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Nr. S23
Erscheint ISgNch mit Ausnahme des Sonntag-,
zu unterbreiten, an. Ter Oberschiedsrichter wird vorn Ministerium für Handel und Oefsentliche Arbeiten ernannt
endet. Die 2luöjränbigen nahmen den vom Poli-eiminister gemachten Vorschlag, die Streitfragen einem Schiedsgericht zu unterbreiten, an. Ter Oberschiedsrichter wird vom Mi-
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 6L
Redaktion: e^llLTeÜ-AdraAnzeigerGießen.
Die „Gießener §amilienbl2tter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da- „Krcisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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'erbar November-: Intimität tzranlfur 'eil. £ff. sub. B. 1 n'cnstcin & Vogli mtiiirt a. A
Der Neichsverband der deutschen Landwirtschaftlichen Senosienfchasten
gezeichnet vom (ikncralannxnt Haos, yat an die Friedberger Handelskammer nachstehendes offene Schreiben gerichtet : _,
„Nachdem Sic mit gefälligem Schreiben vom 11. v. Mts. den erbetenen Jahresbericht für 1907 mir zur Verfügung ge- stellt und ich damit von denen Inhalt, insbesondere von den Ausführung--» betreffend den Zusammenbruch des Borschußvcrcins Ober-Mocutadt e. G. m. u. X>. Kuoecläffige Kenntnis erhalten habe, bin ich veranlaßt, die auf Seite 7 unb 8 des Dertchres enthaltenen ebenso unbegründeten als leicAfertigen Angriffe auf die ländliche Ätcbitorganifation auf das entschiedenste surückzu- wcisen.
Obwohl Ihnen aus der ReichS-Konkursstatistik bekannt sein müßte, daß — von den zahlreichen Fallissements oon Privatpersonen ganz abgesehen — gerade eie eingetragene Genossenschaft diejenige Gesellschaftsform ijt, trelche in der Konkursstatistik bet weitem am besten abschneidci, st^llcn Ste die in dem Zusauunen-
Hang unb in der Allgemeinheit unwahre Behauptung auf, daß in den legten Jahren zahlveicoc Roifseifengenofsenschasten in Konkurs geraten feien. Zudem sind Sie niajt davor zurückgeschcut, den unglücfliäKn Zusammenbruch einer einzelnen Kreditgenoffcu- schast, der dazu noch auf den Konkurs cinc5 Privatbankiers junld- zufuhren ist, zu gcncralii'icrcit und damit die gesamte ländliche Atediwrganisation in der LefscMlichkett herabzusetzcn und zu bii- krcditiercn.
Ein solches Verhalten ist verwerflich und selbst Lei divergierenden Jntcrcsscnvrrtretungen ausgeschlossen. Wohin Lime man auch, wenn man umgekehrt au5 den leider allzu häufigen Zu- sammenbrüchen einzelner Kaufleute oder Bankiers allgemeine fHüd- schlüfse auf eine ganze ErweröSgruppe ziehen wollte. Ihre Bc> richlerstattung in bcregter Angelegenheit beweist aber auch, daß die Anschauungen tc5 BerichtcistatterL auf genosfeitschastlickem, insbesondere gerwsftr.fc'vftSreck/tlichem Gebiete durch keinerlei Sacl>- kenntnis getrübt sind. Denn dem Verfasser auch nur die elementarsten Grundprinzipien deS GenosfcnsamitSwefens — Selbst- hilse, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung — bekannt gewesen wüten, wenn ec sich auch nur über die Hauptgrundsave deS GenossenfchaftSgesedeS orientiert hätte, so batte chm klar fein müssen, daß weder der NcoisionSverband unb erst recht nicht die Verwaltungsbehörde verpflichtet oder auch nur berechtigt waren, sich (in irgend welcher aorm in die Geschäftsführung der bv- treffenben Genofsensciaft einzumischen.
s)tach der Struktur deS GenosienschastSgeseveS gibt eS keine geschliche Möglichkeit, in den ©c|rf>äiläbetneb zivcnigöivc.s- einzugreifen, um ein llnplüd zu vcrhtiien. WaS feilend dcS Re- vtsionsvctlindes zur Vermeidung deS Zusammenbruches gescheh.n konnte, ist geschehen. Wenn die Vcrwaltungsvrganc^cincr Gc- nossenichast und deren Mitglieder ihre Pflick» und Sdiufbigfeit nicht tun, wenn man die NeoifionSdemerkungcn und Ratschläge, welche in vorliegendem Falle von verschiedener Seite zu mietet • holtem Male gegeben worden sind, ohne ic^Iidjc Beachtung läßt, bann müssen die Beteiligten, glciaüvic sonft int Leben, voll unb ganz die Konsequenzen tragen, umsomehr, als sie auf Grund des weitgehenden Publikationszwangcs, welchen oaS Gesetz den eingetragenen Getwssenschaften auferlegt, Gelegenheit hatten, sich in ausreichendem Maße über die Geschäftslage der Genossenschaft zu orientieren.
Wenn Sie behaupten, der Zusammenbruch sei aus eine ungenügende Revifionsvornahme zurückzuführen, so ist das ohne gleichzeitige Erbringung des PeweiSmalerials eine ebenso unbegründete als leichtfertige Behauptung, welche dazu angetan ift, das wichtige und bebeutfame Institut der Revision in der Ceffcnt» lichkeit l-erabzufetzen unb zu diskreditieren.
Mit besonderer Schärfe muß ich aber gegen die unwahren Behauptungen protestieren, daß zahlreich: andere Kreditgenossenschaften deS dortigen Bezirks vor einer gleichen Krisis ständen. Wenn Sie mit derartigen, völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen die genossenschaftlichen Kreditinstitute auch iwch obendrein in bet Oefsentlichkeit unb bei der Staatsregierung denunzieren, so fehlen mir die passenden Worte, um ein solches Verhalten richtig zu kennzeichnen."
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Zusammenstöße -wischen Deutschen und Slowenen werden aus Eilli gemeldet. Größere Ausschreitungen konnten durch das Eingreifen von Militär verhindert werden. Im Laufe der Nacht kam es zu kleineren Zusammenstößen, bei denen eine Person verwundet wurde. Gestern herrschte Ruhe. Auch in Marburg a. d. Drau ereigneten sich am Samstag Kundgebungen der Deutschen gegen die Slowenen, vorgestern und gestern nacht herrschte indessen Ruhe.
Ein Attentatsversuch auf den Zaren? In Borgo in den finnländischen Schären, wo das Kaiserschiff zu kreuzen pflegt, fand der Sohn eines Arbeiters zwei Dy- namitbomben von starker Explosivkraft am Strande liegen. Der SVnabe warf eine Bombe fort, worauf diese explodierte und den Knaben schtver verletzte.
Eine neue russische Anleibe. Die französische Freundschaft macht sich für die Rusfen vezahlt; der russischen Regierung ist es nämlich ivieder gelungen, in Frankreich eine neue Anleihe von 3140 Millionen Mark abzuschließcn.
Der Aus >tand bei der Orientbah n ist he
bt den Ruhestand tretenden Frciherrn v. Radowik, wie die „Berliner Universal-Korrefpcmd." zuvernlässig vernimmt, der bisherige Gesandte am Hofe von Lissabon, Graf Tatten- bach, m Aussicht genommen. Graf Tattenbach, der einem alten bayrischen Adelsaeschlecht entstammt, ist schon seit langem für die Rangerhöhung vorgesehen. Sein geschicktes Auftreten in Marokko, sowie aus der Mgecirastonserenz haben seine bedeutenden staatsmännischen Fähigkeiten in den Vordergrund gerückt. Da auch die Neuordnung der Dinge im Scheri fenreich eS als wünschenswert erachten läßt, daß Deutschland bei der spanischen Regierung durch einen genauen Kenner der marokkanischen Verhältnisse vertreten ist, so darf die Wahl Tattenbachs für den Madrider Poften als recht glücklich bezeichnet werden. Tas Agrement der span. Regierung für Gras Tattenbach ist bereits eingetroffen, so daß die offizielle Bekanntmachung seiner Ernennung in kürzester Zeit zu erwarten ist.
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16. Versammlung Oes Zorstverelnr für da; 6roßl)erjogtum Hessen.
(Schluß)
---» Dad-Nauheim, 19. Sept.
Im Musiksaale des Kurhauses eröffnete am Vormittag des zweiten Vcrsammlungstages, Freitag, 18. d M., der Borsitzcude Forstmeister Heyer-Jugenheim, bte Verhandlungen mit Begrüßung fixer tag§ vorher am Erscheinen verhinderten Gäste, hierunter auch dcS Bürgermeisters von Bad-Nauheim, Tr. Kayser. Letzterer hieß die Versammlung im Namen des StadtvorstanocS willkommen. 9tach der Erledigung von Beteinsangelegenheiieii erteilte der Vorsitzende Forstmeister H o f f ma n n-Butzbach das Wort zu einem Vortvag über das Thema: „Erziehung gut geformter Nutzhölzer auf den nordöstlichen Ausläufern des Taunus zur Metterau." Der Vortragende schilderte zunächst Lage unb Klima der Waldungen in der Lvcrförskrei Butzbach unb ging sodann auf die Beschaffenheit deS wichtigsten Stanoortsfakwrs, oeS aus, der Verwitterung von Tonschiefer, Grauwacke uno Quarzit entstandenen Bodens näher ein. Je mehr die Tonschiefer in Grauwacke und diese in £Luarnt übergehen, um so unfruchtbarer unb dürftiger wird der Boden. Kaltarmut und grelle Uebergüngc von tiefgründigen besseren in flachgründige Lagen kennzcichnen den TaunuSbvden. In den unteren Lagen der Vorberge sowie auf dem sog. Wettcrauer Rücken haben tertiäre und diluviale lieber-» lagcruugen ftattgefunbeu. Daher findet sich daselbst ein tiefgründiger, fruchtbarer, für die Holzzncht geeigneter Boden. Lier gedeiht die Buck)«, welche heute von allen Holzarten noch die größte Fläche eiunimmt, während sie in den höheren Lagen über 270 Meter meist versagt, Ivie manche dort noch vorhandene kurz- schaftige und zuwachslose Bcsümde beweisen. Sie soll daher nur noch auf den besseren Standorten nadjgiyogcn werden und auch hier nur in Mischung mit wertvollen Nutzhölzern. Tcr Anbau der Eiche, die auf den schiefrigen Grundgesteinen der höheren Lagen besser ausdauert als die Buche, wird auf solche Oertlich- feiten zu beschränken fein, wo sie wertvolle Nutzholzschäfte zu bilden verspricht. Ahorn, Esche und Erle finden in den unteren Lagen, wenn auch nur in mäßiger Ausdehnung, die Bedingungen ihres Gedeihens. Von den Nadelhölzern ist die genügsame Kiefer die jetzt am meisten vertretene Holzart. Wo immer der Boden, namentlich in den mittleren und tieferen Lagen hinreichende Tiefgründigkeit aufweilst, liefert sie gerade, langschasttge Hölzer. Auf trockenen flachgrundigen Standorten, besonders solchen mit horizontal streichenden Gesteinsschichten kommt allein der Anbau der slachwurzelnden Fichte in Betracht, welche in kurzen Umtrieben wertvolle Nutzhölzer erzeugt. Sie ist daher in größerem Umfang bereits an die Stelle der in höher gelegenen Teilen der Oberförsterei stockenden Buchenrrüppelbestänee getreten, und die mit ihr bestandene Fläche wirb noch stetig zunehmen. Auch die Wcitztanne soll ihrer bedeutenden Massenproduktion wegen, auf besseren Böden in größerem Maße Verwendung finden. 'Als erstes Wirlfchafts- ziel bezeichnete der Vortragende die Erziehung möglichst viel gut geformten und starken Nutzholzes von allen standortsgemäßen Holzarten in nüguchst kurzer Zeit. Als notwendige Folge deS Uebcrgangd zur Nutzholzwirtschaft ist die erhöhte Sorgfalt bei der Bestundesbegründung zu betrachien. Eingehend wurden die Methoden, wclct-e zur Zeit bei Neukulturen angewendet werden, und die Dlaßnahmen erörtert, die zur Sicherung der Schonungen gegen ihre vielen Feinde aus Tie» und Pflanzenw-A erforderlich geworden sind. Besonders ermähnt fei h.cc nur die feit einigen Jahren von dem Vortragenden eingeführte Pflanzung 1 jähriger Kiefern auf mit dem Spcraloohrcr gefertigten PflanzstAlen, ein neues Verfahren, dessen günstige Erfolge auf dem vorausgegangenen Ausflug beobachtet werden konnte. Gegen die Schütte ^er jungen Kiesemkulturen hat wiederholtes Düngen sowie Beseitigung bc» entstehenden Grafts unb Unkrautes besser geholfen als Bespritzen mit Bordelaiser Brühe.
Das oben angegebene Wirtschaftsziel soll, soweit angängig, durch die Begründung eines Nutzholzmischwaldes mit der Buche als Grundbestanb erreicht werden. Es wird hierdurch nicht nur die Möglichkeit geboten, hock;wertige Land- unb Nadelhölzer in Mischung mit der Buch- und letzter- hierbei selbst z ■ Staclholz °u erziehen, sondern auch dir wegen bet Feuers- und Insekten- gefahr notwendige Unterbrechung der Nadelholzbestrnoe bewitit. Sorgfältige Bvdenuntersiuhungen sollen bei der Wahl der Holz-
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Der örtliche und der europäische Verkehr wurde sofort wieder ausgenommen.
Der Chef der spanischen republikanischen Partei, Salmeron, ist in Pau gestorben. In der Republik vom Jahre 1673 war Salmeron als Justizministcr zunächst Mitglied des zur Handhabung der Exekutive ein- gesetzten Kabinetts Figueras, dann vom 19. Juli bis 7. Sept, selbst Chef der Exekutive und somit Staatsoberhaupt.
Parteitag der sentrumrpartei für Hessen.
Mainz, 20. September.
Heute hielt die hessische Zentrumspartei ihren ersten gut besuchten Parteitag ab. Wahrend am Vormittag die Vertrauensmänner und Parleivorftäude eine gc- schlosjene Sitzung abhielten, vereinte eine öffentliche Volksversammlung am Nachmittag die Anhänger der Partei aus ganz Hessen in der Stadt halle, die von 5000 Personen besucht war. Neben der Landtagssraltion hatte sich auch der Mainzer Bischof und der größte Teil des Klerus eingc- funden. Die Rednerreihe eröffnete Landtagsabg. Iustizrat Tr. Schmitt-Mainz mit einer Begrüßungsansprache, die in ein Hoch auf Kaiser und Großherzog auSklana. Heber die „Wirtsck-aftSpolitik des Zentrums" sprach der Landtags- abgeordnete Molthan. Er wandte sich vor allem gegen die Klafsenpolitik der Sozialdemokraten unb empfahl bann das Zentrum als besten Freund von Landwirtschaft unb Mittelstand, Handel und Industrie. Der Redner wandte sich gegen die geplante Weinsteuer und befürwortete eine einheitliche Kellerlontrolle für das ganze Reick. Mit einem Lob auf die soziale Politik des Zentrums schloß der Redner feine mit leohaftem Beifall angenommene Rede. Tarauf sprach Landtagsabg. Bürgermeister Tr. Frenay-Bens- heim über „Landwirtschaft und Sozialpolitit". Er erörterte vom Zcntrumsftandpunkt aus hauptsächlich die Genossen- schastssragc. Landtagsabg. v. Br e n t a n o -Offenbach besprach die Wahlrechtsvorlage. Er suchte die Stellung des Zentrums zu rechtfertigen. Für die bevorstehenden Landtagswahlen gab Tr. SckMitt-Mainz folgende Lofung für die Wahl au5: Die Wahl eines „Kulturtampfers" sei ausgeschlossen. Keinem Abgeordneten, der fick als prinzipieller Gegner des direkten Wahlrechts bekennt, dürfen Zenlrums- fttmmert zufallen, ebensowenig einem Kandidaten, der nicht für eine alsbaldige Verständigung auf Grund der letzten Vereinbarungen i|t. Die Abmachungen mit den anderen Parteien müssen mit größter Treue eingehalten werden. Eine Abmachung für5 gan^c Land besteht für das Zentrum nicht: dagegen wurden solche für Offenbach-Stadt und Land und für Mainz-Stadt mit der ualionalliberalen Partei vereinbart. In Wald-Michelbach-Fürth kämpft das Zentrum gegen den nalionalliberalen Kandidaten Dr. Heidenreich, weil dieser ein Gegner des direkten ^Wahlrechts ist. Zum Schluß konstatierte Rechtsanwalt Tr. Sieger-Tarmftadt noch die volle Einmütigkeit der großen Berfammlung mit der gesamten Politik der hessischen ZentrumSfraktion.
pressekongretz.
Die Männer der Feder aus aller Herren Landern ver- Li2mmeln sich am heutigen Dienstag in Berlin zur Be- I r ttung ernster BerusSsraaen. Wir wünschen den Berhand- : langen den besten Erfolg. Die Arbeit der Tagesschrift- I sueller ist ja so eng in das große Netz des politischen und C '-Ifugen Vvlterverkehrs verflochten, daß manche Berufs- iiagen, so diejenige der Berichterstattung von Staat zu jrtaat und die des Urheberschutzes nur auf dem Wege der ieternationalen Verständigung gelöst werden können. Die deutsche Presse und alle, die für fie arbeiten, erhoffen von ter stattlichen Berliner Versammlung zum mindesten nach ter Richtung Vorteil, daß sie zur Hebung deS Ansehens t -r siebenten Großmacht auch in Deutschland beitragen rurb. Tte Journalisten und Redakteure gehören zu den Ständen in Teutschland, unter deren Bemühungen „die i«bung des Standes" im Vordergründe steht. Der Jour- n ilismus ist ein neuer Stand. Auch er muß sich feine s isellschastliche Geltung neben den alten großen BerufS- fchichten, die ihre festen Formen und zum Teil ehrwür- ongen Einrichtungen haben, im Kanipfe erringen. Von allen ü iefen emporstrevenden Ständen ist als einer der wich- tuzsten Hebel der Vorwärtsentwicklung erlaniit worden: das Selbstgefühl der Standesgenossen zu stärken. Durch Er- >hung der Selbsteinschätzung unb der Wertung, die einem Stande von außen beigelegt werden, kann man hoffen, 'ie Mitglieder dieses Standes vor Unwürdigkeiten zu be- i-ahreii und vorhandene Schäden zu beseitigen.
ES ist nicht ganz unangemessen, wenn der Presse ge- ie-Fentlich der Berliner Tagung voraehalten wird, welche ij l1 üttel zur Hebung ihres Ansehens sie selbst in der Hand l)at. Wir freuen uns, in diesem Zusammenhänge in der !ß ützrarischen „Deutschen TageSzeitttng", der wir, wie man Äiveifj, sonst nicht immer beistimmen können, u. a. folgende Darlegungen zu finden:
„Die Presie beklagt sich hie und da mit Recht darüber, »doß sie nicht ihrer Bedeutung entsprechend gewertet und ^handelt werde. Wenn sie zu irgendwelcher Veranstal- mng nicht geladen ist, bann erhebt sie ein Zetergeschrei, wäh- rnb doch ihre Würde sie dazu veranlassen mußte, zu schwei- ||tm und die Veranstaltung unberücksichtigt zu lassen, bei der ircan ihre Amvesenhcit nicht gewünscht hat. Anderseits piflegen selbst große Zeitungen regelmäßig Einladungen zu se stlichen Veranstaltungen dadurch zu quittieren, daß sie die -"iche Ausstattung des Büfetts und die Trefflichkeit der Ge- riufe in reklamehafter Weise hervorheben. Auch das ist licht geeignet, der Presse das gewünschte Relief zu geben, "«an wird ferner nicht bestreiten können, daß das Erhorchen i»b Ermitteln von sogenannten Informationen im Grunde h iionuiicn würdelos ist. Wenn die Presse wirtlich eine 's- coßmacht sein will, so darf fie nicht int Vorzimmer ge- i ilbig und demütig warten, bis ihr der Brocken einer Mit- cilung ober Informierung zugeworsen wird. "
Tas ist nicht zum ersten Mal gesagt, aber ift darum b lischt minder vielen Tageöfchriftstellern und Redaktionen J au8 der Seele gesprochen. Und es ist gut, wenn so etwas ic der anständigen Presse so oft wiederholt wird, biö Zu- ii utungen unwürdiger Art an Blätter ober Mitarbeiter > überhaupt iiichc mehr aestellt werben. Freilich bars auch :ii.d)t Unmögliches auf die Fahne geschrieben werben uno nie machen uns baher bic Ausführungen ber „Deutschen I ^agesztg." über die Einholung von Informationen nur m iofern zu eigen, baß sie nicht in würbeloser Form er- ioHgen bars.
WaS die Presse unb ihre Vertreter erstreben, ift u. a. ■ ihre bessere Einfügung in den gesellschaftlichen Organis- eiws. Ter Berus des für die Oefsentlichkeit Schreibenden ist :m sich so vornehm, daß er federn Abkömmling der höchsten Lckände Befriedigung gewähren und Ziel seines Ehrgeizes leist kann. Alle, vom itaifer bis zum Geringsten, brauchen )a:» gedruckte Wort zum Lesen und alle, die überhaupt ■ tüoay wollen in der Welt, wünschen sich eine Beein- Ilusfung des bedruckten Papiers. Cs sei daraus hingewieesen, ■ ta.B der spätere Kaiser Wilhelm I. Journalist geworden ■indem er für eine jetzt nicht mehr erscheinende Berliner B Zuckung direkt Artikel verfaßt hat. Man darf glauben, | ä s in Zukunft der Zuzug zum Journalismus aus den D fe ite» Kreisen noch wachsen wirb. Wenn man gelegentlich 1 :o«cnehme unb wohlhabende Männer über Mißstände bei I !e:r Presse klagen hört, so solle man ihnen zurufen: „Laßt ii. Jiurc Söhne Journalisten werden." Je mehr wohlhabende :rab dadurch nnabhäugige Clemente in den Preßbienst - raten, besto uumir^amer werden sich die Fallstricke er» •jeifen, bie bcr Unabhängigkeit unb Lauterkeit ber lieber- 5,1’cgung bcr Journalisten gelegt werben.
Der Berliner Prcßkongreß, der von amtlicher unb pri- 1 :a.:er Seite burch Gelbuntcrsnitzungen unb persönliche Teil- -achnc sreunblich gefordert worden ist, wird das Bild ^igen, II :a i bic höchsten Reichs- und Staatsbeamten mit den Presse- ■ c :tretern an einer Tafel und gleichsam als deren Gäste 1 Mtz nehmen. Es wäre zu wünschen, daß diese Erscheinung \A id) öfter wiederholt. Die Presse unb ihre Vertreter sollen rnd) im persönlichen Verkehr nicht nur Heisck-enbe unb Gäste, o nbcrn auch Gebende und Wirte sein. Erft dadurch wird in Verkehr auf gleichem Fuße hergestellt.
Deutsches rreich.
Bei der La n d t a g s e r s a tz a h l i» T o n d e r n für kii verstorbenen nationallib. Avgeordncten Feddersen wurde tn. Schifferer (natlib.) mit 121 Stimmen gewählt. Tie üinen und Freisinnigen enthielten sich der Abstimmung.
Zur Reform des preußische» Bergrechtes ■t ährt die „Post", baß gegenwärtig i» der Bergabtcilung HailbelSrniniftcriums nnt den Vorarbeiten zu einer lisugeftaltung des Berggesetzes begonnen lvird. Tie Reform : pöL'b sich vor allem nach zwei Richtungen erftrede«. Es soll irmai eine Acnderung in bcr Organiiatio» der Bergvehör- )i i eintreten, indem getrennte Behörden gescl-affen iverden fj-: den Bergbaubetrieb und für die staatliche Aussichts- fCiugnU. Ferner soll gegen Entscheidungen, der Bergbc- lö«:den bas Vcrwaltungssireitversahrcn eingeführt werden.
TaS spanische Königspaar wird am 28. Sept, ■u n Besuch des bayrische» Ho>es in M ü nchcn cintreffcn.
Ter ^Nachfolger des Freiherr» v. Rabowitz. Ziun deutschen Botschafter in Madrid ist als Nachfolger des
Zweites Blatt 158. Jahrgang Dienstag September 1908
Ka, ▲ Ak A A aaa ZK zk. A aa Rolat'-nSdrnck unb Verlag der vrübl'schen
Q)ICnviivi Zlli^vtGvi
General-Anzeiger für Gberhesfen


