Ausgabe 
25.8.1908 Erstes Blatt
 
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Dienstag 25, August 1908

Erstes Blatt

158. Jahrgang

Genuss ohne Genwirkung.

ItfkJHHtt natiks und Schlauch? Preisen angekauft.

>elche andere Fabrik?: äßig nach dem neuerer ihren mittelst Heiss- nnäß, unter&igei1 3599

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Süd-Anlage 151

^emwirkKcher i(Me Bestand- b<>gen iit, daher

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if.noch mit

die internationalen Bertrage zu achten- Frankreich werde ge­meinsam mit Spanien die Initiative ergreifen können, über die Anerkennung des neuen Sultans zu unterhandeln, ohne daß es notrvendig sein werde, eine neue Monieren; zusamnicnzuberufen- Ein Meinungsaustausch der Mächte untereinander werde sich als hin­reichend erweisen- Tie Londoner Movgenblütter besprechen die Niederlage des Sultans »lbdul MiS mit >r größten Ge­lassen heil- Sie bedauern höchstens, daß Frankreich auf das un­rechte Pferd gewettet habe-Daily Graphic" verlangt, num solle unverzüglich Untcrl-andlungcn mit Mulch Hasid anknüps-n, wo­möglich ohne eine abermalige Konferenz einzuberusen, falls Mulch Hafid imstande sei, die Ordnung zu gewährleisten und die aus­ländischen Interessen zu schützen, sollen die Großmächte ihm die Anerkennung unter billigen Bedingungen gewähren-Daily Chronicle" betont, obwohl die amtliche Haltung der deutschen Negierung durchaus vorsichtig 'gewesen sei, habe der von den Deutschen begünstigte Thronsordever obgesiegt- Muley Hasid sei em starker Manu, der die fortschrittlichen Beilrebungen begünstige-

mich zunächst zu orientieren, ehe tch meine Hand in die Maschine stecke." Gelegentlich seines neulichen zmetstündtgen Besuchs im Neubau der Kasseler königl. Akadentie der bildenden Künste nahm der Kaiser die dort veranstaltete Ausstellung Ser- Lehrer und Schüler in Augenschein. Besondere Anerkennung aiis kaiserlichem Munde erntete die an dieser Anstalt unter Direktor Pros. Kotitz geübte Unterrichtsmethode. In so hohem Blaste be- sriedigende Erfolge des Zeichen- und Malunlerrichts habe er noch nirgends gesehen. Auch über die eigenen Schöpfungen der Pro- sessoren Kii'acksust, Schneider, Wünncberg, Wagner, Holzapfel, Koch und Bernewitz sprach sich der Kaiser tm einzelnen m seiner be­stimmten Art zumeist höchst lobend aus. Pros. Dr. Vetter- lein von der technischen Hochschule m Darmstadt hat mit dem Metzer Architekten P r i e d a t ein Architekturbureau ui Metz und Straßburg errichtet. Vetterlein wurde bei Enr- ivürsen ' für das Waisenhaus in Straßburg und das Gymnasium m Zabern preisgekrönt. Eine alte, schon halb vergessene Affäre" hat dem Dresdener Kammersänger K. B u r r i a n eine neue Verlegenheit bereitet und zwar tu einer besonders unwill­kommenen Situation. In Marienbad wurde nach einer Vor- slelluiig des Bayreuther Ensembles, bei der Burrian den Siegfried sang, und die in Anwesenheit des Königs von England Itattsand, Burrian wegen einer Schuld von viertausend Kronen ge­pfändet. Man nahm ihm Taschenuhr, Schmuck und Bargeld ab. Es handelte sich um eine Konvenlionalstraje für das Richt- erscheinen Burrians bei Drazer Festspielen. Bekanntlich hat Biirrian erst kürzlich öffentlich m Dresdener Blättern erklärt, daß er die hohen Dresdener Mieten nicht erschwingen könne und darutii eine billige Vorortwohmmg suche. AuS Paris kommt die äußerst merkwürdige Meldung, daß der Polarforscher C h a r c o 1, der seine Reise nach dem Südpol am Sonntag von Cher­bourg aus angetreten hat, nach siebenstündigem Zlufenthalt auf hoher See ivieder zurückgekehrt fei. Der Grund soll schlechtes Welter und hoher Seegang geivesen jein. Wir halten den angegebenen iprunv nicht für sttchhallig und glauben, daß es sich entweder um einen schlechten Scherz handelt oder daß die wahren Gründe der Rückkehr verschwiegen werden. Jedenfalls tsi die Fahrt nur jür einige Tage verschoben worden.

2lu$ rrnd Land.

Gießen,. August 1908.

Zu den Landtags wählen. Die Rational- liberalen des Wahlkreises Oppenheim haben Rechtsanwalt Dr. Winkler in Oppenheim al§ LandtagSkandidatcu auf­gestellt. Bisheriger Vertreter war der ebenfalls natlib. Abg. Braun, über dessen diesmalige Absichten n. d.Worms. Ztg.« Näheres nicht verlautet.

* Ordensverleihung- S. K. D- der Grvßhcrzog haben dem Haupmiann Frhrn- Räder u. Diersburg, Kvnt- pagnieches int Leibgarde-Jnfantcri>Rcgiincnt (1- Grvsth. Hess. Nr- 115, das Ritterkreuz 1. LUasse des Verdienstordens Philipps ocs Großmütigen, dem J-eldlvebcl Boller und dem Bizcfcldwcbcl Arzt von demselben Regiment das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrifttfür Verdienste" verliehen-

** In Audienz empfangen wurde von S- 5V. H. dem Großherzog am Samstag u- a. Oberamtsrichter Rispel von Schotten-

Steuerpersonalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog haben den Hauptsteueramtsrcndanten RechnungSrat Adam Weiß zu Offenbach unter Anerkennung seiner lang­jährigen treu geleisteten Dienste aus sein Nachfuchcn in den Nuhestand versetzt und ihm aus diesem Anlast das Ritter­kreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, sowie den Steuerkontrolleur Regierungsasicsioc Karl Lindenstrut h zu Nidda zum SteuerkommissariatSassistenten bei dem Steuerkommissariat Darmstadt I ernannt.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Billertshausen. Eine mit einem evang. Lehrerin zu besetzende Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Brauerschmcnd. Mit dec Stelle ist Organisten- und Lektorendienst verbunden.

* Kolosseum, lieber ein vom 1. bis 15. Sept, int Kolosseum zur Darstellung gelangendes Stück lesen tvir in einem auswärtigen Blatt:Tie größte Sensation der dies­jährigen Saison ist unstreitig das vieraktige Theaterstück Eine Nacht im Selbstmörderklub", nach einer engli- scheu Idee von Dr. Franz Ferdinand, das mit deut Verfasser selbst in der Hauptrolle im hiesigen Apollotheater erstmalig in Szene ging. In München erlebte das Stück 25 erfolg­reiche Aufführungen im dortigen Kolosseum-Theater und der Premiöre wohnten die Herzöge Siegfried und Max von Bayern bei. In Wien, woher das Ensemble soeben kommt, erlebte das Stück 30 Aufführungen mit großem Erfolg."

Heuchelheim, 24. August. Gestern feierte man] hier Kirchweih. Leider wurde sie von der Ungunst der Witterung sehr beeinträchtigt. Die heftigen Gewitterregen am Sonntag früh, dazu die herrschende Kühle mögen gar manchen regelmäßigen Kirchweihbesucher abgehalten haben. .Die wiederholten Regenschauer machten überhaupt den Auf­enthalt im Freien unmöglich. Während es sonst auf der breiten Dorfstraße und an den bekannten Kirmesplätzen ge­radezu von Menschen wimmelte, war diesmal von dem be­wegten Treiben nichts zu spüren. Die fortgesetzte unfreund­liche Witterung ist auch nicht dazu angetan, den Landmann in fröhliche Stimmung zu versetzen. Die Fruchternte, sonst] gewöhnlich um diese Zeit schon beendet, erleidet diesmal in- folge der großen Nässe unliebsame Verspätung.

X Lollar, 24. 'Äug. Die seit etwa ,i Jahren Tertiggcitellte) Wasserleitung hat bisher zur allgemeinen Zufriedenheit funktioniert- In letzter Zeit ist iebod) eine Störung eingetreten, indem von dem l)öycc gelegenen Teil der Gemeinde Staufen­berg Klage über Wassermangel geführt wird- Bisher haben die angestellten Ermittelungen nicht zur Entdeckung des Fehlers geführt- Wie man hört, sind tctmmehr seitens des Kreisbauamtes zu Gießen, unter dessen Leitung die Anlage seinerzeit ausgeführt worden ist, umfangretche Untersuchungen im Gange, um die Schäden aufzudecken und diesen abzuhelscn- Man vermutet, daß infolge der vor kurzem erfolgten Straßenwolzmrg das Rohrnetz Beschä­digung erlitten hat-

Großen-Linden, 24. Aug. An den Arbeiten für die Wiedercherstellun g unserer Kirche hat sich außer dem Baumeister Kuhlmann ganz besonders auch der Regierungsbausührer Scherer-Gießen verdient ge­macht, der gemeinsam mit dem elfteren die Baupläne ge­fertigt hat. Die sehr schwierige örtliche Bauleitung lag in den Händen des Bauaufseyer-Aspiraitten C. Konrad- Gießen. Die 'Dl au er arbeiten wurden von den Maurer­meistern Fischer und Weiß in Großen-Linden, die Weiß- omberarbeiten von Degen und Schmidt in Großen-Linden hergestellt. Tie Schretnerarbeiten in der Kirche wurden von der Overyessischen Holzindustrie G. m. b. H. in Mücke und von E. Müller in Alten-Buscck gefertigt; das Gehäuse zur Orgel von Schreinermeister Lenz-Gießen geliefert. Tre körper zur Azetylenoeleuchtung, Kunstschmiedearbeit ent», pammen der Werkstatt von Wiegands und Gcäs, in Gießen. Tie originelle Malerei an den Emporen, der- Orgel unii

TLUcinc» FcrriUe-on.

Für Kunstfreunde von Interesse sind ein paar Wölbungen, die uns heute zugegangcn sind. Die eine, empörende, ilmmt aus Wien. Tort wurde aus der berühmten Gall er re ck s Grafen Johann Harrach cm Bild von van Ttzk, "Kopf omes Kindes", aus dem Rahmen gescymtten und gestohlen ?*Jlan glaubt indessen erfreulicherweise bereits den Spitzbuben zu Laben. Wenigstens wird ein junger Bursche,, der gerade mir : j anderen Personen in der Galerie sich aufhielt, als der Dreb- l'.ahl entdeckt wurde, für den Tater gehalten. Erne andere, er- jrculiche Nachricht kommt aus Freudenthal rir Oesterr-sMenen. ?2ort entdeckte der Restaurator der Bildergallerre rm Schlaf je des Erzherzogs Eugen einen echten T i z i an sowie . ^n M tftonuenbilb. Das Schloß gehörte früher dem ^eutfchrrtterorden. * Näheres von den beiden Gemälden weiß man mach ni^- Ljum Schluß wieder eine betrübliche Meldung. Aus Brus el itoirb gedrahtet, daß die alte Kirche vonLeyfele cur Raub Üicr Flammen geworden ist. Tas einzige Klinstwerk, da. gerettet wurde ist Rubens'Die Anbetung der ^"stir aus ul:m Morgenland", das in Eile aus dem Rahmen geschnrtten wer

konnte.

- Kleine Chronik aus Kunst u n d W i s s e n Z a l t. Ter Maler Walter Georgi in München, der den chonen Wand »stender desGieß. 2lnz." vom Jahre 19oZ schuf, ist als Professor an die Akademie der luldenden Künste in Karlsruhe berufen .norden. - Ludwig Barnay, der nut der Le.tung de» ko g. Theaters in Hannover betrarste .bisherige -^irctlor . . '

Schanjpiclhauies in Berlin, hat sich über ferne Berufungf, 9 maßen geäußert:Ich begebe und) wie enr Soldat auf memen Kosten. Ich habe erst vor wenigen Tagen meine Best minmig er führen, kenne die Berhattnisse des hannoverschen >heater» gar n cht, habe sie nie verfolgt und muß nur erst eine eigene Meinung inanen. Rian darf nicht erwarten, daß die Spuren niemeäse- Lines sich nun rmmittelbar bemerkbar machen werden, ^niitcg ttn lunger Atann wäre, wurde id) dein Kayer gesagt baLeii. Liajestät müssen mir sechs Jahre Zeit lassen, bis dahm werde ch »le Erwartungen erfüllt haben. Ich sehe meine Aufgabe darin,

Holitüsche Tagesschau.

Was soll mit Marokko geschehen?

Tie neue Wendung der Dinge in Marokko, die vollständige Niederlage des Sultans Abdul Asis und die Proklamierung fernes Bruders Mulch Hafid zum Sultan hat bei den Mächten, rote es scheint, eine gewisse Ratlosigkeit erzeugt- , An positiven Bo^ schlagen, was nun zu tun sei, fehlt es einstweilen noch, obgleich die ausländische Presse die verschiedensten Möglichkeiten recht ein­gehend bespricht- In einer Besprechung der marokkanischen Er­eignisse sagt dasNeue Wiener Tagblatt", selbstverständlich konni die Anerkennung des Sultans nicht die Sache einzelner Mächte sein. Alle Unterzeichner der Algecirasaktc müßten einheitlich vorgehen, damit die Gefallen der maroltanischen Frage wenigstens vorläufig gebannt würden- Die neue Phase dieser Frage werde auch ein Prüfstein sein für die Einigkeit Europas gegenüber den Vorgängen im mohammedanischen Reiche. Rivalitäten könnten hier verhängnisvoll werden. Boit französischen ^Blättern macht derTemps" die Politik der Unsicherheit und Schwäche, die die Kammer der französischen Regierung auserlegt habe, für den Sturz des Sultans Abdul Asis verantwortlich. Seine Niederlage lofe die marokkanische Frage jedoch nicht- Tie französisck)e Politik müsse in der .Haltung Muley Hafids mit zwei Möglichkeiten rechnen, entireber daß Hafid den ^eiligen Krieg gegen die Europäer ver­künden lassen oder daß er die Versöhuuugspolitik ausnehmen werde, die Abdul Asis durchzuführen versuchte- DerTemps" glaubt, Frankreich werbe Hafid gegenüber nicht an seiner Feindseligkeit festhalten, wenn er Jriedensbürgschasten gebe und sich verpflichte.

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Der Cod der Zrhr. $pec! v. Sternburg.

Mit dem deutschen. Botschafter in Washington, dem Freiherrn Speck von Sternburg ist einer unserer besten Diplomaten dahüi- gegangen. Nicht ohne Mißtrauen sah man ihn vor fünf Jahren ..n die Stelle Hollebcns in Washington treten, und in der ersten Zeit seiner Wirksamkeit als Vertreter des deutschen Reichs hat * c manrf)C mehr oder weniger berechtigte herbe Kritik über sul) , rgehen lasseii müssen. Aber den Amerikanern gefiel er. Er loar ein intimer Freund des Präsidenten ätoofeoelt, er war mit iner Amerikanerin verheiratet, hatte schon vor seiner Botschafter- eit lange in den Vereinigten Staaten gelebt und kannte Land und Leute. Er verstand eS, die Amerrtaner in ihrer Eigenart iwrtrefflich zu behandeln. In Deutschland schüttelte in der ersten Zeit wohl mancher den Kopf überSpeckys" Reden und Auf- treten, das in so mancher Beziehung vom Herkönimlickfen in der i. cifen dcutschiil Diplomatie abwich. Aber, wie gesagt, den Ame- nilancrn gefiel dieses offene, biedere Wesest und machte den deutschen Botschafter bald zur beliebtesten und populärsten Persönlichkeit ier diplomatischen Wett Washingtons. Die persönliche Bcliebt- ßeitSpeckys ', wie chit sein Freund Roosevelt nannte, hat un- ;weifell-aft viel da-u beigetragen, daß unsere Beziehungen zu Sen Vereinigten Staaten immer l,erzlicher wurden, und daß hierbei amch mancher Gewinn für unsere Politik abfiel.

Man hat den verstorbenen Aotfchafter vielsach als neuen Typus der deutschen Diplomatie hingestellt. Das ist wohl zu .ticL Der alten Bismarckschen Schule gehörte Speck v. Stern- Lurg allerdings nicht an. Wenn man ihn durchaus einer Schule amreihen wlll, dann wäre es vielleicht die des F-ürsten Bülow. Epeck v. Sternburg war durch Geburt und Erziehung international, ckr entstammte einem alten sächsischen Adelsgeschlechte und wurde HDn einer englischen Mutter in Leeds in England im Jahre 1852 Gaboren. Er besuchte die alt-berühmte Fürstenschule zu Meißen ;mnb trat 1870, als der Krieg mit Frankreich ansbrach, in das

Sächsische Reiter-Regiment, in dem er den Feldzug mitmcuchte !>d Offiftcr wurde. Bis zum Rittmeister blieb er im aktiven Militärdienst, zuletzt im Generalstab, dann wurde er 1888 als :i(ltärattad)cc an die Botschaft in Washington kommandiert, j rtb trat 1891 als Legationssekretär in die Diplomatie über. Zunächst war er in Peking fünf Jahre lang beschäftigt, dann in ...ucnos Aires und Belgrad, bis er 1898 Erster Sekretär in Washington wurde. Er vertrat Deutschland in der ILommission, L.:? au, Samoa die bekannten internationalen Zwistigkeiten regelte itö tarn 1901 als Generalkonsul itad) Kalkutta, von wo er 1903, .icrft als Gescliäftsträger jür ben abberufenen Herrn v. Holleben, 1 tätet als Botschafter wieberum nad) den Vereinigten Staaten Mandl wurde. Als er nock) Erster Sekretär in Washington ! m-, verheiratete sich Speck v. Sternburg mit einer Amerikanerin, ...iB Lllian Langham. In diese Zeit fällt auch seine erste ~ gegnung mit dem nachmaligen Präsidenten Roosevelt. Wie es , iß,, hat Spcck v. Sternburg dem Errichter und Führer der . tauben Reiter durst) seine Ratschläge als deutscher Nelleroffizier irandjc Dienste geleistet. Seitdem sind beide Männer in? beständiger hßcmidschaftlicher Beziehung geblieben. ,

Bor etwa drei Wochen war Speck v. Sternburg ernes Krebs- C idcns wegen nach Heidelberg gekommen, um sich in der Klinik Ezcrnys heilen zu lassen. Der Tod des Freiherrn Speck von Sl.-rnburg tarn, wie demBerl. Tagebl." von untetud)teter Seite : ilgctcilt wird, keineswegs überraschend. Man wußte cs freilich it ungefähr drei Jahren, daß die Tage des Botschafters gezählt I icn, da er an einem unheilbaren Krebs litt. Dieses Leiden rar cs, was ihst veranlaßte, in jedem Jahre nach Berlin bezw. Deutschland zur Konsultation hervorragender Aerzte zu kommen. Sei seinem letzten Aufenthalte in Deutschland erzählte man flch, torg sein Lciiden derartige Fortschritte, gemacht habe, daß der Lotschastcr sich kaum mehr in fremde Gesellschaften begeben konnte. Sroybcm würben alle Gerüchte von seiner Krankheit stets nut tont gewohnten amtlichen Ucbcreiser beinenticrt uiü) sein Gc,unb- hzütszustand als der allerbeste erklärt. Dies geichah auf aus- tc.üdlicjen Wunsch des Botschafters, der ftst) über dre Gefahr- [ chkci: seines Zustandes wohl selbst nicht klar war. Dre un- n iltelbae Todesursache ist aber nicht .sttebv gerccieit, ,andern eite am SamStag plötzlich und mit großer Heftigkeit aufgetretene Eangencntzündung. Als der Botschafter starb, weilten im ^terbe- :.immer seine Gattin, seine Sst)wagerin, seine Schwiegermutter n;iib eine iiannneriungjer. Unmittelbar nach dem Eintreten des Todes wurde der deutsche Kaiser, das Auswärtige Amt und die .aicrung der Vereinigten Staaten von Amerika bcilachrichtigt. T'.e Leiche wirb zunächst auf das Schloß Lützschena beieipzig

Vom Kaiser traf sofort nach dem Bekanntwerden des ^odes fei der Witwe des verstorbenen deutschen Boftchafters aus -dur

Nr. 199

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntag». - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerFamllienblätteri trocimal wöchentl.llreir» blatt für ben Kreis (5 iebttt (Dienstag und Freitag); zweimal monalL Land» wirifchastltche Se.tfragea Fernfprecd Anfchlüffe: für btt viedaktion 112, Vertag n. Expedition 51 btefle tüi Depeschen» Anzeiger Gtcßeu.

Äanatimt von Anzeigen jüx bie LagcSnuinmer H vormittags 10 Uhr.

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hclmhölfe folgendes Telegramm ein:Tieferschüttert durch die unerwartete Nachricht vom Heimgang Ihres Mannes spreche ich Ihnen ausrichtige Teilnahme und mein herzliches Beileid aus. Ich verliere in dem Entschlafenen einen bewährten Freund und ausgezeichneten Diplomaten, der mir und seinem Baterlande wert­volle Dienste geleistet hat und schwer zu ersetzen sein wird. Der Herr verleihe Ihnen in Ihrer großen Trauer seinen In mm lischen Trost. Wilhelm I. R." An den Bruder des Verstorbenen, Freih. Alexander v. Sternburg, ist im Laufe des Nachmittags folgendes Telegramm vom Lkaiscr gelangt:Ich spreche beim Ab­leben Ihres Herrn Bruders meine herzliche Teilnahme aus. Ich betrauere diesen ausgezeichneten Botschafter aufrichtig. Seine Verdienste um unser deutsches Vaterland sichern ifym eine Dank barkell über das Grab hinaus. Wilhelm I. R."

Vom Reichskanzler Fürsten v. Bülow lief gestern abcnd folgendes Telegramm ein:Norderney. An Ihre Exzellenz Frau Baronin v. Sternburg. Gestatten Sie mir, Ihnen meine aufrich­tigste Teilnahme bei dem Hinscheiden Ihres Gatten aiiszusprechen. Die großen Dienste, die der Verstorbene dem Vaterlande geleistet hat, werden ebenso unvergessen fein, wie die bewunderungswürdige Energie, mit der er trotz schwerer Erkrankung seine letzten Kräfte dem kaiserlichen Dienste gewidmet hat. Fürst v. Bülow."

In Amerika hat die Nachricht vom Tode Specks v. Sternburg allgemeine Teilnahme hervorgerufen. Die gestrigen Newyorker Nachmittagsblättcr widmen dem Botschafter Speck v. Sternburg die ehrenvollsten Nachrufe, in denen seine Verdienste für die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, seine diplomatischen Fähigkeiten, seine Erfolge in Washington sowie sein liebenswürdiges Wesen gerühmt werden. Aud) bie Freund- sckwft bes verstorbenen Botschafters mit dem Präsidenten Roose­velt wird betont.Newyork Älobe" bemerkt in einem Leit­artikel, durch Sternburgs Hinscheiden erlitten die amerikanische Union und Deutschland einen gemeinsamen Verlust. DieAsso­ciated Preß" meldet aus Washington: Der Tod des dciltfchen Botschafters Speck von Sternburg bedeutet einen schweren Schlag für seine persönlichen und amtlichen Freunde in Washington. Von den Beamten des Staatsdepartements und den Freunden Sternburgs wirb sein Hinscheiden als ein schwerer persönlicher Verlust bettachtet. Es beeinträchtigt niemand, wenn man sagt, Sternburg war eines der beliebtesten und ge­achtet st en Mitglieder des diplomatischen Korps in Washington. Er unterhielt mit Roosevelt intimere per­sönliche und amtlich- Beziehungen als wohl irgend ein anderer in Washington akkreditierter Diplomat. Auf ihren langen Spazier­ritten wurde die Freundschaft, die später für Deutschland und Amerika so werwoll sein sollte, befestigt. Der stellvertretende Staatssekretär Adee drückte dem Auswärtigen Amt m Berlin sowohl im Namen seiner Regierung wie auch für sich persönlich das Beileid aus. _ , . .

Als Nachfolger des Fürsten Speck v. Sternburg wird schon jetzt der frühere Go'lvemeur von Ostafrika, Graf Goetzcn, ge­nannt, der exst vor wenigen Monaten 9tachfolger des Frhrn- von .schling, des deutschen Gesandten in Hamburg, wurde. r,. A.

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General-Anzeiger für Oberhessen WW

Rotationsdruck und Verlag der YrShpschen Antv.-Vuch- »nd Zteindruckerei. H. Lange. Redattkon. Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. iSieigentcd^

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