Ausgabe 
19.12.1908 Erstes Blatt
 
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politifcbc Lagesschau.

Folgen der Kaisers Interviews.

Die üblen Folgen der Veröffentlichung des Kaiser- Interviews im Daily-Telegraph zeigen sich noch immer. Die Maschinenfabrik in Ettlingen mußte einer großen An­zahl Arbeiter kündigen. Als Grund gilt, daß ein bedeutender Auftrag der holländischen Regierung, man spricht von 60 Lokomotiven, zurückgezogen wurde. Die Veranlassung hierzu ist nicht bekannt. Cs gilt aber als feststehend, daß mehrere holländische Handelshäuser größere Aufträge bei anderen deutschen Fabriken unter Hinweis auf das Kaiser- Znterview im Daily Telegraph zurückgezogen haben.

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Kündigungen ans der Zeche Radbod.

ZnBergarbeiterkreisen wird lebhaft besprochen, daß 122 Bergleute auf der Zeche Radbod die Kündigung er­halten haben. Unter ihnen beftnden sich zwei von den Ge­retteten sowie mehrere Bergleute, die sich ganz hervor­ragend an den Rettungsarbeiten beteiligten, ferner auch der Bergmann Lewandowsky, der zur Deputation der Knappen gehörte, die dem Prinzen Eitel Friedrich ihre Wünsche wegen Arbeiterschutz vortrugen. Wir geben obige Nachricht mit aller Reserve wieder; sie erscheint uns so unglaublich.

Siu seltsamer Vorsatz wird demMorning Seotier" aus Lissabon gemeldet. In den Hafen von Maeao fuhren zwei chinesische Kanonenboote ein, ohne die portugiesische Herrschaft anzuerkennen. Der iportugiesische Gouverneur ließ sie durch Sitznale verstän­digen, sie möchten den Hafen wieder verlassen, sonst würde er sie zum Sinken bringen lassen. In Erwiderung der Drohung eröffneten die beiden chinesischen Kanonen- boote das Feuer auf die portugiesische Be­festigung. Weitere; Einzelheiten über den sonderbare» Vorfall fehlen noch.

Ausland.

König Eduard hat an den Sultan anläßlich der Eröffnung des Parlaments ein .Glückwunschtelegramm ge­sandt.

Der russische Reichsrat nahm einstimmig die aus der Duma eingegangene Gesetzesvorlage an, die den Finanzmi­nister ermächtigt, eine Anleihe von 450 Mill. Rubel abzu­schließen.

Das englische Oberhaus hat das Gesetz über den Achtstundentag in den Bergwerken angenommen.

Die Anerkennung Muley Hafids. Die Ver­treter Frankreichs und Spaniens haben den Signatarmäch­ten der Akte von Algeeiras eine gleichlautende Note über die Anerkennung Ntuley Hasids überreicht. Diese Note wird in Tanger den Vertretern des Machs en durch Vermittlung des Doyen des dip lonra tisch en Korps überreicht werden.

Wie aus Französisch-Kongo berichtet wird, hat ein Kampf ztoischen Eingeborenen und einer französischen Kolonne unter dem Befehl des Hauptmanns Prokas im mittleren Ubanghi- Gebiet stattgefunden. Die ftanzösischen Truppen waren siegreich, obgleich, sie, 15 Tote und 20 Verwundete zu be­klagen hatten.

Die Vertreter der Ansichtskartenindustrie tu den Vereinigten Staaten von Nordamerika verlangen von der Tarif ko mmission eine erhebliche Zollerhöhung, um der deutschen Konkurrenz zu begegnen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 19. Dezember 1908.

**Tagcskalender. Stadtt Heater. Sonntag: Gast­spiel des Theaters derUrania"-Berlin. Nachmittags 8i/3 Uhr: 3m Lande der Miller nadMonne; abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Reviera.

Kolosseum. Samstag und Sonntag: Gastspiel des timen Theaters Ätünsien^Frankfurt mit Mary Irbcr.

Kinematographenthcatcr. Programmwechsel.

Kaiserpanorama. ProgramnuveMel. Savoyen und Montblanc-Besteigung.

Aulagcmufik (nur bei günstiger Witterung) um W/3 Uhr in der Süd-Anlage. Spiclplan: 1) Ouvertüre zur OperWenn ich König wär" von Adam; 2) Lysistratra-Walzer von Linke; 3) Krönungsmarsch a. ix OperTie Folkunger" von Kretschmer: 4) Armeemarsch Nr. 10.

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Die Grunderwerbskosten für die Bahn LollarLondorf. Der Krcisausschuß des Kreises Friedberg verkündete heute vormittag das Urteil in Sachen des Geländecrwcrbs für die Bahn LollarLondorf dahin, daß dieStadtGießen 45,59 Proz. dieser Kosten zu bezahlen habe. Nach einer Berechnung bedeutet dies eine Summe von annähernd 105 0 0 0 Mark. Die Begründung dieser Entscheidung, die jedenfalls lebhafte Kommentare Hervorrufen wird, liegt uns noch nicht vor. Aber auch ohne sie zu kennen, darf ausgesprochen werden, daß unser Nebenbahngesetz jedenfalls einer Abänderung bedarf, wenn die oberen In­stanzen das Friedberger Urteil bestätigen. Wir müssen es für unrecht halten, daß auf Grund eines Gesetzes Gemeinden zu den Kosten von Bahnen herangezogen werden können, bei deren Bau sie überhaupt nicht gefragt wurden.

LU. Landesuniversität. Herr Dv. Kurt Lau­benheimer, 1. Assistent am hiesigen hygienischen In- stitut, der sich für das Fach der Hygiene und Bakteriologie an unserer Universität zu habilitieren toünscht, häll am Montag, 2L Dez. ds. Js., um 5 Uhr in der kleinen Aula eine öffentliche Probevorlesung über das Thema: Opsonine und Bakteriolysine.

* * Pfarrpersonalien. S.K.H. der Großher­zog haben dem 2. evang. Pfarrer zu Lampertheim Rud. Eckel die erste Pfarrftelle dort übertragen.

Ord e nsauszeich n uu g. Der Großherzog haben dem Rechnungsrat H. L. Kröll zu Darmstadt aus Anlaß feines 50jährigen Dienstjubilämns das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Magna cum laude. Pfarrer Heep von Hochel­heim hat vor der theolog. Fakultät unserer Universität das Licentiaten-Examen abgelegt und magna cum laude bestan­den.

AuL dem Militärwochenblatt, u. Siet!ein, Gen.-Major und Kommandeur der 50. Jnf.-Brigade (2. Großh. Hess.) mit der Führung der 19. Dtv., v. Grumbkow,

Oberst und Kommandeur des Gren.-RegtS. König Friedrich (2. Schles.) Nr. 11, mit der Führung der 50. Jnf.-Brigade (2. Großh. Hess.) beauftragt. Lt. v. Hannecken im Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, zum Ober- ieutnant befördert. Kappes, Oberlt. im Jnf.-Regt. v. Lutzow (1. Rhein.) Nr. 25, zum Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18 vom 1. Ian. 1909 auf ein Jahr kommandiert. Frhr. v. Nordeck zur Rabenau, Oberlt. im Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, von dem Kommando als Insp -Offizier an der Kriegsschule in Metz enthoben und gleichzeitig mit einem Patent vom 18. Noo. 1902 in das Jnf.-Regt. v. Horn (3. Rhein.) Nr. 29 ver­setzt. Habicht, Lt. im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess) Nr. 118, der Abschied bewilligt. Im Beur­laubtenstande: Die Unterärzte der Res.: Dr. Weckerling (Friedberg), Dr. Wallenstein (Mainz) zu Assistenzärzten befördert.

Landwirtschaftskammer. Auf der TageSordnug deS LandwirtschaftSkammer-AußschusieS für Starkenburg, die am 15. Dezember in Darmstadt stattfand, stand auch die Neuwahl deS Vorsitzenden. Oekonomierat Walter-Leng- ield glaubte infolge gewisser Vorgänge bei der in diesem Herbst abgehaltenen LandtagSwahl (Wahlbezirk Dieburg- Groß-Umstadt) den Vorsitz im LandwirtschaftSkammer-AuS« schuß, nachdem er bereits als Vorsitzender deS Landwirt­schaftlichen BezirksoereinS im LandwirtschastSkammer-Wahl- dezirk Groß-Umstadt zurückgetreten war, niederlegen zu müssen. Bei der nun am 15. d. M. in der LandwirtschaftSkammer- Ausschußsitzung vorgenommenen Neuwahl wurde Oekononie- rat Walter einstimmig wiedergewählt.

Gießener Freie Studentenschaft. Zu dem Vortrage von Prof. Pochhammer über daS Thema .Goethes Faust und Dantes Divina Comedia* hatte sich in dem Auditorium, daS der Rektor in dankens­werter Weise zur Verfügung gestellt hatte, eine große Zu­hörerschaft eingefunden. Redner betonte zuerst, daß er nicht als Fachgelehrter, sondern als Leser und zwar von deutschem Standpunkte aus spreche. An der Hand einer Zeichnung veranschaulichte er bann das gegenseitige Verhältnis der Ideen im Faust und in der Divina Comedia. Er wies nach, daß Goethe den Begriff der Lethe ebenso aufgefaßt habe wie Dante und daß beide von der antiken Vorstellung des Lethebegriffes abgewichen seien. Den Zwiespalt der zwei Seelen in FaustS Brust, von denen die eine ihn zu himm­lischen Gefilden tragen, die andere aber zur Erde zurück» ziehen will, hat auch Dante schon empfunden: Die Gestalt des Vergil ist daS Symbol der menschlichen Vernunft und die der Beatrice das Symbol der unendlichen Sehnsucht nach der Gottheit. Goethe führt die ringende menschliche Seele hinauf bis zum Höchsten. Dante fühlt auch des Himmels Rahe, aber er wagt es nicht, seine Empfindungen zu schildern. 'Mit Hilfe mehrerer Tafeln erklärte darauf der Redner den Gedankengang in der Göttlichen Komödie. Am Schluffe gab Prof. Pochhammer einige Proben auS seiner Uebertragung der Comedia ins Deutsche. Einen besonders tiefen Eindruck machte dabei seine wunderbare Uebersetzung des Vaterunsers. Die Versammlung spendete dem Redner, der vollständig in seinem Stoffe ausging, für seinen vortrefflichen Vortrag reichen Beifall.

** Das Liebig-Laboratorium. Man schreibt uns::Wie Ihre Zeitung berichtet, ist der Ankauf der alten chirurgischen Mnik durch die Stadt beschlossene Sache. Es wäre wohl jetzt auch an der Zeit, einmal einen defini­tiven Beschluß zu fassen, daß das alteLiebig'sche Labo­ratorium als bleibendes Denkmal an diesen großen Meister vielleicht in der Gestalt eines Liebigs- Museum erhalten blieb. Gießen würde dadurch eine Sehenswürdigkeit erhalten, mit dem es in der Welt wohl einzig dastehen würde. Unb ist die Stadt, die dem Meister ein Denkmal errichtet hat, nicht verpflichtet, in pietätvollem Gedenken diese Geisteswerkstätte zu erhaltend

* Kunstverein. Die seit Sonntag im Turmhaus befindliche neue Ausstellung, in der die Kollektionen Peter Bayer-München unb Ernst Eimer-Karlsruhe sind, hatte am Sonntag und in der Woche einen regen Besuch aufzuweisen, was als Beweis gelten darf, daß die diesmalige Ausstellung wieder viel des Schönen aufroeift. Heute wurden wieder neu zur Ausstellung gebracht Werke von Hans Kober­stein-Berlin, E. Vetter-München, A. Grüdering, z. Zt. in Rom, und W. Barthel-Gießen. Von dieser Ausstellung wurden verkauft und gingen in hiesigen Privatbesitz über ein Oelgemälde von E. Eimer-Karlsruhe »Begegnung«, drei Aquarelle von E. Proch-WorpSwede »Abend an ber (Stimme*, »Birke im Moor* und »Bei Worpswede*. Die Ausstellung ist morgen, Sonntag, von 11 bis 3 Uhr und an den Werk- tagen von 11 bis 1 Uhr geöffnet.

** Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Am 16. Dezemper fand anläßlich des 75- jährigen Bestehens eine Jubiläumssitzung und gleich­zeitig Generalversammlung der Gesellschaft statt. Profeffor Henneberg gab zunächst eine kurze Darstellung ber Ent- wicklung ber Gesellschaft. Hernach sprach Privatdozent Ul ler über die Fortschritte und den gegenwärtigen Stand ber Funkentelegraphie. Redner gab eine gedrängte Darstellung der physikalischen Grundlagen der Wellentelegraphie und ging dann über zur Erklärung der Systeme von Marconi und Braun. Sodann wurden die Fortschritte bargelegt, die seit dem Jahre 1902, wo ber letzte Vortrag über dasselbe Thema stattgefunden hatte, auf diesem Gebiete zu verzeichnen sind: Die Errichtung von Großstationen, die Ueberbrückung des atlantischen OzcanS, die erfolgreichen Versuche, die Wellen hauptsächlich in bestimmter Richtung zu senden. Tafeln, Schaltungsschemata, Projektionen und Modelle unterstützten den Vortrag. Den Schluß bildete der Geschäftsbericht des Geh. Hofrat Haupt.

** Im oberhessischen Geschichtsverein sprachen am Donnerstag Pros. Dr. Haupt sehr fesselnd von den Erlebnissen eines hiesigen katholischen Geistlichen während der Reformationszeit und Prof. Dr. Schwally über die Ge­schichte der türkischen Verfassung, aus der recht viel inter» essante Zuge zu vermerken mären, wenn es un§ der Raum genattete, näher darauf einzugehen. In der sich anschließen­den freien Aussprache machien Dr. Hepding und Alfred Bock fesselnde Mitteilungen über verschiedene Erlebnisse auS ihrem Aufenthalt m der Türkei.

- Alice-Schule. Auch in diesem Jahre veranstaltet die Alice-Schule in ihren Schulräumen eine AuSste llung der Schülerinnen-Arbeiten. Der Zutritt zu ihr steht jedermann frei. Die Räume des oberen Stockwerkes werden, m geschmackvoller Weise arrangiert, die einfachsten Näh. arbeiten bis herauf zu den neuesten Techniken auf dem Ge­biete ber Kunsthandarbeit, des Schnitzens, Brennens und Malens auf Samt, Seide 2C. enthalten. Ein Gang durch die Abteilung im Schneidern wird die Geschicklichkeit der Schülerinnen auf dem Gebiete der Mode zeigen und zugleich beweisen, wie man durch einigen Geschmack auch einem un­ansehnlich gewordenen Kleidungsstück ein modernes Aussehen geben kann. Der untere Ausstellungsraum wird die Erzeug- niffe des Koch-, Back- und Einmachkurses enthalten. Tie Mannigfaltigkeit der Erzeugniffe bürgt dafür, daß jeder Lieb­haber eine seinem Geschmack zusagende Auswahl treffen kann unb ber Fleiß ber Schülerinnen würbe badurch belohnt werben, wenn bie aufgestellten Waren raschen Absatz fänden. So manche Hausfrau, ber bie Zelt fehlte, ihre Weihnachts­bäckerei selbst herzustellen, wird dort Gelegenheit finden, ihren Vorrat zu ergänzen. Ein Besuch der Ausstellung wird sich für alle Jntereffenten lohnen.

Der Gernhardsche Zither- unb Mando­linenchor halt am Sonntag im Saale des Hotel Einhorn seine Weihnachtsfeier ab. Außer Musik- und Gesangs- □ertragen des durch feine musikalischen Unterhaltungsabende beliebt gewordenen Chors ist eine Verlosung vorgesehen.

*m. Friedberg, 18. Dez. Wie oft wurde schon ge­warnt davor, Petroleum ins Feuer zu schütten, je­doch immer vergebens. Ms gestern morgen das Dienst, mädchen eines hiesigen Architekten Feuer anzünden wollte, schüttete sie Petroleum nach. Sofort schlugen die Flammen zurück und verbrannten das Mädchen ganz gehörig. Im Nu war das gesamte Kopfhaar versengt und das Gesicht verbrannt. Das Mädchen kann noch von Glück sagen, so davon gekommen zu sein. Heute wurden in einem hie­sigen Warenhaus zwei Diebinnen entdeckt, bei denen große Posten gestohlener Waren gefunden wurden. Zwei den besseren Ständen Ober-Roßbachs angehörige Frauen waren gerade im Begriff, das Lokal zu verlassen, als die eine davon den Inhaber um einen Kalender bat. Er fragte sie, ob sie auch etwas gekauft habe, worauf letztere er­widerte:Sehen Sie mal hier." Der Geschäfts in habeo fragte:Wie ist es denn möglich, daß Ihre Sachen nicht eingepackt füü)?", tvprauf die Frau, die für 60 Mk. Waren gestohlen hatte, erwiderte, das Fräulein hatte keine Zeit dazu gehabt. Als sie nach ihrem Kaufzettel gefragt wurde, gestand sie den Diebstahl ein. Auch die andere bequem^ sich schließlich zum Geständnis. Nachdem man ihre Per­sonalien festgestellt hatte, tvurden beide entlassen.

() Naunheim, 18. Dez. Hier, wie auch im benach­barten Waldgirmes wurden vor ztvei Jahren Turnver­eine gebildet, die dem Gau Hessen beitraten. Jetzt zur Winterzeit herrscht in unserm Verein reges Leben. Fast regelmäßig erscheinen 50 jugendliche Turner zu den Uebungsstunden. Dem Verein sind viele Turnfreunde als Mitglieder beigetreten, die in finanzieller Weise die Be­strebungen des Vereins zu unterstützen suche,!.

() M a r b u r g, 18. Dez. Bei der heute vorgenommenen Ersatzwahl in der zweiten Wählerklasse wurde ber Apo­thekenbesitzer Georg Schollmeyer mit 76 gegen 47 Stimmen zum Stadtverordneten gewählt. Morgen be­geht der bekannte Marburger Lokalhistoriker, Volksschul­lehrer a. D. Dr. Wilhelm Bücking, der sich besonders um die Geschichte der heiligen Elisabeth verdient gemacht hat, seinen 9 0. Geburtstag.

h. Frankfurt a. M., 18. Dez. Ein Kommers zu Ehren des Frankfurter Nobelpreisträgers, Geh. Ober, medizinalrat Prof. Dr. Paul Ehrlich findet am 9. Januar im großen Saale des Kaufmännischen Vereins statt. In dem veranstaltenden Komitee sind außer den wissenschaft­lichen Körperschaften Frankfurts auch die Universitäten Marburg, Gießen, Heidelberg, Würzburg und Göttingen vertreten. Stadtbauinspektor Berg hier wurde zunt Stadtbaurat in Breslau gewählt. Anstatt Soldaten hat die Oberpostdirektion hunderte von Arbeitslose^ zur Aushilfe während der Zeit vom 18. bis 23. Dezember eingestellt. Im tzauptbahnhof sind von heute ab etwa 600 Postleute und Aushelfer beschäftigt.

Provinzial-AuSschuß der Provinz Vberhesteu.

L. G i e ß e n, 16. Dezember.

Die Sache: Teilung ber gemeinschaftlichen Gemarkung Ober- und Nieder-Rosbach Ivar vertagt worden und kam deshalb heute nicht zur Verhandlung.

Es wurde bann über die Enteignung von Grund­stücken in den .Gemarkungen Allendors a. d. Lahn und Heuchelheim zur Errichtung einer Eisenbahnbrückc! über den Kleebach auf der Linie Köln-Gießen verhan­delt. Die Eisenbahnverwaltung beabsichtigt den Wegüber^ gang bei Km. 161,8 der Eisenbahn Gießen-Köln, der seither die Verbindung der durch diese Bahnlinie geschiedenen Teile der Gemarkung Allemdorf bildete, eingehen zu lassen. Als Ersatz dafür soll ein richtiger Zufuhrweg längs der nörd­lichen Seite des Bahndammes und eine neue Brücke ge­schaffen werden. Hierzu bedarf die König!. Eisenbahndirek- tion Frankfurt a. M. verschiedener Grundstücksteile, die auf gütliche Weise nicht erworben werden konnten. Sie hat deshalb Antrag auf Enteignung gestellt. In der Verhand­lung vor der Lokalkommission wurde die Notwendigkeit und der Plan des Unternehmens nicht bestritten, dagegen bezüglich der Höhe der Entschädigung eine Einigung nicht erzielt. Da die Eisenbahndirektion Antrag auf Dringlich­keitserklärung gestellt hatte, so war in der heutigen Sitzung! nur hierüber zu verhandeln. Die Grundeigentümer, mit Ausnahme von drei nicht erschienenen willigten in die sofortige Besitzüberlassung vorbehaltlich späterer Regelung der Entschädigung ein. Es wurde deshalb der Eisenbahn­direktion anheimgegeben, die noch fehlende GenehmiMUis der drei Eigentümer zu erwirken.

Die Verhandlung über die Feldbereinigung in Utphe, hier Melioration der Wiesen links der Horloff, wurde durch Zurücknahme des gegen eine Entscheidung des Kreisausschusses Kreises Gießen gerichteten Rekurses gütlich erledigt.