Ausgabe 
21.3.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 69 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Samstag 2 L. März 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener ZamlIlenblStter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für bett Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen 8eit- frageu" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberheffen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:^-^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

mrnisch, Flach, Rogatzky, Zimmermann, K. Metger,

Deutscher Reichstag.

Die Vertreter der Presse versammelten sich heute mittag um Uhr im Lesezimmer, um zu! dem gestrigen Zwischenfall Stellung zu neh^ men. Im Namen der gestern zu dem Präsidenten Graf Stol­berg entsandten Kommission erklärte deren Sprecher, daß sie der Präsident mit großer Liebenswürdigkeit empfangen habe. Die Kommission habe den Präsidenten darauf aufmerksam gemacht, daß seine Erllärung die Pressevertreter nicht befriedigt hätte und daß sie ihn bäten, weitere Schritte zu unternehmen. Graf Stol^ berg erwiderte, daß es ihm nur schwer möglich sei, nachträglich auf die Sache Aurückzukommen, er teile vollkommen den Stand­punkt der Presse, und wenn er den Zwischenruf gehört hätte. . würde er gegen den Abg. Groeber in schärfster Weise eingeschritten sein. Er wolle aber versuchen, dadurch einen Ausgleich herbetzu^ führen, daß er sich an das Zentrum wenden werde und dieses uni Rücknahme des beleidigenden Ausdruckes bitten wolle. Herr Drl Eisele, Vertreter derKölnischen Volkszeitung" teilte darauf mitt daß das Zentrum der Ansicht wäre, daß seit dem 13. Dezember 1906 die Journalistentrtbime in demonstrativer Weise gegen das Zentrum vergehe; es seien wiederholt bei Zentrumsrednern ver­letzende Zwischenrufe gemacht worden und das Zentrum sei bet Ansicht, daß der Abg. Groeber seine Beleidigung nicht eher wieder zurücknehmen könne, bis nicht von der Journalistentribüne ein Bedauern über diese angebliche Störung ausgesprochen worden ser. Dieser Erklärung des Herrn Dr. Eisele, der sich auch der Herausgeber einer Zentrumsparlamentskorresponoenz, Herr Ahrens, anfchloß, traten die sämtlichen sonstigen Redner auf9 Entschiedenste entgegen. Wenn auch von der Journalisten^ tribune hie und da Zwischenrufe oder Lachen erfolgt sei, so hätte sich daS^ in keiner Weste gegen das Zentrum gerichtet, sondern solche Störungen, insoweit sie überhaupt vorgekommen seien, hätten auch während der Reden von Mitgliedern anderer Parteien ftattgefunden. Es wurde entschieden verlangt, daß der Abg. Groeber als Gentleman seine Beleidigung zurücknehmen müßte, denn bte Presse bestände ebenso aus Politikern wie der Reichstag selbst und könne sich eine solche Beleidigung vor der ganzen Welt nicht bieten lassen, sonst würden die Pressevertreter zu Tinten­kulis herabsinken. Unter anderen erklärte sich auch der Bor-

Drese Herren, die Vertreter ausländischer, auswärtiger und hieilger Blätter sind, erklärten, daß sie für ihre Zeitungen weder Parlamentsbericht, noch Stimmungsbilder liefern würden, bevor nicht der Zwischenfall zu allgemeiner Zufriedenheit beigelegt feL Ferner ließen noch folgende Zeitungen besonders ihre Solidarität viit den Rerchstagsjournalisten dadurch erklären, daß sie bis auf kcttereS feine Berichte aus dem Reichstag bringen würden: Köl. nische Zeitung, Berliner Tageblatt, Deutsche Tageszeitung, 93er- .^euefte Nachrichten, Frantfurter Zeitung, Berliner Poli­tische Nachrichten, Breslauer Zeitung, Tägliche Rundschau, Börsen, tourier, Vossische Zeitung, Vorwärts, Hannoverscher Courier, Leipziger Neueste Nachrichten, Hamburger Nachrichten, Schlesische Zeitung, Nationalzeitung, Deutsche Zeitung, sämtliche im Ullstein- schen Verlage erscheinenden Blätter. Auch das Wolffsche Tel» graphenbureau ließ erklären, daß es an die Zeitungen keinen Be­richt abgeben werde, sondern nur für die Ministerien und Reichs­ämter Bericht erstatten wolle.

Von dieser Einmütigkeit schloß sich nur das Zentrums-Par- laments-Bureau aus. Es ließ durch einen Vertreter erklären, daß es sein 93ureau verstärkt habe und dafür sorgen wolle, daß ein vollkommen ausreichender Bericht über den Reichstag erstattet wer- den sollte. Wie weiter mitgeteilt wurde, ist von Mitgliedern des Zentrums an den Direktor beim Reichstage, Geheimrat Jung-Heun, ^rangetreten worden, damit vom amtlichen Reichstagsbureau ein varlameutsbericht hercmSgegeben und an dis Zeitungen versandt derben solle.

Am Nachmittag traten die Vertreter der fresse nochmals zusammen und beschlossen nahezu einmütig folgende Erklärung, die den ^raktionsvorständen und dem Präsidenten des deutschen Reichstages übermittelt werden soll:

Tie versammelten Vertreter der Presse im Reichstage er­klären, daß sis in der Aenßerung des Herrn Abg. Gröber unter allen Umständen eine schwere Beleidigung ihres gesamten Standes "blicken. Wenn auf der Jourualistentribüne Störungen vorgr« kommen sind, so sind die Vertreter der Presse die ersten, die das mißbilligen. Stellen aber fest, daß niemals eine Kundgebung Segen irgend eine Partei beabsichtigt gewesen ist. Falls der Herr Abg. Gröber seine beleidigenden Acußerungen nicht mit dem Aus­druck deS Bedauerns zurückuimmt, oder nicht von anderer maß, gebender Seite eine ausreichende Zurückweisung erfolgt, überlassen sie das Urteil darüber der breitesten Ocffentlichkeit. Zum Zeichen deS Protestes gegen die ihrem Stande zugefügte Beleidigung werden sie bis auf weiteres über die Reichstagsverhandlungen »lcht berichten.

sitzende deS Vereines der ausländischen Journalisten, Dr. Shaw, [mit folgenden Worten mit den deutschen Reichstagsjournal isten solidarisch: Meine Herren Kollegen! Mir, als dem Vertreter der ausländischen Presse« liegt es fern, mich in Vorgänge im deutschen Reichstage irgendwie einmischen zu wollen. Da ich aber nicht nur Ausländer, sondern auch Journalist bin, darf ich wohl in meinem Namen wie im Namen aller hier anwesende^ Vertreter der ausländischen Presse erklären, daß wir uns mit den deutschen Kollegen vollständig solidarisch fühlen. (Leb­hafter Beifall.) Von den Journalisten des Abgeordnetenhauses war ebenfalls eine Sympathiekundgebung eingegangen. An Den Verhandlungen beteiligten sich folgende Herren: Curt Baake, Emil Zimmermann, Rudolf Friedemann, Ph. Berkowitz, Dr. P. Hamburger, Alfred Schultz, Hugo Franz, Dr. Schmelzer, Dr. Elkan, Adolf Stein, Petrenz, I. Dahns, Max Lesser, Passavanh M. Wießner, Chefredakteur Cuno, M. Winterberg, O. Hennings, Dr. Pietsch, Dr. Hermann Rosemeier, Hubert, A. Schmidt, Wil^ liams (Reuter-Bureau), P. Jorke, H. Guttmann, G. ErbmcmnS- börfer, Steinbauer, Dr. Borchardt, I. H A. Schwerin, H. Jänich, Ahrens, A. Zu

A. Levi, G. Thomas, Abrahamsohn, Ranneforth, O. v. Loßberg. W. Ohm, Hink, M. Schröber, M. Bäckler, M. Berry (Associe de Presse), der Berliner Vertreter des .Standard", Dr. Beerli. G. Shaw, I. Blum, F. Lorentzen, E. Woth, Dr. Neumann, Dr. P. Goldmann (.Neue Freie Presse"), der Berliner Vertreter derNewyork Times", Dr. E. Leimbörfer, A. Nagel, Dr. R. Grosse, M. Schirmer, A. Kuntze, Heilmann, Dr. Bahr, C. Bürger. H. Kerris, F. Göbel.

Berlin, 20. MöVz. Auch die ,,Germania" kommt heute auf öen gestrigen Zwischenfall inv Reichstage, der Veranlassung zum öOiirnaUftcnftrcif gab, zurück, und auch sie bedauert die Äeuße- rung des Abg. Gröber inv Interesse oes Ansehens der Presse. ü>citer bemerkt das Zentrumsblati: Indem der Abg. Gröber eine Bemerkung gegen dieselben einzelnen Personen machte, hat er keineswegs die ganze Jonrnalistentribüne und noch viel weniger

Sstnzen Journalistenstand angreifen oder beleidigen wollen, ew wurde auch gewiß sein Bedauern über die in der Erregung ge- !^uene Bemerkung aussprcchen, »oenn auf der andern Seite zuerst

Bedauern über das durchaus ungehörige Benehmen der be­wegenden Journalisten ansgesprockien würde. Weiterhin kommt 01 ob denn devPräsident des Reic^tases eure Bemerkung,.

die aewissermasien in einer Privatunterhaktung im Sitzungssaale gefallen ist, zum Gegenstand einer anltlich-en Rüge machen tann.

Berlin, 20. März. Tie auf der Journalistentri­büne des Abgeordnetenhaufes tätigen Vertreter der Presse haben an ihre Kollegen im) Reichstage eine Sympathie­kundgebung gerichtet, in der sie ihrer Entrüstung über das Ver­halten des Abg. Gröber Ausdruck geben, ihren Kvllegen ihre Billi­gung des Verhaltens der ReichStagsjournÄisten aussprechen und erwarten, daß den Beleidigten für die ihnen zugefügte Ehrver­letzung volle Genugtuung zuteil wird.

München, 20. Mürz. Ter Vorstand deS M ünchener Journalisten- und Schri ftstellervereins beschloß, den Journalisten der Reichstagstribüne folgende Kundgebung zu übermitteln: Die Vorstandschaft des Münchener Jourualisten- und Schriststellervereins bekundet den Kollegen auf der Reichstags- tribune ihre lebhafte Zustimmung zu dem Prozeß gegen die schwere Beleidigung aus der Mitte des Hauses."

Tas Berliner Tageblatt meldet aus Rom: DieTribuna" schreibt zu dem Zwischenfalle im Deutschen Reichstage: Dieser Vorfall, der in jedem anderen politisch l)öherstehenden Lande un­denkbar wäre, ist nur eine natürliche Folge der Stellung, welche die Presse in Deutschland noch genießt. Selbst im Reichstage duldet man die Presse höchstens als Eindringling, versteht aber ihre Mitwirkung an der politischen Arbeit nicht zu schätzen.

Deutscher handetstag.

Berlin, 20. März.

Im Langenbeckhcmse wurde heute vormittag die 34. Voll­versammlung des Deutschen Handelstages unter zahlreicher Beteili­gung von Vertretern des Handels und der Industrie eröffnet. Kurz vor Beginn der Verhandlungen erschienen die Staatssekre­täre v. Bethmann-Hollweg und Krätke und Minister Dr. Delbrück mit den Herren ihrer Ministerien, sowie den anderen Regierungs­vertretern, ferner Vertreter der Bundesstaaten und der Freien Hansestädte. Präsident Kampf eröffnete die Vollversammlung mit einem Hoch aus den Kaiser, die deutschen Bundessürsten und die Freien Hansestädte.

Staatssekretär von Bethmann-Hollweg begrüßte die Vollversammlung namens des Reichskanzlers, der zu feinem leb­haften Bedauern verhindert sei, der heutigen Versammlung bei­zuwohnen. In seiner Rede sagte der Staatssekretär, er könne den Herren die Versicherung geben, daß den Beschlüssen des Deutschen Handelstages wie früher auch von ihm das Gewicht beigelegt würde, das dem Zentralorgan von Deutschlands Handel und Industrie zukomme. Alle seien sich darüber klar, daß die Zeit angespanntester Tätigkeit im Abnehmen begriffen sei und die Industrie einer ruhigeren Zeit entgegengehe. Die Verände­rung werde am deutlichsten in unserem Außenhandel in die Er­scheinung treten, doch möchte er davor warnen, der Neigung, den Außenhandel zum alleinbestimmenden Maßstab für die Be­urteilung des Standes unserer Volkswirtschaft zu machen, allzu­sehr nachzugeben. Neben der rastlosen Energie unserer Export­preise verdanken wir nicht zum mindesten der gewachsenen Ver­brauchstätigkeit des Inlandes, insbesondere auch der handarbeiten­den Bevölkerung, den Aufschwung der letzten Jahre. Die ver­mehrte Kaufkraft der heimischen Bevölkerung zu erhalten und weiter zu entwickeln, müsse unsere besondere Aufgabe sein und bleiben. Diese Aufgabe könne aber nicht allein durch staatliche Maßnahmen gelöst werden; auch die Produzenten selbst, vor allem die Industrie, müßten daran mitarbeiten. Zum Schlüsse sagte der Staatssekretär, es sei sein lebhafter Wunsch, baß alle wirtschaftlichen Interessenvertretungen und industriellen Verbände sich die Bedeutung und Bewahrung der Lebenshaltung und damit die Kaufkraft der werktätigen Bevölkerung in Zeilläuften wie den gegenwärtigen bei ihren Maßnahmen vor Augen halten. Gerade bei dem Deutschen Handelstage hoffe er ein besonderes Verständnis für diese Anschauungen zu finden, weil die Herren durch die Bereinigung von Handel, Industrie und Schiffahrt in ihren Reihen veranlaßt worden seien, die größeren allgemeinen Ge­sichtspunkte mehr in den Vordergrund zu stellen. Er sei sicher, daß auch die diesjährigen Beratungen von diesem Geist getragen sein werden.

Nachdem das Andenken der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder durch Erheben von den Sitzen geehrt worden war, trat man in die Tagesordnung ein. Ue6et den PunktF ern - sprech gebühr en" gelangte eine ssiesolution zur Annahme, in der es heißt: Der Deutsche Handelstag erblickt in der Be­seitigung der Pauschgebühren und der ausschließlichen Behebung von Grund- und Gesprächsgebühren eine wesentliche Verteuerung dieses unentbehrlichen Verkehrsmittels und eine neue ungerechte Belastung von Handel unb Industrie zu Gunsten des platten Landes und spricht sich entschieden gegen die geplante Neuerung und für Bei­behaltung der Pauschalgebühren aus. Daraus folgte ein Re­ferat über das Börse ngesetz durch den ersten Vizepräsidenten der Handelskammer Berlin, Franz v. Mendelssohn, der ausführte, daß die fortgesetzten Enttäuschungen berechtigter Hoffnungen hin­sichtlich einer durchgreifenden Reform des Börsengesetzes, nament­lich innerhalb des unmittelbar betroffenen Berufsstandes, eine tiefgehende Erbitterung erzeugte. Der von der Regierung dem Reichstage vorgelegte Entwurf könne als ernsthafter Versuch, die schlimmsten Mißstände zu bekämpfen und als^eine geeignete Grund­lage für eine die Vertragstreue unt> die Verkehrssicherheit im Börsengeschäft hebende Reform bezeichnet werden. Dagegen sei die gegenwärtige Börsengesetzkommission des Reichstages zu Be­schlüssen gekommen, die, wenn sie Gesetzeskraft erhielten, dazu führen würden, die bestehenden Verhältnisse noch wesentlich zu verschlechtern, und die sich in ihrer Gesamtheit wie ein Hohn aus­nehmen auf die jahrelangen Klagen und Wünsche des deutsck)en Handelsstandes. Der Referent schloß mit der Aufforderung an den Handelstag, feinen Zweifel darüber zu lassen, daß ein Scheitern der Novelle, und ebenso eine Annahme in verstümmelter Form von unberechenbaren Folgen nicht allein für unsere Börse, nicht allein sür unseren Handclsstand, sondern für unsere nationale Volkswirtschaft sein werde. Der Redner beantragt eine R e- olution, in der es heißt: Der Deutsche Handelstag gibt feiner Uebecjeugung Ausdruck, daß die von der Regierung eingebrachte Börsengesetznovelle unter Berücksichtigung der von dem Ausschuß des Deutschen Handelstages in feiner Erklärung vom 6. Dez. 1907 als notwendig bezeichneten Ergänzungen und Acnderungen eine geeignete Grundlage, für eine die Vertragstreue und die Verkehrssicherheit im Börsengeschäft hebende Reform bietet Er mißbilligt aufs schärfste die von der Börsengesetzkommission des Reichstags gefaßten Beschlüsse und richtet an die gesetzgebenden Körperschaften das dringende Ersuchen, mit aller Entschiedenheit diesen Beschlüssen entgegenzutreten, sowie der deutschen Börse endlich die Möglichkeit wiederzugeben, ihre nationalen und wirt­

schaftlichen Aufgaben zu erfüllen. Diese Resolution lourde eilt* stimmig angenommen.

Nachdem die Resolution betr. des Börsengcsetzes einstimmig zur Annahme gelangt war, erstattete der Präsident des Deutschen Handelstages Kampf über die Frage desSchcck-undHeber- weifungsverkehrs Bericht. Derselbe sagte u. a.: Er be­grüße zunächst die Tatsache als erfreulich, das; der deutsche Handel in überraschend kurzer Zeit nicht nur zu einem Schcckgesetz, son­dern sogar zu einem guten Scheckgesetz gekommen sei, das, wenn man auch über einzelne Punkte noch streiten konnte, doch im großen und ganzen den Bedürfnissen des Verkehrs und den Wünschen entspreche, welche seitens des Handelsstandes seinerzeit zum Ausdruck gebracht worden seien. Es werde durch dieses Gesetz der Regreß gegen die Aussteller und Indossanten ge­regelt, unb es werbe bie Stempclfreiheit bes Schecks ausge­sprochen; cs seien keine Strafbestimmungen in bas Gesetz aus­genommen worben, vielmehr unterliege ber Scheckverkehr lediglich ben allgemeinen Bestimmungen bc3 Strafgesetzbuchs. Die Prä­sentationsfrist fei auf zehn Tage bemessen, was einen Kompromiß darstelle zwischen ben Anschauungen derjenigen, die den Scheck als Zahlungsmittel, unb berjenigen, bie ihn als Umlaufsmittel betrachten wollen; auch sei bie Unwiberruslichkeit bes Schecks bis zum Ablauf ber Präscntationsfrist ausgesprochen. Endlich sei der Scheck zur Verrechnung auf eine gesetzliche Basis gestellt. Wenn somit das Schcckgesetz mit Genugtuung begrüßt werden könne, so dürfe doch nicht vergessen werden, daß es allein noch keinen Scheckverkehr Hervorrufe, baß cs vielmehr nur bazu be­rufen fei, bie Hinbcrnisse aus bem Wege zu räumen, bie sich bisher ber Ausbehnung unb ber Popularisierung des Scheckver­kehrs in den Weg gestellt hätten. Der Redner unterbreitete der Plenarversammlung schließlich folgende Erklärung:Der Deutsche Handelstag begrüßt das Reichs-Scheckgesetz mit Genug­tuung, da es in feinen Hauptbestimmungen die von dem Handels­lage geäußerten Wünsche erfüllt und geeignet erscheint, den Be­dürfnissen des Verkehrs zu entsprechen. Es ist zu hoffen, baß dieses Gesetz die Bestrebungen, die auf die Einbürgerung des Ueberweisungs- unb Scheckverkehrs in Deutschland gerichtet sind, wirksam unterstützen wird. Der Deutsche Handelstag fordert alle seine Mitglieder auf, biese Bestrebungen unausgesetzt zu fördern unb vertraut, baß auch bie Staats- und Gemeindebehörden sich mehr unb mehr biesen Bestrebungen anschließen werben, damit bie wirtschaftliche Bebeutung bes Ucberweisungs- unb Scheckver­kehrs in vollem Umfange zur Geltung gelange und burch die Ersparung barer Zirkulationsmittel int Zahlungsverkehr dauernd zur Erleichterung des beutschen Geldmarktes beigetragen werbe." Diese Resolution wurde gleichfalls ein stimmig an­genommen.

Heber die Detailliftenkammern berichtete fobann ber Generalsekretär bes Deutschen Handelstages, Dr. Sötbcer- Berlin. Gewöhnlich werde nicht unterschieden, ob cs sich um eine Vertretung des Kleinhandels, ber bie Waren dem Verbraucher zuführe unb baher auch Großbetrieb sein könne, ober um eine Vertretung ber Kleinbetriebe im Hanbel hanble. Neben ber be- sonberen, in ben Bundesstaaten verschiebenen Vertretung des Klein­handels unb ber kleinsten Betriebe hätten bie Handelskammern in allen Bundesstaaten bie Interessen des gesamten Hanbels, wie ber Jnbuftris wahrzunehmen. Gewiß seien der Kleinhandel unb bie Kleinbetriebe nicht entsprechend ihrer großen Zahl in ben Hanbelskammern vertreten, barum Imirben ihre Interessen aber nicht vernachlässigt. Nicht nur alle Hanbelskammern, auch bie Detaillisten selbst wollten größtenteils von Detaillistenkammern nichts wissen, wie durch die Verhanblungen bes ZentralverbonbeS bcutscher Kaufleute unb Gewerbetreibender bewiesen werde, da sic nicht Kaufleute zweiter Klasse werden wollten. Die Befür­worter der Detaillistenkammern erstrebten in ihnen hauptsächlich Organe zur Bekämpfung beS Großbetriebs im Kleinhandel. Ein solcher Kampf bürste nicht gesetzlich organisiert werben. Heber biesen Gegenstand entspann sich eine sehr aus- gebehnte Diskussion, an ber sich Geheimrat Metz-Freiburg, Wahl- Barmen, van Rhein-Krcfelb, Höchberg-Frankfurt a. M., HandelS- kammersekretär Stumpf-Osnabrück, Synbikus Dr. Planer-Karls­ruhe, Dr. Kanter-Braunschweig, Kommerzienrat Seligmann-Köln, Synbikus Dr. Ehlcrs-Berlin, Fürfter-Görlitz, Hoyer-Delmenhorst, Bahr-Landsberg, sowie ber Referent beteiligten.

Die von einzelnen Diskussionsrebnern eingebrachten Anträgs würben sämtlich abgelehnt, unb ber Ausschußantrag mit einer kleinen Acnbcrung in folgenber Fassung angenommen. Die Er­richtung besonderer Körperschaften zur Vertre­tung des Kleinhanbels ober ber kleinen Hänbler ent­spricht nicht bem allgemeinen Wunsche ber Beteiligten, wird vielmehr zurzeit ausbrücklich von ihnen abgclehnt. Hnbeschabet befonbercr Einrichtungen in einzelnen VunbeSstaaten haben bie Handelskammern die Bestimmung, die Interessen des gesamten Handels, wie der Jnbustrie wahrzunehmen, und sie sind in der Lage, ihrer Bestimmung gerecht zu werden. Eine Ausscheidung ber Kreise des Kleinhanbels aber der kleinen Händler würde für diese Kreise nicht von Vorteil sein, ba eine eigene Vertretung weniger wirkungsvoll unb kostspielig wäre. Vor allem aber würbe sie eine bebauerliche Zersplitterung in ber Interessenvertretung für Hanbel unb Industrie herbeiführen mtd gegenüber ber ge­schlossenen Vertretung ber Landwirtschaft unb bes. Handwerks, sowie gegenüber ber Regierung von großem Nachteil sein. Der Deutsche Hanbelstag erklärt sich baher gegen die Errichtung b e» ionberer Körperschaften ber bezeichneten Art.

Aus und LtruS.

Gleßen, 21. März 1908.

Tageskalenber. Stadttheater: Sonntag nachmittag 3*/2 Uhr:Robert und Bertram*; abends 71/, Uhr:Zapfenstreich".

Geistliche Musikauführung des Evang. Kirchen* gesangvercins Sonntag abend 6 Uhr in der Stadttirche.

Kolosseum: Samstag abend und Sonntag nachmittag Gastspiel von Danny Gürtler (gewöhnliche Preise). Sonn­tag abend ebenfalls Vorstellung.

Klnematographen-Theater: Programmwechsel. Kaiserpanorama: Programinwechsel:Salzkamnrergut.

** Kaiser in Oberhesfen. Wie man uns aus L-chli tz niitteilt, trifft der Kaiser nach seiner Reise von Korfu etwa Mitte Mai zum Besuche des Grafen zu Schlitz genannt von Görtz, in Schlitz ein. Man geht wohl nicht fehl in der