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gestrichen, die ein Börsentermingefchäft in Getreide und Mühlenfabrikaten unter gewissen Bedingungen zulassen, unter andern für Landwirte im Umfange ihrer Jahreserzeugung oder ihres Jahresverbrauches. Vom ganzen § 50 hat die Kommission lediglich den ersten Sah. stehen lassen: „Börferitermmgeschäfte in Getreide und Mühlenfabrikaten sind verboten."
Giessen, den 22. Februar 1908.
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scheu Eisenbahnpläne zu verstehen, die durchaus im Sinne des Berliner Vertrages sind. Der Artikel 25 des Berliner Vertrages vom 13. Juli 1878 gewährt nämlich Oesterreich-Ungarn das Recht, im ganzen Umfange dieses TcileI des alten Milajets von Bosnien, des Sandschaks Novi- bazar, bis jenseits Mitrowitza militärische und Handels- straßen zu besitzen. Den Regierungen von Ocsterreich- Ungarn und der Türkei blieben die Einzelheiten Vorbehalten Diese Einzelheiten haben beide Regierungen jetzt geregelt, und dagegen kann völkerrechtlich keine andere Macht etwas einzuwenden haben. Die russische Presse, die wieder einmal einen Grund gesunden zu haben glaubte, Deutschland zu verdächtigen, scheint die Rechtslage und die tatsächlichen Verhältnisse verkannt zu haben.
Einiges Aussehen erregt die nun wirklich erfolgte Verurteilung des Generals Stössel, de^' Verteidigers von Port Arthur, zum Tode. Zur Vollstreckung wird die Strafe wohl schwerlich kommen, und die Begnadigung wird dem General schließlich ebensowenig fehlen, wie seinerzeit dem Admiral Nebogotow, dem unglücklichen Führer der russischen Flotte in der Schlacht bei Tsuschima.
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Bemerkenswert ist der Beschluß der Generalversammlung des Bundes der Landwirte, worin er die vom Reichskanzler Fürsten Bülow emgeleitele Blockpolitik als den Versuch einer Verständigung im Kampfe für die Erhaltung und Förderung nationaler Güter begrüßt. Der Bund ist bereit, hierbei mitzuarbeiten, um nationale Ziele zu verfolgen. Ueber den Parteien stehend, lehnt er es jedoch ab, sich von der Verfolgung seiner die allgemeine nationale Wohlfahrt erstrebenden wirtschaftlichen Ziele irgendwie abdrängen zu lassen.
In der auswärtigen Politik hat die verflossene Woche nicht viel Bemerkenswertes gebracht. In Marokko scheinen die Franzosen eine ernsthafte Schlappe erlitten zu haben. Sie wollen es nur nicht zugeben. Auf dem Balkan scheint sich die Lage einstweilen wenigstens insofern zu klären, als Rußland allmählich anfängt, die österreichi-
Am Montag begann in Berlin die „große landwirtschaftliche Woche". So hat man sich gewöhnt, die Februarwoche zu nennen, in der, mit dem „Bund der Landwirte angefangen, die Abgesandten aller landwirtschaftlichen Jnteresscn-Vertretungen und solcher Vereine, die sich die Erörterung irgendwelcher agrarischer Probleme zum Ziel gesetzt haben, in Berlin zusammenkommen, um sich über die Angelegenheiten ihres Gewerbes und die Fragen, die sie angehen, auszusprechen. Man hat früher über diese Zusammenkünfte in einem Teil der Presse gern gespottet. Aber dieser Spott ist allgemach verstummt, und auch die dauerhaftesten Schcrzbolde haben nachgerade einsehen gelernt, daß es abgeschmackt ist, den Landwirten, die sich einmal im Jahre hier zusammensinden, die Becher nachzurechnen, die sie nach Monaten ländlicher Einsamkeit inmitten der brausenden Großstadt leeren. Gewiß: nicht alle Veranstaltungen der landwirtschaftlichen Woche sind gleichartig, und neben den Wcizenkörnern wird auch genug Spreu produziert. Das ist, wo Männer sich zum Rcdenhalten zusammentun, noch nie anders gewesen. Aber im allgemeinen kann man doch sagen, daß in dieser Woche neben leerem Demonstrationsgepränge auch viel ernsthafte Arbeit geleistet worden ist. Arbeit, die sich genau in der Richtung bewegt, die Staatssekretär v. Vethmann-Hollweg neulich in seiner feinen und gedankenreichen Rede auf dem Festmahl des Landwirtschaftsrats skizziert hat: die Intensität, die Quantität und Qualität der deutschen landwirtschaftlichen Erzeugung durch Anspannung aller Kräfte zu steigern.
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Das Beziksgericht in 'Minik (Rußland) hat jetzt über folgenden, m feinen Einzelheiten furchtbaren Prozeß entschieden: Ein Bauernhause hielt einen G e i st e 2 f r a n l e n für einen Spion, band ihn mit den Füßen an einen Pserdeschweif und schleifte den Unglücklichen sechs Kilometer weil nach dem nächsten Kreis, wo er noch lebend begraben tvurde. Tret Teilnehmer an diesem Verbrechen wurden zu lebenslänglicher, zwei zu sünizehn Fahren und einer zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
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Minnich, Leu 11. Mj 1908, MinittM 10 Mr ®uf ber Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft hier — Justtz- fiebäuöe, Zimmer Nr. 43 — niederzulegen.
Tfie Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Rinisterialerlaß vom 16. Juni 1893, das Verdingungswesen ^etr., enthaltenen allgemeinen und den von dem Unterzeich- eten ausgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der mnzlei Großh. Staatsanwaltschaft emgcsehcn und gegen Ermattung der Schrcibgebühren bezogen werden können.
Für die Kokosnußbutter kann der Zuschlag erst nach lattgefundener Prüfung der vorzulegenden Proben durch den Installsarzt erfolgen, im übrigen bleibt der Zuschlag 3 Tage norbehalten.
Gießen, den 20. Februar 1908.
Der Oberstaatsanwalt
an Großherzoglichen Landgericht der Provinz Oberheffen.
, . Theobald.[D22/2
b22,.,
Wochenschau.
Gießen, 22. Februar.
Es ist schwer gewesen, für den Reichsschatzsekre- tärv. Stengel einen Nachfolger zu finden, denn die Reichsfinanzoeform ist eine schwierige und wenig dankbare Aufgabe. 5i>as hat Frhr. v. Stengel in vollem Maße an sich erfahren. Bin Witzblatt schrieb dieser Tage, daß der jetyt so vielgen«nnte Friedberg nur darum durchgebrannt sei, um rricht in, Gefahr zu kommen, der fidachfolger Stengels zu werden. Dicker Scherz kennzeichnete die Lage. Nun hat sich aber endlicki doch ein mutiger Mann gesunden, der bereit ist, die Erbschaft Stengels zu übernehmen. Kein Kaufmann, kein Oberbürgermeister, oder Professor, wie man erwartet hatte, sondern ein Beamter des RcichspoftamteS, Geh. Rat Sydow. Im Reichstage hat Exzellenz Sydow bei den Beratungen dhs Postetats wiederholt gesprochen, und da hat man ihn als einen kenntnisreichen und energischen Beamten kennen gelernt. Man kann also wohl annehmen, daß der neue Reichsschatzsekretär sich keine Illusionen über Schwierigkeiten seines neuen Amtes machen wird und daß er es Wohl jrädjt übernommen hätte, wenn er nicht schon irgend einen gsangbaren Weg zur Durchführung der Reichsfinanz gefunden hätte. In den letzten Tagen sollen wiederholt VerhandLvngen zwischen dem Reichskanzler und Herrn Sydow stattgafunden haben, und man meint, daß hierbei eine Verständigung über die Grundzüge der neuen Finanzreform zustande gekommen sei.
Im Reichstage beschäftigte man sich fast die halbe Woche Hindun!) mit dem Postetat, und ging, nachdem man Herrn Krätke das Gehalt bewilligt hatte, zur Beratung des Justizetahs über. Wie Staatssekretär Dr. Nieberding mitteilte, ist die neue Strafprozeßordnung im Reichsjustiz- amte sertiggestellt, wird aber erst im nächsten Winter an den Reichstag gelangen.
Im Herr en Hause nahm man die Polenvorlage in zweiter LesuMg nach den Beschlüssen der ersten Lesung an, obgleich die Regierung gegen diese Beschlüsse lebhaft Protest erhoL Hiernach gesteht das preußische Herrenhaus die Enteignuugsvorlage grundsätzlich zu, schließt aber praktisch den alten, befestigten Grundbesitz von der Enteignung aus.
Im preußischen AVgeordnetenhause stand in der ganzen ab gelaufenen Woche der Kultusetat zur Beratung.
Von dew Arbeiten der Reichs tags kommt ssio- nen sind iwm besonderem Interesse diejenigen, die sich <ntf das Vereinsgesetz beziehen. Die Beratung über den Ver- emsgesetzenttiourf wurde in zweiter Lesung beendet, mit Ausnahme des § 7, der einstweilen zurückgestellt wurde. 3on weitergehendem Interesse sind auch die Beschlüsse der Lörsenkomnrission. Sie hat nämlich sämtliche Bestimmungen
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Nr. 45 Drittes Blatt 158. Jahrgang Samstag SS. Febrmar 1908
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