Dahnen in verkehrshinbernter Weise ba4 Stabltcrrain -erschnüten unb bie Fcidbcreinigungsarbciten zu wenig Rücksicht aus bie kom- mcnbnt ^tvaßenzuge nähmen. 3in Hinblick aus biese Mibstünde verlangen bie Herren Antragsteller eine Blenderung der bisherigen shidtischen Bebauungspolitik und fordern einen großzügigen SlaDt- ücbauungeplan, ber int Wege einer Konkurrenz ausgeschrieben werden soll. Unsere Kommission hat sich also namentlich mit zwei fragen zu beschäftigen: 1. Bestehen in Gießen nach Qualität unb Quantität wirklich unzureichenDe Bebauungsplänc, seien cS bereits genehmigte, seien es ausgeardciiete, aber noch nicht bekannt gegebene unb noch nicht genehmigte, unb 2. Empfiehlt es sich, alle vorhandenen Bebauungspläne zu veröffentlichen ?
Mit der ersten Frage hangt aufs Engste bie üble älage bet Lberhcssisckjcn Eisenbahnen, bie, wie allgemein anerkannt wirb, schwere Bedenken hat, zusammen. Tie Slommiffüm hat deswegen zu allererst bie Mittel uno Wege untersucht, wie man an bet Hand der bekannten Profefsot Sammcrschen Plane unb der etwas modifizierten des Lanotagsabgeoronclen Aleun bie fraglichen Bahnlinien verlegen und eine anderweitige Einmündung in den Staacs- vahnhof erreichen könne. Betanntlich bestehen nennenswerte tech> nijche Schwierigkeiten nicht, wohl aber, wie sich aus Den wiederholten Der Handlungen mit Dem Eisenbahn jiskus ergeben hat, außerordentliche große luianzielle. Tiese Schwierigkeiten find gleich große, ob man bie Getnbausener strecke von Garbcnkcich über Watzenborn-Steinberg, Leihgestern, Großen-Linten leiten will, was Herr Leun vorschlagt, ober oo man Die Bahnlinie vom Schiffen» oerg über Kieui-Liiiten nach Dem Südende von Gießen Dirigiert. Lebtet es ist bekanntlich der schon zehn Jahre alte Spmmersche Plan, für Den neuerdings auch der Burgetoerein lebhaft cmtritt. Bezüglich der Verlegung ber Geleise der Fulbacr Strecke weichen die beiDcn Projekte voneinander nicht ab.
Aus Den früheren Verhandlungen oer Stadt mit Dem Eiscn- bahnfiskus hat jtch ergeoen, daß Die technische Durchführung des einen oder anderen Projekts der Stadt 2,2 Millionen Mark tosten würde, wahvend scstjtehi, oaß ein nennensioettet Gegenwert durch Den sreiweroenden Bahnkörper nicht zu erzielen ist. Er wurde wahrfck>cinlich durch Die Holten bet Abtragung der Bahndämme, an Deren Stelle Straßen treten müßten, ivettgemacht werden. Diese Kbsteuverechnuügen liegen zudem mehr ais 6 Bahre zurück. Im Hinblick auf bie allgemeine Verteuerung wurde heute eine Kapitalaufwendung von annähernd 3 Millionen Mark erforderlich fein. Tas ist ohne Amortisation gleichbedeutend mit einer Steuererhöhung von 15 Proz., mit Amortisation (2 Ptoz. als Norrnaljatz angenommen) sogar einer solchen von 23 Prozent.
Die ZKommission wat einstimmig oer Ansicht, daß Der Eiscn- bahnsiskus von seiner Forderung nicht aogehm werde, unb tarn deswegen zu dem Ergebnis, man müße das Eiseiivahiiverlegungs- projeh twtz feiner zweifellosen Vorzüge wohl oder übel so lange zurückstelleii, bis bie Eisenbahnvcrwaitung selbst aus zwingenden betriebstechnischen Gründen die 'JiotiuinDißLü der Verlegung der beiden Bahnlinien als geboten erachte. Man könne den Gießener Steuerzahlern, deren Steuerkrast bereits erheblich angespannt werde, nachbem man eben erst die Kanalgebühren, bie Bcsitzwechselabgabe und bie Wertzuwachsstener eingefuhrt habe, unb man mit einem nicht unerheblichen Lkirvieinnahmeausiail vom Iahte 1910 an zu rechnen l/ibe, eine so unveri-ulinismaßige Steuererhöhnng nicht zumuten. Auch an die im Prinzip beschlojsene elektrische Straßenbahn, deren Zuschußkosten jedenfalls oie Zulvenduiigen für Den Omnibu»verkehr nm ein Mehrfaches jibetfteigen, glaubt bie Sonber- kommission erinnern zu sollen.
Tre Mehrheit dL Staviverorbneten-Versammlung hat sich zwar wiederholt auf den abwartenden, vorläufig ablehnenbcn, Standpunkt unserer Kvmmi'ision gestellt, aber es wird zur endlichen Klärung Der Situation erheblich beitragen, wenn nochmals in bündigster Form fcftgcireiit wird, daß bas Eijenbahnverlegungs-- Projekt unter den obwaltenden widrigen Umstanden, namentlich Den unerschwinglichen Forderungen des Eisenbahnsiski.s, aus Dem Kreise ber dringlichsten stadtilchen Ausgaben ausschewen muß. „Atlsgefc.-oben ist nicht aufgehoben." Jvixnfalls wate es verkehrt und wurde Die Bausluchtlinienpolitik ber Gegenwart nach mancher 'Jiidxung hin lahmtegen, wenn man nicht zur Zeit die Frage einer anoer-rocitigen Linienführung aus den Bebauungsplänen ganz ausschaltete.
Alle beschlossenen, in beiden ober nur in bet einen Jnstanz gcneljmigten, bie beschlußreifen und vorläufig im Entwurf vorliegenden Bebauungspläne baten unserer Kommission vorgelegen. Tiese Einsichtnahme war wertvoll und hat Die wünschenswerte Ausklärung, namentlich bei Denjenigen KommissionsmitgüeDern, Die Die Pläne gar nicht ooer nur zum Teil kannten, gebracht. Diese ^Information war gi.eichbebeute.id mit Der Ueberzeugung, bau bie Plane sachverständig unb weitblickend ausgcar^eitet jinb, baureifes Gelände in weitem Umfange und hinreichende Quartiere und Straßenzüge vorsehen. Tie yeutzutage nicht mehr zu ent- i-ehrenoen hygienischen uno ästhelischen Gesichtspunkte, freie Plätze, Vorgärten, Vermehrung ber Anlagen, Führung der Straßenlinien ohne beit alten starren monotonen Charakter sind, wie wir uns weiterhin überzeugt haben, gebührend berücksichtigt. Vielleicht gibt die zu erwartende neue Bauordnung in Verbindung mit modern gedachten Baustatuten die Möglichkeit, noch mehr als bisher ästhetischen Forderungen gerecht zu werden, und, was wohl ebenso wichtig ist, für besondere Villen--, Aroeiterwohnviertcl mit besonderen Wohnstraßen und für spersische Fabrikviertel Sorge zu tragen. Ein beschleunigtes Tempo in der Fertigstellung neuer Straßen ist, wie aus den Plänen ohne weiteres hervorgeht, schon jetzt in sichere Aussicht genommen. In allernächster Zeit gelangen neue Bebauungspläne von Bedeutung zur V.rabschicdung. Tie Kommission ist deswegen der Ansickü, daß es unberechtigt ist, über eine „Siucfftönbigieit" Der Projekte, „Energielosigkeit" und „Kurzsichtigkeit" ihrer Fortführung Beschwerde zu führen. Wit haben zuoerlafsig leststellen können, daß baureifes Geläute bereits genug Vorhand eit i|t oder wenigstens in allernächster Zeit vorhanden sein mirj. Es reicht aus für Die natürliche Entwicklung ber Stabt bis jum Jahre 1925, alle vorhandenen Pläne Deren Vorarbeiten in ter Hauptsache fertiggestellt find, entsprechen io gar Dem Bedarf bis 19 4 0, also für eine ganze Generation. Gerade dieses Ergebnis ter Beratung.n im schoße ter Kommission hat Dasjenige Mitglied des Ausschußes, das Den Antrag Wiiin und Geiiosseu unterstützt unD mitgezeichnet Hot, überzeugt. Daß Der Antrag, was den Mangel an Gelände uno Bebauungsplänen anbemnt, von einer nicht haubarcn Voraussetzung ausgehl. Infolgedessen sind unsere Beschlüsse, was besonders hervor- gehobeit zu werden verdient, einmütige gewesen. In dieser Stimmung oct"mögen die Mitglieder nicht cinzusehen, was die Heran- zichung cuöroarttgcr Sachoerständiger oocr gar Der durch ein PreiSauSsä/reiben belebte Äetioewero unter staotftemDen Spezialisten für einen Nutzen baten soll. Wir halten eine solche Heranziehung auswärtiger Hilfskräfte für überflüssig, ja nicht einmal für lehrreich.
Beionters eingehend wurde in der Kommission die Frage, ob der gesamte Bebauungsplan, un Gegensatz zu den bisherigen Gewohnheiten, oiitnge^gt werden soUe, erörtert, liebet die Zweckmäßigkeit einer sollen Maßregez gibt cs nicht einmal eine herrschens Pleinung, jckjon aus dem naheliegenden Grunde nicht, weit die VerhutUtisie der einzelnen Komuiunen viel zu ver- fchieden sind. Tie Ansichten darüber, ob durch Die Qsfenlegung Die private Grundstuasspekulation ocr)iartt lverte oDer nicht, gingen auch in unserer Aommissivn ausemunter. Tie Auffassung, Daß ein: Vermurung Der Spekulation an und für sich noch fern Unglück fei, weck dadurch oer Markt für Booenwene eriooiteit, Der hinter Da .Spekulation fejynte Aankkvchü i#a Hinblick jnq Dpt
größere Publizität ter zu beleihenden Objekte uno Damit verbunden auch auf das geringere Risiko ter Geldgeber tatkräftiger würde und schließlich die Moiwpolstenung einzelner besvntero rühriger und wagemutiger Spekulanten durchoroaen rotuäi lonnc, ist in der Kommission nicht unvcrtrcten gcbluren. In ter Tat wurde es ter Gefamtl-cit nicht allzuviel jchaten, wenn Das verwia 1. .itiö jchwietige Gefckzaft der Beibringung des BaulaiiDes, feine leuiui- iung unD Umformung in Bau st eU en von konkurrierenoen < -iiai.» gefcilfchaften mit Nu gern Blick in ine Zuiuilft über- und uns abgenommen wurde. ?Jian märte den sog. „Urbcsitzern", die mehr Mit Instinkt als mit kaufnuinnifcher .'iultnlinioii a.l ihrem Befitze festhalten und fo die Preise zu lrinven ineben, ihr geiaiji lichcs Spiel verdcroen und den Spekuiationstaumel -ur JÄiuion bringen. Auch das wäre wohl noch kein ncmieiienra.r C^aoai für die Gesamtheit, wenn die Lfsenlegung Die,er Pläne leine andere Folge harte, als daß bie zu erwartende ltmwanblung oec landwirischaftlichen diente in die Bau- uno Wohnr.nre auiizrpiert würde. Eine ahntickje Folge Hai ja, wie nnr wifsen und ivie auch vorznscheii war, bie neue Wertzuwachssteuer arsoald gebart.
Trotz bi cf er von einer Minoerljeit in ber Kommiifion angeregten Gesia,<spuntlc, die ja mehr Dobcmixorcujajcr ais boten- politisck-cr An sind, sprach sich oie Koininiiilon einstimmig gegen Die gciorDcrte Offenlegung und Damit gegen den eigeniliehen Mein des Antrags Winn uno Genofien ans. EntscheitenD hierfür waren ivqentlid) Gründe Dreierlei Art:
I. Ivar Die Kvmmifsion zu Der Ueberzeugung gelangt, daß baureifes Gelände für absehbare Zeil hnneick-enD vvihaiiten sei. Ein noch größerer Bedarf sei im Einblick auf temnädjit zu verabschiedende Bebauungspläne und in Angriff zu nehmende Straßen • bauten nicht anznerkcnnen. Ein tesonden-r Stadlplan, ter die Erweiterungsgcbiete illustriert, ist von ter Kommission biigeoradjt worden. Tw innere Stadt, also Diejenige Zone, die baulich voll- ständig ausgenutzt i)t, und wo neue Wohngeiegenheitcn nicht mehr zu erwatten sind, ift als sog. „Stillstanosgevier", in dunkelgrauer Farbe angelegt. Tre nächste Zone, ebenfalls bebaut, aber mit der Möglichkeit gewisser Ergänzungen und noch stärkerer Ansilutzililg, trügt eine hellgraue Farbe, und um diese zweite Zone herum gelagert, ist in roter Farbe gekennzeichnet, bas geiamtc Gebiet oer Bebauungspläne. Diese Faroe träge zweierlei 'Nüanzcn, eine dunklere, die das baureife Gelände Daritclit, d. h. dasjenige Gelände, dcffen Bebauungspläne bereits vefchlvsfen uno oerossent- sind, sowie diejenigen Bebauungspläne, deren Genehmigmig in erster Instanz erfolgt ist, die ater noch in zweiten schweben. Es ist das alfo jener Geläiitexomplcx, der, wie vorhin fck-on lxrvor- gehoben, bis zum Jahre 1925 ausreick-ui dürfte. In rosa Farbe ,uiD eiibliaj diejenigen Viertel ausgemalt, für Die Die Planfeft- lei’.ungen in allen Details fo fertig find, daß sie jederzeit an oie zuständige Staotveroronelen-Verfammliing gelangen können, ober Deren Bebauungspläne wenigstens i’i Den Grunozügen feslstcl-cn, unD Deren weitere Ausgestaltung im Gang ist.
Tie Kommission gibt sich Der Hoffnung hin. Daß der vor- gczcigte Plan vielleicht besser, als es zahlenmäßige Imäutcrmigcit tun tonnen, auch bas Plenum ter StaDtverorDnetenversammlungi bavon über zeugen wird, daß ber beklagte Mangel, von b.m ter Antrag Winn unb Genossen ausgeht, tatsächlich nicht existiert.
II. Eine vorzeitige unb voreilige Ossentegung ter Pläne Der Zukunft, Die ja vorläufig boch nur reine „Plane" bleiben, würbe nach unserer Ueberzeugung bie Möglichteit ter Umplanung unb Ergänzung ungemein erschweren, ja vielleicht vollstanDig in Frage stellen. Eine überall gemachte Ersahrung hat gelehrt, Dai; man StaDterweiterungsplane, mag man ,ie noch so luesorglich unD großzügig ausgeklügelt haben, auf lange Frist.ii hin niuyt unge- anbert lassen lann. Man kann sich nicht von langer Hano her binben. Die im Entwurf hevanreifcnoe neue Allgemeine Bauordnung des Landes, von ucr sckHii dw Rede war, und mit der »ich unsere Kommission nach den Besckjlussen diejes .Kollegiums iwch sehr eingehend zu beschäftigen haoen wird, wird voraussichtlich von tieigrcifenbcm Einfluß aus die hestisckje kommunale Bodenpolitik fein und vielleicht sJJlooifirationcn, sogar in solchen Quar> ticren, deren Bebauungspläne heute als unabänderliche gelten Dürfen, notwendig mackjen.
III. Einen Dritten gewichtigen Grund gegen Die Offenlegung eines Generalplans der ganzen stäotifche.i Gemarkung erblickte, endlich bie Kommission barin, Daß bie geheime uno vorsichtige Tätigkeii veS Stabterweiterungsfonos, bie ja preisregulicrenD, einer übertriebenen Privatfpekulation uorgrcifcnb unb |ie unter Ilm- stäuben dnrchqnerenb wirken soll, burch eine weitherzige Offen* legung aller Pläne einfach illusorisch gemacht wirb.
Auf Grund der vorstehenten Darlegungen unterbreitet die Sonderkommisfion durch mich der heutigen Versammlung den eiw- stimmig gefaßten Antrag:
„Die Stadtvccorbneten-Versammlung möge, dem Anträge der Herren Wrnn und Genossen. keine Folge geben."
Aus Stabt und Land.
Gießen, 26. Sept. 1908.
** Lanbtagswahlbcwegung- In Friedberq finbet am Montag eine Generalversammlung des Nationai- liberalen-Vereins statt, u. a. steht auf ber Tagesordnung die bevorstehende Landtagswahl unb Nominierung des Kanbidaten für Friebberg. Iustizrat Winbecker ist als Man» bibat vorgesehen. Er wird vorn Zentrum unterstützt. In Qpvenheim sand eine Vertrauensmcinnerveriammlung des Äundesder Landwirte statt, die sich mit der e n d - gültigen Kandidatenfrage im Wahlkreise Oppenheim bc- schüftigie. Tie Versammlung einigte sich auf die Kandidatur de- natlib. Rechtsanwalts Dr. Winkler. — Im Wahlkreis Ingelheim unterstützen die Scationalliberalen den Zentrumskandidaten Tr. Frenay.
** Ei n e R e i ch s t a g s e r s a tz w a h l. Der Reichstags-' abgeordnete Keller-Sternbockenheim (Alzey-Bing.nbeabsichtigt, wie nun bestimmt erklärt Wird, fern Munoat wegen schtverer Erkrankung niederzulegen. Als jein diachfolg:r soll von den hessischen Bauernvu.nbl^rn der Lanotagsadgeoroncle Wo l f - Stadeaen in Aussicht genommen sein. Bon oen Freisinnigen soll die Kandidatur dem Qekvnomierak Lichten- st ein auf Lichtensteiner Hof bei Elsheim, der vor Tr. Frenay Landtagsabgeordneter für Ingelheim war, angeiragen roerden.
** Freisinniger Parteitag. In der dem Parteitag vorausgehenden Landesausschußsitzung werben als Vertreter Gießens Geh. Justizrat Dr. Gut fleisch und Reallehrer Grimm anwesend sein. Am Parteitag werden hervorragende Parlamentarier der drei lintsliberalen Parteien anwesend sein.
** Pfarrpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrer Tr. Rich. Drescher zu Lampertheim die eräug. Pfarrstelle zu Stembacy Der. Offenvach) übertragen. — T^m kaih. P,arrer Phil. K o ch zu Ober- Ingelheim wurde die Pfarrstelle zu Heib^syRm uo.r.ragen.
*’ Steueramtspersonalren. S. «. H. per Großherzog haben ocn Hauptsteueramisr n^.nren bei dem Haupisleueramt Bingen Rechnungsrar Lubw. SeiL M Bingen cm das HaupcksteuLrg-m. LiienbM verseht.
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Nr. 227
Zweites Blatt
Samstag 26. September 1908
Eichener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberhesien
158. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversuäiS - Buch» und Eremdruckcret. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckiuk- straße 7. Expedition und Verlag: e<öbL Redaktion:e^A112. Tel.-AdrüLlnzeigerGießen.
Die ..Siebener Zamillendlätter" werden dem .Anzeiger' viennal wöchentlich bcigelegt, das „KreUblatt für den Krds Siehen" zweiinal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.
politische Tagesschau.
Nationalitätenkämpfe in der Donaumornarchie.
In Prag ist die Lage feit der vorgestrigen Obstruktion >er Deutfchen aufs äußerste gcspa.nnt. Obwoyl die deutschen übgeorbneten nach der )türmi)u)en Sitzung verlangten, daß )ie nächste Sitzung vertagt werde, hatte der oberste Lano- narfchall doch für gestern eine neue Sitzung des Landtags jiit Beginn um 11 Uhr angeseht. Das deutsche Obsirul- :ions°Kvmitee hielt nun gestern früh eine Sitzung ab, in der tejchlosfen wurde, falls der Obtrstlanomarschali den deutschen Kcbiterit nicht das Wort über das Protolult erteile, bie Obstruktion fvrlzueftzen unb die weitere Tätigkeit des Lano- ;ages zu veryindern. Die tschechischen Mgeordncten be- chlosfen, den Oberstlandmarschall zu er,uchen, den deutschen Forderungen nicht nachzugeben. Tie tschechischen Ber- rauensmanner haben auch eine Einladung nach Wien zu Rjpreckjungen mit den Ministern behufs Beilegung der i)eutjd)€n Obstruktion abgelehnt und die tschechischen Landcs- irorteien haben beschlossen, nach der Lanbiagssitzung den Statthalter aufzusordem, gegenüber den Demonstrationen liec deutschen Abgeordneten als Statthalter des Kaisers und als Vertreter der Regierung Stellung zu nehmen uno ter Regierung die tiefste Erbitterung der tschechischen Ad- ^eordneicn über diese Ereignisse kunozugeben. Inzwischen l?at Ministerpräsident Frhr. v. Beck ge,ierii eine Besprechung mit den deutschen uno den tschechischen Ministern gehabt, ton deren Grgeonis die deutschen Minister nicht be,rieoigr gein sollen. In politischen Streifen wird die Lage des Min ifter iumb Beck sehr pessimistisch auf ge- ga 6 t, zumal auch rn Laibach leine Besserung der Lage zu -clenueil ift. In Laibach nimmt der Boykott der Ossiziere goflar immer größeren Umfang an. Es iverben ihnen die Wohnungen gekündigt und ihren Dienern wird der Einlauf auf dem Marktplatz verweigert. Sie selbst roeroen durch Provokationen aus Den Gasthäusern uno Eafäs vertrieben. Tie Garnison soll schleunigst durch drei Bataillone In,an- ileric aus stiagenjurt verstartt werden. In strainburg sind Ltiele Häuser der Stadt fchioarz geflaggt. Tie Firmenia,eln 2er deutschen Geschäfte wurden schwarz überfrrichen.
Mich. Kaiser-Allee II »SchMtkAchH
wjitifmiM 27 Bes.: Ernst«
Lasche wir.
UH Neue 07692 II bei Ufr- ti.kKi __________Wallmrn ^ZurN1 enipsehle
Bulgariens Unabhängigkeitsgelüste.
Die Bulgaren halten die Zeit für gekommen, vom Ab- Rängigkcitsverhältnis zu der Türkei freizuwerden, und es jdjeüit, daß der freundliche Empfang, den das bulgarische EÜrftenpaar vor einigen Tagen in Budapest bei einem Begliche des Kaisers Franz Josef gefunden hat, die Bulgaren in ihren Unabhänglgtettsbestrebuiigen bestärkt hat. Nicht anders läßt sich die völkerrechtswidrige Besetzung eines Teiles der Orientbahn verstehen. Die Pforte hat sich nun i Degen dieser Beschlagnahme der Orientbahnen durch Bulgarien an die Signatarmächte des Berliner Vertrages ge- Hanbt; die Note sagt: „Nachdem der Streik der Beamten ber Orientbahnen beendet ist unb durch die Besetzung der Jahne durch bulgarische Soldaten die der Türkei durch den berliner Vertrag gewährleisteten Rechte verletzt worden find, ersucht der Minister bes Aeußeren bie Botschafter der Signatarstaaten ihren Regierungen bie nötigen Mit- Ltiluitgen zu unterbreiten unb ihre autorisierten Stimmen i ii Sofia geltend zu machen, damit die okkupierte Strecke unmittelbar der Exploitationögefellschaft übergeben werde, hierzu verspüren die Bulgaren aber gar keine Neigung, und
vom Gietzener StaMbebauungsplan.
Hebet den Antrag Der SlaDto. Winn u. Gen., cinm tzicoßzügigen Siadtbebauungs- unb E rw e 11e- i rngSplau zu fdjaffen, ha: int Auftrag ber Dafür bestelUen Sonderkoinmission StaDiv. Tr. Bierme^ ein gröberes Resera: nistattet. Boi bem großen Interesse ter Frage geben wir bicses Lief erat im nachstehcuten wieDcr:
Tie Sonberlomiinssiou zur Beratung des Antrags ber zerren Kinn unD Genossen, betr. Die Ausar^ciliing eines großzugigt-n iLebauungsplanS hat zwei Sitzungen, am 4. unD 17. September, U-gehalten. Beide tagten unter tem Vorsitze Des Herrn Ooer- bnrgermeifters, unb bcibcmal nahm an _ben Bcraiung n Herr Sawtbaurat Branbackj, Der VorstanD Dv.S Tiesbauamls, teil. Tas Rauhere ist aus Den sitzungsprowkollen zu ersehen. Zum Vie- feenten luuibe ber Unterzeickjnete testeltt.
Ter vorliegenbe Antrag geht von ter Annahme au», datz cS ür. Gießen an einem rationellen SkabtcrweiterungSplane, an Den nLtigcn Straßenzugen, an baureifem Gelände uno dessen Ein- kettung m Villen-, A.beiter- und Indnsttieviertel in bedenk
Leise fehle. Auch wird gerügt, daß die Oberhefsischen
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W . Dürbeck. icvaratureo lasse1D • roal)rtemWr..: «ihren und werM' ^llWmechneS^
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\ le haben die Rückgabe der Orientbahn denn auch schon glatt «dgelehnt. Tie Stimmung, welche die Besetzung des bul- gjirischen Teiles der Orientbahn im Volke ausgelöst hat, inimmt von Tag zu Tag sowohl in Sofia wie im übrigen Bulgarien eine entschiedenere Färbung an. Tie wirtschaftlichen Interessen, die dabei mitspielen, treten mehr und mehr in den Hintergrund gegenüber den politischen Hosf- ntungen, die sich an den Vorgang knüpfen unb die eben in botm Verlangen nach Unabhängigkeit des Fürstentums gipfeln. In der Türkei scheint man trotzdem wenig Neigung I z,j verspüren, einen Krieg mit Bulgarien anzufangen, und ,4eni Gazetta", das Organ des türkischen Großwesiers, bezeichnet die in Paris verbreiteten Gerüchte über einen Wieg zwischen der Türkei und Bulgarien als eine Börsen- jftekulation.
Die Vorgänge in Persien
, werden von Tag zu Tag verworrener und die Mißstimmung nimmt zu. Die Konstantinopeler persische Kolonie hat sich offen vom Schah losgesagt, den sie für einen Häretiker er- |||aätt. Sie geht hierbei sehr rabtkal vor unb erklärt auch den Konstantinopeler persischen Botschafter nicht mehr als Botschafter, sondern nur als Oberhaupt der Kolonie an- f«hen zu wollen. Infolgedessen hat der Botschafter seine Entlassung genommen unb beteiligte sich sogar an einer frir bie Kämpfenben von Täbris eingeleiteten Sammlung toit 10 000 Francs. Auf Drängen von Rußland und England hat der Schah übrigens verfügt, daß das Parlament Md der Senat am 14. November zusammentreten sollen.
lermann W«»11
——Femiieroric


