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24.3.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 71 Zweites MM 158» Jahrgang

Dienstag, Ä4. März 1908

Erscheint tSglich mW M BanntagG,

-®t«Gießener LamtitendlStter^ werden dem ,9Inieiger* viermal wöchentlich betgelegt, baä Kretsblatt» den Krell Gletzen" zweimal wöchenUtch. Der Landwirt" erscheint

monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

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NatatisnSdrvef imt fierte# brr Vr ühksschen Urttt>*rfuäii ün<t> ar.b ® tetnbaidexeL K. Bsatt, ®:rßen.

Redaktion, Exveditton ant Twrukerei» Tchuk- ftratz« ?. Txvedttton and Verlag . es® 6L Redattion.-^^I IL T«k..Mr.. LinzetgerGi-ben.

Deutscher Reichstag.

Die aus drei Herren bestellende Abordnung der Pressever­treter unterbreitete gestern dem Präsidenten des Reichstags, der zu dieser Verhandlung den konservativen Abgeordneten R o g a l I a v. B i e b e r st e i n zugezogcn hatte, einen Vorschlag für die Er­ledigung der Angelegenheit, der dem Präsidenten und Herrn von Bieberstein durchaus annehmbar erschien. Danach sollte der Abg. Gröber im Plenum des Reichstags folgende Erklärung abgeben:

In der Erregung über ein Lachen, welches auch von der Journalistentribüne ausging, und das von mir als eine Kritik aufgefaßt, inzwischen vom Präsidenten gerügt worden ist, habe ich über Vertreter der Presse aus der Journalistentribüne eine beleidigende Aeuherung getan, die ohne mein Zutun an die Oeffentlichkeit gelangt ist. Ich nehme keinen Anstand, diese Aeutzerung unter dem Ausdruck des Bedauerns zu­rückzunehmen."

Hierauf sollte der Präsident folgendes erklären:Im Zu­sammenhang mit dieser Erklärung des Abg. Gröber habe ich dem Hause von folgender Zuschrift Kenntnis zu geben:

Herr PräftdentI Aus der inneren Anteilnahme der Tri- bün en an den Vorgängen in den Sitzungen des Reichstags haben sich von jeher gelegentlich Störungen ergeben, indem von den Tribünen aus in Heiterkeit oder Beifall oder Zwischenrufe des Hauses von Einzelnen eingestimmt wurde. Der Herr Präsi­dent hat derartige Vorkommnisse von Fall zu Fall gerügt. So­weit solche Störungen von der Journalistentribüne ausgegangen sind, haben sie niemals den Charakter oder die Absicht einer Demonstration gegen den Reichstag, einzelne Parteien oder Personen gehabt, sondern es sind, wie auch in den Sitzungen vom 16. und 19. März, impulsive Aeußerungen, die sich aus der Arbeit der Berichterstatter erklären. Die auf der Tribüne tätigen Journalisten halten selbstverständlich solche Störungen für unzulässig und sind immer bemüht, sie nach Möglichkeit fernzuhalten.

Die Journalistentribüne des Reichstags/

Die Abordnung erklärte dem Präsidenten, daß sie allerdings die Genehmigung zu einem solchen Austrag der Sache von der Versammlung der Pressevertreter einholen müsse, aber keinen Zweifel habe, daß diese die Genehmigung erteilen werde. Tat­sächlich gab die Versammlung heute mit allen gegen eine Stimme ihr Einverständnis.

Zur Nachwahl in LmLewNorden.

Von nationalliberaler Seite schreibt man uns:

Die Reichstagsersatzwahl in Emden-Norden, deren Ergebnis man mit Spannung entgegensah, hat mit einem riesigen Reinsall der Deutsch-Sozialen geendet. Wer dieDeutsch-sozialen Blätter" und andere Blättchen dieser Sorte in den letzten Wochen las, mußte annehmcn, daß die obige Wahlschlacht mit einem ge- 'waltigen Sieg dieser Kartei enöen würde. Welche gewaltigen Anstrengungen wurden da gemacht! lieber 300 Versammlungen, eine eigene Wahlzeitung arbeiteten nicht etwa erst seit dem Tode des bisherigen Inhabers, nein, schon eine Weile vor dessen Tode brach Herr Lattmann dort ein. Die gesamten Größen der Partei kämpften dort, und wie die Berichte in denDeutsch-sozialen Blättern" zeigen, mit den schönsten Anzapfungen der Gegner. Und nun dies klägliche Ergebnis!

Ein Verlust von nahezu 5000 Stimmen gegenüber der Stirn- tnenzahl des verstorbenen Fürsten Knyphausen, dessen Erbe man Lntrat. Freilich war die konservative Partei anfänglich nicht so ganz mit der Sache einverstanden. DieKreuzztg." meinte, Wenn Herr Grönveld der Kandidat der konservativen Partei­organisation der Provinz Hannover sei, so liege es viel näher, der konservativen Partei beizutretcn". Dann polemisierte sie Segen die Wirtschaftliche Vereinigung, die ja 8ar keine Fraktion, sondern ein Verband poli­tisch vielfach recht verschiedener Elemente sei, der auch nichtdilrcheingemeinsamesProgrammgeeint werde". Schließlich wurde gedroht, daß die konservative Partei diesenkleinen Gruppen" nicht mehr nachgeben werde. Die kon­servative Partei fügte sich dennoch. Das Ergebnis derWahl­betze" derKampspartei" der Herren Lattmann u. a. bedeutet olso auch einen Verlust für die rechte Seite.

Die Freisinnigen, die eine sehr energische Agitation betrieben haben, sind jetzt in die erste Stelle anstatt früher der zweiten ~ des betreffenden Wahlkreises getreten. Sie haben noch um ;00 Stimmen zugenommen. Die Sozialdemokratie hat gegen '00 Stimmen eingebüßt, während die Nationalliberalen, die bisher gar keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatten, den Herren Lattmann u. a. nahezu 5000 Stimmen von der bisherigen kon­servativen Stimmenzahl abnahmen. Der Ausfall der Stichwahl lanu nickt zweifelhaft sein. Er wird ein Sieg des Liberalismus sein. Der Wahlausfall bedeutet eine kräftige Dusche für die Heißblütigen Draufgänger der Deutsch-Sozialen. Lag der Durch­fall Qii dem Programm oder an der eigenartigen Agitations- veisc oder an beiden?

Von großem Interesse ist, was dieK r e u z z e i t u n g" nach ver Wehl schreibt. Da heißt es:Leider haben sich die Deutsch- Eoziale.l hier wieder einmal als die Verderber konservativer Lahlaussichten bewahrt. Wir haben von Anfang an aus unserem Bedauern darüber, daß unsere Parteifreunde sich auf ein Kom­promiß zugunsten der Deutsch-Sozialen eingelassen haben, kein 2ehl gemacht. Das Vertrauen zu dieser Richtung >)t überall im Volke starr geschwunden, sie hat noch 'in paar Zk^eise aus den ersten Zeiten ihres Emporkommens ge- -ettet, aber werbende Kraft besitzt sie nicht mehr. Das wissen ihre Führer selbst am besten. Darum gehen e ui ch t dahin, wo sie sich ein nationales Ver- »i e n st durch Eroberung sozialdemokratischer 70 a h l sitze erwerben könnten, sondern sie suchen >hre Expansionsgelüste dadurch zu befriedigen, ®aft f i e in konservativen Kreisen die Fackel der w ietracht unter die rechts st eh ende Wählerschaft schleudern und sich dann als die geeignet st en Präger der Ko m p r 0 m i ß k a n d i d a t u r anpreisen. S)ter roirb stets nach demselben Rezept gearbeitet. Die dentsch- soziale Kandidatur hat nicht sammelnd, sondern kr ä f t e z e r s p l i t t e r n d auf der Rechten gewirkt. Die Stirn-' nien für den rechtsstehenden Kandidaten sind von 11433 auf £>79 zurückgegangeu. Das ist der größte Tiefstandieit der Eroberung des Wahlkreises im Jahre 18 9 3."

.So schreibt das führende Organ der Konservativen, die auch bei uns den Wählern gegenüber den Liberalen bv ic d c u t s ch - s 0 z i a l e r S c i t e e m p f 0 h l e n w e r d e n. Die putsch-soziale Partei dürste sich das vernichtende Urteil des ihr Pireundeten Blattes ins Stammbuch schreiben. In bezug auf die besondere Art der Befriedigung der Eroberungsgelüste der Partei

Venen v. Liebermann und Lattmann möchten wir, noch ynzusügtn, daß diese Partei niemand grimmiger und rücksichtS- ^ler bekämpft als die Nationalliberalcn. Aus nationalem Sinn?. L.

Inzwischen hat sich aber die Sachlage dadurch geändert, daß der Abg. Gröber diesen Vergleichsvorschlag a limine abge­lehnt und dem Präsidenten den Tert einer Erklärung vor- velegt hat, die er beabsichtigt, zur Geschäftsordnung zum Wort gelassen, dem Reichstage vorzutragen. Diese Erklärung mutz von den Vertretern der Presse deshalb abgclehnt werden, weil der Abg. Gröber darin zwar hinten denurschwäbischen Ausdruck" zurücknimmt und und zwar lediglich den Reichstag um Entschuldigung bittet, vorne aber auf Grund unrichtiger in den stenographischen Bericht hineinkorrigierter Behauptungen eine Darstellung gibt, die sich mit den Tatsachen nicht deckt und nach­träglich noch in den bisherigen Verhandlungen nicht erhobene Be­schuldigungen gegen einzelne Tribünenjournalisten ausjpricht und dadurch die Lage noch verschärft.

Sympathie, und Solidaritätskundgebun­gen sind lveiter eingegangen von derBreslauer Zeitung", BreL- lauer Morgenzeitung",Dortmunder Generalanzeiger",Augs­burger Zlbendzeitung",Anhalter Kurier",Danziger Neueste Nachrichten",Hannoverscher Anzeiger",Breslauer General­anzeiger",Dresdener Neueste Nachrichten",Württemberger Zeitung",Eibinger Zeitung",Chemnitzer Neueste Nachrichten", Westermanns Monatshefte"; ferner von ausländischen Blattern: Neuen Freien Presse",Petit Parisien",Le Journal",Daily Chronicle",Gazetta del Popolo" (Turin); weiter von dem Ge­schichtsschreiber der deutschen Presse Dr. Ludwig Salomon und folgenden Berufsorganisationen: Berliner Schriftstellerklub, Ver­ein Berliner Journalisten, Verband der Zeitungskorrespondenten in Charlottenburg, Württemberger Journalisten, und Schriftstcller- vcrein (Stuttgart), Mannheimer Jounalisten. und Schriftsteller­verein, Frankfurter Journalisten, und Schriftstellerverein, Dan. ziger Journalisten, und Schriftstellerverein, Kieler Journaln'ten- verein, Verein Mainzer Berufsjournalisten, Verband deutscher Journalisten in Böhmen, aus feiner Vollversammlung in Prag, Syndikat deutscher Korrespondenten in Rom. Der Verein Arbei­terpresse wünscht, u. a. unterzeichnet von dem Abg. Robert Schmidt-Berlin, den Pressevertretern gegen ungerechtfertigte Be­leidigung vollen Erfolg.

DieRheinisch-WestfälisHe Zeitung" hat in einem Artikel gegen dn. Einmisckuug der ausländischen Journalisten protestiert. Demgegenüber stellt ihr Berliner Vertreter unter allgemeiner Zu. stimmung fest, daß während der ganzen Beratungen kein einziger ausländischer Pressevertreter das Wort ergriffen, sondern daß sie sich nur in dankenswerter Weise mit den Beschlüssen der dnitschen Kollegen solidar'.sch erklärt haben. Im Anschluß an einen einer größeren Zahl von Zeitungsredaktionen übersandten Brief des Abg. Dr. Müller Meiningen gab der Tribünenjournalist, der kurz nach dem Gröberschen Zwischenruf mit ihm gesprochen und von ihm die Beleidigung der Presse erfahren hatte, die Erklärung ab, daß er von der Ungehörigkeit eines Einzelnen oder von der Unzulässigkeit der Verallgemeinerung einer Beleidigung nicht gesprochen habe. Er habe dem Abg. Dr. Müller-Meiningen nicht den geringsten Anlaß gegeben, anzunehmen, daß der Wortlaut des Gröberschen Zwischen, rufes ihm bereits bekannt war. Er habe nur angedeutet, daß c3 böseS Blut machen könne, wenn der Präsident wiederholt in kur­zer Zeit mit der Räumung der Journalistentribüne drohe.

Darauf machte Dr. Muller-Meiningen die Mitteilung, daß Gröber etwas von Saubcngcls gesagt habe. Die Gröbersche Aeutzerung wurde dann mit Hilfe eines Kollegen von der Zen- trumSpresse durch direkte Nachfrage bei dem Abg. Gröber fest- gestellt. Die Schlußfolgerung und wiederholte Behauptung deS Abg. Dr. Müller-Meiningen, daß schon vor seiner Mitteilung der Wortlaut des Gröberschen Zwischenrufes der Tribüne bekannt gewesen fei, ist also unrichtig. In der kurzen anschließenden Debatte hnrA' ' ^gestellt, daß der Abg. Dr. Müller-Meiningen in seinem Schrei die Tatsache nicht bestreitet, daß er erst daS Zentrum und den \ ?. Gröber auf daS angebliche Lachen auf der Journalistentribü aufmerksam gemacht habe. ES wurde be­schlossen, die angebc e Vermittelung des Abg. Dr. Müller- Meiningen im Scnic. rifonbent höflichst abzulehnen.

Hierauf vertagte sich die Versammlung auf 4 Uhr nach­mittags.

In der NachmiitagLversam ' l n n g, an der weit mehr a' , evertreter teilnahmen, vurde die volle Einig­keit und Solidac. t festgestellt. Neue Talsachen lagen nicht vor, daher wurde die Versammlung bald wieder ge­schlossen. Der Austi 3 der Vertrauenskommission bleibt bestehen.

Von Sh m pari ieerllär ungen sind weiter zu ermäh­nen em Telegramm vom nationalen Verband der französU scheu Berufsjournalisten und vom Verband der a u s w ä r t i g e n Presse in Wien.

werden, doch

Getreide am

für inländisches

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164.50 (- 0.00) Mk.

schlechten Mehlgeschäftes, meist äber auch wegen der unbefriedigt «läne, die zum Teck mit der' Äiötewmö ;

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den Qualitäten nur geringem Interesse. Unter dem Einfluß be§ unbefriedigenden Warengeschäftes waren auch die Noggcntermine vernachlässigt, ohne daß sich deren Preise seit der letzten Woche iveseiicklch geändert haben. Im Ha'ergeschaft ist eine Besserung des Absatzes bisher nur für feinere Qualitäten festzuslellen, indes ist das Angebot vom Jnlande auch in den geringeren Sorten zuletzt etwas zurückhallender, so daß vereinzelt kleine Mehrsordernngeir

Königsberg Danzig Stettin Posen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig Jamburg Hannover Braunschweig Düsseldorf Frankfurt a.M. Mannheint Straßburg Stuttgart

Roggen i (- i (-

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Getreide-Wochenbericht

der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 17.-23. Marz 1908.

Während der abgelcufcncn Berichtsivoche Hal die allgemeine Geschäftslage keine nennenswerte Aenderung eriahren. Weizen sleht nach iDie vor unter dem Einfluß starker argenlimscher Export- leistnngen und den damit zujanimenhängenden Eutäußeruugs- beftiebungcn der zweiten Hand. Bor allen: aber findet die Zurück­haltung der Käufer ihre Grflävung in den demnächst zu erwarten­den starken Zufuhren in den europäischen Hafenplätzen. Bon der Aufnahme dieser Zufuhren ivird die weitere Entwickelung auf dem Getreidemarkte in erster Reihe abhängen. Zeitweise be'eftigten höhere amerikanische Preismeldungen sowie der Umstand, daß Siücf- kaussangebote auf kleinere Teilladungen argentinischen Weizens, für welche sich im Auslande scheinbar bessere Verwendung bot, Vor­lagen und auch zu mehrfachen Abschlüssen sühnen. Im Einschluß daran machte sich auf dem Lieierungsmarkle vorübergehend einiges Teckmigsbedürfnis bemerkbar, das die Weizenpreise um 23 Mk. anziehcn ließ, doch ging dieser Gewinn auf schwächere amertfa- niiche und englische Berichte zum Schluß wieder verloren. Dem

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Es stellten sich die Preise letzten Markttage:

durchgesetzt iverden konnten. Für Mais stellte Nordamerika wieder höhere Fordermigen. Die Vorräte in diesem Artikel sind knapp und finden m den Zufuhren keine entsprechende Ergänzung. Im Bedarfssalle mußten zwar höhere Preise bewilligt besteht keine Neigung zu größeren Anschaffungen.

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von 6 Proz. gestatte, lieber die Aussichten für das gegenwärtige Geschäftsjahr könne nichts Bestimmtes gesagt werden, es sei jedoch nn Vergleich mit 1907 eine bedeutende Verschlechterung in der ZwischendeckSbeförderung nach Nordamerika zu konstatieren. Die Gesellschaft bedauere außerdem, gezwungen zu sein, nur englische Kohlen zu verwenden, da die Preise der deutschen Kohle den Ver- hältiiisscn nicht angepaßt seien.

Aus den Kolonien. Die Deutsche Kolonial->Eisenbahn-: bau- und Velriebsgesellschait erhielt aus der Ujambara-Bahn voni deren 34 900 Alk. Reingewinn den vorjährigen Zuschuß von 25167 Alk. zurück. Daneben fommt eine erstmalige Gewinn­beteiligung von 4716 Mk. in Betracht. Die Togobahn bvadite in 1907/08 314 883 Mk. Betriebsüberschuß, geht aber erst am 1. April 1908 in die Regie der Gesellschaft über. In betreff der Kamerun­bahn erfahrt man, daß die Vollendung in der veriraglichen Baufrist 311 erwarten ist. Für alle vier Bahngebiete schweben Erweiterung^-

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Weizen 215 (- 216 ( 213 ( 218 ( 216 ( 206 ( 203 (

Stiiiimungsbilö aus dem preich. Adgeoröneterchaus.

Berlin, 23. März.

Tasgroße Reinemachen", daS noch am Schlüsse jeder Legis­laturperiode des Landtages der Erledigung des Etats gefolgt ist, hat im Abgeordneten Hause begonnen.Kleine Vor­lagen" standen auf der Tagesordnung der Montagssitzung, und die wenigen Volksvertreter, die sich für Erledigung dieses Arbeits­pensums eingestellt batten, Prä stierten doppelte Diligenz. Tie Stadtlreiserweiterung von Herne wurde in dritter, die von Essen in erster und zweiter Lesung säst ohne Debatte genehmigt. Dann fam das Quell e n schu tzg e s e tz zur Verabschiedung. Bei­nahe soviel Reden, als Abgeordnete im Hause waren, wurden diesem Produkt vielfältiger Resolutionen des Hauses geividmet. Aber nttnt hätte Unrecht, wenn man darin eine Widerlegung der An­schauung des Abg. Lusensky von den Nationalliberalen erblicken wollte, daß das Gesetz bei der Allgemeinheit wenig Sympathie unh noch weniger Interesse erwecke. Fast nur Gegner der Vorlage traten ans Redner-ult. Liber der Liebe Müh war umsonst: Gegen die Stimmen der Freisinnigen und eines Teils der Zentrumsmanuen nahmdas Haus Pars pro toto gesetzt! den Entwurf an. Auch das Hebeammengesetz, dessen erste Lesung nun folgte, war nicht imstande, wärmere Gefühle bei der Volksver­tretung zu eriüedcn; wenn der Abg. Äc-k^ler-Berlin auch das Daus dagegen in Schatz nahm, daß es nur ^platonisches Interesse für die Hebeammen hätte, so ließ doch die große Mehrheit des Hauses wenn man von einer solchen bei anderthalb Dutzend Ab­geordneten reden darf den beiden Freisinnigen Müller und Münsterberg und Herrn Linz vom Zentrum allein das Verdienst, für die Vertreterinnen dieses in Deutschland noch längst nicht nach Gebühr gewürdigten Stamxs sich ins ^cug zu legen. Dr. Müller- Berlin tonnte die Rückständigkeit der gesellsckMstlichen Anschau­ungen in Deutschland gegenüber dem Geburtshelserinnenbernf nicht wirksanver glossieren, als durch den Hinweis, daß er einmal als Gast eines nordischen Ministers die Tochter eine» dänischen Fal­ke thingspruf identen zu Tisch geführt habe, die in ihrem bürgerlichen Beruf Hebeanrme war. Freilich liegt die foziale Zurückfetzung des Hebeammenberuss bei uns nicht sotvohl am Publikum, als vielfach daran, daß bei uns im Gegensatz zu Amerika und den skan- dinavisck-en Ländern gebildete Frauen und Mädchen noch immer Scheu tragen, sich diesem verantwortlichen, aber dankbaren Frauen­beruf zu widmen. Das am Montag vorn Landtage in erster und zweiter Lesung gutgeheißene Gesetz wird hoffentlich dazu beitragen, die unbegründete Abneigung unserer gebildeten Frauenwelt gegen diesen echt weiblichen Beruf zu mindern. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß der freisinnige Avg. Münsterberg eine Fülle dankens­werter und kluger Anregungen für die Ausführung des Gesetzes gab, die die Negierung erfreulicherweise zu berücksichtigen ver- sprackf. Zwei Anträge Aronsohn und BoeHlendorff-Kdlpin auf Revision der Kroisardnung gaben noch zu einer längeren Debatte Veranlassung: Abg. Gyßling begründete den freisinnigen Antrag, der eine bessere Berücksichtigung ber Rechte der Släbte, Lmrdgemeitiden, der Jndusme uno des Gen-erbes bei den Krcistagswahlen fordert, in wirksamer Darlegung. Seinem An­träge gemäß gingen die beiden Anträge an die Gemeindekoinmission, und das Haus benagte stch für Beratung der S e k u n d ä r b a h n - Vorlage auf Dienstag.

Roggengeschäft boten Meldungen über schneelosen Frost in Süd­rußland gleichfalls nur vorübergehend einige Anregung, zumal die Borderungen für russischen Roggen nur wenig erhöht waren. Im nlanoe begegnet das mäßige Angebot von Roggen infolge

Aiünchcn

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 206.50 ( 0.50), Budapest April 197.30 ( 4,60). Pans April 180.55 (4- 0.20). Liverpool Mc»i 156,35 ( - 1.15). Chicago Mai 145.05 ( 4.05). Roggen: Berlin Älai 200.75 ( 0.25). Haser: Berlin Mai

Hande!.

3'/,% NeichSschahcrn Weisungen von 1904. Am 1. April d. I. werden 20 Mill. Alk. 31/,0/0 Rerchsschatzanweisungen von 1904 Serie 1., am 1. Juli weitere 20 Mill. Mk., Serie II fällig. Es sei auch an dieser Stelle hiermit mitgeteilt, daß den Inhabern dieser Titel statt der baren Nuckzahlimg der kostenfreie Umtausch in neue Schatzamvelsungen angeboteu wirb, die mit 4°/0 verzinslich sind. Sie sind rotebenim nach 4 Jahren fällig und bis dahin so- wohl seitens des Reichskanzlers als auch des Inhabers unkündbar. Diejenigen Besitzer der jetzt zur Rückzahluug gelangenden Schatz- auweiiungen, welcfje den Umtausch in neue Stucke wünschen, haben sie unter Abtrennung und Zurückbehaltung der am 1. April oder 1. Juli d. I. fälligen Zlnsscheme in der Zeit vom 24.-28. März d. I. der Reichsbank emzureichen.

Hamburg, 21. Aiärz. In der Generalversammlung der H a m b il r g - A m e r i k a - L i n i e wurden der Jahresbericht so­wie der Nechnungsabschliiß und alsbann die Ausnahme einer Pnoritätsanleihe bis zum Höchstbetrage vo»r Mk. 30 9)hUionen be­willigt. Ter Vorsitzende wies in seinem Bericht darauf hin, daß der allgemeine Rückgang der Konjimktur während der letzten Hälfte des Betriebsjahres die überaus befriedigenden Betriebsergebiusse des ersten Semesters fehr lmgünstig beeinflußte, ebenso auch die Herabietzung der Tarife auf dem nordattantijchen VerkehrSgcbiete sowie die große Steigerung der 5iohleiipreise. Trotzdem könne das Resultat ziemlich besricdigend genannt iverden, da der Jahres- geivinu nach Abzug aller Unkosteii einen ltzewinn von 20 Proz. aui das Aktienkapital darstelle und die Verleilimg einer Dividende