Erstes Blatt'
158. Jahrgang
Nr. 145
Dienstag 23. Juni 1908'
■J1
35. hessischer Sauturnfest.
eh. Lich, 22. Juli.
Zum 35. Male versammelte von Samstag bis heute der Turngau Hessen seine Getreuen zum Gauturnfest, damit zugleich eine Probe zum Deutschen Turnfest in Frankfurt verbindend. Trotz dec teilweise recht unfreundlichen Witterung nahm das Fest einen recht guten Verlauf, wozu die großartige Gastfreundschaft der Licher Bürgerschaft, die sich in reichem Straßenschmuck und trefflichen Turnerquartieren kundgab, und die umsassenden Festvorbereitungen durch den Festausschuß nicht wenig beitrugen. Auch das fürstliche Haus wandte dem Fest seine Sympathieen zu und der liebenswürdige Protektor, Fürst Karl zu Solms- Lich nahm mit seiner ganzen Familie an ihm teil. Auch die „Spitzen" förderten ausnahmslos das Fest, vor allem die beiden Festpräfidenten Oberamtsrichter Rausch und Kammerrat Baron von Löw. Der geräumige Festplatz lag dicht bei der Stadt an der Straße nach Nieder-Bessingen, er bot eine wundervolle Aussicht. Von fernher grüßte der Hoherodskopf, der zuletzt die Turner des Gaues Hessen zu frohem Wettkampf versammelt hatte.
Am Samstag abend beganrü das Fest mit einem seitlichen Zug zum Festplatz, wo sich bald ein fröhlicher Bierkommers entwickelte. Der Gesangverein „Cacilia" verschönte die Veranstaltung durch den Vortrag einiger hübscher Chöre und die Licher Turner zeigten ihre Kunstfertigkeit im Pyramidenstellen.
Der Sonntag brachte dann vom frühen morgen an zahlreiche auswärtigk- Turngäste, die bald das freundliche Städtchen mit ihrem frohen Treiben erfüllten. Am Nachmittag bewegte sich der stattliche Festzug durch die Straßen zum Festplatz. Ueber 1000 Turner mit etwa 30 Fahnen wurden gezählt und zwar marschierten die Vereine, nach Turnbezirken geordnet, in folgender Ordnung: Annerod, Burgsolms, Daubringen, Dorlar, Gießen T.-V., Gießen, M.-T.-V., Großen-Buseck, Großen-Linden, Grün- bera, Heuchelheim, Hochelheim, Hörnsheim, Klein-Linden, Krofdorf, Langgöns, Laubach, Leihgestern, Lich, Lollar, Lützellinden, Naunheim, Niedergirmes, Staufenberg, Steinberg, Treis a. d. L., Watzenborn, Wetzlar, Gedern, Hungen, Langsdorf, Mufchenheim, Nidda, Ortenberg, Schotten, Alsfeld, Lauterbach, Schlitz, Bad- Nanlwim, Butzbach, Dorn-Assenheim, Friedberg, Gambach, Griedel, MünMber^ Nieder - Weisel, Nieder - Wöllstadt Ober - Mörlen, Steinfurt, Amöneburg, Kirchhain, Marburg, A. T.-V., Marburg, T.-G., Marburg, T.-V., Ockershausen.
In strammer Ordnung — trotz des inzwischen eingetretenen schlechten Wetters — zogen die Turner vorüber, und wenn die liebreizenden Licherinnen sie nicht so herzlich begrüßten, wie es die schmucken Jungen eigentlich verdient hatten, so wird wohl das strömende Naß die Schuld daran haben
Auf den: Festplatz begrützte Berg. Heller die Turner und Gäste rm Namen der Stadt, worauf der Festpräsident Oberamtsrichter Rausch die Festrede hielt. Seine Worte, em Hohes- lied auf das deutsche Turnen zeigten von tiefem Verständnis, für die idealen Aufgaben der Deutschen Turnerschaft, sie mögen deshalb zur Nachachtung hier ihren Platz finden:
Durchlauchtigste HerrsckMftcn, geehrte Festversammlung!
Me die meisten Feste, so schreitet auch ein Gauturnfest mit nicht geringem äußerem Gepräge einher. Allein über den wahren Charakter des Festes lvürde sich doch tauschen wer m demselben nur ein Schaustück sehen wollte, bestimmt, die Schaulust der Menge zu befriedigen. Nein, das Fest hat einen tieferen Gehalt.
L In erster Linie sollen heute die T u r n v e r e i n e o s f e n t - liÄ zeigen, mit welchem Eifer sie auf ihren hermifchen Turnplätzen die Kraft ihres Körpers gestählt uiib ihre Gewandtheit gefördert haben. Im Hinblick auf das in wenigen Wochen ftatt--- nndende allgemeine deutsche Turnfest wird aber das heutige Jest geradezu zu einer Prüfung für •ben ganzen Gau aus das, was
Allerhand Kommentare.
Mlenn es auf der Weltbühne still ist und wenn keine neuen Ereignisse die Politiker beschäftigen, beschäftigen sich die maßgebenden Blätter des In- und Auslandes gern mit Kommentieren. Man kommentiert alles nur möguche und leitartikelt über Dinge, die jedem ohnehin selbstverständlich sind. Eine solche Zeit der Kommentierungen ist auch jetzt wieder angebrochen, und den Hauptstoff geben diesesmal die letzten Auslassungen der „Nordd. Allg. Ztg." ab. Die Londoner Blätter drücken ihre Verwunderung darüber aus, daß Deutschland, das immer wieder betont, seine Flotte sei nur für friedliche Zwecke gebaut, den Engländern krie- ;erische Absichten zuschiebt. Der konservative Standard indet es geradezu lächerlich zu behaupten, England ver- uche Deutschland einzukreisen oder zu „stellen". England ei für den Krieg gänzlich unvorbereitet. Die Armee sei von Kriegsminister Haldane unterminiert und teilweise vernichtet, also in allen Richtungen sei England schwach gerüstet und unvorbereitet. Das ganze Gerede in Deutschland über die feindlichen und kriegerischen Absichten Englands sei auf Unkenntnis England und der englischen Politik begründet und müsse zurückgewiesen werden.
Natürlich gibt sich auch die Pariser Presse mit Betrachtungen über den Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." ab. „Debats" finden den Teil des Artikels, der sich auf die Widerlegung der Gerüchte und Beschuldigung bezieht, nicht völlig befriedigend, weil die deutsche Regierung durch ihr langes Schweigen die Meinung Europas so lange int unklaren gelassen habe. Sie erkennen aber die Tendenz der ganzen Veröffentlichung mit mannen Morten an. „Liberts" schreibt: „Diese Dementis bezeugen, wenn sie auch etwas spät kommen, unleugbar den Wunsch, die öffentliche Meinung zu beruhigen. Ueber die Kaiserworte hat sich übrigens nur die öffentliche Meinung Deutschlands aufgeregt." Nach Aeußerungen einiger Politiker und Persönlichkeiten aus Regierungskreisen ist anzunehmen, daß die' Klarheit der Ausführungen im allgemeinen hier einen ganz vortrefflichen Eindruck gemacht hat. Namentlich die Gerechtigkeit des Satzes, der einem Teil der deutschen Presse die Mitschuld an der sensationellen Vergrößerung derartiger Ereignisse gibt, ist hier angenehm vermerkt worden, besonders da bei dieser das taktvolle und friedliche Verhalten fast der gesamten Presse rückhaltlos anerkannt werden muß.
Wie dem Pester „Lloyd" aus Wien mitgeteilt wird, soll der Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." in österreichi- fch en politischen Kreisen großes Befremden erregt haben. "Man sehe in anderen europäischen Hauptstädten die Lage durchaus nicht für jo ernst an, wie sie nach den -Auslassungen des genannten Blattes scheinen könnte. Es widerspricht daher den tatsächlichen Verhältnissen, wenn die große Oeffentlichkeit den Artikel als Alarm-Signal aufsasje und daraus beunruhigende Folgerungen ziehen würde.
Nach einer anderen Meldung beurteilen Wiener maßgebende politische Kreise die allgemeine politische Situation sehr ruhig, finden aber trotzdem den Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." sehr am Platze. Man ist geneigt, anzunehmen, daß der Hinweis auf die Wehrfähigkeit des Deutschen Reiches bis zu einem gewissen Grabe gute Früchte tragen wird, nur dürfe Deutschland den Bogen nicht zu straff spannen.
Die Kommentare über die „Nordd. Allg. Ztg." sind aber nicht die einzigen: Ein französisches nationalistisches Blatt hatte, wie das offizielle radikale Organ Lanterne schreibt, jn einer nicht zu verkennenden Absicht das Gerücht verbreitet, nach der Kammersitzung vom Freitag, in welcher Deutschland wegen der Marokko-Politik in die Debatte hin- eingezogen worden war, habe Clsmenceau seinen Kabinettschef zu dem deutschen Botschafter Fürst Radolin gesandt, um bezüglich der Apostrophe Pichons zu Jaures Erklärungen abzugeben. Die „Lanterne" stellt nunmehr fest, daß dieser Besuch nicht einen politischen Charakter trug, den das nationalistische Blatt ihm Zuschreibt. Fürst Radolin hatte schon öfter Clernencean zu Diners eingeladen, aber Clömenceau war jedesmal durch vorherige Verpflichtungen verhindert gewesen, dieser Einladung Folge zu leisten. Vorgestern erhielt Clsmeneeau wiederum ein freundschaftlich gehaltenes Schreiben des Fürsten Radolin, worin dieser Clßmenceau auf nächsten Dienstag einlud. Da nun der Ministerpräsident für diesen Tag eine Einladung des japanischen Botschafters angenommen hatte, erachtete er es für richtig, seinen Kabinettschef zum deutschen Botschafter zu senden, um seinem Bedauern Ausdruck zu geben, daß er abermals nicht in der Lage wäre, der Einladung Folge zu geben mit dem Ersuchen, der Fürst möchte einen anderen Tag bestimmen. Dieser Zwischenfall, sagt das Blatt, gestattet uns, gegenüber gewissen tendenziösen Informationen die guten Beziehungen zwischen dem Vertreter Deutschlands und unserem Regierungschef festzustellen.
Interessanter als diese Mittellung der „Lanterne" ist aber ein Leitartikel der französischen Wochenschrift „Opinion" über Kaiser Wilhelm II., den „Mutualiste u". Der Artikel ist von Professor Leopold Mabilleau, dem Präsi- denten der internationalen Vereinigung für Mutualismus, geschrieben, der im Jahre 1907 in Kiel mit dem Kaiser zusammen war.
Wilhelm der Zweite, der sich selbst in das Album einer jungen Französin als „Wilhelm I. R. Mutualist" eingeschrieben hat, ist für Mabilleau zwar kein Mutualist im Sinne Proudhons, aber er fühlt sich, wenngleich als Deutscher durch und durch, doch auch als hervorragendes Mitglied einer Weltbrüderschatt, in der er leitend und verantwortlich tätig sein will.
Mabilleau schreibt weiter: „Der Kaiser erträumt die Vereinigten Staaten von Europa unter der Hegemonie Deutschlands, aber er will von dieser Hegemonie keinen
anderen Vorteil ziehen, als durch sie den harmonischen und friedlichen Fortschritt aller Völker herbeizuführen." Bevor Mabilleau aber zu diesem Resultate seiner Beobachtungen kommt, das interessant genug ist, wenn es auch die Ideale des Kaisers den Franzosen nicht sympathischer machen wird, schildert er den Menschen und Fürsten, wie er ihn in längeren Unterhaltungen kennen lernte. Von den Ansichten des Kaisers und von dessen Gedanken, wie er sie zu Mabilleau geäußert haben soll, sei folgendes mitgeteilt:
„Zunächst spricht Mabilleau von bem Glaubet! Wilhelms II. an seine Mission und hebt hervor, daß der Kaiser durchaus friedlich gesinnt sei und nur den Wunsch habe, daß andere Völker ihn nicht zum Kriege zwingen möchten. Er wolle das Glück seines Volkes durch Entwickelung des Mlohlstand durch Förderung von Kunst und Wissenschaft herbeiführen. Er habe geäußert: „Was soll mir eine Provinz mehr, erkauft durch Zerstörung, durch Haß und ElAid? Deutschland kann nichts gewinnen, wenn es den Frieden bricht, der ihm seit 37 Jahren nur Segen gebracht hat. Nur wenn es um Ehre und^Leven ginge, dürfe man sich schlagen. Nur wenn etwa eine europäische Koalition bie Freiheit Deutschlands begrenzen und das Glück der Nation gefährden würde, dürfe man kämpfen!"
Tann werden Worte angeführt, die sich direkt an die Adresse Frankreichs richten. „Welch ein Wider sprach in den äußerlich so korrekten Beziehungen dieser Länder! Wollen Sie Revanche? Nein! Ta Sie fte nicht vorbereiten, da Sie nicht daran denken, einen Angriff zu organisieren, vielmehr im Vertrauen auf den Frieden ihren Geschäften nachgehen, so soll also Friede sein! Warum dann aber die Gegensätze bei jeder Gelegenheit so verschärfen, da doch niemand davon einen Nutzen hat? ZwischenXuns gibt es nur eine vernünftige Politik: ein entschlossenes Bündnis, das die Rechte jedes einzelnen schützt und mit dem Brudermord ein Ende macht. Tenn wenn Deutschland und Frankreich desinitiv einig sind und in ihre Freundschaft Oesterreich, Italien und Spanien mit einbeziehen, von wem könnte bann ein Krieg heraufbeschworen werben?"
„Und Elsaß-Lothringen?" warf Mabilleau ein?!
Darauf habe der Kaiser erwidert: „Sprechen wir nicht davon! An Ihnen ist es, sich stark und geschickt genug zeigen im Rate der Welt, um Kompensationen zu erhalten, die auf der Karte von Europa in zwanzig Jahren sicher möglich sein werden! Sie müssen selbst wissen, ob Ihre Ehre, Ihre, ganze Politik, Ihre ganze Zuvinst von dem Wiedergewinn eines Erdenwinkels abhängig sein soll, den ich Ihnen nicht geben kann, und den Sie nicht zu nehmen vermögen! Gilt die europäische Zivilisation nicht mehr als ein Gefühl?"
man von ihm in Frankfurt a. M. erwarten darf. Ich bin überzeugt, daß gerade dieser Ausblick auf das Frankfurter Fest wesentlich mitwirken wird, die Turner zu den höchsten Leistungen cmzu- spornen und zu begeistern.
II. Seine größte Ausgabe erfüllt aber das Gauturnfeft darin, daß es die Wichtigkeit und hohe Bedeutung des Turnens aller Welt klar vor Äugen führt. ®iei exakten Uebungen und gewandten Bewegungen werden ihren Ein-- druck auf die schauende Menge nicht verfehlen. Das Interesse' und Verständnis für die edle Turnsache wird geweckt und belebt. Ihr werden neue Freunde gewonnen werden, auch aus den Reihen derer, die ihr seither noch fremd oder gleichgültig gegenüber standen.
1. Gar Manchem wird auf solchem Feste der Gedanke kommen: „es ist doch eine herrliche Sache um das Turnen, es ist ein Segen für den Einzelnen, wie für das ganze Volk.
a) Ein Segen für den Einzelnen ! Niemand zweifelt heute mehr, daß das Turnen den Leib gesund und stark macht, den Willen festigt, den Mut belebt, Selbstbeherrschung und Entschlossenheit fördert, Erholung und Freude nach der einseitiges Alltagsarbeit bringt.
Mit der Gesundheit des Körpers geht aber diejenige des Geistes Hand in Hand. Dies wußten fdjon die Alten, welche baS,1 bekannte Wort prägten, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen könne.
Wer aber durch Turnen seinen Körper gestählt, der wird auch bejser gerüstet den Kämpfen und Sorgen des Lebens, die ja auch dem Turner nicht erspart bleiben, gegenüber stehen.
b) Wie aber das Turnen zum Segen für den Einzelnen wird, so gereicht es auch zum Segen und Nutzen für den ganzen Staat. - Dies wird auch in weiteren Kreisen immer mehr anerkannt. Es: wird Ihnen bekannt sein, daß sich heute eifrige Bestrebungen geltende machen, das Turnen für die schulentlassene Jugend obligatorisch^ zu machen. Die Regierungen bringen bereits dieser Sache im Hinblick auf ihre große Bedeutung reges Interesse entgegen. Und allem Anschein nach wird man die Turnvereine zu Hilfe rufen, damit diese neben der geistigen Ausbildung der schulentlassenem Jugend durch Gewerbe- und Fortbildungsschulen die körperliche, Erziehung derselben in die Hand nehmen. Auf diese Weise soll! insbesondere die Erhöhung der Wehrfähigkeit der Jugend erstrebt^ werden, auf daß dem Vaterlande im Falle der Gefahr streitbare Männer zur Verfügung stehen.
Unter dem segensreichen Einflüsse des Turnens1 auf leibliches j und geistiges Wohl entwickeln sich aber auch herrliche Eigenschaften im Menschen. Mit Recht \chreibt der Turner auf seine Fahne die goldenen Worte: „Frisch, Fromm,! Fröhlich, Frei." Denn den Turner, wie er sein soll, kennzeichnet' das frische Wesen, das mit Wagemut an bie Ausgaben des Le-! bens heranttitt, ihm eignet sich das fromme Gemüt, das auch^ im wechselvollen Getriebe und Sturme des Lebens seinen Gott! nicht vergißt, ihn schmückt der sröyliche Sinn, der unzerttenn-! liche Gefährte eines frommen Herzens, ihn edelt der freie Mut,j der sich nicht beugt, wo unbefugte Gewalt sich regt, der sich aber! aus freiem Antriebe gern und willig göttlicher und menschlicher Ordnung fügt.
Diese hervorragenden Eigenschaften werden im Schoße dec Turnvereine gepflegt. .Sie finden hier eine sichere Schutzhütte, i Von da aus aber senden sie wieder ihre Strahlen in das Volksleben hinein und in ihrem hellichten Scheine können so manche schädliche Einflüsse, die heute unser Volksleben bedrohen, .nicht zur Entfaltung kommen.
So liefern die Turnvereine dem Staate fort und fort brauchbare Bürger und wehrhafte Männer zugleich. Es ist fein Zweifel, daß in diesem Sinne die Turnvereine überaus verdienstliche Arbeit für das Vaterland leisten. Neben den Kriegervcreinen bilden sie unleugbar einen der sichersten Horte für nationale Bestrebungen^
III. Und im Hinblick hierauf können wir das Gauturnsestt auch in Wahrheit als ein echt patriotisches Fest begehen.
Bei biesem Gedanken wendet sich über unwillkürlich unser Blick zu dem hin, in dem wir die Verkörperung der Einheit, Macht und Größe des deutschen Vaterlandes sehen, zu unseremj Kaiser. Wir wissen von ihm, daß er in seinem weil schau enden! Geiste ein kraftvoller Beschützer und Gönner der edlen Turn-! fache ist. Ihm gebührt daher zunächst unser ehrfurchtsvoller Gruß. i
Als Treue Hessen sind wir alle aber auch eins in der Liebe« und Verehrung zu unserem angestammten Herrscherhause, eins in der Liebe und Verehrung zu unserem Großherzog. Ihm gilt daher nicht minder unser ehrfurchtsvoller Grutz
Unsere treue nationale Gesinnung aber wollen wir nicht unterlassen, bei Gelegenheit des heutigen Festes zum Ausdruck zu bringen, indem wir zur Eröffnung desselben einstimmen in den
S. M. der Kaiser und S. K H. der Großherzog leben hoch, hoch, hoch.
Dann sprach Gauvertreter Helm-Gießen nach Begrüßung des Protektors den Dank der Gäste an Stadt und Bürgerschaft'' aus und brachte ihr ein „Gut Heil" aus. Der Protektor Fürst Karl, der mit seiner ganzen Familie, das errichtete Festzelt! verschmähend, inmitten des Ausschusses Aufstellung genommen hatte, begrüßte seinerseits die Turner und brachte in herzlichen Worten ein Hoch auf den Gau Hessen aus.
Unter Gcmturnwarts Will (Gießen) Leitung gab es dann einen flotten Aufmarsch in drei Vierersäulen, woran sich die Vorführung der für das Frankfurter Turnfest bestimmten Sonderübung des Gaues in Stabübungen schloß. Der 2. Gautum- wart Günther- Marburg turnte sie schneidig vor, und die 300 Turner führten sie schneidig aus. Die sehr gefälligen und dabei recht schwierigen Uebungen klappten vorzüglich und lassen erhoffen, daß der Gau Hessen in Frankfurt mit Ehren bestehen wird. Keulenübungen, die ebenfalls für Frankfurt bestimmt sind, und von 40 Turnern ausgeführt wurden, schlossen sich an. Auch sie wurden gut ausgeführt.
Von öfters niedergehenden Regenschauern unterbrochen kam sodann das Turnen der 55 Musterriegen zur Ausführung. Alle Riegen turnten am selbstgewühlten Gerät und vorgeschriebene Stabübungen. Man sah dabei recht viel Schönes und der aus-, merksame Beobachter konnte sehen, wie sehr groß die im Gan gemachten Fottschritte sind, und mit welcher Liebe sich alle Teilnehmer ihren Aufgaben widmeten. Nur 2 Riegen erreichten nicht die vorgeschriebene Punktzahl. Nachstehend geben wir die Liste der Ausgezeichneten: 1. Turner. 1. Wetzlar, Pferd 37.18 Punkte; 2. Gießen, M.-T.-V., Reck 33.53; 3. Großen-Linden, Barren 32.95; 4. Alsfeld, Barren 32.60; 5. Steinberg „Gut Heil" Barren 32.47; 6. Lollar, Barren 32.03; 7. Krofdorf, Barren 31.81; 8. Ober-Mörlen, Pferd 31.26; 9. Steinfurth, Barren 31.25; 10. Marburg, T.-V., Pferd 30.93; 11. Butzbach, Barren 30.75; 12. Treis a. d. L., Barren 30.46; 13. Lauterbach, Barren 29.96; 14. Naunheim, Pferd 29.62; 15. Schotten, Barren 29.56; 16. Marbach, Barren 29.30; 17. Marburg, T.-G., Reck 29.21; 18. Treis a. d. L., Pferd 29.01; 19. Lang-)
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