Viertes Blatt
9h?» 143
Samstag 30, Juni 1908
Gietzeier Anzeiger
Erscheint tÜgNch mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gderhesien
Die „Giehener Lamillenblätler" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
158. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. Ut Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:^^ II- Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
tirossh. IPolizeiamt. Reinhart.
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ITluÜkfalon und Serrenzimmer
<xx> (entwürfe von Profelfor 9. M- Olbrich) <xx» Schlafzimmer (Entwurf von Architekt Brand)
liche Buhlen unserer maßgebenden, verantwortlich-unverantwortlichen Kreise um bie Gunst Rußlands schon an Ansehen im Auslände gekostet hat, erfährt jeder deutsche Reisende im Auslande, zeigt säst tagtäglich jede ausländische Zeitung. Unsere Offiziösen sehen schon die ganze deutsche Politik ins Wanken geraten, wenn einmal ein deutscher Redakteur eine Satire auf den Zaren wagt. In Rußland dagegen erlauben sich die einflußreichsten Zeitungen fortwährend ungestraft die ärgsten Beschimpfungen des Deutschtums, und da findet das Organ des deutschen Reichskanzlers kein Wort der Mißbilligung oder auch nur der Entgegnung.
Börsen-Wochenbericht.
— Frankfurt a. M., 19. Juni 1908.
Tie andauernde Flüssigkeit auf dem internationalen Geldmarkt und die Bemühungen unserer haute bauque, Gold aus dem Auslande heranzuholen, nicht minder durch die geringeren Kreditcrnsprüche der Industrie habeu nun den Status der Reichs- bank derart gebessert, daß diese die Diskonljchraube weiter lockern konnte. Sie ging mit ihrer Rate von 4l/a Proz. aus 4 Proz. zurück und der Privatdiskonlo ermäßigte sich auf 3*/4 Proz. Tie Entschließung der Leitung unseres Zentralnoteuinstiruls würbe um so beifälliger ausgenommen, als dadurch auch die politischen Besorgnisse, denen man sich diese Woche iviederholt wieder hingab und worunter die Börse sichtlich zu leiden halte, etivas zerstoben wurden. Tie Erleichterung aus dem deutsch en Geldmarkt kommt unserer Großsinanz nm so gelegener, als diese fortgesetzt beinüht ist, ihr Portefeuille an Effekten zu erleichtern und Vorschüsse, die sie an die Industrie gewährt hatte, allmählich wieder hereinzubringen. Tas ist nur möglich, wenn der Markt sür Anlagewcrte wieder auf» nahmesähiger ist. So will man jetzt von den zuletzt übernoniineneii 200 Millionen Preußischen Schatzanweisungeu, die die Uebernahnie- gruppe mit Rücksicht auf die Anipannung des Geldmarktes von der Subskription s. Zt. ausgeschlossen hatte, jetzt 100 Millionen an den Markt bringen, und verschiedene Unternehmen der Industrie wollen durch Ausgabe von Obligationen Mittel ausnehmen, die zweisellos zum Teil auch dazu bcftmimt sind, alte Bankschulden abzmragen. Tadurch iverden die Banken allmählich wieder flotter und aktionssähiger. Eine größere Liquidität ihrer Bilanzeir ist auch schon im Hinblick darauf erwünscht, daß die Bankenquele, wenn auch nicht eine Trennung voir Kredit- und Tepositenbanken, so doch innnerhin manche andere einschneideiide Aenderung für den Bank- betrieb^bringen dürite. Wie iveit die Gerüchte über die Erschließung neuer Steuerquellen zutreffend siiid und wie weit Börse uiid In- dustrie dazu hcraiigezogen iverden, läßt sich zurzeit nod) nicht sageti. Vorerst hat die Börse nur auf d,e Gerüchte von der beabsichliglen Einführung einer Elektrizitätssteucr etivas reagiert.
Tie Berichte aus der Industrie sind vorläufig immer noch eher geeignet, die Börje zu versturnnien, beim wenn sie zum Teil auch so redizierl sind, daß der ungünstige Eindruck gemildert wird, so kann doch die Tatsache nicht widerlegt werden, daß die Kurve immer noch vorwärts geht. Infolgedessen will sich immer noch kein Gebild gestalten, das Geschäft bleibt noch ruhig und die Kurse sind nicht ohne iiennenswerte Veränderung geblieben. Ternsche und fremde Fonds schwankten in engem Rahmen hsn und her, Bankaktien blieben behauptet, Schifffahrtsaktien etivas matter. Von Bahniverten waren Staatsbahnen fest. M o n t an p a?p i e r e konnten sich vorwiegend um einige Proz. erholen, Concordia stiegen etwa 20 Proz. ohne daß em Spezialgrund dafür bekannt geworden wäre. Von sonstigen I n d u st r i e p a p i e r e n schwächten Elektrizitätswerke auf die oben erwähnten Besteuerungsgerüchle sich etivas ab, auch die Aktien chemischer Fabriken ginnen aus den jüngst dar- gelegten Gründen iveiter zurück, Höchster Farbwerke, die augenblicklich durch im Zusammenhang mit dem Bezug neuer Aktien mehrfach von dem Markt kommen, verloren sogar 18 Proz. Scheide- anstall 8 Proz. und Albert 6 ^Proz. Auch Tüitopp-Mafchüien sind 8 Proz., Kleyer 6 Proz. und Sürlyer ö Proz. znrückgegangeii.
Landet.
— 4 % neue hessischo Staats-Anleihe unkündbar bis 1918. Tie Darmstädter Bank Hal mit anderen Firmen 20 Millionen Mark dieser Anleihe übernommen. Ter Emissions»
ßelilfdie Uandes-Hus.rfellüng DarmHadt 1908 3 m OberhemRfien fiusttellungshaufe: Auskeilung der Möbelfabrik TH. BRÜCK
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knrs beträgt 98,75 °;0, für Stücke, die in das Hessische Staats- schuldbuch emgelrngen iverden sollcii, sogar nur 98,55 %• Wir verweisen auf den amtlichen Prospekt in der heutigen Auflage unseres Blattes und bemerken, daß die Baiik für Hande! und Industrie, Niederlassung Gießen die offizielle Zeichnungsstelle für den hiesigen Platz ist. Der Preis für das Papier kann ein ungemein billiger genannt iverden, hält er sich doch mehr als 1 % unter dein Tageskurse der alten, nur bis 1913 unkündbaren Anleihe.
| t Lindenfels Motel Odenwald
S Perle des Odenwalds Pension 21. 4.50 bis 5.— Bes. A. Vogel
Auszug ß. ö. Stanöesamtsregiftern der Stadt Eichen.
Aufgebote.
Juni 15. Heinrich Gerhardt, Schlosser, mit Marie Nolte, beide dahier. — Erich Beyer, Uhrmacher, mit Anna Tichy, beide dahier. — 16. Gottlieb Schleenbäcker, HilsLbremser, mit Luise Lehn- hardt, beide dahier. — 18. Ludwig Plätlner, Glaser, mit Lina Schäfer, beide dahier. — 19. Wilhelm Laudon, Kaufmann dahier, nut 'Margarethe Pfeil in Hagen.
Eheschließungen.
Juni 13. Emil Schmall, Bahnarbeiter, mit Maria Gösele, beide dahier. — 17. Franz Spannagel, Kaufmann in Offenbach a. Ak., mit Johanna Schomber dahier.
Geborene.
Juni 9. Tem Metzger Slöoli Andreas Karl Möhl eine Tochter, Anna Katharine. — l0. Tem Llichilekteu Philipp Nicolaus eine Tochter, Flora Helene Thekla. — 11. Dem' Buchdruckereuaktor Otto Lauge eine Tochter, Lotte. — Dem Backosenbauer Georg Mcirtiuy em Sohn, Georg. — Dem Lehrer Ernst Friedrich Reich eine Tochter. — 13. Tem Hcmdelsgärlner Karl Göbel eine Tochter. — Dem Postboten Heinrich Sommer eine Tochter, Lina. — Dem Milchkmscher Philipp Eijeuhuth eine Tochter. — 14. Dem Lokomotivheizer Wilhelm Wolf ein Sohn, Walter Heinrich Ferdinand. — Dem 'Musiker Ferdinand Bauer eine Tochter, Marie. — 16. Dem Taglöhner Ludwig Pfeifer eine Tochter. — Dem Heizer Johannes Christian Jimk ein Sohu, Friedrich Karl. — 17. Dem Fuhrmann Georg Bachmann ein Sohn.
Gestorbene.
Juni 12. Emmy Zurbuch, 10 Jahre alt, Moltkestr. 25. — 14. Karl Becker I., Rentner, 88 Jahre alt, Tiefenweg 1. — 15. Rickcheii Meyerfeld, geb. Stern, 57 Jahre alt, Marktstr. 30. — 16. Hirsch Bär, Rentner, 93 Jahre alt, Liebigslr. 3. — 18. Heinrich Magel, 9 Monate alt, Großer Steinwcg 10.
Sonntag .21. Juni, von nachm. E” n 11 i
4 Uhr bis 9 Uhr abends nur geöffnet:
Giessen, den 20. Juni 1908. vaajJUUiVmv
Die nach- ß « « m § p sind Sonntajj, 21. Juni, nur von stehenden ß v 1 ii 1 ü 12 Uhr mittags ols 12 ehr nachts für dringende Fällt- sicher anzutreffen : [D30/5
Dr. 3Ieyerhoff, Süd-Anlage 7.Or. Richter, Frankfurter-Str. 4.
Rr. Stnhö, Seltersweg 79.
politische Wochenschau.
Gießen, 20. Juni.
Die preußischen Landtagswahlen sind nunmehr beendet, und sie haben an den Resultaten der Urwahlen vom 3. Juni nicht mehr Diei ändern können: Konservative, Zentrum und Freisinnige Volkspartei haben einen Stimmenzuwachs erhalten und bie Sozialdemokraten tonnen zum ersten Male in den preußischen Landtag einziehen. Die kleinen, interessanten Aenderungen in der Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses werden an seinem bisherigen reaktionären Gesamtcharakter nichts ändern, und die Hoffnung, auf eine freiheitlichere Politik in Preußen, insbesondere auf ein besseres Wahlrecht sind gering. An die Blockfreundschaft des Deutschen Reichstages hat bei den preußischen Landtagswahlen nichts erinnert. Man sah die seltsamsten Wahlbündnisse zustande kommen und wirken. Daß das Zentrum für die Polen, die Konservativen für das Zentrum eintraten, war noch das geringste. Liberalismus bekämpfte den Liberalismus und Sozialdemokraten verhalfen den Konservativen jum Siege über die Liberalen: Weiter kann man die kleinlichste Fraktionspolitik wohl schwerlich noch treiben. Es wäre auf das Höchste zu bedauern, wenn sich die verschiedenen unerfreulichen Vorgänge der preußischen Wahlen bei den bevorstehenden hessischen Landtags wählen wiederholten.
Am heutigen Samstag ist unser hessischer Landtag feierlich geschlossen worden und die Vorbereitungen für die Neuwahlen können nunmehr beginnen. Mit der Wahlrechtsvorlage hat sich der Gesetzgebungsausschutz der Zweiten Kammer noch kurz vor Schluß das Landtages beschäftigt, nachdem der Ausschuß der Ersten Kammer seine bisherige ablehnende Haltung zu den Vorschlägen der Zweiten Kammer endlich etwas abgeändert hatte. Ter Ausschuß der Zweiten Kammer hält diese Abänderungen für ausreichend zu einer Verständigung, so daß die Regierung nunmehr in der Lage wäre, eine neue Wahlrechtsvorloge einzubringen.
Handel und Industrie haben jetzt infolge der Herb ab - setzung des Diskonts auf 4 Prozent mancherlei neue Anregungen und Aufmunterungen erfahren. Schon seit Jahren haben wir keinen so niedrigen Zinsfuß gehabt. Es ist dankbar zu begrüßen, daß die Vantlcitung sich gerade jetzt der Herabsetzung des Diskonts nicht länger entzogen hat, um dem Handel und der Industrie wieder die Möglichkeit zu neuer Betätigung zu geben.
Eine schier unerschöpfliche Fülle von Anregung und politischem Stoff hat auch in dieser Woche die Revaler Monarchenbegegnung gegeben. Authentisches über die Ergebnisse dieser Begegnung ist noch nicht bekannt, und darum zeitigt die Phantasie der Politiker die schönsten Blüten. In den Kreis der Erörterungen zieht man bei dieser Gelegenheit natürlich auch die Döberitzer Rede des Kaisers, und bemüht sich mit Geschick und Glück, diese Rede von der Einkreisung Deutschlands mit Reval in Beziehung zu bringen. Ist der genaue Wortlaut der Döbritzer Kaiserrede auch nicht bekannt geworden, so erfährt man aus den wenigen Andeutungen doch, daß der Gedanke der Einkreisung Deutschlands an maßgebender Stelle doch nicht so fremd ist, wie die Haltung unserer Offiziösen es uns glauben machen wollte. Wie ängstlich bemüht die Offiziösen sind, den Schein zu wahren, zeigt der merkwürdige Rüffel, den die „Nordd. Allg. Ztg." kürzlich dem Tag erteilt hat, wegen eines harmlojeu Gedichtcyens auf den Zaren. Man hat es in Berlin leider noch immer nicht verlernt, vor dem Moskowitertum sich platt auf den Bauch zu werfen und Rußland bei jeder Gelegenheit unserer Y ^"-treuesten Freundschaft zu versichern. Was uns dieses ängst
99.40 %
Mitteldeutsche Creditbank
Filiale Giessen
Jobannesstr. 17, gegenüber der Johanneskirche.
Heichelheim.
Andrea©.
Fernsprecher 168 und 2089.
a’7.
entgegen.
Giessen, 20. Juni 1908.
4°j> Preussische Staats-Schatzanweisungen.
Auf die am 3. Juli d. Js. zur Zeichnung gelangenden
M. 1@O?©OO3OOO obiger Schatzanweisungeu
nehmen wir von heute ab Anmeldungen zum Kurse von


