Ausgabe 
25.9.1908 Drittes Blatt
 
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trl^dnt tSgNch mtt Ausnahme des Sonntag».

Univerßitäts-NacL) richten.

hc. Darmstadt. 24. Sept.

in Deutscher Papier«

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dagegen bochgradig gUobolintolerant sei. Tas Kriegsgericht ver- urteilte ihn wegen Amtungsverlctzimg, Qkboriantepcnneigcrung vor ven'ammelter Mannschaft, Beleidigung von Lorgcst'tzt.n, Stör- pcrverletzung erncs Kameraden usw. zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis. Ter Angeklagte crllörlc sich zur Amiahmc der Strafe bereit.

gegen seine Borgesetzten istizrat Dr. Jäger gab

Mittag, ben 21. «tr^ nachmittags 4 n;:

Rotation? druck und Verlag der vrühlfche« Unwerstläis « Buck» und Stetndruckerei.

ÖL Lange, Gießen.

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Giessen.

mstag, den 26.

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im Wilowvbev , zahlreiche ijeteilto. ,1 Der w»

Redaktton. Expedition and Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag,' 5L Redattiu^L^A'

tüt)& mehrmals auf den Straftaten veramroortlich -iu Eichel gab sein Sach- ^NZÄlagte geijtig normal.

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5 Steilen 1 ffi

Vermischte».

* Verbreitung der Kultur sprachen Es wurden die wichtigsten europäischen Sprachen in der Welt gesprocl^en im Jahre 1801 von 161,8, im Jahre 1890 von 401,7 Millionen Menschen. Davon entfielen, wie die Münchener Äionatsschrist Slulturf ragen" milteilt, nach Mulhall in Prozenten auf: Englisch 1801 12,7 (1890 27,7), Französisch 19,4 (12,7), Deutsch 18,7 (18,7) Italienisch 9,3 (8,3), Spanisch 16,2 (10,7), Portu­giesisch 4,7 (3,2), Russisch 19,0 (18,7).

* lieber einen Flachsrnann als Erzieher ent­nehmen wir dänischen Blättern folgendes: Vor 10 Jahren starb in Dänemark ein junger Lehrer kurz nach bestandener Prüfung. Dies erfuhr zufällig ein junger Mann gleichen Namens, der ein Jahr ein Lehrerseminar besucht hatte. Er schrieb der Prüfungs­kommission, daß seine Abgangszeugnisse verloren gegangen seien, und erbat eine neue Ausfertigung nach dem Prüsungsprotokoll. Der Plan gelang. Mittels der Zeugnisse des Gestorbenen erlangte dieser Flachsrnamr ein Lehramt in Südseeland, und niemand ent­deckte die Fälschung. Die Bewohner waren mit dem übrigens tüchtigen und liebenswürdigen Lehrer sehr zufrieden. Ein Zufall brachte Licht in die Saclje, der Lehrer wurde sofort des Arnti^s enthoben. Ein Gesuch der Bewohner an den Kultus­minister blieb erfolglos. Die Schull'ommission beantragte seine Bestrafung. Der Flacl-srnann ist verheiratet und hat eine große Familie.

* Ein neuert Industriezweig, über den weiter keine Worte nötig sind, wird durch einenBrief" beleuchtet, den der K'unstwart" (Verlag Georg Callivey, München- veröffentlicht. ES ist ein schwarz umrandeterTrauerbogen" und der Text ist mit Buchstaben gedruckt, die Maschinenschrift nachahmen:

Euer Hochwohlgeboren!

Unterzeichneter Verlag hat sich erlaubt, die am Degräbnislage Ihres Herrn Gemahl gehaltene Grabrede stenographisch aufzu- nehmen und gestattet sich anbei dieselbe zuzustellen mit der 23ittci um deren gütige Annahme.

Ew. hochwohlgeboren wird es anheimgestellt, das Honorar hierfür gütigst selbst bestimmen zu wollen. Etwaige Nachbestell- ungen werden schnellstens geliefert und werden uns erlauben mit vorzusprechen.

Hochachtungsvoll!

Verlag u. s. w.

Das Unternehmen dieses findigen Verlages mutet geraden amerikanisch an.

DieSiebener FamtttenblSNer" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS Krcisblatl für Den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen erscheinen monatlich zweimal.

GerichtrsaaU

8. L. D a r m st a d t, 24. Sept. In einer heute vor der hiesigen Straskammer verhandelten Berusungssache, in welcher der 2anbtagsabgeorbncte unb Rechtsanwalt Dr. Fulda von hier als Vertreter des Nebenklägers au'trat, kam es zivijchen den: Vorsitzen­den, Lanbgeriehtsbireklor Dr. Rüster unb dem Rechtsanwalt zu einem Wortwechsel, weil Dr. Rüster die 21 rt unb Weise, wie Dr. Fulba einem ber Zeugen Vorhaltungen machte, gerügt hatte. Da­durch geriet ber Rechtsanwalt in große Erregung unb verbat sich die Bemerkungen des Vorsitzenben, indem er ihm in drohendem Tone zuries: .Ich lasst mir das von Ihnen mcht bieten; bas kommt in Zukunft nicht mehr vor'." Jn'olge dieser Ungebühr vor Gericht wurde Dr. Fulba in die höchste zulässige Ordnungs- strafe von 100 9)1 f. genommen.

R. B. Darmstadt, 24. Sept. Tas Kriegsgericht hatte sich heute mit einem groben Manöver-Exzeß zu beschäf­tigen, dessen der Reservist und Dachdecker Schütz von hier be­schuldigt war. Er war beim 115. Infanterie-Regiment zum Manöver eingezogen und tag am 9. September mit seinem Truppen­teil m Dromskirch im Quartier. Nachdem er schon am Nach­mittag an verschiedenen Stellen gezecht, oollsührte er abends gegen 9 Uhr in einer für Militär verbotenen Wirtschaft große Lärnls'enen Er führte allerlei ungehörige Redensarten, erklärte oft und in herausforderndem Ton, er sei Sozialdemokrat, ihm habe niemand etwas zu befehlen usw. Tann schlug er mit einem Dachbeckerhammer aus den Wirtstisch und lärmte fort. Die Ko-

fabrifanten rn Berlin bat der Technischen Hochschule zu Darm­stadt zwecks Weitersührung der seit 3 Jahren bestehenden Hoch­schulkurse für Studierende der Papierindustrie neuerdings aus die Tauer von 5 Jahren einen Betrag von i.chrlich 2000 Mk. zur Verfügung gestellt. Durch diese opferwillige Bereitschaft des Vereins ist nunmehr die endgültige Einrichtung von Panier- macl>erkursen an der Darmstädter aeckmischeii Hochschul? möglich gemacht worden. Durch Besckstuß des Großen Senats der Technischen Hochschule zu Tarmstadt wurde dem Rechtsanwalt Eduard Staedel daselbst das Abhalten von Vorlesungen ilber Patentrecht gestattet.

Das 50jährige Dozentenjubiläum begeht am 26. d. Mts. ber 9iomanift, ord Professor in der juristischen Fakultät der Universität Göttingen, Gey. Justizrat Dr. Fn> dinand Regelsberger, der von 1868 bis 1872 in Gießen lehrte und seit 1884 in Göttingen lebt.

nier ab en die ihn zur Ruhe ermahnten, beschimpfte er in roher Weise und setzte dies auch auf der Landstraße fort. Seinen Kompagniechef grüßte er in höhnischer Weise, und andere Vor­gesetzt? schrie er an:Sie haben mir gar nichts zu befehlen, ich bin Sozialdemokrat " Als er dann zur Wache geführt werden >'ollte, leistete er dem Unteroffizier Widerstand und riß sich los, dem ihn begleitenden Gefreiten schlug er mit der Faust ins Gesicht. Auf der Wache verübte ber A> geklagte 3, Stunden lang nod) die gröbsten Exzesse und führ beleidigende Reden. Der Verteidigei zur Erwägung, ob der 2£ngeflagte, 51 opf gefallen sei, üb rhaupt für s gemacht werden könne. CberftabSa verstäMg enuMil batzo ab, baß bt

Wer Kraft und Stärkung aus irgend einem Grund bedarf, der lasse sich nicht irre machen und trinke einige Zeit Bioson, Erfolg zeigt sich sofort.

Erhältlich in Apotheken, Drogerien usw. das 1 . Kilo 3 Mark. £oioion wird unter Kontrolle der vereidigten Gerio-tschemitk»r Dr. Popp unb Dr. Becker hergestellt". tveria-t-cyenmer.

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, Erstes unb totovlastijches ßL bet Well.

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Der patteikrakehl in der Sozialdemokratie.

Aenßcrlich einig, innerlich uneins ist ber Nürnberger Partei- tag der Sozialdemokraten auseinanbergegangen, lieber diese Tat- mche hilft kein disputieren hinweg, unb es mutet etwas fonber- an' "Vorwärts" schreibt:Nicht wüsten Kra-

kehl unb Partei,ckadtgung oot uns der Nürnberger Parteitag siebiE. wndern Innere Festigung, die unerläßliche Einheitlich

L Sentralorgan der sozialoemokratisckxm Partei

sühlt aber wohl selbst, rote roemg treffeno ihr Resümee ist, denn mt nächsten ^atze beißt es:Daß damit nicht für alle Um der Strett um die ein^uhaltende Taktik beigelegt ist, wissen allerbesten -Vie übrige sozialdemokratische Presse

> 2M=6eit »tel breiiler ins laicht. So faßt beiftnels- roene bieMannheimer Volksstimme" das Ergebnis des Würn- bcr^et^^ folgendermaßen zusammen:Die sorgfältig sor- toe die Süddeutschen nach der ?lblchnung unb ber Annahme ber Resolution des Parlei- vorftrrndes birrd) den Getroffen Segitz abgeben ließen, war die mt-ztge Antwort, btc von feiten ber süddeutschen Delegierten gc- tebat roerben konnte. Sie ist klar unb eindeutig, läßt berIn ter- Tretntum ferne Hmtertürchen offen. Die Erklärung besagt, daß )ic fM>euN<l)en Genossen bic Zuständigkeit des Parteitages, also der Geiamtpcrrtei, anerkennen in allen Fragen des sozialistischen Prinzips unb allen jenen taktischen Fragen, die bas ganze Reich uetreffen, daß ne aber in Fragen ber Landespolitik für die Frak­tionen unb Landesorganisationen das Recht beanspruchen, nach eigenem Ermessen selbstveroitändlich int Rahmen des sozialistischen tzrogroamms zu entsck-eiben. Nach den Umständen, unter denen 'uefe Erklärung erstlgte, konnte kein Zweifel darüber bestehen, es sich nicht um ein bloßesRückzugsnianöoer" oder eine diatonische Kundgebung, sondern um eine Mlmbgebung von Mfter praktischer Bedeutung handle. Die Erklärung besagte Nichts mehr mtd nichts weniger, als daß die Süddeutschen auch emerhin der Gesamtpartei angeboren »vollen, es aber ablehnen, -sich für il/r taktisches Verhalten in landespolitischen Einzelfragen ^urch einen Beschluß dert Gesamtpartei bindende Vorschriften machen ju lassen. Ter Parteitag konnte über diesen Sinn der Erklärung zickst im Zweifel sein. Er war es auch nicht unb wenn er zu 2>er Erklärung der Süddeutschen schwieg, wenn er diese Erklärung »infach zu Protokoll nahm, so ohne Zweifel deshalb, weil er in liefet Feststellung ber Selbständigkeit in landespolitischen Fragen "einen ausreichenden Grund sah, die Einheit unb Geschlossenheit »er Partei zu sprengen. Wie die Tinge sich weiter gestalten werden, leibt abzuwarten. Cb die süddeutschen sozialdemokratischen Ab­geordneten in ber nächsten Legislaturperiode für ober gegen das äidget stimmen werden, kann heute nicht vorausgesehen werden. Ta5 wird von den Umständen abhängen, insbesondere von dem '( der Zugeständnisse, die uns seitens der Regierungen unb der iurgerlidjcn Parteien gemacht werden Tie Frage, ob Zustim- wiung zum Budget oder Tlblehnung desselben wird wie bisher ner sorgfältigen Prüfung unterzogen werden und die Zustim- -iung wird auch in Zukunft nur erfolgen, wenn wirklich zwingende 1riinbe für dieselbe vorliegen. Es wird insbesondere abzuwarten 1 'eiben, ob bei einer eventuellen Annahme des Budgets durch ine süddeutsche Fraktion vonseiten ber norddeutschen Terroristen ! ücberum ein Parteikrakehl heraufbeschworen wird, wie es ber tzigc gewesen ist unb ob bann wirklichdie letzten Konsequenzen" -esogen werden sollen. Wie gesagt, man wird das abwarten ütfen, unb wir in Süddeutschland warten eS ruhig ab."

Nicht weniger deutlich äußert sich dieCberhesfische Volks- 1 iimgt":Aber das sachliche Ergebnis der Parteiverhandlungen? 1 s wirb vielleicht manche Parteigenossen geben, bic in dieser - -eziehung große Befriedigung zur Schau tragen, gar mit starken : nt» begeisterten Worten von bern Mehrheitsbeschlüsse des Partei- ,:ges in der BnbgetbewilligungSftage als von einer befreienden -ät, von einem großen Siege des Parteiprinzips über oppor- t mistische Verschwommenheit unb wie die schwungvollen Wen trugen sonst noch lauten mögen, sprechen werden. Wir können : ; ihren Triumphgesaiig leider nicht einstimmen. Mr bedauern imielmehr den Beschluß des Parteitages auf das tiefste, sind wir d»och überzeugt, daß dieser Beschluß nickst zum Wohle unb Nutzen t»;r Partei bienen wird, sondern dieser den denkbar schwersten schaden bringen dürfte, die bisherige Geschlossenheit ber Partei dickt in Frage stellt. Fassen wir aber das Ganze zusammen, f» kommen wir zu dem Msultat, baß kaum je ein Partei- tag ber deutschen Sozialdemokratie so wenig der Lartci nützliche Arbeit leistete, wie der Nürn- b-er ger, sicher aber feiner seiner zahlre ichcn Vor- gaängcr eine Parteistreitfrage, statt fie zu be- f citigen ober boch ihre Schärfe zu mildern, ber» c;ct vertiefte unb für den Bestand ber Partei ge- j ehrlicher gestaltete, wie das der nun vergangene Nürn b-rrger bas in ber Budgetbewilligung getan hat."

In manchen bürgerlichen Blättern wird man sich über solche Eingeständnisse aus dem sozialdemokratischen Lager freuen, und Kit es auch schon getan. Man verkennt hierbei aber reckst gründ­lich das Wesen der sozialdemokratischen Partei. Mag die Un- cimgkeit in dieser Partei auch noch so groß sein, und mag sic salbst im Lause ber Zeit zu einer offenen Parteispaltung führen, scv bleibt die Sozialdemokratie doch die Todfeindin ber bürger­lichen Gesellschaft. Sie lebt von dieser Todfeindschaft, und es lirb immer ein vergebliches Bemühen sein, fie mit der bürger Ir.fren Gesellschaftsordnung auszusöhnen. Tie bürgerlichen Par torien, vor allem ber Liberalismus, sollten sich daher, jetzt mehr dmn je, vor übertriebenen Hoffnungen bezüglich der sogenannten Revisionisten hüten. Tas einzige, was bic bürgerliche Gesell- fällst tun kann, ist, der Sozialdemolratie möglichst wenige Ait- : ifssslächen zu bieten.

Mir*

Familie1131,

Die Eroberung der Lust.

Vom 80. bcuridten Naturforscher und Acrztetage.

Im großen Festsaale bes Gürzenich, dem altenKauf- und Äanzhause" Ens fand am Montag die feierliche Eröffnung ber 88). Hauptversammlung ber Gesellsck) ast bculscher Na­ir r f o r s ch e r und A e r z t c statt, zu deren bedeutungsvollstem Lreignis der Vortrag des Majors a. T., P a r f e v a l (Berlin) iücr Motorballon und Flugmaschine steht.

Ter Geschäftsführer Prof. Dr. Tilmann (Köln) begrüßte bae Versammlung. ... _ _ ,,

Im Auftrage des preußischen stultusminnters Dr. Holle, ber gemeinsam mit dem Lberpräsidenten ber Rheinproviitz Freih. ixi Schorlemer-Lieser unb dem Kardinal-Erzbiichoj von S Jin Dr. Antonins Fischer das Ehrenpräsidium der Tagung übernommen hat, begrüßte hicraüf zugleich auch^ im Namen des Sberprasidenten der Regierungspräiident Dr. & t c i n m c t |t e r lut Kongreß, dessen Vorsitz hierauf Prof. Dr. Wett stein von ibestersheim übernahm. _ . , ,

Ten ersten Vortrag hielt Proß Dr. Stadler (München über Albertus M a g n u s v o n Köln. Öicrauj wrack) -Jiaior v Parscval über Motorballon und e> i u g.m a ) mi nc. Tie wichtigste Eigenschaft des lenkbaren Ballons nt Die tvahr 8 -schwindigkeit; man verlangt mindestens 40 Kilometer in der stunde, da sonst das Luftschiff dem Winde gegenüber zu roen^ ^.iderstandsrraft besitzt. Außerdem soll das LuMchni it?m, große Hohen zu ersteigen unb schließlich nicht allzu groß ]ein, b<mit es am Boden gut manövrieren kann, xie Hutten oiv Eillonä sind aus doppeltem Baumrool'sto'f nut einer emgcwalz:en Lrutschut-Zwischenlage; der längliche Tragförper hat bei -uU. föirfai mit Mr einer Gondel etroa btc icchsfache. Lange pes

^urA^ncrs. Ta solche Langkörper bas Bestreben haben, mit der Spitze seitwärts miszuwcichen unb sich au er zu stellen, bedürfen fte sogen. StabÜisierungs- ober Tänwfungsflächen, ähnlich ben irr'^rn eines Pfeils. Im Innern befinden sich Luftsäcke, die bei Gasverlust bas verlorene Volum durch Luft ersetzen unb ben wülon prall erhalten. Die Borwärtsbeivcgung roub burch Luft­schrauben erteilt, bic ben Sck>raubenpropellem bei Wasserfahrzeugen nachgebildet sind. Sie sind entweder aus Blech ober aus Rahmen rnit Stoffüberzug. Die Parsevalschraube trägt an einer großen Nabe vier Flügel aus starkem Leinenswff, bie sich, mit Gewichten beschwert, bei bet Umbrehung bic Flügel ausspannen unb Schrau­benform annehmen. Der Antrieb wirb von Benzinmotoren ge- liefert. Von ben einzelnen Systemen ist das des ftanzösischen Ingenieurs Julliot bas wichtigste: ber Ballon wirb babei durch ein Aluminiumgerüst versteift, unter dem bie Gonbel aufgehangt ist Zu beiben Seiten der Gonbel sinb Luftschrauben aus Stahl. Die Höhensteuerung wirb burch horizontale brehbare Flächen be­wirkt: bic Seitcnftcuerung durch ein Steuer, ähnlich dem der Schiffe. Diese Ballone haben über 40 Kilometer Geschwindigkeit erreicht. Diesem Typ gehörte diePatrie" an unb die kürzlich fertiggestellteRvpubligue". Ein zweites System ist bas bes Obersten Renarb, bas bei dem BallonVille be Paris" in An- Wendung gekommen ist. Hier bilden Versteisungsgerüst und Gondel ein Ganzes, ber Ballon schwebt an Seilen darüber. Besonders aussallenb find bei diesem Luftschiff bie mit Gas aufgeblasenen zylinderförmigen Dämpfungsslächen. Achnlich dem TypPatrie" sind bas englische unb das deutsche Militärlustschisf gebaut, doch hat bas beutschc zwei Motorc, und seine Schrauben sitzen hoch am Ballon.

Der Ballon des Grafen Zeppelin hat ein nicht abnehmbares Versteifungsgerippc aus Aluminium, das bic äußere Form ge­währleistet, so daß ein Ausblasen mittels Ventilator nicht nötig ist. Er ist im Verhältnis noch einmal so lang wie bie anberen Systeme unb hat zwei Gondeln, die dicht unter dem Tragkörper hängen. Tie Höhensteuerung wirb durch 16 horizontale drehbare Flächen, 8 am Bug und 8 am Heck des Ballons, bewirkt. Durch diese wirb ber Ballon hinten gesenkt, vorn gehoben, so daß die Achse schräg steht. Bei ber Vorwärtsbewegung entsteht eine Trachenwirkung auf die Ober- bezw. Unterseite, so daß ber Ballon gehoben oder gesenkt wird.

Major Parscval legt die Gründe des Unfalles des Zeppelinschen Ballons dar, die in dem nur starren System liegen und fährt fort: Der Parseval-Ballon verzichtet im Gegensatz zu Zeppelin gänzlich auf ein Verstcifungsgerippe« er wird nur durch Ausblasen straff erhalten, was keine Sck)wierigkeiten macht, wenn bie Aufhängung der Gondel entsprechend eingerichtet ist. Die Form des letzten Lustschifscs ist ftschförmig mit stumpfem Kopf und spitz auslausen- bem Heck. Dies ergibt den sichersten und raschesten Flug. Zwei Luftsäcke gestatten das Aufblasen, unb bie Steigung wirb dadurch geregelt, daß ber eine ober andere Luftsack gefüllt wirb. Die Gondel ist so ausgehängt, daß sie in paralleler Stellung zum Ballon vor- und rückwärts schwingen kann. Hierdurch werden stampfende Bewegungen vermindert. Das Luftschiff hat nur eine Schraube, die zwischen der Gondel und dem Ballon liegt. Zurzeft ist ein neues Schiff im Bäu, bei dem eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Meter erwartet wird. Dieses Schiss wird die Frage entscheiden, ob es möglich ist, Parseval-Luftschifse in großen Di­mensionen zu bauen. Das Parseval-Lustschifs hat den großen Vorteil, baß es bei einer unfreiwilligen Landung fern seiner Halle leicht entleert unb zurücktransportiert werden kann.

Ein weit handlicherer und billigerer Apparat als bet Motor- ballon ist bie Flugmaschine. Bis jetzt bat nur das Aeroplan praktische Erfolge zu verzeichnen. Es besteht aus einer ober mehreren großen Drachenflächen, die in geneigter Stellung mittels Luftschrauben sehr rasch durch bie Luft gezogen werden. Die nach unten ausweichenden Luftmassen ergeben hierbei eine solche Reak­tion, baß der Apparat sich hebt. Die Drachenflächen sind in einer Ebene oder in mehreren Stufen übereinander gelegt. Die Höhensteuer befinden sich vor- ober rückwärts ber Haupttragflächen. Ein gewöhnliches Seitensteuer bewirkt bie Lenkung nach rechts unb links. Die besten Ergebnisse haben Farman, Telagrange und bic Brüber Wilbur unb Orville Wright erreicht. Der Antrieb ber Apparate erfolgt durchweg durch Blechschrauben mittete be­sonderer leichter Motore. Tie Flugmaschinen erreichen ohne Mühe Schnelligkeiten bis 100 Kilometer, die dem Motorballon für immer versagt sind: doch besitzen sie zurzeit nicht die genügende Stabilität, um auch bei bewegter Luft ausstcigcn zu können.

Parscval teilt mit, baß sein Materialschaden unbedeutend sei, der Zwiscktenfall im Grünewald spreche durchaus nicht gegen sein System, von dem er nach wie vor durchaus überzeugt sei. Die sofort eingeleiteten Reparaturen ständen bereite vor ihrem Abschluß unb bic Versuche würben bann sofort wieder aufgenommen werden. Er erhofft bie besten Resultate nach der Uebernahme des Ballons durch bie Militärverwaltung, bie ja bann in bet Lage sei, ihr ganzes Lustschifferkorps in der Bedienung unb Führung des Ballons auszubilden. Ein vorübergehendes Miß- gefchick wie bas [einige können unb bürfen niemanben, einen Erfinbcr aber am allerwenigsten, beirren.

mn.

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Drittes Blatt 158. Jahrgang Freitag 25. September 1908

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Dienstag, de°6.c!r abcndö

Kamerad vaner ausserordentlich 1M*

ErMzungs'LW

AirchUche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Am 15. Sonntag nach Trinitatis, den 2 7. Septbr.: Gottes&ienft.

3n der Stadtkirche.

Vormittags 6 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Zugleich Christenlehre für die Nenkonfirmierten aus bet' Markusgememde.

Pormittags 9'/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinberkirche stir die AialthäuSgemcinbe.

Pfarrer D. Schlaffer.

(Vorbereitung dazu Samstag zur geioöhirlichen Zeit.)

Nuchstkünftigeii Sonntag, ben 4. Oktober, fmbel die letzte Christenlehre für btc Nenkonfirmierten aus der Matthäusgemeinde! statt.

3n der Iohannerkirchc.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Zugleich Christenlehre für die Sleukonfirmierten aus ber) Lukasgemeinde.

Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer A u s s e l d.

Vormittags 11 Uhr: Kinberkirche füc bie Johannes« gemeinde. Pfarrer Au sie Id.

Abends 8 Uhr im Konfirmanbensaal der Johanneskirche:^ Versamnilllng und Bibelbesprechimg.

Nächstkünstigen Sonntag, den 4. Oktober, findet Beichte unb) heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemembe im tiaupt- gotlesdienst statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Ge­meinde erbeten.

ttalholifche wetnrinSe.

Gottesdienst.

Samstag den 26. September:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 27. Sept., 16. Sonntag nach Pfingsten:

Vormittags von 6/t Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

w um 7 Uhr: Die erste heil. Meße.

, um 8 Uhr: Die zweite heilige Alesse.

. um 9'/, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2 Uhr: Andacht für die Abgeslorbeneu.

Donnerstag, Freitag und Samstag abend um 6'/, Uhr ist Rosenkranz-Andacht mit Segen.