Ausgabe 
15.12.1908 Erstes Blatt
 
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Tie Verschwörung war besonders.gut organisiert; sie ver­fügte über eine Propaganda-, Finanz- und Nachrichten- abteilung.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 1b. Dezember 1908.

** Unsere Sammlung für Radbod, die 2488.21 Mart ergab, ist am Samstag an das Hanptfammelkomitee in Hamm abgegangen. Ter Eingang des Betrages wurde durch tzolqendes Dankschreiben bescheinigt:

Ham m (Wests.), 14. Dez. 1908.

Mit herzlichem Tanie bestätigen luir Ihnen hiermit Len Empfang Ihrer hochherzigen Sammel-Spende int Be­trage von 2488.21 Mk., die Sie uns durch die Post zu über­weisen die Güte hatten.

Oefsentliche Empfangsbestätigung erfolgt außerdem durch das amtliche Kreisblatt des Stadtkreises Hamm (Mär­kische Tageszeitung hierselbst).

R. M a t t h a e i, Oberbiirgermeister, Vorsitzender.

Vom Großh. Hof. Die Taufe des zweit- (geborenen Prinzen unseres Großherzogspaares wird am nächsten Mittwoch im Neuen Palais stattfinden. Der Tauf­akt wird in einfacher, schlichter Weise vom Obechofprediger Ehrhardt vollzogen werden. Der Kaiser von Rußland hat zu der Feier einen besonderen Choral übersandt. Infolge der Tauffeierlichkeit wird der Großherzog am Mittwoch weder Audienzen erteilen noch Vorträge entgegennehmen.

* Konstituierung der Zweiten Kammer. Die -Mitglieder der Zweiten Kammer sind von dem Großh. Einweisungskommisfar eingeladen worden, sich am 16. Dez. .mittags 12 Uhr im Sitzungssaal der Kammer einzufinden, woselbst, nachdem regierungsseitig die Anwesenheit von mindestens 27 Mitgliedern konstatiert ist, die Konstituierung der Kammer und die Wahl des Präsidiirms erfolgen wird. Alterspräsident ist der Abg. Horn-Seligenstadt. Anläßlich der jüngsten Landtagswahl sind beim Bureau der Kammer zwei Wahlproteste eingelaufen unb zwar gegen die Wahl derAbgg. Dr. Frenay-Ober-Ingelheim und Senßselber- Griesheim.

* * LanbeL Universität. S. K. H. der Großherzog haben den ordentlichen Professor in der philos. Fakultät der Landesuniversität Dr. Christian B a r t h o l o m a e in Gießen auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1909 ab aus dem Staatsdienst entlassen.

* In Audienz empfangen lunrbe von S. K. H. Dem Groß Herzog am Samstag unter anderen Reallehrer Schweiler, Oberlehrer Storch, AmtsrichterDr.Schmidt und Lehrer Weide, sämtlich aus Butzbach, Kammerherr Frhr. Sche net 3u Schweinsburg - Wäldershausen, Ober­lehrer Kreder aus Bad-Nauheim und Oberförster Leon­hard aus Eisenbach.

* * Kukin rin spettion. S. it. H. ber Großherzog haben den Kultnrüispektor der Knltnrinspektion Gießen, Sau rat Phil. W i ß m a n n, auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen treu geleisteten Tietiste in den Ruhestand versetzt, beit Kulturingenicur Hch. Steinbach zu Gießen 311m Kulturiuspeltor der Kulturtnspeitiou Gießen unb den Regierungsbaumeister Otto Hauck aus Wiesbaden zuin Kulturingenicur ernannt.

Gelände-Parzellierung durch den Staat. Nachdem das Bezirks-Koinmando die alte Kaserne am Selters- weg aufgegeben hatte, setzte sich ber hessische Staat mit ben Anliegern m Verbinbung, um festzustellen, inwieweit sie ein Interesse daran hätten, ihre ziemlich engen und bei ber Be- banung sehr ausgenutzten Ho freiten zu erweitern. Dies Ent­gegenkommen fand bei ihnen allgemeine Anerkennung. Am Samstag nachmittag waren bic Beteiligten zu einer Be­sprechung über das umfängliche Grunbstück resp. über dessen Aufteilung vor die Großh. Hochbaubehörde emgeladen. Bail­inspektor Heyer leitete die Verhandlung. Man einigte sich dahin, baß bic btei Anlieger nach bein Seltersweg zu, Ge­schwister Weibig, Schuhmachermeister ÄiicklanS und Zigarren- hanblung Möser einen Gelänbestreifen von 2 Meter Breite in ber Länge ihrer ©rimbftücfc erwerben und in Anschluß daran die Geschwister Weibig das Uebenvanblungsrecht in 2 Meter auf bem Gelände erhalte, das hinter der Hofreite von Metzgermstr. Meister bis zu der städtischen Straße liegt, die zum ehemaligen Bezirks-Kommando führte. Diese Ueber- wandlung besaßen die Geschwister Weibig bereits früher und zwar in nicht rechtsverjährter Zeit. Durch dieses Ab­kommen ist un Fall einer Feuersgefahr für die drei am Seltersweg liegenden Grundstücke die Möglichkeit geschaffen, daß die Feuerwehr auch von den Hinterfronten der Gebäude bequem einen Brandangriff unternehmen kann. Kaufmann Rathschlag, ber in ber Gasse an seinem Hause ein Lagerhaus stehen hat, das unmittelbar an das staatliche Grundstück grenzt, erhält so viel Gelände, daß er einen genügend großen Hofraum bei bem Hause Herstellen kann, woburch seinem Lager Luft unb Licht gewährleistet wird. Ein größerer Teil des staatlichen Besitzes geht mit bem Kasernengebäube mit ber Beschränkung auch für bie Rechtsnachfolger über, baß bei einer etwaigen Bebauung bes Gelänbes dies nur in einer Entfernung von 6 Meter von der neuen Grenze ber Eigen­tümer Weibig, Nickolaus unb Möser zulässig ist. Der bann noch übrig bleibende Rest bes Kasernengrundstückes geht an den praktischen Arzt Dr. Zinßer zur Arrondierung seines an der Goethestraße neben ber Johanneskirche liegenden Grund­stückes über. Meister ist Besitzer der alten Bauten an der Goethestraße. Beide Gebäude, die schon längst für ben Ab­bruch reif waren und eine Verunzierung ber ganzen Gegend sind, liegen unmittelbar vor dem von ihm erworbenen Kasernengelände. Auch Goldarbeiter Noll hat entlang ber Goethestraße einen schmalen Streifen Gartengelänbe liegen unb so ist burch bic Aufteilung des staatlichen Hinterlandes die Möglichkeit geschaffen, in der Goethestraße wenigstens air der einen Seite bauliche Verhältnisse zu schaffen, bie den Ausbau unserer Altstadt wieder ein gut Teil voranhelfen. Der Preis für das vom Staat verkaufte Gelände ist auf 30 Mk. für den Quadratmeter mit Ausnahme des an Dr. Zinßer überlassenen Hinteren Teiles, loofür 25 Mk. pro Meter geboten sind festgesetzt. Jedenfalls ist anzu- erkennen, daß der hessische Staat sein Eigentum, das inmitten ber Stadt nicht ungünstig liegt, nach sozialen Gesichtspunkten an die Anlieger verteilt hat unb er dabei nicht das reine .Geldintereffe ausschlaggebend sein ließ.

- Nicht ins Kloster, lieber die angebliche Absicht der Witwe des Großfürsten SergiuS, in ein Kloster zu gehen, die damals schon von Darmstadt auS dementiert wurde, wird Berliner Blättern neuerdings geschrieben: Auf Bitten ihrer engeren Familie hat die Großfürstin Elisabeth, geborene Prinzessin Elisabeth von Hessen, die Witwe des am 4. Februar 1905 ermordeten Großfürsten Sergius, ihre Ab- icht, den Nonnenschleier zu nehmen, aufgegeben. Sie wird jedoch nach wie vor ausschließlich die Nonnentracht tragen und ihre ganze Kraft der Verwirklichung ihrer Lieblingsidee, der Gründung eines großen Diakonissenhauses in Moskau und anderer frommen Werke widmen. Sie hat ihr ganzes verfügbares Vermögen schon jetzt verschiedenen Klöstern ver­macht.

** Fortbildungsschulwesen. Die hessischen Schulbehörden haben in letzter Zeit zahlreiche Gesuche um Verlegung des Unterrichtsder obligatorischen Fort­bildungsschule auf die Abendstunden nach 7 Uhr ab- ch tägig beschieden. Es besteht nämlich für Hessen die Anordnung, wonach in allen Gemeinden der Unterricht der obligatorischen Fortbildungsschule spätestens um 7 Uhr abends beendet sein muß. Eine Nachfrage bei der Lehrer- chaft hat durchweg ergeben, daß die Unterrichtser­gebnisse der Fortbildungsschule bedeutend besser ge­worden sind, seitdem die Unterrichtszeit nicht mehr über 7 Uhr abends ausgedehnt werden darf. Auch die Klagen über Unfug und Roheiten, die früher bei dem 9 Uhr-Schluß der Schule überall laut wurden, sind verstummt. Die ge- amte hessische Lehrerschaft hat sich an die Regierung ge­wandt und gebeten, unter keinen Umständen den For­derungen auf Wiedereinführung des Spätabendunterrichts Konzessionen zu machen.

* Der hessische LandeSlchrerverein hält seine nächste Vertreter- unb Hauptversammlung am 1. unb 2. Juni in W orm s ab. Der geschäftsführende Ausschuß beS Landes- ehrerveccins wirb an bie hessischen ReichstagSabgeorbneten bas Ersuchen richten, für bie Heranziehung ber Volks­chullehrer zu bem Amt der Schöffen unb ^c - schworenen emtreten zu wollen.

* * Nachträgliches 3um silbernen S onnta g. Wie wir in unseren Mitteilungen über ba§ Weihnachts­geschäft schon mitteilten, klagt die hiesige Geschäftswelt wie übrigens auch bie auswärtige über ben im allgemeinen gegen bic Vorjahre bebeutenb schlechteren Geschäftsgang. Wir können baher unsere Mahnung, nur am Platze zu kaufen, nur wieberholen. Uebrigens schließt diese allgemein geschäftliche Tenbenz nicht ans, baß in einigen Geschäfts­zweigen auch jetzt schon teilweise ein recht flottes Geschäft zu verzeiehnen ist. So war z. B. in einigen größeren Geschäften der Wäsche unb Konfektionsbranchc schon am letzten Sonntag ein recht flotter Geschäftsgang.

* * Kolossen m. Es sei darauf hingewiesen, daß der be­liebte Vcmvondlungs-SchauspielerF r i 3 5 0" heute (Dienstag) seinen Abschieds- und Ehrenabend bat. Am 18. Dezember ist ein MohltättgPeitskonzert für arme Kinder vom Münch'schen Solo- Quartett aus Metzlar.

** Schachklub. Sonntag, 20. b. Mts., feiert ber Schacht lnb fein öOjähriges Stiftungsfest. Nach­mittags 3 Uhr finbet im Hotel ,Großherzog von Hessen" eine Simultanv or stellun g deS Schachmeisters Äruts-- gerichtsrat Fritz-Alsfeld gegen beliebig viele Gegner statt. Dabei finb auch Nichtmitglieber sowohl als Zuschauer wie als Teilnehmer willkommen. Für letztere ist vorherige schrift­liche Anmelbimg bei Prof. Urftabt (Gartenstr. 14) erfovber- lich. Abenbs ist geselliges Zusammensein ebenfalls un Groß­herzog von Hessen". Der Vorsitzende des Klubs, Jusiizrot Weibig, bekleidet sein Amt schon 47 Jahre unb ist schon 48 Jahre Mitglicb. Wohl wenig Vereine können sich eines olchen Mitgliebs unb Vorsitzenden rühmen.

** In Amerika gestorbene Hessen. Frau Anna Kalh. Krug, geb. Buchenau, aus Stornborf, 78 Jahre alt, zu Ab en, Iowa.

(d A l l e n d 0 r f a. d. Lahn, 14. Doz. Unter den hiesigen Kindern herrscht eine heftige S ch a r l a ch e p i d e m i e, zu zu der sich in vielen Fällen Diphlheritis stellt. Es sind bereits mehrere Kinder gestorben, während andere schwer krank darniederliegen.

Großen-Linden, 14. Dez. Das 25jährige Tienstjubiläum unseres Bürgermeisters Jvh. Leun findet voraussichtlich im Januar statt. Am 11. Januar 1884 erfolgte die behördliche Bestätigung, nachdem Herr Leun am 23. November 1883 als Ortsoverhaupt gewählt worden war. Darnach ist er noch zweimal nahezu ein­stimmig gewählt worden.

-m Friedberg, 14. Dez. Ein sonderbarer Dieb ist der Kutscher des Bäckers Hengst hier. Am Samstag kam man durch Zufall auf die Diebstähle, bic nicht zu ben alltäglichen Spitzbübereien gehören. Bei einer Haussuchung sand sich ein. ganzes Arsenal von Damenunterkleibern, be­stehend aus Hemden, Unterröcken, Unterhosen unb Strümpfen, von ben gewöhnlichsten bis zu ben feinsten mit Spitzen be­setzten sowie mit Stickereien verzierten Kleibungsstückcn, bie er in ben zwei Jahren seines hiesigen Dienstes sich ange- eignet hatte. Die Herrschaft hatte schon vor einiger Zeit ba- von Kenntnis, baß ihr Kutscher im Besitz intimer KleibungL- slückc beS schönen Geschlechts sei. Aus Vorhalt erklärte ber Kutscher, bic Gegenstänbc seien von seiner Mutter. Zweifel­los ist Sieb, ber sofort verhaftet würbe, geistig nicht normal.

)< Södel, 14. Dez. Immer noch nicht wollen sich die Gemüter wegen ber Erledigung ber Ijicfigeit Pfarrftelle beruhigen. Da seil längerer Zeit die Stelle ohne Inhaber geblieben ist, glauben die Einwohner, die Stelle sollte ein­gehen. Beschwerdeschriften an die oberste Kirchenbehörde, Meldung des Kirchgangs, also eine Art Kirchen streik, waren die Folge. Pfarrer Nies-Melbach har sich von dem Amt eines Spezialvitars entbinden lassen, es wurde Pfarrer Motz-Wölfersheim übertragen. Dieser hat jetzt die Gemein­den Wölfersheim, Södel und Weckesheim zu versehen.

l Merkens ritz, 14. Dez. Der gestern dahier niederge­gangene Ballon, Der noch ziemlich start gefüllr war, wurde un Lause des Sonntags von vielen Neugierigen.betounbert. Er halle einen Querdurchmcffer von etwa 15 Meter und war etwa 18 Meter hoch. Hauptmann Eberhard kam Sonntag abend im Auw von Wiesbaden, der Ballon wurde mit Hilfe zahlreicher Leute entleert und ging ijeute morgen mit bet Bahn zurück. Die beiden Insassen waren in einer Höhe von etwa 15 Meiern aus dem Ballon beraue^vicljleubcrt worden und waren eine Zeitlang besinnungslos.

.Et-B. Darmstadt, 14. Dez. In einer von bet natio» nalliberalen Partei unb bem jungliberalen Verein einberufcnen Versammlung gab heute abenb der Reichs- unb Landtagsabg. Dr. Osann eine Uebersicht über bic jüngste Tätigkeit bcS Reichstages. Er betonte einleitend, daß man mit

dem bisherigen Verlauf der ReichStagSverhandlnngen im all- gemeinen zufrieden fein könne, wies auf die freiheitliche Aus­gestaltung deS Vereins- unb Versammlungsrcchtes burch den Reichstag hin unb betonte, baß bic schwerste Arbeit für die Blockparteien jetzt in ber Reichsfinanzreform liege. So, wie die Reichsregierung ihre diesbezüglichen Vorlagen gemacht habe, würben sie ^ebenfalls nicht Gesetz werben, boch sei bei ben Blockparteien bas ernste Bestreben üotf)anbciv etwas Brauchbares baraus zustanbe zu bringen. Der Rcbner ging bann auf bie enorm anwachsenbe Schulbenlast bes Reiches näher ein unb meinte, baß man bic geforberten 500 Millionen ber grünblichsten Prüfung unterziehen unb nur bas wirklich Notwenbige bewilligen bürfe. Die Beamten-Gehaltserhöhungen beliefen sich auf 100 Millionen; es müsse namentlich für bie Besserstellung ber nicberen Beamtenkatcgorien gesorgt unb eine anbere Klassifikation ber Darmstabter Beamten erstrebt werben. Bei Besprechung ber einzelnen Steuervorlagen sprach sich Rcbner besonbers gegen bie Wein- unb bic Gas- unb Elektrizitäts- fteuer auS, wofür als Ersatz die Reichs-Vermögens- und Nachlaß st euer emtreten müsse. Nach den wirtschaft­lichen Nöten besprach er bie politischen Nöten unb zum Schluß bas Griibenunglück in Radbob, wobei bie persönliche Haltung des Redners, wie sein ganzer Vortrag ben leb­haftesten Beifall fanb, bem auch ber Vorsitzende beS jung- liberalen Vereins unb Prof. Neßling Ausdruck gaben.

Höchst i. O., 14. Dez. In Hain gründ wurde der Sozialdemokrat Schanz zum Bürgermeister ge­wählt. Dadurch ist zum ersten Male im Odenwald bie Bürgermeisterwahl auf einen Sozialdemokraten gefallen.

Wetzlar, 14. Dez. Zum Direktor des hiejigen König!. GlMnasiuins ist der Direkwr Dr. Eäsa r aus Moers am Nieder­rhein ernannt worben. Ter neue Direktor tritt das Amt voraus- ichtlich am 1. April k. I. an.

h. Frankfurt a. M., 14. Dez. Am Samstag mittag starb nach kurzem Leiben an einem Gchirnschlag in ber Heil­anstalt Schloß Horncgg bei Gunbelsheirn a. N. im Alter von 51 Jahren ber Justizrat unb Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Stulz. Er war ein namentlich in größeren Strafprozessen gesuchter Verteibiger.

X Hanau, 14. Dez. Die Ma ter ialien-Auf- bewa hrun gshallc ber Brückenbau-Gesellschaft Gustavs- burg-Mainz, bie sich in ber Nähe bes Bahnhofes Klein- Steinhcim befinbet, brannte zur Nachtzeit nicber. Der entl'lanbene Schaben wirb auf 20 000 Mk. geschätzt. Die Brückenbail-Gescllschast hat bie Arbeiten zur Verstärkung ber Mainbrücke, bie behufs Ucberfübrung ber clektrifchen Bahn HanauSteinheim ersorberlich geioorbcn ist, übernommen.

Wiesbaben, 13. Dez. Sein 50jährigeS AintS- jubiläum begeht am 15. b. M. ber ©cneralfuperintcnbenf D. Maurer hier, ber oberste Geistliche bet nassauischen coang. Lanbeskirche. Er hat als Pfarrer in Hofheim, Fleis« dach-Herdorn, als Präses bet Bezirkssynode, unb seit 1897 als Generalsuperintenbent gewirkt. Aus Anlaß bes Jubi- läimis würbe ihm bas in Nassau gesammelte Kapital zur Begrünbung eines Feierabenbhauses für HilfSschwestern unb Diakonissinnen überreicht. Der Jubilar ist als Sohn eines Lehrers in Laugenschwalbach am 31. Oktober 1834 geboren.

Krei$$iegen$ud)tDereiii Stehen.

s Gießen, 14. Dez.

Am vergangenen Samstag sand int Gasthaus zum Löwen zu Lich unter dem Vorsitz des Regierungsrats Dr. Merck-Gießen eine M i t g l i e d e r v e r s a ni m l u n g des Krcisziegen - zuchtvereins Gießen statt, die sehr zahlreich von Ge- mtinlxwertrctern und Mitgliedern des Vereins besucht war. Gegeii- stand der Verhandlung waren zunächst bic neuen Satzungen, bie die Landwirlsck/aftslammet dem Verein zur Beratung vorgelegt hatte. Das neue Normalstatut, das den durch die Landwirtschaflslainmcr- Organisation veränderten Verhältnissen Rechnung trägt, wurde von Regicrungsrat Dr. Merck paragraphenweise in der Form vorge-- tragen, in der es für den Verein annehmbar ist und gab Anlaß zu einem lebhaften Meinungsaustausch. Als wichtigste Abän­derungen, die nach eingeheirder Befnceclmng von der Versamm­lung .beantragt und gebilligt wurden, seien hervorgehoben: die Ergänzung der Vercinsorgane durch denAusschuß", bem der Vorstand, der Rechner und bic Vorsitzenden der einzelnen Bezirke angehören, sowie die genaue Fixierung der Aufgaben, die bem Direktor, dem Vorstand, dem Aussclwß. den Vertrauensmännern und der Mitgliederverjamnilung zufallen. Ferner wurde be­schlossen, von der Erhebung eines Eintrittsgeldes abzusehen, da­gegen den Jahresbeitrag der Mitglieder von 10 auf 20 Pfg. zu erhöhen und den ber Gemeinden mit ö ?Nark wie seither zu be­lasten. Hinsichtlich der Körungen wurde beschlossen, die Leitung der Körgestl'äftc sowie der BerkaufsvermittelungsstcNc bem Zuchl- verwaltcr Kreutz in Gießen bezw. der Geschäftsstelle des Land- wirtschaftsäunnrer'Ausschusses 311 übertragen. Zu den Bestim­mungen über das Zuwtzicl wurde noch die Forderung aufgciuinj men, daß männliche Tiere ohne amtlichen Abstammungsnachweis von der Änfnahine ins Hervbuch ausgeschlossen und das körsähige Alter der Zuchttiere mit 7 bezw. bei oesondn. guter Entwickelung mit 6 Monaten seine untere Altersgrenze erhalten soll. Mit diesem und iwch einigen anderen reo.aklionellen Abänderungen wurde das neue Statut von der Mitgliederversammlung einstim­mig angenommen.

Aks zweiter Punkt der Tagesordnung folgte ein B 0 r t ra g dr4 Sekretärs Schwarz--Gießen über das Tl>eina: ,,Wodurcd läßt sich d ie Ziegenzucht rentabel g e ftal leit?" Ter Ziefer ent führte aus, daß ber Erfolg ber Ziegenzucht **on ber rtdv tigen Durchführung einiger Maßnahmen abhängig sei, die so- lvohl der Züchter, als auch bic Gemeinden unb Zuchtve.reine ?.u treffen hätten. Zunächst sei von großem Eimluß bic Wahl der richtigen Ziasse, von dec inan verlangen müsse, daß sie gesund, leistungsfähig, entsprechend frührcis. anpassungsiähig und begehrt sei. Die Bedeutung der Rassezucht beruhe auf ber Vererbung, Dem erleichterten und vorteilhafteren Absatz reinrassiger Zucht' tierc und ben Vorteilen, die durch bie öffentlichen Züchtungsmaß' nahinen geboten ivürden. Aufgabe des Züchters sei es, alsdann die Rasse zu entwickeln durch energisch betriebene ZuchNvahi. Ausmärziurg von Rückschlägen, Zucht auf Leistung, und Benutzung erstklassiger Böcke, für deren Haltung besonders die Gemcindeir unb ZuoMereine besorgt sein mußten. Eine richtige Bebandlung der Zuchttiere, die in der rechtzeitigen Verwendung derselben, ber richtig betriebenen Aufzucht, einer naturgemäßen Züchtung und Haltung und insbesonbere in der Gewährung von Weioegang zu be­stehen habe, bedinge weiterhin den Erfolg. Bei Srallhaltung sei gmtz besonders auf trockene, zugfreie, gut durchlüftete, helle und saubere Ställe und auf regelmäßige Haut- und Klaucnpflegc zu achten. Durch Zusammenschluß der Atitglieder zu Vereinen feiert die verschiedenen Aufgaben leickstcr und besser zu lösen, wesl)alb bic Zuchtvereine besonders viel zur Besserung der Der- hältnisse beitragen könnten. Den größten Einfluß ouj die Ren- tabilität der Ziegenznckch übe die Art oer Ver-vortung der Duckst" Produkte ans. Durch Veranstaltung von Märsten, Beschickilng oon ^Lu^fteUmigeii, durch Annoncieren und Einrichtung von Ler- ütussvermittelungsstellen müsse ein möglichst günstiger Absatz und vorteilhafte Verivertnng gesck>affeu werden, was bei der großen Nachfrage bn planmäßige... Vorgehen nicht schiver feile. ... .

Die Ausführungen des Vortragenden wurden fehr beifällig aufgenommen und riefen ciac lebhafte Diskussion hervor, iu der