Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. März 1908.
Die Gießener Bezirrssparkafie.
Ja her unter dem Vorsitze des Direktors Doering am Mittwoch abgehaltenen Mitgliederversammlung der Bezirkssparkaffe Gießen wurden auS beni Reingewinn von 1907 folgende Unterstützungen bewilligt: an Krankenanstalten, Diakoniffenstationen rc. 4820,— Mk^ an Kleinkinderschulen deS Bezirks 4350,— Mk., an Rettungshäuser und ähnliche Anstalten 1150,— Mk., an Lehranstalten, Leseoereine rc. 3867,— Mk., 6n sonstige Vereine 720,— Mk., zur Beschaffung warmen Frühstücks für arme Kinder der Stadt- schulen in Gießen 300,— Mk., an 6 Gemeinden zur Ver- ivcndung für gemeinnützige Zwecke 65,— Mk., zur Unterbringung armer skrophulöser Kinder behufs Gebrauchs einer Badekur in Bad - Nauheim 1000,— Mk., zur Prämiierung von 80 Dienstboten ä 10,— Mk. 800,— Mk., zur Prämiierung yon 69 Sparern ä 5,— Mk., 345, — Mk., zusammen 17 417,— Mk. Aus dem erstatteten Berichte ging hervor, daß der Einlagestand sich um mehr als 700000,— Mark erhöht hat und daß 1907 2373 neue Einlagebücher ausgestellt wurden. Im ganzen sind 16 961 Bücher am Schlüsse des JahreS auSgegeben. Die Gemeinde Birklar ist dem Vereine beigetreten, sodaß nunmehr außer der Stadt Gießen noch 33 Landgemeinden für die Verbindlichkeiten der Bezirkssparkasse Gießen haften. Im März nächsten Jahres besteht die Kasse 75 Jahre; sie hat während dieser Zeit mehr als 500000,— M. für wohltätige und gemeinnützige Zwecke hergegeben und im ganzen einen Verlust erlitten von 6 7,65 Mk. Es dürfte dies ein Beweis dafür sein, daß sich die Leitung des Instituts stets in guten HänÄen befand. An Heimsparbüchsen sind nahezu 200 Stück auSgegeben. ES sollen weitere Büchsen angeschafft werden nach einem aerbefferten Modell. Der Scheck- und UebermeisungS- verkehr ist eingeführt, doch ist noch nicht viel Gebrauch davon gemacht worden. Eine Belebung steht erst zu erwarten, wenn sich dieser Verkehr im allgemeinen mehr eingebürgert hat.
** Tageskalender für Freitag, §0. März. Stadt- 1 he ater: Panne. Anfang 8 Uhr.
Kolosseum: Gastspiel Danny Gürtler. Anfang 8 Uhr.
Neuer Saalbau: 80 Kolossalkriegsgemäldc und Extramilitärkonzert. Anfang 8 Uhr.
♦
— In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Beig. Heyligen- staedt von Gießen.
** Uebertragen wurde dem Lehrer Gg. Burstlein nn Reiskirchen die Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Rabertshausen; dem Lehrer Peter Diehl in Ernsthofen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gundernhausen; dem Lehrer Joh. Eißfeller zu Steinbach (Kr. Gießen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reiskirchen; dem Lehrer Ludw. Schönmehl zu Appenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Wiuternheim.
’• Pfarrpersonalien. Ernannt wurde: Pfarraints- kandidat Trautmann zu Kettenheim zum Pfacroerwalter in Maar. Zur Wicderbefetzung werden ausgeschrieben: die evang. Parrsteüe zu Maulbach; die evang. Pfarrstelle zu Herchenhain; die evang. Pfarrstelle zu Maar, den sämtlichen Riedesel Freiherren zu Eisenbach steht das Repräsentationsrecht zu.
— Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog "haben dem Kellner Jean Zimmermann zu Bornheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm vom König von Siam verliehenen Goldenen Medaille erteilt.
— Ernannt wurde der Gefangenaufseher an der Zellenstrafanstalt Butzbach Aug. Steiner zum Oberaufseher am Pcovlnzialarresthaus in Darmstadt.
aller vier Fakultäten: Heidelberg verlieh ihm 1868 den Ehrentitel eines Doktors der Theologie, Tübingen (1877) und Edinburg (1884) machten ihn zum Dr. sur., und vor 22 Jahren füD.te die medizi- zinische Fakultät in Marburg die letzte Lücke aus. 'Dtorburg ernannte ihn auch zum Ehrenbürger, und die Universität Moskau zmn Ehrennütgliede. Ferdinand Baur, David Friedrich Strauß, Ludwig Uhland und der Aesthetiker Friedrich Vischer waren seine Lehrer und wurden seine Freunde. Zeller ist von der Theologie ausaegangen. Unter der Einwirkung dcsHaffenpflugschen Regiments in Kurhessen wurde er aber gleich bei seinem Eintritt in die Marburger Hochschule (1849) zur philos. Fakultät versetzt. 1862 ging er nach Heidelberg und die Berliner Universität zählte ihn feit 1872 zu den ihrigen. Als Theologe betaunte er sich zur kritischen Richtung der von (einem Schwiegervater Jerd. Baur geführten Schule. Seine eignen theol. Untersuchungen sind m einer Rothe von Schriften enthalten. Die Apostelgeschichte untersuchte er kritisch nach ihrem Inhalt und Ursprung, ferner behandelte er unter änderm das System Zwinglis. Aber der Glanz und Schwerpunkt seines Lebens bleibt doch die Philosophie. Hier ist er von Hegels Lehre ausgegangen, hat sich aber im Laufe der Zeit von ihr eirhernt. Als Geschichtschreiber der Philosophie stellte er sich die Aufgabe, „die Fäden aufzusuchen, welche die philosophischen Bestrebungen jedes Zeitalters und jedes Volkes mit seinem geistigen, politischen und sozialen Leben verknüpfen."
— .Der reiche Jüngling", Karl Roeßlers (des Schauspielers a. D. Franz Reßners bürgerlicher Namen) biblisches Trauerspiel in vier Akten, erschien als Buch un Jnseloerlage zu Leipzig. Es ist s. Zt. bei seiner Uraufführung in München nach allen Alten mit lebhaftem Beifall ausgenommen worden. Die Hauptfigur ist Jesus Ehr ist ns, der aber, wie in den meisten biblischen Dramen, im Hintergründe bleibt. Roeßler, hat mit anerkennenswertem Geschick diesem Stoff eine dramatische Form gegeben, dessen äußerliche theatralische Entwicklung effektvoll anfgebaut ist. Der reiche Jüngling ist als naiver melancholischer Träumer aufgesaßt, der wie ein schwankendes Rohr sich bald hierbald dorthin neigt. Sein rechtmäßiger L ater ist em junger Grieche, mit dem seine Mutter ihn im Ehebrüche zeugte. Vor der Well aber ist der reiche Wucherer Asarja sein Vater. Die Sünden Asarjas drücken den Sohn: Nathanael fühlt sich schwer beloben und weiß nicht, wie er den inneren Frieden geromnen kann. Ruth, seine Verlobte, ringt in wilder Leidenschaft um ihn; Nathanael aber wird von der neuen Lehre des Welterlösers mit sortgerissen und er will sein Gut unter die Armen verteilen. Als sein Vater das hört, läßt er ihn ermorden.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft In Wien soll eine Kainz-Krise ausgebrochen sein, ^ainz der sich gegenwärtig in Leipzig auf hall, fordere erhöhte Bezüge. Er suhle, so heißt es. er könne nur noch kurze Zeit seinen anstrengenden Beruf ausfüllen und müsse deshalb an seine Zukunft denken. Seine Bezüge betragen gegenwärtig uOu Kronen. Im Burgtheater scheint wenig Neigung zu bestehen, diese Forderungen zu erfüllen. Kainz ist über die Veröffentlichung wenig erfreut. Er
** Jvhannite-vo-vden. Der König von Preuffcn hat den Fürsten Wolfgang zu Psenbuvg und Büdingen in Büdingen nach Prüfung desselben durch das^Kapitel und auf Vorschlag des Herrenmeisters Prinzen Eitel-Friedrich von Preußen, zum Ehrenritter des Jvlianniterordens ernannt.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters: Für Herrn Regiffeur Reimer-Schlegel findet die Benefiz- Vorstellung Freitag, 27. März, statt unb zwar gelangt die beliebte Poffe mit Gesang „Flotte Weiber*, nicht Shakespeares „Lustige Weiber", zur Aufführung.
** Großes melodramatisches Schlachten- Potpourri. Zu der gestrigen hochinteressanten Veranstaltung in Steins Garten hatte sich ein recht zahlreiches Publikum einaefunden, und es nahm mit sichtlichem Interesse die hübschen Darbietungen auf. Eingeleitet wurde der Nnterhaltungsabend durch ein wohlgelungenes Konzert unserer Infanterie-Kapelle unter Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn Krauße. Von besonderem Interesse waren im Konzertprogramm zwei reizende Komposittonen des Herrn Krauße, ein Marsch „Silberne Myrten" und ein Walzer „Liegnitzer Tanzlust". Beide Kompositionen fanden großen Beifall. Nach dem ersten Teil des Konzertproaramms wurden eine reiche Anzahl kleine Lichtbllder und Äilder aus Südwestafrika vorgeführt. Nach dem zwetten Teil des Konzerts wurde der Krieg von 1870/71 durch das große melodramatische illustrierte Schlachten-Potpourri in Wort, Musik und 80 Kolossal- Kriegsgemälden dargestellt. Die überwiegende Mehrzahl der Lichtbilder waren farbig. Den verbindenden Text sprach Herr H. O. F. Müller aus Hannover.
•’ Das Gastspiel Danny Gürtlers im Kolosseum wurde, vielsettigen Wünschen entsprechend, um einen Tag verlängert. Herr Gürtler, der auch gestern wieder vor gutbcsetztem Hause einen vollen Erfolg erzielte, tritt also noch heute und morgen auf.
— Vortrag für Schmiede. Am Sonntag mittag 1 Uhr hält der techn. Aufsichtsbeamte der Schmiedeberufs, genossenschast für Hessen einen Vortrag im Hotel Schütz über Fragen des Schmiedehandwerks, zu dem die hiesigen und auswärtigen Schmiede Zutritt haben.
** Der Fall Wille. Installateur Max Weiß- bäcker schreibt uns: In Nr. 158 vom 17. März bringen Sie unter der Ueberfchcift „Der Fall Wille" einen Auszug aus einer Erklärung des Betriebsleiters Stollte, in der mir dieser vorwirft, daß ich in der Zeit vom 26. Nov. 1906 bis 27. Juni 1907 eine Anzahl von Motoren ohne Anzeige und ohne Genehmigung des Städt. Elektrizitätswerkes in der Vcühl'schen Druckerei installiert und angeschlossen hätte. Ich bitte Sie von mir aus mit Bezug aus gen. Artikel aufzunehmen, daß diese Ansicht des Herrn Betriebsleiter Stolte rri g ist, wie auch die Brühl'sche Druckerei schon bekannt gab.
* * Brand. Heute morgen 4 % Uhr brach tu der Scheuer des Metzgers Hilgard-t am) 'Kreuzplatz aus dem Heuboden Feuer aus. Ta alsbald Feuerwehr erschien, gelang es, das Feuer abzulöschen, ohne daß das Gebäude nicberbrannte. Brandstiftung wird vermutet und zwar int Zusammenlwng mit dem vorgestern früh bei dem) an grenzenden Gebäude, hinter dem Mthcubevgerschen Lager, gelegten Feuer. Es hat den Anschein, als ob ein Interessent die Beseitigung der allen Sch?uern l)er- beiz-uführen bestrebt sei.
'** Diebstahl. Aus rinn? Ho freite der Marktstraß: wurde gestern ein Fahrrad gestohlen.
* * Falsche Kassenscheine zu 50, 20 und 5 Mk. werden gegenwärtig wieder einmal verbreitet und zwar von Posen aus. Da man nicht ivissen kann, wohin die Fälscher ihr Absatzfeld verlegen, ist auch bei uns Vorsicht beim Erhalt von Papiergeld angebracht.
* • Für die notleidenden Deutschen an der Wolga sind mir weiter zugegangen: von Frl. R. 2, S. 2, Dr. N. 1, E. T. (durch G. A.) 5, Fr. Kl. 10, Ungen. 3, Frl. K. 2, I. L. 5, Frl. T. 5, durch die Post 20 Mk., wofür ich herzlich dankend quittiere. D. Schlosser.
* * Der Rückgang des oberhessischen Bauernhauses in seiner Bauart und typischer Innenausstattung kann nicht auf den Mangel an Kunstsinn bei unseren heutigen
erklärt, daß sein Vertrag bis 1912 lause. — Der bekannte Frankfurter Geigenvirtuose Adols Redner hat m Paris eine Gnarneri-Geige für 60 000 Frank gekauft. — In Gegenwart des Kaisers finden in W '" 'baden vom 10. — 20. Mai Festvorstellungen statt. Zur Aui- ft hrun sind vorgesehen: „Lohengrin", „Oberon", „Armide", „Hoff- ma..... Erzählungen", „Gotberga" unb der „Bibliothekar". — In
Paris ist am 18. März der Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Petersburg, Mierzeje wski, gestorben, welcher als Delegierter der Petersburger Universiiät zur Jubelfeier des Klinikers Magnan nach Paris entsendet worden mar. — Dem „Temps" zufolge begeben sich die Direktoren der Großen-Oper zu Paris Messager und Broussan, nach Berlin, um auf Einladung des Generalientendanten v. Hülsen der Nenansführung der „Hugenotten" von Dteyerbeer beizuwohnen. — Tie banr. Abgeordnetenkammer bewilligte 800 000 Mk. als erste Rate für den Neubau des „D e u t s ch e n M u s e u m s" in M ü n ch e n. — Der Eäci- t i e nd er ein in Frankfurt a. M. hat an Stelle des zurück- tretenden Professors Grueters zunächst für ein Jahr W. M e nge l- b c r g in Amsterdam zum Dirigenten gewählt. — Der Herzog von Sachsen - Kobnrg-Gotha hat dem Herzog Georg von Meiningen fein Theater in Gotha vom 15. Oktober bis zum 31. Dezember 1908 und das Koburger Hoftheater vom 15. Januar bis Ostern 1909 zur Verfügung gestellt. — Die städtische Theaterdeputation zu Mainz unterzieht den bestehenden T h e a t e r o e r- trag einer Revision. Wie verlautet, soll in dem neuen Theatervertrag eine Bestimmung ausgenommen werden, wonach der jeweilige Theaterdirektor verpflichtet sein soll, von dem eine gewisse Höhe übersteigenden Reingewinn — in den letzten Jahren betrug er über 30000 Mk. — die Halste an die Stadt ab- znliefern. — Eine Gedächtnistafel für Ibsen wird heute, am 20. d. Alls., am 80. Geburtslage des verstorbenen Dichters, in Dresden enthüllt werden. Oie Tafel bringt der Literarische Verem am Haufe Wettmstraße 22 an, in dem Henrik Ibsen längere Zeit wohnte und das Drama „Kaiser unb Galiläer" dichtete. Ibsen war Ehrenmitglied des genannten Vereins. — In Köln wurden am 19. März bie Leiche des verstorbenen Hoirats Tr. Johannes F a st e n r a t h zur letzten Ruhe bestattet. Redakteur Frhr. v. Perfall schilderte die literarische Tätigkeit Fastenraths unb Geheimrat Professor Dr. Zitelmann-Bomi widmete als Preisrichter der Kölner Blumenspiele dem Entschlafenen einen warmen Nachruf. Im Auftrage des Königs von Spanien widmete der spanische Konsul dem Toten Dankesworte für seine Verdienste um die spanische Literatur. Im Namen der Wiesbadener Literarischen Gesellschaft sprach Regierungsrat Dr. Joesten. — Von Bernhard Shaw, dem geistreichen Iren, erschien bei S. Fischer in Berlin soeben als Buch bie neue höchst witzige, zuerst im „Morgen" abgedruckte Komödie „Der L i e b h a b e r" in der Uebersetzung von eiegfrieb Trebitsch. — Angelina Gnrlitt, die junge Berliner Künstlerin, bie sich so lebhafte Erfolge kürzlich im Gießener Stabttheater errang bet ihrem mehrlagigen Gastspiel in Eßmanns Komöbie „Baier unb Sohn", hat sich mit Rechtsanwalt Dr. Paul Schüler m Berlin verlobt.
Landlenten bezogen werden. Im Gegenteil darf man getrost behaupten, daß der Sinn für reine Kunst auch auf dem Lande reger geworden und im Wachsen begriffen ist. Die Gründe für die Modernisierung der Bauernhäuser, die allerdings keiner Kunst Rechnung trägt, liegen auf volkswirtschaftlichem Gebiete. In erster Linie ist es die Verteuerung des Bau- und Werkholzes, also des Baumaterials, in zweiter Linie ist cs die Höhe der Arbeitslöhne. Welche Summe würde heute ein Haus im alten Bauernstil zu bauen kosten? Ja, wenn heute ein Bauer ein solches Haus bauen wollte, woher sollte er das Holz nehmen? Solche Eichbäume, wie sie zum Bauen der alten Häuser verwandt worden sind, die sind heute selten und teuer und abermals teuer. Es fragt sich, ob überhaupt man Irem Bauenden das erforderliche Holz aus dem Walde abgeben würde, wie das früher dec Fall gewesen. Diese Faktoren veranlassen zum Bauen von Häusern mit dem billigeren Stein- material. Wa§ würde weiter eine Ausarbeitung der Brusthölzer und Langbalken nach den heutigen Löhnen kosten? Die Veränderung der Innenausstattung unserer Bauernhäuser ist bedingt durch das Rad der Zeit. WaS unseren Eltern als LuxuS erschien, ist dem heutigen Geschlecht Bedürfnis. So fehlt heute in keinem befferen Bauernhause das Sofa, auf dem auch der Ackersmann lieber seine müden Glieder auSstreckt, als auf der früheren einfachen Holzbank. Die Bestrebungen aber zur Erhaltung des alten Bauernhauses verdienen allseitige Förderung.
— Grünberg, 19. März. Am 22. d. MtS. werden es 50 Jahre, daß die hiesige in wetten Kreisen bekannte und angesehene Firma „August Stammler", Weinhandlung und Likörfabrik pon ihrem früheren Besitzer Aug. Stammler gegründet wurde. Ihr jetziger Inhaber ist Herr Gg. Stammler.
-s- Lindenftruth, 18. März. Nachdem- unsere Lechrevi stelle längere Zeit verwaist mar, bekamen wir heute wieder einen neuen Lehrer, innen geborenen Grunberger. Unser neuer Lehrer Hille stand setther in Lich.
r Londorf, 19. März. Dem Leben des 45jährigeu Landwirts Johs. Au mann IV machte beim Feueranmachen heute ein Herzschlag ein jähes Ende. A. war längere Jahre herzleidend. Der Tod ruft allgemeine Teilnahme im hiesigen Orte hervor, da er ein aufrichtiger, friedliebender Mensch war.
□ Ortenberg, 19. März. Seit 2 V2 Äionaten war der Betrieb derOhm) talbas alt werke hier bei Abteilung Ortenberg, am sogenannten Gaulsberg, eingestellt, die Arbeiter, Italiener, etwa 30—40 Mann, waren in die Heimat abgereist. sj6ih ist der Betrieb wieder eröffnet; etwa 60 Mann, zur Hälfte Italiener, arbeiten mit Bienenfleiß. Zumeist wird Schotterma. terial für Weg- und Bahnbau gefördert; Pflastersteine weniger, Seinerzeit lieferte das Werk außerordentliche Al assen eteinc zur Bekämpfung be5 Bergrutsches am Distelrasen der Bebraä> bahn bei Elm. Tie italienischen Arbeiter haben eine Kantine, die von einer Italienerin betrieben wird, lleberhaupt herrscht im Niddertal em reger Steinbruchsbetrieb. Bei Lißberg, eine Stunde vom hiesigen Werk, werden hauptsächlich Pflaster sie inL gefördert. Ein neuer Ankauf von Gelände durch den Betriebseigentümer Görg aus Friedberg ist im Werk; die Gemeinde Lißberg vereinnachnte schon 12 000 Mk. für einen bisher wertlosen Geländekompler und weitere Einnahmen stehen bei Vergrößerung des Betriebs in Llussicht. Ter Friedhof soll, da ei in der Nähe liegt, s. Zt. verlegt werden.
X Schotten, 20. März. Der Kreistag des Kreises Schotten hat in einer kürzlich abgchaltenen Sitzung den Bau einer Kreisstraße von Freienseen (ab „Kaff" an der Straße Freienseen-Laubach) nach Gonterskirchen beschloßen. Als letzter und wichtigster Punkt stand die Nutzbarmachung der Wasserfläche Oberhessens auf der Tagesordnung. An Hand von Plänen erläuterten Provinzialdirekter Geheimrat Dr. Brc id c rt und Oberingenieur Ntüller das im Projekt vorliegende Wasserwerk Inheiden und das in Aussicht genommene Elektrizitätswerk in Lißberg. Der Kreistag beschloß sodann ohne Debatte einstimmig, die baldige Ausführung des Projekts für das Wasserwerk Inheiden in der sicheren Erwartung zu befürworten, daß das Projekt für das Elektrizitätswerk Lißberg lnöglichst bald dem Kreistage vorgelegt wird, jedoch unter der Voraussetzung, daß der Kreis als solcher zu den Kosten beider Werke nicht in Anspruch genommen wird.
R. B. Darm stadt, 20. März. (Tel.) In dem hiesigen Basaltstcinbruch wurde der Arbeiter Leonhardt Bloed von Georgcnhausen von herabfallendem Gestein verschüttet und war sofort tot.
sd. Dar m ftadt, 19. März. Die Verhandlungen zivischen dem Militärsiskus und der Stadt Darmstadt zwecks Ankaufs des Exerzierplatzes, der mit Rücksicht auf seine Nähe zu dem neuen Darmstädter Bahnhof in ein großes Bauterrain umgewandelt werden soll, haben sich dem Vernehmen nach zerschlagen. Es märe bedauerlich, wenn die Absicht der Militärbehörden, dort an dieser ^auptzufuhrstraße von und nach dem neuen Bahnhof Kasernen zu errichten, ausgeführt würde, da die Straße doch in erster Linie zur Errichtung von Geschäftshäusern dienen muß und die gegenüberliegende Seite aus Jahre hinaus zu geschäftlichen Neubauten nicht in Anspruch genommen werden kann.
Darmstadt, 19. März. Mit dem B a u de s B i 5 in a r d* türme» ber Darmstädter Studimterrsepafi wird, wie die Darmstädter Zeitung meldet, nunmehr unverzüglich begonnen werden. Es sind bis jetzt 32 000 Mk. gesammelt worden, während die Avften des Turmes nack? den geftern dem Bismarckausschuß vvr- gelegteit Plänen sich nur aus 28 000, gegenüber den ursprünglich brranfdingten 50 000 Mk., belaufen werden. Wenn sonst feine Mehrausgaben nötig werden, soll der Rest zur Aussch-müaung des Platzes venvandl werden.
W. Frankfurt a. M., 19. März. Die vom Magistrat beantragte Aufnahme einer Betriebs-Anleihe von 50 Millionen Mark wurde heute von der Stadtverord- neten-Versammlung mit der Maßgabe genehmigt, daß die Tilgung mit 2 Prozent vom Hundert erfolgen soll. — In der Fürstenbergerstraße wurde der 12jährige Schüler Gustav Essinger beim Spielen mit einem Revolver von einem anderen Jungen getötet. — Heute morgen wurde in seiner Wohnung, Rotlintstraße 76, der Rendant der Ortskrankenkasse des Frankfurter Landkreises, Gustav Seidel, verhaftet. 9lm Montag hatte eine Revision seiner Kasse stattgefunden, die einen Fehlbetrag von 3000 Mk. ergab. Weitere Untersuchungen ergaben, baß es sich um einen Fehlbetrag von 50 000 Wik. handelt. Seidel gestand, daß er das Geld für sich verwendet habe. Er war seit längerer Zeit durch feine großen Ausgaben aufgefallen. Der Verhaftete, geboren 1878 in Mehlhedmen (Ostpreußen), ist verheiratet 1 und Vater eines Kindes. Er diente als Einjähriger in Hanau^


