Ausgabe 
23.5.1908 Erstes Blatt
 
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715., (1223.), (620 f).

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wert zu leisten vermag. Die Ausstellung nennt sich nicht wie die früheren, eine Darmstädter, sondern ein: Hessische Landesaus­stellung, und sie hat auch eine sehr wirkungsvolle staatliche För­derung dadurch erfahren, daß der Staat selber als Auftraggeber namentlich für große Inneneinrichtungen öffentlicher Bauwerke austrat. Nach Schluß der Ausstellung im Herbst werden alle diese künstlerischen und kunstgewerblichen Arbeiten, z. B. für die neuen Badehäuser in Bad-Nauheim, das neue Justizgebäude in Mainz, das Gvmnasium zu Offenbach, die Universität Gießen usw ihren praktischen Bestimmungen den verschiedenen Landesteilen zugeführt.

Die neue Landesausstellung nimmt diesmal fast das ganze ausgedehnte Terrain der Mathildenhöhe in Anspruch und gliedert sich in 10 vollständige Ausstellungsbauten, 16 Höfe und Gärten und 150 Jnnenräume, in denen 250 bis 300 Künstler und eben» sovicle Kunsthandwerker und gewerblich-technische ^Aussteller ihre Kunst zeigen. Wenn wir heute zunächst einen allgemein orientieren­den Rundgang durch die Ausstellung unternehmen, so muß zu­nächst dcs am Eingang zum Hauptausstellungsgebäude gelegenen und weit als Wahrzeichen Darmstadts in die Lande hinausschauen­den Hochzeitsturmes gedacht werden, den die Residenzstadt dem Großherzog anläßlich seiner Wiedervermählung gewidmet hat. Das von Professor Olbrich errichtete monumentale Bau­werk ragt wie die fünf Finger einer Hand wie zum Schwur er­hoben zum Himmel empor und birgt im Innern eine Anzahl künst­lerisch ausgestatteter Räume, wie die Zimmer des Großherzogs und der Großherzogin, das städtische Ausstcllungszimmer u. a. m. Den größten der Räume hat der Maler-Radierer Friß Hcgcnbart mit prächtigen allegorischen Wandgemälden ausgeschmückt.

Der Haupteingang zu dem unmittelbar damit verknüpften Hauptausstellungsgebäude Professor Olbrichs bcsindet sich am Platanenhain neben der russischen Kapelle, die mit ihren vergoldeten Kuppeln ein hübsches Dekorationsstück unmittelbar vor der Ausstellung bildet. Das von der Stadt mit einem Kosten­aufwand von 350 000 Mk. aufgeführte Hauptausstellungsgebäude ist als permanentes Gebäude für die Ausstellung von Kämstwettcn bestimmt und enthält jetzt eine stattliche Zahl auserlesener Ge­mälde und Plastiken namhafter Künstler Hessens, darunter mehrere Prachtwerke des in Dresden lebenden Geh. Hofrats Prof. Eugen Bracht, des Vorsitzenden der Ausstellungsjury sür die freien Künste. Der mit hoher gewölbter, weißer Decke ausgestattete Ehrensaal zeigt eine Anzahl großer dekorativer Wandgemälde von Prof. Ludwig v. Hofmann, Prof. B außer u. a. Das monumentale Bauwerk mit seinem dunklen, graufarbenen Ver­putz und den breiten glatten Flächen und großen Linien übt eine eigenartige Wirkung aus und erinnert fast an die großen all­assyrischen Palastbauten. Auf dem mit glatten englischen Rasen­flächen umkleideten Hügel ist das massive Bauwerk mit anmutig wirkenden Pergolen umgeben, deren weißes Holzgestänge Kletter' rosen umranken.

Der zweite Hauptbau, das etwas tiefer liegende Ausstellungs­gebäude von Prof. Albin Müller, besteht aus einem ganzen Gebäudekomplex und hat die ganzen Erzeugnisse der angewandten Kunst ausgenommen. Es umfaßt etwa 3600 Quadratmeter Boden­fläche und hat fast durchweg zwei Stockwerke. Hier sind vor allem die von hessischen Kunsthandwerkern und Gewerbetreibenden im Auftrag der Regierung ausgeführten innexen Raum-Ausstattun­gen untergebracht und den Glanzpunkt in den mittleren Räumen bildet der Wartesaal und der Schmuckhof, welche für die neuen Badehäuser in Bad-Nauheim ausgeführt worden sind. Dieser etwa 9 Meter breite und 17 Meter lange Schmuckhof, der, von einer ganz in Terrakotta ausgeführten Säulenhalle umschlossen wird, bildet die erste größere Arbeit, mit der die vor ca. zwei Jahren gegründete Großh. Keramische Manufaktur unter Leitung des Prof. S ch a r v o g e l aus München an die breitere Oesfentlichkeit tritt. Ihre Leistung wird zweifellos viel Aufmerksamkeit und Bewunderung erregen. Bon den mehr als 70 Räumen dieses Ausstellungsgebändes sind von im Auftrag der Regierung aus­geführten Arbeiten allein 24 Räume in Anspruch genommen.

Von den vier großen Gruppen der Ausstellung haben wu vorstehend die der freien und der angewandten Kunst berührt. Die dritte und vierte Gruppe bilden die drei Einzelhäuser: Ober- h e s s i s ch e s A u s ft e l l u n g s h a u s , Haus Wagner-Gcwiu und Haus 'Professor Sutter und die Gruppe der seckss Arbeiterhäuier oderKlein-Wohnungslölonic". In dieser haben mehrere hey. Großindustrielle Musterbauten sür billige und behagliche Arbeiter- wohnhäuser errichten lassen und zwar: Freih. Cornelius v. Heyl in Worms durch Architekt A. Wienkoop, Darmstadt, ein Zwei­familienhaus, die Firma Dörr u. Reinhart in Worms eine eben­solche durch Architekt Georg Metzendorf, Bensheim, und die puma Dyckerhoff u. Söhne in Amöneburg ein ebensolches durch Mahr u. Markwort, Darmstadt, ferner haben Fabrikbesitzer Will). L-Vd in Rüsselsheim durch Pros. Olbrich, Fabrikbesitzer Cloos in Nidda durch Prof. Walbe, Darmstadt, und Fabrikant PH. .Merkel in Dalsheim durch Architekt Jos. Riegs in Darmstadt je cm Ein­familienhaus erbauen lassen.

Im letzten Moment hat sich die Ausstellungsleitung auch noch infolge des starken Andrangs von hessischen Ausstellern veranlaßt gesehen, ein besonderes sog. A r ch i t e k t u r g e b ä u d e zu errichten, in dem das Gros der Werke der Plastik untergebracht worden ist. Mit diesem Bau erhielt das ganze Ausstellungs- gebiet einen wirksamen Abschluß, während man andererseits nut Erfolg bemüht war, durch gärtnerische Anlagen usw. eine ent­sprechende Abgrenzung nach Norden und Süden zu erzielen. Damit dem strengen künstlerischen Charakter der Ausstellung doch auch das Angenehme, Gesellige nicht fehle, ist auch durch große Restaurationsanlagen am Platanenhain für die Abhaltung von Künstlerkonzerten usw. Gelegenheit geschaffen worden, und wenn sich das Wetter nur einigermaßen günstig gestaltet, fo bunte der Ausstellung neben den zu cripartenben künstlerischen und sozialwirtschaftlichen Erfolgen auch ein günstiges, materielles Er­gebnis sicher fein.

Ans Stadt rind Land.

Gießen, 23. Mai 1908.

Postbeförderungs-Gelegenheiten in Gießen.

Folgende Züge werben zur Postbeförderung benutzt: (Es bedeuten: Beförderung von Sendungen jeder Art, nur Beförderung Kon Briefen, oe nur Beförderung von Paketen, y Beförderung von Briefen in geschlossenen Beuteln, () Benutzung nur an Sonntagen. Alle nicht mit und f bezeichneten Züge führen Bahuposten mit Briefkasten:

a) Richtung nach Frankfurt (Main):

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L.=U. Landes Universität. Dr. Hans Reichel, der sich für die Fächer Sanskrit, vergleichende Sprach- Wissenschaft und vergleichende Religionswissenschaft an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Montag, den 25. Mai, 12 Uhr in der kleinen Aula eine öffentliche Probe­vorlesung über das Thema: Tas Leben nach dem Tode and die Eschatologie in der awestischen Literatur.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Im Beur­laubtenstande: Befördert zu Oberleutnants der Res. die Lts. d. Res.: Fischer (Burg) des Jnf.-Regts. Kaiser- Wilhelm (2. Großh. Hess.- Nr. 116, Rexr oth (St. Johann) des 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 168, Frrnz (I Darm­stadt) des 4. Magdeb. Jnf.-Regts. Nr. 67, Minnich (Worms), Emmerling, Lang (I Darmstadt) des Leib- Garde-Jnf.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115. Beför­dert zu Oberleutnants der Landwehr-Infanterie 1. Aufg. die Lts.: Frhr. v. Gall (I Darmstadt), Nogel (Mainz), zum Oberlt. der Landw.-Fußartillerie 1. Aufg. der Lt. Hof- mann (Mainz). Befördert zum Hauptmann d. Nes.: Oberlt. d. Nes. Dern (Friedberg). Der Abschied be­willigt: Osann (II Darmstadt), Brüel (Gießen), Oberlts. der Landw.-Jnf. 2. Aufg., Römheld (Gießen), Lt. der Landw.-Inf. 2. Aufg., Wenz (Worms), Lt. der Landw.- Feldartillerie 2. Aufg. Befördert zu Oberärzten: die Assistenzärzte der Reserve: Dr. Diehl (II Darmstadt), Tr. Siebeck (Friedberg), Dr. Scheuermann (IDarmstadt).

** P fa rrpers 0 n a l i e 11. S. K. H. der Großherzog haben den cvaug. Pfarrer Hch. Kalb Henn zu Kirch-Göns auf sein Nachiuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu ge­leisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.

2 e t)r e r b e rf 0 n a I i e n. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Jsendiirg-Birstein auf die erledigte erste Lehrerstelie an der Gemeindeschule zu Offenthal präsentierte Lehrer Gg. PH.. Dörr zu Lauerbach und der von dem Stadtvorstand zu Als­feld auf die erledigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alsfeld Dräfentime Lehrer PH. Rudolph daselbst. Er­ledigt ist eine mit einem laIholischeu Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Welzheim.

^Ordensverleihung. S. Kl H. der Großherzog haben dem Kirchendiener Hch. Heß VI. zu Bleichenbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" verliehen.

** Der Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurden in Hessen im 1. Vierteljahr 1908 535 Pferde und andere Einhufer (Oberhesfen 71), 4881 (748) Ochsen, 379 (163) Bullen, 9391 (1477) Kühe, 7713 (2551) Rinder, 18 917 (3450) Kälber, 82 592 (18 359) Schweine, 3375 591) Schafe und 8035 (2221) Ziegen unterzogen.

" Der wissenschaftliche F0rtbi l dung§kursuS für V olk sschu lleh rer an der Universität Gießen kann nach nellerlichen Bestimmungen doch noch stattsinden und zwar im Juni und Juli. Lehrgegenstände sindAesthetik" mdGeologie von Hessen und angrenzenden Gebieten".

Verband der Detaillisten - Vereine im Gr 0 ßherz 0 gtum Hessen. Der Vorstand hielt in Darmstadt eine Sitzung ab, in der über die seitherige Tätigkeit Bericht erstattet wurde. In Ausführung der Bc- chlüsse der Ausschußsitzung vom 6. März gingen nachstehende Lmgaben ab: an den Reichstag: Antrag auf Ergänzung des Paragraph 138 zur Gewerbeordnung, beit'. Regelung der Arbeitszeit in den Putzgeschäften; an die Zweite Kammer

1. Nach Steinberg (8*5«):

2. WiefeckAltenbufeck 6"», (830), (820.).

3. Lützellinden 765, (420).

4. Krofdorf 7i&, (560).

Beim Postamt I treten die Schlußzeiten im allgemeinen ein: für gewöhnliche Briefe 1020 Minuten, für Einschreib­briefe 2530 Min., für Wertbriefe und Pakete 3060 Min. vor Abgang der Züge.

Die Stadbriefkasten werden Werktags geleert zwischen 515 und 630 vorm., 815 u. 9 vorm., 1015 u. 1045 vorn:., 1130 u. 1215 mittags, 300 u. 345 nachm., 530 u. 680 nachin. 700 u. 745 N., 915 und 1000 N. Sonntags zwischen 530 und 615 vorm., 1016 u. 1100 vorm., 700 u. 745 N.

(SenauercS ergeben die LeerungStafeln an den Brief­kasten.

Die eingesammelten Briefe gelangen mit der nächsten Beförderungsgelegenheit zi,r Absendung.

Vom Postamt II, Schulstraße, gehen Werktags Ver­sande nach dem Postamt I und dem Bahnhof ab: Vor­mittags: 915*, 1115. Nachmittags: 1255, 155*, 415, 522*, 555, 655, 735 *, 805, 850; an Sonn- und Feiertagen: 915 vorm., 1255* nachm., 145 nachm. (* nur Briefpost).

Die Schlußzeiten treten ein: für gewöhnliche Briefe 5 Minuten, für Einschreibbriefe 15 Min., für Wertbriefe und Pakete 3040 Min. vor Abgang der Versande.

** Tageskalender. Kolosseum : Täglich Vorstellung.

K i ne m a t 0 g ra p h en t h e a t e r : Programmwechsel.

Konzert unserer Regimentsmusik Sonntag nachmittag .4 Uhr im Philosophenwald.

Anlagemus ik. (Volkskonzert.) Sonntag vormittag 11 ¥2 Uhr in der Süd-Anlage (nur bei günstiger Witterung». Spiel- plan: 1. Ouvertüre z. Op.Ilka" von Dopplow; 2.Sonntags­kind", Walzer von Millöcker; 3. Finale a. d. OperMartha" von Flotow; 4.Ter Rheinströmer" (Armeemarsch Ick.

Vermischtes

* Unwetternachrichten. In Erfurt ging gestern früh ein furchtbarer Orkan über die westliche Stadt nieder, c'.artt Bäume wurden geknickt. An Gebäuden und in den Gärtnereien ist bedeutender Schaden angerichtet worden. Schwere Gewttter- ftürme und Schlossen haben auch im Elstertal Feldschaden um) Waldbruch herbeigeführt. In Berlin folgten in den Abend­stunden von 8 Uhr ab mehre heftige Gewitter aufeinander, ver­bunden mit sehr starkem H a g e l s ch l a g. Tie Telegraphen- und Telephomeitungen waren längere Zeit gestört. Ungeheure Wassermassen ergossen sich über die Stadt. Es wird befurchter, daß ernste Beschädigungen, namentlich in der Umgebung von Berlin eingetreten sind. Vom Blitz getroffen mürben beim Gewitter in der Scharnweberstraße in Reinickendorf zwe Brauereikutscher, die sich nach 10 Uhr abends auf dem ,Wege naai ihren Wohnungen befanden. Als der Gewitterregen ftäner cuv setzte, traten die beiden Männer unvorsichtigerweise unter eine» Baum, um Schutz zu suchen. Kaum hatten sie sich dort ausgestellt, als ein Blitz den Baum traf und die beiden Kütscher betauo^. Später vorüberkommende Passanten fanden die Verunglückten ui sorgten für ärztliche Hilfe. In Leipzig richtete em schweres mit Hagelschlag verbundenes Gewitter, das gegen 6 Uhr niederging, vielfachen Schaden an. Zahlreiche Straßenlaten.. und Fensterscheiben wurden durch walnußgroße H^e^ körn er zertrümmert: auch Wald und Flur litten W'- Ueber das Gewitter in Brüssel wird noch gemeldet: ^II yj Vorstadt Sherbeck ist infolge Unterspülung eine Elsenbahnviu ( eingestürzt. In Forest bei Brüssel stürzte ein Fabrttm.ornye zusammen, welcher vom Blitze getroffen worben war. 4» 1 Vorstadt Cureghen schlug der Blitz in das Polizeigebaude; mehr Polizeiagenten verspürten eine starte Erschütterung, einer er schwere Brandwunden. Ein Teil des Stadtviertels Lt- -d^11 ist infolge Anschwellens des Mälmeck unter Wasser geießt. ~ Blitz schlug auch in das Kabel eines Straßenbahnwagens, u den Passagieren brach eine Panik aus. In Mettct ist cllt J;411 Knabe, der die Kühe hütete, vom Blitze erschlagen morDeii. Aus Orleans nnvö verichtek, daß mwlge des pagelichlages Weinberge in der Umgebung von Orleans zerst 0 r t un E r n t e a u s s i ch l e n v 0 l l st ä n d i g vernichtet 1111D1

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1210», 2^«, 54«, 566□, 644 7328*6., 9]3e, 92

b) Richtung nach Cassel:

1237 O, ll!16i«, 400*, 7i°», 8'8«, 1016 f, 126«, 130., 32 ~3U., ö«, 81», 922, 11.

e)"Richtung nach Köln:

8i7Q, lOio f, (1230.), (3251), 612«, d) Richtung nach K 0 vlenz: 8'0«, 12io«, (54 f), 566-j-, 918..

e) Richtung nach Fulda: (126«), (2i6-j-), (j621)# 920.. Richtung nach Gelnhausen:

der Landstände: Antrag auf Aufhebung der Polizei e Bc- stimmung betr. Verbot des Offenhaltens der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen; Antrag auf Besteuerung der Filial­geschäfte. Ein Antrag auf Besteuerung der Konsum- usw. Vereine wird demnächst eingebracht werden. Von dem Ge­danken ausgehend, daß in großen genreinsamen Fragen durch ein einmütiges Zusamnrengehen von größeren Interessen­gruppen eher ein Erfolg zu erreichen ist, als wenn jeder Verband für sich geht, hat sich dieserhald der hiesige Ver­band mit einer Reihe von anderen Verbänden ins Benehmen gesetzt und auch bereits zustimmende Antworten erhalten. Weiter wird der Verband die Bestrebungen auf Schafflmg einer Detail - Berufsgenoffenschaft mit vollständiger Ver- sicherung mit allen Kräften unterstützen, da das jetzige Ver­hältnis der Lageristen zur Lagerei-Berufsgenossenschaft in jeder Hinsicht als unhaltbar ku bezeichnen sei.

* Kunstverein. Ein Teil der erst seit 8 Tagen ausgestellten Gemälde bleibt nur noch einige Tage in der Ausstellung. Auch die Kollektion Meinhard Jacobi-Berlin, bei der sich ein größeres Bild ,Zuhörer bei einem Vortrag" befindet, wird nur noch kurze Zeit ausgestellt bleiben. Die Ausstellung ist täglich mit Ausnahme des Samstags von 11 bis 1 und Sonntags von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen geöffnet.

** Das Kolosseum hatte gestern abend wieder ein vollbesetzcs Haus. Neben dem übrigen guten Programm war die Barfuß-TänzerinSalome'' der Hauptanziehungspunkt. Tie anmutige Künstlerin stellt das bekannte Drama panto- mintisch dar, wobei die übrigen Personen gedacht sind. Präch­tige Beleuchtungseffekte und charakteristische Alusik unterstützen das Schauspiel ungemein. Die Tänzerin charakterisierte die Leidenschaft Salomes für Jochanaan im Schleiertanz, bis dann schließlich Herodes ihrem Verlangen, das Haupt Jona- chaans, der sie zurückgewiesen hat, ihr auszuhändigen, nach­kommt. Entsetzen ergreift sie und tot stürzt sie nieder. Alle Phrasen der Handlung werden von der Künstlerin durch Tanz und Geberde in hervorragender Weise versinnbildlicht, so daß die Handlung auch ohne die gedruckte Ertlärung stets ver­ständlich ist. Die Vorstellung fand den lebhaftesten Beifall der zahlreichen Zuschauer.

** Turnerisches. Sonntag, 24. Mai, Nachmittags 2 Uhr sindet in der Turnhalle des Turnvereins die 4. Be­tz irk sv ortu rnerstun de des II. Bezirks statt, bei der die Hebungen für das Deutsche Turnfest, sowie die Pflichtübungen für das Gaufest in Lieh durchgeturnt werden.

A. Stenographisches. In den Anfängerkursen der verschiedenen Gabelsbergerschen Stenographen-Vereine und einiger anderer hiesiger Vereine erlernen zur Zett 12 Damen und 154 Herren die Stenographie nach dem System Gabels­berger. Die Zahl der Mitglieder der 5 Vereine (Gabels­berger Stenogrophen-Vercin, Stenographen-Gesellschaft Gabels­berger, Damenkränzcheit und je ein Schülerverein am Gym­nasium und am Realgymnasium und Ober-Realschule) be­trägt 366.

= Wieseck, 22. Mai. Heute ertrank in der Wieseck das im 4. Lebensjahre stehende Söhnchen öeS hiesigen Gastwirts Daniel Erb zum großen Schmerz der Angehörigen, namentlich der Mutter. Dieser tiefbedauerliche Vorfall hat in hiesiger Gemeinde herzliche Teilnahme für die schwer hcimgesuchte Familie erweeft. Möchte er auch die baldige Errichtung einerKleinklnder-Betvahranstalt, wie eine solche in allen benachbarten Gemeinden Wiesecks besteht, für unser fast 3000 Seelen zählendes Dorf veranlassen. Eine solche ist hier um so nötiger, da täglich viele Mütter in hiesige oder auswärtige Fabriken gehen und die daheim bleibenden Kinder oft ohne genügende Aufsicht sind. Dem Vernehmen nach ist bereits ein Kapital von mehreren hundert Mark zu dem in Rede stehenden Zweck von Gönnern dieser Sache gesammelt worben, das in der Kirchenkasse verwaltet wird. Der Anfang ist demnach gemacht, möge nun auch bald das Ziel erreicht werden.

£) i r 5 c n b a i n , 22. Mai. Gegen 4 Uhr zog von Süden durchs enge N i d d c r t a l ein Gewitter. Ättl voller Wucht geschahen einige Entladungen, es regnete ganz gering. Ein plötzlicher Windstoß trieb das immer schwärzer werdende Ge­wölk nach dem Ausgang des Dorfes, >vo eine neue Bäckerei errichtet ist. Der 28 jährige Bäckermeister Wilhelm Seitz befand sich mit feinem Schwiegervater und einem Mädchen in der Backstube. Ein sürchterlich-r Schlag 'lradj.ie und die beiden Männer lagen toi am Boden, das Mädchen war arg betäubt. An der Unglücksstelle (ammeltc sich alsoald eine große Menschen­menge. Man trug die Toten, die ganz geschwärzt aussahen, heraus. Das Haus ist zum Teil verwüstet. Brand brach nicht aus. Seitz stammt aus dem nahen Bergheim und ist ein Sohn des dortigen srüheren Bürgermeisters Seitz.

X Rockenberg, 22. Mai. Dieser Tage würbe von hier berichtet, daß einige Aufseher im Laitt>eszuchchaus Den Zucht­häuslern Kautabak zugesteckt hätten. Nach dem Ergebnis der an- gestellten Untersuchung hat sich nur ein Aufseher diese Verfehlung zu schulden kommen lassen.

Bad-Nauheim, 22. Mai. Bis zum 21. Mai sind 5069 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 4116 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 21. Mai 36435 abgegeben.

ic. Schlitz, 22. Mai. Der Erbgraf von Schlitz gen. von Görtz wird voraussichtlich am 24. Mai aus Berlin hier eintreffen, um mit dem Kreisrat v. Bechtold aus Lauter­bach dieSch li tz er Fehde" einerendgültigenfriedlichen Erledigung eittgegenzuführen.

fc. Aus Rheinh essen, 22. Mai. AuS allen Teilen dec Provinz wird über ein stackes Auftreten des Rebstichlers berichtet.

[] M ar bürg, 22. Mai. In der heutigen Stadtver- ordnetensitzung würbe die Bildung einer gemischten Kommission beschlossen, welche die Frage prüfen soll, ob ein Projekt zur Anlage einer elektrischen Bahn f)lussicht auf Verwirk- lichling hat. Die Regierung in Kassel hat auf Anfrage erklärt, daß sie unter bestimmten Voraussetzungen die Anlage ge­nehmigen würde. Gestern und vergangene Nacht gingen schwere Gewitter nieder. AuS der Umgegend kommen Klagen über Hagelschäden.

Hessische Landeraurstellung varnistadt (908.

R. B. Dar in st a d t, den 23. Mai.

Die hessische Landesausstellung, die heute vormittag auf der Künstlerkolonie in Darmstadt in feierlicher Weise vom Großherzog eröffnet worden ist, hat eine bedeutungsvolle Aufgabe zu er­füllen. Sie soll nach Den beiden Versuchen in den fahren 1901 und 1904 und den erfolgreichen Betätigungen hessischer Künstler in Chikago und Mailand jetzt zum ersten Male in einer geschlossenen Gesamtrepräsentation zeigen, was Hessens Kunst und Künsthand-