Säckelgraben gespeiste Wasserwerk. Er bezeichnete das Verhalten des Staates bei diesem Handel als wenig rücksichtsvoll. Dieser habe, trotzdem er bei dem Geschäft einen glatten Verdienst einsteckte, nachher um den Preis des von ihm für seinen Badebetrieb bezogenen WasserS gefeilscht. Um das Werk, das der Stadt insgesamt auf ü03 820 Mk. zu stehen kam, rentabel, zu machen, wurde der Preis auf 30 Pfg. für den Kubikmeter festgesetzt, der Staat dageaen weigerte fick, auch nur 25 Pfg. dafür zu bezahlen. Es wurde bei den Verhandlungen in Darmstadt, bei denen es ziemlich erregt Berging, von einer Seite sogar die Ansicht geäußert, die Stadt für ihr geringes Entgegenkommen durch Stillegung des Badebetriebes zu bestrafen. Schließlich wurde die Stadt dadurch zum Nachgeben gezwungen, daß der, Finanzminister Gnauth erklärte, wenn der Wasserpreis nicht auf 20 Pfg. für den Staat herabgesetzt würde, dann würde die Regierung der Ständekammer die Vorlage zur Bewilligung der Summe nicht einbringen, die zur Inbetriebsetzung des elektrischen Werkes nötig sei. Da sich aber in der Stadt schon viele auf den Anschluß an dieses für die Saison eingerichtet hatten, so mußte die Stadt nachgeben.
Noch mehr sollte die Freude über das neuerworbene Wasserwerk getrübt werden durch die 9cöligung, sich trotz, seiner an die staatliche Gruppenwasserversorgung anzuschkießen. Man hatte gehofft, auf Jahre hinaus mit Wasser versorgt zu sein. Nun aber wurden dem Stadtrat zwei sachverständige Gutachten vorgelegt, wonach eine stärkere Entnahme aus dem Säckelgraben als gefährlich für die Sprudel bezeichnet wurde. Unter Hinweis auf das Quellenschutzgesetz wurde also von der Stadt verlangt, sich der Gruppenwasserversorgung anzuschließen, deren Kvsten sich auf 1809 000 M. belaufen. In der Diskussion nahm Notar Stahl den Staat in dieser Angelegenheit insoweit in Schutz, als er darauf hinwies, daß die Stadt von diesem selbst vor dem Ankauf des Wasserwerks gewarnt worden sei. Aus dem alten Wasserwerk dierften täglich nicht mehr als 2500 Kubikmeter gepumpt werden. Tie Gruppenwasserversorgung dagegen liefert 5500 Kubikmeter täglich. Wenn sich die Stadt nicht an die Gruppenwasserversorgung angeschlossen hätte, hätte sie in der Tat sehr bald in die ärgste Verlegenheit kommen müssen. Im letzten Jahre, wo noch der Staat das Wasser von ihr bezog, genügte dessen Menge nur eben knapp. Jetzt, wo umgelehrt die Stadl ihr Waffer aus der staatlichen Leitung bezieht, erhält sie für ihre Zwecke 1500 Kubikmeter täglich zu jährlich 21 518 M. Tas städtische Wasserwerk wird nun stillgelegt werden bis auf vielleicht 2—3 Monate der Hochsaison, wo der tägliche Wasserbedarf die Menge von 1500 Kubikmeter Übersteigt.
Ter Anschluß an das staatliche Elektrizitätswerk erfolgte laut Vertrag zunächst für 15 Jahre. Es werden 25 Pfg. für die Kilowattsticnde bezahlt. Die elektrische Kraft dient der Beleuchtung und^dem Betriebe der Lifts. In ersterer Hinsicht stellt ja wohl das Elektrizitätswerk eine Konkurrenz gegenüber dem städtischen Gaswerk dar. Doch hofft man, daß der mit fortschreitender Entwicklung zunehmende „Lichthunger", sowie der Bedarf an Kochgas einen Ausgleich schaffen wird.
Noch undankbarer als die Wasserwerksangelegercheit ist für die Stadt die Frage der Kläranlage, über die der Gieß. Anz. ja kürzlich schon Ausführlicheres brachte. Tie jetzige Ableitung der Abwasser durch den alten Salinenkanal iu die Usa hat schon Prozeß- und EMschädiguugskosten genug verursacht, da deren Anwohner von der Verunreinigung ihres im Sommer sehr spärlichen Wassers mancherlei Nachteile hatten. Berieselung gestattet der undurchlässige Boden nicht. Die Fäkalienabfuhr, die in Friedberg vorgeschilagen wurde, ist für Häuser mit Wasserleitung und Klosettspülung ausgeschlossen. Ein Regierungsprojekt, für dessen Ausarbeitung sowohl Friedberg wie Vad-Nauheim je 800 M. bezahlten, erwies sich als unerschwinglich teuer. Tie Ableitung in, die Wetter schützt auch nicht vor alten Eventualitäten. Ein absolut zuverlässiges System für die vollkommene Reinigung der Abwässer gibt es nicht. Jedes hat seine sachverständigen Gegner. So handelt es sich also um einen Versuch, dessen Ergebnis mit Sicherheit kaum vorauszusagcn ist.
Im Zusammenhang mit der Kläranlage, die Trennung des Regenwassers und der Abwässer voraussetzt, ist auch eine Erneuerung der Kanalisation erforderlich, die gleichfalls erhebliche Kvsten verursachen wird.
Von weiteren Zukunftsplunen berührte Herr Minder noch das Schlachthaus und das Schwimmbad. Beide Anstalten wären am rentabelsten auszuführen, wenn sich zu diesem Zweck Friedberg und Bad-Nauheim freund nachbarlich zusammentäten. Leider ist aber für das Schwimmbad die rechte Zeit schon verpaßt, da Friedberg ein solches selbständig ausführen wird. Umso mehr ist zu hoffen, daß für das Schlachthaus, das zwischen beiden Städten so praktisch Platz hätte, eine Vereinbarung zustande kommt.
Don andern Bauten der Stadt ging der Redner noch ein au* die im vorigen Jahr vollendete Bwgpforle, die ja ihren Zwcck
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mit Geist und eröffnet inhaltsreiche Perspektiven. — Auch die Serie bisher unveröffentlichter Beethoven-Briefe wird fortgesetzt. — Frida Schanz ist mit Gedichten vertreten, unö Ulrich Frank gibt mit der „Geschichte dreier Ehen" eine nachdenkliche, inhaltsreiche und sehr temperamentvolle Arbeit. — Außer den ständigen Rubriken: Dramatische Kunst von PH. Stein mib Literarische Berichte von Johannes Schlaf usw. ist ein wahrer Kunstschatz von Bildern diesem Heile beigegeben. Tie Musikbeilagen von Bernhard Slaveuhagen: „Komm herbei, Tod!" und von Hugo Rann: „Sündige Liebe" mit Text von Prof. Wilhelm Altmann schließen das Heil.
— Der Verlag von Moritz Tie st er weg in Frankfurt a.M. erwirbt sich z. Z. nicht geringe Verdienste durch die Ver- cmstaltiuig einer Reihe „Deutscher Volksausgaben" wertvoller Lileraturwerte, in billigen und handlichen, gefällig ausgestatteteu Bändchen zum Durchschnittspreise von 1,50 Mk. Wir erwähnten bereits, daß Altendoifs „Antigone"-Verdentschm'.g eines dieser schmucken Bändchen bildet. Jetzt legt uns der Verlag feine von Tr. E- Prigge verständnisvoll eiiigelettele und für weitere Kreise mit Geschmack und Geschick gekürzte Ausgabe von W. Jordans Srgfrtbsage" vor. Diese bildet bekamrtlich den ersten Teil von Jordans gewaltiger Nibclimgen-Neubichtung, in der Geist und Leben uralter Zerren hercru'befchworen sind vom Geiste ber Neuzeit zu neuem Leben im Lichte des neuen deutschen Neichen Es ist em wahrhast nationales Werk, entftanbeu aus großzügiger den Weltgeist umspannender moderner Lebensbetrachtung, dessen tiefe Bedeutung tik die veredelnde Selbsieiuschätzuuq und Cetbsi- schätzung unieres Volkes immer noch nicht nach Gebühr erkannt ist. Der Vertag kündet n. a. auch noch das Erscheinen kleiner Ausgaben von Jordans Ilias- und Edda-Verdeutschung an, von denen wir wohl demnächst noch ausführlicher zu sprechen Gelegenheit finden werden.
— Eine Biographie Tolstois von seiner Frau wird in Kurzem unter dem Titel „Meine Beziehungen zu Tolitoi und seine Tätigkeit als Schriftsteller" erjeh reuen. Die Gräsiil ist immer die Sekretärin ihres Mannes gemefe-.i, hat fein literarisches Schaffen beobachtet und ihm ratend zur Seiie gestanden, und sie hat die Verösseutlichuiig betrieben. Tas Buch wird gleichzeitig in russischer, englischer, französischer, deutscher und ltalieiiischer Sprache erscheinen. Gräfin Tolsioi ift auch knrztich mit einigen mit Manuskripten geuillicu Koffern nach Moskau gekommen, um das „Tolstoi-Miijeum" emznrrckten.
Saubengels.
O lies, solang du lesen kannst, Len Knigge, — lies, solang du magst, Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Wo du vor Grobem stehst und klagst. Und streike fest, mein Journalist, yiennt man dich Ferkel, Sau und Schwein, Und sprich, wenii emer saugrob ift: Unmöglich kann man Gröber jein.
Du weißt trotz Gröbers „Saubub"-Ton, Wie günstig deine Sache steht, Denn er erbettelt morgen schon Publizität — Publizität!
Gottlieb (im „Tag").
Verbindung zweier Hauptstraßen, in praktischer und geschmackvoller Weise erfüllt, für die man aber die Kosten bei den ersten Be° ratungen im Stadthaus um mehr als die Hälfte unterschätzt hatte. Beim Schuckhardtbrunneil auf dem Aliceplatz, der ein Kunstwerk nach dem Muster italienifcher Brimncnanlageii werden sott, liegt die sinanzielle Frage vor, ob an seiner Seite die Obstverkaufsstänbe untergebracht werden können, die der Stadt eine nicht zu verachtende Mietsumme embrmgen. Für die nächste Zukunst ist ferner noch ein neues Krankenhaus an Stelle des alten, zu enge gewordenen nötig.
Von diesen städtischen Bauten aus fam der Reder dann auf die Neubauten überbauet zu sprechen. An den fiskalischen Neubauten auf dem Goldstein bemängelte er, daß sie zu nahe an die Eisenbahn herangerückt seien. Wohl habe mau fa soviel Rücksicht genommen, daß die geplanten Wetter- und Uscttalbahnen noch einmünden könnten, aber auch das schon nicht ohne Schwierigkeiten. Für den geplaiiten Bahnhofsumbau werden sich diese Schwierigkeiten noch ins Unüberwindliche steigern.
Bei den Privatbauten sei zu bedauern, daß man nach und nach vollständig die Pflicht außer acht lasse, der Stadt den Charakter als Kur- und Badeort zu wahren. Man hätte Bad-Nauheim als Gartenstadt, mit möglichst viel Luft und Licht, mit Laub- und Blumenschmuck weiter auSgeftalten sotten. Statt dessen bebaue man jetzt jeden Fleck, auf bem sich noch etwas unterbringen ließe. Ta werden Risalite angeflickt, Stockwerke aufgesetzt, Hinterhäuser in den Gärten errichtetz und da mau einmal auf diesen Weg geraten sei, so dränge nun ein Nachbar durch die Konkurrenz den andern 31t gleichem Vorgehen. Zur Zett der Landgemeinbeord- mmg habe man Straßen, wie bie Ludwig-», Teraffen-, Linden-, Bisuiarckstraße, als Garten- und Villenviertel angelegt. Seit der Grünberperiode in den neunziger Jahren habe bann leiber ber Umschwung eingesetzt. Der Stabtrat sei mm zwar zur Einsicht gekommen, und habe die schädliche Entwickluiig durch Versagen der Baugenehmigung in bestimmten Fällen abzubrechen versucht. Leider aber habe man da die Erfahrung machen müssen, daß der Stabtrat nur bann etwas gelte, wenn er „ja" sage. Wo er einmal „nein" sage, da bewiese man ihm mit den Paragraphen des Gesetzes, baß er in Wahrheit „nichts" zu sagen habe. Bei ber Einführung einer Polizewerorbnung, bei ber Anstellung eines Lehrers, wie bei ben legten Bauten sei bas immer bas Gleiche gewesen. Es bürste hier denn doch wohl eine Revision unserer Ver° waltungsgesetze am Platze sein.
Tas m letzter Zeit so vielbesprochene Koblensäurewerk kam auch noch einmal zur Besprechung, Die Situation hat sich inzwischen geändert, indem von beiden Seiten eine glückliche Nachgiebigkeit bewiesen wurde. Tie Stabt ist jetzt bereit, statt ber ursprünglich geforderten 80 000 Mk. fogar 150 000 Mk. zum Ankäufe bes Werkes beizutragen. Sie beansprucht bann aber auch bafür Boben und Gebäude desselben. Alle Schwierigkeiten sind damit freilich noch nicht aus der Welt geschafft, da der Staat nicht mehr wie 120 000 Mk. zuschießen zu können erklärt. Gegenüber bem von ben Inhabern des Werkes geforderten Preise (300 000 Mk.) bleibt also eine Differenz von 30 000 Mk. Im allgemeinen herrscht die Einsicht, baß bie Aktionäre aber auch bei einem Preise von 270000 Mk. ein immer noch reichlich gutes Ge° schäft machten.
Schließlich kam noch zur Sprache, was Bad - Nauheim für bas geistige Gebeihen und Behagen feiner Bürgerschaft tut. Daß neben der stattlichen Volksschule nun auch noch ein großes weitläufiges Gebäude für die höhere Bürgerschule errichtet ift, ist gewiß eine erfreuliche Leistling, die sich auch im Laufe der Zeit für bas Gebeihen unseres Babeortes in ber einen ober andern Weise schon bezahlt machen wird. Daß man an diese neue Anstalt frei- lut) sogleich auch eine eigene Turnhalle für 40 000 Mk., kaum zehn Schritte von der Turnhalle der Volksschule entfernt, errichtet hat, wurde als eine, vielleicht doch überflüssige Freigebigkeit bezeichnet. Hat doch das benachbarte Butzbach bei ungefähr gleicher Einwohnerzahl für Realschule und Volksschule doch mir eine Turnhalle, die außerdem auch noch vom boriigen Turnverein unb von der höheren Mädchenschule benutzt wirb, währenb ber 33ab ° Nauheimer Turnverein sich sogar eine eigene Turnhalle erbaut hat. Sicher ist nichts bagegen einzuivenben, wenn aus biefeir Tatsachen bie Folgerung gezogen wirb, baß eine Stabtverwaltung, die so er- hebliche' Summen für hie körperliche" Ausbildung unb für die höhere Schicke übrig hat, moralisch bringend verpflichtet ift, auch für die geistige Bildung und die Volksschule das Möglichste zu leisten. So wurde darauf hingewieseii, daß in Friedberg für bie begabteren Volksschüler ein unentgeltlicher frembsprachlicher Unterricht eingeführt sei, unb von der Schulbehörde stäube nichts im Wege, ber Bad - Nauheimer Bevölkerung eine ähnliche gute Gelegenheit zu schaffen. Es wurde ferner auf die pädagogischen Vorzüge des fDlamtbeimer Volksschicksystems hingewiesen, mit dem ein Versuch bei uns auch wohl gemacht iverbeit könnte. Es kam in diesem Zusammenhänge and) noch einmal die Stellungnahme der Stadt gegenüber dem Bilduugsverein zur Sprache. Noch immer ist der letztere mit all seinen Kosten unb Arbeiten, mit Bibliothek, Lesezimmer anb Vorträgen lediglich auf die private Unterstützung angewiesen. Ten Beweis, daß er durchaus feine bestimmte politische ober religiöse Tenbenz vertritt, vielmehr Raiim für jede Richtung unseres weitverzweigten, mobei'ucn Geisteslebens bietet, bürste er für jeben Einsichtigen durch seine bisherige Tätigkeit wirklich erbracht haben. Außerdem stände es ja ber Stabt im Falle einer Unterstützung ihrerseits jeberzeit frei, biefe Unterstützung sofort zurückzuziehen, lueim boch einmal bie Bahnen des Vereins irgendwie einseitig werben sollten. Tamit, daß man über das mühsam geschaffene Werk anderer raifonierf, ohne selbst einen Finger zu rühren, wird man seinen Pflichten gewiß nicht gerecht. So Hat unser Stadtregiment den Beweis, baß es ihm mit der geistigen Förderung der Bürgerschaft wirklich öringenbev Ernst sei, noch zu erbringen Ein kleiner Anfang ist bie Erlaubnis, bie literarischen Abenbe im Beratungssaal des Stadthauses abzuhalten. Wenn man also die Schwierigkeiten bedenkt, mit denen die Volksbildungsarbeit so wie 10 schon zu fämpfen hat, Schwierigkeiten, die zum Teil aud) im Volke selbst liegen, da sollte jedes Mittel mit Freude begrüßt werden, das geistige Leben zu wecken im Stande ift. Keiuesfall- darf man sich embilben, beim Volk Vertrauen unb Bilbungslust zu erwecken, wenn man es gleich unmünbiger Jugenb zu beschränken zu gängeln unb ihm bie Selbstentsmeidring zu verwehren sucht' Die Teckilngsfrage bilbeie den Schluß der sehr interessanten Auseinandersetzung. Ta unser Kommunalstcuersatz mit 1-3,6 Prozent der Staalsstener einer der höchsten in Hessen ist, so kann sich der Redner, wenn auch selbst Anhänger der direkten Steuer, in diesem Falle doch nicht für ihre wettere Erhöhung aussprechen. Er benft an eine ftanalfteuer bei ber Kläranlage, zu ber bann auch der Staat herangezogen werde könnte. Für die Rentabilität des Schlachthauses müßten die Jnteresseiiten, bie Metzger, auskommen Sie vor kurzem beschlossene Umiatzstempelsleuer kann ungefähr 10 000 9}lf. einbringen. Auch die Wertzuwachssteuer sei in Aus- lickst genommen.
In der Diskussion sprack;en noch Notar Stahl und Tr. Strecker, im Allgemeinen mehr zustimmend und ergänzend' alS kritisierend. Tie zahlreich besuchte Versammlung baiitte dem Referenten durch lebhaften Beifall, und von allen Seiten war man in dem Wunsche Einverstanden, ähnliche Aussprachen über die Vorgänge auf dem Stadthaus des öiieren zu wiederholen.
Aus StaSt und Land.
Gießen, 21. März 1908.
** Beamtenwünsche. Man schreibt uns: Der Mitteilung in Nr. 66 d. Bl. über die kürzlich von der Offenbacher Stadtverordnetenversaminlung genehmigten Gehaltsskala für die VolkSschutlehrer ift noch hinzuzufügen, daß auch die Gehälter der städtischen Beamten in Offenbach neu reguliert bezw. erhöht worden sind. Die mittleren Baubeamten, der Wohnungs-Inspektor und die Geometer der genannten Stadt erhalten nach der neuen Aufstellung 2400 Mk. Anfangsgehalt, steigend von 3 zu 3 Jahren bis zum Höchstgehalt von 4200 Mk., unb zwar in folgender Weise: 2400 2700, 3000, 3400, 3600, 3800, 4000, 4200 Mk. Auch
hier sind die mittleren Altersstufen gebührend berucksichtiyK sodaß ein Beamter dieser Kategorie nad) 12 Diensljahren 3600 Mk. Gehalt bezieht. — In Mainz steht ebenfalls die Neuregnlierimg der Beamtengehälter nahe bevor. Ihre Festsetzung erfolgte dort wie in Offenbach unter Mitwirkung eines B eamtena uss chusses, wobei den mittleren Bau- beamten Gelegenheit gegeben war, für ihre Tätigkeit die Anerkennung ber Verwaltung dadurch zu finden, daß die Gehalte eine wesentliche Erhöhung erfahren werden. Die genannten Beamten werden in zwei Klassen ausgenommen und erreichen Höchstgehalte von 4000 und 4400 Mk. Der Wohnungs- Inspektor (aud) der Kategorie der mittleren Baubeamten entnommen) erhält 4600 Mk. — Es dürfte daher-.zu erhoffen sein, daß bie Baubeamten der Stadt Gießen, deren Lebcns-- und Wohnungsverhältnisfe kaum von denen der vorgenannten Städte abweichcn, bei der bevorstehenden Gehaltscegulierung in gleicher Weise bedacht werden.
** Hessischer T iakonie-Vercin. Tie am 16. ds. Mts. zn Darmstadt abgchaltene Mitgliederversammlung beehrte auch I. K. H. die Gro ß h erz 0 g i n mit ihrer Gegenwart. Als Vertreter der Medizinal-Abteilung des Großh. Ministeriums waren erschienen: die Gey. Obermedizinalräte Tr. Neidhart und Tr. H a n s e r, als Vertreter des Großh. Oberkonsistoriums Prälat D. Tr. ring, als Vertreter der Bürgermeisterei Darmstadt Amtmann Tr. Krapp. Unter dem PubliLmr, das aus den drei Provinzen des Landes zahlreich erschienen war, bemerkten wir Frau Staatsminister! Tr. Ewald und Frau Minister Tr. B r a u n. Ten Rechenschaftsbericht erstattete der Vorfitzende Pfarrer D. Guy 01 - Heppenheim. Ter Rückblick auf bie Entwickelung des Vereins, der seine Entstehung einer Anregung der Freien landes- kirchlichen Vereinigung verdankt und neue Wege auf dem Gebiete der Tiakonie geht, vermittelte den Hörern nicht nur eine Vorstellung von dem, was bis jetzt geleistet wurde, fonbem auch einen Eindruck von den eigenen Ideen, an deren Verwirklichung der Verein arbeitet: Ausbildung von Schwestern, unter Verzicht auf das Mutteich auch' y ft em, nicht nur für bie Kranken-, sondern auch für die Gemeindepflege im umfassendsten Sinne, eine Ausbildung, die int Krankenhaus Beginnt — der Verein hat hierfür vorzüglich geeignete Stätten in dem von ihm mit Pflegepersonal versorgten Freimaurer- Krankenhaus in Hamburg und besonders dem Stidt. Krankenhaus in Tarmstadt — und in dem noch zu errichtenden Diakonie-Seminar ihren Abschluß findet. Ter Verein hat heute bereits 27 eigene, in der Krankenpflege stehende Schwestern und es fehlt auch der Nachwuchs an Schülerinnen nicht. Für Mädchen mit Volksschulbildung hat er als Uebergaitg§ anftai t eine Kinderpflegerinnenschule eingerichtet, die selbständig zur Kinderpflege und Haushaltsführung ausbildet. — Die von Pfarrer S c r i b a - Groß-Wintern- heim tinrgetragenc Rechnung schloß mit einer Einnahme von Mk. 19 215, darunter Mk. 6000 zur Einrichtung der Kinderpflege- rinnenschule aufgenommencs Kapital, und einer Ausgabe von Mk. 17 930 ab. Tie zur Fundierung des Tialonie-Seminars veranstaltete und noch im Gang befindliche Sammlung hat bis jetzt Mk. 15 500 ergeben. Tie Anwesenden gewannen den Eindruck, daß mit kleinen Mitteln bisher Großes geleistet wurde mtb daß die so energisch angegriffene Sache weiterer Opfer wert ist. Tie durch die Entwicklung des Vereins nötig geworoenen Statutenänderungen und der Voranschlag wurden genehmigt und der seitherige Vorstand auf Vorschlag von Frau Pfarrer Lehn- Offen-> bad) wieder gewählt. Mit Tankesvoorten an die Ersd)ienenen, insbesondere an die Großherzogin schloß der Vorsitzende die Tagung. Ein Teil der Ersd)ieneneii hatte nod) Gelegenheit, die in der Kinderpfegerinnensd)ule (Eschollbrüderstr. 4) veranstaltete Ausstellung von Arbeiten der Schülerinnen (Fröoel'sche Falt-, Aus- sckineide- und Flechtschule, Puppenzimmereinrichtungen aus Karton, Perlenarbeiten, Christbaumschmuck, Rohrfleckten, Handarbeiten 2c.; Kochausstellung: Braten, Pasteten, Schnittchen, Sülze, Salate, Torten, Küchen, Kleinbackwerk) und ber Kinder (Arbeiten aus Karton und Ton: Försterlmus int Walde, Bäckerladen, Eisenbahn aus Streickstzolzkastchen, Kinberzeickuungen ?c. । zu besichtigen und sich von der Gediegeitt)ett des Geleisteten zu überzeugen. Ter neue Kürsus in der Anstalt beginnt am 6. Mai. Anmeldungen find dortjelbst und, wie and) zum Eintritt in die Krankenpflege, an ben Vorsitzenden zu richten.
— S)au bringen, im März. Am Sonntag wurde eine sehr gut besuchte Versammlung in der Gastwirtsck)aft von Ludwig Weimer abgehalten. Prof. Dr. Luley unb Oberlehrer Dr. Krausmüller hielten sehr interessante und lehrreiche. Vorträge über Reichspolitik. Lim Schluffe gründete sich ein nationalliberaler Verein.
Märkte.
Gießen, 21. März. 2)1 n r110 er 1 d)t. Lins heutigem Wocken- maikle kostete: Butter pr. Pfd. 1.10—1.20 Alk., Hühnereier 1 St. 6—7 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Käfematte 2 St. ö—6 Pfg., Erbsen p. Pfd. 18—24 Pfg.. Linsen p. Pfd. 25—40 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80-1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk.,' Hähne pr. -Ltück 0,80—1,80 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00, Enten pr. Stück 1,80 dis 2,20 Mk., Cd)jeitfleiid) pr. Pfd. 76—84 Pfg., Kuh- unb Rindfleisch pr. Pfund 74—76 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—76 Pfg., Sduveinesleifch, gesalzen, pr. Pfd. 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg. Ravtoffelu pr. 100 Kg. 6.00—7.00 Alk., Zwiebeln pr. ^lr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut ver Stücf 0-00 Pfg., per Zeunier 9)lf. 0.00—0.00. — Aepsel per Ztr. 10—25 Alk., Birnen per Zir. 10—25 Mk. Nüsse 100 Stück 40—00 ISig., per Ztr. 0—00 Mk. Marktzen von 8—2 Uhr.
Gießener Wetterdienst.
Aoranssichtliche Witterung für Hesien am Sonntag den 22. März 1908: Meist heiter. Trocken. Temperatur wie heute. Veränderliche Winde.
TeSefonäscäie Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitge und ludusti Frankfurter iiör Reichsanleihe . . 92.00 do. . . 82.25
J>i0/0 Konsols .... 91.95
W» do 82.30 ; zf °/0 Hessen .... 91 00 °/0 Oberuessen . . . 92.00 Uesterr. Goldrente. 99.20
1'/6 -ö Uesterr. Sil betreute 99 35 Mo Ungar Goldrente . . 92.80
4?6 Italien. Rente ...--
3'6 Portugiesen Serie I 61.10
0% Portugiesen „ Hl 61.30
inss Staatsanl. 19Ua 94 75
4->'3".ö Japan. Staatsanleihe 87.85
Couv. Türken von iuu3 95.30
Türkenlose 151 20
1% Griech. Monopol-Anl. . 49.20
äussere Argentinier . 86.00
J°/o Mexikaner . . . 67.60 1^u/0 Chinesen .... 95.85
Aktien;
Bochum Guss 198 50
Buderus KW.... 111.00
Tendeir: geschäftslos.
Berliner liörse, 2
Canada E. B 146.20
Darmstädter Bank . . . 124 70 Deutsche Bank .... —,— Dortmunder-Union C. . . —.— Dresdner Bank . . . 138.10
Tendenz; ruhig.
teilt von der Bank für Handel ie, tiiessen.
se, 21. März, 1.15 Uhr.
I Elektriz. Lahmeyer . . 119.06
Elektnz. Schlickert . . . 103 00 Eschweiler Bergwerk . . 204 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 184.00 Hamuurg- Amerik. PaketL 111.60 Harpener Bergwerk. . 194.-0
Laurahütte 209.20 5ordd. Lloyd . ... 97.10
Obeischles. Eisen-Industrie 96.00 Berliner riandelsges. . . 1'9.25 Darmstädter Bank . . . 124.40 Deutsche Bank .... 239 00 Deutsch-Asiat. Bank - • 138.40 Üiskonto-Kommandit. . . 176.50 Dresdner Bank .... 137 80 Kreditaktieu ... . 201.2b
Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn 81.30 Gotinardbahn —'.— Lombard. Eisenbahn . . 25 40 Uesterr. Staatsoahn . . . 143.60 iTiuce-Henn-Eiseubahu . 118.00
1. Mälz. Antangskurse.
Harpener Bergwerk. . . — Laurahütte —— Lombarden E. B. ... —.— Nordd. Lloyd lückenlose 150.70


