Ausgabe 
3.9.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 3. September 1908

erscheun täglich, außer jf/.. t8| Jk '««F ä vezagspretsr

Sonntagtz. - ®eilagen: monatlick» 75 Pf^ viertel-

StehenerZamtlirEtte?. D W* ^rotigfcnS

§^©lCnv UvI 2liIitlutLs

lf«rnwr«V.An,chlüsfer 1 i V " V V * W ® ^F auSrodtt» 20 Mennig.

1üt 6t« Redaktion 112, WV Verantwortlich

Gering u. Expedition 61 W A< O * ov x<a <" < ** ' für den polltifchen Teil:

S5 Seneral-Anzeiger für Oberheffen MW

Ci oormutags io Uhr. Rotdtottsbmtf und Verlag der yrsthpschen Unw.'vuch' Mld Kteindrnckeret. R. Lange. Rcöaftfon, ExpedMon UN- Druckerei: Zchufstratze 7. 8^Etg«!re?l^'H^Äch

Deutschland und Marotto.

Deo gestern, von uns ntitgetciüe Vorschlag der deutschen Regie- Ä Muley Vasid an^crfernten, hat, wie zu erwarten war, Aufsehen erregt Bei dem von Deutschland unternommenen schritte handelt es sich, wie demBerl. Tagbl." von informierter Teile rnitgcteilt werd, nur um einen Vorschlag, oder um eine Anregung, und nrcht etwa um die (Einleitung einer Sondoraktior Deutichlands. DtUAiber hat die deutsche Regierung keinen Zweifel gela,sen, denn |te hat gleichzeitig mit thvem Vorschläge den Dtüchwn mitgeteilt, da» sie damit nicht beabsichtige, aus dem Konzert der Dtächle auszusclieiden. sondern daß sie vielmehr Gewicht darauf lege, nach wie vor im Rahmen der Akte von Algeciras in allen Stucken mit den onoeren VertiagSmäcksten d'accord vorzugehen. Der deutschen Regierung erschien aber der jefcige Augenblick bc- sonders geeignet, eine rasche Klärung der Marokko-Frage herbei- za»führen, durch die die wirtschaftlichen Interessen aller «iropaischen Staaten schon so lange und stark beeinträchtigt wurden. Sie ist der Ansicht, daß Muley Haftd heute in Mawkko der einzige aller Prätendenten ist, der tatsächlich die Macht in Händen hat, und der tmstände i)t, emgegangenen Verträgen Ächtung und eingegangenen Verbindlichkeiten Erfüllung zu verschaffen. Nicht minder ist die Regterung von der Nichtigkeit ihrer Anschauung überzeugt, daß eS für btc politischen wie wirtschaftlichen Interessen der Mächte besser ist, daß es in einem Lande wie Marokko einen von den Mächten anerkannten Sultan gibt, als eine Anzahl nicht an­erkannter llwnpvÄendentcn, die sich fortgesetzt gegenseitig be­kämpfen. Aus denselben Gründen glaubt die Regierung endlich, daß man immer im Gcsamtinteresse der Mächte den als Sultan anerkennen soll, der tatsächlich Macht und Einfluß genug hat, sich aus eigener Kraft in dieser Stellung zu halten. Aus diesen Erwägungen heraus glaubte die Regierung die Initiative ergreifen zu sollen, um die Anerkennung Muleh Hasids bei den Mächten anzuregett. Sie steht nicht aus dem Standpunkt, daß die Anerkennung Hasids erst erfolgen dürfe und könne, nachdem Ntilley Haftd feierlich die Bestimmungen her Algeciras-Akte für sich als bindend anerkannt habe. Vielmehr erblickt sie in der AlgeciraS-Akte für Marokko ein onus, das wie eine Hypothek aus dem Lande liegt, und gegen die zu regieren überhaupt un­möglich sei. Und deshalb crfdKint cs ihr unwesentlich, ob Muley »afid die Algeciras-Akte vor seiner Anerkennung als Sultan feierlich anerkennt. Man zweifelt nicht daran, boß er gar nicht anders kann, als sich streng auf den Boden der Akte zu stellen, und glaubt, daß man itach seiner Anerkennung sehr rasch durch diplomatische Verhandlungen dahin gelangen wird, baß Muley Hasid ebenso die Algeciras-Akte wie andere Verpflichtungen seines Vorgängers anerfennen werde.

Die englische Presse beurteilt den Vorschlag der deutschen Regierung sehr günstig. Deutschland habe geharidelt, toäljrcnb die anderen Möchte noch immer die traditionelle Verzögerung der Diplomatie ausüben. Deutschland hul-e nm Energie und klugem Gesckstjstsfmne gel-andelt. Tic liberale Daily News meint allerdings, daß der deutsche Vorschlag den Franzofen Verlegcn- l)eit bereiten werde. Die Franzosen würden behauprcn, daß nach der AlgeciraSakte ihnen die Initiative zukäme. Dagegen könnten die Deutschen mit Reck)t auf die zweideutige jranzösische Diplontatie in Marokko Hinweisen. Frankreich wurde jetzt am besten tun, seinen Aerger zu verbeißen und Muley Hafid anzuerkennen. Der Algecivasvertrag bleibe unberührt, und auch die französischen Jn- tcrcsftn seien reichlich gewahrt.

Die Verlegenheit Frankreichs zeigt sich, jetzt auch deutlich in einer Auslastung desTemps", worin es u. a. heißt:

Am Tatze nach der Proklanlalion Mulay Hasids legte Frank­reick) seinen Standpunkt in den Erklärungen dar, die von dem Ge­sandten Rcgnault El Menebbi unb El Gebbas gegenüber gegeben ivurocn und Die folgendes enthielten: Erstlich ist cs nötig, daß die Mächte den Inhalt der Garantien studieren, die für die europäischen Interessen verlangt werden müssen. Zweitens ist die Ueberein- ftimmung der Mächte bezüalich dtescr Garautieil ebenso notwendig, tote diese Garantien selbst. Drittens enthält die innere Lage Aiarvkkos noch zuviel des Unbekannten, als daß eine Entschei­dung getroffen werden konnte, bevor man vollständig unterrichtet ist. Viertens ergriff unter diesen Vorbehalten Frankreich keinen Augenblick Partei für die Nichtanerkennung Muley HafidS. Frank­reich wünscht nur, daß feine tatsächliche Lage festgestellt werde.

Dies sind die vier Vorschläge, die Frankreich und Spanien seit dem 26. August ins Auge gefaßt haben unb dieser Standpunkt ist allen auswärtigen Aemlern bekannt; er rief bis jetzt bei der deutschen Regierung keinen Widerspruch hervor."

. Eine Stütze fürihre, von der deutschen abiveichenden Auf­fassung werden die Franzosen jetzt sicherlich in den neuen Zu­sammenstößen im südöstlichen Teile Marvkkos crblideit. Am 1. September mittags um 1 Uhr griffen die Marokkaner das von den Franzosen besetzte Dudenil an, ohne Erfolg. Um 2 Uhr nachts erfolgte bet Hauptangrisf. Er wurde mit Hilfe der Mitrailleusen und Handgranaten abgeschlagen, die sich ganz besonders wirk- fam erwieten. Obrvohl die Angreifer beim Rückzüge ihre Toten Mitnahmen, wurde noch eine große Anzahl Leichen gefunden, die der Feind mitzmtehmeu nickst mehr Zeit gehabt hatte, was ver­muten läßt, daß er sehr schwere Verluste batte. Auf französischer Seite wurde nur ein Schütze getötet; sieben wurden verwundet.

Wie derTcmpS" meldet, hat Minister Pichon geitern nach­mittag Den deutschen Botschaftsrat von der Senden empfangen.

Reichrfinarrzresorm und Tabalmduftrie.

Wcnit von der bevorstehcnd^n Reichssinan-reform die Rede ist, denkt man in erster Linie an eine itarfe Belastung des Tabaks. Die guten Resultate, die man mit der Zigarettensteuer gemacht hat, geben der Hoffnung Raum, daß man mit einer neuen Tabak­steuer rtoch bessere Resultate erzielen iverde. Bei solchen Er­wägungen verhehlt man sich freilich nicht, daß die Tabaksteuer auch ihre großen Schattenseiten haben werde. Eine der bcoauerns- wertesten Folgen wäre der Untergang so vieler kleiner unb mitt­lerer Betriebe. Doch was schadet das, so hört man Freunde der Tabaksteuer, wie Herrn Professor Biermer in Gießet:, sagen. Bei der Reichsfinanzreform, die ja eine nationale Frage von größter Wichtigkeit sei, dürfe man auf die Interessen einzelner Enoerbs- ztveigc keine Rücksicht nehmen. Hier handele es sich um die finanzielle Machtstellung des Reiches, und da müßten nun ein­mal Opfer gebracht werden. Von anderer Seite begegnet man solchen ©cbanfengdngen wiederum durch den Einwand, daß cs eine nationale Frage nickst minderen Ranges sei, eine volks­tümliche Losung für das Problem Der Rcick)sfinanzreform zu finDen. Das Problem müsse in sozialem Geiste gelost werden, so daß der Besitz seiner Leistungsfähigkeit entsprechend belastet iverde.

In bet Zigarrenindustrie beläuft sich Die Zahl der selbständigen Unternehmer auf etwa 20 000. Von diesen vielen Betrieben sind aber nur 330 so groß, daß sie mehr als 50 000 Mark Arbeitslohn zahlen, in 1800 Betrieben wird jährlich die Summe von 10 000 bis 50 000 Rkark Lohn bezahlt. Der Rest setzt sich aus Klein­betrieben zusammen.

Beschäftigt sind in brr Zigarreninbustrie etwa IGO 000 Fabrik­arbeiter, etwa 40000 Heiium",, iter vnb mehr als 10 000 S'lcm- Unternehmer. Mit Einführung der Fabrikatsteuer würden also Zehntausend von mittleren unb kleineren Existenzen vernichtet, da es ja aus steuertechnifchen Gründen unmöglich ist. Die Tausende von Arbeitsstätten, in Denen Zigarren hergestellt werden, zu kon- trollieren. Zn einer Zuschrift an die Nationalliberale jborrcspon- dcnz, Der auch das oben erwähnte Zahlenmaterial entnommen ist, wird auf die folgen der Fabrikaisteuer mi: genügender Deutlichkeit lnngewiesen. Dort heißt es denn weiter:Alle kleineren und kleinsten Betriebe müßten oann eingehen, und es würde für die übrig bleibenden eine Art von Monopol geschaffen werben, eine Tatsache, welche dem amerikanischen Trust das Eindringen in die bisher völlig teuft» und syndikatsreie Zigarrenindustrie gewaltig erleichtern und den gesetzgebenden Faktoren sicherlich Die Frage nahe legen würde, ob bann nicht besser gleich ein Staats- Monopol einzuführen wäre.

Auch für Den in Deutschland sehr ausgedehnten freien Zi­garrenhändlersland wäre eine Entwicklung der Zigarrenindustrie, wie sie die Banderole notwendig mit sich bringen müßte, nämlich das dviniitterende Uebergewicht weniger von großen Fabriken her- gestellter Zigarren-M arten (ähnlich wie bei der Zigarette, und Die Abhängigkeit von diesen in Verbindung mir dem durch jede Steuererhöhung unvermeidlich herbeigeführten Konsum-Rückgang von vernichtender Wirkung. Zahlreick-e dieser Mittelstands-Eri- stenzen würden zugrunde gehen, und die kapitalkräfttgsten Uebng>

bleibenden würden aus freien Händlern zu abhängigen werden, ähnlich, wie es die Trafikanten in den Plonopolländern sind.

Zur Arbeiterfrage möchten wir noch auf ein Moment Hin­weisen, daS ganz besondere Beachtung verdient.

Bei dem stetig fortschreitenden Ucbergangc DeutscAands vom Ackerbau- zum Jndnstriestaate, ist die zunehmende Enttvnrzelung der Arbeitskräfte von Der heimatlickstn Scholle eine der uner­wünschtesten Begleiterscheinungen. Wahrend die grvßkap.talisttfm betriebenen Industriezweige in steigendem Blaße zentralisiert pro­duzieren, ist bei Der Zigarrenindustrie gerade das Gegenteü der Fall; sie zieht die Arbeitskräfte nicht an sich, sondern geht ihnen nach und verschafft ihnen Arbeit in ihren Wohnsitzen, ohne sie ihrer Heimat zu entreißen; sie arbeitet dezentralisiert, verbreitet sich über das flache Land und ermöglicht es den Leuten, auch ferner ihren heimatlichen Wohnsitz beizubehalten und in Der Nebenbe­schäftigung ländliche Arbeiter zu bleiben. Hier hat sich in glück- Iid)cr Wecke von selbst gestaltet, waS man in anderen Industrien mit künstlichen Mitteln mühsam l-erbei'uführen sucht, und in dieser Erwägung prägte der )iationalÖkonom Victor Bohwert, der kürzlich in fein 80. Lebensjahr cingctretai ist, einst das Wort die Zigarrenindustrie ist eine Industrie, ivelche, trenn sie nicht sckwn bestände, erfunden werden müßte!" Durch eine Banderole- (teuer mit ihren zentralisierenden fj-olge» würde dies alles zer­stört; tief einschneidende territoriale Verschiebungen der Fabrikation und ferner die bei jeder Steuererhöhung unvermeidliche Konsum- Verminderung mit ihren lohnd rück enden Folgen würden ein Uebriges tim, die wirtschaftliche Lage der Zigarrenarbeiter auf das ungünstigste zu beeinflussen. Ohnehin iit diese schon ge­fährdet durch Die in der ganzen Welt fortschreitende, durch Die Mode begünstigte, riesige Zunahme des Zigarettenkonsums, ivelche in unseren 9tachbarlänDern Frankreich und Oesterreich bereits eine absolute Abnahme Des Zigarettenkonsums zur Z-olge gehabt hat.

Nun ist davon die Rede gewesen, diesem ttcberhandnchmeir des Zigareitenverbrauck,^ Durch eine meitere starke Erl-ohung der Zigarettensteuer begegnen und dadurch Der Zigarrenindustrie ein Aequivalent zu bieten für den bei einer Steuererhöhung zu ertvartenden Konsum-Rückgang. Wir sind indes der Meinung, daß ihr dies sehr wenig helfen würde. Denn die Mode des Zigaretten­rauchens ist so mächtig. Der Konsum immer noch Derart in der Zunahme begriffen, day Die größeren Zigarettenfabriken Durch Die monopolistisch wirkende Banderolcstcuer sogar noch eine Verbesse­rung ihrer Rentabilität erzielt haben.

Wenn wir nun schließlich noch Darauf hintveisen, daß 85 Prozent aller Zigarren im Einzelvcrkauf bis einschließlich ca. 6 Pfennig pro Stück kosten und nur 15 Prozent int Preise darüber hinausgehen, so ergibt sich Därnus, Daß man namhafte Erträge olme eine ganz einpfindlick)e Belastung Des Massenlonfnms nicht erzielen konnte. Ter Steuerzahler (als Gesamtheit betrachtet) würde außerdem infolge der riesigen rconirollkosten und der un­vermeidlichen prozentualen Zuschläge, durch die sich das Fabrikat auf Dem Wege von der Herstellung bis zum Konsum verteuert, eine weit größere als Die ihm zugedachte Summe auf zubringen: Haden, und er würde sich jedenfalls ungleich besser stehen, wenn man Diese Summe auf direktem Wege von ihm erhöbe."

Durch Diese Ausführungen glaubt Der Einsender der oben genannten Korrespondenz Dargetan zu haben. Daß die geplante stärkere Belastung des Tabaks eine wirtschaftlich und sozial durch­aus schädlickte Maßregel sein würde. Tie Reichs-EinnalMen aus Dem -tabat würden im laufenden Jabre (Zölle, Tabak- und Ziga- rettensteuer zusammengenommen) WO Millionen Mark erreichen, und wenn Demgegenüber immer auf die höheren Erträge anderer Länder hingewie^en iverde, so Dürfe nidtf übersehen werden, daß diese auch kein Tabatgcwerbe besäßen. Das wie Das deutsche ein* schließlich der Neben-Zndustrien sowie der vom Vertriebe dec Fabrikate Lebenden und der Familienangehörigen sicher 1 Million Menschen ernährt, die durch ihren Verbrauch an anderen Konsuin- crrtikeln auch wieder zum Wohl und>eiheii des Gan^n bei* tragen. Wie nun einmal Die Dinge in Deutschland liegen, werde man zugeben müssen, daß von allen etwa in Betracht lammen Den. indirekten Steuern Die stärkere Besteuerung des Tabaks diejenigs sei, welcher die schwersten volkswirtschaftlichen und sozialpoli­tischen Bedenken entgegenständen.

Der ungenannte Einsender meint zum Schluß, daß die Reichs* finanzrefonn nur bann befriedigend gelöst werden tonne, wenn diejenigen Kreise, die sich einer gerechien Verteilung der Lasten

Kleines Feuilleton.

Sardanapa l". ckus Berlin, 2. Sept., wird und geschrieben: Auf die großen Envartungen, die der ersten Auf­führung desSardanapai" im Berliner Opern Haufe cntgcgcngc» bracht worden waren, ist eine kleine Enttäuschung gefolgt. Dis ist eben Der Unsegcn solchergroßen" Dinge, daß man ihnen eine Wirkung zu traut, Die sie nid# erfüllen können, unb daß Der Thectterklatsth, der emsig Mythen webt und formt, dann in reckst prosaischer Wirklichkeit zerfließt. DerSardanapai" sollte Die assyrische Vergangenheit int Bilde neu erstehen lassen. Dies hat er ivohl redlich gehalten, aber Die AunDerwerl'e der Aus­stattungstechnik, die er dem Publikum vorführte, haben ihr letztes Ziel doch nicht völlig erreicht, weil es dem Zufchauer schließlich gleüfigültig ist, ob Die Gerate, Waffen und sonstigen äußerlichen Antungselemenre den Vorbildern genau entsprechen oder nickst. Die fachmümlische Kontrolle ist nicht Sackw des auinehmenden Pub­likums, das ja der Altertumswissenschaft nicht so nahe steht, wie Den Veranstaltern derartiger Vorführungen, die offenbar nicht daran gedacht haben, daß in einer Ausstattangspantomime ganz andere Faktoreic das entscheidende Wort zu sprechen haben. Die assl-rische Meiningerei ist int Grunde für das große Publikum ganz belanglos und hat, wie gestern die Erfahrung lehrte, auch nicht DaS Geringste dazu beigetragen, die Bühnenbilder zu ver- 'djönen oder auch nur sehenÄverter zu machen, als wenn sie Der Phantasie eines geschickten ZLegisseitrs oder Dekorationsmalers ent­sprossen wären. Das alte Taglionisckw Ballett, das jetzt durch Pros. Friedrich Delitzsch zu einer großenhistorischen" Pantomime untgeformt nrurbc, war etttschteden interessanter, denn es hatte eine .Handlung. Die Pantonnme ergeht sich in Aeußerlichkeiten, sie zeigt SardLtaoal nur alS das Opfer des Geschickes, daS ihn zugrunde gehen läßt, olme daß er sich gegen das Walten der un­faßbaren M»uhte auch nur im geringsten aus lehnen roürbe.^ Alles steuert auf Die letzte Szene zu, in der er sich mit feinen Frauen und unermeßlichen Schätzen verbrennt. Und die Musik, die Joseph Suhlar aus Themen der alten Hertelschen Partitur unb aus asstmischenOriginaltnotivm" atfantmengefügt hat, ist cinsach langweilig. Das Ganze fließt schwerfällig unb u n- interessant dahin, Derat gespreizt und gequält, datz nicht einmal die ivirklich wundervollen Dekorationen unD Kostüme über Die OeDe der Pantomime hinwegtäuschen können. Dem ist viel zu tocitig Raum gegeben, und wo er einsetzt, ist er p e_t n- lich un itatürlich stilisiert. Für Die Kunst i>t dieserLar- danapal" ohne Zweifel ein verfehltes Experiment.

2- C. L.

Eine neuentdeckte Germanengöttin. Abg. K ö h l e r - Langsdorf schreibt uns, in Anknüpfung an unsere No­tizen in Nr. 205 und 206: Ich will zu meiner gestrigen Zuschrift noch hinzufügen, daß das schriftdeutsche WortErme" in Wetter- auer Mundart sowohl alsEarn", wie alsAern" gesprochen wird. Besonders ist das letzte Wort noch durchaus gebräuchlich in Dem DoppelwortAern-Lautern", das sind DieErnte-Leitern" (die Leitern auf den bekannten Leiterwagen).

Vorn Darmstädter Hoftheater. Matt schreibt uns aus Darmstadt: Mit Rücksicht auf die im letzten Jahr durch den Theaterumbau erfolgten, durch die große Preiserhöhung ver­ursachten schleckten Besuch des Hoftheaters hat mau nun den 2. Rang, Den Sperrsitz und das Parterre in 2 Abstufungen ge­teilt, von welchen Die 2. Abstufung entsprechend billiger ist. Im 2. Rang ist von der 7. Reihe ab der Platz um 50 Pfg. ermäßigt, beim Sperrsitz ist bet Platz von Der 14. Reihe ab 80 Pfg billiger und im Parterre tritt von der 6. Reihe ab eben­falls eine Ermäßigung von 50 Pfg. ein. Bei kleinen Preisen ist die Differenz entsprechend geringer.

Eine große Olbrich-Gedächtnisfeier, die als Einleitung einer Sonderausstellung von Plänen und Entwürfen gedacht ist. plant, derDarmst. Ztg." zufolge, die Darmstädter Ausstellungsleitung im Verein mit der dortigen Künftlerschaft unb eventt. auch der totabt. Als Schauplatz ber Totenfeier ist bie Terrasfentreppe an ber Rückseite des monumentalen Oldrichschen Ausstellungsgebäudes auf der Mathildenhöhe in Aussicht genom­men. In der Mille des Treppenpodestes der Terrasse soll hierbei eine Kolossalbüste des Künstlers, von Jobst modelliert, ausgestellt werden, die von mächtigen Feuerbecken flankiert werden soll. Bei ber Feier soll ein Chor der Darmstädter Gesangvereine und mehrere Musikkapellen Mitwirken. Ein Posaunenchor von dem von Lldrich erbauten Hochzeits-Turm her ah soll die Feier beschließen.

Vo m Philosophenkongreß in Heidelberg wird unterm 2. d. M. gemeldet: Prosesstir Xavier Ldon aus Paris, einer der hervorragendsten Fichtesorscher des Auslandes, ergriff in der heutigen allgemeinen Sitzung Des Philosophenkoitgresses das Wort zu einer schwungvollen Apothese von Johann Gottlieb Fichte. Unter Hinweis auf die im nächsten Jahre ftotifüibenbe Zentenarfeier der Berliner Universität, verbunden mit der Jahr­hundertseier von Fichtes Sieben an die deutsche Nation und mit Der Enthüllung eines Fichte-Denkmals feierte Der franHsisthe Ge­lehrte den dcutichLN Geisteshelden als einen Freiheitskämpfer, Der nicht Deutschland allein, sondern Der ganzen Menschheit angeböte. Stürmischer anhaltender Beifall lohnte den RÄrner.

Ans der Werkstatt der Dramatiker veröffentlicht Das ,B. T." nach Rundfrage an eine Reihe deutscher Buhnen- schriftsteller einige fPhtteihmgen: Josef Laufs schreibt:Ich habe ein bürgerliches Sckauspiel ^Der Teichgraf" vollendet, das seine Uraufführung zum Beginn der neuen Theatersaison am Wiesbadener Hoilheater erleben wird. Ferner erscheint mein neuer Roman -^mckt Anna/ Er spielt in Brügge und an der vlämischen Stufte. Max Halbe kündigt eine moderne KomödieBlaue Berge' an, Oslar Blumenthal hat mit Gustav stadelburgDie Tur ins Freie' geschrieben.

Mit welchen Mitteln kann Einfluß ge­wonnenwerde nauf dickünstlerischeAusgestaltung privater Bauten in Stadt und Land? lieber dieses! Thema sprach bei Dem soeben in Danzig abgehaltenen Verbandstaae deutscher Architekten- unb Jngcnieurvereiite Oberbaurat F. L. Sf. torf/ntiDt aus Dresden Von säst allen dem Derbanbe angehörendcir Vereinen seien für diese' in bie Reihe ber Verbandsarbeiten auf- genomntenc Fragen eilige ber.be Darlegungen eingegangen. Mit seltener Einmütigkeit und Wärme wurde anerkannt, daß zur Er- Haltung ber Eigenart unb Schönheit der deutschen Stadt-, Dors- und Landschaftsbilder auf baulichem Gebiete mehr geickchen müsse, als seither geschehen ist. Im einzelnen ergäben sich folgende For­derungen, die gegebenenfalls als Unterlage für Anträge dienen konnten: Einwirkung auf die Ausbildung Der Schüler unserer teck» mschen unb gewerblichen Lehranstalten: Einstellung nur tüchtiger, in schlichter Zvrmgebung burchans erfahrener Lehrer; Sammlung, Vevonentlickwng unb Berbr.itung guter, auch in wirtschaftlicher und bautechinscher Hinsickt empfehlenswerter Beispiele in Enttvürfen und Modellen. Abhaltung von Meisterkursen für die Bauge- werksmerster auf dem Lande und in kleinen Städten unter (Bo Währung staatlicher Unterstützung für die erforderlichen Reisen, Einwirkung auf Die Gestaltung Der Bauordnungen und Bebau- ungS- bezw. Fluchtlinienpläne im Sinne künAerischcr, beutsch- cigetwtitger Anschmtungm. Einladung an alle höheren Bau- mtd Verwaltungsbeamte Mr diensllichen Teilnahme an einem Zyklus von Vorle,ringen übet Städtebau. Beeinflussung Der (So nwinben bei Planung ihrer eigenen Anlagen, insbesondere bei schulen, Piarr- und GemeinDehäusem, Aussichtstürmen unb Deuk- maton. BeiorDnung geeigneter Sachverständiger, ober Sachver- fraTt^tgcnEoirtmif)_ix>nen zur Beratung Der BaupvlizeiveHörden zum Zwecke der Prüfung von Bauentwürfen auch in ästhetischer Hin- lUDt: Anhaltung Der stabt- und Gemeindepcrwaltungen zur Be- Wlgnng einer vernünftigen Bodenpolitik zur tunlichsten ,Fernhal- ttmg euta ungesunden, ber schvnheitlichen Entwickelung feinte Irdjen Bodenspekulation. Anregung zum SBetteifer in Der