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24.3.1908 Erstes Blatt
 
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9te.71 Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Dieastag ST.März 1S08

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ess? General-Anzeiger für Oberhefsen WW »nuayme von Anzeigen V * d V » rn. Land" und.Gerlchts-

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pouiiHiug» iv ugc. , 1 * u Anzeigenteili H. Beck,

4politi$d>6 TagssßchcnL.

Der Boykott des Deutschen Reichstags durch die Journalisten der Reichstagstribune erregt noch immer gewaltiges Aufsehen, und die Affäre wird mit großem Interesse verfolgt. In hiesigen politischen Kreisen weist man darauf hin, daß schon der manierlose Ausruf des Abg.Gröber im englischenParlament vollständig unmöglich wäre. Wenn sich aber ein englischer Parla­mentarier so weit vergeßen hätte, so würde der Sprecher (Präsident) des Unterhauses den Abgeordneten scharf gerügt haben, auch wenn es eine sogenannte Privatäußerung gewesen wäre, denn solche lautenPrivatäußerungen0 werden im englischen Parlament nicht geduldet. Mit dem Abg. Gröber gehen die englischen Blätter scharf ins Gericht. Auch der Präsident des Reichstags, Graf Stolberg, wird in der englischen Presse scharf kritisiert. In Sachen des Jour­nalistenstreiks im Reichstage druckt dieGermania" die von dem Abgeordneten Müller-Meiningen an die Presse ge­schickte Erklärung ab und beinerkt dazu: wir lassen uns auf eine Erwiderung nicht ein, sondern werden gegen Herrn Müller-Meiningen und dieVossische Zeitung", in der wir die Zuschrift abgedruckt finden, Beleidigungsklage erheben. Da wird sich Gelegenheit finden,^ den Tatbestand gerichtlich feststellen zu lassen.

Von der Expedition gegen Simon Copper wird auS Deutsch-Südwestafrika weiter amtlich gemeldet: Die Werst Simon Coppers wurde dadurch aufgefunden, daß man der Spur einer Bande folgte, die am 8. März eine deutsche Patrouille am Auob überfallen hatte. In dem Gesecht am 16. März stand der ganze Orlog Simon Coppers unb Lam­berts mit über 200 Mann und mehr als 100 Gewehren unserem KameelreiterkorpS gegenüber. Der Gegner verlor zwei Großleute, darunter einen Bruder Simon Coppers. Der infolge der großen Anstrengungen und Entbehrungen sehr geschwächte Zustand der Kameele, sowie Mangel an Wasser verboten eine weitergehende Verfolgung; auch machte sich die Nähe der englischen Grenze hindernd geltend.________________

Deutsches Reich.

Berlin, 24. März. Das Kaiserpaar reist heute mit dem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise über München, Bozen und Verona nach Venedig ab, wo die Ankunft am 25. März, vormittags 11 Uhr 35 Mm. erfolgen soll.

DerReichsanzeiger* veröffentlicht da§ Gesetz, be­treffend die Abänderung des Gesetzes über das Telegraphen wes en des Deutschen Reiches, vom 7. März 1908; ferner eine Bekanntmachung, betreffend die Vorlcg- ungsfristen für Auslandschecks, vom 19. März 1908, und eine Bekanntmachung, betreffend die Abrechnungsstellen im Scheckverkehr, vom 19. März 1908.

AusLaud.

Petersburg, 23. März. Die Kommandanten der Militärdistrikte vereinigen sich im Laufe der Woche, um mit der Kommission für nationale Beleidigung zu be-

Bad-Narrheinrer Briefe.

III.

Der Schluß meines letzten Brieses führte in den Trubel des Karnevals hinein. Jetzt stehen wir mitten in der ernsteren. Vorbercitungszeit für das Osterfest, für die Bad-Nauheimer Ein­wohnerschaft noch in besonderem Sinne Vorbereitungszeit. Gilt es doch überall jetzt schon wieder zu rüsten für den Empfang der Sommergäste, denn es ist keine Kleinigkeit, 30 000 Fremde so unterzubringen und zu versorgen, daß allen Ansprüchen, auch den vornehmsten und großartigsten, genügt werden kann.

Einen ernsteren Charakter trugen auch die Veranstaltungen der letzten Zeit. Am 6. März sprach hier Fräulein von Wels- zeck, nachdem sie am Abend vorh.r in Gießen gesprochen hatte über die Ziele der modernen Frauenbewegung. Groß genug war die Zahl derer, die aus den Anregungen des Abends die praktischen Konsequenzen zogen, so daß die Begründungeiner Ortsgruppe des hessischen Frauenstimmrechts- verbandes möglich wurde

Einem guten Zweck diente auch die Veranstaltung, die am Nachmittag des 8. März (Sonntag) im Sprudelhotel zur Aus- whrung kam. Die Anregung dazu ging von Geh. Medizinalrat Dr. Ab6e aus, und es handelte sich um die Unterstützung der neu zu erbauenden K i n d e r h e i l a n st a l t. Ein Damcnchor trug erne Reihe von Volksliedern sehr hübsch vor, die durch lebende Bilder in künstlerisch geschmackvoller Weise gleichzeitig dem Auge veranschaulicht wurden. In der gleichen Weise stellte ein Zyklus von Bildern die Geschichte von Schneewittchen dar, wozu Fräulein Abee den poetischen Text eindrucksvoll deklamierte. Es war die Reineckesche Bearbeitung des Märchens, bie, auch dem Damenchor an einigen Stellen wieder Gelegenheit zu stimmungs­vollen^ Darbietungen gab. Die Solopartien hatten die beiden Schwestern Fräulein Winkler aus Friedberg übernommen. Der Chor bestand aus den Schülerinnen von Frl. Ochsenius aus ans Marburg, die auch selbst mehrere Lieder vortrefflich zu Gehör brachte. Die Ouvertüre zur Zauberflötc wurde von Frau Rechtsanwalt Scriba und Frl. Lorenz vorgetragen, von letzterer allein derHochzeitstag auf Troldhaugen" von Grieg. v'ür den Kuustverständigeu war dieses eigenartige Werk des nor- oychen Komponisten mit seinen recht ans der Tiefe des Gemüts quellenden Tönen vielleicht die wertvollste Darbietung des Abends. Äls gute Geister, unsichtbar hinter den Kulissen, war noch eine Anzahl von Damen beschäftigt, um die kleineren und größeren Darsteller der lebenden Bilder zu dirigieren. Es mag vor allem Mvere Arbeit gewesen sein, die sieben Zwerge in die richtigen Stellungen und in die nötige Ruhe zu bringen. Sie erwarben aber dasür auch den ganz besonderen Beifall des Publikums. Der lur die Kinderheilanstalt gewonnene Ertrag beläuft sich auf etwa

raten. Der Zweck dieser Versammlung wird die Einleitung einer sofortigen Untersuchung über die Kriegsbereit­schaft der Armee und über die Durchführung der not­wendigen Reformen in allen Garnisonen sein.

Lissabon, 23. März. Die Meldung eines Madrider Blattes, daß sich die Arniwunbe des Königs von Portugal verschlimmert habe und die Aerzte von Amputation sprechen, entbehrt jeder Begründung.

Johannesburg, 23. März. Es heißt hier, daß die Regierung nicht mehr die Verwendung von Eingeborenen Englisch-Mittelasrikas in den Minen der Rands gestatten werde.

Breslau, 23. März. Ter Abgeordnete Korfanty de­mentiert die Nachricht, daß die Polen ein Wahlkartell mit dem Zentrum abgeschlossen hatten. Tas Zentrum hat bisher keine Annäherung an das polnische Wahlkomite gemacht.

Emden, 23. März. Ber der am 19. März im ersten Han­noverschen Wahlkreise veranstalteten Neichstagsersatzmahl würden, wie jetzt amtlich richtig gestellt wird, 22269 Stimmen abge­geben. Es erhielten Domänenpächter F e g t e r (Freisinnige Ver­einigung) 8422 Stimmen, Rechtsanwalt Groeneveld ^Deutsch- sozial) 6346 Stimmen, Oberbürgermeister F ü r b r i n g e r ^National- liberal) 4581 Stimmen und Buchdruckereibesitzer Hug (Sozial­demokrat) 2916 Stimmen. Zersplittert sind 4 Stimmen.

Nürnberg, 23. März. Der Ausschuß des demo­kratischen Vereins Nürnberg saßt- einstimmig folgende Resolution: Der Ausschuß nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Haltmrg der demokratischen Rerchstagsiraktion in der Sprachenfrage des Vereinsgesetzes. Ter Ausschuß beantragt 1) bei dem Parteivorstand in Karlsruhe die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Parteitages der deutschen Volkspartei behnss Stellungnahme zur Erhaltung der Fraktion; 2) beim Münchener Ausschuß der deutschen Volkspartei in Bayern die Einberufung einer außerordentlichen Lmrdesversammlung, um Über den Austritt o e r bayrischen Organisation aus der G e s a m in t p a r t e i zu beschließen, falls die Reichstags- sraktion ihre Haltung zum Sprachenparagraphen nicht ändert.

hessische LaniswirtfchüfrÄammrr.

D a r m st a d t, 23. März.

Die Landwirtschaftskammer begann heute vormittag 10 Uhr im Sitzungssaal der Zweiten Kammer ihre 4. Hauptver­sammlung, der Ministerialrat Dr. U s i n g e r und mehrere an­dere Regierungsvertreter beiwohnten.

Der Vorsitzende, Geh Rat Haas hieß die fast vollzählig er­schienenen Mitglieder willkommen und gab dann einen Ueverblick über die bisherige Tätigkeit der Kammer. Der Kammerausschuß habe eme große Tätigkeit enthaltet und 24 sehr lange Sitzungen abgehalten und er hoffe, daß die Arbeit der hessischen Landwirt­schaft zum ee$en gereichen werde. (Beifall).

Sch ri ck-Schwabenheim führt Beschwerde über die Nicht- berücksichligung mehrerer von ihm gestellteil Anträge, wahrend

Dr. D e h l i n g e r-> Weilerhof der Regierung seinen Dank dafür ausspricht, daß sie der Kammer emen Betrag von 36 000Mk. zur Einrichtung der Kammer überlassen Hal.

liebel- Punkt 2 der Tagesordnung: Beratung des SatzungS- ent wurfs für Bezirksve reine, referierte Oekonomierat W a l t e r-Leng'etd, der namens des Ausschiisses den Antrag stellte, un Anschluß an die Bezirksausschüsse in allen Bezirken Bezirks- vereine zu begründen. Die Sparkassen stellten alljährlich 1718 Tausend Mark dafür zur Verfügung und dieses Geld würde bei Nichterrichtung der Vereine verloren sein.

Landtagsabgeordneter Breidenbach wünscht, die neu zu begründenden Bezirksvereine nicht nach den landwirtschaftlichen Wahlbezirken, sondern nach den politischen Bezirken einzurichten.

Weil-Langgöns schließt sich dieser Meinung an.

400 Mk. Eine Wiederholung im Sommer int Kurhaus würde gewiß auch ein günstiges Ergebnis haben.

Einen Wunsch freilich kann ich bei keiner Wohltätig- keitsvcranstaltung unterdrücken: Möchten die Veranstal­ter, Förderer und Besucher, denen es gewiß nicht an Herz jür ihre Mitmenschen fehlt, es auch nicht an der E i n s i ch t fehlen lassen, daß wir mit dieser Privatmildtätigkeit nur die Symptome der sozialen Schäden und Krankheiten lindern, daß es aber, um das liebel bei der Wurzel zu fassen, unsere dringende Pflicht ist, in zielbewußter Arbeit auf eine immer vernünftigere und gerechtere Einrichtung unserer menschlick)en Gesellschaft hin- zuarbciten. Das ist das große ethische Interesse, das Männer wie Frauen an den ernsten politischen Kämpfen unserer Zeit nehmen sollten.

In diesem Sinne darf man wohl sagen, daß ein nicht minder edler Zweck die stattliche Versammlung vereinigte, die acht Tage später, Sonntag, 15. März, in der Turnhalle den Ausführungen des Stadtv. Minder über unsere Kommunalpolitik mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Es war das erste Mal, daß wir in unserer Stadt einen solchen Rechenschaftsbericht erlebten, und es wird wohl jeder Verständige diese Neuerung mit Freude begrüßen. Denn, wenn cs die Ausgabe jedes Menschen ist, zum Gedeihen der Gesamtheit, deren Glied er ist, fein Teil beizu­tragen, dann ist das Gebiet der kommunalen Politik bei seinem geringeren Umfange, bei seiner größeren, Uebersichtlichkeit, bei den direkteren Beziehungen zwischen dem Ganzen und dem Ein­zelnen gewiß die nächste und beste Gelegenheit, den Menschen diese Pflicht erkennen zu lassen und üben zu lehren.

Am darauffolgenden Tage bot uns der Vortragsverein ein herrliches Konzert. Besonders die Trios, die von Professor Trautmann aus Gießen (Klavier), Heg ar (Violoncell) und Redner aus Frankfurt (Violine) vorgetragen wurden, waren ein musikalischer Genuß von seltener Reinheit. Das erste war von Brahms, Op. 101 in C-moll, in dem des Meisters zurück­haltender Gefühlsreichtum gerade weaen dieser Zurückhaltung so eigen anspricht, das zweite waren Variationen über das Lied Ich bin der Schneider Kackadu" von Beethoven. Ein seltsamer Kontrast zwischen diesem nichtssagenden Titel und dem musikal. Gehalt des Trios. Als letztes folgte das Trio Op. 99 in B-dur von Schubert. Wie in den erstgenannten Trios, so ganz be­sonders in diesem letzten war die Wiedergabe der einzelnen Stim­mungen, des Andante, des Scherzo, des Rondo usw., eine so fein charakteristische, daß man das Gefühl hatte, hier die innersten Absichten des Komponisten ausgedrückt zu bekommen. Dem Pro­gramm wohl angepaßt waren auch die eingeflochtenen Lieder, die Frau Anna Kämpfert aus Frankfurt vortrug. Am besten gelangen ihr die helleren und munteren Partien, während sie die ernsteren Gemütsbewungen nicht ebenso wahr wiederzugebeu

Ministerialrat Dr. Uiinger betont, die Regierung habe sich mit der Frage eingehend beschäftigt. Der Art. 6 der Bestimmungen handle nur von einem frei willigen Zusammenschluß der Landwirte, auf den die Kammer hinwirken solle, während der jetzt vorgelegte Satzungsentwurf Zmangsorganisariou wolle. Schon auf Grund der Bestimmungen des Bürgerl. Gesetzbuchs sei die Bildung solcher Zwangsvereinigungen nicht möglich.

Äbg. o. Brentano bemerkt, es müffe sich jeder Freund der Landwirtschaft freuen, wenn das landwirtschaftliche Leben kräftig auwlüht. Für die zwangsweise Btldmig von landwirtschaft­lichen Bezirksvereinen fehle aber jede gesetzliche Grundlage. Sie wurden auch gar nicht im Stande sein, Beiträge einzuziehen. Wenn das geschehen sollte, fo mußte im Landwirtschaftskammergesetz eine neue diesbezügliche Bestimmung ausgenommen werden. Jetzt sei die Bildung von Bezirksvereinen nur in der Form von freiwilligen, wirtschaftlichen Vereinen möglich.

Landlagsabg. K o r e l l meint, man sollte möglichst die Ge­legenheit benutzen, die alten Bezllksvereine in die neuen aufgehen zu lassen. Völlig neue Organisationen würden nur die Grundlage zu neuen Reibungsflächen abgeben.

Oekonomierat Dr. M ü i I e r tritt eifrig für die Bezirksvereine in der Landwirtschaftskammer ein, sie seien notwendig, um eine möglichst gute Verbindung zwischen Landwirten unb Kammer her­zustellen. Es werde damit aus eine bessere Orientierung unter den Landwirten erreicht. Man höre jetzt mitunter fragen, wofür denn eigentlich die Beiträge zur LaudwirischaiiSkammer bezahlt würden. Faste man die Landwirte nicht in der vorgejchlagenen Weise zu Bezirksvereinen zusammen, so würde die Folge fein, daß sich die Landwirte wieder mehr den alten Organisationen zukehrleu und und auch dorthin Beiträge entrichteten. Zn dem jetzigen Satzungs­entwurf sei ja garnichts davon enthalten, daß beabsichtigt werde, für diese Bezirksvei eilte Beiträge zu erbeben; er jei der Meinung, daß die Landivirtschaftskammer die Verwaltimgskosten aufbringen werde.

Oekonomierat Walte r-Lengkeld ist auch der SDleinung, daß man von einer Zwangsvereinsbildung Abstand nehmen müsse. Mit der vorgeschlagenen Einteilung nach politischen Kreisen fönne er sich nicht beireunden; man müsse doch die Hauptrüchtcht aus die Wahrung der speziellen Interessen der emzelnen Kreise der Land­wirtschaft richten.

Vorsitzender Geh. Rat Haas legt in längeren Ausführungen dar, das Hauptmoment müsse sein, daß die steuerzahleiiden Land­wirte auch mit zu beraten haben und daß auch der kleinste Land­wirt daran Anteil nehme, lieber die Form unb die Einrichtung der Bezirksvereine lasse sich streiten, die Hauptsache, sei, daß der Grundgedanke der Bezirksvereine ziir Durchführung gelange.

Abg. Köhler bemerk!, er sei von Anfang an kein großer Freund dieser Entrichtung gewesen, und er halte es für das Beste, wenn die Angelegenheit zur nochmaligen Prüfung an den Vorstand zurückverwiesen werde.

Abg. v. Brentano erklärt, die Versammlung könne doch heute hier keine Bezirksvereine gründen, sondern höchstens ein Normalstatut dasür ausstellen und es den einzelnen Vereinen zur Annahme empfehlen. Redner schlägt vor, die Sache einer noch- maligeit Prüfung zu unterziehen.

Vorsitzender Geh. Rat Haas konstatiert, daß ein erheblicher Widerspruch gegen die zu begründenden Bezirksvereine nicht vor­handen fei. Es handle sich nur darum, ob die Form dafür eine freiwillige ober zwangsweise fein soll.

Nach einer längeren Panse wird die Sitzung um l1/, Uhr fort­gesetzt. Abg. Breidenbach bringt einen Antrag ein, wonach die Kammer auf die Bildung freiwilliger Bezirksausschüste hin- wirken solle. Die Organisation solle Landwirte und landwirtsch. Zntereijenten umfassen und die Bezirksverbände sollen Versamm­lungen einberufen, um solche Vereine zu begründen. Das Resultat soll dann der Kammer imtgcteilt werden.

Dieser Antrag wird angenonumen.

Es folgt nuniuehr die Beratung des Hauptvoran- s ch 1 a g s der Landivirtschaftskammer für 1908. Ohne T-ebatte werden beroUligi: 1. F-ür wissenschaftliche Lehrzwecke und sonstige allgemeine Zwecke. Bortragstürse für praktische Land­wirte 2000 M., Landwirtschaftliche Studienreisen 1000 M. Für

vermochte. Wenn die Sängerin mit ihrem Lächeln etwas spar­samer wäre, würde das für die Wirkung kein Schaden sein. Die Klavierbegleitung, durch welche Professor Trautmann den Liedern den rechten Hintergrund gab, war ein Genuß für sich. Nirgends ein zu starkes Hervvrtreten, und doch überall ein deutliches Herausarbeiten derjenigen Züge, die zum Verständnis des Liedes nötig waren. Gerade das, auf den Beifall des Publikums hin von der Sängerin zugegebene LiedDie Post" von Schuberts zeigte das in schönster Weise, und ebensoDie Forelle" von demselben Komponisten, wo aus der schwierigen Begleitung das eine Mal das Posthorn, das andere Mal die unruhige Bewegung der Fische wie scheinbar unabhängig von der Melodie heraus­klingt.

Als das schöne Uhlandsche Frühlingslied durch den Saal schmetterte, von dem Blühen, das nicht enden will, da kam wohl manchem der Wunsch in den Sinn, daß nun auch draußen die s)latur endlich einmal etwas Ernst zeigen möchte, solche schönen Bilder auch für dies Jahr wieder hrroorzubringen.

Dr. Strecker.

Der Deutsche Schiller bund zur Gründung und Erhaltung jährlicher Natioiialiestsoiele für die deutsche Jugend am Weimarischen Hoftheater, der seit vorigem Herbst unter dem Protek­torat des Grobherzogs von Saclsten steht, hat ein Werbeheft her- ausgegeben, das den Aufruf des Bundes an daS deutsche Volk, die Satzungen, einen orientierenden Aufsatz und allerlei Zustimmungen enthält. Gleichzeitig ist auch die erste Mitgliederliste des Schiller- buudes erschienen, aus der wir ersehen, daß der Bund an 239 Orten 1863 Mitglieder hat, in Gießen deren 15.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Baurat Professor G u t e r m u t h aus Darmstadt stellte an einer von R. Wolf-Magdeburg nciierbauten 100 pferdigeu Patent- Heißdanips-Lokomobile mit Rolleuschieber-Steuerimg einen Darnpf- verbrauch von 3,93 Kilogramm unb einen Kohlenverbrauch von 0,473 Kilogramm für die effektive Pferdestärke und Stunde fest. Diese Berbrallchszahlen stellen emen neuen Weltrekord dar. Im neuen Operettentheater in Berti n erwies sich die neue Schöpfung Lshars .Der M a n n mit den drei Frauen* als weniger durchschlagend als die .Lustige Witwe", amüsierte aber immerhin durch eine Fülle welcher und schön schaiikelnder Nlelodien. Ter Beiiall war entsprechend: weder matt, noch auch zu über­menschlichen Tlmeiisionen ansteigend. In Wiesbaden ist der frühere Theaterdirektor Franz Deuts ching er im Alter von 74 Jahren infolge eines Herzschlages gestorben. Deutfchinger, ein geborener 'Wiener, war als erster Eharalterspieler in Danzig, Riga, Rostock, Alainz, Augsburg, Wien und Budapest tätig. Zuletzt war er Rezensent des Rhein. Couriers.