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26.6.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 148 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag Z6. Ium 1208

Der Gietzrner Anzeiger asa. a. W" ä Bezugspreis:

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S® General-Anzeiger snr Oberhessen ?»

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AX^gTiTu^ RotationrdruS und Verlag der VrMschen Unw.'yuch. und Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchulstrahe 7. Umeigenteil: H." Beck.

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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Dar preutz. Kuitusminiftetium u. der Kall Bernhard.

Als vor ungefähr Jahresfrist S?err v. Studt, der schon seit langem in den Aussterbeetat gesetzt ivar, sein Rändel schnürte, ging cs tote eine Erleichterung durch die politische Welt in ganz Deutschland. Herr v. Studt hatte imMinisterium des Geistes" nach seiner ganzen Anlage versagt, und verlor das Szepter aus den Händen, indem einige hervorragende Abteilungsdirektoren, wie Alt ho ff und von Schwartzkopf, die Macht an sich zogen und ihren Willen in die Federn der Beamten diktierten. Herr v. Studt ging beileibe nicht als ein Opfer der Blockpartei und mit großer Spannung erwartete man seinen Nachfolger. Man hatte hin und her geraten, als die Welt plötzlich mit einer Wjct kaum in die Oeffentlichkeit getretenen Persönlichkeit über­rascht wurde, Herrn Holle, der aus einem ganz andersartigen Ressort, dem Eisenbahnministerium, hergeholt ivurde. Dies be­fremdete einigermaßen, man gab sich aber mit der Hoffnung zu­frieden, daß Zürst Bülow eine völlig farblose Persönlichkeit ge­wählt habe, damit bei keiner Partei, weder links.noch rechts, Anstoß erregt würde und diese ihm völlig vorurteilslos gegen­übertreten tönnten. Tatsächlich schien auch mit Herrn Hotle ein etwas anderer Geist feinen Einzug gehalten zu haben, die all­gewaltige Erhellen- A l t h o f f vcrichwand nach dem beliebten Pen- sioiwpolis Wiesbaden, tatsächlich aus den sonst so bequem zu markierenden Gesundheitsrücksichten; er war wirtlich schwer erkrankt. Holle hatte alio Glück und Freiheit zur Ellenbogen­betätigung. Und es machte sich auch hie und da ein gewisser Um­schwung bemerkbar. Aber im allgemeinen blieb cs bei Ansätzen, und auch bei den Kültusdeoatten im preußischen Abgeordncten- hause war ein wesentlicher Unterschied gcgen früher tauni wahr- zunehinen; der Minister trat nur wenig in Aktion, weil er noch nicht vollständig eingearbeitet war, und als Sprecher der Regierung trat zumeist Herr v. Schwartzkopf au>, der auch unter .Holle auf seinem Posten verolieben war. Doch auf einigen Ge­bieten, speziell hinsichtlich der vermehrten Anstclrung weltlicher Schulinspektoren im Hauptamte, war ein kleiner Forrfchritt in dem Standpunkte der preußischen Regierung zu verzeichnen. Aus dem ganzen Auftreten des Ministers tonnte man ent­nehmen, daß Lr geneigter wie sein Vorgänger zu sein scheint, gegenüber vielfach geäußerten und berechtigten Wünschen eine entgegenkommende Haltung einzunehmen. Er empfing sogar, was sein Vorgänger nie getan l-atte, Deputationen von Volts­schullehrern, um, wenn auch nicht als Mensch, so doch als hoher Chef zu ihnen mit gewissem Wohlwollen zu reden und vielerlei zu versprechen! Die zwei konträren Professoren-Berufungen nach der Hall eschen Theo- logen-Fakultät usw. aber kommen schließlich doch auf sein Veranlwortlichkeitslonto, ebenso die laue Ab­fertigung des orthodoxen, Aufklärungsbüchcrn feindlichen Lieg- nitzer Regierungs-Schulrats und noch manches andere, unab­hängige Volkskreise Verstimmende.

Am unangenehmsten wird in allen deutschen wissenschaftlichen Kreisen und weit darüber hinaus die Berufung des Pro­fessors Bernhard von Kiel nach Berlin empfunden, weil dadurch die Befürchtung wachgerufen wird, daß der Mi­nister sich künftig vielleicht noch zu weit schwerwiegenderen auto­kratischen Maßnahmen beeinflussen lassen könnte. Die energische Vertretung ihrer Rechte ist jetzt das, was weite 'deutsche Volks­kreise von den preußischen Universitäten verlangen int Interesse der Gesamtheit zur Verhinderung der Kürzung anderer, wichtigerer Volksrechte.

Aber die Berliner Universität geht ihren weniger bevorzugten preußischen Kameradinnen nur mit lauem Beispiele voran.Sachte, sachte; kein Geräusch gemacht!" ruft nicht mit Unrecht derVorwärts" ironisch aus. Pros. Bernhard hat be­kanntlich der Berliner philos. Fakultät mitgeteilt, er sei bereit, zurückzutreten. Das aber Jytte er dem Ministerium sagen sollen. Denn durch diese plötzliche Schüchternheit Bernhards wird natürlich das Vorgehen,des Ministeriums nicht im mindesten entschuldigt. Er kann ja nichts für seine Berufung! Die beteiligte brüskierte Fakultät aber zaudert und zagt. Schondemnächst", ganz ge­wiß aber noch in diesem Semester so wird imBerliner Tage­blatt" kundgetan wird dieBerliner philosophische Fakultät sich mit Bernhard beschäftigen, streng diskret und vertraulich und mit Geheimhaltung aller Beschlüsse vor der Aus­führung." Warum denn so langsam und zögernd, warum nicht schnell und bestimmt und mit aller energischen Würde?

Die Göttinger Sieben waren doch andere Männer! r-

Kürz vor Schluß der Redaktion erhielten wird folgende Zu­schrift aus Berlin:

Am Donnerstag hat die philosophische Fakultät der Berliner Universität sich in ihrer Sitzung mit dem Schreiben des Professors Bernhard eingehend befaßt. Bei den Verhandlungen wurde viel darüber debattiert, ob denn die Fakultät überhaupt sich mit der Person Bernhards, bezw. seinem Schreiben zu befassen habe. Nicht gegen die Berufung Bernhards, sondern lediglich gegen die Art, wie die Fakultät bei der Berufung übergangen wurde, sei ja zu protestieren. Auch die von Professor Dr. Biermer-Gießen dargelegte Beurteilung des Falles wurde herangezogen. Die Debatte, an der sämtliche Mitglieder der Fakultät sich beteiligten, war sehr lebhaft und hat bis in die späte Nacht gedauert. Das Ergebnis der Verhandlungen lüirb vorläufig streng diskret gehalten, doch verlautet, daß die Fakultät sich der Berufung Bernhards gegenüber ablehnend verhalte.

Und ein Telegramm vom Bureau Herold meldet uns:

In der Angelegenheit Bernhards hat die philosophische Fakul­tät der Berliner Universität eine vom Professor Schmolle r verfaßte Eingabe an das Kültusministerium einstimmig genehmigt und zur Absendung gebracht.

Hoffentlich hat es der berüljinte Jubelgreis an der nötigen Deutlichkeit gegenüber dem preußischen Ministerium des Geistes nicht fehlen lassen.

OoLM?che Lagssschan.

Ter Fall Beyhl.

Lehrer Jakob Beyhl in Würzburg, der Herausgeber derFreien Bayerischen Schulztg.", veröffentlicht in dem von ihm geleiteten Organ eine Anklageschrift, in der die Regierung oon Unterfranken und Aschaffenburg die könig­liche Stadtschulkommffsion von Würzburg beauftragt, den Volksschullehrer Beyhl zu vernehmen und dessen Rechtserti- yung mit tunlichster Beschleunigung vorzulegen.

Die Anklageschrift betont:

Die k. Regieiuug sieht sich veranlaßt, beit Volksschullehrer Hakob Beyhl in Würzburg wegen seines Verhaltens in jüngster

Zeit in doppelter Richtung zur Verantwortung zu ziehen: Ein­mal hat derselbe als Leiter der periodischen FachzeitschriftFreie Bat>erische Schulztg." teils selbst Aufviye und Leitartikel veröffent­licht, die den Zweck haben und auch geeignet sind, das Vertrauen der Lehrerschaft in die Gerechtigkeit des Staates zu erschüttern und dessen Autorität zu untergraben, teils Einsendungen anderer ausgenommen, die das zulässige Maß einer Kritik weit überschreiten und im höchsten Grade aufreizend sind. Daun aber hat Volksfchullehver Beyhl bei einer außerordentlichen Versammlung des Bayerifchen Volksschullehrervereins vom 16. vorigen Monats in München, als deren geistiger Urheber er wohl angesehen werden darf, eine Rede gehalten, in der er den Inhalt jener oben bereits beanstandeten Preßäußerungen mit besonderer Schärfe wiederholt und am Schlüsse Wendungen gebraucht, die nach dem ganzen Zusammenhänge nicht anders als eine schwere Bedrohung der staatlichen Ordnung anzusehen sind." Dann folgt eine Reihe im Grunde recht harmloser, ganz aus dem Zusammenhänge gerissener Zitate aus der Münchener Rede Beyhls, in der er die Klagen seiner Kol­legen über die schlechte Besoldung und Behandlung der vayr. Lehrer durch Kirche und Staat in scharfer Form, aber wohl begründet vorgetragen hatte. Lehrer Beyhl veröffent­licht nun eine längere Rechtfertigung, deren Hanptteil wie folgt lautet:

Mit meiner Tatsachen-Darstelluug und wegweisenden Kritik beabsichtige ich nicht, dem Staat zu schaden, sondern ich suche der Gerechtigkeit eine Gasse zu brechen. Damit sucye ich dem bayerischen Staate den besten Dienst zu leisten. Wer die Ge­rechtigkeitspflege in einem Staatswesen stärken Hilst, der begeht eine nationale Tat. Ich bin mir nicht bewußt, etwas Unrechtes getan zu haben. Ich hänge an meinem Vaterlande. Ich glaube an seinen Fortschritt. Ich wünsche fein Blühen und Gedeihen. Ich bin oott Z.wericht auf die !>ohe Kultursendung der Volks­schule. Ich stelle alle meine Kräfte in den Dienst rief er Aufgabe. Ich arbeite an der Erziehung des Lehrerstaudes zu deutscher Mannhaftigkeit, zu persönlicher und berusticher Tüch­tigkeit, gii hochherzigem Jdealis m u s. Ich habe nach meiner Ueberzeugung nichts getan, was der bayerische 'Staat nicht ver­tragen könnte und was rie Schulbehörde bestrafen müßte."

Diese kernfesten Worte des Lehrers Beyhl werden hof­fentlich ihre Wirkung auf die Behörden nicht verfehlen und jie werden wohl nicht unterlassen, noch einmal das nachzu- prüfen, was Beyhlgesündigt" haben soll.

Der neue Austausch-Professor Dr. Felix Adler, der im nächsten Semester nach Berlin kommen soll, ist seiner Abstammung nach Hesse. Er ist aus Alzey gebürtig, wo fein Vater Theologe war, der später nach New-2)ork berufen worden ist. Die Fächer, für die Professor Adler in Berlin und Heidelberg ausgebildet worden ist, sind die hebräische und orientalische Litteratur. Adler ist der Begründer der Gesellschaft für ethische Kultur" in Amerika und die 20 Jahre später in Deutschland durch Georg von Gezycki eine wachsende Verbreitung gefunden hat. Die Bestrebungen Adlers laufen darauf hinaus, den 'Religionsunterricht durch mora­lische Unterweisungen zu ersetzen, er will den N e l i- gionsn nterricht völlig vom Schulunterricht ge­trennt wissen. Seine Hauptwerke sind:Die Gesellschaft für ethische Kultur" undDer Moralunterricht für Kinder". Besonders im letzteren Werke tritt er stark für eine ver­mehrte Bildung des Proletariats ein. Die Be­rufung Adlers, der in Hessen seine Heimat wiedersieht, ver» Dient daher auch bei uns zu Lande besonderes Jnteresie.

Dom persischen Staatsstreich.

Der PariserGaulois" veröffentlicht eine lieber fefeung des Aufrufs, den der Schah an feine Untertanen gerichtet hat.Persien," so sagt er,ist ein konstitutionelles Land, wie ich es wiederholt erklärt und iöie ich es allen Nationen der Welt an­gezeigt habe. Wenn die Ruhe wiederhergestellt und die Urheber der Unruhen ihre Strafe erhalten haben werden, können die Mitglieder des Parlaments in voller Sicherheit ihre Sitze wieder einnehmen und ihre Aufgaben zu Ende führen. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um das Staatsregime aufrecht zu erhalten und alle wünschenswerten Reformen einsuführen ; aber ich wiederhole, daß alle diejenigen, welche die jetzige Ord­nung untergraben wollen, streng bestraft werden." Ter liebe Schah spricht zum Schluß die Hoffnung aus, daß alle guten Perser ihn verstehen und jeder seine Pflicht tun werde.

Auch dem engt Geschäftsträger und dem russ. Gesandten gab er die Versicherung, daß er nicht die Verfassung abzuschaffen wünsche. Der englische und der russische Vertreter haben den Schah dahin unterrichtet, daß eine friedliche Haltung gegen die konstitutionelle Partei eine Unterstützung bei ihnen finden würde.

Nach einem Telegramm der Daily Mail aus Teheran gewährte der Schah sogar Notablen und früheren Deputierten eine Audienz, in der er ihnen erklärte, die Verantwortting für das Blutvergießen trage das Volk, das auf die Kosaken schoß. Er habe nur die Ordnung wiederherstellen lassen. Der Schah versprach allen Schuldigen einschließlich der Endschuman-Deputierten Verzeihung. Die Deputierten dankten für die Wiederherstellung der Ordnung. Tie Provinzen sind ruhig, der Sieg des Schahs ist voll­ständig. Er befahl, die Schließung allerDruckereien bis auf Weiteres. Offenbar wird er nur den Schein einer Verfassung aufrecht erhalten.

Der Ncwyork H e ra l d meldet aus Teheran vom 24: Der Schah ließ geltem früh in feinem Lager zu Bagscha einen Priester und den Herausgeber einer Zeitung von Teheran durch den Strang h i n r i ch t e n. Andere Verhaftete wurden im Lager grausam gepeitscht. Einer der Führer des Parla­ment - wurde in Ketten gelegt und in das Lager des Schahs geschleppt. Unterwegs wurde der Unglückliche vom Pöbel ge­schlagen und angespien. 30 Mitglieder des Parlaments suchten Zuflucht in der englischen Gesandtschaft. Der Schah ließ den Gesandten sagen, er habe nicht die 'Absicht, die Verfassung a b z u s ch a f f e n. Er ließ durch einflußreiche Leute verkünden, er sei entschlossen, Neuwahlen für das Parlament vomeymen zu lassen. Tas Haus des abwesenden Prinzen Silli, aus dem auf das Militär geschossen worden war, ist völlig zerstört und ausgeraubt worden und ebenso zwei Häuser des politischen Klubs und die Moschee. Es gab hierbei eine Anzahl Tote und Ver­wundete.

Das Parlamentsgebäude wird jetzt von Arbeitern gänz­lich nie der gerissen. Tie Truppen halten gute Disziplin. Die Basare sind geöffnet. Die Stadt ist ruhig.

Nach der Petersb. Tel.-Ag. wurde zwischen den Parteien letzte Nacht bis zum Morgengrauen gekämpft. Die Reaktionäre behielten die Oberhand. Die Verluste beider Parteien be­tragen gegen 100 Tote und Verwundete. Jetzt werden Friedens- v er Handlung en geführt.

Viele Geistliche, ferner der Finanzminister und Andere suchten Schutz in der deutschen Gesandt,chast. Die Aufnahme wurde aber bisher verweigert. Andere stellten sich unter französischen ober englischen Schutz. Der Vizepräsident des Parlaments, Meschter ed Dauleh, wurde gefangen genommen. Die Parla­ments-Kanzlei wurde vom Schah mit Beschlag belegt.

Deiches rreich.

Der Entwurf einer Strafprozeßreform wird dem Bundesräte Ende des nächsten Monats zugehen. Damir ist selbstverständlich, daß der Bundesrat sich mit der Materie im Sommer nicht mehr beschäftigen wird. Wie vom Reichsjusti^amte mitgeteilt wird, wird der Entwurf eine grundlegenoe Reform auf allen Gebieten und Zweigen des Strafprozesses bringen. Tas gilt in erster Linie von der Berufung. Von den übrigen, weniger wichtigen Punkten des Inhalts der Reform sei erwähnt, daß das Gesetz eine Beschränkung der Vereidigung und die Ein­führung des Nacheides vorsieht. Ferner wird die Vor­lage Bestimmungen enthalten über den Ausschluß der Oeffentlichkeit für bestimmte Fälle. Endlich wird die Strafprozeßreform Vorschriften ausweisen, die auf eine mög­lichste Schonung des Zeugen hinzielen und ihn vor wirtschaftlichem Schaden bewahren wollen.

Dem preuß. Landtage ging am Donnerstag nach­mittag ein Gesetzentwurf betr. die Erhebung neuer Umlagen zu landeskirchlichen Zwecken für das Etatsjahr 1908 zu. Tie Vorlage enthält drei Erlasse, die sich auf die älteren Provinzen Schleswig-Holstein und den Konsistorial- bezirk Cassel beziehen. Für die älteren Provinzen be­tragen die zu beschaffenden Mittel 3*4 Prozent der Staats­einkommensteuer, für Cassel P/i Prozent der Staatseinkom­mensteuer und für Schleswig-Holstein 210 000 Mark.

Der Staatssekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz hat dieser Tage mit einer Anzahl Reichs­tagsabgeordneten die deutschen K r i e g s h ä f e n be­reist. In Wilhelmshaven bestimmte die Anwesenheit einer größeren Anzahl nationatliberaler Reichstagsabgeord­neter Den dortigen nationalliberalen Verein, ihnen zu Ehren einen Empsangsabend zu veranstalten. Der Einladung waren u. a. gefolgt Die Abgg. Bassermann, Dr. Arning, Dr. Blankenhorn, Dr. Görcke, Graf Oriola und Dr. Seni­ler. Bassermann bemerkte, daß die schnelle Entwicklung, welche Deutschland nach seiner Einigung genommen, im Auslande Mißgunst und Unbehagen erzeugt und daher Schwierigkeiten der politischen Lage herbeigeführt habe,' Deutschland müsse deshalb zur Sicherung des Friedens ein starkes Heer und eine tüchtige Schlachtflotte unterhalten.

Der Hauptausschnß der Deutschen Land­wirtschaftsgesellschaft, der zurzeit in Stuttgart tagt, beschloß die W a n d e r v e r s a m m l u n g im Jahre 1909 in Leipzig.und im Jahre 1910 in Hamburg abzuhalten.

Eine Kundgebung des Bundes der Land­wirte sand am 24. am G r a b e d e s F ü r st e n B i s m a r ck in Friedrichs ruh statt. Es waren etwa 600 Land­wirte erschienen. Der frühere Staatsminister v. Podbielski hielt eine Ansprache, in der er auf das Wirken des Fürsten Bismarck hinwies, dem die Deutsche Landwirtschaft alles zu danken habe. Nach ihm sprachen der Reichstagsabg. Dr. Rösicke und verschiedene andere Redner.

Der Verein deutscher Z e i t u n g s v e r l e g e r hielt in Danzig unter Leitung des Vorsitzenden Dr. Max Jaenecke vomHannoverschen Courier" seine Hauptoer- samntlung ab. Nachdem Jaenecke und Stadtrat Dr. Deichen, der Verleger derDanz. Ztg." Kafemann, sowie Professor Dr. Thieß, der an der Danziger Technischen Hochschule üoer Zeitungswesen Vorlesungen hält, die Versammlung begrüßt hatten, wurde in die Beratung der Tagesordnung einge­treten. Beschlossen wurde eine Petition an den Reichs­kanzler anläßlich des in Aussicht stehenden Reichsgesetzes über den Geheimmittelverkehr, der den Zweck verfolgt, im Interesse der Allgemeinheit wie der Presse in der Ankündi­gung vvn Mitteln die Grenzen zwischen den auch vom Ver­legerverein für schädlich erachteten Schwindelmitteln und den harmlosen unb zuträglichen Mitteln im Gesetz genau gezogen zu sehen. Eine Vereinbarung, die der Vorstand des Vereins deutscher Zeitüngsverleger mit dem Vorstande des Deutschen Buchdruckervereins über Grundsätze in Be­tätigung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen getroffen, wurde oon der Versammlung debattelos genehmigt. Nach Erledigung einer Reihe von internen Angelegenheiten wurde die Vorstandswahl vorgenvmmen. Nach Schluß der Ver­handlungen hielt Direktor Th. Curti von derFrkf. Ztg." einen Vortrag über die Journalisten an den Hoch­schulen.

DemVorwärts" zufolge hatte der zu Freiheitsstrafe verurteilte Laudtagsabg. Karl Liebknecht bei Der Ober­reichsanwaltschaft Den Antrag gestellt, ihm für die Land­tagseröffnung Urlaub zu gewähren. Das Urlaubsgesuch wurde jedoch a b g e l e h u t.

Ausland.

Die italienische Kammer hat das I a h r e s g e h a l t des Vorsitzenden der Kammer auf 25000 Lire fest­gesetzt.

Die Vorlesungen an der Universität Innsbruck wurden ohne Störung wieder a u f g c n o m m e n.

Die Bauern-Abgeordneten der russ. Duma be­schlossen, im Herbst eine besondere B a u e r n - P a r t e i zu bilden. - Diese agrarische Partei dürste in vielen Fällen mit der radikalen Opposition stimmen, wodurch der Charakter des Parlaments total verändert werden würde. lieber die akademische Frei­heit in Rußland hat sich die Duma unterhalten. Ter Kadetten- führer Miljukow. beaMragte, daß der Wunsch ausgesprochen werde,?