Mittwoch 24. JE 1908
158. Jahrgang
Zweites Maik
Nr. 146
Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntag».
des
84.40
Börse, 24. Juni. Anfaugskarse.
155 90
195.60
228.60
. 136.50
man sie für 85 Pfg. die Schachtel.
hvM/u
Weißbrot 2 Kg. 62 Pfg.
Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pig.
Elektriz. Lahmeyer . Elektriz. Schuckert . Eschweiler Bergwerk
24.80
93.60
147.50
Kindermehl
91.80
82.50
91.75
82.55
90.90
90.00
98 80
99.10
93.25
185.80
109.00
196.00
200.50
94.00
97.00
159.00
123.00
228.90
132.50
171.50
136.90
194.10
24 90
148.00
118.00
Harpener Bergwerk.
Laurahütte . . .
Lombarden E. B. N'ordd. Lloyd . . . Türkenlose . . . .
. 207.50
. 110.60
62.80
63 55
95 30
89.00
96.40
. 116.50
. 104.50
. 204 00
. 147.20
. 51.30
. 86.30
. 66.70
. 96.50
'Krankenkost.
3^% 3% 3^°/0 3% W/o 3X°/0
Reichsanleihe do.
Konsols . . do.
Hessen . .
Oberhessen
Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . . Laurahütte Nordd. Lloyd Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat Bank . . Diskonto-Kommandit. .
Dresdner Bank . . . .
Kreditaktien
Baltimore- and Ohio-
Eisenlahn
Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbahn .
Die „Etetzener §amtNenb!8tter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Hretiblott für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschastlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
betreiben. , ,
Darauf wurden gegen 6 Uhr nachmittags die Verhandlungen auf Dienstag vormittag 8 Uhr vertagt.
Weizen 100 Kg. 22.00-22.25 Mk.
Roggen 100 Kg. 20.00-00.00 Mk.
Türkenlose 4% Griech. Monopol-Aul, 456 äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . . 4>i7o Chinesen . . .
Aktien:
Rotationsdruck und Verlag ver Grühl'schsn Unwersitäts - Blich- unv Stemdruckerei.
R. Lange, Gießen.
Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 22. Juni 1908.
Hervorragend bewährte
Nahrung.
Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an
Verdauungsstörung.
Bochum Gass . . .
Buderus E. W. . .
Tendenz: ruhig.
Berliner
Cauada E. B. . . .
Darmstädter Bank .
Deutsche Bank . .
Dortmunder-Union C.
Dresdner Bank . .
Tendenz: fest.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag.' 5L Redaktion; 142, Toh-^ldruAnzeigerGieben.
Märkte.
X Hohensolms, 23. Ium. Alls dem „Hals" unter den altehrwürdigen Lnldenbäuinen mürbe heute der weithin bekannte S o l in | e r Wol l ni a rk t abgehalten. Wie er als solcher seine
Bedeutung verloren, so ist er auch als Biehmarkt sehr zurückgegangen. Während an Rindvieh nur ein Stück abgetrieben war, zeigte sich aus dem S ch w e t n e m a r £ t ein reger Handel. Das Angebot war sehr groß und wurden Einlegeschweine Däuser) mit 120—135 Mk. und Ferkel 20—45 Mk. das Paar bezahlt. Gegen Äiittag entstand aut dem Krämermarkt ein lebhafter Verkehr. Die lmbeständige Witterung, zum Heumachen wenig geeignet, hatte viele Landleule aus der ganzen Umgegeub herbeigesührt. Auch für die Jugend war für Unterhaltung gesorgt, es waren 2 Karussells ausgestellt, dazu huldigte man auch fleißig bem Tanz. Für Hohensolms ist ber Wollmarkt ein regelmäßiger Festtag, mit ihm pflegt die Kirmes, bie am Sonntag zuvor beginnt,, zum Abschluß zu kommen.
tc. Frankfurt a. M., 23. Juni. Heu- unb Strohmarkt Angefahren waren heute vormittag 5 Wagen Heu, 1 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 8,60—8.60, für Stroh
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gieße».
TeiefomscBte ^ursfcieiFichte
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel
und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börne, 24. Juni, 1.15 Uhr.
4% Oesterr Goldrente. . 41/» % Oesterr. Silberrente 4-6 Ungar Goldrente . .
496 Italien. Rente . . .
3 96 Portugiesen Serie I 396 Portugiesen „ III 4/6°/0 russ.Staatsanl. 1905 4>in/0 japan. Staatsanleihe 496 Conv. Türken von 1903
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
6. Deutscher Eewerrschaftr-Aongretz.
S. u. H. Hamburg, 22. Juni.
In Hamburg, der Hochburg der deutschen gewerksäjaftlichen Bewegung, trat heute vormittag der alle drei Jahre stattfindendc Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands im Gewerkschaftshause zu seiner 6. Ordentliä>en Tagung zusammen.
Reichstagsabg. Legien erstattete den Rechenschaftsbericht. Gr teilte mit, daß trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Konjunktur und trotz des Verlustes einzelner Verbände die Mitgliederzahl stark gestiegen ist, im letzten Jahre nämlich von 1689000 auf 1865 000. Tie Gewerkschaften sind finanziell sehr erstarkt. Der letzte Gewerkschaftskongreß in Köln faßte eine Resolution, die zur Förderung der Genvssenichaften aufforderte. Ten Genossenschaften wurden auch bestimmte Verpflichtungen auferlegt, bezüglich der Bezahlung der Angestellten, der Heimarbeit unter Benutzung der Zentralarbeitsnachweise. Entsprechende Anträge sind von der Generalkommission und ben Genossenschaften beraten worden. Die Angelegenheit ist aber noch nicht so weit geklärt, daß sie schon dem jetzt in Eisenach tagenden Genossenschaftstage vorgelegt werden konnte. Die Frage der Maifeier ist auf dem Stuttgarter Kongreß eingehend erörtert worden. Zu einer endgültigen Beschlußfassung kam es aber nicht. Partelvorstand und Gewerkschaften sind nun zusammengetreten, und haben nach längeren Beratungen folgende Resolution zu dieser Frage gefaßt' Zur Vorbereitung der Maifeier ist an allen Orten eine Kvmmisfton einzusetzen, die zu gleichen Teilen aus Mitgliedern des Gewerkschaftskartells und der Parteiorganisation zusammengesetzt ift. Die Maifeier darf an keinem anderen Tage ,stattfinden als am 1. Mai. Bei Aussperrungen kann den dabei betroffenen Arbeitern Unterstützung vom Beginn der zweiten Woche an gewährt werden. Auf diese Unterstützung haben die politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gleichen Anspruch. Die nötigen Mittel sind von den Organisationen am Orte aufzubringen. Für diese Unterstützungen soll durch Sammlungen und .reiwilnge Beiträge ein Fonds gebildet werden. Reichen diese Mittel nicht aus, so müssen die Parteiorganisationen und die Gewerkschaften je nach ihrer Stärke die notwendigen Summen aufbringen. Anspruch auf die Unterstützungen aus der Zentralkasse haben die Ausgesperrten nicht. Erheben die Gewerkschaften ipi Anschluß an die Aussperrung Lohnforderungen, die bewilligt werden, so haben sie die Kosten der Aussperrung allein zu tragen. — Mit dieser Frage der Maifeier wird sich auch der diesjährige Kongreß wieder zu beschäftigen haben. — Der Referent berichtet dann noch über die Frage der Agitation unter den fremdsprachlichen Arbeitern. Die Gewerkschaften müssen Protest Dagegen ein- legen, daß das preußische Ministerium des Innern auf Drangen der Agrarier den Legitimationszwang eingeführt hat. Dadurch werden die ausländischen Arbeiter, auf die diese Bestimmung gemünzt ist, zu Lohnsklaven herabgebrückt. Eine neue Waffe für das Unternehmertum ist damit geschasfen worden. Der Lwngretz wird einmütig diese Maßregel verurteilen. Diese kulturfeindliche Vorschrift des Ministers muß wieder beseitigt werden. (Beifall.)
NnrveriLLäts-NachrichLeu.
Marburg, 23. Juni. Dem Vernehmen nach wird Professor Dr. phil. Karl Schaum hier dem Rufe als a. o- Professor unb Vorstand der photochemischen Abteilung am Leipziger physikalisch-chemischen Universitätsinstitut an Stelle von Prof. R. Luther folgen. „
hc. Die Reform des forstlichen Studiums in Preußen. Mit dem Beginn des Sommers 1908 treten die preußischen Forstakademien in ein neues Stadium der Entwickelung. Die vorgeschriebene akademische Studienzeit ist auf drei Jahre verlängert. Ihr muß eine siebenmonatlicheLehr- zeit auf einer Oberförsterei vorangehen. Das Studium au der Akademie vollzieht sich in zwei Abteilungen. Tie ersten drei Semester sind in der Hauptsache den Naturwissenschaften gewidmet und schließen mit einer Vorprüfung in diesen Fächern ab. Drei weitere Semester werden auf die eigentlich Forstwissenschaft ver- ivandl. Außerdem ist Gelegenheit geboten, juristische und national- okonomische Vorlesungen zu hören. Nach Beendigung des zweiten, forstlichen Teiles der akademischen Vorbereitung findet die zweite forstliche Prüfung (Rescrendarprüfung) statt. Der Forftreferendar hat sich ferner durch eine zweijährige praktische Tätigkeit auf Oberförstereien sowie durch einjähriges, den Staatswissenschaften gewidmetes Universitätsstudium auf feinen künftigen Beruf als Verwaltungsbeamter vorzubereiten und schließlich die erlangte Befähigung in der forstlichen Hauptprüfung, dem Assessorexamen, nacAuweisen. _____________________________
SehenSie,denrechtenGennsshabich erst von einem Spaziergang, wenn ich so recht frei und lief atmen kann. Unb das kann ich jetzt, seil ich mich gewöhnt habe, morgens unb abends Jays ächte Sodener Mineral-Pastillen regelmäßig zu gebrauchen. Die lassen gar keine Verschleimung, keinen Husten unb all die lästigen Nebenerscheinungen aufrommen und mir sind sie geradezu eine Wohltat. — In jeder Apotheke, Drogerie und Mineralwasserhanblung kaust
Gerichtsßaal.
R.B. Darmstadt, 22. Juni. Wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahntransports hatten sich heute 5 Eisenbahnbedienstete, der 36 jährige Stationsassistent Anton Gutmann von Rüsselsheim, der 37 jährige Schaffner Phil. Knäbel von Bischofsheim, der 57 jährige Weichensteller Karl Krafft aus Rüsselsheim, der 48 jährige Zugführer Paul Höchendorf von Bischofsheim und der 31 jährige Schlosser Phil. Köhler von Btschofs- heim zu verantworten. In der Nacht zum 13. Januar früh 5 Uhr kam es auf Station Rüsselsheim zu einem Zusammenstoß zwischen einem Rangierzug und einem Güterzug, veranlaßt durch die Verkettung einer Reihe unglücklicher Umstände, wobei 4 Personen leicht und eine, der angeklagte Kübel, schwer verletzt wurde, indem ihm ein Arm abgefahren wurde; außerdem entstand ein Materialschaden von ca. 5200 Mark. Nach langer, eingehender Verhandlung und Vernehmung der Sachverständigen wurde unter Zubilligung mildernder Umstände Gutmann zu 40 und Köhler und Krafft zu je 60 Mark Strafe verurteilt; die beiden anderen Angeklagten wurden freigesprochen. „ ,
sd. Darmstadt, 22. Juni. Wegen Fahnenflucht steht der zur Disposition der Asatzbehörden vom Jns.-Regt Nr. 117 entlassene Musketier Eduard Schade aus Marburg vor den Schranken. Er ging als Chauffeur nach dem Ausland und trieb ich in Belgien und J-rankreich umher, bis er eines Tages in Metz festgenommen und wegen Führung eines falschen Namens bestraft wurde. Unter Einrechnung dieser Strafe erhält er heute 8 Monate Gefängnis, auch wird er in die 2. Klasse des Soldatenstandes versetzt.
München, 22. Juni. Das Landgericht I verhandelte heute gegen die russische Studentin Ra witsch, die verhaftet worden war, als sie von dem TifliserBankraub herrührende Rubelnoten wechseln ließ, sowie gegen die russischen Studenten Eghararjanz und Khodjamirianz, bei denen gleichfalls aus dem Tifliser Bankraub herrührende Rubelnoten gefunden worden waren. Die bayerische Regierung hatte bekanntlich die Auslieferung der drei Verhafteten in Rußland abgelehnt, dagegen das Verfahren wegen Vergehens der Begünstigung gegen sie eingeleitet. Das Urteil lautete gegen alle drei Angeklagte auf je ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von je zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Die beschlagnahmten Rubelnoten werden der russischen Regierung ausgeliefert.
Den Kassenbericht erstattete darauf Kube-Berlin. ( teilte mit, daß den Gewerkschaften auch eine Erbschaft von 30 800 Mark von einem Kaufmann Bühl in Düsseldorf zugefallen sei. Man wisse zwar nicht, wie der Erblasser zu diesem Schritt gekommen ist, jedenfalls habe man sich kein Kopfzerbrechen darüber gemacht. (Heiterkeit.) Es werde wohl ein stiller Anhänger der Gewerkschaft gewesen sein. — Irl. Ida Altmann-Berlin berichtete sodann über das Arbeiterinnensekretariat, das im Oktober 1905 gegründet wurde. Dieses Sekretariat will herbeiführen, daß zwischen männlichen und weiblichen Arbeitern ein gemeinsames Verstehen herrscht und ein Einverständnis herbeigeführt wird, damit die Konkurrenz zwischen den beiden Gruppen besettigt wird, und damit keine Unterschiede mehr zwischen weiblichen und männlichen Arbeitern gemacht werden. Die Zahl der Arbeiterinnen, die sich dem Sekretariat angeschlossen haben, ist von 74 000 auf 118 000 gestiegen. Die Rednerin verlangt, daß Arbeiterinnen auch in die Vorstandsämter und zu Delegierten gewählt werden. Die Frauen müssen in den Arbeitersekretariaten ihren Einzug halten. Die Flugblätter sollten, in besserer Sprache abgefaßt werden, damit sie besser verständlich sind.
In der Nachmittagssitzung trat man in die Diskussion über den Rechenschaftsbericht des Vorstandes ein.
Sodann wurde ein Sympathieantrag für den Verband der Handlungsgehilfen angenommen, in dem es heißt: Der Kvngreß macht darauf aufmerksam, daß die kaufmännischen und technischen Angestellten in gleichem Maße zu den proletarischen Schichten der Bevölkerung gehören wie der Arbeiter, da sie Ivie diese von ihrer Hand- ober ihres Kopfes Arbeit leben. Niedrige Entlöhnung, lange Arbeitszeit und andere ungünstige Erscheinungen sind heute nicht nur für das Arbeitsverhältnis der Arbeiter, sondern auch für den Dienstvertrag der Angestellten charakteristisch. Angestellte und Arbeiter haben also gleiches Interesse gegenüber dem Unternehmertum zu verfechten. — Weser Antrag wurde mit lebhaftem Beifall angenommen.
Zum Schluß wies Frau Grünberg (Nürnberg) auf die Notwendigkeit hin, unter den Dienstboten eine regere Agitation zu
Er I Mk. 2.50—0.00, Maschinenstrob Mk. 0.00—0.00. Alles per 50 kgJ ,nr) — Infolge ber Heuernte mar bie Zufuhr gering. Tenbenz: ruhig.
-(ft Kirchhain, 23. Juni. Auf dein heutigen V i e h in a r k t standen 500 Stuck Rindvieh und 450 Schweine zum Verkauf. Ter
Gustav Schmoller.
Am heutigen 24. Juni feiert zu Berlin, tvo er seit Anfang der achtziger Jahre wirkt, Gustav Schmoller seinen siebzigsten Geburtstag. Große Ehren rüstet ihm aus diesem Anlaß die Dankbarkeit von Schülern und Verehrern. Mit vollem Recht: denn es gibt keinen zweiten unter den lebenden akademischen Lehrern Deutschlands, der einen gleich tiefgreifenden Einfluß geübt hätte. Schmollers Einfluß reicht weit über den Hörsaal hinaus. Vielleicht kann man .sogar sagen: ein gut Teil von dem, was auf dem Felde sozialpolitischer Gesetzgebung geschehen ist, was an sozialer Gesinnung in den besten Köpfen der Nation und ihren reinsten Herzen lebt, wäre ohne Schmollers Wirksamkeit :einfach nicht denkbar. Die verteilt sich auf nahezu 45 Jahre. Um die Mitte der Zwanzig ist der junge Württemberger bereits Ordinarius in Halle. Tann zieht ihn die neubegründete Straßburger Hochschule an sich; schließlich — nach Adolf Helds frühem tragischen Tod — kommt er nach Berlin. Ueberall wirbt er, was ihm zeitlebens das Höchste erschienen, für den Gedanken der sozialen Pflicht. Die höheren Schichten — so wird er nicht müde zu lehren —, die auf des Lebens Sonnenseite stehen, haben sich der darbenden, hart mit dem Dasein ringenden Brüder anzunehmen. Und. wo das nicht freiwillig geschieht (was selten der Fall ist, denn alles gesellschaftliche Leben spielt sich in der Form von Machtkämpfen ab) haben Regierung und Königtum, die über den Parteien stehen, einzugreifen und alles zum Besten zu kehren. Das ist die starke soziale Verpflichtung des preußischen Königtums, die Schmoller diesem schon 1874 in dem bekannten Singakademievortrag zuweist, der dann hinterher zu dem Waffengang mit Heinrich von Treitschke fuhrt. Immer von neuem kehren diese Gedankengänge im Schmollerschen Schrifttum wieder. Sie stellen bei der Geburt des „Vereins für Sozialpolitik" Pate, dem der jugendliche Schmoller die Taufrede hält; sie werden in der Streitschrift variiert, mit der Schmoller Heinrich von Trcitschkes Angriffe auf den „Sozialismus und seine Gönner" abwehrt, sie leiten ihn bei seinen Untersuchungen über Natur und Art der großen Unternehmungen, über die Gerechtigkeit in der Volkswirtschaft, die Bestrafung des Kontraktbruchs und so fort bis in die letzten Jahre hinein, wo Schmoller die Summe feines selten fleißigen Lebens in den zwei Bänden seines Grundrisses zieht. Und die Saat, die er so unermüdlich lernend und lehrend in die Herzen senkt, beginnt aufzugehen: es sind nicht diele unter den Nationalökonomen und Juristen zwischen dreißig und fünfzig, die nicht von Schmoller angeregt worden wären; die nicht direkt oder indirekt seines Wirkens einen starken Hauch verspürt hätten.
Parteimann im eigentlichen Sinne ist Schmoller nie gewesen. Ursprünglich hat er wohl altliberalen Gedankengängen nicht fern gestanden. Später — aber zu einer Zeit, wo die Stumm und die Zedlitz in ihr noch nicht maßgebend waren — hat er sich zur freikonservativen Partei hingezogen gefühlt; heute wird man ihn vielleicht (was aber noch keineswegs mit nationalliberal identisch sein soll) als einen zugleich nationalen und liberalen Politiker bezeichnen dürfen. Schmollers Ziele haben immer in einer anderen Richtung gelegen. Er wollte ein Erzieher sein der Deutschen zur sozialen Gesinnung; ein Warner vor jedweder Ueberspan- nung, die zu Katastrophen führen könnte, der getreue Eckart auch des preußischen Königtums, dessen Repräsentanten er immer wieder mahnte, roi des gueux zu bleiben. In solcher Gestalt gehört Schmoller jeder Partei an, Pie sich um den sozialen Frieden in unserem Volke müht. Darum soll unter ben unterschiedlichen tabulae gratulatoriae, bie sich an diesem Mittwoch auf dem Tisch des verehrten Jubilars schichten, auch die unserige nicht fehlen.
Couverts mit Wma billigst vrübl'iche Universitäts-DruSere* NrtztN.
Handel ging bei ersten etwas flau, bei ben Schweinen bei angezogenen Preisen etwas besser.
— Kar Io fiel markt-Bericht vom 22. Juni 1908. Friedberg (Hessen): Rote Sorte Mk. 1.90—2.30, Mcignum bonum 2.30—2.50, weiße runde 1.90—2.30, Gelbfleischige, rote, 0.00 bi§ 0.00, weiße 0.00—0.00. Frankfurt a. 9)1.: Role Sorte Mk. 2.00—0.00, Magnum bonurn 2.50—0.00, weiße runde 2.00-0.00, Gelbfleischige, rote, 2.50, weiße 3.50. Wiesbaden: Magnum bon im 2.75—0.00, weiße runde 2.60, Gelbfleischige rote 0.00, weiße 3.00. M an ntjeiin: Magnum bonum Alk. 2.30—2.40, Gelb- leischige, blaue 0.00 bis 0.00, rote 0.00—0.00. Köln: Rote Daber TUE. 0.00—0.00, andere rote Sorten 0.00, Magnum bonum 2.50 bis 0.00, weiße runde 0.00—0.00, Gelbsleifchige rote 2.50-0.00, weiße 0 00—0.00. Dort m und: Magnum bonum Mk. 3.15, weiße runde 2.40. Gelbfleischige, blaue 0.00, rote 3.20, weiße 3.65—0.00. 9)1 ün ft e r: Magnum bonum 2.60—2.75, Gelbfleischige rote 2.90 bis 3.10, weiße 3.65—4.00. Hagen: Rote Sorte Mk. 0.00, Magnum bonum 2.80—0.00, weiße runde 0.00—0.00, Gelbfleischige rote Mk. 0.00, weiße 0.00. Saarlouis: Rote Daber 2.30—2.40, Magnum bpnum Mk. 0.00, weiße rimbe Mk. 2.20—2.30. Frankenthal: Rote Sorten 2.20, Magnum bonum 2.40, weiße rimbe 2.20, Gelbfleischige blaue 3.00, rote 2.75, weiße 3.00. Wittich b. Kre’clb: Rote Sorte 0.00, Magnum bonum 2-80—3.00, Gelbfleischige, rote 2.80 bis 3.00, weiße 2.70—2.90. Kempen: Magnum bonum 2.60-0.00, Gelbfleischige rote 3.20. Saffig- Pläibt: Rote Sorten 1.80, Magnum bonum 2.40, weiße rimbe 0.00. München: Magnum bonum 2.40, Gelbfleischige weiße 2.00. (Alles per 50 Kilogr.).
Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k i u r t a. 9)1.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 75—77 Mk.
'/, Kg.Schlachtgew. 96—98 Pf.
7, „ 63-00 „
7, Kg. 76-84 Pfg.
7, , 70—80 , 7, , 60-76 ,__
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Juni
Barometer aiü 0° reduziert
Temperatur der £n<t
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
1908
23.
2»s
748,8
18,0
13.8
90
N
2
Bed. Himmel
23.
S'b
749,7
16,9
13,6
95
NE
2
Bed. Himmel
24.
<J35
750,4
17,0
13,4
93
NNE
2
Bew. Himmel
Höchste
Temp
eratur
am 2
:. bis
23. Ju
ü —
4- 19,9 ° C.
Niedrigste
, 22. „
23. „
-ft 14,9" C.


