Ausgabe 
2.5.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 103 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Samstag 2. Mai 1908

erscheint täglich mit Ausnahme de? Sonntags.

DieGtehener Kamilienblätter" werden dem /Jln^etger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Geyeral-Mzmger fix MertzeM

Rotationsbrnck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei. St Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-AbruAnzeigerGießen.

Deutsches Reich.

B a n k e n q u 6 t e k o in m i s s i o n. Die Sitzung der vom Reichskanzler einberufenen Bantenquötekommission wurde gestern inr Reichsbankgebäuüe zu Berlin eröffnet. Der Vertreter der Reichsverwaltung hob hervor, daß eine Untersuchung der Bank­verhältnisse schon mit Rücksicht auf die Bestimmungen des Bank- gesctzcs über die Erneuerung des Neichsbankprivilegs unumgäng­lich sei. Die Grundpfeiler des deutschen Bank- und Kredit­wesens, nämlich unsere Währung und die Verfassung der Neichs- bank, müßten unverändert erhalten bleiben. Ebenso wenig be­stehe die Absicht, eine Trennung der deutschen Privatbanken in Effekten- und Depositenbanken herbeizusühren. Im übrigen aber sei die Enquete vollkommen unbegrenzt und jeder von ihr ge­brachte Vorschlag werde vorurteilslos geprüft loerben.

Die Dampfer-Subventions-Vorlage wurde von der Bndgetkommission beraten. Das Ergebnis war die An­nahme der Subvention mit 14 gegen 13 Stimmen. Der polnische Vertreter fehlte. Die Mehrheit bestand aus der links- libcralen Fraktionsgemeinschaft, den Nationalliberalen und den beiden konservativen Parteien.

Deutsch-französische Annäherung. Als ein wei­terer Erfolg der zwischen Deutschland und Frankreich schweben­den Annäherungsversuche kann es gelten, daß, wie derCon- fectioncir" mitteilt, am 11. Mai eine Anzahl Mitglieder der Grande Loge de France als Gäste der großen Lan­deslogen von Deutschland nach Berlin kommen werden und am 12. Mai eine Versammlung in der großen Loge Royal Bork stattfindet. Es hat seit dem Jahre 1870 der deutsche Verkehr mit den französischen Logen vollständig geruht.

Aus Stadt tmö Land.

Gießen, 2. Mai 1908.

Dom städtischen Voranschlag.

II.

Wie aus dem EinnahmetitelGebäude" hervorgeht, ist die Stadl der größte Vermieter hier. Nimmt sie doch im ganzen 29 885,89 Mk. an Mieten ein gegen 27 241,18 9)if. im vorigen Jahr. Ten höchsten Ertrag bringt die städtische Kaserne nut 11 2U4.88 'Dif. (10 668,18 Mk.), dann folgt in weitem Abstand die seither dem Stadterweiternngsfonds gehörige und mit Beginn des Rechnungs­jahres an die Stadt übergehende Ho>raite Wetzsteingasse 43, die 3810 Mk. Miete einbringt. Diesem Zugang ist es anch 311311- schreiben, daß sich der Atietertrag steigerte, trotzdem 7 städtische Hoheiten nicdergelegt wurden, die im vorigen Jahr noch 2264 Mk. Miete erbrachten. Es sind dies die Hoireiten Sonnenslraße26 und 30, Tieienweg 7, Sandgasse 26, kl. Mühlgasse 7, gr. Mühlgasse 14 und 17.

Der Ertrag der städtischen Waldungen konnte um rund 10 000 Mk. höher mit 106 382,10 Mk. anaejetzt waren, während die Ausgaben mit 42 605,01 Mk. fast unverändert blieben. Das günstigere Ergebnis ist darauf zurückzuführen, daß im laufenden Jahr mehr Bau- und Niitzholz geschlagen werden kann wie im Vorjahr, wo die Brennholzgeminnnng größer war.

Von den 3 städtischen Werken, für die eine besondere Kasse- führung besteht, wird, ivie im Vorjahr nur das Gaswerk einen Betriebsüberfchuß an die S.adlkasse abführen (87 376 gegen 35 000 Mark), während Elektrizitätswerk und Wasserwerk ihre gesamten Ueberschüsse zur Schuldentilgung verivenden.

Auch S ch l a ch t h 0 f und Fleischbeschau bringen der Stadtkasse unmittelbar nichts. Die Fleischbeschaugebühren dienen zur Dcckmig der Unkosten, die beim Schlachthausberrieb erzielten Ueberschüsse werden zur Schuldcntilgimg verwendet. In diesem Jahre sollen außer der regelmäßigen Schuldentilgung von 1'/, Proz. der Baukosten 9574,97 (12 510,31) Alk. dazu verwendet 1 -\ n. Das Schlachthaus-Anlagekapital beläuit sich nod) aus 9017. 13 äk.

Der Ertrag der Jagden ist durch die Reuverp^.-.ung von 4015 auf 4538 Mk. gestiegen. Mit diesem Ertrag ist bis 1920 zu rechnen.

An L 0 k a l k i r ch e n st e u e r n, die als durchlaufende Posten zu betrachten sind, famen für die evang. unb kath. Gemeinde je 10 Proz. der staatlichen Einlommenstener und der doppelten Grund­zahlen der Realsleuern zur Erhcbuiig. Es ergibt dies einschließlich des liqu.Ausstandes ans dem Vorjahr bei den Evangelischeii bl 000 Mk. und bei den Katholiken 5 400 Mk.

Sie Volks- und Fortbildungsschule erfordert bet Nur 1507,02 Mk. Einnahmen eine Ausgabe von 210 336,03 Mk. gegen 202 557,32 Mk. im Vorjahr, die Aufwendungen für Besold­ungen fliegen von 148 657,51 aus 165 607,50 Mk. und auch für die Beschaffung von Schulbänken mußten ivesentlich höhere Beträge vorgesehen werden (6000 Mk. statt 2550 Alk.). Auch zur Ver­minderung der Gefahren beim Ausbruche eines Brandes lind 1000 Alk. eingestellt, sie sollen zur Veränderung der Türen an den Schulgebäuden in der Schillerstraße und an der West-Anlage dienen. Günstiger stellt sich der Volksschul-Voranschlag durch den Fortfall der Ausgaben, die im vorigen Jahre lür die Umwandlung des Gebäudes der früheren höheren Mabchenschicke für Volksschnlzivecke entstanden. Auch sonst konnten mehrere sachliche Ausgaben oeriiiger bemeficn werden, mSbesonoere für Heizung, Beleuchtung, bauliche Unterhaltung mehrerer Gebäude u. s. iu.

Die.höhere unb erweiterte Mädchenschule hat eine um 6000 Mk. erhöhte Einnahme eingestellt, was auf die mit Beginn des Schuljahres durchgeführle Schulgeld-Erhöhung zurück- zuiühren ist. Ten jetzt mit 46 694,29 All. angesetzten Einnahmen stehen 87 860,08 (im Vorjahre 80 825,34) Mk. Ausgaben gegenüber. Die Erhöhung ist fast ausschließlich auf die Rubrik Besoldungen zurückzusühren.

Auch R e a l g i) m n a f i u in und O b e r r e a l j ch u l e erfor­dern rund 4800 Alk. uiehr. Hier steigt der von der Stadt zu leistende Beitrag zu beit persönlichen und sachlichen Ausgaben nur nm 302 Mk., von 46 691 auf 46 963 9)1 f., dagegen erhöhen sich die Kosten für die bauliche Unterhaltung des Schulgebäudes hauptsäch­lich durch die Kanalbenutzuiigsgebühr von 2800 auf 6700 Mk. Für die Umänderung der Türen werden 560 Mk. angeiorbert.

Die Ausgaben für bie Vorschule des G y m nasi u m s steigen infolge der Gehaltserhöhungen von 10 870 auf 11 670, während der Schulgelbertrag von 6400 auf 6500 Mk. steigen wird, Gewerbeschule 11 ii b Ortgewerbeverein erhielten seither insgesamt 1000 Alk. Zuschuß. Mit dem Bezug des neuen Schulgebäudes steigt er aus 6000 Mk., wogegen die seitherigen Leistungen der Stadt für Heizung, Gebäudeunlerhaltung u. s. w. in Fortfall kommen. Dadurch beträgt der Mehraufmanb nur rund 4000 M. unb außerdem geht das seither benutzte Schulgebäude wieder m anberroeite städtische Benutzung über.

* Tageskalender. Wichernfeier: Vortrag von Professor I). Drews in der neuen Aula Samstag abend 8 Uhr.

Kolosseum: Samstag abend Feier des einjährigen Bestehens (Festvorstellnng, Konzert, Tanzlränzchen).

Kinematographcntheater: Programmwechsel.

Anlage mustk (Volkskonzert) Sonntag vormittags lP/2 Uhr in der Süd-Anlage. Spiclplan: 1. Ouverturre zur OperDonna Diana" von 91. v. Reznicek. 2. Walzer tu d. Operette , Frühlingsluft" von Strauß-FetrLs. 3. Szenen

a. d. OperLohengrin" (Kriegsfanfaren und Königsgebet) von Wagner. 4. Armeemarsch Nr. 9 »Herzog von Braun­schweig" 1. Bat. Garde 1806.

*

** Der Taschensahrplan liegt der heutigen Stadt­auflage deS Gießener Anzeigers bei. Den Beziehern unseres Blattes auf dem Lande wird der Fahrplan in den nächsten Tagen ebenfalls zugestellt werden.

**Stadtoerordneten-Versamutlun g. Am Mon­tag nachmittag 4 Uhr findet wiederum eine Sitzung der Stadtverordneten statt, in der die am vergangenen Donnerstag nicht erledigten Beratungsgcgenstande auf der Tagesordnung stehen.

** Eine Sitzung des Provinzialausschiisses findet Samstag, 9. Mai, vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rekurs dec Heinrich Haas III. Ehe­leute zu Bruchenbrücken gegen einen Polizeibefehl Großh. Kreisamts Friedberg wegen Schließimg ihres Brunnens. 2. Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofes Zell-Romrod. 3. Aiifbringung der Kosten des Ge l äu d e erw erb s sür die Nebenbahn Friedberg Friedrichsdorf; hier Urteilsoertündigung. 4. Klage des Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Orts­armenverband Wallernhausen wegen Unterstützung der Elisabeth Naumann.

* Die Schwurgerichtssitzungen der Provinz Ober* Hessen für das 2. Vierteljahr 1908 beginnen laut Anschlag an der Gcrichtstafel Montag, 15. Juni, vormittags 91/, Uhr unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Neuen- hagen.

Lehre rp ers^r n alien. Ernannt wurde der Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Sprendlingen (Kc. Alzey) Joh. Kopp ziim Lehrer an der Realschule und dem Pro- gymnasium zu Bingen unter Belassung in der Kategorie der Vvlksschullchcer. Uebertragen wurde dem Lehrer Franz H a nz zu Fränkisch-Ccumbach eine Lehrerstelle an der evangelischen Schicke 511 Nierstein, dem Lehrer Hch. Köhler zu Nierstein eine Lehrerstelle cm der Gemeindeschule zu Weiterstadt. Erledigt ist eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehrerin- sielle an der Geineindeschulc zu Seligenstadt.

* * Unsere Regimentsmusik konzertiert morgen in Bad-Nauheim.

* * Trinkerfürsorge, lieber dieses Thema wird der Direktor des Provinzialsiechenhaufis, Tc. D ietz, in einer öffent­lichen Versammlung des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke nächsten Montag abend im Hotel Einhorn sprechen. Jeder, der das furchtbare Elend kennt, das der Trinker über sich und seine Familie bringt, wird d.e Bestrebungen mit In­teresse verfolgen, die darauf abzielen, die dem Trunk Ver- falleneit dem Läster zu entreißen und zu einem geordneten Leben zurückzusühren. Manches ist auf diesem Gebiet durch die hier bcstehenoeii Vereinigungeit zur Bekämpfung des Al-- koholismus außer dem genannten Verein das blaue Kreuz und die Euttemplerioge bereits geschehen. Aber mehr nod) bleibt z:t tun übrig. Es besteht Die Absicht, dieArbeit plan­mäßiger zu gestalten. Hojstnllich finden sich zahlreiche Helfer und Helferinnen sür dieses Wert. An den Vortrag soll sich eine AuSspraa> anschließen. Jedermann ist freundlich cingeiaben. Sclbstcerstä üblich sind auch Frauen lötufommen, deren Mithilfe gerade auf diesem Gebiet besonders wertvoll ist (s. auch An­zeigenteil).

* * Einbruch. Einem Bewohner des Schiffenberger Wegs wurden gestern nachmittag aus der Wohnung mittelst Erbrechens von Behältnissen 8 5 Mack gestohlen. Der Verdacht lenkte sfih auf einen Bruder des Bestohlenen und als der Verdächtige von Schutzleuten sestgenommen ivecden sollte, ergriff er die Flucht.

* Vermißt wird seit gestern nachmittag eine geistes­gestörte Frau ans Krofdorf. Ein Arbeiter glaubte auch gestern nachmittag am sog. Felsen in der Lahn eine Fra rum- leiche gesehen zu haben, die stromabwärts trieb, unb auch ein Müller will beobachtet haben, baß gestern abenb eine Leiche über bas Mühlwehr ging. Da ein beu Frau gehöriges Medizinfläschchen am Launsbacher Steg am Lahnuser ge­sunden wurde, besteht kein Ziveifel darüber, daß die Kranke den Tod in der Lahn gefunden hat. Bis jetzt ist die Leiche nicht gelandet worden, sie dürfte im Strom weiter- getrieben sein.

* * Zur Fortführung der Biebertatbahn. Man schreibt uns aus dem Biebertal: Bor kurzem ging wieder die erfreuliche Nachricht durch die Zeitungen, daß man die Biebertal­bahn über Köriigsberg-Hohenfolms bis nact) Offenbach im An­schluß an die Ahrbahn .Herborn-Gladenbach auszubauctt ge­denke. Infolge dec Fortführung der Kleinbahn könnten wei­tere Kallsteinwger im oberen Biebertal an derObermühle", vor allem aber ältere gewerblich Betriebe, wie der urckkle Bergbau bei Königsberg, wieder lebensfähig werden. Ta bis­her die Abfuhr vieler Erzlager mit vielen Poften und Schwierig­keiten verbunden war, so ist gerade in der Gewinnung von Eifenerzen im hiesigen Tale ein Rückgang in den letzten Jahren eingetreten. Viele Bergleute suchen daher auswärts, vor allem mir dem Brauneisenstein-Bergwerk bei Gießen, lohnende Be­schäftigung. 9kvch ganz andere Verhältnisse herrschen aber in den Gemeinden der weit verzweigten Bürgermeisterei Hohen­solms, wo bisher noch gar kein Industriezweig infolge mangeln­der Bahnverbindung aufgesckflosfen werben konnte. Hier find die kleineren Leute anjälrrlid) im Frühjahr geradezu gezwungen, die Heimat zu vcvlassen, um in der Fremde, im Rheinlande oder Westfalen, Lrvt zu suchen. Daher wäre der schon wiedev- holt angeregte Ausbau unserer Kleinbahn schon aus dem Grunde zu begrüßen, daß dann viele Bewohner bei Haus unb Herd ver­bleiben könnten.

F. C. Bad Nauheim, 1. Mai. Die im Jahre 1732 von dein Grafen Johann Reinhard von Hanau-Lichtenberg (gestorben als Letzter des Hanauer Gcafengeschlechts am 28. März 1736) hier erbaute lutherische ReinharbSkirche, welche seit ca. zehn Jahren nicht mehr der evangelisch- lutherischen Gemeinde, da sie räumlich unzureichend geworben, sonbern der katholischen Gemeinde als Gotteshaus gedient, ist von dec griechisch-orthodoxen Gemeinde für 39 000 Mark erworben worden. DaS Innere des im

Barockstil erbauten Kirchleins hat Veränderungen erfahren, entsprechend dein orthodoxen RituS. Kanzel, Altar, Gestühl hat man entfernt. Wände, Decke sind grau getüncht, an der Ostseite haben Heiligenbilder Platz gefunden. Von der Mitte der Decke herab hängt ein großer Arm-Leuchter. Der Boden ist gediehlt. Ec erhebt sich nach Osten zu einer ca. zwei Fuß hohen Empore. Die hohen Kirchensenster spenden durch matte Scheiben ein ^gedämpftes Licht. Auch neue Glocken werden gegossen. Die Renovationen sind soweit ge­diehen, daß Mitte Mai d. Js. die Eimveihimg dec Kirche ftatlfinoet, die der Erzpriestec von Malsow auS Berlin voll­ziehen wird. Heute ging zum ersten Male von Bad Nau­heim der neu eingelegte I) -Zug 12.24 Uhr mittags, der über Homburg, Rödelheim (ohne Frankfurt zu berühren), Höchst, Wiesbaden, Niedeclahnstcin, Köln, Herbcsthal, Mecheln direkt nach Osten de bezw. Vlissingen fährt, der Zug trifft abends 10.51 Uhr in Ostende, 10.50 Uhr in Vlissingen ein. Um 5.40 Uhr nachmittags traf in Bad Nauheim der erste derartige Zug aus umgelehcter Richtung ein. Er hatte Ost­ende heute früh 3.43 Uhr verlassen.

4- Lauterbach, 1. Mai. Vielseitigen Wünschen ent­sprechend hat der hiesige Vogelsberger Höhenklub, Zweig- oeucin Lauterbach, beschlossen, in dem Hainig vorüber­gehend im Turmzlmmec Wirtschaft zu betreiben.

X Niederstoll, 30. April. Lehrer Eurich von hier wurde infolge Krankheit bis 1. Oktober d. Js. be­urlaubt und Schulamtsaspirant (Sieg für diese Zeit zum Vikar bestellt.

r Rainrod, 1. Mai. Auf der Staatsstraße zwischen hier und Eichelsdorf, da wo die Eisenbahn auf der Straße fährt, scheuten gestern Abend die zwei Pferde eines Fuhr­mannes von hier vor dem Zuge und kamen zu Fall. Vom letzten Wagen des ZngeS wurde ein Pferd gefaßt und ihm eine große Flcischwnnde am Hinterbein zugesügt, wodurch das Pferd, wenn nicht unbrauchbar, doch längere Zeit außer Arbeit gestellt werden muß. Der Unfall ist noch verhältnis­mäßig gut abgelaufen.

sd. Darmstadt, 1. Mai. Das hessische Landesgestük soll nach einer Mitteilung des Ministeriums an die Stadt Darm- < stabt auS Den jetzigen Räumen des .Larstalles ocrlegr werben. Da es für die Großh. Pferde an Platz mangelt, so daß der Marstall geräumt werden muß. Tas Ministerium hat sich nun an verschiedene Gemeinden gewendet, die sich event. für die Ausnahme des Gestüts interessieren würden. Reinheim l O. soll erst zugesagt, dann aber ivieder abgesäxrieben haben. In der gestrigen uichiöffenllichen Sitzung der Stadtverordneten wurde nun ,über das Ansuchen des Mmisteriums verhandelt: £itr Er­richtung eines neuen Gebäudes ein geeignetes Terrain im Um­fang von 22 Vs Hektar zur Verfügung zu stellen, was noch den hiesigen Verhällnisi'en einen Kostenaufwand von ca. 150 000 Mark ausmachen würde. Außerdem wird berlangt, daß bie Stadt auf ihre Kosten gute Zufuhrstraßen, eleltrifche Beleuch­tung, Kanalisation, Waffe c-Zusührun g ec. her stellt, was« eine Auf­wendung von weiteren 100 000 Mi. bedeuten dürste. Tie Stadt-, verordneten haben einstimmig dieses als eigentümliche Zumu­tung bezeichueie Ansümen zucückgewiefen, da es gegen die In­teressen der Steuerzahler verstoße, einen solchen ödostenauswand für ein staatliches Institut zu machen. In der gleichen Sitzung wurde beschlvfsen, der Gesellschaft für Soziale LLeform in Berlin als Mitglied beizutreten.

** M a i n z, 29. April. Die Sanitäts-Kolonnen- U eb un g am 10. Mai, nachmittags von 2 Uhr ab, scheint aus dem vermuteten Rahmen heriruSzutreten, da außer 25 üben­den Kolonnen mit 500 Mitgliedern noch viele Kolonnen u. a. auch 2 Kolonnenführer aus Ober-Elsaß ufiü. ihr Er­scheinen zugesagt haben. Tie Uebungs-Jdee entspringt der Bedeutung der Stadt Mainz für die Kriegskrankeupflege, die sich im 1870/71 er Kriege in hervorragender Weise zeigte. Von den damals nach dem Generalstabswerk im ganzen beförderten 240 496 Kranken wurden auf dem Verbandplätze am Bahnhof in Mainz 72 000 versorgt und mit Eisenbahn und Schiffen weiter befördert. Dieser Tatsache und der Dienstvorschrift Rechnung tragend, soll die Hebung die Tätig­keit der freiwilligen Sanitätskolonnen zeigen, wie sie sich dem militärischen Sanitätsdienst im Kriege angliedert. In 5 Staffeln wird sich die Hebung vollziehen: Staffel 1; Verbinden und Lagerung von 60 feldmarschmäßig ausge­rüsteten Soldaten aus dem 5)auptoerbandvlatz durch 14 Züge der erscheinenden Kolonnen, unter Benutzung des der Main­zer Kriegerkolonne gehörigen Trag- unb Lerbandsinven- tars. Hierauf Transport zum Kriegslazarett 7 von Kom­merzienrat Römhelb zur Verfügung gestellten Fabrikräumen. In Staffel 2 wird das Verbringen der Verwundeten vom Kxiegslazarelt zum Hilfslazarerlzug (20 Wagen) mittelst verschiedener Transportmittel gezeigt, staffel 3 führt den Transport nach der Heimat mir Dem Hilfslazarettzug vor. Die Ausrüstung der Wagen erfolgt während der Hebung, so­weit sie nicht die Mainzer Kriegerkoionne für 150 Lager­stellen vorher besorgt hat. Hnierwegs werden an einer markierten Etappe durch Schwestern des Alice-Frauen-Ver- eins unb Mainzer Sanitäter, unter Leitung des Kolonnen­arztes Dr. Jöckel-Kastel und Des Kolonnensührers Brück- Gießen, Erfrischungen verabreicht. Staffel 4 zeigt bas Aus­laden der Verwuiloeteu aus dem Hilssluzaretizug, Erfrisch­ung und Speisung der' Verwundeten und Sanrtätsmann- schaften unter Benützung der Feldküche dec Kolonne Frank­furt a. M. durch Alice-Frauen-Vereinsschwestern unb Main­zer Sanitäter. In Staffel 5 enblich wird sich der Trans­port der Verwundeten zu den Hilfslazarettfchiffen Dampfer, Schleppkahn und Baggernachen vollziehen. Nach der Hebung marschieren bie Kolonnen zum Kommerse in ben festlich geschmückten Schöfferhof-Festsaal.

te. Frankfurt a. M., 1. Mai. Auf dem hiesigen Hauptbahnhofe warf sich eine gutgekle ibete Dame vor einen einfahcenben Zug, nachdem sie von einem Herrn Ab­schied genommen halte. Der Lokomotivführer brachte jedoch ben Zug sofort zum Stehen, sodaß die Dame unverletzt blieb. Als bie Dame aufgehoben wurde, erklärte sie auS Wiesbaden zu sein unb stcrven zu wollen. Gründe hierfür gab sie nicht an.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen unb den Nachbarstaaten. Die FrantmrterKleine Presse" brachte i«.