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22.9.1908 Erstes Blatt
 
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iber 1908.

Bald darauf seguere der Doktor bae>

germg.

icmbcv d. Js., o.'! - von den Gemeint. Aepfel und Birnen, L ii, versteigert rottbn

mber 1908.

;ei Alten-Buicck.

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dings den Salometänzerinnen sehr nach. Die bekannte amerikanische Gesellschaft für die Bekämpfung des Lasters hat bei der Polizei dringende Beschwerden darüber ein­gebracht, daß jetzt beinahe in allen Theatern und VariStäs Salometänzerinnen auf dem Programm ständen, und es ist daraufhin angcordnet worden, daß bei jeder Vorstellung zwei Geheimpolizisten anwesend sein müssen. Tas Tanzen mit bloßen Füßen ist ganz verboten worden. Die Polizei- richtcr ihrerseits haben erklärt, daß sie bereit seien, Haft­befehle zu erlassen, wo die Polizei solche für notwendig halten sollte. Das freie Amerika!

gaung.

ndeocrstcigecung nd in Aepsel unb-H

die Reichs regiernng bod) endlid) authentisches über ihre Pläne bekanntgeben möchte. E A.

iber 1908.

ei Reikkirche".

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Nachfolger, Inhal«; Me 64 -

Dr. Kallmann unb*: Frankfurt a. SH. - Perschbacher - (ty Aufenthalt abiveM-

- mit dem fe -läufig vollslceckvai n tZeldempfang legi o% Zinsen au§ ii; zahlen, agten zur münblii- das Großhcrzogli^ teil 27. Noveuibr e i>er öfjenihtyn $ :nnt gemacht.

19U8.

herzigen AMgrch

Sarafate f,

-h. Pablo de Sarasate, der berühmte spanische Heigenkünstler ist, wie uns ein Telegramm aus Biarritz, wo «r sid) zur Erholung aufhielt, soeben meldet, dort im Alter ton 64 Jahren pföhlidi gcstorben. Pablo de Sarasate txir einer der bedeutendsten Geigenspieler unserer Zeit, Ler auch einige durd) blendende Technik ausgezeichnete Kom­positionen (meist span. Tänze) geschrieben hat. Er ist am HO. März 1844 in Pamplona geboren und begann seine CStubicn schon mit 4\2 Jahren. Unter gewissenhafter Pilege «rächte er rafd) ausgezeichnete Fortschritte, trat im Altcr ton 6 Jahren in einem Konzert zu Coruna zum ersten Male öffentlich auf, und wurde in Madrid als neunjähriger Knabe der erklärte Liebling des kunstsinnigen Publikums. Lier studierte er drei Jahre, trat 1856 schon in das Kvn- K.roatorium zu Paris ein, wo Delphin Alard sein Lehrer Dar. Hier errang er im folgenden Jahre den ersten Preis Les Konservatoriums im Diolinspiel und .Harmonie. Nach s.iveijährigem Studium bereiste er Amerika und den Orient, Hielt sich bann wieder längere Zeit in Paris auf und trat 3876 zum ersten Male im Gewandhaus in Leipzig auf, non wo er dann nach Berlin. Wien usw. kam und überall glänzende Erfolge errang. Der Erfolg seines Spieles be­ruhte vor allem auf der bestridenden Technik und dem Hinreißenden F-euer, wobei ihm besonders die namentlich m der Höhe außerordentliche Reinheit des Tones zu statten Dm. Seine Wirkung ging zwar, wie bei den Sängerinnen 3er altitalienischen Schule, nicht sehr tief, bereitete aber sinen auserlesenen Kunstgenuß. Außerdem hat er das Ver­dienst, viele neuere Komponisten wie Lalo, Brud), Saint- Saens u. a. berannt gemacht zu haben. Eine alte Stradi- uarius-Geige im Werte von 25 000 Franken, ein Eigentum der span. Regierung wuroe dem neunjährigen von der Königin Isabella unter der Bedingung zum Geschenk ge- raachl, daß sic nach seinem Tode wieder an das Reich zu- cüctfiele.

Bekämpfung der Salometänzerinnen in Dewyork. Aus London, 15. Sept., schreibt unser Kor- x^jpondent: In Newyork stellt man, wie es scheint, neuer­

daß ausreid)endc Mittel zu schaffen seien, denn die Einzel- staatcn tömiteu nicht mehr die Matrikularbeiträge wie in den letzten Jahren leisten. Um dieser Last zu entgehen, hätten sich einzelne Minister zu sehr weitem Entgegen­kommen bereit erklärt, trotzdem hätten sid) bei der Einzel- besprechung der Projelte erhebliche Differenzen ergeben. Tie Biersteuer sei verhältnismäßig glatt o

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cptemb-r, * "® dft iu Sei«* E

ßig glatt ourchgegangen, da der Bundesrat schon 1906 im allgemeinen dasfelbe gefordert hatte, was heute Shdow wünscht. Rund 50 Millionen Mark mehr soll die Bierauelle fließen lassen. Bei der Tabak­steuer sei unter anocrem auch der von nationalliberaler

Kleine Chronik aus Kunst und Wissen- schäft. In Wiesbaden findet in der Zeit vom 4. bis 10. Oktober ein von der städtischen Kurverwaltung veran­staltetes Richard Strauß-Musikfest unter des Kom­ponisten persönlicher Stütinig statt. Als Konzerttage finb 4., 6., /. und 10. Oktober festgesetzt worden. Der 6. Ott. wird vornehmlich Kammermuittwerke bringen, im letzten Konzert werden der Bardenge-ang, am Ähluß TaElofer aufgeführr.

Seite angeregte Gedanke eines Rohtabakmonvpols ein­gehend besprochen worden und es sei nicht ausgeschlossen, daß dieses Monopol Annahme findet. Die Banderolen­steuer sei von mehreren Seiten ebenso bekämpft worden wie von allen Parteien in den Unterredungen mit Sydow. Das Branntiveiumonopol könne als aufgegeben angesehen werden. Gegen die Weinsteucr sei besonders von den Per­tretern Württembergs und Badens Einspruch erhoben wor­den-, die darauf hinwicsen, daß man bei der Gründung des Reiches beiden Staaten zugesagt habe, daß das Reid) keine Weinsteuer einsühren werde. Sel)on in den Vorbe­sprechungen mit den Abgeordneten sei betont worden, daß Diese Steuer nicht viel einbringen werde, daß sie aber ganze Existenzen vernichte. Im Kample gegen die Elektrizitäts- stcuer sei Bayern so gut wie allein geblieben; es sei sehr bemerkenswert, daß Württemberg gar leinen Widerspruch erhebe und daß Baden gar schnell in die Arme des Reichs­kanzlers gefallen sei. Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer sei am glattesten durchgegangen, da Herr v. Rheinbaben nachgegeben habe und sid) auf die Konservativen verlasse, daß sie nicht zustimmen würden.

Wir haben im vorstehenden mit allem Vorbehalte die Mitteilungen der Zentrumspresse über die Reichs sinanz- reform wredergegeben und können es uns bei dieser Ge­legenheit nicht versagen, den Wunsd) auszu^rechen, daß

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politische Lagesschau.

Ter Kaiser und Lippe-Tetmold.

Die etwas mysteriösen Cnb.-.itur.gen ber Llppcschen Land.'s- zeitung über einen neuen Konflikt dos Kaisers mit dem Hanse Lippc-Tclnwlb finden jebt in der Berlmer Presse eine näh. re Erklärung. Ter Berliner Lokalanzriger hält c5 nicht für u;::- geschlossen, daß die Meldung van dein Avschiedsgestich dcS Prin'-cn Bernl)arb den Tatsachen entspricht. Dagegen fehle cs an jeder Berechtigung, sie mit der Perlon deS ÄtufcrS in irgendwelchen Zu­sammenhang zu bringen. Prinz Bernhard stand im Mai d. I. in Paderborn und halte schon dort nicht den Ruf besonderer per­sönlicher Liebenswürdigkeit. Als er dann als ESkadronSchcf -um 14. Husaren-Regimcnt nach Kussel verseht wurde, gelang eS ihm aud) in dieser neuen Garnison nicht, seine militärischen Borge- scyten besonders für sid) cinzunchmcn. So fiel cS namentlich auf, daß er seinem RegimenlS-Kommairdeur von Plettenberg erst am 23. August, also reichlich drei Monate nach seiner Verfemung nad) Kassel seinen Antrittsbesuch niadtfe. CS mag fein, baß ihm aus diesem ober einem ühnUdicn lurnnbe die Cuireidjunn ).;nc5 Ab­schiedsgesuches nahe gelegt wurde. So weit der Lokal-Anzeig-r. In einem Artikel oc5 Berliner Tageblatts findet die Angelegenheit ledoch eine roefentlid) andere Beleud-tung. Es werden darin die verschiedensten Kränkungen ausgezäh'.t, die dem Lause Lipp^-Tct- mold im Laufe der Jahre -ugesügt lvorden seien. Sn den Kvvallerieübungen in der Senne, die im August statlsandcn, sei der Fürst von Lippc-Detinolo, wie fd)on vorher bei vielen ähn­lichen Anlässen, vom Kaiser ignoriert lvorden. Obsdion sid) das! ItVpifdjc Kontingent, wenn auch nur passiv, an diesen Hebungen beteiligte es diente zu Absperrungen und obschon sich die Hebungen selbst nicht auf ltypischem Boden abspieltcn, so erging an den Kontingenlichcrrn ganz gegttl alle Gewohnheit bcitnotiv keine Einladung. Während dieser Hebungen nun verließ Prinz Bernhard, der älteste Bruder des Fürsten, voller Bitterkeit den UebungSplab und reichie sofort fein Abschiedsgesuch rin. Und das war so gekommen! Als vor dem oberften .Kriegsherrn die vcr- schikchenen Regimenter dcsilierlen auch die Kasseler Husaren, denen der Prinz als Rittmeister angehört uno die Offiziere wie üblich vor dem Kaiser salutieren, ernteten sie samt und fonoersi den kaiserlichen Gruß. Als aber der Prinz zur Lippe vorbeiritt, da drehte fid) zufällig entw<Mv des Kaisers Pferd oder der Kaiser selbst, und der Prinz wurde überfegen. Wie er gemeint bat, mit Absicht. Mag fid) die Sache so bereiten oder anders, jo wirdünan es bod) int Interesse des inneren Friedens im Deutschen! Reiche und im Interesse deS monarchischen Gedankens bebnuerro müssen, daß derartige Konflikte an das Lid)t der Ocsfentlichleit gezerrt iverben. Weit sympathisdier berührte da die Haltung des verstorbenen Graf-Regenten von Lippe, des Vaters des jchigeii Fürsten. Der verstand es, Kränkungen ictnvcigcnb ßu trag.n unb sagte einmal, alS man ihn einmal an diese Kränkungen von Berlin aus erinnerte: Id- bin nur ein kleiner Fürst ünb kann schon manchen Stoß vertragen, ober die Würde uc-5 deutschen Kaisers muß in der Oesfentlichkrit unangetastet bleiben.

Wahres Geschick) tchen aus Tirol. Eines der größten Originale und gleichzeitig ein großer Wohl­täter der Armen lvar der nun schon seit langem verstorbene Innsbrucker Stadtarzt Doktor G. Als der qlte Hern: beim Sterben war, besuchte ihn ein Geistlicher unb legte ihm sehr eindringlich nahe, er möge im Interesse seines Seelen­heils von seinem Vermögen doch auch etwas der Kirche testieren. Bereitwillig versprach ihm der Doktor, daß er ganz sicher etwas dem Bischof von Brixen vermachen werde. Hochbeglückt darüber entfernte fid) der geistliche Seelenhirt. Bald darauf segnete der Dottor das Zeitliche. In geist­lichen Kreisen herrschte schon große Spannung wegen seines Testaments. Bei der Eröffnung des Testaments stellte sich heraus, daß G sein beträchtliches Vermögen in den ver­schiedensten Legaten Armen, Kranken urrd sonstigen Unter» irützungsbedürftigen testiert hatte. Zum Schluß des Testa­ments aber sand sich folgender Passus:Und all die vielen ,/8ergelt» Gott!", die mir meine Erben nachjertden wer­den, vermache ich dem Bischof von Beixen."

verband deutscher Gewerbevereine.

R. B. Darmstadt, 21. Sept.

Der Verband deutsd)er G.wcrbevereinc, dem insgesamt : über 150 000 Mitglieder in allen Teilen Deutschlands an- : gehören, trat heute zu seiner 15. Haupt v e r s am m - Lung zusammen. Die hessische Regierung war durd) Aw 1 nisterialrat Dr. U finger, der preußische Minister für Handel und Gewerbe durd) Obetregierungsrat Dr. von : Giz y ki-Wiesbaden, das bal/rische SraatSministerium durch Regierungsrat Bogendörfer -Würzburg, die badische Re­gierung durch Geh. Negierungsrat Dr. Cron-KarlSruhe; bie Königl. Zentralstelle für Handel und Gewerbe in Würt­temberg durch RegierungSrat Dr. Ab c le-Stuttgart, der RcichSverband der deutschen Gewerbevereine Oesterreichs und 1 der Niederösterreichische Gewerbeverein durch Professor Dr, ' Kobatsch und SektionSches Dr. Vetter-Wtetr und der Schweizerische Gcwerbevercin durch Kantonsrat Zell­wege r-Zürich vertreten. Der Vorsitzende, Rogicrungsreit N o a d-Darmstadt, hieß die Ersd)ienenen willkommen uni^ dankte besonders den behördlichen Vertretern für ihr scheinen. Nach der mit einem dreisachen Hoch auf Kaiser und Großherzog schließenden Ansprache dankte Ministerial­rat Dr. U sing er für die Begrüßung, betonte, daß die Gcoßh. Regierung stets zur Förderung und Unterstützung des deutfd)cn Handwerks und Gewerbes bereit sei und wünschte den Beratungen besten Erfolg. Nad) einer Reihe weiterer Begrüßungsreden (v. Gizyki-Wicsbaden, Dr. Detter- Wien, Dr. Kobatsd)-Wien, Zellweger-Zurich, Gewerberat Falk-Mainzu, a.) trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. RegierungSrat Noack gab einen Tätigkeitsbericht des Vorstandes, wonad) dem Verband 1441 Vereine mit 150000 Mitgliedern angehören und soeben nod) der Beitritt der junf Vereine in Koburg-Gotha mit 1000 Mitgliedern er­folgte. Die Einnahmen betrugen 20124 Mark, die Aus- gaben 16 263 Diack. Ter Vorsitzende referierte darauf übec bie Erhebungen der Wirkung des HandwerkcrgejeM, did der Derbanb deutscher Gewerbevereine veranstaltet hatte. Nach bem Bericht wurde namentlich dagegen Einspcnch er­hoben, daß das Reichsstatistische Amt feine Erhebungen mit auf die Innungen beschränkte und die freien geiverblichen Vereinigungen unbeachtet ließ, obwohl die deutfd)en Ge- werbeveretne die entsprechenden Fragevogen zur Verlüguna stellten, ^usttzrat Tr. Fuld-Mainz hielt einen längeren Vortrag über den Gesetzentwurf, betr. den unlauteren Wett- btneeb und die Vcriammlung nahm darnach eine längere gjqolutwn an, in der die geplanten Abänderungen mit ^!^'6ung als Verbesserung begrüßt, aber noch eine An»! zahl Aetiderungen einzelner Bestimmungen in Vorschlag gebracht werden, lieber die Besteuerung von Gas und Elektrizität sprach Dr. med. Becter-2prcnd- lingen, woraus die Versammlung der gestern vvn den hesfi-f " ^^rbevereinen angenommenen Resolution mit einex? fleinqi Abänderung zustimmt, die sich gegen eine eirrfeitiaö ^^Evbes durch eine Besteuerung der Kraft' und des L^trs für kleine Gewerbe" ausspricht. Weite«! ! ^lonunlung der Anftcllung eines Wissenschaft-!

ttcheu Mitarbert^s zu und bqchloß, den Titel des Ver- «bsnder- urvMMdern iit; djeutf^er

600 Millionen neuer Steuern!

Der Reichsschatzsekretär Sydow hütet sein Geheimnis o gut er kann; er scheint geradezu ängstlich bemüht zu cm, seine neuen Steuerprojckte nicht bekannt werden zu assen. Vielleicht läßt er sich hierbei von dem nicht ganz unrichtigen Empfindeii leiten, daß die Oesfentlichkeit das neue häßliche Steuerbukctt noch immer frühzeitig genug zu sehen bekommen werde. Es verspricht in der Tat häß­lich genug zu werden, wenn das wahr ist, was die Zen- trumsblättcr darüber erfahren haben. Tie Vertrauens­männer der Blockparteien, die in Sydvws Stcuerpläne ein- geweiht worden sind, sollen geradezu verblüfft gernefen fein, und es gelte schon jetzt als sicher, daß diese Art der Stcucr- reform keine Mehrheit im Reichstage sinben werde. ES fehle ihr jeder große Zug und hinzu komme noch, daß weit mehr gefordert werde, als man bisher angenommen hatte. Bisher sprach man von 400 Millionen neuer Steuern, jetzt heißt es, daß es sich um 500, ja 600 Millionen Mark neuer Einnahmen durch Steuern handeln würde. Ja, wenn diese 600 Millionen wenigstens noch ungekürzt dem Reiche zugute kämen, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Mit Den neuen Steuern soll auch eine ganz bedeutende Vor- mehrung des Beamtenapparats Hand in Hand gehen, als ivenn wir nicht schon jetzt genug und übergenug Beamte hatten.

Welchen Sinn es hat, neue Steuern einzusührcn unb bamit die allgemeine Lebenshaltung der Bevölkerung zu verteuern, um neue Beamtenstellen einzurichten, das ver­mag der gemeine Untertanenverstand nicht einzusehcn. Doch wir vermögen einstweilen nicht zu glauben, daß der neue Schatzsekreiär in solcher Weise unsere Finanzen reformieren will. Vielleicht ist es nur Bosheit der Zentrumsblätter, bie so etwa» behauptet, um Mißtrauen gegen bie heutige Blockpolitik zu säen. Ternöln. Volksztg." zu­folge sieht bas Sydowsche Projekt solgcnbermaßen ans:

Als Belastung des Masfenkonsums soll eine Erhöhung der Einnahmen aus Bier, Branntwein und Tabak mit rund 300 Millionen Mark in Aussicht genommen sein. Rechnet man hierzu die teilweise sehr hohen Erhebungs­kosten, die gerade die Getränkcsteuern erfordern, und die Abfindungen, welche ein Branntweinmonopol, das in der Tal geplant sein soll, nötig macht, so lämc man ur diese drei Genußmittel allein auf eine Mehrbelastung der Konsumenten mit etwa 350 Millionen Mark jährlich! Das wäre weit mehr, als diese Steuern bisher überhaupt eingebracht haben, sic mußten daher, wenn man noch einen mvcrmeidlichcn Verbrauchsrüägang in Betracht zieht, mehr als verdoppelt, vielleicht verdreifacht iverben! Als Aus­gleich für diese Belastung des Konsums der breiten Volks­massen sollen auch Lu xuS ste u e r n, eine Wein st euer unb eine Steuer auf GaS unb Ele ktrizitä t, beide zusammen mit einem Ertrag von etwa 70 Millionen Mark lährlich cingesührt werden. Damit auch der Besitz von den neuen Steuern erfaßt wird, soll außer der schon bestehenden KeichSerbschaftssteuer, das heißt außer der Steuer auf die einzelnen Ervansällc, der bisher bie Erbanfälle der Kinder und Ehegatten nicht unterworfen waren, eine Nach la ß- 'teuer von allem hinterlassenen Vermögen, gleichviel, an. wen solches al» Erbteil fällt, erhoben werden. °Diese Steuer soll etwa 120 Millionen Mart jährlich be­tragen, wovon jedoch ein beträchtlicher Teil als Erhebungs- losten abgeht. Alle diese Steuern gäben eine Gesamtmchr- üelastung von jährlich 540 Millionen Mark, von denen etwa ri70 Millionen Mark netto in bie Reichskasse gelangen wür­den, während 7 0 Millionen Mark jährlich für Ab - fjin buit gen unb Erhebungskost en draufgehen.

Außerdem soll noch zur Deckung des Steuererlasfes auf Zucker im Betrage von 2 Pfg. pro Kilo, welcher der Reichs- lasse einen Ausfall von etwa 40 Millionen Mark jährlich verursachen wird, eine Inseraten st euer (Annoncen- oder Anzeigenstcuer) eingefüyrt loerden, in Höhe von etwa 60 Millionen Mark, weil auch diese Steuer wieder besonders große Erl)ebungskosten erfordert.

Erwähnt sei übrigens bei dieser Gelegenheit, daß eS schon einmal eine Jnseratensteuer gegeben hat und zwar in den Jahren 1849 bis 1874 in Hamburg. Sie hat sich dort wenig bewährt, und das Hamburger Fremdcnblatt zieht aus der Geschichte der Hamburger Jnserateuabgabe folgende drei Lehren: 1. Tie Steuer macht teck)nisch bedeutende Schwierigkeiten, da es schwer zu bestimmen ist, was im einzelnen als Inserat zu betrachten und waS davon aus- zunehrnen ist, und welche Ausnahmen als gemeinnützigen, wohltätigen und uneigennützigen Interessen bienend zu gelten haben; sie führt bnfyer zu Ungleichheiten unb Unge­rechtigkeiten. 2. Die Jnseratensteuer trifft nicht die Zei­tungsunternehmer als solche, sondern, wie alle diese in­direkten Steuern, den Äoniumenten, den Inserenten, also den Kausmanns- und Gewerbestand; der Verleger wird durch die Steuer ähnlich wie der Grundeigentümer bei einer Mietcsteuer zum Eiukassierer des Staates. 3. Sie ist wie die unter großem Fiasko zu Grabe gehende F-abrkarten- steuer eine Verkehrs- oder BelricbSabgabc, da sic den Ver­kehr zwischen Produzenten und Konsumenten erschwert, und daher volkswirtschaftlich bedenklich.

Nach derGermania" sollen einige süddeutsche Minister erklärt haben, daß es nicht mehr wie bisher n-eitergehen könne. Besonders lebhaft sei der Wunsch hervorgetrcten,

Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag Ä2. September 1908

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Verlag u. Expedition 51 * et w- aa für den polinschen Teil,

General-Anzeiger für Oberhessen ss bis üomiü?aflflTiö,Ubr! Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch. und Stelndruckerel H. Lange. Nedaktton, Expedition und Vrnckerel- Schulstratze 7.

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