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3.2.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 28

Der Siegener Anzeiger eticbemt täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Dtermal wöchentlich AtetzenrrZamilienblätter; <TDe*.mal roöctieiitl.Kiels» blatt für den Kreis Gießen <D»ensiag und Freitag); jroeimat monotl Land» Vtrttchaftliche SeMragen ENprech - Anfchlüfie r

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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Montag 8. Februar 1908

General-Anzeiger für Oberhessen

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DezugSprers: monatlich 75 Pi., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch drePost Alk. 2. viertel« jährl. ausjchl. Beftellg Zeileirprers: lokal 15Pf, auswärts 20 Pfennig.

Lerantwortlich für den oolitifchen Teil'. E. Anderton: f. Feuille­ton undLermifchtes^ P. Wiltto. iüt sStadl u. Land" und.Gerichts«

Kotatlonrdruck und Verlag der Vrühl'schen Unls.-Vuch- und ZLeindruSerei. H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. y^";qemeü:6iC)üVeecf.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. ___

Ermordung des Königs und des Kronprinzen von Portugal.

Einem von Revolutionären verübten Attentate sind, wie uns der Telegraph gestern meldete, der König Karl von Portugal und sein einundzwanzigjähriger Sohn, der Kronprinz Ludwig Philipp zum Opfer gefallen. Der zweite Sohn des Königs, Jnsant Manuel, ist nur leicht verwundet Worden. Die Königin ist unverletzt geblieben.

Große Popularität "hat die Königliche Familie in Por­tugal nicht genossen und schon wiederholt wurden Kund­gebungen gegen sie veranstaltet. Die Mißstimmung gegen den König wuchs indessen noch, als eines Tages das Parla­ment aufgelöst wurde und Ministerpräsident Franco die Diltatur einführte. Es kam infolge dessen im Laufe des vorigen Jahres wiederholt zu schweren Ausschreitungen und die politische Lage in Portugal gestaltete sich von Tag zu Tage bedenklicher. Da wurden endlich Neuwahlen an» beraumt. Am 5. April dieses Jahres sollten sie statt­finden und es schien, als wenn dieser Entschluß der Re­gierung endlich den Frieden im Lande herbeisührcn werde. Die politische Lage verschlimmerte sich indessen bald wieder und in den letzten Tagen häuften sich die Meldungen über Verhaftungen von Revolutionären und es hieß sogar, daß die Regierung einen Handstreich plane. Genaues war nicht zu erfahren, denn alle politischen Meldungen wurden mög­lichst unterdrückt. In den offiziellen Berichten hieß es dabei immer, daß die Lage in Portugal zu Besorgnissen keinen Anlaß gebe. Unter diesen Umstünden hat man außer­halb Portugals den Meldungen über Verhaftungen von Re­volutionären und über Wasfenfunde keine große Bedeutung beigelegt. Meldungen, wie die vom 1. Februar aus Lissa­bon, wonach die Polizei am Freitag wiederum zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und bei Haussuchungen Waf­fen, Bomben und Dokumente beschlagnahmt habe, blieben ziemlich unbeachtet. Auch eine zweite Meldung aus Lissabon vom 1. Februar über ein neues Dekret der Regierung, wonach Personen, die Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates verüben, aus dem Lande ausgewiesen oder nach überseeischen Besitzungen deportiert werden sollten, erregte außerhalb Portugals kein besonderes Aufsehen. Und doch scheint gerade dieses Dekret nicht ohne Einfluß auf die Entschließungen der Revolutionäre geblieben zu sein.

Am Donnerstag hatte sich die Königliche Familie nach Villa Vstosa, einer kleinen Stadt im Distrikte Evora in Memtejo, am Nordostfuß der Serra d'Ossa begeben. Der Ort hat ein Kastell und einen Palast und war seinerzeit Residenz der Herzöge von Braganya. In diesem Orte findet alljährlich um diese Zeit eine große, vielbesuchte Messe statt. Auf der Rückreise von Villa Vchosa wurde die Königliche Familie nun am Samstag von einer Schar Bewaffneter überfallen.

König Karlos wurde am 98. Sept. 1863 als Sohn des Königs Ludwig geboren und folgte am 19. Oktober 1889 seinem Vater auf den Thron. Am 22. Mai 1886 fand seine Vermählung mit der Prinzessin Amalie von Frankreich statt. Dieser Ehe waren nur zwei Söhne entsprossen: am 21. März 1887 der jetzt ermordete Kronprinz und am 15. Nov. 1889 der Jnsant Manuel.

*

lieber das fluchwürdige Verbrechen und den Thronwechsel liegen uns heute folgende Meldungen vor:

Lissabon, 1. Fcbr. Nach 5 Uhr nachmittags traf der König nrit seiner Familie aus Villavieosa hier ein. In dem Augenblicke, wo der offene Wagen aus der Prace do Eommerciv in die Arsenalstraße cinboa, schoß eine Anzahl mit Karabieneru bewaffnet? Leute auf den König und den Kronprinzen, die sterbend in das Marinearsenal gesckprfst wurden,, wo sie bals verschieden. Tie Polizei tötete auf dem Platze drei bei- Königs Mörder, deren Leichname nach dem Rathause geschafft wurden. Tas Köirigspaar. der Thronfolger und Jnsant Manuel waren in demselben Wagen. AlS die Schüsse fielen, erhob sich die Königin, um den Kronprinzen zu decken. Dar König und d?r Ki»nprinz wurden von drei Schüssen getroffen. Jnsant Manuel wurde lneicht verwundet. Tie Königin blieb unverletzt. Die Leichen des Königs und des Kronprinzen wurden in zwei ge- schlossenen Landauern um 9 Uhr abends in das Palais Neccssidadcs geschasst, von Munizipalkavalierie eskortiert.

Lissabon, 2. Febr. Heber das Attentat auf die königliche Familie wir weiter gemeldet: Der König erhielt drei Kugeln, die eine in den Nacken, die zweite in die Schulter und die dritte in den Hals. Letztere durchschlug die Schlagader und führte den Too herbei. Ter Kro n pr i n z erhielt ebenfalls drei Kugeln in Kops und Brust. Ter Jnsant Manuel wurde am Kinn und am Arme verwundet. Als man mit dem Scömg in dem Mar.nearsenal eiutraf, war er bereits tot. Der Kronprinz lebte zwar noch verschied aber alsbald. Die Könlgln und der Jnsant Manuel begaben sich um 7 Uhr ins Schloß, zurück Der Platz vor dem Marinearsenal, das Rathaus und che Bank von Portugal sind militärisch besetzt. Ter Ordonanzoffizier des Königs, Graf Francisco Vigueira, der zu Fuß neben dem Wagen hcrging, tötete durch einen Schuß einen der Konigs- mörder, ein Polizeibeamtcr einen anderen in der Nahe pes Rathauses. Ihre Persönlichkeiten sind noch nicht sestgestcllt. Mau glaubt, daß der eine ein Franzow, der andere eine Spanier ist. Tie Mörder bedienten sich 44-kalibriger Karabiner nut Repetier- Vorrichtung für fünf Schüsse. Weiter hatten sie Kvrabiner unter ihren Mänteln verborgen. Tie Nachricht twn_ dem Attentate verbreibete sich mit großer Schnelligkeit in der Stadt. Alle Gc> Ichäste sind geschlossen. T'.w N a ch so lger an f dem T pro n c i ji d c r Jnsant Manuel unter her Regent! a> ast - e r 51 ö n i g i n M a r i e A m a l i e.

Die M i n i st e r traten heute vormittag zu einer Bera­

tung zusaumien. Es sind zahlrem-.' militärische Ve-rsichtsmaß- rcgelii getrosfen worden. In den Forts und in den Gelängnissen wird eine große Anzahl von P e r s o n e n i n H a f t gehalten; fortgesetzt werden neue Verhaftungen üergenommen. Es sind nocp mehrere Bomben und Wauen gquubcn ivorden. Mehrere Mili­tärpersonen sollen a n d c m Komplott beteiligt sein. Es heißt, daß der frühere Minister Alpviuv in seiner Wohnung überwacht wird und daß er sein Ehrenwort gegeben habe,' diese nicht zu verlassen. Furtade, ein ehemaliger Marinem.Eier, jetzt Deputierter, und uvehrece Führer der Zrepublltaner wurden ver­haftet.

Paris, 2. Febr. Privatmeldungen aus Lissabon melden, die Stimigin Amelie habe einen Streifschuß an der Schütter erhalten, als sie den Kronprinzen nut ihrem Körper zu schützen suck)te. Tie Regierung lasse nicht bloß die Republikaner und Revolutionäre, ur.cern auch die Anhänger Tom Miguels de Dragansa sorgsält g überwachen. Minister Franco erließ heute morgen eine Prvttamation über das gegen den König und den Kronprinzen verübte Attentat, fowie noer die Thronbesteigung Tom Manuels. Tie m lttärischcn Befehlshaber und die Staats- würdenträger haben dem Würg den Ech ber Treue geleistet: ebenso sei in attcn Gurnifonen den Mannschaften der ä reu schwur abgenommen werden. Tom Manuel habe d.e V o l l m a ch t e n oes Kabinetts Franco bestätigt. Bisher sei die große Mehrheit des V-.l?es den Jievolutiom.reu auß. rordent.ich seiud- lich gesinnt und ßegen die KönigZ.nöreer höchst erb.tiert. Di? Leichen ic» Königs und des Kronprinzen werden nach dem Palast aas Neeess.dudcs gebricht werden.

Auf der hiesigen portugiesischen Gesandtschaft wurde einem B.richterstatter erklärt, man sei überzeugt, daß uie Attent.i<r de Absicht gehabt hätten, auch die Königin und den Pr.nzen Manuel zu eruwrdeu, um die dadurch entstandene Bestürzung und Vertutrrung zur Proklamation dcr Republik zu benutzen.

Tas Ministerium des Ae u ße rn erhielt solg^,.de De­pesche vom heutigen Tage: Minister Franco hatte gestern den Kölieg Dekrete unterzeichnen lassen, durch welche neueStraf- aestlmmungen angeurjnet werden und eie Exekut.vgewall mit der Anwendung derselben betraut wird. Diese Maßnahmen seien es vielleicht, welche die Revolutionäre zum Aeußerstcn gereizt und zur Ausführung des Attentats veranlaßt haben.

DerTemps" meint in einem Artikel über oas Attentat, oaß d.e nächsten Wahlen, falls nicht ir:,en5 ein Handstreich er folge, eine unzweideutige Kundgebung der dynastischen Ge­sinnung d.s portug.es.fai-en Volkes bilden werde.

Ter G r o ß h e r z o g von Chartres, der Ol/eim der Kö­nigin Amet:e, ist sofort nach dem Eiu.re.i.n dec ettttuta^suach- ri.ch von seinem Schloß St. Firmin nach Paris abgeeeist, wo un, Laufe des Nachmittags ein Fauulwrrat obgehalten weiden wird. ? Paris, 2. Fror. Aus j/uübrib löirb gemeldet, daß dtt span.saje tz^egierung im Hinoiick auf eine al.erd.ngs als un- wahrch-einlich angesehene revolutionäre Bewegung in Portugal an ocr grenze große Sicherheilsvvtkehruugen getroffen habe.

P a r i s , 3. Febr. Uc6er den Königsmord in Lissabon werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Der Anschlag wurde genau um 5.1U Uhr abends verübt. Der offene Landauer mit dem Üönigspaar und den beiden Prinzen auf dem Rücksitz^ fuhr iuie gewöhnlich ohne militärische Bedeckung in schwachem Trabe. Die Attentäter begannen ein förmliches Schnellfeuer aus un­mittelbarer Nähe. Den König trafen bei der ersten Salve drei Kugeln, den Kronprinzen zrvei. Der König sprang auf, sank aber sofort zurück, der Kronprinz fiel vornüber und lag mit dem Gesicht auf den Knien der Leiche seines Vaters. Die Königin stieß einen furchtbaren Schrei aus, sprang empor und juchte mit ihrem Leibe und ausgebreiteten Armen die beiden Söhne zu schützen. Nach dem Schnellfeuer sprangen zwei Polizisten aui die Eriturete des 25.ig.no uno der Kutscher jagte sein Gespann in wildestem Galopp in das o.sene Arsenal. Dort wurde die Leiche des Königs aus den Tisch gehoben. Der Kronprinz atmete noch, starb aber nach wenigen Minuten in den Armen seiner Mutter, die vom Bluie des Königs, das in gewaltigen Strömen auS der Halsschlagader hervorfchoß, auf der einen Seite ganz übergossen schien. Man rief durch Fernsprecher Aerzte an, aber es dauerte lange, bis einer gefunden werden konnte, der dem verwundeten Prinzen Verbände anlegte und den Tod des Königs und des Kronprinzen fstpelüe. Tie Polizei behauptet, daß du* von ihr erschossenen beiden Ddäuner zu den Mördern ge­hörten. Im Publikum wird dies stark bezweifelt. Man nahm aufs Geratewohl unter den Arkaden Verhaftungen vor und führte die Gefangenen, die jede Schuld leugneten, aufs Stadthaus, wohin auch die Leichen der erschossenen Männer geschafft wurden. Die Polizei behauptet, die Täter seien spanische Anarchisten, die Regierung aber hält das Attentat für das Werk republikanischer und miguelistischer Verschwörer. Eine Stunde nach dem Königs­morde war die Besatzung auf den Beinen, besetzte die Haupt­straßen und unterbrach jeden Verkehr.

L i s s a b o n, 2. Febr. ©me Sonderausgabe desDiario de Governo" veröffentlicht folgende Proklamation des neuen Königs Manuel IL

Portugiesen! Ein verabscheuungswürdiger Anschlag hat mein Herz mit tiefstem Kummer als Sohn und Bruder erfüllt. Ich weiß, daß die Nation meinen Schmerz teilt und mit Unwillen dieses verabscheuungswürdige und in der Geschichte noch nicht dagewesene Verbrechen verdammt. Durch die Verfassung bin ich berufen, die Geschicke des Königreiches zu leiten. Demgemäß werde ich alle meine Kräfte ansirengen zum Wohle des Vaterlandes und um die Liebe des portugiesischen Volkes zu gewinnen. Ich werde für die katholische Religion und den unantastbaren Bestand des Königreiches einlreten und die politische Verfassung des Volkes zu erhalten trachten. Auch erkläre ich, daß ich ge­sonnen bin, die gegenwärtigen Minister in ihren Stellungen zu belassen, (gez.) Manuel IL"

Die Proklamation ist von allen Ministern gegenge­zeichnet.

Lissabon, 3. Febr. Gestern nachmittag machte eine große "Anzahl Republikaner einen bewaffneten Angriff gegen das HauS des Ministerpräsidenten Franco. Der Angriff wurde jedoch durch Mannschaften der Mnnicipalgarde zurückgeschlagen, die auf die Republikaner Feuer gab und mehrere von ihnen verwundete, lieber die Stadt wurde der Belage­rungszustand orotlamiert Die Zahl der Angreifer betrug ca. 15.

Ter Staatsrat und der Ministerrat smb heute im Schlosse zusammengetreten, um dem Könige den Hul­digungseid zu leisten. Wie es heißt, hat der frühere Minister I o s e A l p o i n Lissabon verlassen und ist in Sala­manca eingeiroffen.

Das Anusbmtt veröffentlicht eine Königliche Bot­schaft, durch die auf vier Monate allgemeine Trauer an­geordnet wird. Alle öffentl-chen Lustbarkeiten fallen auf oie Dauer von acht Tagen aus. Der Staatsrat tritt heute zusammen, um Manuel II. als König zu prokla­mieren. Königin Amalie empfing heute abend die Führer der Kvnservativen Pinto und General Pimentel, joiuie den Führer der Nat.onalisten Grafen Drentiendos und hatte dann eine längere Besprechung mit dem Mb- nisrerpräsidenlen Franco.

Die Leichen oes Königs und deS Kronprin» zen sind heule einbaisamiert und in demselben Zimmer oes Schlosses aufgcbahrt worden, lieber den Tag der Bei- sehung ist noch nichts bekannt. König Manuel IL trägt seinen Arm in der Binde. Er erklärte, daß er feine Schmerzen habe. Tie Pol:xei beobachtet strengstes Schweigen über d.e Persönlichkeit der Mörder und über oie von ihr eingeleitete Untersuchung.

Madrid, 3. Febr. Hier eingerufene Reisende und Privat« briefe berichten, bag in OPorto b ie Republik ausgerufen nwtben sei. In Madrid wird die Lage in Portugal als überaus ernst b.trachtet. Der Zustand der Königin v o n P o r t u g a l ist derartig, daß man fürihrenBerstand fürchtet. Die Königin-Mutter ÜJtaria Pia und dcr Herzog von Oporto, des Liönigs Bruder, begaben sich sofort, als >ie bit Nachricht erfuhren, ins Arsenal, sanden aber den König und den Kronprinzen als Leichen vor. Zur Aburteilung der gestrigen Vorgänge wird in Lissabon ein Kriegsgericht eingesetzt. Es verlautet, daß zahlreiche Personen, darunter mehrere sehr hoch­gestellte, sosort standrechtlich erschossen werden sollen. Aitt der Grenzfestung Badajoz wird gemeldet, daßjetzt ganz Portugal im Aufruhr sei. Die Lage des Tiltators franco sei verzweifelt. In Oporto kam es zu blutigen Zusammen- Ilößen zwischen Truppen und Aufrührern.

Berlin, 2. tz-evr. Der Si a l c r hat ein sehr warmes Beileidstelegramm an die Königin von Pottugal ^gerichtet. Der Re^chsmuzler Fürst von Balow uno d.r Staatssekretär von Schön haben deur portugiesis^en Gesandten ihr Beileid ausgesprvchen. Auch von dcr kais.rlick-en Regierung ist ein Belleibstelegramm an d.e portugiesische Regierung gerietet wor­ben.

Anläßlich dcS Todes des Königs von Portugal tourbt eine Ho f tra uer von brei Wochen angeordnet. Ter für üitttwvch angijcgje Hosball fällt aus.

Dresden, 2. ßebr. Der König von Sachsen sprach sofort nach Empfang vcr Nachricht auS Lissabon teiegraphisch bei Kömgin Maria Amalie und dem König DJlaiuiet sein heiHuchfteZ Betteid aus. Ebenso wuroe der portugiesischen iKegieruitg das Bettcio b.r säcmichcn 'Jiegürang barm den Staats Minister Gras von Hoheitthai und Ber-ren übermittelt.

.....1 1 1 1------------- .. .. 1 .".««^3

Aus S aor «Bio

Gießen, 3. Febr. 1908.

** Ordensauszeichnungen. S. K. H. der Großherzog haben dem Steuerboten Justus Will). Kramer zu Gießen aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Dienste das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen.

** Die Wahlrechtsreform. Der Gesetzgeb« ungsausfchuß der 2. Kam in er war am Samstag nachmittag vollzählig zu einer mehrstündigen Beratung über die zur W a h l r e ch t s v o r l a g e gemachten Abänderungen der Verfassung versammelt Bei der zum Schluß vorge­nommenen Abstimmung wurden sowohl die bekannten Re- gicrungsvorschläge, wie auch die vom Ausschuß der ersten Kammer vorgeschlagenen Abänderungen einstimmig ab« gelehnt Alsdann beschloß der Ausschuß mit vier gegen drei Stimmen, eine neue Fassung dieser Bestimmungen aus­zuarbeiten, über deren Wortlaut sich der Ausschuß in einer in einer bi§ zwei Wochen einzuberufenden Sitzung schlüssig machen^ soll, nachdem er sich zuvor der Zustimmung der verschiedenen Frakrionsvorstünde versichert hat Sobald das geschehen ist/soll eine weitere ge meins am eBeratung der Gesetzgebungsausschüsse beider -. Ständekammern auf Grund der neuen Abänderungsvorschläge stattfinden. Zur Vermeidung neuer Indiskretionen wurde ausdrücklich ver­einbart, außer den vorstehenden Tatsachen keine näheren Details zu Verbretten.

** Aus dem Bureau des StadttHeaters. Auf die morgige Aüonnementsvorstellung von Shakespeares König Lear" sei ganz besonders hingewiesen. Fast das gesamte Personal ist in der sorgfältig vorbereiteten Vorstellung beschäftigt Die Titelrolle wird von Herrn Bakof dargestellt. Zwei interessante Gastspiele wer­den im Laufe der Saison noch stattfinden, nämlich das von Gertrud E y s o l d am 10. März und dasjenige von Frau Irene Triesch am 3. April. Näheres über die fest abgeschlossenen Gastspiele wird noch bekannt gegeben werden.

** Ein zärtlicher Gatte. Ein kürzlich hier zu- gezogener Familienvater hatte gestern abend in Begleitung einer anderen Frau den Maskenball besucht, woselbst ihn seine Frau ertappte. Hierüber aufgebracht, bedrohte er sie mit Erschießen, sie versteckte sich in ihrer Angst bei einer anderen Familie im Hause, und als ihr Mann dann erschien, drang er mit dem scharf geladenen Revolver in die fremde Wohnung, trat die Tür ein und gab dam später auch in seiner Wohnung einen Schuß ab. Sta