Ausgabe 
27.7.1908 Zweites Blatt
 
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Montag 27. Juli 1908

Nr. 174

Zweites Blatt

Eichener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Oberheffen

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchea UniversilätS - Buch- und Steindruckerei. 5L Lange. Gießen.

DieEtehener ZamlllenblStter- werden dem e91n8etflere viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblon für deo Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit, frage»" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: II Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Vie Wiedereinführung der türtischcn Verfassung

Ist nun bereits in der ganzen Türkei offiziell bekannt­gegeben worden und hat allenlhalten große Begeisterung hervorgerufen. Ohne schweren Kampf hat der Sultan sich allerdings nicht dazu verstanden, die Verfassung wieder- herzustellen. Eine Meldung aus Konstantinopel vom 24. d. Mts. besagt: Ter Sultan entschloß sich zur Wiederher­stellung der Verfassung heute 4 Uhr morgens nach einer stürmischen Sitzung des Ministerrates. T.'r Großweiler Said- Pascha erklärte dem Sultan offen, das Adrianopeler Korps befinde sich in vollem Aufruhr, und das Saloniker Korps bereite sich zum Marsche aus Konstantinopel vor. Monastir sei in den Händen der Aufständischen, Marschall Oemann Pascha sei gefangen und die asiatischen Truppen weigerten sich, gegen die Jungtürken vorzugehen. Er erblicke die einzige Rettung in der Wiederherstellung der Verfassung. Ter Sultan, von seinen Sekretären Taxin Pascha und Jszet Pascha unterstützt, widersetzte sich, worauf der Großwesir erklärte, er könne für das Leben des Sultans nicht mehr bürgen und müsse zurücktreten. Jetzt erst gab der Sultan nach.

Turch die Wiederbelebung des vertagten Parlaments von 1876, das aber noch nicht die Volleinsührung der Kon­stitution bedeutet, hofft man die mazedonischen Revolu­tionäre und Iungtürken zu beruhigen. Zugleich bedeute es einen genialen Schachzug gegen die europäischen Mächte, deren Reformprogramme in Mazedonien dadurch lahmaclegt werden, da der Sultan sich bei allen Forderungen hinter dem zu schaffenden Parlament verschanzen dürfte. ES ver­lautet, daß betreffs der Thronfolge gewisse vom Sultan gewünschte Konzessionen erfolgt seien. Wenigstens glaubt man, daß der Scheich ül Islam, der trotz des Wechsels im Großwesirat auf dem Posten bleibt, sich in seiner Stellung dadurch erhalten habe, daß er sich mit einer Thronfolge­änderung zugunsten des Licblingssohncs Burhaueddin ein­verstanden erklärte.

In Wien herrscht allgemein die Ansicht in politischen Kreisen vor, der Umschwung in der Türkei werde auf die Rcformaktion der Mächte retardierend wirken, obzwar an offiziösen Stellen lebhaft der Meinung widersprochen wird, es handle sich dabei um einen Schachzug des Sultans. Man werde sich vorläufig zuwartend verhalten.

Tie russische Presse begrüßt die türkische Verfassung and ersieht darin eine gefährliche Verwicklung der Balkan­frage und und die Möglichkeit eines türkisch-bulgarischen Krieges. Sie betont ganz besonders die Niederlage des deutschen Einflusses, die in der neuen Gestaltung ver Tinge zu erblicken sei.

TieDebats" schreiben: Alle Bemühungen der Türkei, einen dauernden Zustand der Freiheit zu sichern, dürfen auf die Sympathie und Ermutigung Europas rechnen, besonders Frankreich, das seinen Einfluß im Orient immer in den Dienst des Fortschritts gestellt hat, wünscht zu allen Ereig­nissen Glück, die die Ordnung und Ruhe auf der Balkan­halbinsel herbeiführen können. TerTenrps" sagt: Für die europäische Politik sind die Konsequenzen dieser Ereignisse unberechenbar. Bisher war der einzige Faktor, mit dem inan bei der Lösung des Orientproblems nicht gerechnet hatte, das türkische Volk. Nunmehr wird die orientalische Frage nicht in ihren Grundbedingungen, wohl aber in ihrer Wirkung nach außen hin verändert. Auch die englische fresse kommt zu dem Schluß, daß die neue Taktik des -Abendlandes bei Behandlung des orientalischen Problems nunmehr auch die nationalen und konfessionellen Trieb­kräfte der Türkei sorgsam mit erwägen muß.

-Eine hervorragende türkische Persönlichkeit, die in London amtlich tätig ist, erklärte: Tie Türkei wird sich Mazedonien nicht mit Gewalt nehmen lassen. Mazedonien ist das letzte Bollwerk, das die Türkei in Europa zu ver­teidigen hat. Wenn die Türkei diesen Kampf zu führen hat, Ivird es ein Kampf auf Tod und Leben scin.^ Wenn Europa versuchen sollte, die Türkei aus Mazedonien nach Asien zurückzudrängen, wird sie den Islam gegen Europa zu Hilfe rufen.

polUifcbc Lagesfscbcirr.

Die Vorgänge in Täbris

Haben eine große Erregung unter der Teheraner Schahpartei Levorgerufen. Auf Befehl des Schahs wurde gestern das

Philipp vuxbaum als Bühnendichter.

Soeben ist ein Bändchen von Buxbaum erschienen.Dors- Ihufc" Ijcifjt es ^Verlag Emil Roth, Gießen. Geh. 1.50 Mk.) und enthält vier kleine aus dem Odenwälder Volksleben herausge- «griffene Lustspielchen. Wir finden alle Vorzüge der Buxbaum- "ichen Erzählungskunst darin. Freilich bietet die dramatische Form -euch ilyre besonderen Schwierigkeiten. Daß der Verfasser mit ihnen mf den ersten Anhieb nicht glatt fertig geworden ist, erscheint wohl verzeihlich. Vielleicht kann ihm ein kleiner Hinweis als Oriew- lierung dienen. Das erste StückchenDer Jagdaufseher" bringt zu Denig fortschreitende Handlung, zu viel locker aneinandergereihte scherze und endlich eine zu unvermittelte Lösung durch das vlötz- äche Eingreifen des merkwürdig rechtzeitig erschienenen, merkwür- üg rasch vertraut gewordenen, merkwürdig reichen und sreü- gebigen neuen Jagdpächters. Er ist so recht der deus ex machina, ivie das die Alten schon nannten. Wenn der Tichter aus der Hand­lung selbst heraus zu keiner passenden Lösung kommt, läßt erdurch Üe Theatermaschine" einenGott" oder sonst einen allmächtigen Heiter erscheinen, der alle Schwierigkeiten rasch beseitigen muß. an gar häufiger Fehler bei dramatischen Anfängern! Im letzten LtückckzenAusg'sturiert" wird die fröhlick>-harmlose Wirkung stark zetrübt durch fren abgelegten Trauring des Herrn Touristen und surch die peinliche iRolte, in die er sich und seine Gattin dadurch bringt. Ein Fremdkörper, ein Stückchen großstädtischer Pseuüo- lultur mitten in den sonst so gesunden urwüchsigen Bildern aus dem Volksleben! Gerade das soll ein Vvlksdichter peinlich vermeiden. Denn eben von ihm envarten wir ja eine Korrektur unseres überreizten Lustspielgeschmacis, ein Zurücklenken zu den Quellen änes zivar derben, aber natürlichen und gesunden Humors, wie <r im Volk lebt. Diese Wirkung wäre auch leicht zu erzielen ge­wesen, wenn nicht die Gattin, sondern derausstudierte" Herr Dourist dem wohlverdienten Spott wäre preisgegeben worden, ünd sicher entspräche das in ähnlichem Fall auch am meisten den Äepflogenheiten des einfachen Volkes.

Von den beiden anderen Stücken dagegen läßt sich. wohl sagen, 2aß sie ixen rechten Ton getroffen haben. Ta istTer ätijü/- üernchesbam" zechte Kastanie., der erst als Prozeizobiekc und Ge- äenftflni) des Aberglaubens eine sehr bedrohliche Rolle zu spielen

Zeltlager in der Nähe deS SommerpalaiS Feriabad mo­bilisiert und rückte mit GcbirgSgeschützen, zwei Regimentern Infanterie und Train, die mit Zelten bepackt waren, nach Bagscha-Garten ab, um demnächst mit bedeutend verstärkten Truppen und Geschützen unter dem Befehl von Nasre Sal- taneh Sepahdarazam nach Täbris abzugehen. Die beiden letzten deutschen Maxim-Gewehre schlossen sich der Teheraner Diarschkolonne an. Im Hauptarsenal werden Crensot-Gc- schütze eifrigst montiert. Man befürchtet Munitionsmangel, da verlaute!, die Kosaken - Brigade habe sämtliche Creusot- Munition für ihre beiden Batterien abgehoben. Den ganzen Tag über dauerte am Sanistag das resultatlose Geschützfeuer fort. Die Händler wandten sich durch Vermittlung der europäischen Missionen in Teheran an den Schah mit der telegraphischen Bitte, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und die Sicherheit von Leben und Eigentum zu garantieren, indem er den Kadagreitern abzuziehen befehle und die Musch- teidenversammlung auflüse.

Deutsches Reich.

Von der Nordlandsfahrt des Kaisers. Der Samstag wurde vom Kaiser zu einer Karrolfahrt nach Djup- vand, einem 1000 Meter hoch gelegenen Gletschersee, benutzt. Das Frühstück wurde bei herrlichem Wetter auf dem Rendez­vousplatz in Zelten eingenommen. Den Rückweg legte der Kaiser größtenteils zu Fuß zurück. Am gestrigen Sonntag hielt der Kaiser, wie ein Telegramm aus Merok meldet, früh um 10 Uhr Gottesdienst ab. Die Weiterreise nach Bergen erfolgte nachmittags 4 Uhr. Am heutigen Montag nachmittag wird der Kaiser die Heimreise von Bergen aus antreten. Sein Eintreffen in Swinemünde erfolgt voraus­sichtlich Mittwoch vormittag.

Dasdeutsche Kron prinzenpaar stattete gestern mittag dem König und der Königin von Württemberg in Friedrichshafen einen Besuch ab.

Zu Ehren der außerordentlichen Gesandt­schaft des Freistaates Liberia gab der Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes, Wirklicher Geheimer Rat v. Schoen am Samstag abend im Hotel Adlon ein Frühstück.

Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard. DieWestm. Gaz." meldet aus Berlin, daß die Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard von letzterem veranlaßt worden sei. Der König habe sich besonders um das Zustandekommen der Begegnung bemüht, für die die Reisedispositionen des Kaisers eine Abänderung erfahren mußten. Der Korrespondent des Blattes fügt hinzu, es sei die Annahme wohl begründet, daß der König und die Königin im nächsten Frühjahre nach Berlin kommen würden.

Ein Denkmal für Eugen Richter. Ter am 10. März 1906 verstorbene Führer der Freisinnigen Volks­partei soll in der Reichshanptstadt ein Denkmal erhalten. In aller Stille hat sich ein Komitee gebildet; durch Samm­lungen in den Kreisen, die dem Parlamentarier nahe ge­standen, hat der Denkmalsplan in der letzten Zeit erhebliche Fortschritte gemacht. Tas Eugen Richter-Denkmal wird auf einem öffentlichen Platze errichtet werden; von feiten der Regieruna wird, wie sicher verlautet, ein Widerspruch hiergegen nicht erfolgen.

Der Verein für Handlungskommis von 1858 in Hamburg beging am Samstag in feierlicher Weise sein 50jähriges Stiftungsfest. Vom Kaiser war auf das von dem Verein aufgegebene Huldigungstelegramm nachstehendes Telegramm eingetroffen:Der Kaiser und König lassen dem Verein und allen Teilnehmern an dem Jubelfeste für den treuen Gruß bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinettsrat in Vertretung v. Valentini." Von dem Staatsminister a. D. Grafen von Posadowsky- Wehner war folgendes Handschreiben aus Oberhof in Thü­ringen eingetroffen:Dem Verein für Handlungskommis von 1858 sage ich für die mich ehrende Einladung zu feinem 50. Vereinsjubiläum meinen herzlichsten Dank. Seiber bin ich verhindert, persönlich zu erscheinen. Der Verein möge mir deshalb gestatten, meine aufrichtigsten Glück­wünsche zu diesem Feste auszusprechen. Wenn der Verein wie bisher in umsichtiger Vertretung seiner Standesinter- essen und in verständnisvoller gemeinsamer Arbeit mit den Prinzipalen die Erfüllung seiner Aufgaben erblicken

scheint, bis wir am Schluß erkennen, wie wenig das dem freund- lichen Charakter des Alten entspricht. Er gefällt sich lieber als Heiratsvermittler und Friedensstifter. Hübsch und drollig ist auch die Pointe inSta'reiwe" (Steinreiben), wo der schlaue junge Bursch sich die Gespensterfurcht des alten Bauern zu nutz zu machen weiß und dadurch sein Schätzet erwirbt. Mit diesen beiden Stücken hat der Verfasser aussichtsvolle Wege betreten, auf denen wir ihm hoffentlich noch öfter begegnen werden. Da ist eine Pflege gesunder Volksunterhaltung und zugleich eine Auffrischung kräf­tigen, reinen Humors zu erwarten. Die cingeslochtenen Volks­lieder und die geschickte Verwendung des Dialekts werden bei einer Aufführung die erfrischende Wirkung erhöhen. Dr. Strecker.

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Zum Kampf gegen die Nervosität redet Geh- Rat Prof. Dr. W. His ein gutes Wort- Nicht der Kampf um die Existenz und das tlebcrmaü von Arbeit, sondern vor allem der Mangel an idealen Gütern, die Richtung auf das Reale, auf Sinnenrausch erzeugen Nervosität. Die Menschen des 30 jähr. Krieges und der Freiheitskriege waren nicht nervös. Was man in Sanatorien tut, besteht nicht in Abhärtungsmitteln; aber man bedenke, daß Nervosität nicht ein Leiden der Sinnesuerven, son­dern der Seele ist, die Kur kann daher nur die psychische Be­handlung unterstützen. Suggestion wirkt hierbei sehr stark mit. Ein Neurastheniker muß vor Aufgaben gestellt werden, die seiner Kraft entsprechen, so daß er sich als nützliches Glied seines Kreises fühlt. Ter Heeresdienst ist eine wahre Gesundheitsschule, Drill und Disziplin sind ein vortressliches Gegengift gegen allzu große Reizbarkeit. So fühlt auch unsere jüngere Generation instinkt­mäßig den Segen des po r t s: man unterstütze ihn als Gegen­gewicht gegen einseitige geistige Ausbildung, frühzeitige Ge- schlechtsbeiriedigung, Alkohvlgenuß usw.

D i e Selb st erhitz nng des Heus bis auf 70° ist von Miehe auf Mikroorganismen (kleinste Lebeivesen) zurückge- führt worden. Dies ist jetzt durch Versuche von Düggeli bestätigt worden. Er sand auj nicht völlig gedörrtem Heu zahlreiche, von jenen Wesen (des. Bazillen und Schimmelpilze;. Durch die starke Atmung dieser Wesen und der twch lebenden Zellen des Grases wird Wärme erzeugt. Ta das Heu ein schlechter Wärmeleiter ist, so hält es diese WärmK zurück, was wiederum noch stärkere At­

wird, so kann er ein wesentliches Verdienst mit an bcc Stärkung des deutschen Handels für sich in Anspruch nehmen." Anwesend waren bei der Feier zahlreiche Ver­treter der Regierung, deS Handels und der Industrie. Ter Vorsitzende des nordwestdentschen Bezirks überreichte eüie Jubiläumsgabe von 60 000 Mark für ein Erholungsheim.

Ausland.

Infolge der Auslvcisung deS niederländischen Ge­sandten aus Venezuela ist der PanzerGelderland" am Samstag von Aruba nach den venezolanischen Häfen in See gegangen.

Der spanische Thronprätendent Don Carlos, der an Magenkrebs leidet, liegt in Locarno im Sterben.

Der St ö n i g von Griechenland ist nach dem Aus­land abgereist und wird in Racconigi mit dem König von Italien eine Zusammenkunft haben.

Präsident FallißreS ist gestern nach herzlicher Ver­abschiedung von der schwedischen Künigsfamilie von Stockholm nach Reval abgereift, wo die Begegnung mit dem Zaren stattfindet.

Einweihung der neuen Gewerbehauser.

Am gestrigen Sonntag sand die feierliche Einweihung des neuen Gewerbehauses in der Kirchstraße 16 statt. Gegen IO1/2 Uhr vormittags hatte sich im neuen Ge- werbehause ein sehr zahlreiches Publikum zur Einweihungs- feierlichkeit eingefunden, Skrlretec der Regierung, der Pro­vinzialdirektor, der Oberbürgermeister, Vertreter der In­dustrie und des Handwerks. Eröffnet wurde die Feier mit einem Gesänge, der unter Leitung des Herrn Gemandt von Sängern und Sängerinnen der Bürgergesellschaft hübsch und stimmungsvoll auSgeführt wurde. Hierauf hielt Herr Kommerzienrat H e y l i g e n st a e d t als Vorsitzender des> Ortsgewerbevereins die Festrede und führte darin etwa folgendes aus: Er dankte zunächst den Gästen für ihr zahl­reiches Erscheinen und das Interesse, das sie hierdurch der Gewerbeschule bekundet hätten. Insbesondere sprach er feinen Tank aus den anwesenden Vertretern der Staatsregie­rung, dem Provinzialdirektor, Herrn Geheimerat Tr. Brei- dert, Herrn Oberbürgermeister Mecum, Herrn Gewerberat- Falk aus Mainz und den Vertretern des Stadlverordneten- tollegiums. Redner äußerte seine Freude darüber, daß auch Regierungsrat Noack erschienen sei und sprach seinen Tank für die Unterstützung aus, die dem Ortsgewerbeverein bei Errichtung des neuen Hauses von allen Seiten zuteil geworden war. Es ist ein Zufall so führte er weiter aus daß unsere Schule in demselben Jahre, wo sie auf eine 70jährige Tätigkeit zurüclblickt, ihr eigenes Heim be­ziehen kann, das ist ihre schönste Festgabe. Schon im Jahre- 1888 dachte man daran, neue Räume für die Schule zu schaffen. Aber erst am 15. Juli 1891 wurde zum ersten Male der Antrag gestellt, daß eine Kommission gebildet werden möge, die sich mit der Beschaffung von neuen Räu­men befassen solle. Tie Kommission trat zusammen, aber über ihre Tätigkeit ist in den Akten nichts verzeichnete Erft im Jahre 1897 wurden diese Arbeiten energischer wieder ausgenommen. Große Schwierigkeiten verursachte damals die Platzfrage. Es war schwer, einen passenden Platz zu finden. Endlich haben wir einen solchen gesunden, als die Stadt uns entgegenkam und uns dieses Terrain in Erbbau- pacht gab. Es ist das der erste Full in unserer Stadt. So wurde die Platzsrage durch das Entgegenkommen der Stadt nach beinahe 10 Jahren endlich erledigt. Wenn der Baw auch architektonisch lein Muster ist, so kann er sich doch scheu lassen; das Hauptziel war, die Räume zweckmäßig einzu­richten. Am Baue selbst war eine Anzahl hiesiger Meister beschäftigt und sie haben ihre Arbeiter zum Teil als Stif­tungen gemacht; ihnen allen gebührt unser bester Tank! Redner hofft, daß die neue Gewerbegesetznovelle, insbeson­dere der Befähigungsnachweis einen günstigen Einfluß auf, die Frequenz der Schule haben werde. Wir wollen so führte er weiter aus nicht Künstler, Architekten unbi Ingenieure ausbilden, für diesen Zweck sind genügend An­stalten in unserem Lande vorhanden. Wir wollen der Kunst, dem Gewerbe und der Industrie bis zu einem gewissen Grade vorgebildete Kräfte entgegenführen. Tas schließt natürlich nicht aus, daß auch manches Talent fruchtbare An-

mung jener Zellen und Pilze herbciführt, so steigt die Temperatur allmählich.

Eine neue In 1 el. Die Entdeckung einer bisher unbekannten Insel im nörblidjen Teil des Stillen Ozeans wird von derFrance maritim:" gemeldet. Ein Japaner, der in Dienst der Regierung stehende Apotheker Nishihata, der erst kürzlich von der Insel, der man den Namen N i s h i g a m a ge­geben hat, zurückgekehrt ist, gibt von ihr folgende Beschreibung: Die Insel liegt ungefähr 240 Seemeilen von der Küste von Formosa entfernt. Sie ist von flachen Rissen umgeben. Die Gewässer zwischen diesen Riffen und der Külte stellen ein unerschöpfliches Reservoir an Meeresprodukten dar. Man findet hier verschiedene Arten Muscheln und Perlen in Ueberfluß; auch die Koralle habet sich zahlreich. Riesige Mengen von phosphorsaurem Stalf auf den Riffen können als lün/tliches Düngemittel für Jahrzehnte aiisgedeutet werden. Tie Insel scheint ein sehr gesundes Klima zu haben; die Flora ist tropisch, wilde Tiere, Reptilien oder gif­tige Insekten finden sich auf ihr nicht. Der Japaner, der die Insel entdeckte, bemerkte an ihrer Stelle zuerst eine dichte Schar von sog. Osadori-Vögeln; er achtete in den ersten Tagen nicht darauf, bis er sand, daß sie wertvolle Federn hatten und so für den Handel in Betracht kämen. So kam er auf die Jn,el und nahm von ihr Belitz.

Die Bedeutung der Gesten. Dem Menschen wurde die Sprache gegeben, um seine Gedanken zu verheimlichen. Aber wenn auch die Worte lügen, die Gesten sind aufrichtig. So ver­sichert ein italienischer Gelehrter, der in Rom über diesen Gegen­stand einen Vortrag gehalten hat. Wir können, sagte er, unsere Reden in welchem Sinne tvir wollen anwenden, aber wir sind nicht Herr über unsere Bewegungen. Vor einem Redner, der mit seiner Uhrkette spielt, müssen wir uns in Acht nehmen. Tiese Geste ist das Anzeichen für einen Mann, der irgendwelche Gedanken im Hinterhalte hat. Ein Mami, der beim Reden mit dem Oberkörper hin und her wackelt, hat einen ivankelmütigen Eharakter. Wenn eilt Redner auf der Tribüne eine Handbewegung oder eine Arm- beweguiig des öfteren wiederholt, dann mag man ihm ruhig ver­trauen, em solcher Mann ist aufrichtig. Aber den Gipfel der Auf­richtigkeit und der Interesselosigkeit belitzt der Redner, der während einer Rede beide Anne weit gen Himmel hochhebt«