Ausgabe 
25.8.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 199 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Dienstag 25. August 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener ZamlllenblStter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffrn

Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'schen UniversitätS - Buch- und Cleindrrrckcrei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: esS 51. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießcn.

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Mitgliederversammlung abaehalten und am Abend das Fest i ein Orchesterkonzert abgeWossen, in dem dasBranden­

burgische Konzert Nr. 3", ein Klavier- und Violinkonzert, sowie die ChorkontateNun ist das Heil" zur Ausführung kommen

)!., strebs.Mann (33 9.it . LleÜungalsBureaM ajsterer oder Poriicr.

imitl. Angcboie uni.1: , Geschäftsstelle d. @.8tr.

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Rappniann,

Inhaber der Kolosseums und Franisurl n. M

zu einem Wintergarten umgearbeitet werden- Ein Anbau wird für den Automobilpark und die Pferde Garagen und Stallungen schaffen und im Stockwerk noch Platz für einige iveitere Beviensteten- wohuungen geben- T-azu kommt eine bedeutende Erweiterung der jtüchenräume und eine TeUung der besonders großen Hinteren Etagenräume, die in der neuen Aufmachung komfortable zimmer für das kaiserliche Gefolge abgeben werden- An die Terrasse nach deut Garten hin wird sich ein großes Empfangszimmer für die Besucher anschließen. Auch das Arbeitszimmer des Kaisers wird eine Aendcruiig erfahren- Die Eiirrichtung wird auf einen öfteren Besuch des Monarchen hinzielen, aus welchem Grunde auch die Möbel ständig int Achilleion bleiben und nicht, wie dies das letzte Mal geschah, nach Berlin zurücktransportierr tverden sollen-

lieber das vierte deutsche Bachfest erhalten wir vom Vorstände der Neuen Dachgesellschaft folgende Mit­teilungen: Tas Fest findet vom 3. bis 5. Oktober in Ehem- uitz statt. Geplant sind folgende Veranstaltungen: 3. Oktober ein Kirchenkonzert (Aufführung derhohen Messe" ; 4. Oktober Kammermusikkonzert, in dem u. a. Bachs HochzeilskantateO holder Tag, erwünschte Zeit" zu Gehör kommt. Am Abend folgt ein zweites Kirchenkonzert (NLotetten, Chorkantaten:Mein Freund ift mein" undDu Hirte Israel", Solokcmtate: ,Lch bin ein guter Hirt" und Orgelstucke-- .Am Piontag vormutag wird

Prioatbriefen Schuckingß persönlich beim Burecm- oorsteher. Ter Urlaub, den der EchleSwiger RegierungS- präftdent v. Dolega-KozierowSki genommen hat, hangt, so­weit derLok.-Anz." unterrichtet ist, tatsächlich mit dem gegen Bürgermeister Dr. Schuck in g eingeleiteten Disziplinarverfahren zusammen. In dem Regierungspräsidenten nahestehenden Kreisen verlautet, der Regierungspräsident wolle seinem Wirkungskreis jetzt fernbleiben, um auch nicht den leisesten Verdacht auskommen zu lassen, als habe er auf den Gang der Untersuchung und Verhandlungen vor dem Bezirks-Aus- schuß in irgend welcher Weise eingewirkt. Ob er auf feinen Posten zurückkehren wird, dürfte allerdings van dem Ausfall des Disziplinarverfahrens gegen Cchücking abhängen.

Zum Fall Schuckiug.

!Wie die .Franks. Ztg." mitteilt, ift jetzt nicht nur das Zetigniszwangsverfahren gegen sie eingestellt worden, sondern cuich die über ihren verantwortlichen Redakteur Hemberger verhängte Geldstrafe wegen Zeugnisoerweigerung van 50 Mk. i st aufgehoben worden. Wie demVerl. Tagebl." aus tzusinn gemeldet wird, beschlagnahmte Regier lingS- cat Dünkelberg dort ein Aktenstück mit mehreren

rialien benutzt werden; selbst für die Galerien ist Holzkoustruktion' untersagt. Eine besondere Verfügung regelt die Anlage von Stehplätzen. Danach hat jeder Käufer eines solchen Billetts Ansprucy auf einen numerierten Platz. Deshalb werden parallel zur Bühne eiserne Schranken aufgestellt, zwischen denen die Weite eines jeden Stehplatzes mit einem halben Meter bemessen wird.

lieber d i e Erweiterungsbauten am Achil­leion, dem deutschen Kaiserschlosse auf der griechischen Insel Korfu, teilt man Mit: Als der Kaiser seinerzeit das Achilleion erwarb, erkannte er, daß die vorhandenen Räume resp. deren Einteilung einem längeren Aufenthalt mit seinem größeren Ge­folge nicht entsprecheit würden- Er beauftragte damals einige namhafte Firmen mit den Restaurierungsarbeiten. Als dann der Kaiser in diesen: Sommer seinen Besuch auf Korfu abstattete, zeigte sich, wie wenig dieses herrliche Schloß für den dauernden Ausenllzalt eines großen Hoflagers geschaffen sei- Ein großiw Teil des Gefolges mußte in Mietwohnungen untergebracqt iverden- Auch erwiesen sich die vorhandenen Mchenräume und Bediensteten­wohnungen als viel zu klein für die Ansprüche der Hofhaltung Kaiser Wilhelms- Tie nunmehr angeorbnete Renovierung, die 500 000 'Kart überschreiten darf, wird mit den vorhandenen Räumen teils vollständig brechen müssen- Eine Terrasssc wird

Giessen dteib) Sekfon u i lätsn-S omiiicrthct/ mft: Auftreten des bM Darsteller, Frank d'c° en m bieiem Genre, |* hrogiamm.

i Restaurant Konzert Alters NobitschecL 1- scptember: im Leihst,I!örder-8l. muivicl in 4 Akten ttri:: :tot Franz Ferdinant mes^ in der Hauptrolle

rrusland.

Bedrohliche Lage in Portugal- Tie portugiesische Presse erklärt jetzt rund heraus, daß die politische Lage ihrer Hauptstadt höchst beunruhigend geworden 'ift- Die BlätterEl Mundo" undLiberal" melden übereinstimmend, daß für nächsten Samstag eine Revolution geplant sei- TerSeeolo" erfährt, daß die königliche JachtAmelia" ständig unter Dampf gehalten wird, um im Augenblick der Gefahr den König und die könig­liche Familie in Sicherheit zu bringen- Was man sich in politischen Kreisen und im Volke über die Gefahr der Situation und die Pläne der Gegner der Dynastie erzählt, geht noch weit über das in der Sache mitgeteilte hinaus- Tie Gerüchte sind un­kontrollierbar.

Der russische Minister des Aeußern Iswolsky und der französische Ministerpräsident Clemenceau hatten gestern nachmittag in Kärlsbad eine einstündige Konferenz-

Der französische Finanzminister Caillaux ist vorgestern abend von Budapest in Wien eingetroffeti-

In Petersburg wurden in der ersten Mädchenschule von der Polizei mehrere Bo mbenvon ungeheurer Ex plosiv- trart gefunden. Es wurde augenscheinlich ein Attentat vor­bereitet-

lUeiitc» Feuilleton.

Die baulichen Schäden am Kölner Dom- Wie * !?lr vor einiger Zeit meldetest, haben an dem Kölner Dom Ver- j i ütterungserscheinungen sich bemerkbar gemacht, die zu einer grund- ! ll.chen Untersuchung des herrlichen Bauwerks geführt haben- Hierbei | wellte sich heraus, daß umfassende WiederherstellungsarbLiten not- '.oendig sein werden, um das Gotteshaus vor noch schwereren Nacy- Dileu zu schützen- An einem Teile der Kirche, am Ehör aus dcr Hiidwestlichen Seite, hat man auch bereits mit den Voroereitungen Mr die Renovierung begonnen- Diese selbst ist bisher noch nicht vii Angriff genommen worden- Ueber die Gründe zu dem Auf- ' Hub können wir nrittcilen, daß zunächst gründliche Untersuchungen iattfindeu sollen über das zu verwendende Material. Man hat irit dieser ehrenvollen Aufgabe bekanntlich den Gießener Geo- ogen Professor Kaiser betraut- Die verwitterten, -teile am i'om sind aus Sandstein gefertigt, der dem D racyensteingebirge mtnommen ist- Ueberall hat sich dieses Material bisher bewahrt. Venn es nun in Köln sich angefressen gezeigt hat, so wird )ieS auf die besonderen örtlichen BerhAtnilse Kölns zuruckgesuhrt. L's sind dies teils natürliche Gründe, teils mit un, er er Kut-ur usammenhängende Ursachen- Zn den natürlichen Gründen wettren )ie Nebel gerechnet, die über dem Rhein lagern, und besonders in )er rheinischen Hauptstadt sich stark bemerkbar machen- Zu den Ursachen, die durch die Menschen l-ervorgeruien sind und schlietzlich in einer Beeinflussung der Atuwspyäre geführt l-abeti, ist Einmal )er Jndustriereichtum des ganzen mheinlandes znzahlen, im oe- onderen tvirb die unmittelbare Nähe des großen Bahnhofs, eines er verkehrsreichsten des ganzen Kontinents, hierzu gezählt-öur ie Wiederherstellungsarbeiten stehen zunächst 1.2 JRiltwnen Jt« h ;ur Verfügung, die aus den lieber)dumDer Einstigen Kvlnc

2ombau'otterie Herrnhren und ursprüngltch tur die innere Aus- i chmückimg des Domes verwendet werden sollleii- ÄÄ

Moderner Theaterban. lieber einCU(3L 0,J ji leichische^ Gesetz betreffend Theaterneubauten bringt bei: -

Courier" Mitteilungen. Tie größte Neuerung ist, datz die -löcater !: äinftig nicht mehr auf allen Seiten tret stehen wtten, sondern j llaß der Anbau des Bühnentraktes an em anderes Gebäude erlaubt wird. Aus hygienischen Gründen wird versugt, day die Crnnme lier Fensterflächen im Bühnentrakt wenigstens -0 Proz. der ge­mimten Bühnenfläche betragen soll. Hm ganzen Theater iou 1 3ur elektrisches Licht verwandt werden, auch sur die biSyer aus merzet, bestehende Notbeleuchtung, deren Anlage aber eme eigene Zuleitung erfordere. Mit Ausnahme der p-utzboden, O'enster, nahmen und Türen dürfen .nur feuerfeste, unoerbrennbare State»

Deutsches Reich.

Deritalienische Minister des AeußernTittoni stattete in Berchtesgaden dem Staatssekretär von Schön einen Besuch ab-

Ueber de tt Besuch deöenglischen Schatzkanzlers in Berlin vernimmtDaily Ehronicle", daß Lloyd George ver­sichert habe, er habe im Verkehr mit den deutsckw'n Beamten viel gelernt und verlasse Deutsch.and mit dem Gefühl der Befriedigung über die Erfüllung seiner Aufgabe, die dem Studium der Alters- Pension galt- Er Ijabc jedermann bereitwillig gesunden, ihm Hilfe zu leisten, und erblicke in den angeknüpfteii persönlichen Beziehungen den besten Weg zur Verbesserung der internationalen Beziehungen- DerStandard" wird von Berlin aus zu folgender Erklärung ermächtigt: Lloyd George hat in keinerlei Bezielmng unabhängig oder unverantwortlich gehandelt. Er l>at bei feinem Besuch in Deutschland in voller llebereinftimmung mit dem Lon­doner Kabinett alles aetan, was er klugerweise tun konnte, um die Schiebungen zwischen England un£> Deutschland zu fördern-

Auf Veranlassung des Kaisers wohnen in diesem Jahre zum erstenmal deutsche Offiziere den Manövern in Griechenland bei-

Der Reichs- und Landtagsabgeordnete Osel C8entr-j ist in München nicht unbedenklich erkrankt. Er mußte sich einer Operation unterziehen, deren Folgen aber noch nicht über­sehen werden können-

Die Neichstagsersatzwahl in Me Mel-Hey de - trug findet am 2- Oktober statt. Der Landrat des Kreises Hcydekrug hat eine besondere Bekanntmachung erlassen, daß der Abschrift dcr Wählerlisten keine Sdjroierigftüen zu machen sind-

Der 9- deutsche Handwerks- und Gewerbe­kammertag in Breslau, zu dem ctiva 300 Delegierte aus ganz Deutschland eingetroffen sind, begann gestern nachmittag mit einer Voroersammlung im Kämmermusitsaale des Konzert- I>auseS. Ter Schriftführer der Kammer, Dr. Mensch, teilte mit, der Ausschuß habe in einer am Vormittag abgehaltenen Sitzung beschlojsen, den Bundesregierungen und Parlamenten eine Ein­gabe zu übermitteln, zu welcher die Wünsche der Kammer bezüglich des Meisterprüfungswesens zusammengesaßt werden sollen- Als Ort der Tagung im nächsten Jahre wurde Königsberg in Preußen gewählt- Am Wend erfolgte ein Empfang und Be- grüßungsabend auf der Liebigshöhe-

Apolitische Tagesschau.

Eine bemerkenswerte Priuzenrede.

In der Milgliederversammlung des Deutschen Schul- schifsvereins in München hat der Prinz Ludwig von Bayern, dessen großes Interesse für den Ausbau der Binnen- ßoasserstraßen bekannt ist, eine bemerkenswerte Rede ge- lalten. Der Prinz äußerte zunächst sein großes Interesse flür die Marine und führte dann weiter aus, daß man im Lüden auch einen Platz am Wasser verlange, ein Ver­langen, das leider sehr unvollkommen erfüllt sei. Bayern habe eine Wasserstraße, sie befände sich aber noch auf dem- ßelben Standpunkt wie vor sechzig Jahren. Es fehle an Anschluß, und cs sei Bayerns gutes Recht, ihn zu verlangen. Der Prinz fuhr fort:Wir sind ja ein Reich und bringen gern mit Freuden alle Opfer für das Reich, verlangen aber volle Gegenseitigkeit. Seit Jahren ist der Vertrag geschlossen. Es ist jedoch noch kein Spatenstich geschehen, sm den Anschluß herzustellen. Ein preußisches Gesetz be- ßagt:Kanäle dürfen nicht gebaut werden, bis Linnen- ßhifsahrtsabgaben eingeführt werden". Kanäle werden Lrotzd>em gebaut, der Anfang ist gemacht, der Anschluß an den Main aber noch in keiner Weise. Nun wissen Sie, daß wir in Bayern uns bereit erklärten, für Schifsahrts- abgaben zu stimmen. Wenn sie nicht zustande kommen, so können wir nichts dafür. Ader wir sind gekränkt, wenn mir aus solchen Ursachen immer hintanstehen müssen. Es tft; unglaublich, daß der ganze Südosten von Deutschland uom großen Weltverkehr mit der Oft- und Nordsee ganz ab­geschlossen ist. Es ist gestern wieder von der Mainlinie ^efprocyen worden. Ich bin froh,, daß sie vor 38 Jahren schon beseitigt wurde, mochte aber auch, oaß die Mainlinie, Die den Norden vom Süden trennt, ebenfalls beseitigt wird. Und es ist eine Kleinigkeit; es fehlt nur das kleine Stück Don Offenbach bis Aschaffenburg. Trachten Sie, daß dieses Stück gebaut wird, gleichviel ob Schis fahrtsabgaben einge- sührt werden ober nicht, und strafen Sie uns Bayern nicht, ivenn aus anderem Grund Schiffahrtsabgaben nicht einge- filhrt werden. Der Gedanke des preußischen Ministers Ufre7tenbach, einer der großartigsten, die man sich denken kann, will Schiffahrtsabgaben nicht nur für Hauptflüsse, sondern auch für Seitenflüsse. Wird das durchgeführt, so können wir die Schiffahrtsabgaben recht gut brauchen, und daß man damit etwas machen kann, davon wissen die Bremer ein Lied zu singen, denen es gelungen ist, durch die Schiffachrtsaben auf der Unterweser emporzukommen. Od) will nicht länger sprechen, aber ich wünsche, daß Sie mich in meinen Bestrebungen unterstützen, und daß diese 1 ieue Kette uns noch enger aneinanber fügt, und daß dieser Stachel, der ob der Vernachlässigung von Süddeutschland in manchen von uns ist, von uns genommen wird. Der An­schluß nach Frankfurt ist selbstverständlich das Zunächst- blegende, weil er leicht zu bauen ist. Das soll aber durch­aus nicht der Schluß sein, sondern Bayern soll direkt an Die Weser und Elbe angeschlossen werden. Wenn wir an der Elbe sind, bann haben wir die Verbindung mit dem ganzen Osten des Deutschen Reiches bis an bie russische Grenze. Das ist jetzt nicht möglich. An die Weser, das ist der allernächste Weg, unb ich glaube, die Herren vom Schulschiffverein, vor allem mein sehr verehrter Herr Nach- _ar (das ist der Großherzog von Oldenburg), dessen Land üh der Weser liegt, wirb leicht damit einverstanden sein, menn die Weser nicht ein Sack bleibt, sondern angeschlossen ivird an das ganze Süddeutschland."

jgelu.SiiunclmevM- raetreu m tadelloser - Schmidt, PrävaM Latzudoiiüme

^oolofl- 3Ultimi _

HM 13) M. W- WöeSraunfel^'^ lic, M °u erholen- fetten unter A- ,u' nidBramM____

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KesjLi^ett^en^ ^MgÄerFeier,^ vcrtauicht.

werden.

Dom lieben guten alten Wilhelm Raabe er­schienen unlängfttiii 4. AuflageD a s Horn von W a u z a" unb in 6. AuflageAbu T elf an oder die Heimkehr vom Mond- gebtrge'* (Verlag von Oltö Janke in Berlin.) Beide Bücher haben sich sehr langsam, daflir nun aber endlich doch wohl dauernd siegreich die deutsche Leserwelt erobert. Nichtsnutziges wie die Machwerke Stilgebauers, und recht oft auch Nichtswürdiges wird in Hundert­tausenden von Exemplaren binnen eines Jahres gierig verschlungen, die Werke eines unserer größten deutschen Erzähler sanden Jahrzehnte lang einen nur bescheidenen Verehrerkreis. Tas erste Buch hat sich erst in nahezu 30, das zweite gar erst in über 40 Jahren durch- gesetzt. InAbu Telsan" stellt Raabe auf dem dunklen Hinter­gründe des airikanischen Sklavenlebens ein düster gehaltenes Bild des Herz und Geist tötenden Kntturphilistertums im alten Europa hin. Resigniert und zwei'elreich blickt der Dichter in die Welt, die er von unzähligen Gefahren bedroht sieht, und mit liebevoller Naivheit behandelt er seine Originale und Sonderlinge. Im »Horn von Wanza" richtet er dagegen seinen Blick nicht auf das ihm verhaßte Treiben der großen Welt, sondern in die seinem in sich gekehrten Naturell verwandte idyllische Klemwelt eines engen, verträumten deutschen Landstädlchens, das er mit seinem ganzen ergötzlichen Humor umfaßt und erhellt. Hier führt er uns ein paar köstliche, halb wunderliche, halb trauliche, kernfeste Gestalten vor in Situationen von wohlwendster Behaglichkeit, umzaubert von einer nur ihm eigenen Stimmung von tiefer Gemütskraft und goldiger Güte, die uns an die wundersam reizvolle Kleinmalerei des kurios wackeren Spitzweg so herzig gemahnt. Möge beiden Büchern endlich die ihnen gebrihrende Anerkennung bei allen denen finden, die Sinn haben für schwermütig-humorvolle Seelenmalerei. Auch sie werden fortan Raabe zu den Meistern deutscher Erzähler- kunft zählen. -o,

Fremdwörtersucht. Die Hess. Landessynode gab kürzlich die Anregung, über-flüssige Fremdwörter aus der amtlichen Kirchensprache 511 entfernen. Ter deutsche evangelische Kirchen- aiisichuß lehnte diesen Antrag mit der Begründung ob, daß über­flüssige Fremdwörter schon jeyt nach Möglichkeit vermieden würden. Hierm irrt ^sich der Ausschuß, deim Wörter wie Konsistorium, Vikar, Pastor, Senior könnten doch gar wohl durch gute deutsche Ausdrücke ersetzt werden.

Stadt und Land.

Gießen,. August 1808.

Keine 3 Pfennig-Karten. Die Hannoversche Handelskammer hat beim Reichsposlamt die Ausgabe von 3 Pfennig-Karteu angeregt. Daö Reichspostamt hat er­widert, daß bei der großen Zahl von Postwertzeichen- gattungen, die schon jetzt bei den VerkehrSanstalteii zu führen seien, davon abgesehen werden müsse, die vorhandenen Wert­zeichen zu vermehren, soweit nicht eine dringende Notwendig­keit" vorliege. Ein allgemeines Bedürfnis zur Einführung offener Druckfachenkarten mit eingedrucktem 3 Pfennig-Wert» stempel könne aber nicht anerkannt werben.

- Die Deutschen BangewerkS - Berufs- Genossenschaften werden am SatnStag, 5. September, in Essen im städtischen Saalbau unter Vorsitz des König!. Baurat Fclisch aus Berlin ihren 23. ordentlichen Verbands- tng abhalten. Die Tagesordnung ist reichhaltig und inter­essant. Die Unfallverhütungsvorschriften und deren Durch­führung, die Gefahrentarife, die ftontroUe der Betriebe, be­sondere Schutzvorkehrungen beim Heben und Unterfangen ganzer Gebäude und dte Pensions-Grundsätze für berufs­genossenschaftliche Beamte werden ebenso anziehende wie wichtige VerhandlungSpunkte ergeben.

"Die Hühnerjagd ist seit gestern in Heften offen. Die Jäger klagen, daß die Rebhuhnjagd heuer wenig lohnen wird. Es mangelt an jungen Völkern, weil das erste Ge­lege gefehlt hat. Aber auch daS zweite Gelege hat unter der feuchten Witterung stark gelitten, so daß man zahlreiche Eier beim Mähen zerstreut gefunden hat. Die vorhandenen Völker sind jedoch stark entwickelt.

^Saubere Straßen. Seit dem Beginn der Ka­nalisationsarbeiten war in unserer Stadt die Klage über schmutzige Straßen, eine stehende Rubrik im »Gieß. Anz.^, auch häufig ein Punkt, der von den Stadtvätern aus­giebig in den Sitzungen erörtert wurde. Die Klagen sind allmählich verstummt und unsere Straßen fangen allmählich an, sich, was die Befestigung der Fahrbahn anlangt, zu Musterstraßen zu entwickeln. Allersdings ist die Ncupflasterung nicht sehr billig, aber die Kapitalanlage macht sich mit der Zeit durch die längere Haltbarkeit bezahlt. Den ersten Ver­such machte man auf dem noch vor ein paar Jahren uner­gründlichen Brandplatz und zwar dem Teil, den man in Landgraf Philipp-Platz umgetauft hat. Man walzte hier die Straßenzüge mit Schrittsteinen gut ein und brachte bann Kleinpflaster mosaikartig an, eine Methode, die sich bei Darmstadt und anderwärts bewährt hat. Inzwischen hat man in gleicher Weise mit Kleinpflasternng versehen einen Teil der viel mit Lastfuhrwerk benutzten Hainmstraße (zwi­schen Güterbahnhof und Viadukt bei Gailfuß), die Schanzen­straße und die Steinsiraße (vom Asterweg bis Marburger Straße). Es folgten Plock- und Johannisstraße, Moltke- straße und Bleichstraße (zwischen Ludwigslraße und Süd-An­lage). Jetzt ist man dabei, mit den Anlagen den Anfang zu machen und zwar wird zuerst die Süd-Anlage zwischen dem Neuenweger Tor und der Bismarckstraße mit Klem- pflaster befestigt. Diese Straßenzüge waren vorher chaussiert. Hoffentlich dauert es nicht allzulange, bis alle chauffierten Fahrbahnen in der Stadt verschwinden.

Die Altersgenossen von 18551905 1 feierten am Sonntag unter zahlreicher Beteiligung ihr dies­jähriges Familienfest auf dem ^SchützenhauS". Das Fest nahm einen recht animierten Verlauf. Nachdem der Alters­präsident Geisse die Festgäste herzlich begrüßt hatte, brachte er ein Hoch auf S. 2)1. den Kaiser und S. k. H. den Groß- : Herzog aus, das begeistert aufgenommen wurde. Der in letzter Zeit verstorbenen lieben Altersgenossen wurde ebenfalls

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