Ausgabe 
27.7.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

J21L, Erstts Blatt »S8.J°hrg<m» Montag S7.JuUli»»8

erfd)eini täglich, außer W 'W^ ä Bezugspreis:

Sonntags. - Beilagen: AbkK Wg monatlich 75 Pf., viertel«

o'ecmal wöchentlich M A A AA WB A A A A A A A A A jährlich Mk. 2.20: durch

6lt6cn<rSQmmcnbldt1et; jffl W MM l8V W 4&A-'(bbote- u. Zweigstellen

isiniCRMicr /intMflPfss

wtrtlchastltche Seitsragen ^fc^F &' U W Q W W W M W M W^.i-a V: Zellenpreis: lokchlöPf^

Fernfvrech-Anschlüße r M M V V Ä W ^F 'V abwärts 20 Pfennig.

für die Redaktion 112. wW'^SgiF Verantwortlich

MM General-Anzeiger für Oberhessen MW ßomÄTiouh" NotaNonrdnick und Verlag derSrühNchen Univ.-Vuch- und Stelndruckere«. B. Lange. BedaMsn, Expedition und vruckerel- SchuIstraK« r. l""1'1 ^:r,ütJeJ ______________ u Änielgenteur p. Deck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Was würde eine liberale Regierung in der inneren preußischen Verwaltung tun?

Diese Frage beantwortet der neuerdings viel genannte Husumer Bürgermeister Lothar Schücking in der Hilfe fol­gendermaßen:

Es hat nicht sollen sein! Ter Bann der Reaktion ist nicht gebrochen. Tie Konservativen regieren uns weiter. Seit 1880 werden wir offiziell konservativ regiert. Es gibt viele Leute, die gar nicht wissen, was das bedeutet. Wenn die Menge der Urwähler eine Ahnung hätte, was eine liberale Regierung bedeuten und tun würbe, dann wäre sicher anders gewählt worden. Hat denn eine liberale Regierung in Preußen jemals existiert? Allerdings, von 1871 bis 1879 sind wir in Preußen liberal regiert worden und wer den Borzug hat, Verwaltungsakten zu lesen aus jener Zeit, der wird staunend Parallelen ziehen zwischen damals und jetzt. Es ließe sich ein Buch darüber schreiben; ich will nur einiges herausgreifen.

Eine liberale Regierung ist kulturfeindlich. Ta aber in Preußen die Kultur im 19. und 20. Jahrhundert in der Stadt ist, so ist eine liberale Negierung städtefreundlich. Sie betrachtet die Städte als wertvolle Stützpunkte für die Kultur des Landes. Tie Achtung vor der Stadt und die Achtung vor der Temokratie der Stadt ist das Wesen der liberalen Regierung. In den 70 er Jahren bestand für die Kleinstädte noch nicht das heutige Landraktzjoch. In manchen Provinzen war der Kreisausschuß noch nicht ein­gerichtet als Instanz für die städtische Polizei; der Bürger- ineister erteilte in den 70 er Jahren noch selbständig Wirt­schaftskonzessionen. Tie Schreiben der Regierung gingen an die städtischen Kollegien, man denke, auch an die Stadt­verordneten. Jetzt existieren Stadtverordnete nach außen hin gar nicht mehr. Tie Regierung erleichterte selbst da­mals die Eingemeindungen. Jetzt geschieht das nur im Großherzogtum Oldenburg, nicht in Preußen, wo man mög­lichst verhindert, daß Städte mehr als 10000 Einwohner, eryalten. Tie städtische Ortspolizei war damals noch eine Behörde mit eignen Entschließungen. Es existierte damals allerdings auch schon der Landrat, er gab sich aber ebenso liberal wie die Regierung. Es erging damals nicht ein Zehntel der heutigen Verfügungen an die nachtzeordneten Behörden. Dafür aber gab es Konferenzen, indem der Regierungspräsident sämtliche Bürgermeister der Provinz einlud und mit ihnen Beratungen abhielt! In schwierigen .'lompetenzzweifeln genügte ein Hinweis der Städte auf das Selbstverwaltungsrecht, um die Aufsichtsbehörde zu einer milderen Auffassung zu veranlassen. Ja, die Auf- üchtsbehörde selbst faßte alle Rechte der Städte aus ihre Schulen in Statuten zusammen und gab ihnen feste Gestalt.

Ob der Minister des Innern selbst liberal war? Wenn man die Akten lieft, könnte man es beinahe meinen. Es muß für die preußischen Städte eine schöne Zeit gewesen sein, und sie könnte leicht wiederkehren, denn es leben noch manche ältere Beamte aus jener Zeit, die aus persönlichem Wohlwollen vielleicht jener liberalen Behandlung städti­schen Wesens nicht so abgeneigt sind.

Aber zwischen jener Zeit und heute liegt ein gutes Vierteljahrhundert. Tie letzten Mahlen haben gezeigt, daß der Kurs des Schiffes in dem Fahrwasser bleiben wird, in dem er seit 25 Jahren war. Keine liberale Regierung kommt, um an die 70 er Jahre anzuknüpfen; eine Ber- waltungsreform ä la Zedlitz wird die letzten städtischen Freiheiten zu begraben bald Mittel und Wege finden.

Eine liberale Regierung würde sich um die Gemeinde­grenzen kümmern und, wie die Oldenburger es tut, wirt­schaftlich zusammengehörige Gebiete politisch einigen. Eine liberale Regierung würde die Gemeinde achten und nicht auf Kosten der Gemeinde den Kreis stärken, sondern um­gekehrt die Gemeinden möglichst selbständig stellen, sie aber auch nicht ehrenamtlich verwalten lassen, wozu heutzutage niemand mehr Zeit hat, sondern durch fachtechnisch ge­bildete Berufsbeamte. Eine liberale Regierung würde den unsinnigen Unterschied zwischen Stadt und Land beseitigen, mit dem bei uns regiert wird, hauptsächlich, um die Inter­essen gegeneinander auszuspielen und mit dem Mißtrauen zwischen Stadt und Land Majoritäten in der Kreisvertretung zu gewinnen. Eine liberale Regierung würde nicht das Kunststück fertig bringen, aus der Gemeindeverwaltung die wichtigsten Befugnisse als sogenannte polizeiliche heraus­zusondern und diese selbst in die Hand zu nehmen, zum Schaden und zur Bedrückung der Selbstverwaltung. Eine liberale Regierung würde der Gemeinde die weitestgehen­den Befugnisse in Bezug aus die Schulen lassen, und ferner Einwirkung auf die höhern Schulen des Orts, auch roemt sie nicht Gemeindeanstalten sind. Ter demokratische Ge­danke würde einer liberalen Regierung nicht verächtlich sein. Sie würde deshalb die Bürgerschaft als einen Körper ansehen, der sich als solcher organisieren darf. Bürger­vereine und Bürgerschaftsversammlungen würben Autori­tät unb Selbstverantwortung erhalten. Tie Stadtvertretung wäre dann gesetzlich nicht nur dem Regierungspräsidenten verantwortlich, sondern auch ihren Wählern, der wahlberech­tigten Bürgerschaft. Was könnte eine liberale Regierung nicht alles tun? Und was wird die neubefestigte konservative Regierung mit unS machen! Sie wird die letzten Reste städtischer Freiheit beseitigen, den § 7 des Zustandigkeits- gesetzes, der für die Kleinstädte in gewisser Weise das Land­ratsjoch erträglich macht. Tie Regierungen, lautet eine Lesart über die Verwaltungsreform, sollen abgeschafft wer­den. Tann bleiben nur noch die beidenpolitischen Be­amten", der Oberpräsident und der Landrat, übrig.

Gott schütze dann den Liberalismus in den Gemeinden, -I I Fl III iTirrnmiTTTIII II ""I II UM M*»n»rwry,>»w.|iaW miihimi

Bayreuther Zeitspiele.

Bayreuth, 24. Juli.

I.

Parjisal und Ring, die ständigen Darbietungen Bayreuths, laben in diesem Jahr denLohengrin" als Gefährten erhalten. Mit ihm wurde die Festspielzeit am Mittwoch eröffnet. Schon int Jahre 1894 hatte man Lohengrin in Bayreuth aufgeführt amb zugleich starke Siebenten erregt, ob das frühe Merk für das Festspiell-aus tauge. Zweifellos, für das Herdeckte Orchester ist tiefe Instrumentation nicht gedacht und manche opernhasten Rudi­mente scheinen dem Bayreuther Stil zu widersprechen. Nun, man soll nicht kleinlich sein eine vollendete Lohengrin-Auf- sichrnng ist ein Festspiel. Selbst eine so wenig vollendete wie die gestrige gewinnt durch den genius loci eine besondere Be­deutung, die sich wohl .über den Alltag erhebt. Schon das ge­sellschaftliche Bild, die fröhliche Auffahrt sommerlich gepichter Menschen erweckt rasch eine glückliche Aufnahmefähigkeit, und man Wäre gestern bereit gewesen, Außerordentliches zu erleben. Das blieb nun freilich aus.

Siegfried Wagner hat die künstlerische Leitung der Spiele in seine Hand genommen die kranke Mutter mußte der Ausführung und den Proben fernbleiben. Zweifellos ist der Sohn des Meisters, dessen Kompositionsversuche nur von den unent­wegteren Bayreuthianern hochgeschätzt werden, sehr begabt. Er herrscht aus der Bühne wie int Orchester mit großer Routine, und die Arbeit, die er in feiner Lohengcm-Aufführung geleistet hat, i|t höchst respektabel zu nennen. Freilich außergewöhnliche Züge scheinen völlig zu fehlen. Tas in feiner Zusammensetzung vor­treffliche Orchester hat sich ja auch durch Richters und Mucks Stoben bereits so fest gefügt, datz Siegfried hierin wohl die i:ftefte Hilfe hatte. Aber gerade von dem, was Bayreuth geben Dill eine an sich einwandssreie Darstellung nach treuer Ueber- lieierung, zum Muster und zur stündigen Kontrolle allerAll- vagsbühnen" blieb Siegfried Wagner weit entfernt. Er hat .wohl von Mottl die Vorliebe für langsame Tempi, ohne fliese breite Vortragsart auf so erstaunlich innerliche Weise wie ;ber Münchener Hosoperndireklor beleben zu können. Bläser und 'Länger l-alten ihre Mühe, den Atem für diese ständigen Ver- Meppungen aufzubringen. Auch kleinen, unvermeidlichen Un­ebenheiten sich anzuschmiegen scheint ihm schiver zu werben. Be- Lenklick-er ist aber eine gelegentlich l-ervortr elende Unklarheit in ter Phrasierung. Oft genug wurde die melodische Pointe ver- torben.

In der Rollenbesetzung waltete keine glückliche Hand. Allein Alfred von Bary in der Titelrolle gab trotz starker Jndis- »osiiion eine überragende Leistung als Sänger wie als Dar- ssieller. Seine prachtvolle, echte Tenorstimme behandelt von Bary nit großer Kunst, sein dramatischer Ausdruck ist ebenso schlicht Nie wahr und groß. Auch die Ortrud der Frau Edith Wal­ker i|t eine groß angelegte, mit starkem Temperament und eninentem Können durchgeführte Darbietung. Nur ist ihre um- ftngreiche Stimme für die Ortrud allzu hell und zart gefärbt. Stimmlich war Allen Hinckley ein vortrefflicher König, dem mir alle persönliche Bedeutsamkeit fehlte. HerrGeise-Winkel lieh dem Heerrufer feine schöne, weiche Stirnckre. Dagegen bot Katharina Fleischer-Edel eine wenig anmutende Elsa. So sckchn und wohlgebiloet ihr Material an sich ist, so unbeseelt Gesang unb Spiel. Der Bayreuther Drill nutzt eben bei dem gelehrigsten Lehrling nichts, wenn das künstlerische Eigen­

leben so völlig fehlt. Anders ist es wohl um Max Dawson bestellt, dessen Telramund fast wie eine Karikatur anmutete. Dieser Sänger weiß fein tenoral gefärbtes Material nur höchst unvoll­kommen zu bel-andcln. Tie Leidenschaft seines Spiels aber ist nur eine an das Komische streifende Folge von Verzerrungen.

Man sieht, cs gibt mancherlei zu tadeln, wenn man die höchsten Anforderungen stellt. Und wo dürste man sie stellen, wenn nicht in Bayreuth? Manches hat man eben wirklich an anderen Orten vollkommener, gehört.

Auch die Inszenierung bot nichts, was über die Kon­vention hiirausginge, und die aus den Bayreuther Stil erpichten Regisseure leisteten sich öfters das Vergnügen, Solisten und Chor kühn in das Publikum fingen zu lassen.

Und doch war auch an dieser vielfach unzureichenden Dar­stellung etwas Besonderes. Das frische und fröhliche Zusammen­arbeiten aller Faktoren ist auch heute noch in Bayreuth das eigentlich belebende Element. Besonders Lob verdient der von dem Berliner Chordirektor Rüdel einstudierte Chor. Wie klang­schön int Gesang, wie temperamentvoll und interessant im Spiel! Und da der Chor eben im Lohengrin doch eine Hauptrolle spielt, so trug er in erster Linie zum günstigen Gesamteindruck bei, den diese Lohengrin-Aussührung hervorgerufen hat, und bewirkte zum Schluß einen lebhaften Applaus.

II.

War der gläubige Bayreut^Pilger im Lohengrin recht wider Millen gezwungen, Vergleiche anzustellen, die nicht immer zu Gunsten der Festspielleüung aussielen, so gab eS am zweiten Abend in der Ausführung des Parsifal Darbietungen, die uits locit über alle Lust am Kritteln hinaushoben und eine rest­lose künstlerische Erschütterung bewirkten. Der erste Akt bot in seiner Gesamtheit Vollkommenes, wie es eben wirklich nur Bay­reuth geben famu Alle Müh,al des Einstudierens war überwunden. Künstlertum schien heiligstes Priestertum geworden zu fein. Ter Ungläubige wurde hier durch heilige Symbole ewigen Lebens tief bewegt und sah für Augenblicke in Welten jenseits des Theaters, jenseits des Guten und des Bösen. Es war nicht mehr die tyrage: wer singt, wer dirigiert. Und erst in der Stunde des Niederschreibens greift der Rezensent nach dem Theaier- zeUel, um zu erfahren, um sich zu erinnern, daß Felix von Krau den Gurnemanz, Clarence E. Whitehill den Am- sortas, Frau Leffler-Burckhardt die Kundry gelungen hat, daß Muck dirigierte. Aber nicht nennen kann man die namen- lo]en Herrschaften vom Chor und Orchester, die nicht minder ehr­fürchtig und ergreifend ihres Amtes gewaltet hatten.

Aber ach, ivelch grausamer Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Akt. Zwar muß man wiederum der musikalischen wie der rein dramatischen Ausgestaltung das höchste Lob zollen. Wer wir haben leider nicht nur Ohren zu hören, sondern auch Augen zu sehen. Einzig Frau Lesfler-Burckhardt gab den Augen ungetrübten Genuß. Sie gab der Kundry eine reiche Seele, die wir aus Augen, Lächeln und Geberde lasen. Nie trat die Verführung milder, innerlick-er an die Unschuld. Nicht grobe Sinnlichkeit, nein zarteste, von heimlichem Schmerz bewegte Liebenswürdigkeit verführte die Zuhörer nur nicht Herrn Bur- rian, der dazu verurteilt war, den Parsifal zu fingen. Ver­urteilt, denn es gibt nichts traurigeres für einen Sänger und Darsteller als eine Rolle spielen zu müssen, zu der feine Er­iche in mrg in stärkstem Gegensatz steht. In dieser kleinen dick­lichen Gestalt, dem klugen, aber unschönen Gesicht mit der be­leidigenden. Lockenperücke den rei n Toren vermuten zu lassen.

Wenn sich diese beiden politischen Bcan'.tcn feiner nnnchmen und die Städte dem Landrat unterstellt werben. Ter Kui- turforlschritt der Städte wirb dann wohl etwas unter­bunden. Wer das ist ja Absicht!"

Gegen den Verfasser dieser freimütigen Betrachtungen soll ein Disziplinarverfahren auf Amtsentsetzung eingelei­tet Worden sein. Veranlassung hierzu hat folgendes ge­geben: Vor etwa drei Monaten erschien anonym eine kleine Schrift, die ein nicht gewöhnliches Aufsehen machte. ES war eines der Bücher, die immer Aufsehen machen: c» behandelte einen Mißstand, der in aller Munde ist und über dessen Tasein sich nicht streiten läßt; es behandelte ihn aber so, daß der Leser mit Vergnügen empfand: der schöpft auS dem Vollen, der weiß, wo bic Glocken hängen; waS aber besonders zu dem Buche hinzog, war die lebendige und anschauliche Art, zu schildern und zu erzählen. Tas Buch hieß: Tie Reaktion in der preußischen Verwaltung, der Verfasser hüllte sich in die geheimnisvolle Andeutung: X. V- in Z. Ter Verfasser blieb aber nicht verborgen; ähnliche Gedanken legte er in ähnlicher Form unter seinem Namen der Oeffentlichkeit vor; so entdeckte man hinter dem L. P. in Z. den Husumer Bürgermeister Lothar Schücking. Von diesem Manne sagt nun ein nüchternes Blatt, wie dieKölnische Zeitung":Wir sind unverdächtig, mit Lothar Schücking, der sich zu der sozialliberalen Richtung zu halten scheint, am selben Strange zu ziehen; von seinen! Buche aber muß jeder Liberale sagen, daß es eine verdienstvolle Arbeit ist, ein gutes Rüstzeug im Kampfe mit der Reaktion. In manchen Nebendingen, z. B. in seinen Spitzen gegen das Korpsstubententum, mag der Verfasser des Guten zu­viel getan haben; im wesentlichen hat er ins Schwarze getroffen, wenn er nach allen Richtungen hin den Polizei­geist unserer Verwaltung matt, den Wahn vieler Verwal­tungsstellen geißelt, Wir befänden und noch in einem Feudal­staat, in dem man es mit Untertanen und Bürgern zweiter Ordnung zu tun hat. Eine solche Schilderung mag vielen unerquicklich unb unlieb sein: wir möchten aber vorderhand nicht glauben, daß sie den Anlaß zu einem Tisziplinarver- fahren auf Amtsentsetzung abgeben soll. Wie einige Blätter wissen wollen." Es wird in der Tat schwer, zu glauben, daß man einen Mann, wie Schücking, der in feinen Urteilen sich als so kenntnisreich und verständig erweist, selbst in Preußen kaltstellen könnte.

Finanzpolitik und kriegerische Rüstungen.

Bei der dritten Lesung des Finanzaesetzes im englischen Unterhaus übte Auston Chamberlain (Kons.- Kritik an der Finanzpolitik der diegierung. Er wies dabei auf die war­nenden Worte hin, mit denen Lord Cromer vor kurzem ün Oberhause die Notwendigkeit betonte, für einen möglichen europäischen Konflikt Vorsorge zu treffen. Schatzlanzler Lloyd-George erwiderte, er erinnere sich keiner Zeit, in der die Lage in Europa nicht ernst gewesen sei. (Heiterkeit.)

wird schwer. Aber Burriau, der sonst Vor.r.'fflich.'s icifict, liegt der Parsifal auch nicht stimmlich. Tas Bedenklichste, ja das Un­begreiflichste ist jedoch die Dekoration, die z>var nun feit 26, Jahren dieselbe ist, aber mit jedem Jahr geschmackloser wird. Tie Getreuen Wahnsrieds behaupten zwar, sic sei unantastbar, da sie vom Meister selbst gewissermaßen entworfen sei. Aber Wagner war schließlich fein genialer Maler, und es ist nicht eine Wand­lung, sondern ein Fortschritt unseres Geschmacks, wenn wir diese Blumenaufmachung einfach nicht mehr vertragen.

Der letzte Akc gab wieder schlechthin Vollkommenes. Konnte auch Burrian seinen Helden nicht recht glaubhaft machen, so war doch das Gesamtniveau des dramatisch-musikalischen Aus­drucks auf so reiner Höhe, daß die Kritik gern schweigt, um restlos zu bewundern.

Der 80. deutsche Naturforscher- undAerzte- t a g wird in Köl n vom 20. bis 26. September lagen. In den Hauptatlsschuß der Kölner 9taluriorfd)er- und Aerzte-Versammlnng hat sich auch der Kultusminister Tr. Holle ausnehinen lassen, ebenso der K a r d i n a l F i s ch e r in Köln. Es ist wohl das ev|ic Mal, daß der höchste Würdenträger der katholischen Kirche in Deutschland an einem Naturforscher- und Aerztetag teilnimml. Auf dem Pro­gramm steht u. a. ein Vortrag des durch die Erfindinig des lenk­baren Militärluftballons bekannt gewordenen Majors v. Parseval überM otorballon unb Flugmaschin e". Ferner werden u. a. sprechen Pros. Tr. Miene r-^eipzig (ftüher in Gießen- über die Entwickelung der Farbenphotographie" und Prof. Tr. Cricb Kayser-Gießen überdie Entstehung des Rhemtales".

Eine große T h e a t e r a u s st e l l u n g in Rom, in der die Entwicklungsgeschichte des Dramas in einer langen Reihe von Aufiührungen veranschaulicht werden soll, wird im Jahre 1911 anläßlich der italienischen Unabl-ungigtei.s'ciw von dem Gras-n von San Marttno und dem Direttor Hugo Falena im Argentina- Theater veranstaltet werden. Griechische und römische Tragödien, die Mysterienspiele des Mittelalters, die luftigen Komödien des 16. Jahrhunderts werden hier neu auferfteben bis hinauf zu den Tragödien von Alfieri, den witzsprühenden Lustspielen Goldonis, den Werken Gozzis. Ter italienische Zyklus gipfelt dann in der Moderne, in einer Aufführung von d'Annunzios Tragödie über den Ursprung Roms und in einer Komödie Rovettas, die ein Motiv aus dem Risorgimento behandelt. Der Plan aber um saßt auch die außeritalienische Theaterkunst, ein englischer Zyllus, der von Shakespeare bis zu Shaw und Pinero führt, ein spanischer der von Calderon und Cervantes bis zu Eschegaray geht, ist in den umfassenden Plan ausgenommen. Ebenso wird eine deutsche S e r r e zur Auffüllung gebracht, die mit Schiller und G o e l h e einsetzt und mit Hauptmann und Sudermann abschliej.t Em fünfter Zyklus wird die Geschichte des französischen Dramas von Grrngvrre bis zu den modernsten veranschaulichen, und end­lich werden auch die nordischen Dramendichter durch Ibsen und Biornion oertreten fein.

K l e in e K u n sich rouik. TieZweite badische K a m in e r bepr<?ft arm 251 b§- öie Frage des H e i d e l d e rg e r S ch l o s j e s J1? 2? ft einer Forderung von 20 000 Mk. für die Instandhaltung des Skulpturenschmuckes am Otto-Heinrich-Bau. Nach längerer Debatte wurde die Forderung mit allen Stimmen gegen die des Demokraten Venedey genehmigt. Gustav Frenssen weilt gegenwärtig zur Erholung in Bad Orb bei Hanau und ist dort mit einem neuen Roman beschäftigt, dem ein stilles Waldtal des Spessarts zum Hintergrund dient.