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20.2.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 43

Redaktion, Exveditton und Druckerei: 6cf)ul* strotze 7. Expedition und Verlag: fcgöfroL Redaktton:e-^II2. Tel.-Adru AnzeigerGietzen.

Zweites Matt 158. Jahrgang Donnerstag 20. Februar 1908

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D- .«ietzene, Zamtstenblätter- werden dem U ZM | i B iZ 1 fl¥ O UnwersitotS - Buch- und Stetndruckeret.

,aA4etflei* viermal wöchentlich bergelegt, das A viL, W II W'HL J M ® B H Lange, Gießen.

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»ochentltch. Die Landwirtschaftlichen Seit' E f #

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Vereinigung der Steuer- und wirtschastzresormer 1

M-. S.L,S. Berlin, IS, ». , .

21 u» StaOt und Land.

Gießen, 20. Febr. 1908.

Nicht einwandfreie Inserate. Unsere Leser wissen, daß wir Anzeigen, deren Inhalt irgendwie bedenklich erscheilit, nicht ausnehmen. Von einer auZivärtigen Annoncen- Expedition, der dies genau bekannt ist, ging uns am letzten Freitag dennoch ein solches Inserat zu, indem 35 Bücher teilweise sehr minderwertigen Inhalts für 2,45 Mk. angepriesen wurden und das noch an demselben Tage erscheinen sollte. Um diesem Wunsche zu entsprechen, wurde das Inserat der Kürze der Zeit halber ohne genauere Prüfung aufgenonimen, waS selbstverständlich bei näherer Kenntnisnahme unterblieben iväre.

"Vom Großh. Hofe. Zum Besuch trafen ain 17. Februar, nachmittags 2.31 Uhr, im Neuen Palais ein: Fürst und Fürstin zu Solms-Lich, sowie Prinz Wil­helm zu Stolberg-Wernigerode. Prinz Wilhelm zu Stolberg- Wermgerode reiste am selben Tage mit Zug 11.20 Uhr abends wieder ab, während nach derFranks. Ztg." bie- SolmS-Lichschcn Herrschaften am Dienstag nachmittag wieder nach Lich ziirückkehrlen.

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Zu Kornp.- Chefs ernannt die Haiiptleute: Seebold im Colb. Gren.- Regt. Graf Gncisenau (2. Pomm.) Nr. 9, Volley im Ins.» Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Zum Oberleutnant befördert: Lt. Hoffe im Jnf.-Leib-Negimenl

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Febr. Kultusminister Dr. Holle wurde heute im Laufe beS Vormittags ganz unerwartet aus der Sitzung des Abgeorbnetenhauses zuni Kaiser zum Bort rag befohlen. Der Kultusminister hat dem Kaiser in eineni länger als einstündigen Vortrage lediglich Mitteilungen über die körperliche Ausbildung der Jugend, ihre Förderung durch die Negierung und die für diesen Zweck in den Etat üngestellten Mittel gemacht.

Bremen, 19. Febr. Die Senats-Kommission des bremischen Unterrichtswesens hat gegen den bekannten Schulmann und pädagogischen Schriftsteller Heinrich Scharrelmann ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Behörde erkannte ein Dienstvergehen in drei Artikeln, die Scharrelmann veröffentlichte. Er hat darin erklärt, ein Lehrer müsse die Freiheit haben, wenn es sein Gewissen gebiete, auch Zegen die Vorschriften des Stunden- und Lehrplans zu han- öc n> selbst werde es stets so halten.

stände bereits im letzten Jahrzehnt in großem Maßstabe Rech­nung getragen ist. 8. Schließlich weist der sprunghafte Auf- und Abgang des Wirtschaftslebens, die damit verbundenen Wirt­schaftskrisen und die sie begleitenden Massenentlassungen der industriellen Arbeiter darauf hin, daß für die Arbeitcrbevölke- rung auf die Tauer nicht die Lohnhöhe, sondern die ununterbrochene Arbeitsgelegenheit das entscheidende Moment ist, und, daß hierfür die weitere Stärkung des inneren Marktes die beste Gewähr bietet.

In der T i s k u s s i 0 n empfahl Tr. Pflug, Berlin, den Beamten die Gründung eines Vereins gegen Verteuerung der Lebensmittel. Als Zeichen der Zeit bezeichnete der Redner das Auftreten der Aristokraten der Arbeiter. Wenn ein Maurer­polier 100 Mk. die Woche verdient, so gehe er ebenso zu Kempinski unb ins Cafe wie die Agrarier. Diese Arbeiter-Aristokraten wissen ganz genau, wie Austern und Sekt schmecken. (Heiterkeit.) Nachdem noch kurz Tr. Wegener und Rechtsanwalt Eschen- bach gesprochen, wurden die Leitsätze einstimmig ange­nommen.

Es folgte die Neuwahl des Vorstandes; die bisherigen Vor­standsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Der letzte Punkt betraf die Diskontsätze in Deutschland. Der Referent Reichstagsabg. Tr. Otto Arendt beantragte folgende Resolution:Tie Erfahrungen der,letzten Monate, die Stei­gerung des Neichsbankdiskonts bis auf 7,/j bezw. 8 Proz. und der noch immer andauernde Bankdiskont von 6 bezw. 7 Proz. beweisen, daß die Aufrechterhaltung der bisherigen Vankpolitil in Deutschland uns vor die Gefahr schwerer wirtschaftlicher Katastrophen stellt. Tie Beibehaltung der Freizügigkeit des Goldes macht Deutschland widerstandsunsähig gegen Krisen des Auslandes und wirtschaftlich abhängig. Sie verteuern uns dau­ernd den Zinssatz und schädigt damit das gesamte Erwerbsleben, sie schädigt Deutschland im Wettbewerbe in dem Auslande, ver­mindert unsere Expvrtfähigkeit und führt mithin zum ivirt- scl-aftlichen Rückgang und zur Arbeits- und Erwerbslosigkeit. Von der demnächst zusammentretenden Enquete erwarten wir eine durchgreifende Reform der Reichsbank und die Einführung des in Frankreich bewährten Systems der Goldprämie, unter Vermehrung des Umlaufs und Zahlkraft des Silbergeldes, ent» sprecl)end den Bedürfnissen des Verkehrs und zum Schutze unserer Goldbestände behufs Herbeiführung eines tunlichst stabilen und billigen Zinssatzes."

In der Diskussion beantragte Rechtsanwalt Eschenbach die Enquete auch auf das Tepositenbankwesen auszudehncn. Die Resolution gelangte mit dieser Abänderung zur Annahme.

Darauf wurde die diesjährige Hauptversammlung mit einem Kaiser hoch geschlossen.

Berlin, 19. Febr. Das Herrenhaus ist auf Mitt­woch den 26. Februar, mittags 1 Uhr, zu einer Plenarsitzung eingcladen worden. Außer der Ostmarken-Vvrlage werden noch einige von dm Kommis,tonen Kreits erledigte Recl/euschaftsbe- rcclste und Petitionen sowie vonv Hause der Abgeordneten etwa eingehende Vorlagen zur Beratung gelangen.

Die Kommission des Reichstages für das Vereinsgcsetz nahm in ihrer heutigen Sitzimg den 8 9 in folgender Fassung an: Die Beauftragten der Polizeibehörden sind befugt, unter Angabe des Grundes die Versammlung für aufgelöst zu erklären:,!, wenn die Genehmigung nicht erteilt ist; 2. wenn die Zulassung dem Beauftragten der Polizei nicht erteilt ist; 3. wenn Bewaffnete, die unbefugt in einer L^r- sammlung anwesend sind, nicht entfernt werden; 4. wenn in einer Versammlung Anträge oder Vorschläge erörtert werden, die eine Aufforderung oder Aufreizung zu Verbrechen oder nicht nur auf Antrag zu verfolgenden Vergehen enthalten. Wenn eine Versammlung aufgelöst worden ist, hat die Behörde dem Lei­ter der Versammlung die Gründe der Auflösung mitzuteilen, falls er binnen drei Tagen dies beantragt. § 10 wird in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.

In der BudgetkomMission des Reichstages erklärte Staatssekretär Dernburg auf eine Anfrage des Ab­geordneten Storz, es handle sich nicht um die Absicht, Gefangene zu deportieren, sondern solche Leute, die ihre Strafe verbüßt 1/ichen und Gelegenheit haben sollen, sich zu rehabilitieren. Eine Diskussion sei indes überflüssig, da aus finanziellen Gründen die Absicht nicht durchzuführen sei, ganz abgesehen von den grundsätzlichen Bedenken. Die Justiznnnister der Einzelstaaten hätten sich zu der Frage auch noch gar nicht geäußert. Auch internationale Schwierigkeiten stän­den dem Plane entgegen.

In der Buogrtüimrmission des Abgeordnetenhauses äußerte sich ber Minister des Innern v. Moltke auch über die Be­hauptung, daß von der Berliner Kriminalpoli­zei so viele Verbrecher nicht ermittelt würden Diese Behauptung sei unrichtig. In seck/s Jahren, von 1899 an, leien bei der Berliner Kriminalpolizei 118 Kapstalverbrecl)en zur Anzeige gekommen. Von diesen seien nur acht uuentdeckt ge­blieben, während in London nach der letzten Statistik 23 1/3 Pro- &cnt uncntdectt blieben. Bezüglich der jn der letzten Zeit vor- gekommenen sieben Käpitalverorechen sei zu erwähnen, daß fünf Angeschuld.gte unter schwerem, Verdacht in Untersuchung ge­zogen sind, während bei zwei inniger Aussicht auf Ermittelung besteht. Unter diesen Umständen sei es auch nicht zu verwun- bern, daß die auswärtige Pvesst ihre Kriminalpolizei au, die Berliner Kriminalpolizei Hinweise. Ter Minister des Innern erklärte auf eine Anfrage, ob die Regierung beabsichtige, das S ch e r l s ch e Sparsystem zu lancieren, Scherl habe die Sparkassen nickst gefragt. Wenn er mit neuen Anträgen an die Regierung herautveten wolle, müsse er sich zunächst mit den Spar­kassen in Verbindung setzen. Au, eine längere Auseinandersetzung über die S t r a ß e n d e mo n st r a t i 0 n e n erklärte der Minister, die Polizei bedürse hierbei keiner weiteren Unterstützung. Die Straßendenwnstrationcn seien mit überlegter Strategie von ber Sozwib.mvkratie ins Werk gesetzt worden. Wenn die Masse nickst freiwillig auseinanderginge, werde mit den^ zulässigen Exekutiv- mitieln vorgegangen. Tie von einigen weiten vorgeschlagene p-euerspritze hält der Minister nicht für ein geeig­net e s Mittel.

München, 19. Febr. Die Aufbesserung der Be- amlten im Reiche soll in dieser Session eingebracht werden mst dem Vorbehalt, daß sie erst mit den neuen Steuern in Kraft tritt, und dann mit Rückwirkung auf den ersten April, lieber die Reichsfinanz-Neform, die 250 Millionen Mart er bringen soll, haben fid)_ bisher die verbündeten Negierungen noch nicht geeinigt. Der Streit geht um Sprit, Tabak, Erbschasts- licucr und Matrikularbeiträge.

Wie alljährlich in dergroßen landwirtschaftlichen Woche" traten auch drei es Jahr dieSteuer- und Wirtschaftsreformer" zu einer Generalversammlung zusammen. Ter Vorsitzende Reichs- tagsabg. Graf v. Mürbach-Sorquitten eröffnete die heu-

f Generalversammlung, die im Künstlerhause stattfand, mit folgender Ansprache: Ter Erlaß weiland Se. Majestät des ./»rs Friedrich an den Reichskanzler vom 12. wcarz Iööö enthalt bic bebeutiamcn Sätze:Nur ein auf der gesunden Grund- age von Gottesfurcht in einfacher Sitte auswachsendes Geschlecht tvird hinreichende Widerstandskraft besitzen, die Gefahren zu über» ^EN,.welche in einer Zeit rascher, wirtschaftlicher Bewegung durch die Beispiele hochgesteigerter Lebensführung Einzelner für bie Gesamtheit erwachsen. Es ist mein Wille, daß keine Ge­legenheit versäumt werde, in dem öffentlichen Dienste dahin zu wirken, daß ber Versuchung zu unverhältnismäßigen Luxus entgegengetreten roerde." Leider ist dieser Mahnung des ver­ewigten Kaisers, die in vollem Einklang mit den Grundsätzen seines erhabenen Vaters unb denen seiner Ahnen stand, längst vergessen und unbeachtet geblieben. Selbst unsere Regierungen haben sich von ber altpreußischen Einfachheit abgewendet. Tie m dem Steinmecr der Städte, unberührt von dem erfrischendem Odem der Natur, heranivachsende Jugend tonnt zum großen Teil kein höheres Streben, als in der Beftiedigung materiellen Ge­nusses. Materialismus sittliche Verwilderung und Verrohung fuhren zu den entsetzlichsten Verbrechen. Aus den Verbrecher­zentren heraus wird das Land verseucht. Tiefe Erscheinungen, die in diesem Umfange noch niemals in unserem Vaterlande äh berjcidjnen loaren, erinnern zweifellos an die Zeiten des Ver­falles des Römischen Reiches. Tie Regierungen und die besten Kreise unseres Volkes sollten mit aller Hingabe unb Energie an bie Heilung dieser Schäden Herangehen. Der erste Punkt der L,agesordnung betraf:Kanteten gegen den Kvnlraktbruch der austandiscl-en landwirtschaftlichen Arbeiter, sowie gegen das viel­fach verderbliche Verhalten der Arbeiter-Agenten." Ter Referent rr efe *ot Gerlach. Königsberg i. Pc., beantragte eine

Erklärung wvrm es u. a. heißt: Tie Beschaffung ausländischer Arbeiter durch Agenten und Vorschnitter ist durch weiteren Aus- bau der _£)rgani|ation ber Landwirte zur Stellenvermittlung zurückzudrangen. Tie Verleitung der landwirtschaftlichen Arbeiter zum Vertragsbruch, sowie die wissentliche Annahme ober Ver­mittlung Vertragsbrüchiger Arbeiter ist zu bestrafen. Stellen­vermittlern, die dieserhalb im Wiederholungsfälle bestraft iuerben, i)t bie Erlaubnis zu ihrem Geiverbebctrieb zu entziehen.

Zu dem zweiten Punkte der Tagesordnung:Tie wich­tigsten Erscheinungen des wirtschaftlichen Le- b e ns ' re tarierte Professor Dr. H. Tade , Berlin, über Preise u n d Löh n e. Tie interessanten Aussührnugen gipfelten in folgen- den Leitsätzen: 1. Tie Preisbewegung für landwirtschaftliche und industrielle Erzeugnisse in Deutschland während der letzten Jahr­zehnte ergibt die Tatsache, daß man die Produktivität ber £0^1^00^ bisher unterschätzt unb die ber Industrie überfcbäfct hat. 2. Für bie Belastung des Konsums bieten bie Großhandelspreise allein keine sichere Grundlage, da es Tatsache ist, dnß der Zuschlag jur bie Kleinhanbelspreise von Jahrzehnt zu Jahrzehnt größer geworden ist, unb außerdem niedrigen unb hohen Preisen in verschiedener Höhe bemessen wird. Besonders gilt dies für die Lebensmittelpreise. 3. Der letzte Aufschwung im deutschen Wirtschaftsleben von 1904 bis 1907, an tarn die größere Kaufkraft der einheimischen Landwirtschaft und bie dem platten Lande entrissenen Arbeitskräfte einen wescnt- lichen Anteil gehabt haben, hat das Lohnniveau der Arbeiter­bevölkerung auf eine bisher nicht erreichte Höhe gebracht. 4. Auch die Kaufkraft des Lohnes, der sogen. Reallohn, ist trotz der höheren Warenpreise noch weiter gestiegen. 5. Tas Einkommen und die Lebenshaltung eines großen Teiles ber Arbeiterbevölke­rung hat bereits bie Stufe ber breiten Unterschicht bes selb­ständigen Mittelstandes erreicht und vielfach schon überschritten. Hier H.gt ber Grunb für die Unzufriede h it unb Erbitterung des Mittelstandes in Stadt unb Lauo über die einseitige Sozial­politik zugunsten ber Arbeiterbevülkerung. Ter Jndivibualismus wendet sich gegen den auf bie Spitze getriebenen Sozialismus. 6. In politischer Hinsicht wird von weittragender Bedeutung sein, ob bie höhere Schicht der Arbeiterbevölkerung bereit ist, sich von der unter ihr stehenden Schicht loszusagen unb sich zu ber nach Einkommen unb Lebenshaltung gleichartigen unb staatserhaltenden Schicht des Mittelstandes zu schlagen. 7. Am ungünstigsten sind die Streife der Bevölkerung gestellt, bereit Einkommen nicht unmittelbar dem Aufschwung des Wirtschafts­lebens und dem Steigen ber Warenpreise folgen konnten. Hiervon sind besonders weite Schichten ber Beamtenbcvölkerung betroffen. Es ist deshalb mit Genugtuung zu begrüßen, daß diesem Ihn»

Ausland.

.R0IN, 19. Febr. DerOttervawre Romano" schreibt der Angelegenheit des Profi ssors Ehrharbin Straß- ourg: Die von Ehrharb geleistete Genugtuung wurde zwar uis genügend cmgeseheu, ber Papst glaubte aber bei der schwere des Falles und der begangenen Irrtümer die von lym getroffene Entscheidung, den Namen Ehrhards von oer Liste seiner Hausprälaten zu streichen, nicht rückgängig machen zu sollen. Er hofft jedoch, daß Ehrhard es ver- rehen werde, von neuem sein Vertrauen zu gewinnen und |eme^ Ehrenstellung wiederzuerlangen.

Berl. Tagebl." meldet auS Christiania: Das Kon- ^^s^mskomilee des Swrthings hat einstimmig eine wichtige Veränderung des Grundgesetzes vorgeschlagen, nämlich die A u f- Devung der Königskrönung.

-langer, 19. Febr. Wie ein drahtloses Telegramm aus ^asablanca meldet, hat Oberst Taupin am 16. und 17. d. Mts. VJ1 e r e erfolgreiche Gefechte gehabt. Verschiedene An- -v c dos Feindes wurden mit dem Bajonett zurückgeschlagen.

französische Zdrlonne ist nach Fadela zurüclgetehrt, um ihren , .robiant zu erneuern. General d'Amade besetzteamSonn- »ag oct tat, biwakierte dort und lieferte am Montag den -ladrakas ein Gefecht. General d'Amade hat nach einem wetteren Telegramm beschlossen, Casablanca anfzugeben. Äie Stadt wird in Zukunft nur nod) als Verproviantterungs-- 1 lation unb zur Unterbringung von Verwunbeten unb Kranken chrwondot werben. Tie bisher in Casablanca befinblichen Truppen- c-iile werden zwischen Mediuma unb Berrechib verteilt.

3-ebr. Tie japanische Regierung über» . dem amerikanischen Botschafter ihre Vorschläge be- »u g 11 ch ber amerikanische 11 Einwande r u 11 g als gmioort auf bas Momoranbum bet Vereinigten Staaten vom 0 ^uli v. I In amerikanischen Kreisen glaubt man, baß M Uneinigkeit bezüglich der Einwauderungs- kcase damit aus der Welt geschafft sei..

Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. Versetzt: Oderlt. >m Lehr-Negt. der Feld-Art.-Schießschule v. ConSbruch in dos Großh. Art.-Korpö, 1. Großh. Hess. Feld-Art.-Regiment 9tr. 2b. Befördert: v. Roden berg, Lt. im Großh. Hess. Train-Bat. Ltr. 18, zum Oberleutnant. Aus ber Schutz, iiuppc für Südwestasrika ausgeschieden und nut dem 1. März 1908 im Heere angeslcllt: Dr. Ater das, Stabsarzt, als Baiaillonsarzt des 1. Bats. b. Großh. Hess. Jnf.-RegtS. 9tr. 168. Auf Gesuch zu den Reserveoffizieren des Trnppen- loiles ubcrgeführt: v. Boltog, Lt. im Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115. Versetzt: Dr. Hoppe, Stabs- unb BatS.-Arzt des 1. Bats. 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts. 9tr. 168, zum 3. Bat. Jnf.-Regts. Gen.-Feldmarschall Prinz Friedrich Karl uon Preußen (8. Brandend.) 9lr. 64.

** Person enstandsbewegung im Jahr 1907. Nach den Personeilstandsverzeichnissen des Standesamts beträgt bie Zahl bet Geburten in unserer Stabt 1081 unb zwar 568 Knaben unb 513 Mädchen. Von ben geborenen Kindern rühren 437 von ortsfremden Müttern her (Anstalten unD Sclv- niken), so bau aus Gießen nur 644 Geburten davon eittsallen. In diese Zahlen nicht mit eingeschlofsen sind 41 totgeborene Kinder. Von den 1081 Geburten entfallen 752 auf eheliche unb 329 auf uneheliche Kinder. Tie Zahl der <5 t e r b e f ä H e int abgelaufenen Jahr beträgt 695. Darunter befinden sich« in Anstalten unb Kliniken verstorbene Ortsfremde 307, so daß aus Einheimische entfallen 388 Todesfälle (in diesen Zahlen sind die totgeborenen Kinder nicht enthalten). Verüctsichtigt man bic Geburten unb Sterbefälle, soweit die Gießener Vevölkeruiig in Frage kommt, so bleibt ein Ueberschuß von 256 Geborener über bie Gestorbenen. Nach Mitteilungen bes Kreisgesiuidl-eits-» amts ftarben 1907 124 Kinder unter einem Jahr, darunter; 23 uneheliche. Von den unter einem Jahre verstorbenen Kin­dern waren 26 so lebensuiifähig, daß sie unmittelbar nach der Geburt verstorben finb. Von ben Säuglingen finb nur 13 an Tarmkatarrh gestorben. Jebensalls ist bic Säuglingssterblich­keit in Gießen nicht gerabc ungünstig zu nennen. Die Ein­wohnerzahl unserer Stadt stellt sich nach ber Volkszählung 1905 aus 28 732, nach ber Gewerbezählung vom 12. Juni 1907 auf 30 223, so baß nach beni prozentualen Zuwachs Gießen am, 31. Dezember 1907 30 692 Seelen gehabt haben wird.

** Pfarrpersonalien. S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben dem Pfarrer PH. E r ck m a n 11 zu Maulbach die evang. Pfarrstelle zu Bauschheim, dem Pfarrer Joh. Wolf zu Herchen- hain bie evang. Pfarrstelle zu Jugenheim (Tek. Mainz), bem Pfarrverwalter Hch. Göttert zu Altenschlirf die evang. Pfarr- stelle daselbst unb bem Pfarrverwalter Gg. G 0 cckel zu Wah­len (Tek. Alsfeld), die evang. Psarrstelle daselbst ü6ertragen.

* 9lcue Gerichtsassessoren. Durch Entschließung des Großh. Nlinisteriums der Justiz wurden bie Neferenbare Otto Braulke in Darmstabt, Will). Brücket in Lang- Göns, Jul. Car>iier in Darmstadt, Ludw. Daud in Mainz, Dr. Herrn. Dersch in Darmstadt, Herrn. Drüll in Langen. Dr. Joh. Falk in Mainz, Karl Hein in WormS, Hans Keller in Bingen, Adols Petersen in Darmstadt, Will). Sartorius in Darmstadt, Hch. Schmitt in Alzey, Will). Weber in Gießen und Dr. Nob. Wenzel in Gießen zu Gerichtsassessoren ernannt.

** Lehrerpersonalien. Ernannt ivurbe der Schuld Verwalter Joh. Hofmann zu Gießen zum Lehrer an oem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen unter Be­lassung in der Kategorie der Volksschullehrer. lieber tragen; wurde dem Lehrer Phil. Stärk zu Undenheim eine Lehrer-, stelle an der Gemeindeschule zu Pfeddersheim, dem Schutamts- aspiranten Hch. Erdmann aus Ruttershausen eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Kirtorf. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- rneindcschule zu G r 0 ß-W i n t e r n h e iin. Mit ber Stelle ist Drganiftenbienft verbunden.

** Klagen über überfüllte E i s en b a h n z ü g e ge­hen unS öfters zu. So sollen gestern abend bei dem um 6 Uhr 24 Min. nach Lich abgehenden ^lrbeiterzug kurz vor der Ad- fahrtszcit, 34 Musiker, die 4. Klasse fahren wollten, mit dem Bemerken zurückgewiesen worden sein, daß die Wagen beslTtzt seien. Wir teilen dies ohne die bitteren Bemerkungen mit, oie imser Gewährsmann dazu gemacht hat, damit für die Zukunft Abhilfe geschaffen wird. Auch über bie zu geringe Zahl von Raucherabteilungen find uns schon öfters Klagen zu Ohren gekommen.

Omnibus- Gesellschaft. Ter Fehlbetrag der Gießener Omnibus-Gesellschaft im abgelaufenen Jahre beträgt, wie man hört, 8000 Mk. Wenn man die nicht erarbeitete Verzinsung der von der Stadt mit den Jahren für das Unternehmen hergegebenen Beträge hinzurechnet rc., soll die Untcrbilanz deS OmnibuS-UnternehmenS sich auf 12 000 Mk. belaufen. Der Vorstand soll empfehlen, unter diesen Um­ständen ben Betrieb so bald als Niöglich einzuslellen.

** Der Vorstand der hiesigen Kleinkinder-Be* wahvanstalt bittet üw Anzeigenteil d. Bl. um die üblichen Jahresbeiträge. 3irr Empfehlung dieser Bitte fei Folgendes ausgcführt, womit besonders einige laut gewordene Irrtümer;