ifr.92 Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 18. April 1908
Ner 6tefieittr Anzeiger a. «v Vezugspret-.-
(dd)emi täglich, a»<B« 'GmS monatlich75Pf., viertel
MGie^ener Anieiaer
! Mtnnai mono u Land' wF ■ I ' W WL WW JL I W HL wJl ZeilenpreiS: lokcllbPf^
«r rttchastltche Zeistrage» W fcuä Ä® ^8r auswärts 20 Pfennig,
si'trniprech- Anlchlüsie: K M Ä8F Verantwortlich
' " öte ,2aftx°.n 1 ai * Ag« y*^ <• < a* für den ooltnfchen Lerl:
SS»- General-Anzelger für Oberhefien nS=B zaabmr von Anzeigen v V * » « ».Land- und^Genchrs-
m tÜkmmags'w^ RotattonrdruS und Verlag der vrLhsschen Univ.-Vuch. und Zteindrnckerei. R. Lange. RedaMon. Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. AnzeigenteilsÄ
Die heutige Nummor^umfatzt^4 Seiten.
Zum Osterfeste.
Die Weisheit des alten griechischen Philosophen, daß sich iQtg m fortwährendem Wechsel befindet, das alte Lied vom nwgtn Vergehen und Werden — sie gewinnen ihren vollsten Slang beim Osterfeste, wo die Natur aus der Starrheit des Vinters wieder zu neuem Leben erwacht und so das kirchliche ragma von der Auferstehung, von der Unsterblichkeit der »rekle in glücklichster Weise symbolisiert. Unauflöslich oer- linbet sich uns mit dem Worte „Oftetn* der Gedanke von . »ec Unoergänglichkeit alles Seienden: e§ gibt keinen Tod, die ^fallenden Atome suchen neue DaseinSformen, dec Geist bleibt nid) nach der Zerstörung seines Gefäßes lebendig und wirkt , moufhaltsam fort.
So ist alles auf Erden Entwicklung und Fortschritt, .jlora und Fauna haben sich aus den primitivsten Formen ? ju ihrer heutigen reichen und zweckmäßigen Gestaltung ent- oitfelt, und aus dem Menschen der Tertlärperwde ist im iwfe der Jahrtausende der heiitige Kullurinensch geworden. !:.*c diejenigen Gattungen unter den Lebewesen erhalten sich, Ine kräftig genug sind, auf ihrer als zweckmäßig geltenden kigmart zu bestehen und sie unter neuen Daseins- : »ingungen immer mehr zu vervollkommnen. Alles Schwache, überflüssige und Unzweckmäßige muß in diesem Kampfe ums ufern unlergehen. Und ebenso ist es auf geistigem und »Etlichem Gebiete. Auch hier finden wir dieselben unab- stderlichen Naturgesetze der Auslese und Anpassung. Auf die Lschwelt wirkt nur das und wird unsterblich, was ihrer nZlesenden Kritik standhält, und was sie ihrer ferneren Ent-
Freiiich sind wir von der Erreichung dieses Zieles, für kB Christus lebte und litt, noch weit entfernt. Verschärft ich doch anscheinend der Kampf ums Dasein immer mehr und
rirt mit seinem Egoismus in Vülkerkriegen und wlrtschast- W lchm Kämpfen blutige Orgien. 216er leise, ganz leise hat
'ch» int letzten Menschenalter doch schon em Umschwung zu Wilsten des Altruismus vollzogen. Die Einrichtung der ^egeu Friedenskonferenz, die Tatsache, daß immer mehr ■; klionen Schiedsgerichtsverträge abschließen, zeigen, daß der
iainpf der Völker untereinander allmählich ihrer Jn-
i l cklung anzupassen vermag. Manches, was eine frühere jcit noch für moralisch wertvoll hielt, wird von der Nach, reit, die auf einer höheren Stufe moralischer Vervollkominnung irht, als wertlos abgestoßen. So wechseln, wie die körperen Erscheinungsformen, im Laufe der Jahrtausende auch he Moralbegrifse. Durch fortwährende Auslese und An- Mijimg gewinnen sie einen immer höheren Inhalt und müssen chsteßlich zur sittlichen Vollkommenheit dec Menschheit, zum - jjbtal führen.
Ader auch hier heißt e3: ohne Kampf fein Sieg. Die Hindernisse, die sich immer auf5 neue der Erreichung des I ^enschheitSidealS entgegenstellen, die selbstsüchtigen Triebe des 1 iitijClnen, der nur an sich denkt, sie müssen wieder und wieder W»ik aller Kraft bekämpft werden. Gerade das Osterfest ist so eignet, uns aufs neue zu diesem Kampfe anzuspornen. I «iitrn wir eS doch zur Erinnerung an das Lebenswert dessen, U «r, die Personifikation des Menschheitsideals, durch sein Lebrn :o3 Ziel der Vollkommenheit als leuchtendes Fanal für die R Menschheit aufrichtete, durch sein Sterben für dieses Ideal 1 sim Mission als Bannerträger der moralischen Kultur erfüllte '•r.b durch fein Auferstehen und Fortleben in den Herzen seiner V foiigei den Beweis lieferte für die Unzerstörbarkeit und Un- | krolichkeit des sittlichen Ideals.
^essengemeinschast Platz zu machen beginnt. Die hülle Gesetzgebung aber und die Zunahme der Tarifverträge ■i den Kulturvölkern beweisen, daß diese Jntercssengemein- • IMt auch hinsichtlich der Klasiengegensätze und wirtschaftlichen Ir'^pfe dec Gegenwart Raum gewinnt. So sind auch hier Ufo sitze zu neuem Leben und Streben wahrziinehmen, die uns - l-n: Menschheitsideal näherbringen sollen.
_ Und wer wollte heute, am Ostertage, daran verzweifeln, Ms sich dieses Ideal dereinst verwirklichen könnte? Muß >?Et das holde Frühlingswunder, daS uns so eindringlich die 'k" Vergänglichkeit der Schöpfung und ihrer Entwicklung pre- r8l unsere Herzen mit neuer Hoffnung und Zuversicht er- Em? Ringsum strahlt und erglänzt bereits alles in der ersten ■Ren Blüte, überall in der Natur sind geheimnisvolle Kräfte ^uacht, und das Auge gewahrt em wundersames Regen, ki'nen und Sprossen. Der Chor der gefiederten Sänger ;"13p: in Wald und Feld läßt laut schmetternd seine Weisen . 'tönen, und es ist, als ob sie uns zujubelten:
»Wacht aus! das Alte ist vergangen! Wach auf, du froh verjüngte Welt!"
Politische Lascrschau.
General Keim und der Flottenverein.
Aus Anfrage an General Keim, wie er über die Entschließung --.aloltenvereinL-Vorstandes üenke, erhält die „Dtsch. Ztg." eine i in der es u. a. heißt: „Ich vermisse irr den Erörterungen die inhaltlose und gerade deshalb cliaraktcrisriiche Resolutwn
6 Msamtvorstandr's des „Deutja^n Flottenveveins" vom 12. Aprrl x vauptsache und das ist die praktische Schlußfolgerung über die ^Luftige Leitung des Vereins. Diese kann aber n' in präziser, logischer und konstiturwneller Werse nur da hm ^gcn werden, daß die Seitung in die Hände des (yreil?cmi ?mctzburg und des Admirals v. Hollmann gelegt werben muß.
W Verven sind die wahren Sieger in dem langen Streite und
nicht die seit dem 12. April verflossene Mehrheit von Kussel. Nur von solchen 2Nännern ist Festigkeit und Stetigkeit zu erwarten, beides unerläßliche Vorvedmgungen für eine erfolgreiche Tätigkeit im öffentlichen Seben. Daß ich die von jenen Herren verfolgte Rillstung tn Flottenvernns-Angelegenheiten für eine falsche, ja geradezu für eine verderbliche halte, was die vom Flottenverein zu vertretenden großen nationalen Interessen betrifft, und daß ich diese Riästung pslichtmäßig weiter bekämpfen werde, ist eine Sache filr sich. Llber ich bin gerecht genug, und vorurteilsfrei genug, um anzncrkennen, daß jene Riästung sich immer mehr formal die Bevechtigung etroorben hat, die Zügel zu fuhren. Sie mag denn zeigen, was sie leisten kann. Jede andere Lösung als ein Präsidium, in tvelchem die 4 B (Bayern, Berlin, Brandenburg, Baden) die unbedingte Leitung beiden, bedeutet eine Halbheit und eine — natürlich ungewollte — Irreführung deS Deutschen Flottenvcreins und der öffentlichen Meinung. Alles dies natürlich unter der Voraussetzung, daß die Hauptversammlung in Danzig, die über die Geschicke des Vereins souverän zu entscheiden hat, die Resolution vom 12. April zu der ihrigen macht. VorauS^iästlich geschieht das. Dann geht meine persönliche An- ficht dahin, daß ein Verein, der sich angesichts des neuen Vereins- gesctzrs nickst dazu entschlleßen kann, sich frank und frei als ein nationalpolitisä)er zu bekennen, obwohl jcbcS Wort das § 2 «seiner Satzungen Politik bedeutet, keinen Anspruch nrehr hat, auf die Sympathien derjenigen nationalen Kreise, denen das Wesen höher strht als die J-vrm mtb die die Unabhängigkeit des Vereins als die Grundlegrrng füc fein Ansehen und erfolgreiches Wirken betrachten."
*
Heber die vorläufige Entlassung von Strafgefangenen
haben die Ministerien der Justiz und des Innern eine Verfügung erlassen. Durch das Reiäst>straigefevbuch ist die Einrichtung ge- lrrnjen worden, daß Personen, die zu tangeren Freiheitsstrafen verurteilt sind, unter bestimmten Voraussetzungen nach Verbüßung von Dreivi.rteli« der S.rase vorläufig entlafien werden können, aber bis zum Ablauf der Strafzeit bei schlechter Führung einen Widerruf der Entlassung zu gcwärligeit haben. In Würltenwerg ist Vvit der vorläufigen Entlaifung stets ein ausgedehnter Gebrauch gemacht und eS find dabei günstige Erfolge erzielt nwrden. Tie polizcilichc UebeLvachung der vorläufig Entlaßenen soll jetzt namentlich bei denjenigen, die sich der Fürsorge des Vereins für entlassene Strafgefangene unterstellen, tunlichst in den Hintergrund treten. Den zuständigen Behörden ist in der neuen Verfügung ausdrücklich anempfohlen würben, den Aufenthalt am Entlassungsori wenigstens versnchsiveise zu gestatten. Die vorübergehende Entfernung des Entlassenen vom EntlassungSort ohne besondere polizci- lidjc Erlaubnis sowie die Wahl eines ainxren Rickerlassungsortes wird önrä) die neue Verfügung wesentlich erleichtert. In besonderen Ausnahmesällen soll eine vorläufige Entlassung auch in daS Ausland oder eine Derlegimg des ytiebcrlai"lUngsvrLS dorthin nicht ausgeschlossen fein.
Die Unruhen an der russisch.-erfischen Grenze.
Laut amtlichen Meldungen war die an den Unruhen an der russisch persischen Grenze beteiligte Bande 500 Mann stark. Der Organisator der Räubereien soll der Khan Mama ed Kulihun sein. In dem persischen Orte Belassuwar brach während eines Scharmützels zwischen persischen Räubern und russischen Truppen Feuer aus, wodurch das Zollamt und ein Teil der Perserhciujer niedergelegr wurden. Es wurden 27 Gewehre und geraubte Pferde zurückervbert. Die Perser hatten 34 Tote. Die Räuber ^ogen sich auf Belassuwar ins Gebirge zurück. In dem an Rußland angrenzenden persischen Gebiete herrscht völlige Anarchie. Der persische Regierungstelearaph ist zerstört. Da aus der An- iiebcluug Zagriar auf die russischen Truppen geschossen wurde, so eröffneten die herbeigeeilten Verstärkungen ein Gefecht, bei dem Zagriar in Brand geriet. Während des Brandes explodierten in vielen Häusern Patronen.
*
Die grohserbiscke Agitation in Bosnien und Herzegowina scheint bereits ziemlich bedenkliche Dimensionen angenommen zu haben. Die ganze Bewegung wird nun unter die Wirksamkeit der seit 1878 nur änderst selten gehandhabten standrechtlichen Prollamation gestellt, wodurch auch die gegen die 3ie» dartion der „Otae Bima" eingeleitete Untersuchung wegen Hochverrats vor das Militärgericht gelangt. Der verantwortliche Redakteur des BlatteS, ein gewesener Kellner, Janlowitsch, und der Mitarbeiter Prokope sowie weitere 34 Personen in angesehenen Stellungen wurden auf Grund bet ihnen vorgenommenen Haussuchungen wegen Hochverrats verhaftet.
Neue Kampfe in Marokko.
Die letzten Meldungen aus Colo mb Bechar berichten, daß bei dem Kamps mit der marokkanischen Harka auf französischer Seite 28 Soldaten getötet wurden, darunter ein Offizier. Die Zahl der Verwundeten beträgt über hundert, worunter sich zehn Offiziere befinden. Die Kolonne des Obersten Pierron, die den Angriff der Aiarokkaner auszuhalten hatte, legte einen großen Heldenmut an den Tag. Die Angreifer waren über 2000 Mann Infanterie und 300 Mann Kavallerie stark. Der Kampf dauerte mehrere Stunden und fcksiließlich mußten die Marokkaner weichen und wurden von den Franzosen 10 Kilometer weit verfolgt. Die Marokkaner ließen 12 5 Tote zurück, eine Tatsache, die noch nickst vorgekommen ist, da die Marokkaner ihre Toten sonst stets mitnehmen. Außerdem wurden ihnen eine Fahne und zahlreiche Gewehre abgenommen.__
Die Erfolge der preutzifch-hesfischen Eisenbahn- gemeinschast.
Angesichts der häufigen und bewegten Klagen, die in der Zweiten hessischen Kammer regelmäßig von einzelnen Abgeordneten über bie angeblich rücksichtslose ober ungerechte Behandlung der Eisenbahnangestellten, die unzureichende Be- zahlung der Arbeiter rc. erhoben worden sind, wird man mit doppelter Genugtuung von den amtlichen Darstellungen der Denkschrift über daö Verhältnis von einst und jetzt Kenntnis nehmen. ES ist natürlich nicht möglich, hier auch nur die wesentlichsten der zahllosen Verbesserungen im Eisenbahnbetrieb aus den Jahren 1897—1907 näher aufzuführen. Doch dürften schon einige daraus herauSgegriffeneBeispiele finanzieller und sozialpolitischer Art ein ungefähres Bild darüber geben. Von den 6572 Köpfen, um welche in diesen zehn Jahren daS Personal dec Eisenbahngememschast vermehrt wurde,
kamen auf die rein hessischen Strecken allein 5327, und die Zahl der etatSmäßig angestellten hessischen Beamten von den Direktionsmitgliedern bis zum Bahnwärter, die bei dec Uebernahrne 1897 nur 2202 betrug, war 1907 auf 4653 gestiegen. An Gehaltsbezügen und Löhnen mürben 1897 5 569 000 Mk., im Jahre 1907 bagegen 11 112 771 Mk. mehr, also nicht weniger alS 16 681 780 Mk. gezahlt. Neben der erheblichen Vermehrimg der etatsmäßigen Stellen unb ber bamit verbundenen schnelleren Anstellung und Beförderung wurden von ber Gemeinschaftsverwaltung schon oom 1. April 1897 ab auch erhebliche Gehaltsaufbesserimgen gerade in den mittleren und unteren Beamtenklassen gewährt. Nach einer ber Denkschrift beigesügten Uebersicht betrug bei Den insgesamt 2396 Beamten das Gesamtbienstemkommen nach dem Staub am 31. Viärz 1897 3 185 691 Mk., b. i. 1330 Mark pro Kopf, am 31. März 1907 erhielten insgesamt 5119 Beamte 8 690 274 Mk. Gehalt, d. i. 1698 Mk. pro Kopf. Die 3842 Hilfsbeamten und Arbeiter erhielten 1897 2 383 318 Mk. Lohn ober 620 Mk. pro Kopf, bie 7691 Hilfsbeamten unb Arbeiter 1907 dagegen 7 991 506 Mk. ober 1039 Mk.- pro Kopf, die Arbeiter der Vtain-Neckarbahn nach dem Stande oom 1. Oktober 1902 sogar durchschnittlich 1068 Mk. Bei den Beamten der ehemaligen Hessischen LildwigSbahn betrug bie Gehaltsverbesserung für den Hauptkassenkassierer jährlich 529 Mk., bei den nicht technischen Eisenbahnsekcetären bis zu 941 Mk., bei den technischen Eisen- bahnsekrctäcen bis zu 1315 Mk., bet den Materialten- oerwaltern 1. Klasse bis 599 Wik., bei den Materialien- Verwaltern 2. Klasse bis 830 Dtk., bei Eisenbahnassistenten im Pureaubiensl bis 702 Mk., bei Kanzlisten bis 477 Mk., bei Zugführern bi§ 700 Mk., bei Bremsern bis 400 Mk., bei Werkmeistern bis 580 Mk., bei Schaffnern bis 220 Mk. rc. Auch ben Beamten der Oberhessischen Eisenbahnen und der Großh. hessischen Nebenbahnen mürben entsprechende Gehaltsaufbesserungen zu Teil unb bei jährliche Durchschmltülohn der sämtlichen Hilfsbediensteten unb Arbeiter ist um 221/2 Proz. gestiegen.
Einen umfangreichen Abschnitt nehmen in der Denkschrift die Angaben über die Wohlfahrcseinrichtungen für die Eifenbahnangestellten ein. Man erfährt dabei von einer Reihe von Einrichtungen, von denen das Publikum bisher kaum eine Ahnung hatte und durch ivelche ein offenkundiger Beweis dafür erbracht wird, daß die Eisenbahngemeinschafts- Verwaltung von dem aufrichtigen Bestreben beseelt i|t, das große staatliche Institut nach allen Nichtungen hin mustergiltig aiiszugestalten. Da ist zunächst der U n t e r st ü tz u n g s- fonds. Während den Beamten und Arbeitern der früheren hessischen Ludwigsbahn Unterstützungen nur in ganz seltenen Fällen und in sehr geringen Beträgen zu Teil wurden, sieht der Etat der jetzigen Verwaltung jährlich große Summen für diesen Zweck vor. Früher wurden im Ganzen 70 000 Mk. für ReiiUmcrationen, Belohnungen für außerordentliche Leistungen und Unterstütziingen auSgegeben, während die Ausgabe dafür 1907 aus über 200 000 Mk. gestiegen ist; es ivurden für die hessischen Bediensteten m diesem Jahr verausgabt: an Kanzlei- iind Unterbeamtenpecsonal 73 700 SW., an mittlere Beamte 67 200 Mk., an auSgeschiedene Beamte und deren Hinterbliebene 14 200 Mk. und an Arbeiter und deren Hinterbliebene 47 280 2)tk. — Die Beschaffenheit der Dienstwohnungen hat sich seit 1897 wesentlich gebessert. Es wurden zahlreiche ungeeignete Wohnungen ausgehoben und den Entivürfen zu neuen Wohnungen stets die neiicften Er- sahrungen aufbaullchem und hygienifchemGebiet zuGrunde gelegt. Dabei ist die Zahl der Dienstwohnungen auf hessischen Strecken von 802 im Jahre 1897 auf 1088 nn Jahre 1907 gestiegen, in welchem Jahre auch im DirektionSbezirk Niamz allein wieder 62,300 Mk. zu Dienstwohnungsverbesserungen im sitten- und gesundheitSpolizeilichen Interesse ausgewende/ wurden.
EinS der ivichtigsten Kapitel ist das über die Verkürzung der Dien st dauer und die Verlängerung der Ruhezeiten für die Eifenbahnangestellten. Unter der hessischen LudwigSbahndirektion galt, wie die Denkschrift betont, die nach Staatsbahngrundfätzen höchste zulässige tägliche Dienst- öauer im allgemeinen als normale Dienstzeit, doch wurde sie vielfach ganz erheblich überschritten. Die Durchführung bet preußischen Bestimmungen, besonders über die Ruhezeiten, erforderten gleich am 1. Mai 1897 bei den Zugbegleitungs- unb Lokomotivpersonal eine Vermehrung um 22% und weitere Verbesserungen, die inzwischen im Bereich der preuß.- hesiischen StaatSeiscnbahn eingeführt wiirden, haben den Dienst noch wesentlich erleichtert. So beträgt z. B. jetzt der tägliche Dienst in keinem Falle mehr als 15 Stunden und derartige Dlenstschlchten sind stets durch längere Pausen unterbrochen. Die zwischen den einzelnen Dienstschichten liegenden Ruhezeiten betragen zum größeren Teil 10 und mehr Stunden; nur in wenigen Fällen wird eine Ruhezeit von weniger als 10 blS zu 8 Stiinden in der Heimat für ausreichend erachtet. Noch mehr in die Augen springend sind die Tienstzeilver- kürzungen für das stationäre Personal: Von der Verstaatlichung der hesiischen Ludwigsbahn ivaren z. B. in Worms 1 Stationsverwalter und 2 Assistenten beschäftigt, von denen der Verwalter und der eine Assistent wechselnd eine tägliche Dienstzeit von 15% Stunden und 13% Stunden hatten, während dieser Dienst z. Z. von 1 Oberbahnhofsvorsteher, 2 Bahn- hofSoorstehern und 13 Assistenten bei eurer täglichen


