lWyaMng von Wandervö'rträgeii usw. 4000 M., Förderung ber Lmdwirchchaftlichen Btichführung 5000 M., Hcushaltungsschulen 6000 M., für Beratnng kleinbäuerlicher Wirtschaften 3000 M., Zuschußbedars der landwirtschaftlichen Zeitschrift und der landwirtschaftlichen Korrespondenz 10000 M. An diese Position knüpft Mim-Rat Usingen die Bittre, im nächsten Etat die Einnahmen und Ausgaben der Korrespondenz getrennt aufzuführen. Geh. Rat Haas bemerkt dazu, daß oies geschehen werde, gibt auch die einzelnen Posten naher an. Weiter werden bewilligt: Für Preis- nvtierungsftelle 700 M., Masch in^nprüftlng 1500 M., Förderung des landwirtschaftlichen Bauwesens 4000 M_, Rechtsauskunfts- dienst 3000 ÄL, Ärbeiternach-weisdienst 3000 M.
Zur Ford erung der Tierzucht werden bewilligt: Für .zentrale Veranstaltungen 4000 M.. zur Förderung der Pferdezucht 28 000 M. Diese Summe ist bestimmt für Körung, Schauen und Prämiierungen, Fohleneinfuhr, Pscrdemärlle, Fohlenweiden und Tummelplätze. Zu der Position bittet Oberlandesstallmeister von Millich, die Pferdezucht im nächsten Etat weniger stiefmütterlich zu behandeln. Die Pferdezucht sei. äußerst wichtig für die ganze Landwirtschaft und Hessen konkurriere stark mit den Nachbarländern, z. B. mit der Rheinprovinz; dort wurden aber im letzten Jahr für Pferdezucht 70 000 M. und in der Provinz Westfalen 84 000 M. ausgegeben. Er bitte, auch die hehifche Pferdezucht in Zukunft kräftiger zu unterstützen. Vorsitzender Geh. Rat Haas hebt hervor, daß der Staatszuschuß in Preußen überhaupt viel höher sei, als bei uns. Der gute Wille sei ja auch bei uns vorhanden, denn ber bisherige Zuschuß von 17 800 M. sei ja auf 28 000 M. erhöht worden. Bürgermeister H a h n - Heßloch wünscht, daß die bei dem Posten Haushaltungsschulen für die Schule in Alzey gestrichenen 3000 M. zum Besten des rheinhessischen Weinbaues verwendet werden. Was tun die Land- wirtfajaststammern für den Weinbau überhaupt?
Landwirt Schuck - Schwabenheim schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Auch Bürgermeister Keller-Spießheim verlangt, daß die 3000 M. ausschließlich für die Provinz Rheinhessen reserviert bleiben; während ein Antrag Fritsch- T-llshofen die 3000 M. bent Staatszuschuß für Pferdezucht hin- zugefügt wissen wlll. Dieser Antrag wird jedoch von der Ver- samnllung abgelehm und der Betrag von 28000 M. sür Pferdezucht genehmigt.
Zur Förderung der Rindviehzucht werden 90000 M. verlangt; wovon auf Starkenburg 28 800 M., auf Oberhessen 38 700 M., auf Rheinhessen 22 500 M. entfallen sollen.
Zur Förderung der Schweinezucht werden 14 000 M. verlangt; wovon auf Starkenburg 4480 M., auf Oberhessen 6020 <M. und auf Rheinhessen 3500 M. kommen. Zur Förderung der Ziegenzucht 9000 M., zur Förderung der Geflügelzucht 5500 M., zur Förderung der Bienenzucht 500 M., zur Förderung des Obst-, Wein-, Gemüse- und Gartenbaus werden für Zentralveransraltungen wie im Voriahr 4000 M. und für Veranstaltungen in den Provinzen zusammen 18 000 DL beansprucht. Darunter befinden sich für Weinbau in Rheinhessen 6000 M. Zur Förderung der allgemeinen Landeskultur, der Bodenkultur und sonstiger Zweige der Landwirtschaft 17 800 M., (hiev wurden auf Antrag von Lutz-Elpenrod noch 2200 SOL mehr bewilligt), für Ausstellungsweseu 15 000 M. u. für Betträge an andere Körperschaften 2000 M. Für Verwaitungsivsten wuroen für die Zentrale 32000 M. und für Verwaltung der Ausschüsse tu den drei Provinzen 24 500 SDL, für fachliche Verwaltungstosten 12 400 M. usw. bewttligt. Tarau, wurden die Verhandlungen Abends
Uhr abgebroären.
Nächste Sitzung: Dienstag früh 9 Uhr.
vom Südmger Urach.
Man schreibt uns aus Büdingen vom 23. März: Heute Iroucbe in dem Konkursverfahren über das Vermögen des Bankiers Hofcat Rothschild (Firma Wertheimer und Cie.) die erste Gläubigeroersammlung abgehalten. Nach einem Berichte des Konkursverwalters ist der Grund des Bankzusammenbruches in der ungenügenden finanziellen Fundierung des Unternehmens, wie auch in großen Verlusten zu suchen, die Rothschild bei seinen Spekulationen in Goldminenwerten erlitt. Diese Verluste haben rund 500 000 Mk. betragen. Angemeldet an Forderungen sind bis jetzt rund l1/^ Millionen Mk., denen an Aktiven sehr geringe Beträge, im günstigsten Falle etwa 75 000 Mk. gegenüberstehen. Die grüßte Forderung hat der Vorschuß- und Kreditverein Ober- Mockstadt mit 711264 Mk. angemeldet. Allerdings wird von der Rothschildschen Konkursverwaltung eine Gegenforderung von etwa 300 000 Mk. geltend gemacht werden. Weiter haben Forderungen neu eiligereicht: Die Stadt Büdingen 82 800 Mk., die Vorschußkasse Gedern 5000 Mk., die preußische Hypotheken-Attienbank 5000 Mk., die fürstlich Jsenburgische Rentkammer Büdingen 21 870 Mk., die Fürstin- Mutter m Büdingen 29 500 Mk., Fürst Wolfgang zu Isenburg-Büdingen 12 400 Mk., die Prinzessinnen Marie, Helene, Hertha und Anna zu Isenburg-Büdingen Beträge von je 5000 — 6000 All. u.s.f. Als Konkursverwalter wurde Rechtsanwalt Keil-Büdingen gewählt, da der bisherige Konkursverwalter Rentier Griesmann-Büdingen um Entbindung von diesem Amte gebeten hatte. Der Glänbiger-Ausschuß wurde um 2 Personen verstärkt. — Wie Rechtsanwalt Dr. Sandmann-Hungen, der Verwalter im Konkurse über das Vermögen des Ober-Mockstädter Vereins, im Verlaufe der Verhandlung mitteilte, hat eine Firma in Schotten an dem Mockstädter Verein eine Forderung von 300000 Mk. geltend gemacht.
Aus Stadt und Land.
0) i c b e h, 24. März 1908.
Tageskalender für Dienstag, 24. März. Stadt- tHeatern Panne. Anfang 8 Uhr.
*
* * In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dein Groß Herzog am Samstag u. a. Kulturinspektor Wallet cmS Gießen; ferner in besonderer Audienz Fürst und Graf zu Erbach-Schönberg und der Kgl. Preußsiche außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Frhr. v. I e n i s ch.
* * Justizpersonalien. S. K H. der Großherzog haben den Amtsgerichtsrat in Mainz Rummel zum LandgerichtSrat, den Amtsrichter in Alzey Jos. Rau zum Amtsrichter in Mainz und den Gerichtsassessor Herrn. Deibel aus Gießen zum Amtsriclster in Lauterbach ernannt und den Handelsrichter in Darmstadt Ludw. Trier auf sein Nachsuchen von seinem Dttust enthoben. Ernannt wurden die Gesangenwärter am Landeszucht- haus Marienschloß Val. Dors am, Andreas Schort Phil. Groß, Gg. Gandenberger, Phil. Bauer, Jak. Reinhard mw Gg. Lösch zu Gefangenaufsehern.
* • Lehrerpersonalien. Überträgen wurde dem Lehrer Friedrich Möning zu Angenrod eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klem-Linden. — Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Busenborn. Mit der Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden.
— Aus dem Militär-Wochenblatt. Befördert zu Oberleutnants: die Lts. der Res.: Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim (Worms) des 1. Garbe-Drag.-Regts. Königin Viktoria von Großbritannien und Irland, An schütz (I Darmstadt) der Landwehr 1. Aufgebots der Telegraphentruppen, Scholz (Mainz) der Res. der Feld-Artt-Schieß-
fchule; — zu St5. der Res.: die Vizefeldwebel, bezw. Vize- wachtmeister: Wagner (Kiel), des Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Großh. Hesi.) Nr. 118, Monscheuer (Mainz), des 3. Lothr. Jnf.-Regts. Nr. 135, Kessler (Frankfurt a. M.), des Leib-Drag.-Regts. (2. Großh. Hesi.) Nr. 24; — zum Rittmeister, bezw. Hauptmann: Klumpp (Worms), Oberlt. der Landw.-Kav. 1. Aufgebots, Dittmar (Gießen), Oberlt. d. Res. des Fuß-Art.-Regts. General-Feldzsugmeister (Brandenburg.) Nr. 3. — Abschiedsbewilligungen: Schüz (I Darmstadt), Oberlt. d. Landw.-Jnf. 2. Aufgebots, Badstübner (Friedberg), Lt. der Landw.-Jnf. 2. Aufg.
• * Eine Sitzung des P r o v inz i a l - A u ssch usse s sindet am Samstag den 28. d. M., nachm. 4 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: Enteignung von Gelände für die Erbauung eines SchulhauseZ zu Büdingen; hier Antrag auf vorläufige Besitzeinweisung.
* * Die allgemeine hessische Beamten-Sterbe- kasse hält ihre 6. Mitglieder-Versammlung am 5. April in Darmstadt ab.
“• Sie Gießener Rudergesellschaft von 1877 versandte dieser Tage ihren Bericht über das 80. Jahr ihres Bestehens. Nach dem Bericht eröffnete die Gesellschaft am 17. März d. I. das Bootshaus imd Damit die Rudersaison, die offizielle Eröffnung oder das Anrudern fand am 20. Mai statt, an welchem Tag Herr Krailing in Anbetrachl seiner 25jährigen Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied ernannt luuröe. Emen unersetzlichen Verlust erlitt die Gesellschaft durch den Tod ihres Ehrenvorsitze>iden Jean Kirch, dem der Bericht einen herzlichen Nachruf widmet. Tie aktiven Ruderer beteiligten sich an 4 Regatten und es gelang der akademischen Mannschaft, drei Preise zu erringen. Die Gesellschaft Halle am Anfang des Jahres 225 und am Schluß 216 Mitglieder, davon waren 70 ausübende und 173 unterstützende Mitglieder. Bis zum Schluß der Regattasaison war die sportliche Tätigkeit sehr rege. Nach dem Fahrtenbuch waren von 35 darin eingetragenen Ruderern die Herren H. Noll mit 149 Fahrten und 884 km zurückgelegte Strecke und H. Kühn mit 137 Fahrten und 807 km die Er- rmger der Kilonieterpreise. Bei den besuchten Regatten wurden ein Ächter- und 8 Vierer-Rennen gemeldet; bet 7 Rennen startete die Mannschaft, davon dreimal siegreich. Die Zahl der gewonnenen Preise stieg auf 69. Tas Remiboolsmalerial bestaiid ans einem Achter, 3 Vierern und 1 Skiff, außerdem waren an Schulboolen 1 Gigoierer, 1 Schuloierer, 1 Dollerwierer, 1 Schulzweier und 1 Tollenzwcier vorhanden. Dazu tarnen im Laufe des Jahres em weiterer Schulvierer und ein von Herrn H. Klingspor gestiftetes Vergnügungsboot. Die finanzielle Lage der Gesellschaft ist gut, die durchgeführte Erhöhung der Beitrage der unterstützenden Mitglieder brachte erfreulicherweise die besürchteten Auslrilte nicht in dem erwarteten Umtang, so daß die Gesellschaft jetzt besser als seither ihre sporilichen Aufgaben erfüllen kann.
* * I li der G a st w l r t e - A il s st e l l u n g wird bereits mit dem Aufbail der Ausstellungsobjekte begonnen. Das Bureaii der Ausstellung, das 'sich bisher im Hotel Einhorn befand, ist in das Ausstellungslokal (Turnhalle 1. Etage) verlegt worden. Wir werden von der Ausstellungsleitnng gebeten, besonders darauf aufmerksam zu machen, daß der Zutritt zu den Ausstellungsräumen Unbefugten streng untersagt ist, daniit die Aussteller nicht gehindert werden und um etwaigen Unglücksfällen vorzubeugen, die sich bei dem großen Trubel, den vielen Kisten und Kasten leicht ereignen können. — Die gestifteten Ehrenpreise, soweit sie bereits eingetroffcn, find in dem Schaufenster der Kürschnerei und Rauchwarenhandlung A. Kretzschmar, Marktplatz, ausgestellt.
* * Zum Bericht über das Konzert des Sangcr- kranzes. Infolge eines Versehens ist aus unterem gestrigen Bericht über das letzte Konzert des Sängertranzes leider der Hinweis auf das außerordentlich schone Violinsolo des Herrn Schatt- ter fortgeblieben. Herr Schöttler spielte Spohrs Violinkonzert Nr. 8 technisch meisterhaft und tiefem Empsüiden und Ausoruck. Herr Schättler hat sich durch sein vortreffliches Spiel im Musikleben unserer Stadt schon längst eine hervorragende Stellung erworben.
* * Ermittelt. Tie Diebe, die in der Nacht vom 20. auf 21. l. Mts. das Wasscrhäuschen erbrachen intb ausraubten, sind ermittelt worden. Es sind 4 Burschen im Atter von 13 bis 16 Jahren. Sie hatten sich in einem1 alten leeren ftäbt Anwesen bei ber Margarethen Hütte häuslich eingerichtet, und den Raub dorthin gebracht. Alle vier sind bereits vorbestraft, gegen den ättesten davon, der auch 5er Anführer war, schwebt noch ein Verfahren wegen einer Anzahl schwerer Diebstähle. Daß die Burschen auch am Tage sich die Zett zu vertreiben verstanden, geht daraus hervor, daß sie an einem ftäbt Gebäude die Dachziegeln teils mit Steinen entzwei warfen, tetts herunter warfen und demolierten. Nachts schliefen sie in Eisenbahnwc.gen.
* * Neuer Truppenübungsplatz? Von verschiedenen Setten sind, wie die „Köln. Ztg." hört, Bewegungen und Vorarbeiten imi Gange, um den Kriegsminister dafür zu gewinnen, baß im Kreise B leben ko ps (Hinterlandkreis) ein Truppen- üvungspla tz angelegt wird. (£§ käme dafür besonders die Umgegend des Dorjes Bott en Horn in Betracht. Der Vorstand des nationalliberalen Wahlkreisvereins in Siegen — ber Kreis Biedenkopf bildet mit Siegen einen ReichStagswahlbezirk — hat die Sache in die Hand genommen und wird dem Kriegsminister bemitädift eilten Plan unterbreiten. Von ber Verwirklichung verspricht inan sich für die zum Tett recht armen One tm Hinterland mancherlei finanzielle Vorteile.
** Das Feld berg-Turnfest findet am 1 4. Juni statt. Wettübungen sind Freihoch, Weilhoch, Kugelstoßen (zehn Kilogramm) und Wettlaufen (100 Meter).
x Große n-Buseck, 22. März. Am Samstag fand im Saale des Gastwirts Siegfried eine gut besuchte am «.semitische Veriauvmlung statt. Oberlehrer Dr. Werner referierte über die politische Lage und das Programm ber deutschsozialen Partei tn V/a ftiinbigcr Rebe, oftmals von Beifall unterbrochen. Der Vorsitzende, Landwirt Karl Dörr, stattete dem Redner Dank ab. Ta sich kein Diskussionsredner meldete, sprachen noch die Herren Thomas Reuther und Lehrer Kling aus Gießen.
+ Ettingshausen, 23. März. Mir dem B a h n b a u Grünberg — Lich ist jetzt auch in ber 9cähe unseres Torfes bei bet Kvüwnmühle und Sommersmühle begonnen worden. In ben nächsten Tapen sollen ca. 50 italienische ©rbaxbetter an kommen. Die Hosrette, bte bie Gemeinde zwecks Anlage der Bahnhofstraße angetauit hat, roiro gegenwärtig abgebrochen. — Hohe Holzpreise wurden bei den Holzver st eigerungen erzielt. Ter Meter Bnchenscheitho^ ästete 9—10 M., Buchenpvügel 7—8 M., Kiefern- unb Tannenholz 3,50—4,50 M.
sb. Rüsselsheim, 23. März. Ein Raubansall würbe am vergangenen Samstag auf ber Landstraße zwischen Rüsselsheim und Wallbors begangen. Als ber Arbeiter Cesonnc Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr mit einem Geldbetrag von ca. 200 M-, die er in Rüsselsheim gehott hatte, den Wald vor Walldorf passierte, wurde er von einem ans dem Dickicht Eommenben Unbctannten in Arbeiterkleidcrn angehalten und ihm das Geld abgesordert. Er setzte sich zur Wehr, bis ein des Wegs kommender Radfahrer ben Räuber verjagte. In ber vorhergehenden Nacht touiDe" in Walldorf durch einen bisher nicht festgestellten Einbrecher -eine ganze Anzahl Einbrüche in Wirtschaften und Spezerei- laden verübt Er erbeutete aber nur einzelne Pfennige. Hian hat noch keine Spur von rhur.
— Ntain z, 23. März. Die Angelegenheit der Gehaltsregulierung unserer städtischen Beamten ist jetzt so weit gediehen, daß die Stadtverordneten in den nächsten Tagen darüber beschließen werden. Die an der Gehaltserhöhung beteiligten Kreise sind besonders darüber erfreut, daß die
Aufbesferung mit Rückwirkung bis zum 1. April 1907 erfolgen soll.
Hanau, 23. März. Die Meldung einiger Blätter von einem Besuch des Königs von England am landgräflich-hessischen Hofe in Philippsruh trifft nicht zu. Wie das Hofmarschallamt Philippsruh mitteilt, ist dort von einem solchen Besuch nichts bekannt. (Frf. Ztg.)
[| Marburg, 23. März.
Das Schwurgericht beschäftigt sich heute zle zunächst mit einer Anklage wegen Straßenraubs gegen die Arbeiter Georg K a l e s ch aus Langenstein im Kreise Kirchhain, zuletzt wohnhaft in Gießen und Niederwöllstadt, uiib Johannes B o r n aus Kappel im Kreise Marburg. Am Abend des 31. August vor. I. hallen die beiden sich hier umherireibenden Burschen ausgekund- schaitet, daß der Taglöhner Joh. Beilborn aus Unterrosphe mit seinem Arbeitslohn in Höhe von 30 'Mk. spat abends nach Hause fuhr. Sie reisten dann mit und fliegen auch in Sarnau aus. In unmittelbarer v.ähe von menschlichen Wohnungen im Torfe Göttingen warf Kalesch den Beilborn zu Boden und nahm ihm das Geld ab. Tein Born gab er später 5 Mk. davon. Jir der heutigen Verhandlung war Born geständig, Kalesch jedoch leugnet ganz entschieden. Bemerkt sei, daß der letztere außer anderen Vorstrafen zuletzt in Gießen zu 4 Monaten Gefängnis verurieilt worden war, weil er einem Arbeiter in Wißmar bas Portemonnaie gestohlen hatte. Kalesch würbe schließlich wegen Raubs zu fünf Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust, sowie Stellung unier Polizeiaufsicht unb Born wegen Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
'Tas Duell als Schauspiel. Von bem bereits gemeldeten Duell zwischen den russifchen Generälen Fock und Smirnoff, das am letzten Mittwoch in Petersburg ausgefochten wurde, werden noch einige Einzelheiten bekannt, die em seltsames Licht werfen aus die Art und Weise, in der die russische Gesellschaft den Zweikampf beurteilt. Ter Oberst des Leibgarderegiments stellte die Reitschule zur Verfügung. Der Gegner und bie Stabsärzte bes Regiments würben angewiesen, zu bent bevorstehenben Zweikampf bie nötigen Vorbereitungen zu treffen. Eine Anzahl Herren vom Oifizierkorps und vor allem eine Anzahl Damen der Gesellschaft wollten um feinen Preis bas Schauspiel versäumen, unb kurz vor zehn Uhr erschienen sie in ber Reitschule unb nahmen bie Plätze em, bie ihnen einen guten lleberblicf über bie Ereignisse verhießen. Um zehn Uhr erschienen bann bie beiden Duellanten unb ohne sich zu grüßen nahmen sie, bleich und den Ausdruck grimmiger Entschlossenheit in den Gesichtern, jeder seinen Revolver in ber Hand einander gegenüber Ausstellung. Auf das gegebene Zeichen Jeuerte Fock, unmittelbar darauf Smirnoff und der Widerhall beider Schüsse mischte sich in der Halle. Aber nun entspann sich ein regelrechtes F e u e r g e f e ch t, die Gegner schossen mit wachsender Schnelligkeit einer nach dem andern, und erst als nach dem siebenten Schüsse General Smirnoff stöhnend zur Erde sank, ertönte das Halt der Sekimdanten. Nach dem Zweikampf verließ das Publikum im lebhaften Gc'präch die Halle und die Erregung steigerte sich, als man hörte, daß infolge dieses Ausganges der General Garbotoffsky nun auch seinerseits ben General Fock gesorbert habe. — Der ruf). Kriegsminister hat aber bas Duell zwischen ben Generälen Fock unb Garbotoffsky verboten nut ber Begründung, daß Fock während der Belagerung von Port Arthur Gorbotofsskys Vorgesetzter war.
* Die Verhaftung eines Pariser Großfpeku- lanten. In Paris ist am 23. März ber 32 jährige Spekulant Rochette verhaftet worben, ber im Laufe weniger Jahre über ein Tutzenb inbuftrieHer uiib finanzieller Unternehmungen ge-> grünbet hat. Larunter eine Banque Franco-Espagnole und eine Marokkanische Fischeveigesellfchaft, für welch letztere er auch einige politische Persönlichkeiten zu gewinnen wußte. Rochette soll für mehr als 80 Millionen Frcs. Aktien audgegeben haben, bereit Kurse er Lurch Vsröffentlichung gefälschter Ausweise und Reklamen außerordentlich in bie Höhe zu treiben verstand ui» von denen mehrere, heute eine fast bollftänbige Entwertung erfahren haben. Unter ben Geschäbigten befinden sich Tausende von kleinen Sparern, welche Rochette durch eigens von ihm ausgo- gebene Finanzbllttter anzulocken wußte. Rochettd war in seiner Jugend Kellner in einem Lahnhossrcstauraur gewesen. Seine Verhaftung erfolgte unter ber Beschuldigung des Vertrauensbruches, bei: Veruntreuung nnb des Betruges. Ter „Matin" gibt 150 Millionen Fres. als bic Ziffer bes Nominalwertes der Papiere des verhafteten Finanziers N. an. 9ioch-ettc bezahlte glänzende Divibenpen. sodaß bie Zierden ber Pariser Börse ihr eigenes Geld bei seinen Unternehmungen plazierten unb ihre Klienten zur Teilnahme animierten.
Kleine Tageschronik.
Der Bürgermeister Schott von Hermannspiegel ist im Hochwasser nmgekommen. Er war in Geschälten in sieglos gewesen nnb trat in ber Dunkelheit ben Heimweg an. Dabei ist er vom Wege abgekommen, in bie Haun geraten unb im Hochwasser ertrunken. Die Reiche lunrbe an ber Emmünbung der Eitra in die Haun aufgciimbcii.
Infolge Ueberlasiung ging ein auf dem Ratzeburger See verkehrendes Fahrboot mit 14 Insassen 100 Meier von der Landungsstelle entfernt, unter. Von der Besatzung erreichten nur 5 Mann schwimmend das liier. Die übrigen 9 Personen sind ertrunken.
Dem Truck ber öffentlichen Meinung nachgebend, hat die Behörde fetzt den Oberlehrer Fan bei vom Sophien-Real- gymnasium zu Berlin, dem ein Verschulden an dein Selbstmord des Schülers Dt a t t h e u s zum Vorwurf gemacht wird, vom Dienste suspendiert. — Auf den prüft Arzt Dr. Markuse in Berlin versuchte in dessen Ordmationsstunde em anscheinend wahnsinniger junger Dtanii m obrere R e - voloerschüsse abzugeben, von denen einer dem Arzte eine leichte Streifverletzung beibrachte. Des jugendlichen Attentäters Frau ist tm Wahnsinn gestorben.
In Neapel erregt tue Verhaft u n g des PatersVale- riano Aussehen. Er ivar der Beichtvater des verstorbenen Herzogs von Aionsorte und stahl nach dessen Tode Familien-I u w eien und fremde Titres im Betrage von 300 000 Fres.
Nachrichten.
3n der Ltadtkirche. Mittwoch den 25. März, abends 6 Uhr: 4. Pajsions-Andacht. Pfarrer Schwabe.
Voraussichtliche Wittcrilug für Hesse» am Mittwoch den 25. März 1908: Fortdauer der heiteren und trockenen Witterung, Am Tage warm, nachts kalt. Oestlliche Winde.
GrigLttaL-Dr-ahtinetdungen.
Detmold, 24. März. Die Regierung des Fürstentums Lippe-Detmold hat dem Landtage gestern ein neue8 Bolksschulgesetz vorgelegt. Bedeutsam an dem Entwurf ist die Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht die Schaffung einer Ober-Schulbehörde anstelle des Konsistoriums, die Anstellung von zwei praktisch und theoretisch oorgebildeten Schulmännern als Schulinspektoren anstelle der Geistlichkeit. Em Gesetz, das den Zwang zur Uebernahme kirchlicher Dienstleistungen ansschließen wird, soll dem Landtag' demnächst zugehen.
Lüttich, 24. März. In der Elektrizitäts-Zentrale explodierte ein Dampfrohr, wodurch sämtliche Dynamos unter Wasser gesetzt und außer Betrieb gesetzt wurden. Während 5 Stunden waren bie Theater, Casös, Restaurants sow» die Straßen ohne Licht.


