Ausgabe 
3.2.1908 Erstes Blatt
 
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Marie* und lebten dort von den Zinsen der Summe von einer Million Mark, die der jetzt regierende Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz seiner ältesten Tochter zum Unterhalte ausgesetzt hatte. Anfangs galt die Ehe des jungen Paares, der mehrere Kinder entsprossen sind, als glücklich, trotzdem sich seine gesellschaftliche Stellung sehr schwierig gestaltete, da die vornehmen Pariser Kreise von dem Grafen Jametel seines Ursprunges wegen nichts wissen wollten und sich ihm gegenüber stets abweisend gezeigt haben. Heber die Gründe der, wie behauptet wird, in kürzester Frist zu er­wartenden Scheidung der Gräsin Jametel von ihrem Gatten die Gräfin soll die Klägerin [ein sind widersprechende Versionen im Umlauf.

* Neue schweizerische Briefmarken. Seit einiger Tagen sind die neuen schweizerischen Briefmarken zu sehen, die naa) den Entwürfen bekannter schweizerischer Künstler hergestelll wurden. Aus der grünen Fünsrappenmarke ist der Knabe Tells abgebildet, auf der roten Zehnermarke die Helvetia, die sich aus das Schwert stützt. Die neuen Diarien geben der Oeffentlichkeit viel zu reden. Man behauptet, daß der Entwurf gut gewesen sei, daß er aber durch die schlechte Ausführung der Platten verdoroen worden wäre. Der Knabe Telts, der von dem schweizerischen biomantiker Albert Welll gezeichnet wurde, sieht allerdings etwas stillos aus, und die Großenverhällnisse des Knaben, der riesengroßen Armbrust und des Apfels sind nicht sehr glüalich. Zn einigen Zeitungen verlangt man die Einziehung der neuen starken, da die Schweiz durch diese Er­zeugnisse bloßgestellt sei.

* Die wirtschaftliche Entwicklung Turke- st ans. Daß die wirtschajrliche Erschließung der alten Kulturländer Asiens durch das Eindringen Europas große Fragen der Zutuns t ins Leben geru,en hat, ist bereits viet,ach bemerrr woroen. Tie Bagoadbahn beginnt die west­lichen Länder zu neuem Leben anzuregen, während im Osten Asiens das uulwnale Leben der Kulturvoller sich regt und nach einer [elf) (taub igen EMialtuug seiner Kräfte strebt. Damit werden auch die inueraiiatr,chen Gebiete ihre alle Be­deutung als Bindeglied zwischen Ost und West wieder ge­winnen; im 13. Jahrhundert ging der größte Landverteyr der Geschichte aus den Straßen Lurkestaus. Im Lause des letzten Jahrzehnts ijt bt-efes Gebiet mehrfach geographisch und historisch durchjorscht worden. Eine ehemacs dluyende Kultur ist aus Rumenstäoten aus Licht getreten. Doch schien das Land in seinem heutigen Zustande so völlig verödet, daß seine wirtschaftlichen Beomguugeu, seine Kulmrgevgraphie und damit seine zukünftige Bedeutung kaum jemals nayei untersucht wurde. Durch eine eingehende Gr Forschung des Gebieres hat sich Pros. M. Hartmann vom orientalischen Seminar in Berlin das Verdienst erworben, das Larrd in eine neue Veieuchtung o:fe^t zu yaben. In einer kultur­geographischen Monographie, die in der SammlungAlt- gewandte Geographie" bei Geoauer-Schwetschke in Halle erscheint, wird die Geschichte und Kultur des Gebietes 0ar- gestellt. Ein interessani.es Kapitel gilt dem geistigen Leben oes Volkes und der gier herrschenden völlig erstarkten isla­mitischen Bildung. Von allgemeinem Interesse aber sind die wirtschaftlichen Schilderungen. Sie zeigen ein Land, das an sich nicht geringe Möglichkeiten eines reichen Ertrag sichernden Anbaues bietet; zumal für Baumwolle, Obst, Gemüse und Wein ist hier em Land der Zukunft. Vor allem aber wird die Frage behandelt, wie die Straßen Turkestans ihre alte BedeUi-..:.g atS Glieder in einem Straßennetz des Welthandels wieder gewinnen können. Heute gehen zwei alte Straßen von Kaschgar aus, eine nördliche und eine südliche, die nach Pellng uno ins Innere Chinas führen. Zugleich ist Kaschgar das Ziel der Verbindungs­straßen mit dem russischen Turkestan, dem Oxusbecken und Indien. Die heute begangenen Wege fuhren über sehr hohe und schwere Pässe, oen Karawrumpaß im Süden, den Terek-dawan im Norden. Es ist von höchstem Interesse, durch Pros. Hartmanns Mitteilungen Wege kennen zu lernen, die heute aus politischen Gründen von russischer Seite ge­sperrt sind, die aber ungleich gibt [tiger sind. Vor allem aber handelt es sich um die Angliederung Jnnerasiens an die bereits vorhandenen Bahnen. Zwei Linien würden von größter Bedeutung für die zukünftige Entfaltung Inner-- astens sein, einmal die Angliederung an Indien durch die; Strecke Kandahar-Herat-Ku;chkii-Posr, sodann die Verbin­dung des Oxusbeckens mit dem reichen Badachschan (Tard- schui-Balch-Kuuduz oder Aierw-Andschui). Das einzelne möge man nach Hartmanns Bemerrungen (S.77) prüfen. Es sind selten mtereffantere uno zukunftsreichere Gedanken über die Entwickelung Asiens geäußert worden. Das Buch, ist mit überzeugender Klarheit uno Lebhaftigkeit gefcyrie- beu, in seiner Darstellung allgemein verständlich. Ern wert- ookler Anhang bringt in mehr als 100 Anmerkungen das gelehrte Material sur den Forscher.

* Ein Volkvon Diebcm Emen interessanten Auf­satz über die Maghaja Doms, denStamrn der indischen Diebe", veröffentlicht ein langjähriger britifcher Beamter

auch noch einen Schlagring ab und verhaftete ihn.

** Hochstapler. Bor einigen Tagen mietete ein «mgeblicherEisenbahn-Jngenieur" Lauer bei einer hie­sigen Witwe ein möbliertes Zimmer. Am anderen Morgen wollte der Herr Ingenieur einen Hundertmarkschein ge- wechsell haben, und als die Witwe dies nicht konnte, so bat er um 5 bis 10 Mk. Darlehen, er müsse doch etwas Kleingeld haben, wenn er zum Dienste gehe. Es wurden 'ihm 5 Mk. anstandslos übergeben, aber der Herr In­genieur ging und kehrte niemals wieder. Derselbe Schwind- jler machte den gleichen Trick vor einigen Tagen auch in lMainz, wo er sich Techniker Ballmann nannte.

Friedberg, 1. Febr. Wie dem Ob. Anz. mitgeteilt wird, sind Verhandlungen über den Bau einer elek­trischen Bahn Bad-Nauheim Friedberg- Homburg in die Wege geleitet. Die Bahn ist so ge­dacht, daß sie den kürzesten Weg von Bad-Nauheim nach Friedberg einschlägt. Friedberg wird südwestlich berührt -werden, also der Bahnhof etwa in die Nähe des Vier- seicheuplatzes zu liegen kommen. Die Bahn nimmt alsdann ihren Weg über Ockstadt, Ober-Rosbach in direkter Linie nach Homburg. Bei Ober-Mörleu, am Eingänge des Waldes soll eine Usatalsperre errichtet werden. Die Sperre soll 380 Meter breit und 800 Meter lang werden; die mittlere Tiefe soll 21 Meter betragen. Die Sperre wird den Zweck haben, zwei Turbinen zu treiben, die genügen, den Kreis Friedberg mit Elektrizität zu versehen. Ferner !soll die Ufa das ganze Jahr hindurch zirka 40 Zen.imeter 'hoch gehalten werden, um bei Bad-Nauheim ihren üblen Geruch im Sommer zu beseitigen. Auch soll die Talsperre den Ärrfremden zu Vergnügungen dienen, denn es sollen .^einige Akotorboote darauf verkehren und größere Fisch- izucht betrieben werden.

x Nidda, 2. Febr. Ein Trauerzug, wie ihn unsere Stadt noch [eiten gesehen, bewegte sich heute nach :"un)erent Friedhof. >Es galt die Beerdigung eines Bürgers unserer Stadt, der durch seinen Gemeinsinn, sein Interesse für das Wohl unserer Stadt allgemeine Anerkennung .genossen hatte. Es war der Weißgerbermeifter Philipp Bechtold, der im Alter von 76 Jahren verschieden war. !.Er war Mitgründer und früherer Kommandant der Feuer­wehr, langjähriger Präsident des Mänuergesangvereins, des Kriegervereins und bis 1903 Vorsitzender des Bezirksaus- isthusses der Kriegervereine. Auch dem Gemeinderat hatte ?er lange Jahre angehört. Pfarrer Werner widmete feiner .Schaffenskraft, Schaffensfreudigkeit und seiner ^Pflichttreue Worte der Anerkennung. Kränze ließen nieder- regen der Bezirksvorstand der Kriegervereine, der Krieger­verein Nidda, der Männergesangverein, die Feuerwehr und die Stadt Nidda. Lehrer Jung zu Ober-Mockstadt und Oberst Weimer hielten besondere Ansprachen. Fünf Krieger- .vereine hatten sich in corpore au dem Leichenbegängnis beteiligt. Der Männergefangverein sang ihm das Grab­ried. .S. K. H. der Großherzog hatte dem Verstorbenen wor einigen Jahren das Silberne Kreuz des Berdienst- lordens Philipps des .Großmütigeu verliehen.

R. B. Darmstadt, 2. Febr. Die Trauer feier für den SeniorchLs des Fürstlich Erbach-Schöüberg- fchen Hauses fand Samstag nachmittag im Alten Palais unter ganz außerordentlicher Beteiligung von Leidtragen­den ans allen Kreisen der Gesellschaft statt. Die Leiche Lvar ün kleinen Saal in einem rot samtenen Sarkophag mit Silberbordüren aufgebahrt, und sechs silberne Kande­laber mit Kerzenlicht erhellten den Raum. Am Fußende waren aus schwarzen Sammetkifsen die Orden des Ver­blichenen, darunter das Eiserne Kreuz und der hessische -Ludwigsorden, ausgelegt uud ringsherum die Kranzjpen- sden der fürstlichen Leidtragenden aus gebreitet, darunter solche vom Großherzog und der Großherzogin, dem Prin­zen uno der Prinzessin Heinrich von Preußen, sowie ein wunderbares, von der Kaiserin von Rußland aus Peters­burg gesandtes Riesenkreuz aus leuchtenden weißen Lil.cm. Der GroMerzog führte beim Eintritt in den Saal die Fürstin-Witwe, der Fürst Alexander die Großherzogin und der Fürst zu Waldeck und Piemont seine Schwerer, die Fürstin Alexander. Weiter waren erschienen Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg, säst sämtliche hejji- schen Standesherren und sonstigen Mitglieder der ersten Kammer, die drei Minister, die Generalität und die übrigen hohen Würdenträger des Landes. Die stimmungsvolle Feier Begann mit dem ChorgesangChristus, der ist mein Leben", worauf Oberhofprediger Ehrhardt Schrifrleition .und Gebet las; der Einsprache waren Psalm 130Aus der

begleiruug der Kmegervereme uer Grafschaft Croaaj-<ochön- berg nach der Martenllrche zu Schönberg übergeführt, von wo am Ako mag vormiitag 11 llyr die Beise^mig aus dem herrschaftlichen Friedhof erfolgt.

Offenbach a. M., L Febr. Die Stadtverord­netenversammlung be,chäfiigte sich gestern mit der Angelegenheit des Stadtrechners Grebe. Bei wteder- holien Revi,iouen der Sladtiasfe haben sich Unregelmäßig- icLen ergeben. Die Siadiberbroneienver,amuiiung beschloß, durch eilten auswäriigen laeamten eine genaue diachprüsung bornehmeu zu lassen. Das Aiinisterium hat Grebe die Rechnungssührung des Gymnasiums und der Oberrealschule entzogen. Wie n. d. Frcf. Z^g. verlautet, hat der Ver- fassungs- uud Vermögeusausschuß der Sladtverordneten- ver,ammluug beschlossen, wegen des Verlustes an den Kaiferhos-Attien Schadensersatzklage gegen den Barnier Wolff in Franisurt a. M. unb gegen Bürger­meister Dr. Dullo anzustrengen.

= Rodheim a. d. B., 3. Febr. Am vorigen Samstag, 1. Febr., fand hier Bürger meist erwähl ftait. Es winde Sjürgerinciiivr Bechtold einstimmig wiedergewählt. Durch düse einhLttliche Stünmenabgabe Haven die Geniemdevenreter ganz dem Wunsche der Durgec Rovheüns eniiprodjen. Bürgermeister Bechtold hat es verstanden, während seiner Amtszeit, die Vielen Parteien, die in Rod Heini vertre.cn waren, sozusagen unter einen Hut zu. leiten und |o ein wirksames Suiammenarbeiten hervei- gesührt. Er hat gezeigt, daß er den vielen Anforderungen, die an ihn herantrateu, in jeder Weise gerecht wurde. Jederzeit das Wohl der Gemeinde im Auge behaltend, hat er so mancheni Bedürfnis durch eine entsprechende Einrichtung abgeholfen. Sei­nem Wirken haben wir es zu verdanken, dag unsere Gemeinde mit dner Quellwasserleitung versorgt wurde, durch die er «ich ein ehrendes Denkmal für alle Zeck in unserer Genieinde gesetzt hat. Ferner wurde unirr ।einer Amtszeit eine freiwillige Feuerwehr unb eine Sanitätskoloiine gegründet, die sich feiner Jürfpracpe zu erfreuen haben. Auch wird er uns in nächster Zeit einen stattlichen Schulhausneubau vor Augen führen. Kile diese Einrichtungen beweisen, daß Bürgermeister Leastold mit rechtem, edeldenkendem Sinne unserer Gemeinde Vorsicht und wir hoffen, daß er noch recht lange in dieser Weise sein Amt bekleiden wird.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In der Marburger Klinik starb yesieru der bejahrte Landwirt Noll aus Reddehausen, der in Bernsdorf bei der Dreschmafchine gestürzt war und sich einen Schädeloruch zugezogen hatte. Der 30Miige Rangierer Weimer aus Klein-Diez wurde in Diez beim lleberschreiten der Gleise von einer Lokomotive erfaßt uni) schwer verletzt. In Naffay wurde derW underdottor" Kempfer verhaftet, dem vor- geworseu wird, durch falsche Behandlung den Tod einer hiesigen Frau verurfacht zu haben. Die Leiche der Frau wurde aus­gegraben und seziert.

* Ehescheidung in einem Fürstenhause. Wie man, Berliner Blättern zufolge, aus Paris schreibt, soll die Ehefcheidung der Herzogin Riarie von wl ecki e n b u rg- Strelitz vom Grasen George Jametel beoorftehcn. Man erinnert sich der romantischen Umstände, unter denen diese Heirat zustande kam. Sie wurde 1899 in der Londoner Residenz des Herzogs von Cambridge, des verstorbenen Groß­oheims der Herzogin 2Jiarie, im Beisein von nur wenigen Verwandten gefeiert und erregte ziemlich viel Aufsehen, konnte doch der Ehebund als recht ungleich angesehen werden. George Jametel entstammt einer Familie sehr einfachen Standes. Sein Vater war unseres Wissens ein Kaufmann kleinen Stiles in einem Pariser Vororte, George soll in verschiedenen fürst­lichen Häusern Kammerdiener gewesen sein, und über die Mittel uhb Wege, durch die es Herrn George Jametel gelang, in Nom den Giafentitel zu erwerben, wird mancherlei erzählt. Ter Graf und die Gräsin Jametel ließen sich in Samt- Germain bei Paris nieder. Sie bewohnten dieVilla

Polizei erschien, nahm dem Wüterich den Revolver und l Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir" imd der Brief Paulus an *..... ' ...... die Römer, Kap. 8 zu Grmrde gelegt. Nach, der Einsegnung,

Gebet uno Segen schloß der ChorgesangWenn ich einmal soll slheiden" die Feier. Vor dem Palais hatte ein Ba­taillon des Leibgrenadier-Regts. llö Parade-Aufstellung genommen, unter dessen Vorantritt mit der Regiments­kapelle sich dann der lange Trauerkondukt zum Bahnhof bewegte. Unmittelbar hincer dem offenen Leichenwagen folgten zu Fuß der Großherzog mit dem Fürsten von Waideck unb Pyrmont uud Prinz Ludwig von Battenberg mit den beiden kühnen des Verstorbenen, die fremden Würdenträger, die Generalität, die Minister, die Ofsizier- korps der hiesigen Regimenter uiid viele weiteren Leid­tragenden. Am Bahuyvs biloele das Eyrenbatalllon Front und unter dem üblichen Eyrensalut uiid Trommelwirbel unb Cyoralmusik würbe der Sarg von acht Unteroffizieren in das Fürsten zimmer getragen, von wo halb bar auf bie lieber,ührcing nach Srnriou Bensheim erfolgte. Von dort wurden die ^erblichen Ueberrefre am Abeno unter Fackel-

Aus dem Leben des Königs Carlos.

^Jch wünsche, daß Tu ein König fein wirst, wie es Tein Vater gewefeu, gerechl und dem Gesetze getreu, und ich gebe Dir meinen Segen". Atil diesen Worlen führte, als Tom Luis I. eben den letzten Atemzug getan, ieine Gemahlin Maria Pia ihren ältesten Sohn an fein eietbtiager. Es war Tom Carlos L, dessen t'ebcn jetzt die mörderische Kugel zugleich mit dem feines Sohnes em jähes Ziel gesetzt hat. Eine veiondere Sorgfalt war namentlich unter der Leitung der vortrefflichen Mutier, einer Tochter Vieior Emanuels II. von Italien, auf dre Erziehung des Thron olgers venvandt worden, und emeVorliebe für wissenschaftliche und fünfi- lertjche Beschäftigung ist dem König Carlos sein ganzes Leben hin­durch geblieben. Er erwarb auch eine ausgedehnte Sprachen- Eennmis, die er nach dem 'Abichiuß feiner Erziehung aui einer Reise durch Europa eriveilerte und uerticiie. So beherrschte er sieben Sprachen, sprach fünf davon fließend, und er arbeitete auch an der UeVersetzung von Stücken Shalejpeares, die fein Baler unternahm, eurig nut. Gerade diese starken geifhgen Interessen sind der jyinpathlschsie Zug in dem Charaklerbüde des Königs, der in den letzten Jahren setner Regierung bet seinem eigenen Volke so wenig populär gewesen ift. In seinem Paläste m X'uiacon hatte der König reichhaltige Sammlungen angelegt, die er Besuchern mit Stolz zeigte. Besonders erregte eine große Sammlung von verschiedenarugslen Fischen aus allen Aleeresgebieten uiid aus den Tieien des Ozeans nut ihren oft jo munoerlicpen Formen das Jn-- terefje. Gern ging der König mit seinen Besuchern von Schrank zu Schrank und bemühte sich, die hervorragendsten Merkivürdig- teiten und seltensten Exemplare zu ertlären, wobei er eine gute Kenntnis dieser mertwürdigeii Tierwelt bewies. Neben diesem Ozeangraphrschen Museum barg der königliche Palast einen Schatz tu der Bibliothek, in der Tom Carlos als Pe- geisterter Sammler eine Reihe hervorragender Seltenheiten zu vereinigen gewußt hat. Bekannt ist, daß sich der König auch ais Maler vielfach betätigte. Seme Bilder, ein wenig hart ui der Farbe und euvas kreidig un Ton, waten keine vollendeten Kunst- werke, aber sie wirkten sympathisch, weil aus ihnen die levhnsle Leüenschau und die ernste Hmgebnng hervorstrahlie, die der Kön.g seiner Llebllngskimst m reichen Siuoien und steter Arbeit ge­widmet. Er hatte sich sogar m jein Atelier sein Lett schaffen

lassen, um gleich nach dem Aufstehen an seinen Bildern malen zu können. Ein Besucher hat dies Atelier in anschaulicher Weise ge­schildert.Große kostbare Teppiche unb seltene Stoffe bedecken die Wände; übeiall stehen in Llebermllc Kuilslgegenstände, Bilder, Bronzen, Porzellangesäße, Acajoliken, (Xlfenbemarbeiteu, alte Waffen, 'Jiöbel mit Intarsien und Schnitzereien ujw. umher. Im Hinter­grund sieht man hier und da Studien und Skizzen, Kartons und Dlappcn, und auf eurer Staffelet steht eine saft vollendete große Diarme in dunklen Tönen, nut einem drohenden Himmel. ES i|t ivirfltd) eilte schöne und tüchtige Arbeit.Ist dies von Euer Maleslät?" jragte ich.Ja . . . Meine letzte Arbeit".Es sieht aus ivie ein Mesdag . . Der König lächelt. Er zeigt mir m der Fensternische einen anderen weiblichen Akt oder vielmehr Halb­akt. Er ist sehr fein, voll Anmut und Zartheit, sehr viel rveicher als die übrigen Arbeiten.Entzückend . . . Und dies da?" frage ich, mich zu dem _pri'teinigen Bilde eines Edelmamies menöenö. Em Rembrandt", sagt der Körrig mit seiner gewohnten ruhigen Ditene.Ter andere da . . . Ich weiß nicht ... Es ist jedenfalls eine gute Arbeit."Es schenu em französisches Bild zir {ein.*Ja, vielleicht? aber mir scheint, daß man den Einfluß von Rubens spürt . . ."Eure Dlajeiidt besitzen wahre Schatze."O ja, ich habe manches Gute . . ."

Vow DampierG i e Ben". Aus Bremerhaven wird uns geschrieben: Am 2d. Januar rJJS unternahm der bekanntlich auf der Werst des Bremer XSuLäu in Vege,ak erbauie neue LloyodampierG.^en" seine Probefahrt. Das am 2. Dezember 190/ Vom Srnpci gelassene und hon Geh.-Rat Prof. Dr. Wall aus Berlin auf uen NamenGießen" gelauste Schiss (wrr veröjsentlici)ten die Tausrede in 9ir. 8 ^unsererFam-Bl.". D. R.) hat einen Raum-gehatt von 80j0 Tonnen uud ist als Pvstdampscr nach 0e in La Plata beftLinmt. Mit allen ErrungeMQjaiten der ire.-d-men Schussoaukunft ausgestatte:, bil­det der '-JaiiLpfer eine stolze und wertvolle Bereicherung der Fwtte des l-Mrdveutftyen uno der -came Gießens miro durch em würdiges Fahrzeug in die <yrembe getragen. Tie Probe- sahrt verr.es zur ülfleitigen Zufriedenl-eit. Man fiiyr bis zum^ äußeren %5-eierieuerfnz.ii uno trotz des starken sJä)iD7u.ited und des ganz autzerZnvöyl'.lia- hohen Seegangs wurde cme Ge- fchrvinoigtLit v..:c il,u ... n pW St.iuve verreicht. Der kleine, aoer fcchr gsschuracivoll emgerichtete Sawn ^reinigte mittags

eine fröhliche Tasolrunoe uno manches Glas ertümg auf das Wohl des Schiffes und aus das Wohl der Sradt, bie ihm den Namen gegeben. Nach der Rücllehr nach Bremerhaven er­folgte die feürliche Uebernahme durch den Lioyd und am 8. Februar 1906 wird b.cGießen" ihre erste Fahrt nach Buenos Aires autreün. Dr. A. Z i n ß e r.

Aus Franksurt <u M. wird uns vom 2. ds. Mrs. ge­schrieben: Als ein neues Zeichen für die ßüuaissance des runs't- lercscheit Lebens, die jetzt in Frankfurt angebrochen zu fein scheint, darf die gestern eröifnetc Ausstellung von Werken^ fajw eizertscher Künstler gelten, bie der58er banb# der Kunstfreunde in den Landern am Rhein" Der* anftaltet har. Die vom Groß Herzog do n Hessen eröffn nete Ausfretlung bedeutet auch miosern ein Ereignis, als sich in der Vorsumdsscuung des Verbanves der Eintritt der fchwei- zerisajen Künstler ui den Verband vollzogen hat. Bei den immer noch auf konservativem Standpuncre beharrenden Kunsi- ireunoen wird ja bie Art der Sa-wetzer Kopfs auttteln, vielleiäst gar Entfctzen erregen, viele andere aber verspüren doch Den irischen beieociiLezi 4>aua) höchst perjonlicheu Sovens, der von diesen Blldrrn ausgeht. Am heißesten untflxitten ist der un­gekrönte König der Gruppe, dec Genfer Ferdinand Hodler, Bei dem Banütt, das gestern abend die Frankfurter Künstler-, Ichaft, unb zwar iljee lonieroatwen und ihre lezefsionisttscljen Elemente, mit den Gasten aus der Schwei» vereuiigte, war schon,re Gelegenhett zu persönlicher Aussprache, und, locnn. keine andere Ueoerzeugung, so wird doch auci) der slljurfste Gegner der Modernen den Glauben mitgenommen haben, daß alle Diese Staut frier fern sind von Maiirerisums und daß sie alle aus enter unteren Notwendigkeit und ehrlichem künstlerisüjem Ernste heraus zu der Aufjassimg geiommen sind, die sich in ihren Bitderii dokumentiert, ^llsv zmn mindesten Respett vor Der Schaflensweqe von Sßünstlern wie Hodler, Buri, Wurttem- oerger, ^mrienegger, Colomvi, Bieler, Atmet wird jeder, ber nicht em uerüoijcter Gegner ist, von biefer Ausstellung mitnehmen. Sehr t^gel-endeS Znterofü bekundete übrigens S. K. H. der Grsp.Herzog. Um das Arrangement der Ausstellung hat sich uns.re Hochgeschätzte Frank,urrer Künstlerin Ottilie W.- o e r i» c k n. verdient gemucljt. (_ Ar. G. Z ie-let-j