerfität am 1. Juli eingeladen, und der Vorsitzende fordert zu zahlreicheln Bcsud) auf.

Straßenangelegenheiten.

Für den A st e r w c g und die v e r l. S cho t t st r a ß e ist von Gebr. Zutt Straßengelünde, den Quadratmeter zu 6 Mk., erworben ivorden, int ganzen für 1692 Mk. Tie Versammlung ist damit ein­verstanden. s . . , , . r. «

Tie Befestigung der Bürgersteige in der Llebigstratze soll durch einen Streifen Zementplatten in der Mitte erfolgen, iväh- rend auf beiden Seiten Mosaik, unterbrochen durch Gailsche Klinker, angebracht werden soll. z , -

Tie Garnisvnverioaltung hat darum nachgesucht, baß die Bürgersteige von kleineren Truppenabteilungen lbis zu 12 Mann« betreten werden dürften, insbesondere in der -Lenden- bergstraße, der Moltkestraße, der Kaiserallee bis zur Kaserne und der Licher Straße bis zur Kaserne, sowie ferner andere Bürgersteige, wenigstens solange die Kanalisationsaroeiten bauern und bei schlech- Lem Wetter. Wan hofft, dadurch den Gesundheitszustand, günstig zu beeinflussen und den Krankenzustand zu verringern. Erne Be­einträchtigung des Verkehrs ist nach Ansicht der Garmsonsver- waltung nicht zu befürchten, zumal bei stärkerem Verkehr die Soldaten hintcreiiiander marschieren sollen.

Tie Baudeputation empfiehlt Ablehnung des Gesuchs, wahrend sich die Stadtvv. Löber, Krumm, Troß und Gabriel für Genehmigung ausfprechen. Gegen die Genehmiaung sprechen Stadtv. Winn, -Ltadto. Han back) und Beig. Georgi.

Bei der Abstimmung findet der auf Ablehnung lautende Antrag der Baudeputation gegen etwa acht, Stimmen Annahme.

In der Rittergasse befindet sich ein Stück von 4 Vs Meter Länge und 2 Vs Meter Breite, das von Friedrich Kühn in Anspruch genommen wird. Nach den Akteii gehört es diesem auch es wurde aber bei der letzten Parzellenvermessung irr- tünilich der Stadt als Straßengelände zugeschrieben.

Nach einigen zustimmenden Ausführungen des stadtv. Trotz wird das Gesuch wegen Ueberschreibung des Grundstücks auf den Namen Kühn genehmigt.

Verschiedenes.

Tie Pacht für das an den Verein für L i ch t -, Lu ft - und Sonnenbäder gepachtete städtische Gelände wird auf 16 Mk. 1 ä13cugn?arti ebelhat darum nachgesucht, auf städtische Kosten auf seinem Flur eine Gaslateme brennen zu dürfen. Da damit jetzt bet Feueralarm bestehende Mißstände befeittgt sverden, wird baö ^esil^^senchmigtz Kläranlage und

garelhenhütte, wo sich oft Gesindel herumtreibt, soll em Wachthund angefcfiafft werden. Dem die Ueberwachuug ausübenden Vorar- beiier Schnabel wird für das Halten des Hundes einschließlich der Steuer die Summe von jährlich 70 Mk. bewilligt.

Mk.

477 891

die

Für Politik in Vertretung verantwortlich: P. Wittko.

Hande)

84.60

Börse, 26. Juni. Anfangs kursc.

156.80

407 000

400 000

400 000

. 207.80

. 110.60

Berliner Handelsges. . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. .

Harpener Bergwerk Laurahütte . .

Lombarden E. B. N'ordd. Lloyd . . Türkenlose . * .

Dresdner Bank . . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio-

Eisentahn Gotthardbahn Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbabn .

Mk. Mk. Mk.

228.00

55.40

136.50

3% 3K°/c 3% 3M°/<

116 20 104.00 203.00 184.50 108.75 106.00 200.50

93.80 97.00

der Anlage und den Ersatz fckmdhafter Teile, sowie für den Erneuerungsfonds find weitere 2 Pro.;, des anfzuwendenden Ka­pitals angesetzt, während die Arbeitslöhne hierfür bei den Bc-

sellschast, Berlin

Felten & Guilleaume-Lahüteyer-Werke, Frank­furt a. M.

196.20

200 50

24.60

93.50

146.70

Elektriz. Schncjtert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . . Laurahütte......

Nordd. Lloyd . . . .

Obeischles. Eisen-Industrie

24 50

148.80

118.80

132.50 170.90

136.50

194.80

82.30

91.60

82.20

90.90

90.00

98.70

99.10

93.30

104.00

62.90

63 50

95 45

89.25

96.30

314"/, Oberhessen . . . 4% Oesterr Goldrente. . 4l/e?o Oesterr. Silberrente 4°z Ungar Goldrente . . 4% Italien. Rente . . .

3?z Portugiesen Serie I

3°/0 Mexikaner 4^"/0 Chinesen . .

Aktien:

Bochum Guss . . .

Buderus E. W. . .

Tendenz: ruhig.

Berliner

Canada E. B. . . . Darmstädter Bank .

Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C.

Dresdner Bank . .

Tendenz: ruhig.

triebskosten berücksichtigt sind.

Die der Versammlung in erster Linie unterbreitete Linicn- ührung (die später beschlossen wurdet, ist 5,65 Kilometer lang, wobei 0,26 Kilometer Gleis gemeinschaftlich find. Bei 75 Mi­nutenverkehr, der die Anlage von 20 Weichen und die An- 'chaffung von 12 Wagen erfordern würde, würden die Bau­kosten 540 000 Mk. und das Gesamtanlagekapital 556 000 Mk. betragen, so daß für Verzinsung, Amortisation und Erneuerungs- onds 44 480 Mk. jährlich erforderlich sein würden. Wenn von vormittags 6 bis abends 10 Ubr voller 7-5 Minntenbetrieb ein­gerichtet wird, würden für die Verwaltung und den Betrieb 40140 Mk., an Stromkosten (die Kilowattstunde 12 Psg.'> 32 280 Mk. und für Schuldendienst und Erneuerung 44 480 Ml. jährlich erforderlich sein, also zusammen 116 900 Mk. Bei (in den ver­kehrsarmeren Tageszeiten' beschränkten 7]/o Minutenverkehr wür­den die Stromkosten 27 820. Mk., also runh 4500 Ml. wenig-r betragen. Bei Einführung des 12 Minutcnverkehrs würben rund 18 000 bezw. 16 000 Mk. gespart werden, bei Beschränkung auf eine Linie zur Kaserne mit Abzweigung nach dem Friedhof würden, 71/2 Minutenverkehr vorausgesetzt, 14 000 Mk. gegenüber den bei 2 durchgehenden Linien zu erwartenden Ausgaben ae- start werden und, wenn die eine Linie statt bis zum Friedhof nur bis zum Wiesecker Weg durchgefübrt würde, 24000 Mk. Nach den Erfahrungen, die in anderen Städten gemacht würden den Berechnungen lag eine Vcrgleichstabelle bei, in der die Ergebnisse des Straßenbahnbetriebs in 10 Städten mitgeteilt ind), ist anzunehmen, daßdie Gießener Straßenbahn zunächst mit einem geringen Zuschuß betrieben werden könnte, der bei nicht ausbleibender Entwickelung des Verkehrs später in Wegfall kommen würde. Bei beschränktem 7' - Minutenverkehr würde bei einem Zuschuß von jährlich 10 000 Mk. die Zahl der be­förderten Personen jährlich sich ans 880 000 belaufen müssen. Das macht auf einen Einwohner jährlich 28 Fahrten. Bei 20 000 Mk. Zuschuß würde die Zahl der jährlich zu befördernden Personen 780 000 betragen müssen, oder es müßte durchschnittlich jeder Einwohner jährlich 25mal fahren. Bei den 10 Vergleichsstädtcn haben nur 2, die ein sehr viel geringeres Straßenbahnnctz haben als von Anfang an hier vorgesehen ist, geringere Freguenz- zifsern aufzuweisen, während die übrigen wesentlich mehr Fahrten auf den Kopf der Bevölkerung zu verzeichnen haben.

Nach dem einleitenden Vortrag des Vorsitzenden, von dem wir das wesentlichste auszugsweise wiedergegeben haben, nahm die ausgedehnte und sehr lebhafte Aussprache ihren Anfang, als deren Ergebnis, wie an anderer Stelle mitgeteilt wnrdc, der Beschluß zu betrachten ist, zwei Linien zu bauen und dte wetteren Vorarbeiten tatkräftig zu betreiben. Wir werden darüber morgen berichten.

. 159.76

. 122.70

. 228.10

SSiirse, 26. Juni, 1.15 Uhr. 91.55 I Elektriz. Lalnneyer .

iudet Genehmigung.

Die Lieferung eines für die Kanalisation erforderlich gewor­denen Schachtdeckels nebst den dazu gehörigen Eiscnteilen wird der Firma Hofmann in Frankfurt (Vertreter der Buderuswerkei übertragen, die bisher schon diese Lieferungen ausführte. Der Preis ist 44.70 und 26.95 Mk. statt früher 48 und 29 Mk.

Der Denkmalspfleger hat bei feinem gestrigen Hier­sein den Wunsch ausgesprochen, daß für die Anstricharbeiten an der Hirschapotheke eine besondere Farbenmischung angewendet werde, die nicht hier gemacht werden kann. Die Sache müsse in Frankfurt gemacht werden und soll etwa 100 Mk. kosten, die die Stadt zu tragen hätte.

Stadtv. Dr. Biermer spricht sich entschieden gegen das Gesuch aus. Das Denkmalschutzgesctz wachse sich in seiner Aus­führung zu einer Belästigung aus. Die heutige Zumutung fei ein solcher Auswuchs des Gesetzes. Dazu enthalte das Gesetz eine empfindliche Lücke, wenn der Staat solche Zumutungen stelle, solle er auch die Mittel gewähren.

Stadtv. Wallenfels spricht sich ähnlich aus und meint, wenn ein solcher Anstrich überhaupt gemacht werden solle, könne er auch von Gießener Meistern gemacht werden.

Tas Ansinnen des Denkmalspflegers wird einstimmig ab­gelehnt.

Teietromschiw Eimsberic© des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Glessen.

Fran k Furier Beichsanleihe . .

do. . Konsols .... do. .... Hessen

Hofweg bis zum Friedhof am Rodtberg.

Auf beiden Linien sollten die Wagen in Abständen von 71Minuten aufeinander folgen. Herr Stolte ermittelte die Anlagckosten zu 540 000 Mk. In der Kommissionssitzung am 6. Mai legte, der Oberbürgermeister den Stoltcschen Kostenüberschlag vor und führte dazu aus, daß unter Hinzurechnung der anteils­mäßigen Unkosten für die Aufnahme einer Anleihe hierfür ein Kapital von rund 560 000 Mk. zu beschaffen sei, daß aber beim Ausbau nur einer Linie zwischen Bahnhof und Marktplatz das Anlagekapital um 60 000 Mr. und die jährlichen Unkosten um etwa 13 000 Mk. sich verringere. Auf Wunsch der Kommission wurden von fünf größeren Firmen nach einem gleichlautenden Vordruck Angebote für die Gleisanlage, die Stromzusührnng, die Betriebsmittel und die Bauleitung eingefordert. Von vier Firmen gingen Angebote mit folgenden Schlußsummen ein:

Kontinentale Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Ge-

VerMLsLhteL»

* D i e Geschmacksrichtung der Schnaken. Unter gleichen äußeren Bedingungen haben manche Per­sonen unter der Schnakenplage schwer zu leiden, andere gar nicht. Tiefe Tatsache hat au Wichtigkeit nod), außer­ordentlich gewonnen, seit die Forschungen der jüngsten Zeit festgestellt haben, daß die Schnaken Ueberträger an­steckender Krankheiten find, so daß es von erheb­lichem Interesse ist, zu erfahren, aus welchem Grunde ein­zelne Individuen mehr und andere weniger oder gar nicht von den gefährlichen Insekten heimgesucht werden. Tas Journal oer amerikanischen medizinischen Vereinigung bringt jetzt eine inhaltreiche Schilderung der Untersuchungen, die der Leiter des Instituts für Experimentalhygiene und Parasitologie der Universität Lausanne, Pros. Galli-Valerio, nach dieser Richtung unternommen hat. Als wichtigstes Moment für dieBevorzugung" seitens der Moskitos hat sich die Farbe der Kleider herausgestelli. Tie Versuche, die mit verschiedenen Schnatenarten der Gattung "Anopheles durctz- geführt wurden, haben gelehrt, daß dunkle Gewänder etwa die vierfache Anzahl anzogen als Helle, so daß letztere jedensalls die Moskitoplage abschwächen, wenn sie auch keinen vollen Schutz gewähren können. Jeden­falls ist die Wahl l e i ch t e r S 10 f s e eine mindestens ebenso wirksame Maßnahme wie das Tabakrauch en. Es ist ja verständlich, daß der Volksglaube zu der Ansicht kommt, daß das Blut dieser oder jener Personen den Schnaken besser odersüßer" schmecke, aber richtig ist diese Vermutung nicht. Zunächst müßte man annehmen, daß schon der Ge­ruch solche Unterschiede kenntlich mache, was immerhin recht hypothetisch wäre. .Hingegen ist es sehr einleuchtend, daß die Vorliebe der Moskitos sich ans den Zug nach dunkleren und daher besonders warmen Flächen zurückführcn läßt.

Tie elektrische Straßenbahn.

Oberbürgermeister Mecum leitete die Beratung mit etwa folgenden Ausführungen ein:

Die städtische Verkehrskommission wurde durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung mit den Vorarbeiten für eine elek­trische Straßenbahn in Gießen beauftragt, und für diese Arbeiten durch den Betriebsleiter des Elektrizitätswerks, Herrn Stolte und Herrn Omnibusverwalter Braun verstärkt. In ihrem Auftrage stellte Herr Stolte einen Kostenüberschlag auf, für eine Straßen­bahn mit folgenden Linien:

1. Bahnhof, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Marktplatz, Schulstraße, Neuen Baue, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee, Licher Straße bis zur Kaserne:

2. Bahnhof, Bahnhofstraße, Marktstraße, Marktplatz,, Kirchen­platz, Lindenylatz, Walltorstraße, Marburger Straße, Fried-

Siemens-Schuckert-Werke, Berlin Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin Rechnet man zu letzteren, billigeren Angeboten die Kosten für darin nicht enthaltenen Teile der Anlage Wagenhalle mit Werkstatt, Wiederherstellung der Straßenfläche usw. hinzu, so ergeben sich die Gesarntkosten wiederum zu 540 000 Mk.

<£)ie fünfte der aufgeforderten Firmen Hecker & Co. in Wiesbaden gab ein Angebot nicht ab, weil die Anlage nach dem gegebenen Programm nicht rentabel fei. Sie begründet das damit, daß bei zwei Linien und 7i/2 Minuten-Verkehr die jährlichen Ausgaben 130 000 bis 140 000 Mk. und die Ein­nahmen etwa 75 000 Mk. betragen würden: das bedeute einen jährlichen Verlust von 55 000 bis 65 000 Mk.: dagegen würden bei nur einer Linie zwischen Bahnhof und Markt und einer Wagenfolge von 12H2 Minuten die Ausgaben 79 000 Mk., die Einnahmen 70 000 Mk. und der Verlust nur 9000 Mk. betragen.

Nach Ansicht der Verkehrskommission sind die oben genannten beiden. Linien für 7i/2 Minutenverkehr auszubauen: daneben soll an zweiter Stelle der Ausbau einer Linie Bahnhof, Bahn­hofstraße, West-Anlage, Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Markt und hier in die oben genannten beiden Linien nach der Kaserne, und dem Friedhof am Rodtberg sich verzweigend in Ausinht genommen werden. Vom verkehrstechmschen Standpunkt läßt sich die Anlage der Konkurrenzlinien durch die nur 120 bis 200 Mtr. voneinander entfernten Parallelstraßen Seltecsweg und Bahn­hofstraße zweifellos nicht rechtfertigen; von diesem Standpunkt aus kann nur die Linienführung durch den Seltersweg in Be­tracht kommen, weil diese Straße mehr in der Mitte der be­bauten Stadt zwischen Eisenbahndamm und Stephansmark liegt, und diese Linienführung dem Gebiet der oberen Frankfurter Straße an der Einbiegung aus der Frankfurter Straße in die Liebigstraße, soweit möglich, sich nähert. Die Verkehrskommisswn war der Meinung, daß die Aiilieger der Bahnhofstratze, durch die jetzt eine Ommbuslime verkehrt, sich benachteiligt fühlen werden, wenn diese Straße von der Bahn nicht berührt wird, und daß der Ausbau einer Linie durch dieselbe, wenn er nicht jetzt erfolgt, für lange Zeit ausgeschlossen ist, wett die Straße neu gepflastert werden muß. Die Kornmisfion schlägt daher an erster Stelle beide Linien vor. Mit dem Eventualvorfchlag Bahnhof, Hotel Großherzog, West-Anlage, Seltersweg will die Kommission, falls nur eine Linie gebaut wird, die xmterenen der Bahnhofstraße möglichst berücksichtigen mrd die Hotels m der Bahnhofstraße berühren; diese Führung hat aber den Nach­teil daß sie 330 Mtv. länger ist als die Lime Markt, Bahn­hofstraße, Bahnhof und 150 Mtr. länger als die Linie Markt, Seltersweg, Frankfurter Straße,. Liebigstraße, Bahnhof, und daß sie voui Gebiet der oberen Frankfurter Straße weiter abhegt.

einer Sitzung der Finanzkommission und der Baudeputation sprachen die meisten Mitglieder sich gegen die weitgehenden An­träge der Verkehrskommission aus, weil man der Ansicht war, die Stadt könne die damit verbundenen Geldopfer nicht auf sich nehmen: hier wurde vielmehr gewünscht, es möchten auch Be­rechnungen ausgestellt werden für eine Linie BahnhofMarkt mit Verzweigung nach der Kaserne und dem Friedhof bezw. nach den Wiesecker Weg unter Annahme eines 12 Minutenverkehrs.

Diese Berechnungen sind aufgestellt. Da es jedoch nid) nötig sein wird, alle Wagen bis zur Kaserne und dem Frledhof durchzusiihren, sind noch weitere Berechnungen ausgestellt für den Fall, daß nur jeder zweite Wagen bis zur Kaserne laust, der zusammenliegende aber an der Moltkestraße endigt, daß ferner der Verkehr zum Friedhof etwa auf die Zeit von 10 bi§ 7 Uhr beschränkt und auch in dieser Zeit verschieden dicht gestattet toirb, während die anderen Wagen dieser Lime am Wiesecker, Weg umkehren. Den Anlagekosten müssen zur Ermittelung des wirklich aufzuwendenden Kapitals der Kursverlust und die sonstigen Un­kosten für Aufnahme einer Anleihe hinzugerechnet werden: hier­für sind rund 3 Proz. eingesetzt. Es ist ferner angenommen, daß der für die Straßenbahn aufzuwendende Anteil der Anleihe I mit 4 Proz. verzinst und mit 2 Proz. zuzüglich der ersparten

Eine von der Brühlschen TruckerLi vorliegende Rechnung über Zinsen getilgt werden muß. Für Materialien zur Unterhaltung den Druck der Wählerliste bei der letzten Stadtverordnetenwahl

3% Portugiesen 111

4%°(0 russ.Staatsanl. 1905

4*4°/0 japan. Staatsanleihe

4 % Conv. Türken von 1903

Türkenlose 147.00

4% Griech. Monopol-Anl. . 51.30

4% äussere Argentinier . 86.50

66.60

96.45