Ausgabe 
25.8.1908 Zweites Blatt
 
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ehrend gedacht, KreisamtSbureauvorfteher S ch i f f n i brachte einen sehr humorvollen Toast auf die Tamen auS, wodurch die allgemein fröhliche Stimmung noch mehr erhöht wurde. Tas schöne Fest wird allen Teilnehmern in angenehmer Er­innerung bleiben.

* Stenographisches Dom 5 7 September tert in den Mauern Gießens die 22- Jabres-Hauvloerfamm- lung des Mitteldeutschen Stenoqravhenbundcs Stolze Schrey Am Samstag nachrn >> Ubc mvel im i'otel Schütz die Sitzung des Bundes-'LuSschu i'-s starr- hieran schlicht sich um 8 Ubr die geschäftliche Hauptverianrrnlung, in der di. inneren gesklstistlichen^Angelegenheiten d s Bundes ihre Erledigung nnoen sollen. An» Sonntag morgen beginnt akounn der intet» eisanteste Teil des Bundestages, das öffentliche Wettfchtciben Es findet im Ltvllegiengebäudc der Landesumoeriität statt und zwar wird geschrieben m Abteilungen von 80300 Silben in der Minute- Um 11 Uhr findet > bann in der Aula die ö'scntlichc Festversammlung starr, in deren Mittelpunkt der Fritvorrrag oes Berbandsvorsitzenden Mar Buckler ^Berlin, steht- Er wird über das Thema:2i. t

Einheitsbestrebungen" sprechen Wahrend des Vormittags ist gleich, »ring im Kolleaienaebäudc eine stenogr- Ausstellung geöffnet. An das um 2 Uhr stattfindende Festessen schließt sich erne Besichtigung der hiesigen Sehenswürdigkeiten an- Am Abend veranstaltet Ixr Gießener Verein in Sreins Garten Abendunt.-rtzaltung mit Ball, wobei auch die llreisvcrteilung erfolgt- Zu dem Wettschveiben haben sich betens viele auswärtige Schrr'tgcno'fcn ang.n» .oct- .oervorragende Persönlichkeiten unserer Stadt sind dem Ehren- ausschuß beigetrerm

Feuerwehr. Am Sonntag. 13. September nach­mittags werden die beiden hiesigen Freiwilligen Feuerwehren voraussichtlich in Gemeinschaft mit der Freiwilligen SanitätS- kolonnc eine größere Hebung abhalten. DaS sog. Brand- objekt ist eines der größten Gebäude unserer Stadt, und man wird Gelegenheit haben, jeden einzeln heranruckendcu Lösch­zug bei seinen NettungS- und Löscharbeiten beobachten zu können. Diesem Brandangriff geht eine Schulübung der einzelnen Geräte auf dem ÖSwaldSgarten voraus. Nach der Hebung findet eine Feier tn SteinS Garten statt, wöbet fta- meraden beider Wehreu Diplome über 10», 15» und 20- jährige Dienstzeit verliehen werden.

" Rohheiten. In der Nacht zum Montag wurden in der Steinstraßc an drei Häusern Fensterscheiben zertrümmert, ebenso wurden an einer Wirtschaft in der Kirchstraße und au einer in dec Wetzsteinstraße Fensterscheiben eingeschlagen. Gegen die Täter sind Strafanträge gestellt, teilioeise sind sie auch ermittelt. An der Ltchcr Straße wurde cm dort stehender Wagen eine hohe Böschung herlintergerollt und zertrümmert, auch eine Baubude an der Irrenanstalt wurde aufgerissen und die darin befindlichen Arbeiterkleider herauS- geworfen und teilioeise verschleppt.

Neu itent. Ein Arbeiter, der sich gestern abend deö guten zu viel getan, auf dem Marktplatz fortgesetzt Skandal machte und einen Auflauf verursachte, wurde in Polizeigewahrsam genommen.

In Amerika verstorbene Hessen. Christian W. Stamm auö Büdingen, 42 Jahre alt; Frati Marie Softe Baaser aus Frankenberg, 76 Jahre alt; August Lodcrhosc auö Frankenberg, 57 Jahre alt, alle drei in San Francisco. Hch. Peter aus Wohra, 79 Jahre alt, zu Grand Junction Townschig.

V Friedberg, 23. Äug. Der Pflege des Ge­sangs, n a m c n 111 d)v b c d Bolks liebes, galt die als Volkstanz ctt für heute nachmittag im Saale des Hotels Trapp angekündigle Beranstaltung. Sie ging aus von den vier Mannergesangvereinen von Ilbenstadt, Nieder Wöllstadt, Bad- Nauheim und Ober Wöllstadt, alle unter Leitung des Herrn Morl Friedrich Glück hier. In einer Ansprache wurde mit- geteilt, daß geplant sei, zunächst an Stelle von Wettsingen die neben unleugbaren Vorteilen auch recht erhebliche Schattenseiten böten fernerhin solche Zusammenkünfte zu gemeinsamem Sin­gen, wie heute, jährlich etwa zweimal abzuhalten, zum Zivecke erneuter Anregung und Vervollkommnung. Ferner sei geplant der Zusammenschluß sämtlicher Gesangvereine Oberhessens in einen gemeinsamen Verband, mit den Vorteilen derartiger größerer

; bände, wie billigerer B zu i bet

i machten Erfahrungen und gesteig rtc Lcistungsfähigk it, nament lieh auch durch Sammlung und Sichtung oberhessischer Volkslieder und deren planmäßige Verbreitung. Eine Zusammenkunft zu der nöligen Vorbesprechung sinder vorussichilich am 20. Septemb. i Gießen statt und dazu sei >> alle Interessierten, namentlich aber nd Mitglieder bet einzelnen örtlichen Vereine eingeladen.

Tie Mitteilungen wurden durchweg beifällig ausgenommen; die Nichtbeteiligung bei etwa m der Folgezeit ergehenden Einladungen zur Teilnahme an Wettsingen scheint festbeschlossene Sache zu sein. Die Liederfolge zeigte 11 Nummern an: zugegeben wurden noch von Ilbenstadt:Von allen Landen hochgeeint" und von Glieder Wöllstadt ein Xtieb in Wetterauer Mundart. Gesungen wurde also genügend und unter den Sängern mach obcrflädp lieber Zählung waren cs 88- waren recht begabte und geschulte .'hafte herauSzuhören. Am besten gelangen die Volkslieder und die int Volkston gehaltenen Gesänge, bei denen man fühlt, wie daS Herz mitsingt. Imposant war der Vortrag der in drei Nummern emgesstgten Massenäwre. Während der erste noch nicht ganz voll zur Geltung kam, wirkten die beiden weiteren großartig. Offenbar war bei der ersten Nummer noch eine gewisse Befangen­heit vorhanden, veranlaßt durch die Neuheit des Lokals, das Geräusch des menschengefüllten großen Saales und das tastende Anpassen an die ungewohnte Akustik. '.UIe Teilnehmer dürfen befriedigt auf das Ergebnis der Veranstaltung zurückblicken.

? A u s d e r W e t t e r a u , 23. Aug. Recht trostlofeAus - 'ichten eröffnen sich gegemvärtig dem Landwirt- Tvaußen im Felde fitzt der grüßte Teil des Getreides auf Haufen geschichtet und fängt an zu keimen- Schon schimmert s ganz grün aus ben Garben heraus ES konnte in den letzten Tagen wegen der regnerischen Witterung nicht viel eingefabren iverden und nachdem eS heute fast den ganzen Sag in Strömen gerannet, wird dies auch ui den nächsten Tagen nicht möglich fein- Nun muß der Landtnann zusehen, wie die Frucht am dem Haufen wächst, wodurch sie bedeutend an Wert verliert- Wenn eS so noch einige Tage weiter geht, ist der Schaden unermeßlich; denn der Lan^- itnrt muß den nicht sehr guten Ertrag auch noch zu halben Preisen abgeben- 'Auch die MarU'ifeln werden unter der Nässe leiben und allmählich in Fäulnis über gehen, wodurch der Ertrag eben­falls sehr geschädigt wird-

X 9hbba, 24. Aug. Der vorn hiesigen Amtsgericht wegen Vergehen im Sinne des § 175 verfolgte Hotelbesitzer August O h l auS Bad Salzhausen, der sich dann in Schwerin eine Kugel in den Kopf schoß, ist jetzt an den Folgen der erhaltenen Verletzungen verschieden.

Mainz, 24. Aug. DemMainzer Journal* zufolge kommen als Orte für die 5 6. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die Städte Franksnrt a. M. und Mainz tn Betracht. Das Zentralkomitee tvird dem- nächst die definitive Entscheidung tieften.

X Kassel, 24. Aug Zur JubiläumsiahreSver- s a m in l u n g lädt der T . utsche Verein ge g c n d c n M i ß. brauch geistiger Getränke, btr vor _*:> Fahren t n Kvis.l

I

gramm der Venammlung, die v.mi 1 . . i,_ _ L ftatt- euf: Im VerivallungSaumchuß wirb iySbesondete die :.\'turveu

l her Schule und die Heran .chung der Lehrer und die De-käniprnng d-7r Än.mierkneioen beraten tocroen- Ten Festvornrng für dic Hauptversammlung hat der Münchener Hogien ker C aermcoijinal- rat Hofrat Professor Tr. von <9ruber übernommen:Tie .llkoholfrage tn ihrer 93dxutung für Teun'chlands '"^gentoort und Zukunft." In einem großen VolksunterdaltungSabend werden <*rünber des Vereins kurze Ansprachen über dic Arbeiten und Ziele des Vereins halten- Am letzten lagt werden große Jugend- l-er »amm langen die Tagung brschl testen. Mit der Versammlung des Vereins g. d M. g G wird der Verband von Trinker- Heilstätten des deutschen SurachrebleteS seineJ- Jahresversammlung rerbtnden Für diese ist ein ^thwrtraj über die Geschichte und die Aufgaben der beuricben Trinker hellttätten sowie ein Vortrag überT.c Mtwcndigk.it ein : gesetzlichen Regelung der Trinker fünorge" und übetDie Fürsorge für alkoholkranke Frauen" vorgesehen-________________________________

Univcriität5»21acbrid)tcn.

DaS Tottorbiploin deS Prinzen August Wilhelm von Preußen ist gegenwärtig am Schwat;en Brett Der Universität Straßburg auf gebangt. Sein Inhalt lautet in der Hauptsache:Au^staui Wilhchnam Hcnricmn Ganteram Victorem Wilhelmi Imperatoris Filia in Generoei».» in am ex regia Borusaoram stirpe priucipem postqaam dissertaUuuem quae iutcribitur: ,Tie Eutivicklung der SlonunifiariaiSbeböiöcn in Äraudeuvurg-Pieiißen bi6 zum Regierungsantritt Friedrich Wil- helmd 1* cxbibuit büperatis »umuia cum laude examinibas ex lege institatis re nun poÜucarum doctorem ereaf, was zu Teutjch uii- ge'ähr hecht:Tie Fakultät ernennt August Wilhelm Heinrich Günther Viktor, Den oo^it Kaiser Wilhelms, den eOeln Fürsten aus dem königlicheii Stamme der Preußen, nachdem er eine Tiffcrtation mit dein Titel ,T .e Entwicklung ufw." emgere'cht und die gesetzlich eiugeiichteten Pruiungeu mit dem höchsten Lobe be­standen hat, zum Toktor der StaatLivifsenfchasten.-

J>t T r c s b c u starb nach langer Kiaukheit der Geheimrat Drof. Tr. Fritz Schulze, fe t 1H76 Professor der Philosophie an der Technischen Hochschule, 62 Jahre alt. Er hat viele natur­wissenschaftliche und philosophische Schriften veröffentlicht.

Vcvinifditcs.

Die Ansichtskarte des Kat serS. AIS der Kaiser dieser Tage von W11 h e l m S h ö h e attS einen Frühfpaztergang in Beglcitiing eines Adjutanten nach dem ,Herkules" machte, trat ihm ein kleines Mädchen entgegen, welches ihm Ansichts­karten des Kaisers anbot. Der Monarch hielt inne, um eine derselben zn erwerben. Doch die Kleine fragte ihn, ob er nur eine Kaiserkarte odereine Karte vom Kaiser mit dem König Eduard haben wolle", der Kaiser allein koste bloß 10 Pfg., mit König Eduard zusammen toste er aber 15 Pfg. Lachend entschied sich der Kaiser für daS Letztere und aufmerksam betrachtete er das ihm gereichte Blatt, welches den Moment wiedergab, in dem er den König am Bahnhofe empfangen hatte.Sie haben gehört, mein lieber 51.", wendete sich der Kaiser zu seinem Adjutanten,allein bin ich 10 Pfg. wert, zu zweit aber nut 7'/, Pfennig."

* Jagdunfälle. Auf der Rückkehr von der Jagd kam das Automobil von vier Herren aus C h a r I o 11 e n b 11 r g auf dem verregneten Asphalt ins Schlendern und fuhr so heftig gegen btc Bordschwelle, daß drei der Insassen herausge schleu­dert wurden. Einer der Jäger, der Mauimann Fritz Eonrad, fiel mit dem Kopse gegen einen Pumpenschwengel und erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen er bald daraus l'tarb. Landgerichtspräsident v. Goldbeck ist auf der Jagd ui Mierschwitz bei Parchwitz tödlich verunglückt. Beim Ueberspringen eines Grabens hatte sich das Gewehr des Land­gerichtspräsidenten entladen, und die volle Ladung mar ihm in den Unterleib gedrungen, v. Goldbeck wurde noch lebend nach Liegnitz gebracht, starb aber bald darauf.

' Tie kämpfenden Rechtsanwälte. Vor dem Ge- richtshot in Dundalk kam es dieser Tage zu einem regelrechten amoältcn, die sich in der Ver­tretung ihrer Klienten zu Beleidigungen und Tätlichkeiten gegen­einander hinreißen ließen. Rechtsanwalt Mohnagh, der für die klägerische Partei am Barreau stand, geriet mit Sheridan, dem Anwalt dos Beklagten, über verschiedene Beweisanträge in Mei­nungsverschiedenheit. Zunächst kam es zu einem heftigen Wort- gesecht. Sheridan betonte, sein Gegnerhabe unrecht, wie immer. Tenn die ganze Stadt weiß, daß er niemals recht hat, und er hat auch jetzt nicht recht". Darauf Mohnagh in höchster Er regung:Ich bin im 9ied)t! Ihre Behauptung ist ein Beweis Ihrer Impertinenz. Sie sind ein Rowdy!" Dieses Wort war das Signal 511 einer Flut von Beleidigungen, wie sic sonst wohl nur auf b?m Fischmarkt einer Hafenstadt zu hören sind. Nannte der eine den anderen einen ganz gemeinen L n ni p und Rowdy, so replizierte der zweite mit Worten wie Lügner und anonymer Bneischreiber niedrigster Sorte. Ungeachtet der Warnungen des Vorsitzenden und eines Schöffen, derlei unwürdige Bezeichnungen zu unterlassen, gingen die kämpfenden Verteidiger von Worten zu Taten über, o i c trommelten mit .» .1 n - den und Fäusten aufeinander, und es schien, als sollte sich ein veritables Vorermatch vor den Schranken des Gerichts abfpielen In seiner Verzweiflung wußte der Vorsitzende nichts anderes zu rufen alsSchutzmann! Schutzmann!" Zwischen den klatschenden Schlägen der Rechtsanwälte ertönten deren Ruse:Sie sind nichts als ein Lügner." Und Sie nicht nur ein Lügner, sondern auch ein ganz ge­meiner Ticb." Schließlich machte die Polizei dem unge­wöhnlichen Kamps ein Ende und trennte mit einiger Mühe die AorntTiüUtcn Verteidiger. Schließlich legte sich ihre Erregung bann auch so weit, daß sie den Gerichtshof »oegen dieser Szene um Entschuldigung baten. Aber ihren Termin hatten sie ver­streichen lassen, und der Fall, den beide behandeln sollten, blieb unerledigt.

Un parlamentarische-. Fürsten und Macht­haber bedienten sich in früheren Jahrhunderten mitunter gar drastischer Mittel, um ihren Ansichten Geltung zu verschafsen. So tvarf einmal der zlursürst Karl Ludwig von der Pfalz (16171680), der sich überhaupt durch große Heftigkeit auszeichnete, in Frankfurt bei den Verhand­lungen über die Kaiferwahl dem bayrischen Gesandten ein Tintenfaß an den Kops. Seiner zweiten Gemahlin (dem vormaligen Hoffräulein Luise von Dcgenfeld, mit der er in morganatischer Ehe lebte), schrieb er über den Vorfall voll Bedauern, der Wurf habe den Gegnerzwar etwas beschmutzt, aber nicht genugsam, wie er es verdient". Tie Gesandten von Trier, die daneben saßen, bekamen unschul- digcrweise auch von der schtvarzcn Flüssigkeit zu kosten, weshalb sie der Kurfürst später zu einem Zechgelage einlud, damit er, wie er selbst sich ausdrückte,die Tinten mit Wein adwaschc." Im Trinken leistete er überhaupt Er­staunliches, wie das ja allgemein zu damaliger Zeit an sämtlichen Höfen Sitte oder vielmehr Unsitte war. Zwischen Pfalz und Bayern aber tvärc eS der vergossenen Tinte wegen beinahe zum Kriege gekommen.

' Bienen rach e. In der ,.t- azzetta del popolo" lieft man: -Ulf dem Gute Rarere, Bezirk Tagliala (Norditalien' sollten die Drescharbeiten beginnen, uni) die Bauern ließen von etlichen Ochsen eine Treschmaschine zur Tenne ziehen. Al. icdoct» die gewaltige Maschine durch einen Torweg fuhr, zertrümmerte |tc^ ein Brett, da sieden Bienenlerben als stütze diente. In einem Nu nuircn Dreschmaschine, Ar­beiter, Bauern und Ochsen von einer gefahrdrohondeit

Wolke wild gewordener Bienen eingedüllt. Die Männet ergriffen schreiend und heulend die FiuchN einige sprangen sogar in die Walser der Stura. Tie Ochsen hatten s.H inzwischen losgerilicn und rannten, vor Schmerz laut brul- lend, in rasendem Lauf aus den anliegenden Feldern Kerum. Einige Stunden später versuchten Arbeiter und Bauern, in feuchte Tücher gehüllt, mit kochendem Wasser und heißer Asche die Maschine und die Tenne aus der Gewalt der Bienen zu befreien: sie mußten jedoch den ganzen Tag nr.b einen großen Teil der?'ad)t kämpfen, ehe sie ungebinbert ihr Getreide dreschen konnten. Der Maschinist, der Heizer und viele Bauern lind so -erstochen worden, daß ihnen (Sefiä Arme und Hönde in furchtbarer und nicht unbedenNich^ Weise angeschwollen sind.

Gin Märchen auS Tausend und einer Nacht Ein märchenhaft NingendeS Abenteuer, das eine merkwürdige Aehnlichkeit mit der Pariser Fahrt des 2im« plicius Simplicissimus hat, erlebte ein Beamter der Heu. tral-Asiatischen Eisenbahn nameno Nurusow, alS er kuri» lich in die Umgegend von Aschabad ritt, um für fein Her­barium Pflanzen zu suchen ES war ein sehr heißer Tag. Sein Pferd stürzte infolge eines Hitzschlages zusammen dem jungen Manne gelang eS nach langem Umherirrrn, sich gegen Abend einem Sartenlager zu nähern. Ei wollte aber nicht die Gastfreundschaft der unbekannten har­ten in Anspruch nehmen, und schlief an der Mauer einet der äußersten Häuser ein.Russe, Russe" weckte ihn eine leise Stimme. Im Halbdunkel der Nacht sah' er eine Sar­tin über sich gebeugt, die ihn in gebrochenem Russisch vor der kalten Nacht warnte, und ibn mit sich zog In einem reichen Sartenhause sand lich der junge Mann ivieder und zwar in Gesellschaft von fünf schönen Sartinnen, die nidn wie üblich ihre Gesichter verhüllten, sondern im Gegenteü ihm ihr äußerstes Gefallen auszudrücken suchten Doch dem müden, hungrigen Russen war derlei nicht zu Mute. Ta wurde ihm ein reiches Mahl vorgesetzt, damit er sich stärken könne. Dann wurde fein Bett bereitet und die Sar­tinnen erflärten ihm, daß ihre Männer alt seien, er müsse bei ihnen bleiben. Damit er keinen Fluchtversuch unter­nehme, wurden ihm die Kleider weggenommen. So lebte er eine Woche lang bei den schönen feurigen Frauen. Eine namens Fatima verliebte sich vollständig in ihn, und da­wollte er benutzen und sich mit ihrer Hilfe befreien. Doch Fatima erklärte ihm, daß er getötet werden müsse, damit niemand von ihrem Irin gang erfahre. Sie konnte ledoch auj die Tauer feinem Flehen nicht widerstehen und willigte in eine gemeinsame Flucht. In einer Nacht verließen sie leiie das Haus und bestiegen ein bereit gehaltenes Pferd. Tecj im selben Augenblick erschien eine der anderen Satt innen, dic sich mit einem funkelnden Dolch auf den Russeti ftüntr, aber Fatima warf sich schützend vor ihn. und sank getroffen zu Boden. Ter Gefangene sprengte Ist naus in die Frei­heit, die er der toten Fatima zu verdanken hatte.

* Tie Revolution im Harem. Tic großen Um. ivälzungeu, die das Leden in der Türkei in den letzten Woche erfahren hak, haben auch vor den vergittenen Fenstern bet Harr» gemacher nid>; Halt gemacht und dic Stellung der türkischen Frc. mit einem -Lchlagc von Grund auf umgewandelt. Nutzt c.lns in Konstantinopel, wo die nahe '-ttmibrungjnit den Europäern die strenge Gebundenheit bec orientalischen Sitte betens leiie h lockern begonnen batte und wo man bei den vornehmen lurhma eine westliche Bildung kaum nod) als Aiisnahmsfall betrachte! konnte, auch sern von den großen Berkebro.vegen mitten in bn Mazedonien, dein Zentrum der lungtürkischen Ben»egung, Ma die Frauen mit frohem Jubel die Freiheit begrüßt als den Sch« einer Morgenröte, d.r au.: ihrem dunklen Dasein daS Helle SonM, lick t der Freiheit geben würde. Ein Engländer, der von ILotb kommend, in diesen Tagen Mcnastir besucht hat, schildert M veränderte Bild und die Art, wie die Frauen die neuen Verhältnis,- aufnehmen, an bereit Entstehen sie mehr beteiligt sind, als be­fer n stehende Europäer im allgemeinen annimnrt In Saloniki erschien bereits kurz nach bet Erklärung der Verfassung die lungr Gemahlin eines lungtütkisck-en Offiziers ohne Schleier au, bet Straße, in bet Hand die Nationattahne. Es gab nicht eine», der darüber ben Kops gescheuten oder sich auch nur gewunden hätte, und bezeichnend ,ur cas Vordringen der iwftiidKti Idee ist es, baß teilt Mensch mehr daran Anstoß nahm, daß die nm;: Frau von dem Kameraden ihres Mannes sich ruhig die Han- küssen ließ In Monastir geht man zwar nicht so weit, aber auch hier künden hundert Anzeigen di: neue Zeit.Irl- ivurte von Mehrn Pascha in seinem Haretn empiaug.n", so crkiblt ter Englundet,er ist ein seht reicher Kauf Herr und angcirbtncc Anl-änger der jungtutkiscycn Bewegung. Ur stellte sich alsdolö seiner Frau i-or, und btnin seinen beiden Sck)vestern Keine m den Tarnen war verschleiert, iie alle trugen europäische flirtb;: und zeigten den Ehatme und die Anmut sorglich erzogener hoch­gebildeter Frauen. Sie sprachen ein fließendes pttchlvollc- F«»- zösisch, und mit der E^attui von Kesim Pascha Ixibe ich nuä Längere Zeit über dic p.'lilisclzen TageSstagen unterhalten nn» mich über ihre Kenntnis und AuffasiungSgabe gcivunbert

Kleine TagcSchronik.

AuS dem bayerischen Algau wird gemeldet: Seit niehrnc- Tagen wird rtn Lberstdotfet Kurgast, Tr. H e r m a n n S c jer aus Mannheim, vermißt. Tr Hermannsdötfet nnterndbe am 13. August eine Tour auf daS Nebelhorn und äußerte zu iniua Wirtslcuten, daß er abends wieder zurückkehten werde. All mehrere Tage vergingen, ohne daß ein Lebenszeichen von fr® Vermißten in Oberstdorf eintraf, begann man mit Der Möglich feit eines Unglücksfalles zu rechnen. Gestern wurde von Cbni- dotf eine Rettungs.Eppedition abgesandt, die seither aber er­folglos blieb. Ter Vermißte ist Ehemiker und Angestellter chemischen Fabrik von C. F. Böhringer u. Söhne in Ö6ÖM 1S0 viel uns erinnerlich, hat Ti Hermannsdötfet in mehrere Semester studiert und später auch hier promov*«. T. Red.)

Ter Schuster D 0 i a t, der soa.Hauptmann Don ti* Pcn:ck", reifte von Wien nach Budapest, da er infolge >- hoher Ansprüche in keinem Vari4t6theater Wiens ein Engegf ment erhielt.

In Maulbronn geriet dieser Tage, wie wir im 6uu> gattetReuen Tagbl." lesen, das Postpetional tn Auiregi»^ Bei Uebetnahmc und lieber gäbe der Post legte herBoftiüen einen Beutel mit 1000 Mk. Wetttnhalt auf das Ttittbret: del Postwagens und vergaß ihn Selbnverftändlich bemcrlle «cr da- Fehlen des Beutels nach Abfahrt bald und stellte sofort Rach fotschungen an. Nach längerem Suchen wurde der Beutel cif dem Bahnkörper gefunden: er wat während der Fahrt D«* Trittbrett gefallen. Ter Fall erinnert an das Abbandenkonunei eines Vettkistchens mit über 20 000 Mk. Inhalt in S'amatingei Auch damals war das Kistchen aufs Trittbrett gestellt und t::* gejfen worden; einige hundert Meier vom Bahnhof fiel ei die Donau, wo es nach langet Zeit wohlbehalten wieder V funbm wurde.

TicTeutsche TageSztg." meldet aus der französischen Laser!' Habt Cherbourg: Im hiesigen M a r t n c g c i ä n g n i ia man flanbalö cn Zuständen aus die Spur .jflommen. Tie dctt sexuellen Orgien gefeiert und die NeuhinzugekomMene-i gezwungen, daran teilzunedmen. So erkrankte ein junger ü-V-' trofe schwer infolge perverser Mißhandlungen, die cm SW*6 Matrosen an icm ootgcnomrnen hatten.

Im Baoe v. v i a n Frankreich stutzte ein im Bau btinb- liches Äiitomobilhaus ein, wobei 7 Arbeiter getötet und Mhrere andere schwer verletzt wurden..