Ausgabe 
20.2.1908 Zweites Blatt
 
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X Grün berg, 1

oct öcn

für damalige Zeiten selbst den Platz be- das Gelände auf dem pro Klafter ab. Tie

Dar vegräbnirwesen der Israeliten Gießens.

Der alte israelitische Friedhof auf dem Nahrungsberg, welcher

bis am

gefaßt. Ter Stadtvorstand, an den man forderte 31/2 fl. für die Rute, einen

AttSverfttäts-NachNichteK.

M ü n ch e n, 19. Febr. Eine S t u d e n t e n o e r s a m m l u n g ist hier einberuien in der Form, daß die Klinikerschait mn 20. d. M. eine Versammlung abhält zur Diskussion des Themas:Gibt e s n o ch eine a k a d e m i s ch e F r e i h e i t ?" Sämtliche Hoch- chnlstudierende Münchens sind eingeladen.

Z ü r i ch, 19. Febr. Das Preisgericht hat von 34 Konkurrenz- Projekten für die U n i v e r s i t ä t s b a il l i ch k e i t e n den 1. Preis von 8000 Francs den Herren Eurjel uud Moser in Karlsruhe zu- gesprochen. ;

Pachtungen der Doma nial-Fischereien erzielten wärtig die Lachläufc 1. -wisck-en Elpenrod, Hainbach

auf einige Erbbegräbnisse nun vollständig belegt ist, wurde Freitag, den 4. November 18 3 6 mit der Beerdigung eines 83 jährigen, in der Klinik verstorbenen Mannes seiner

der Unterricht in landwirtschaftlicher Naturkunde be­sonders beachtet wurde. Es waren dazu erschienen: Geh. Ober- schulrat Dr. Scheuermann aus Darmstadt, Provinzialdirektor Ge- heimerat Tr. Breidert und Schulrat Kleinschmidt aus Gießen, außerdem ein Sberr vom DrcuBilden Ministerium, Tr. Olden­burg aus Berlin. Alle Anwesenden waren sehr befriedigt über das Gehörte und Gesehene. Besonders sprach >ich auch der Herr vom preußischen Ministerium sehr anerkennend. über die Unter­richtsmethode und- über die Gewandtheit der Schiller aus. 3in> vergangenen Semester weilten zwei österreichische Ministerial- Leamte aus Wien in derselben Angelegenheit in unserm Ort. Besonderes Interesse enuedte auch die Heinr. Samessche Stif­tung an Lekwmitteln, sowie per ganze Schulhansneubou, der nach der Prüfung eingehend besichtigt wurde.

Bestimmung übergeben.

Schon im Jahre 1834 hatte die israel. Gemeinde die Arttage eines eigenen Friedhofes in Gießen ernstlich ins Auge sich dieserhalb wandte.

um einen speziellen Kostenüberschlag. Im Uebrigen blieb alles, wie es nun schon fünf Jahre bestand. Tabei kamen die Gießener Gemeindemitglieder, deren Angehörige dort begraben waren, zweifellos alljährlich zum Besuche der Grabstätten nach 1 Großerr-Linden und tonnten aus eigener Kenntnis die immer gegen fortschreitende Verwilderung des Friedhofes konstatieren. Allein und Nee-«kerne Hand rührte sich. Man hatte ja jetzt in Gießen einen

B.B. Darmstadt, 19. Febr. Ein interessanter Ver­gleich kam heute vor der Strafkammer zum Abschluß. Tas sozialdemokratischeO ffeub a ch er Abendblat t" hatte aus derFranlsurler Volksstimime" am 26. Juli v. I. einen Artikel ab gedruckt, durch den sich der katl-olische Pfarrer Eich in Obertshausen und eine Anzahl Mitglieder des dortigen Männer- und Vollsvcreins beleidigt fühlten. In dem Artikel war gesagt worden, der Verein hätte mit dem Pfarrer als Gegentrick am selben Tage, an dem eine sozialdemokratische Gewerkschaftsver­sammlung tn Obertshausen stattfand, ebenfalls eine Versammlung abgehalten, an der jedochfast Niemand" teilnahm, als ein Paar alte Kartenschlägerinnen und einige männliche Halbidioten, auf'die das Wort Zimmermanns zutreffe, daß sie zu den SpeziesMen­schen" nur in einem ganz losen Berwandtschaflsverhältnis stän­den. Das Schöffengericht zu Offerrbach hatte den angeklagten Redakteur Ignaz Klug vom Offenbacher Abendblatt freigesprocken, aber diese aus Rechts gründ en notwendige Freisprechung bedauert, da die in dem Artikel ausgesprochene nieürige Gesinnung wohl eine gehörige Strafe verdient hätte. Da der Beklagte in der heutigen Berufungsinstanz eine Verurteilung als wahrscheinlich annehmen konnte, entschloß er sich auf Anraten des Präsi dritten zu einem Vergleich, wonach er 5 0 Mark als Buße an die Lungenheilanstalt Sandbach zahlt, fein Bedauern über den Artikel ausdruckt und sämtliche Kosten übernimmt.

Frankfurt a. M., 19. Febr. Die Strafkammer verurteilte heute Heu Schutzmann Eisen Haus wegen Freiheits­beraubung und Körperverletzung im Amte zu vier Monaten Gefängnis, den Schutzmann Antrecht »regen Lkör- perverletzung im Amte zu 200 Mk. Geldstrafe. Ter Schutzmann Grothe wurde fveigesprvchen, obwohl er beinahe der Mißhand­lung als «überführt angesehen ivorfcen war. Die Schutzleute hatten am frühen Morgen den Teilnehmer einer Gesettscl>ast, die auf dem Nachhausewege begriffen war, unberechtigter Weise verhaftet und auf dem Transport zum Revier fchiver miß­handelt.

fc. Frankfurt a. M., 19. Febr. Irr der Nacht vom 12. auf 13. Januar d. I. herrschte eine furchtbare Kälte. Jw> Wachtlokal der Schießstandwack>e in Hanau zeigte trotz eifrigen Feuerns das Thermometer abends um 11 Uhr 11 Grad unter Null. Der Musketier Emil Sonntag von der 4. Kvmpagnie des 166. Regiments, der um 11 Uhr als Posten abgelöst wurde, kam halb erstarrt ins Wachtlokat, obwohl er mit zwei Mänteln, deur Postenmantel und dem Dienstmantel, bekleidet gewesen war. Ten Postenmantel legte er ab, mit dem Dienstmantel aber setzte er sich an den Ofen. Ter wachhabende Ges reite machte ihn daraus auhnerüfam, daß es verboten sei, in der Wachtsiube mst einem Mantel bekleidet zu fein, und befahl ihm wiederlptt, ihn abzulegen. Aber Sonntag erklärte: Riich friert so, wenn ich ein bischen warm bin, zieh ich den Mantel aus! Darüber schlief er ein b ni> auch der.Gefreite begann zu nicken. Ta kam> der Offizier vom Ortsdienst und sah den Mann mit dem Mantel. Er veranlaßte die Meldung und heute wurde der Musketier ivagen Beharrens im Ungehorsam vor versammelter Manu schatt vom Kriegsgericht zur geringsten zulässigen Strafe von »d Tagen Gefängnis verurteilt.

Berlin, 19. Febr. Tie dritte Strafkammer des Landgerichts I Berlin verurteilte den Redakteur Former Ruo. Oesterreich wegen Aufreizung zu Gewalttäigkeiten,^Aufsor- derung zum tlngehorsam gegen oic Anordilungen der Tbrigtett und Aufforderung zu ftraibaren Handlungen zu eineinhalb Jahren Gefängnis uni> den Meratlarbeiter Richard Gvhl

mitgeteilt wurde, haben die Veranstalter der seinerzeit von der Kritik so beifällig beurteilten Eichendvr ff- Feier be­schlossen, diese nächsten Sonntag, 23. Febr., abends 7 Uhr, in der Turnhalle des Turnvereins am Oswaldsgarten als Bolkskonzert zu wiederholen, um gerade den ar beit en­den und weniger mit Glücks gutem gesegneten Kreisen unserer Bevölkerung Gelegenheit zu geben, gegen geringes (Entgelt ein gutes Mmzert zu Höven. Die Eintrittspreise sinv äußerst mäßig gehalten: 50 Pfg. für den ersten, 30 Pfg. für den zweiten Platz. Mitwirkende sind außer einem aus Mitgliedern der Ge­sangvereine Concordia, Harmonie, Heiterkeit, Liederkranz und Lehrer, ängerchor gebildeten, gegen 100 Sänger zählenden Männer­chor Frl. Annie Atüller, Konzertsängerin, und Herr Adolf Müller, Konzertsänger, aus Frankfurt, die auch schon bei der Eichendorfs- Feier am 8. Tezember v. I. mitgewirkt haben; außerdem die Herren Gustav Simon (Violine. aus Mainz und Julius Hahn (Klavier) aus Gießen. Es dürfte also den Zuhörern durch das 5ionzcrt gegen äußerst 'geringes Eintrittsgeld ein erst kl ass' Kunstgenuß geboten werden. (Siehe Inseratenteil.)

** Kolosseum. Tie Kämpfe des 3. Tages endigten mit

beseitigt werden. Man hat nämlich neuerdings auch öffentlich geäußert, die hiesige K'leinkinder-Bewahranstalt sei eine ftäbt Anstalt und werde der Hauptsache nach aus stödttschen Mitteln, durch die Steuerkraft der Gemeinde, erhalten; die öffentlich erbetenen Beiträge seien darum eigentlich nur eine Erleichterung der Stadtkassc, ein Beitrag für diese. Tas ist tin Irrtum Tenn die Anstalt wurde vor etnxi 70 Jahren von Mitgliedern der hiesigen FreimaurerlogeLudwig zur Treue" gegründet als ein freier, selbständiger Verein, eine private Wohltätig­keitsanstalt. Auch als sie 1878 die Rechte einer juristischen P^on staatlicherseits erhielt, wurde ihr ausdrücklich diese Stel­lung als einerauf Liebesgaben gegründeten und durch freie Liebestätigkeit geleiteten Anstatt" gewahrt; es wurde Ihr nur die Verpflichtung auferlegt, ihre Jahresrechnungen dem KreiS- amtc zur Einsicht -vorzulegen, was dem Vorstände zur Sicherheit, and) gegenüber den Freunden der Anstalt, natürlich nur heb fein kann. Tie Anstalt erhebt zudem, wohl als einzige Klern- kinderschnle in ganz Oberhessen, kein Säpttgeld, ihr Besuch ist für die Kinder unentgeltlich. Und nur deshalb, weil die Ktinder, um die Eltern umso besser in ihrer Erwerbsarbeit zu fördern, auch über Mittag in der Anstalt bleiben und dort Mittagessen erhalten was wohl auch in keiner anderen Wein- kinderschnle Oberhessens geschieht, werden von jedem Kinde für dieses Essen wöchentlich 20 Pfg. Suppen-Psennige er­hoben, also etwa 3 Pfg. täglich, die natürlich nicht aus- nüchen für die Suppe, so daß die Anstatt jährlich einige hundert Mark zulegen muß. Die Anstalt ist demnach jederzeit auf die Hilfe ihrer und ihrer Kinder Wohltäter und Freuride angewjesen, deren sie allerdings um ihres heilsamen sozialen Zweckes willen von Anfang an eine große Zahl hatte und noch hat.' Zu diesen vielen Wohttätern gehört sehr dankenswerter Weise auch unsere Stadtverwaltung, die seit Jahren der Anstalt einen freiwilligen Bettrag von 300 Mk. jährlich spendet. Das ist aber doch keineInanspruchnahme der Steuerkraft der Bür­ger", denn diese Liebesgabe wird jährlich mehr als ersetzt dadurch, daß die Anstatt durch, die treue Pflege und Bewahrung von etwa 250 Kinder den ganzen Tag hindurch vielen Familien der Stadt ihre Erwerbstätigkeit und dadurch auch ihre Steuerzahlungskraft erhöht. Man hat ferner behauptet, die Kleinkinder-Bewahranstalt besitze ein großes Vermögen und könne aus dessen Zinsen ihre Bedürfnisse bestreiten. Durch die weiter begehrten Beitrüge er­höhe sie immer mehr ihr Kapitalvermögen. Das ist auch ein Irrtum Richtig ist, daß die Anstalt durch besondere Schenkungen, Stiftungen und Vermächtnisse aus früherer und neuester Zeit einige Kapitalien besitzt, und daß sie jährlich einige feste Beiträge als Stiftungszinsen einnimmt, ohne die sie gar nicht bestehen könnte, die Anstalt hofft, daß auch künftig bet Schenk­ungen, Stis tun gen und Vermächtnisfen ihrerund ihres Wohltätig fei ts wertes gütigst gedacht werden möge. Allein dem allen steht Überragend gegenüber eine Hypothek- schuld von 18000 Mk., die verzinst werden müssen. Es mußten die Bediensteten der Anstalt, wie die anderen Beamten, in ihren Gehältern erhöht werden. Die Kanalisatton mit allem damit zu­sammenhängenden beanspruchte einige Tausend Mark und wird auch ferner Beiträge erfordern, die von der Anstalt so gut, wie von jedem Hausbesitzer, entrichtet werden müssen. Demnach sind nickst die Kapitalien, sondern die Aufgaben und Sorgen der Anstalt gestiegen, und weitere Unterstützung tut ihr not. Noch werde endlich ein anderer Irrtum befestigt, die Mei­nung nämlich, die voriges Jahr ausgesprochen wurde, daß die für Weihnachten von dem Anstaltsvorstande gesammelten Gelder doch auch eine beträchtliche Einnahme der Anstalt bedeuteten. Es sei dagegen versichert, daß säm-tliche von den Vorstands­damen zur Christ bescl)erung besonders zusammengebrachten Gelder, eine recht hohe Summe, nun für die Bescherung verwendet werben, daß kein Pfennig davon in die Anstaltskasse fl ießt. Was etwa übrig bleibt, das wird im Laufe des kommenden Jahres zur Freude der Kinder verbraucht, für Bretzeln, Kaffee- fest, Ach Mstch für besonders schwache Kinder. , Ai äch­ten diese Ausführungen eine erfolgreiche Empfehlung der Bitte des Vorstandes der Kleinkinder-Bewahranstalt sein! Möchten die Erheberin der Beittage mit ihrer Liste allerseits eine freundliche Aufnahme finden!

** Volkskonzert (Eichendorff-Feier). Wie schon früher

genden Tage beerdigt.

Unterm 8. Aprst 1828 verfügte der Landrat, daß der jüdische Begräbnisplatz zu Großen-Linden mit einer Umzäunung versehen werden müsse, andernfalls die Umfassung behördlicher­seits angeordnet ireroen und die entstandenen Kosten einge­trieben werden müßten. Dem Verlangen des Landrats wurde alsdann auch sofort entsprochen und dem Flurschützen Johann Müller für Beaussichttgung des Judenbegräbnisplatzes 2 fl. pro Jahr bewstligt. Trotz dieser Aufsicht war bereits im Jahre 1833 keine Spur von der Hecke des Totenackers mehr vorhanden, die im Jahre 1828 neu angelegt worden war. An dem Tore waren die Kloben weggerissen. Die Umzäunung der Anliegen­den war ganz unversehrt. Ter ganze Friedhof glich einem Ackerfelde. Auf eine Beschwerde an den Kreisrat ersuchte dieser den Bürgermeister Leun um eine strengere polizeilich Aufsicht und bestimmte, daß in Zukunft die Flurschützen erst bann ihre Vergütung erhalten sollten, wenn sie ein Zeugnis des ersten Vorstehers beibringen könnten. Diese und andere Mißstände, welckie sich zu diel er Zeit mehr als je bemerkbar machten, ver­anlaßten den Vorstand der Gießener israel. Religionsgemeinde, die Anlage eines neuen Friedhofes in unserer Stadt ins Auge zu fassen. Es ist unbegreiflich, daß man bei den Erörterungen hierüber den Friedhof zu Großen-Linden vollständig vergessen zu haben schien. Ware es sonst möglich gewesen, daß man mit einem wahren Vandalismus die Grabdenkmäler beschädigte und zum Teil niederriß? Noch einmal, im Jahre 1838, er­klärte der beauftragte Vorstand des Friedhofes zn Großen- Linden den Vorständen der israel. Religionsgemeinde Gießen, daß er die zur Sicherheit der Gräber erforderliche Umzäu­nung nicht allein unfertigen lassen könne, da es mit einem kleinen Aufwand nicht getan sei. Ter Vorstand bat alsdann

folgenden Resultaten: Mit großer Ueberlegenheit besiegte Frl. Philippi (Aachen) die Berlinerin Frl. Berg in 15 Va Sek. durch Untergriff von hinten verbunden mit Halbnelson. Aufregend war der Kampf Frl. Richter (Schlesien) gegen Frl. Koslowsky (Ostpreußens Lange wogte der Kampf hin und her, bis er nach 20 Min. heißem Ringen abgebrochen werden mußte. Tie Entscheidung findet Freitag statt. Nach 7.09 Min. ging Frl. ö an Ion (Elsaß) im Kampfe gegen Frl. Knorr (Rheinland) als Siegerin hervor durch Halbnelson am Boden. Für heute Donnerstag stehen nrieber interessante Kämpfe bevor, u. a. der Entscheidungskampf zwischen Frl. Simson, Hannover, unb Hanlon -- Elsaß. Wegen des täglich überfüllten Saales sichere man sich frühzeitig Plätze.

"Gestohlen wurde heute nacht in dem Neubau Ecke der Friedrichsstraße und deS Wetzlarer Weges ein Drillich-Anzug.

** Der internationale Charakter de § Roten Kreuzes hat durch ein kleines Vorkommnis in jüngster Zeit wieder Bestätigung gefunden. Auf Anregung des Roten Kreuz- komitecs des Tepartements Vaueluse in Avignon soll dort zum Besten der Verwundeten und Kranken des französischen Ex- peditwnskorps von Marokko eine Kindertombola veranstaltet wer­den, für die überallher Puppen in Nationalttackst als Preise erbeten wurden. Tenv an sie ergangenen Ersuchen um eine solche Beisteuer, dem u. a. die russisch Kaiserin in freigebiger Weise nachgekommen ist, hat auch die hessische Protek- torin vom Roten Kveuz entsprochen, indem man eine 32 Zen­timeter große Puppe in kleidsamer ober hessischer Tracht (eine Öüttcnbergcrin" aus Pohlgöns) nach Avignon sandte. Ein liebenswürdiges Tankschreiben hat den Empfang bestätigt.

-r ©rüningen, 19. Febr. Am 18. Febr. sand in der hiesigen Fortbildungsschule eine Prüf ung statt, wobei

der-Gemünden einen Jahrespachtertrag von 111 M, 2. die Felda bei Nieder-Gemünden und Rülfenrod 72 Mk., 3. die Ohm bei Homberg bis an die Wäldeshäuser Grenze 55 Mk., 4. die öyoa bei Ermenrod 175 Mk., 5. der Sembach bei Merlau unb Flen­sungen 61 Mk., 6. der Linsenbach bei Grünberg und Queckborn 301 ML, 6. die Ohm bei Nieder-Ohmen 60 ML und 7. die Lumda bei Lumda 12 Mk. t _

ltz Butzbach, 19. Febr. Ein Ulan vom Regiment Nr. 6, der von Hanau mit seinem Pferde verschwunden war, wurde^rn Grävenwiesbach verhaftet und hierher gebracht. hiesige Bataillon meldete sofort die Sache nach Hanau und beute rüb wurde der Ausreißer von Ulanen abgeholt, .ter Ulan heißt Roth und ist aus Dillenburg, dorthin wollte er an­geblich aus Heimweh retten. Unterwegs gingen Wtne Barmittel aus, in Kleebach blieb er über Nacht und da er feine Mittel mehr hatte, meldete er sich auf der Bürgermeisterei, die leine Ver­haftung veranlaßte.

Q Laubach, 19. Febr. Am heutigen fand am Gym- nasiu m Friedericianum unter Vorsitz des Geh. Oberschulrats Nodnagel die mündliche Maturitätsprüfung statt. Neun Schüler unterzogen sich ihr; vier waren durch ihre guten schriftlichen Leistungen von dem Examen befreit. Sämtliche Examinanden bestanden.

x Wettsaasen, 18. Febr. Unser Fischbach ergab bei seiner Verpachtung den Betrag von 46 Mk. gegen 20 Mk. in der vorausgehenden Periode. Pächter blieb der seitherige Besitzer W. Laligenohr von hier.

Offenbach, 19. Febr. Der Fehlbetrag, der sich in der Stadtkasse ergeben hat und der in der letzten Zeit auf nur ungefähr 3300 Mk. beziffert wurde, hat sich als wesentlich höher herausgestellt und beträgt heilte 4 7 000 Mark. Bekanntlich hat die Bürgermeisterei auf Veranlassung des Verfassungs- und Vermögensausschusses den Stadtrechner Grebe zu einem Bericht über die Ursachen des Fehlbetrags aufgefordert. Grebe hat diesen Bericht nunmehr erstattet. Er macht über die Entstehung des Defizits folgende Angaben: Im Jahre 1892 seien ihm eines Tages plötzlich 10000 Mk. oerschlvunden. Diesen Fehlbetrag habe er bald darauf durch einen größeren Lotteriegewinn decken können. Nach der Ver­einnahmung größerer Anlehensbeträge im Jahre 1905 seien ihm darauf abermals 50 000 Mk. auf ähnliche Weise ver­schwunden; hiervon habe er in der Zwischenzeit 3000 Mk. gedeckt, so daß sich also der obige Fehlbetrag von 47 000 Mk. ergibt. Dem Vernehmen nach will Grebe den Verlust der 50 000 Mk. nicht sofort, sondern erst etwa 14 Tage später, anläßlich eines Kasfenabschlusses bemerkt haben. Die Unter­lassung einer amtlichen Meldung über den Fehlbetrag be­gründet Grebe unter anderem damit: Er habe keinen be­stimmten Verdacht aussprechen und darum auch keine weitere Auskunft über die fehlende Summe geben können. Nicht zuletzt habe er geschwiegen im Interesse seiner Familie, sowie an§ beruflichem und persönlichem Schamgefühl. Ein Obertertianer der hiesigen Oberrealschule erkrankte vor einiger Zeit unter Begleiterscheinungen, die auf Genickstarre schließen ließen. Der Schüler, der mittlerweile gestorben ist, wurde einer eingehenden Untersuchung unterzogen, wobei sich heraus­stellte, daß er tatsächlich mit dieser gefährlichen Krankheit be­haftet war. Die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln sind bereits eingeleitet.

Frankenberg, 19. Febr. In Th alitter brannte gestern nacht die Schlannwitz'sche Käsefabrik nieder. Es mirb Brandstiftung vermutet. In Buchenberg wurde vorgestern das Gehöft des Landwirts Gelb durch ein Groß­feuer eingeäschert.

enorm hohen Preis, unb wollte auch stimmen. Taxatoren schätzten schließlich jetzigen alten Friedhöfe zu 1 fl. 5 kr. . Gesamtkosten zur Anlage des Friedhofes behugen 1600 fl.

Bis zum Jahre 1836 beerdigten die Israeliten Gießens unb folgender umliegenden Ortschaften ihre Toten auf einem großen Degräbnisplatz zu Großen-Linden: 1. Wieseck; 2. Heuchelheim; 3. Großen-Linden; 4. Langgöns; 6. Kirchgöns und Pohlgöns: 6. Leihgestern; 7. Steinberg; 8. Watzenborn; 9. Garbenteich; 10. Steinbach. Sämtliche Gemeinden hatten sich dahin geeinigt, die Oberaufsicht über den Friedhof zu Großen- Linden dem Vorsteher von Kirchgöns zu übertragen. Dieser hatte als Unter aufseher den Flurschützen zu Großen-Lmben, der laut landrätlicher Verfügung hierfür eine jährliche Ge­bühr erhielt. Bis zum Anfänge des 18. Jahrhunderts scheint sich auf dem Gebiete des Begräbniswesens alles glatt abge­wickelt zu haben. Die Verstorbenen wurden nach damaliger Sttte. möglichst noch am Todestage, spätestens jedoch am sol-

eigenen Friedhof und bekümmerte stcti nicht mehr um dm zp Großen-Linden, der mit her Zeit von den Bauern benützt mürbe, als wäre er ihr volles Eigentum. Ta niemand Klage erhob, nahmen sich einige kurzer Hand das Recht, ein Stück nach dem andern mit einer Hecke zu versehen unb als ihr Eigentum zu prollamieren. Auf den Nachbargrundstücken des jetzigen jüb. Friedhofs zu Großen-Linden, die zurzeit Eigentum verschie­dener Ortseinwohner sind, befinben sich eine große Anzahl jüdischer Grabsteine, ein Beweis, daß auch diese Grundstücke ursprünglich zu dem gleichen Begräbnisplatz gehörten. Nach dem israel. Ritus ist die Veräußerung eines Friedhofs, so­wie die Benutzung eines solchen zu landwirtschaftlichen Zwecken sttengstens verboten und ein Verkauf aiuf) nur einzelner Teile undenkbar. Die früheren Inhaber der bett. Friedhofsgrund- stücke könnten also unmöglich einen Erwerbstitel darüber be­sitzen, vielmehr muß s. Zt. eine widerrechtliche Aneignung bel­eihen stattgefunden haben. Eine Anzahl von Parzellen mit Grabsteinen soll seit über 60 Jahren im Besitze von Privaten ein; auf den übrigen Grundstücken hat man anscheinend die

Denkmäler entfernt.

Da das Grundbuch im Jahre 1856 legalisiert wurde, konnte eine Aenderung int Verwaltungswege nicht herbei^eführt wer­den. Auch Bemühungen, auf gütlichem Wege ettvas zu er­reichen, waren bisher vergeblich. Das Gesetz über den Denk­malschutz verhindert wenigstens die Entfernung der noch er­haltenen Denkmäler. Allein die bett. Grundstücke sind unb bleiben Eigentum der jetzigen Inhaber, falls nicht btc Gießener israel. Gemeinde unter schweren finanziellen Opfern dieselben anlaufen sollte, wozu wohl wenig Aussicht vorhanden ist.

Die vorgestern ihrer Bestimmung übergebene israelitische Abteilung des neuen Friedhofs am Rodtberg liegt im itord- östlichen Teile des bis jetzt eröffneten Geländes. Es send hier 1049 Grabstätten vorgesehen, und zwar 78 Erbbegrabnisfe an der Mauer, 16 Einfassungsgräber daselbst, 60 Gräber für Erbbegräbnisse, 585 Reihengräber für Erwachsene, 39 Gräber ür Kinder von 310 Jahren, 271 Gräber für Kinder von 03 Jahren.

Tas für die Israeliten bestimmte Friedhofsgebäitde wurde im September 1907 fertiggestellt.

Der Neubau ist in spätromanischen Formen nach dem Ent­wurf unb unter Leitung des Stadtbaumeisters Gerbel aus­geführt. Für das am südlichen Giebel vorgebaute Portal, ür Tür- unb Fensterumrahmungen, Gesimse und Giebelab­deckungen ist roter Mainsandstein verwendet, für die Tritt­stufen Odenwälder Granit; die äußeren Mauerflächen sind in Basaltlava hergestellt.

Die hehr. Inschrift über dem Hauptportal ist dem Buche Hiob, Kap. 1, 21 entnommen und lautet in deutscher lieber- etzung:Ter Ewige hat's gegeben, der Ewige hat's genommen, )er Name des Ewigen sei gepriesen!"

Der südliche Teil des Baues, der die Trauerversammlungs­halle mit einer Bodenfläche von 70 Quadratmeter enthält, ist durch eine überwölbte Vorhalle mit dem nördlichen Anbau ver­bunden. In diesen befinden sich drei Leichenzellen, an welche sich zwei Stäume für die Leichenwache und die übrigen erforder­lichen Nebenräume anschließen.

Tie Baukosten betragen 35 000 Mk. für den Bau unb bic innere Einrichtung, unb 2500 Mk. für die Anpflanzung der Umgebung, die Anlage eines Brunnens und die Herrichtung der Wege.

Plan unb Ausführung des Gebäudes zeugen von seinem Geschmack unb rechtem Verständnis für die Forderungen, die an diesen ernsten Ort gestellt werden. Mit dem Tanke, welchen die Israeliten Gießens der Stadtvertretung, zollen für die bereitwillige Erfüllung aller Wünsche, soweit sie religiösen Bedürfnissen entsprangen, verbindet sich der Tank gegen Herrn Stadtbaumeister Gerbel, der mit einem reichen Maße von Liebe sich seiner Aufgabe entledigte. Josef Marx.