Ausgabe 
15.12.1908 Drittes Blatt
 
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Nr. 295 Drittes Blatt

158. Jahrgang

Dienstag 15. Dezember 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.

DieGießener SamillenHätter" werden dem .Anzeiger" viermal machen lich beigclegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gürrheßen

otation?bntd und Verlag der Brü blichet» Unwersiläls - Brich- und Steinbrudcreu R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Nedaktion:eqAll2. Tel.-Adr.. AnzeigerGießen.

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Am V/ebetulii der Zeit, hrsg. v. Grotthus 1908 .

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Wie lange soll eigentlich der Unfug nach bestehen bleiben, daß eine der H a u p tz u g a ng s st ra ß e n zur Universität, die Goethe st raße zwischen Stöber- undLudwig- straße von einer Schar Buben als Fußball-Spielplatz (.) bcnuljt wird? Man kann tatsächlich riskieren, daß einem beim Vorbeigehen der schmutzige Ball an ben Rom fliegt, ganz abgesehen davon, daß es ben Jungen garnicht einfällt, ben Leuten aus dem Wege zu gehen. Wir sind gewiß nicht der Art, daß wir bei jeder Gelegenheit nach der Polizei rufen, aber angesichts des hier ge­rügten Unfugs bars man denn doch wohl erwarten, daß die Be­hörde dafür sorgt, daß das Spiet auf den Trieb oder nach sonst einem Platze verlegt werde, wo es niemanden belästigt.

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lichen ^ciedcrgrrngeS, erklingt so eindringlich der Ruf auS Ge- schüftsfreiseu:Kauft am Platze!" Ob dies nun wohl irgend etwas nutzen wird, ich glaube es £aum. Der grobe Teil gerade der kauf' träfiigfien Bürger kauft vor wie nach auswärts; ihm fehlt eben der Lolalpatriotismus. Wenige Städte gibt es, wo so viel von auswärts und den Versandgeschästen gekauft wird, als gerade hier in Gießen. Eine große 2ln>ohl Familien und deren Anhang lausen überhaupt nichts am Platze. Im höchsten Falle suchen diese mal hier was Ausgefallenes, weiße Mäuse mit schwarzen Schwän­zen Da diese nun von solch seltener Art sind, heißt es, natür­lich hier in Gießen kann man ja nicht kaufen, die Geschäfte haben ja nichts, man findet ja nickst, was man sucht. Nur zur Zeit der sogenannten Wohltätigteits-Leransialtungen etc. weiß man den hiesigen Geschäftsmann zu finden, da appelliert man an den Lokalpatriotrsmus. den gerade diese Kreise so wenig besitzen. Aber es gibt auch noch etwas anderes, das die hiesigen Geschäfte so schwer schädigt, ich meine die sogenannten Krammärtte. Ihr De- baUlisien, fthi es Euch doch mal an, was an solchem Wechnachls- marfte in Srrums-s-, Woll-, Kurz-, Hai shaltungs- und Spielwaren etc. etc. bei fremden Händlern gekauft wird, und ich stelle bic Frage: Wie ist es nur möglich, und we^ch große llnvernunfr und Grad von ^üaständigkeit gehört hoch dazu, daß solche Märtte nicht längst schon, wie es in so vielen Gegrnoen, in Rheinland, Westfalen ufw.' schon vor 20 Fahren ass.l..-en, cufge^jucn sind? Lieber die Existenzdercchtigung von JahrmürLten, die vor WO oder 200 Jahren gewiß eine zweckmäßige und vielleicht not­wendige Einrichtung waren, ist doch wohl im Ernste nichts mehr zu sagen. Fast überal sieht man heute deren Schädlichkeit ein und hebt diese auf. Kauft man denn aus diesen Märkten besser oder billiger als ui den Geschäften? Ganz. gewiß nicht, im Gegen­teil, aber diejenigen, die ni-üst alle werden, Landleute sowohl als auch. Städter, strömen dahin. Gewiß ha.cn auch an solchen Lagen, ico der Fremdenzusluß ein größerer ist, einzelne GesaMte, deren Artikel auf dem Markt nicht vercreten sind, größere Em- nahmetr. Aber auch oljne Märkte nur an anderen Tagen würden diese Artikel ganz gewiß hier in Gießener Geschäften gekauft. Heute gibt es doch ganz andere und zeitgemäßere Mittel, den Fremdenverkehr zu heben, als durch Jahrmärkte. Sehen Sie sich doch mal um, was auch in dieser Beziehung Detcnllisten gemeinsam mL den Verkehrsvereinen int Rheinlande, besonders m Barmen geleistet haben. An den Sonntagen, welche dem Ber- lchr frei gegeben, werden besonders schöne Schau senster-De ko ra- tionen gemacht, die Eintrittspreise in allen Theatern, Vergäll-- gungskokalen ermäßigt, fteier Zutritt in allen städtischen Museen etc., große Konzerte in den Anlagen, und der Erfolg ein großer Fremdenverkehr, der allen Geschäften zu Gute kommt. Vielleicht sind es auch hier diese beiden Vereine, welck>e Aehnliches in die " ~ - - > schädlichen

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Gießen, 1b. Dezember 1908.

** Der Hessische Sparkasscn-Berband hielt tt. d.Darmst.' Ztg." seine .Hauptversammlung unter dem Vorsitze des Verbandspräsidenten, Geh. Justizrat M i ck e l - Grünberg, ^u Frankfurt a. M. ab. Die stäüt. Sparkasse Offenbach ist dem Verbände Mitglied wieder­um beigetreten; nur die städtische Sparkasse Darmstadt und die Gemeinde-Sparkasse Eschollbrücken stehen dern Ver­bände noch fern. Der Verband repräsentiert bei einem Mit­gliederbestand von 31 Einzelklassen einen Einlagebestand von 280 Millionen Mark zu Ende des Jahres 1907. Trotz der geringen Anzahl seiner Mitglieder nimmt der Verband unter den zum Deutschen Sparkasscn-Berband gehörigen Unterverbänden eine hervorragende Stellung ein. Nach amtlicher Statistik umfaßte der Deutsche Sparkassen-Berband am 1. Januar 1907 insgesamt 1523 Sparkassen mit einem Gesamt-Einlagcnbestcmd von über 8 Milliarden Mark. Ans jede einzelne Kasse entfällt demnach eine Durchschnitts- Einlage von 51/2 Millionen Mart. DerHessische Spar­kassen-Berband" rangiert demnach mit seinen 8 Millionen Einlagenbestand neben dem Rh c ini.sch-We st fälschen Verband an der Spitze aller deutschen Untcrverbände. Die Einrich­tung des sogenannten Uebertragbarieitsverkehrs ist nun­mehr für alle zum Deutschen Sparkassen-Derbande zählenden Sparkassen gesichert. Geplant ist eine einheitliche Organi­sation oer Sparkassen in den Bezirken der Sparkassen-Der- bände entsprechenden Giro-Berbänden mit je einer Zahl­stelle für den Giro- und Scheck-Verkehr mit Selbstverwal- tuna unter Staats-Aufsicht. Bei der Beratung über die Einstellung der Kursverluste in der Bilanz gab der Referent, Dr. Wevers-Worms, eine hochinteressante statistische Ueber- sicht der erstaunlich hohen Kursverluste, die Sparkassen mit großem Effektenbestande in den letzten Jahren erlitten. Für die nächstjährige Generalversammlung desHessischen Sparkassen-Berbandes" wurde Mainz in Aussicht genommen.

"Die Technische Hochschule zu Darmstadt wird im laufenden Wintersemester von 1158 Studierenden (darunter inc Dame), 162 Hörern und 189 Gästen (darunter 107 Damen), also zusammen von 1509 Personen besucht, gegen 1570 Per­sonen im vorhergehenden Semester. Bon den Studierenden und Hörern gehörten zur Abteilung Architektur 345 (351), Fngenieurwesen 242 (279), Maschinenbau 404 (476), Elektro- lechnik 178(215), Chemie 126(133) darunter 84 Chemiker, 21 Elektrochemiker und 21 Pharmazeuten und zur atlg. Abteilung 25 (38). Der Heimat nach waren 440 Besucher auS Hessen, 722 aus anderen deutschen Staaten (507 aus Preußen) und 347 aus dem Ausland (248 aus Rußland). Der Lehrkörper bestand aus 32 ordentlichen Pcofesioren, einem ordentlichen Honorarprofessor, 9 außerordentlichen Professoren, 33 Lehrern und Privatdozenten und 53 Assistenten. Es be­stehen 44 Studentenoereinigungen, von denen 26 zum Stu- dentenoerband gehören. Aus der Stiftung des Frankfurter Bezirksvereins deutscher Ingenieure u. s. w. sind durch Be­schluß des Kleinen Senats vom 5. Dezember nachstehenden Studierenden Stipendien in folgender Höhe verliehen worden: Heinrich Ulrich au? Marienhof (Arch.-Abt.) (350. Mk.), Willy Orth aus Worms (Arch.-Abt.) 350 Mk., Karl Mühlbrett aus Altenkirchen (<Äektr.-Abt.) 350 Mk., Alfred Kretzer auS Haigerseelbach (Arch.-Abt.) 340 Mk., Christian Hönig au5 Leimen (Allg. Abt.) 340 Mk , Heinrich Groß aus Mainz (Arch.-Abt.) 330 Mk.

* Oeffentliche Lesehalle. Im Novenrber wurden 2452 Bände ausqeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1214, Zcuschriiten 371, Jugendschrifien 273, Bers- dicimmgen 94, Literaturgeschichte 6, Länder- und Völkerkunde 89, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Biographien 159, Kunst­geschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 148, Heer- und Seewesen 14, Hauswirtschaft 4, Gesundheitslehre 5, Religion und Philosophie 13, Staatswissenschast 7, Sprachwissenschaft 12, Fremd­sprachliches 11 Bände. Nach, auswärts kamen 97 Bände.

Guter Appetit. Aus einem Nachbardorse geht

uns nachstehende poetische Schilderung eines Wettesiens zu, dem ihrer Originalität halber em Plätzchen gegönnt sei: Der Heinrich und sein Wcttungsmächer, die machten neulich eine Wette, Sie machten ein Kretick, um nicht zu verderben den Appetit. Ging Heinrich nach der Kindtauf her und hielte ein Fünf Markstück vuer. Er ward traktiert mit Bier und Wein, Bergesien nicht der Brandewem. Eine Bratwurst lU1Q-, ^lcr £>lC)e ueuxn ADemne, »etuje acynu

^riecht er um den Hals, wie lange dürft ihr wohl nichts Dege leiten und für Aufhebung der veralcettn und

raten, Er war begnügt mit einem Stück Braten. 9(u§- geschlofsen war Käs und Butter, zuletzt gabs noch Kohlraben- Futter. Zu diesem Weilchen Harren gabS 50 Stück Zigarren. Sie taten fröhlich trinken, bis daß der Tag tat winken. Doch Heinchcn nahm sich schön in acht, eine Kohlrabe hat er noch mitgebracht.

|| Wiesbaden, 11. Dez. Neben den gärtnerischen Dauer-Ausstellungen im Freien, in ben Gewächshäusern und Hallen, hat der Gartenbau-AuSfchuß der nächstjährigen Wiesbadener Gewerbeausstellung folgende Sonder- autzstellungen abzuhalten beschlossen: Vom 1.6. Mai: Große Eröffnungs-^lnsstellung, 15.20. Mai: Frübjahrs- schnittblumen, 29. Mai bis 9. Juni: Dekorationsvflanzen, 19.23. Juni: Schnitt-Rosen und Rosen-Bindereien, 26. Juni bis 1. Juli: Erste Große Obst- und Gemüse- 'AuSstellung, lO.y-15. Juli: Bindereien und Taseldekora« tionen, 24.-29. Juli: Zweite Große Obst- und Gemüse- Ausstellung, 7.12. August: Dekorationspflanzen, 21. bis 26. August: Ausstellung der den Schulkindern in Pflege ge­gebenen Pflanzen, 4.9. September: Dritte Große Obst« und Gemüse-Ausstellung, 11.16. September: Tahlien- Schau, 25.30. September: Herbst- und Schluß-Aus­stellung. Das ausführliche Programm der Sonder- auSstellungen wird in den nächsten Tagen versandt werden, so daß die Gärtner, welche an diesen Sonder-Wettbewerben tcilnehmen wollen, ihre Disposition rechtzeitig zu treffen ver­mögen. Für die Dauer-Ausstellungen liegen so viele An- inelbungen vor, daß Plätze nicht mehr vergeben werden können. Auf dem AuSslellungSgelände werden gegenwärtig uie Gerüste zum Bau der Hauptgewerbe- und Maschinen- -valle aufgeschlagen. Tie Haupthalle erhebt sich in einer solchen Höhe, daß die dahinter liegenden Häuser an der Mainzer Straße vollständig verdeckt werden.

(Ernst Legler)

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