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Mittwoch 4. November 1908
158. Jahrgang
Erstes Blatt
für Oberheffen
I im Preise von mehr als 1 Mr. die Flasche. Als Weinstcuersah I wird der Betrag von 5 Pfennig für die Flasche, einerlei -r. kz.fr... ^T.fni<4w Mnrnvirlrfnnpn Sier xninh ilt ILcVs-
Die heutige Nummer umfaßt 10 Selten.
Die Reichöfinanzresorm.
V.
Die „Nordd. Mlg. Ztg
rejorm samt einer Denkschrift. Daraus ist folgendes hervorzu
heben:
Die Stenervorlagen.
vezug»yretSr monatlich 75 Pi., vierteljährlich Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstelle» monatlich 65 Pf.; durch die Post AU. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. ZellenvreiS: lokal lbPj^ auswärts 20 Pienmq.
Perantwortlich tüt den oolitilchen Teil, füi »FeuiUelon* und .Vermischtes': Ernst Anderson, tüt .Stadt ll Vanb“ und.Gerichts-
Botaflonsbru« uttb Verlag 6er vrühl'Ichen Unlo.Guch. unö Steinörnderei R. lange. Beöattion. CrpeMtton nnö Droderet: Schnlftratze 7. Anzeigenteil H. Beck.
Nußland braucht Geld.
Rußland braucht wieder einmal Geld. Was Wunder, daß eS bei seinem Bundesgenossen an der Gerne leise die Gimunuiia son- öieuc. Und siehe da, der französische Äcldsack, der den Russen so lauge verschlossen blieb, scheint sich wieder öffnen zu wollen. Gert geraumer Zeit werden in Paris zwischen russischen und französischen Juianzleulen Verhandlungen oepflogen, die einem günsligem Abschluß entgegengehen. Tie ÖffenlhcDe Aleinnng aber m Rußland scheint sich über die französische Gutwilligkeit nicht wenig zu freuen. Tie Höhe der Anleihe ist bis jetzt noch nicht feslgesieUt.
*
Der neue Präsident der Vereinigten Staaten.
Die gestrigen Wahlmännerwahlen in den Bereinigten Staaten von Nordamerika Haden die Wahl TaftS zum Präsidenten gesichert. Dieses Wahlresultat mar voranSzusehen., In vielen Gegenden ist die Zahl der republikanischen Stimmen für Taft noch weit größer gewesen als seiner Zeit sür Roosevelt. _
Aus Stadt und Land.
Gießen, 4. 'Jlooembec 1908.
Hessische LuLherstifLnng.
Im Oktober waren eS 25 Jahre, seitdem im Jahre deS Luther-Jubiläums bic Lutherstlstung begründet wurde, zu deren Vorstand satzungsgemäß ein Mitglied der theologischen Fakultät in Gießen, der Superintendent der Superintendentur Gießen, der Präsident der Landessynode und zwei von der Landessynode gewählte Mitglieder gehören. Den größten Teil dieser Zeit hat Professor Stade den Vorsitz geführt und mit bekannter Energie und großer Tleue darin das Interesse seiner Studenten vertreten. Tas aus Sammlungen und Schenkungen erwachsene Grundkapital der Stiftung betrug 25 680 Atk. Die Gesamtsumme der jährlichen Kollekte beläuft sich auf 86 301 Mk. An Stipendien an Theologie- Studierende wurden insgesamt ausgezahlt 89 775 Mk. Vielen Geistlichen unserer Landeskirche, darunter nicht wenige unserer
erraten. Aber Wied vertritt die Ueverzcuguna, daß bic Leute nie Menschen werden, daß sie über ihre eigenen kleinen Schicksale nie hinauskommen, und daß ihnen ein Säckel mit harten, guten Talern lieber ist als alle Weisheit und alle Größe. Er ist fast ohne jede Hoffnung und so beobachtet er die armen Menschenscherben mit leiser Entsagung, ohne Trauer und ohne Rührung. Er ist vollkommen Satyriker und selbst die innigsten Gefühle und die kühnste Begeisterung wandelt er lächelnd zum grinsenden Zerrbild. Aber wie bei Heine ist sein Lacken nur eine Karikatur seines allerdings längst verwundenen Jammers, ist sein Spott ein Hohn auf die einstige Glaubensseligkeit. Am deutlichsten tritt diese Art in seinen Erzählungen hervor, von denen „A u s j u n g e n T a g e n" den Keim zu seinem Satyrspiel 2x2 = 5 darstellt, wo er ungleich freundlicher und sanfter erscheint.
Das Stück schildert den ttamps des Schriftstellers Abel gegen das Philistertum seiner schönen, dummen Frau und ihre gleicherweise begabten Eltern, die in ihrer alten, moderigen Weltanschauung selbstgefällig und anmaßend dahinleben. Als ihm nun sein neuestes Buch einen Monat Gefängnis einträgt, kommt es zum Bruch. Seine Frau kehrt zu ihren Eltern zurück, und dem Einsamen bleibt niemand als sein alter Freund, ein burschikoser Karikaturenzeichner samt seinem frischen, liebenswürdigen Weibchen. Durch seinen weibisü)en Schivager wird ihm auch noch eine alle Freundin, das leichte Fräulein Otyella zugeführt, die sich während seiner Hast scl-nell mit einem Rennfahrer tröstet. Bei seiner Rückkehr findet er seinen freiheitlichen Freund als „geknechteten" Lehrer und auch sein Schwiegervater hat mit der wechselnden Regierung seine Ueber-eugung geändert, um ein Verdienstkreuz zu erhaschen. Als nun gar seine Dumme, aber schöne Frau sehnsuchtsvoll zu ihm zurückkehrt, da wirst er alles, was er an Stolz und Charatter besaß, als faulen Plunder beiseite, lässt 2x2 = 5 sein und nimmt eine Redakteurstelle an einem Blatte an, das eine seiner Ueberzeugung entgegengesetzte Richtung vertritt. Soll er zusehen, wie sich die andern am Glück mästen und soll er darben, nur um ein Charakter zu sein? Pa, es ist alles nur Plunder, Maskeraoe, Quatsch! Also 2x2 = 5 und lustig, lustig, damit niemand die Tränen sieht.
Die Handlung selbst ist nur recht lose geLmpit, aber mit fast unheimlicher Scharfe und Klarheit sind die einzelnen
Bei Gestaltung des neuen Steuersystems sind bic Verbündeten Regierungen von der Erwägung ausgcgangen, daß auf die be- iWiibcn einzelstaatlichen und kommunalen Verhältnisie Rück- jia>t zu nehmen, im übrigen aber die Reform aus den Grundsätzen der Ergiebigkeit, Allgemeinheit, Gerechtigkeit und Wirtschaslliclx keit auiiubaucn sei. Hieraus ergab sich folgendes System: In erster Linie bedurfte es der allgemeinen Heran ziehuna der Genußmittel, Branntwein, Bier, Wein und Tabak. Daneben ist eine Steuer auf Elektrizität und Gas, sowie aus Anzeigen vorgesehen, schließlich waren auch folä>e Steuern heranzuziehen, die vornehmlich von den Besitzenden getragen werden. Dies kann nur durch den Ausbau der R a ch l a ß b e st e u e r u n g geschehen, die in dreifacher Form durch eine allgemeine Nachlaßsteuer, durch Beschränkung des gesetzlichen Berwaudtenerbrechts und durch Aenderung des ErbschasiS- steuergesetzes erfolgt. Bon eigentlichen Verkehrssteueru ist Abstand genommen. Im Gegenteil wird A u s h e b u u g der Fahrkart e n st e u e r unb Ermäßigung dcS Ortsportos sür Postkarten wenigstens aus 3, wenn auch nicht auf 2 Pfennig vor- geschlagen. Der Ertrag der vorgeschlagenenSteueru betaust sich schätzungsweise aus Branntwein auf 100 Millionen Mark, auei Tabak auf 77, Bier 100, Wein 20, Erbschaften insgesamt 92, Elektrizität und Gas HO, Anzeigen 33, insgesamt rund 475 Millionen Mark.
1. ler Zwischenhandel des Reich? mit Branntwein.
Die Vorlage überträgt den An- und Verkauf des Branntweins im großen au, das Reich. Der regelmäßige Verkaufspreis wird so bemessen^ daß an die Rcicl)skasse eine Reineinnahme von 220 Millionen Mark abgeführt wird. Der regelmäßige Ankaufspreis wird so bestimmt, daß er bic durchschnittliches Herstellungskosten eines Hektoliters Alkohol deckt, wobei die Schlempe kostensrei dem Brennereibesitzer bleibt. Die sog. Liebesgabe fällt fort. Dafür erhalten bic Brennereibesitzer auf 10 Jahre eine Entschödtgung in halber .Höhe des Wertes der gegenwärtig erteilten Kontingentscheine. Den süddeutschen Brennern werden anstelle des Vorteils der günstigeren Kontingentierung ent> sprechende Zuschläge zum regelmäßigen Branntwttnanfanssvrcist gewährt. Den bestehenden Brennereien wird im allgemeinen der bisherige Betriebsumfang gewährleistet.
2. Braupeuer.
Die Erhöhung der Biersteuer wird das Hektoliter fertigen Vieres mit e t w a 2 M k. treffen. Die allgemeine Steuerstaffel ist nach dem Vorbilde der badischen und dec elsaß-lothriny. Biersteuer vereinfacht und mehr zusammengedrängt worden. Sw beginnt mit dem Satze von 14 Mk. und endigt bei einer Malz- verwendung von über 5000 Doppelzentner mit dem Satze von 20 Mk. für einen Doppelzentner Malz. Ten vor dem 1. Okt. 1908 bestehenden kleinenBrauereien wird eine Ausnahmestellung in der Weise ciugeräumt, daß von ihnen nur 10 Mk. für einen Doppelzentner zu zahlen sind.
3. Weinfieucr.
Der neue Wcinftrtier entwarf sieht für den im Inland auf Flaschen gefüllten, sowie für den aus dem Ausland in Flaschen eingehenden stillen Wein eine Abgabe vor. Die Qualitätswcine sollen eine ihrem Werte entsprechende Besteuerung erfahren, bie in den Hauslxlltungen abgefüllten Weine aber nur einer geringen Steuer unterworfen werden. Die Abgabe besteht in einer allgemeinen ö-laf dien ft euer unb in einem gestaffelten Zuschläge. Der Weinsteuer unterliegen alle stillen Weine in Flaschen ohne Rücksicht auf den Preis, dem Zuschläge hingegen nur solche
Nr. 260
Der eteljtnet Anzeiger erichemi täglich, außer Sonntags - Beilagen: Biennal wöchentlich 6tt6ener$amllienblärter, troeimal roödiend.Krels-.
laNfürdenUretrSiehen (Dienstag und Freitag) zweimal monatl Land- wnUchaslllche Settfragev yeniloiect) • Anlchlüsie r fui btt iHebafnon 112, lierlag u (Stpebihon 61 tlbiefle itit Teppichen;
«uzctgei Gießen.
Annahme von Anzergei !üi bie Lagesuuuuuer bis vormittags 10 Uhr.
Weine zu leiden haben.
4. Tabaksteuer.
Die Vorlage entscheidet sich chr die Fabrilatwertsteuer nach dem B a n d c r o l e n f b |t e m. Die Steueriatze bewegen sich iür Zigarren in 6 Stufen von 4 Mk. bis> 96 Mk. für 1000 Stück, für Zigaretten m 7 Stufen von 1.50 Mk. bis 24 Mk. für 1000 Stuck, für feingeschnittenen Tabak m 5 Stufen von 0.80 Mk. bis 12.80 Mk. für 1 Kilogramm. Die Steuer,atze betragen für Zigarren 10 bis 13 Proz., bei Zigaretten 15 bis 20 Proz. des Meinverkaufspreises. Das Verhältnis der Steuer- b.lastung der Zigarren zu den Zigaretten ist auf etwa 1 bis l1/» bemessen. Die geltende Tabakbesteu :uv.g soll ohne Aenderung des Zollsatzes für ausländischen Rohtabak und des Steuersatzes sür inläiidijchen Tabak bestehen bleiben.
5. Elikir.z.täts. und Gasst'nor.
Die Steuer beträgt für Elektrizität und Gas, die gegen Entgelt abgegeben werden, 5 Proz. des Abgabepreises, jedoch nicht mehr als 0 4 Pf. für die Kilowattstunde oder das Kubikmeter. Bei Herstellung zum eigenen Bedarf beträgt der Steucriay 0.4 Pfg. für bic Kilowattstunde und für das Kubikmeter Gas von wenigstens 3000 Wärmeeinheiten, 0.2 Pfg. für Gas von 1000 bis 3000 Wärmeeinheiten. Tie Steuer aus G 1 üh 1 a mpe n beträgt sür solche bis 15 Watt 5 Pfg., von über la bis 20 Watt 10 Pfg, von liker 25 bis 60 Watt 20 Pfg., von über bO bis 100 Watt 30 Pfg. für das Stück. Für Glühkörper für Gasglühlicht 10 Pfg. für das Stück.
6. Anzeigensteuer.
Durch die Vorlagen sollen Anzeigen, die in Zeitungen und Zeitschriften enthalten sind (Einrückungen) ober Sonocrbcllagen, sowie Aulündigungen besteuert werden. Die Steuer beträgt ,ur Anzeigeblätter, bie mehr als einmal wöckjcntlich erlahmen, bei einer Auslage bis 5000 Stück 2 Proz., bis 10 000 Stück 4 Proz, bis 50 000 Stück 6 Proz., bis 100000 Stück 8 Proz. unb üoer 100 000 Stück 10 Proz. der Einrückunasgebüln:,, Anzeigeblatter, bie wöchentlich einmal ober in größeren Zwischenräumen criaitinen, entrichten 10 Proz. der Einrückungsgebuhr. Für Sonderbeilagcn beträgt die Steuer 20 Proz. (xl Btiwgcgcbühr. Steu« rfrei b.eioen ArbritK- unb Stellengesuche von nicht mehr als 5 Zeilen. An- künbigungen in Schrift unb Bilb, für deren Anbringung cm Ent- gelt entrechtet wirb, unterliegen einer Steuer von 10 Proz. An- xünbigungen, für deren Anbringung ein Entgelt nicht entrichtet wird, unterliegen einer Steuer nach dem Flächenraume. Firmenschilder unb anbere Aufschriften, die lediglich ben Geschäftsbetrieb ber Bewohner ober Inhaber betreffen, sind steuerfrei.
7. Eibj^aftssteuer.
Der Entwurf einer Nachkaßsteuer trifft den Nachlaß als Ganzes ohne Rücksicht auf die Personen, an welche bie Erbschaft fallt, uub ergreift so auch bas Erbe der Kinder unb Ehegatten. Tic Steuerpslicht ist auf solche 9rachla,se beschrankt, bic 20 000 Mk. übersteigen. Die Steuer steigt von 0,5 Proz. bei einem Nachlaß von 20 000 bis 30 000 Mk. auf 3 Proz. bei einem Nachlaß von mehr als 1 Million. Ein Nachlaß von 100 000 bis 125 000 Mk. zahlt 1.4 Proz. Für die L a n b wirtschaft sinb wesentliche Erleichterungen geschaffen durch Gestattung her Rentenzahlung, durch Steuerberechnung nach dem Ertragswert unb ähnliches. Als Zuschlag zur Nachlaßsteuer soll von dem Nachlasse derjenigen wehrpflichtigen Personen, die nicht aktiv gebient haben, eine Wehrsteuervon 1.5 P r 0 z. erhoben werben. Der Ertrag aus der Nachlaßstcuer ist auf 84, aus ber Wchrsteucr auf 14 Millionen Mark veranschlagt.
(Siebener Staöübcatcr» 2x2 = 5.
Satyrspiel von „Gustav Wied.
Gustav Wied batte einen schweren Weg ju_ gehen', ehe eS ihm gelang, sich durchzusetzen. Viel Bitternisse und viel Sorgen hat er gehabt, bevor aus dem ernten Buchhand- lungsgehtlfen ein Dichter von Weltruf wurde. Schwer und mühselig hat er sich durchkämmen, müssen, Zoll um $oU den Boden erobern ntüssen, auf dein er stehen und streiten wollte, denn keine papterne Berecktigimg tnit Siegel und Namenszua war sein eigen, kein staatliches Zeugnis öffnete ihm die schweren, plumpen Tore zur Stelle als ehrsamer Bürger eines ehrsamen Staates. Er ist der Mann aus eigener Kraft; aus eigenem Holze baute er sich bie Leiter, darauf er zu den Sternen stieg. Uttb nun steht er hoch da oben und mit mitleidigem Lächeln sieht er herab auf die armen Wesen, die sich für Menschen halten und doch nur Leute sind, arme Leute, bie es im Leben höchstens zu einem Examen gebracht haben unb mit selbstgefälligem Behagen von den Mühen ihrer Führer und Leiter zehren, bis sie es endlich zum Tode gebracht haben. Mit schneidender ^ronie und mit grausamem Hohn läßt er diese armen Puppen, aus denen nie ein schillernder, farbiger Schmetterling wird, ihre Wege biahintaumelu nnb ihr eigenes, fadenscheiniges Selbst als erhabenes Idol vergöttern. Aber er haßt sie nicht. Mit einem leichten Lächeln entkleidet er sie ihres Prunkes und zeigt sie in ihrer schalen Nacktheit — ohne Bitternis, ohne Groll. Er verachtet die Leute — weil er die Menschen verehrt. Wie die Kirche unterscheidet zwischen Geistlichen und Laien so unterscheidet er zwischen Menschen und Leuten. Unb an diesen Leuten, an diesem Mob gehen die wenigen Menschen, die es mir der Erde gibt, zu Grunde, wenn sie nicht 2x2 = 5 anneymen, wenn sie sich nicht äußerlich erniedrigen. Innerlich stehen sie ja so hoch über der Masse, daß man sie zu Fürsten machen müßte, wenn man sie nicht steinigte. Nicht ganz mit Unrecht hat man den Dänen Gustav Wieo mit dem Engländer Bernard Shaw und dem Deutschen Frank Wedekind verglichen. Sie alle wählen die Hohlheit nnb die Dummheit gewöhnlicher Begrisse und althergebrachter Anschauungen zum Vorwurs und wählen dabei häusig so absonderliche iDtittel, daß es glicht immer ganz leicht ist, ihre gcheiankn Absichten zu
Gestalten ye^eichnet, wenn sie auch hin und wieder leicht überhöht sino.
Die Regie, die Max Kronert mit passender starker Betonung des Lustigen sehr geschickt fül)rte, hatte den saty- rischen Ton gut getroffen, so daß das Stück einen starken Erfolg hatte. Das Tempo hätte aber ein wenig flotter sein können. Als Schriftsteller Abel war Max Kronert von seiner Ueberlegenheit, spöttisch und liebenswürdig, und es gelang ihm tadellos, den gefestigten, manchmal schroffen und eckigen Charakter des Ange feindeten überzeugend und angenehm darzustellen. Die seelische Hoheit des bedeuten^ den Menschen kam bestens zur Geltung. Am Schluß war er nicht ironisch genug. Als seine Frau war Jo Hoven beim stummen Spiel im ersten Auszuge, wo sie noch oas einfältige Banausenweibchen ist, nicht ganz unbefangen, im letzten dagegen recht ansprechend und aus innerlichem Erleben heraus schassend, was auch ihrer Veranlagung entsprechender erscheint. „, t .
Edgar Pauly spielte mit ganz guter Hervorkehrung dcS Komischen, aber docy etwas untörperlich, zu sehr auch sich selbst. Paul Ko hl mann gab den linkischen, weibischen, Friedrich geschmackvoll und angemessen, besonoers im vierten, Aufzuge, n>o ihm das gigerlyafte Benehmen ausgezeichnet gelang. Als glückliches Ehepaar ist Lore Scholz unb Erich Weingartner durchaus zu loben. Sie spielten mit neckischer Laune und ersreulicher Munterkeit, loas auch von Annie Aöber als lebenslustiger Othella gilt. Karl Volckj als Geistlicher ist ebenfalls zu loben. Als kernige Haushälterin bot Ada Pauly eine sehr gute Leistung, von Grete Höcker als E-räsin dagegen hätte ich mehr hochmütige Würde erwartet. Eine ausgezeichnete Wiedergabe erfuhr der launige Gefängniswärter in der prächtigen Gestalt, die Willibald Völker mit viel Humor und drastischer Komik in Erscheinung brachte. Die übrigen Miiwirkenden fügten sich angemessen in das gute Zusammenspiel des ersvlgreichen- Abends ein. Karl Neurath
*
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft.- Tie recyls- und siaalsivissen>chasiliche FakuUäl der llmveisiiät M ü n it e r ernannte den Berliner Rarionalötonomen v. Schm oller zum Ehrendolioi. — In Trebnitz m Aöymeii wurde das auf! dem öriebljoi befindliche Grabdenkmal mr die im Jahre 1866 dort verstorbenen preußischen Soldaten von T sch e ch e u zum zweitem 'Male zerstört.
In dem Entwurf über bas Erbrecht b es Staates wird das gesetzliche Lerwanbtenerbrecht auf Ehegatten unb Verwandte erster uni) zweiter Ordnung (Abkömmlinge, Eltern, Geschwister unb bereu Abkömmlinge unb bic Großeltern» be]d)riunL -In bie Stelle ber weiteren Verwandten tritt als gesetzlickier tobe pex Fiskus. Als finanzieller Ertrag ist bie Summe von etwa 2d Mill. Millionen Mark angenommen.
8. Das Gesetz betrefsenv Aendernngen im Finanzwesen regelt vor allem bas finanzielle Verhältnis zwisck>en Reim und Eiuzelstaatcii. Es bestimmt, baß der 5)öchstbctrag ber Äcatrttular- beitrege auf bie Dauer von süns zu fünf Jahren durch bc)onbcrc9 Gesetz festgesetzt wirb. Ferner trifft das Gesetz Bestimmuiigen über die Tilgung der Reichsschuld und ähnliches.
politische Lagesjchan.
Zur Sountazsruhe im Hank.'sgewerbe.
Der Verem Iür Handlungs-Eomnus von 1858 (Kausinännischer Verein) in Haiiiburg, der über 80 000 'Mitglieder zahlt, triii mit einem Auiruie hervor, in dem bie Vereins,nüglieber zur Erringung voller Lonnlagsruhe für Geschäitsinyaber wie Angestcllie ersucht werden, ihre Angehörigen unb narneuttich bie -pausirauen zu vec- anlasscn, baß sie ihre Einkäufe an Wochenlagen erledigen und insbesondere den Lonniagsbedars an Sonnabenden decken. Gleichzeilig iverden die Cheis der Kontoisinnen dringend gebeten, _ ba5 Verlangen nach Durchiiihiilng des freien Sonnlags zu unlerslutzen. Zum Schllisse bittet der Verem die inlerelsierien Rreije, vor allein die Firmen, Zustinimungserklärungen zu dem Aufruf abzugeben.
wirb der Betrag von 5 Pfennig für die Flasche, einerlei ob ganze ober halbe Flasche, Vorschlägen. Der Zuwtz ist ,echs- sach abgestuft, bie Zufchlagssätze bewegen sich zwisä)en 10 Psenmg unb 3 Mk. Privatpersonen bleiben im allgemeinen von der ,. toitcidrtung des Zusästags frei. Auch die S ch a umro e 1 n ft e u er
Die „Nnrdd. Mlg. Ztg." veröffentlicht den Wortlaut ber so ll erhöht werben; für Schaumweine im Preise von mehr dem Rcick>-ttuge zugcheuden Gesetzentwürse über bie Reichsfinanz- als 3 Mk. die Flasä)e werden bie ZuschlagL,atze iur lkillen Wein r ...... - - ■" --------- - --------- 'als Mehrbelastung neben ber Schaumweinneuer angesetzt. Auch
bie Sck-aumweine im Preise bis zu 3 Mk. erhalten einen Zuschlag, da gerade unter ihrer Konkurrenz bie beü'eren Sorten stiller


