Ausgabe 
26.6.1908 Erstes Blatt
 
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B/6

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Dienstag, den »0. Juni l. Js., vorm. 8 Uhr anfanqend, wird das der Gemeinde Allendorf a.d.^umda zu­stehende Heugras versteigert. Die Drönbachswiese wird bei der Versteigerung nicht vorgezeigt und kommt bet der Kellerbrunnenwiese zum Äusgebot.

Zusammenkuuft bei der Ziegelhütte.

Allendorf a. d. Lumda, am 25. Juni 1908.

Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda.

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Tuttlingen, 26. Juni. Zivischen Renqueshausen und Kollingen ereignete sich ein schwerer "A u t o m o b i l u n s a l l. Ter Oberamtsarzt, ein Oberamtsrat und der Oberamtssekretär wurden schwer verletzt. Unverletzt blieben em Pfarrer und der Chauffeur.

Innsbruck, 25. Juni. Tie Juwelierswitwe Marie Hartog, Schwiegermutter des UniversitäLsprofessors Tr. Schmidt, stürzte sich in einem Anfalle von Geistesstörung aus dem Fenster des 4. Stockes der Handels- und Gewerbe­kammer aus die Straße und war sofort tot.

Wien, 25. Juni. In der Nacht brannte die landwirt­schaftliche Maschinenfabrik von Maysahrt L Co. in Jedlessee v o l l st ä n d i q ab. Dec Schaden ist sehr groß. Eine Person verletzte sich beim Sprung aus dem Fenster. Die Besitzer, der Fabrik sind Samuel Moser zu Frankfurt a. M. und Adolf Moser in Wien. .

Paris, 26. Juni. TerMatin" veröffentlicht einen Artikel von dem Abg. Gervais, Berichterstatter für dasj Kriegs-Budget. Der Artikel behandelt die d e u t s ch - f r a n fischen Beziehungen und es heißt darin u. a.: Wir' glauben auf dem Gebiet der gegenseitigen Interessen Ge­legenheit zu finden, wie wir mit unserem östlichen Nachbarn am Weltfrieden zusammen arbeiten können. Wir haben dies bezüglich der Marokko frage nachgewiesen und wollen es auch Nachweisen in Bezug auf die orienta­lischen Angelegenheiten. Dort gibt es schwere Fragen zu lösen und Schwierigkeiten können entstehen. Es scheint, daß die russisch-englische Entente an Stelle der österreichisch-russischen Entente treten wird. Durch diese Umänderung ist ein ileues Gleichgewicht unter den Machten herzustellen und diese Ereignisse können uns Gelegenheit bieten, die Rolle eines Vermittlers zu spielen. Die Absicht Deutschlands, nichts zu unternehmen, was als un­freundliche Kundgebung gegenüber Frankreich gedeutet wer­den könnte, wird mit Freuden begrüßt werden und wir wünschen, daß die deutschen Gefi'chle immer so klar zum Ausdruck gelangen.

Madrid, 26. Juni. Tie genaue Zahl der Opfer des! u n t e r g e g a n g e n e n DampfersLaracha" ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich sind 3 8 Personen tot. 23 Leichen, sind bereits erkannt. ________________________

Märkte.

Gründe rg, 25. Juni. Ter heutige sogenannte Johanni- nt arkt war mit 383 Schweinen, meist Ferkeln, und 27 Stück Rindvieh befahren. Tie Ferkel und Läuier waren hoch im Preise und der Markt schon vor 10 Uhr ausverkauft. Es kosteten das Paar ca. 8 Wochen alte Ferkel 5060 Mk., 9-10 Wochen alte 6575 Mk., ca. 12 Wochen alte 80-90 Mt. Läuier entsprechend höher. Auch Rindvieh war preiswert, doch der Handel unbedeutend. Das gute Heuwctlcr entführte die Marklbesucher bald wieder nach Hause; es fand kein Krämermarkt statt.

vermischte».

Ein beanstandetes Denkmal Kaiser Wil­helms I. Aus Bublitz (Reg.-Bez. Köslin) wird gemeldet: Wilhelm II. beanstandete das Denkmal für Kaiser Wilhelm, das am Sonntag enthüllt werden sollte. Er wünschte die Inschrift: Wilhelm der Groß e",, statt der jetzt eingemeitzelten Schrift "Wilhelm L" Es sei dabei allerdings erwähnt, datz der Kaiser zu den Kosten des Denkmals einen nicht unerheblichen Beitrag aus seiner Schatulle gestiftet hat.

Kleine Tageschronik.

rind Wissenschaft,

Das Mainzer Stadttheater soll ge­schlossen werden. Ter Theaterkommission in Mainz ging eine Vorlage zu, das Theater mit Ende der Spiel­zeit 1909 zu schließen, um den Umbau in Angriff zu nehmen und ihn ohne Unterbrechung zu Ende führen zu können. Geht auch dieses Projekt durch, dann ist Mainz auf Jahre ohne Bühne, denn ein genügender Ersatz in anderen Lokalen ist kaum zu finden. Die Bevölkerung, die dem Theaterumbau wenig Sympathie entgegenbrachte, wird für diese Ergänzungsvorlage noch weniger Verständnis zei­gen. Tie Mainzer, die an Vergnügungen fast lediglich tut: das Theater angewiesen sind, können sich dann an den Winterabenden zur Unterhaltung die Reden vorlesen, die die Theaterumbauer gehalten haben.

sich durch Revolvcrschüssc. Die Frauen waren inzwischen auf dem Ausstellungsplatz. In einem Briese an seinen Diener er-1 klärte Theodor Klopfer, daß zum größten Teil unverschuldetes Mißgeschick ihn in den Tod treibe. Man spricht von Verlusten in der Höhe von anderthalb Millionen Mark. .Die Geschäftsräume sind geschlossen.

Der 19 jährige Arbeiter Reinhardt, der gegenwärtig im Ge­fängnis zu Unna eine längere Strafe verbüßt, gestand ein, an der E r m o r d u n g der M i ß L a k e im Jahre 1906 imEsiener S t a d t w a l d c beteiligt gewesen zu sein.

In C a n n ft a t t wurde der Photograph Eier von einem Bullen so unglücklich ins Kreuz gestoßen, daß er eine gefährliche Rückgratverletzung erlitt und ins Krankenhaus über­geführt werden mußte.

Auf einer Wiese bei Goc an der preußisch-belgischen Grenze warfen Kühe die 60jährige, auf Schloß Goe wohnende Rent­nerin Sage Homme zu Boden und töteten sie durch furchtbare Verletzungen mit den Hörnern und Husen. Die zu Hilfe eilende Frau Ossemann wurde auch erheblich verletzt. Die Kühe sind infolge Bellens des von Fräulein Sagehomme mit- geführteu kleinen Hundes wütend geworden, sie griffen dreien zunächst an, der sich aber unter das Kleid des Fräuleins Sage- homme flüchtete.

Man meldet aus Brüssel: Ein Automobil, in welchem außer dem Chauffeur der Bruder des Abg. Primcz und die Grafen d' Ansembourg und de Villers sich befanden, rannte gegen einen Baum. Primez wurde sofort getötet, der Chauffeur und de Villers tätlich verletzt.

Aus Czernowitz wird telegraphiert: Der durch Rotz in­fizierte Prosektor Luksch reiste in einem Separatwagen nach Wien, um bei den Professoren Weichselbaum und Ghon Rettung von seinem schrecklichen Leiden zu suchen. Das Befinden des , La­boranten Marco verschlechterte sich derart, daß sein Tod jeden Augenblick befürchtet wird.

Um Mitternacht schlug in Turin bei einer Fahrt über den Po ein Boot mit 11 Insassen um. 8 davon ertranken.

Vergebung non Anstreichembeiten.

Die Arbeiten für die Erneuerung des Anstrichs von Brücken und Geländern in verschiedenen Straßenzügen sollen

Donnerstag, den 2. Jnlr d. Js., vorm. 10 Ubr

öffentlich vergeben werden. ... . .

Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen wahrend der Dienststmlden bei uns zur Einsicht offen.

Angebote auf Vordruck, der daiclbst erhältlich, sind spateitcns bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entbrechender Aufschrift versehen an uns einzureichen.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, den 24. $unt 1908. .

Städtisches Tiefbauamt.

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Bon der Flucht dreier Pankower Gemeindevcr- treter wird von verschiedenen Seilen berichtet. Es handelt sich nach diesen MeUmngen um drei Angehörige des sozial­demokratischen Wahlveveins, die angeblich wegen Unregel­mäßigkeiten von der Partei ausgeschlossen und zur Nieder­legung ihrer Gemeindemandate gezwungen sind. Die Flüchtlinge sollen sich nach England gewandt haben.

Man meldet aus Berlin: Der kurz nach der Ermordung des Försters Schwarzenstein verschivundene Hauptbela- slungszeuge gegen Willy Schwarzenstein, der Tagelöhner Rölke, ist in Rahnsdorf verhaftet worden. Zu ihm soll nach der Bekundung des Zeugen Steinkopf Willy Schwarzenstein geäußert haben, er iverde dem Vater auch noch ein paar blaue Bohnen geben.

In dem Hohenbuscher Walde bei Viersen fanden Wald­arbeiter ein um Hilfe rillendes Mädchen im Alter von achtzehn Jahren, das an einen Baum gebunden ivar. Wie sich her­ausstellte, hatte ein 16jährlger Bursche das Mädchen verschleppt und ein schweres Verbrechen an ihm verübt. Es gelang, den Täter zu verhaften.der Do pPe l sel b stm o rd der B a n- kicrs Max und Theodor Klopfer Aussehen. Nachdem sie nm Mittwoch nachmittag noch in ihren Bureauräumen die Post­sachen geöffnet und Briefe an Bekannte und Vereine erledigt hatten, begaben sie sich am Abend in ihre Wohnung und tötettn

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Monaten Gefängnis und die Genossen Petersson und Ros- bitzky zu je 300 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die erste Instanz halte auf je 50 Mk. Geldstrafe erkannt.

h. G ö r l i tz, 25. Juni. Wegen Verbrechens i in Amte verurteilte die Bautzener Strafkammer den G e m e i n d e v o r st e her V o l k e-Hirschielde, Inhaber vieler Ehrenämter, zu d r e i M o n a t e n Gefängnis. Volke hatte unterlassen, den Rechnuugsführer des Landwirtschaftlichen Spar- uudDarlehnsvereins Hirschfelde, Strietzel, der Urkundenfälschung und Unterschlagung mehrerer taufend Mark begangen Halle, anzuzeigen, um Strietzel der Strafe zu entziehen.

* D i e Molitor--Prozesse sind beendet. In Karls­ruhe wurde gestern der Beleidigungsprozeß von Fräulein Olga Molitor gegen Paul Lindau verhandelt. Im Verlauf der Verhandlung machte der Rechtsbeistand der Klägerin folgenden V e r g l e i ch s v o r f ch l a g , der schließlich von Paul Lindau gut­geheißen wurde. Lindau erklärt danach:

.Durch eine einseitige und nicht genügende Information irre­geleitet, war ich mir bei Abfassung der inkriminierten Artikel des beleidigenden Charakters derselben nicht bewußt. Durch die Kartell- träger, Oberstleutnant Bachelin und Oberleutnant Molilor, be­sonders auch durch das Beweisergebnis des Herzog-Prozesses ent­sprechend aufgeklärt, nehme ich die in den inkriminierten Artikeln enthaltenen Beleidigungen nunmehr unter dem Ausdruck des Be­dauerns zurück und bitte Fräulein Olga Molitor um Ent- fchuldigung."

Der Rechtsbeistand des Fräuleins Olga Molitor, Justizrat v. Pannwitz, erklärte ferner, daß alle noch schwebenden Strafanträge feiner Klientin zurückgezogen werden würden. Die Molitor-Prozesse sind somit beendet.

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Bestellungen bitte ich direkt in die Verkaufsstelle zu richten, welche auf Wunsch Prospekt zusendet.

Hofgut Winnerod, den 26. Juni 1908.

* a Ludwig Clernm.

Vergebung von Anstreilhernrbellen.

Die Arbeiten für die Erneuerung des Anstrichs der Bedürfnis hauschen^soller^^^^ bcn 2 Quli z>. Js., vorm. IO1/, Uhr önentlich^vergeben werden. Bedingungen liegen während der erhältlich, sind spiüeftens bis zum vorgenannten Zettpunkt verfchlosienundmitenw Aufschrift versehen an uns ernzuretchen. Zuschlagsnut 3 Wochen..

Gießen, den 24. Juni 1908. '6

Städtisches Trechauamt. Braubach.____

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Giessen, Bahnhofstrasse 26.

Eiugesandt.

(Für Form und Inhalt aller uiner dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber fetnerlrt Verantwortung.)

Trotz allerEingesandt" hören die Abendkonzerte bei oftenen, Fenstern uub Verandatüren nicht auf. Man läßt sich schlleßuch einen solchen nmsikalischenGenuß" getane», wenn derselbe um > 10 oder 11 Uhr sein Ende findet. Wenn das aber bis tict tn, die Nacht hinein dauert, so hört doch schließlich bie Gemüt­lichkeit auf. Seit einiger Zeit bearbeitet cm Musik-Enthuftaft m einer Wirtfchaft am Liidwigsplah mit Athletenkräfteu einen gewiß mit der goldenen Medaille prämuertel,Koiizertflügcl" bis 1 ll b r nachts, so daß wohl faum einer der Anwohner seine Nachtruhe indet. Die Aufsichtsorgane sind ohne'Ziveiiel durch die ivuuder- vollen Töne in einen hypnotischen Schlaf versetzt, aus dem sie erst n a ch Beendigung des Konzerts erwachen. __ _

voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag den 27. Juni: Fordauer der heiteren trockenen Witterung. Tein° peralur nicht verändevi. Westliche Winde.

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