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14.12.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 394

Montag 14. Dezember 1908

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Erscheint tügN- mit Ausnahme des Sonntag-.

E«sra!-Znzeiger für Gderheßen

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Haus sei eine

Wählerschaft vertrete.

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158. Jahrgang

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Rotationsdruck and vertag der Brüht^ch« UnwersuätS - Buch- unb Srelnüruckerei. R. Lange. Gießen.

Redaktion. Ervedttton und Druckerei: Schul- fiTQBi* 7. Expeditton und Vertag: e-qAbl. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Die ..«tehener ZamlUendlStter" werden dem «Anzeiger' viermal wöchentlich beigdegt, das Kreicblati fflr öen Kreis Sietzen" zweimal «öchemlich. Dierandwirffchastlichen Seit» fragen erscheinen monatlich zweimal.

parlamütavi$d?c<«

ReichLtagseriatzlvahl in M e >c c i tz - Bo mst. Graf LScstarp (Lons.) erhielt 11506, der Propst Sicnjpicfe (Ztr.) 10 211 Stimmen. Graf Westarp ist somit gewählt.

JndcrBürgerauSscyußwahlin Stuttgart lvurde nach Dein Pwporzverfahren gewühlt: 6 Soz-ialdemokraten, 4 Na- tionalliberale, 2 Konservative, 2 Bolksparteilcr unb 1 Zentrum.

Zn der Budge t ko m m is s io n des preußischen Ab­geordnetenhauses wurde beschlossen, auch die Gehälter der höheren Beamten in ihrer Gesomlheit .ru erhöhen.

D i e Z r a u a l S N e ch t s a n w a l t. In Rom ist dieser Tage, »um ersten Mal in Italien, eine Frau als Rcetstsanwalt in einem Prozesse aufgetreten. Es hruidclt fick) um eine Tochter des früheren Abgeordneten Lallrni.

Der englische Premierminister und das Ober­haus. Der Premierminister Asguith äußerte sich dieser Tage in einer im Nationalklub g.hallenen Rede dahin, daß das Haupt'

Ans SraSs rrnS LanS.

Gießen, 14. Dezember 1908.

** Land es Universität. Prof. Dr. Nach fahl, der seit dem Wintersemester 1907/08 an Prof. 2p. Onckcns Stelle den Lehrstuhl für neuere Geschichte inne hat, hat einen Rus nach Kiel erhalten. Hoffentlich gelingt es, ben geschützten Gelehrten der Landesunioer-sitär zu erhalten.

Gerichtspersonalien. Se.Kgl.Hoh. der Groß­herzog haben dc» Amtsrichter bei dem Amtsgericht Reichlls- heim Adolf Wolz zum Oberamlsrichter bei diesem Gericht und den Aktuariarsassistenten bei dem Amisgericht Lauterbach Hch. Dilling zum Aktuar bei dem Amtsgericht Schotten ernannt. Ernannt wurde der Gerichtsschreibergehilfe Friedr.

Ausland.

Die Magyaren uuo utc deutschen. DeurAgramcr Tagbl." wird gegenüber dem ungarischen Dementi aus Laibjch berichtet, Kvssuth l-abe tatsächlich im Mär- 1906 einen Emissär nach Laibsch gesanvr, um die Slowenen für ein Bündnis mit den 3)iagi)arcn gegen die Deutschen Oesterreichs zu gewinnen. Der Gen-^hrsinann des genannten Blattes erklärt, schriftliche Beweise hierfür zu haben.

Tie Genossenschaft deutscher Bühnenange­höriger hat den viel umstrittenen neuen Bühnen vertrag einstimmig abgelehnt. Ter Kamps zwischen deni Bühneneer.m, der die Tircktoren der meisten deutsä>en Bühnen umfaßt, und der Bühnengenossenschast, der em großer Teil der Darsteller anb hört, wird nun von neuem entbrennen, Tie Debatte gestaltete sich so stürmisch, daß der Vorstand zuräcktrat. Tarauf trat eine Pause ein, nach der das neue Präsidium gewählt mürbe. Zum Präsidenten wurde mit großer Mehrheit Hermann Nissen gewählt. Vize­präsident wurde, ebenfalls mit großer Mehrheit, Emanuel Reicher. In den Zentralausschuß wurden gewählt: Mylius Hamburg, Kirch-Frankfurt a. M., Putlitz-Dresden, Platen-Äromberg und Paul-Berlin.

Regisseur Hacker in Darmstadt teilt uns hierzu folgendes mit:Meine Haltung in der Telegierten-Versamm- lung der Genossenschaft Teutscher Lühnenangehöriger in Sachen des neuen ztontrall-Formulars, ist, wie man mir sagt, nach den l'urzen telegraphische Meldungen nicht überall verstanden worden. Ich erkläre darum, daß ich stets' betonte, in diesem Vertragsentwurf, weder die Erfüllung unserer Erwartungen, noch weniger unserer Wünsche zu erblicken, wohl aber das:enige Maß von Zu­geständnissen, welches im Augenblick erreichbar ist. Um diese Vorteile, die bisher und vereinzelt an Hof- und einigen Stadt- Theacern bestanden, auch den Mitgliedern aller anderen Bühnen sofort zu verschaffen und nicht wieder durch Ablehnung des Entwurfes wieder in unabsehbare Fernen zu verschieven, war ich für die Annahme, zugleich aber auch für die unausgesetzte Weiter­arbeit zur Erreichung eines besseren Vertrages. Und alles dies in Uebereinstimmung mit meinen Kollegen des hiesigen Orts­ausschusses. G. H. Hacker, Darmstadt."

Tbeaterdirekt»r und Kritiker. In Bamberg ist es -wrschen den Redaktionen der meisten Lokalblätter und Theaterdirektor Amalfi zu scharfen AuSeinanoersetzungeu ge­kommen. Direktor Amalft hält sich über die Rezensionen der Theateraufführungen in oen B-amberger Blättern aus uw) hat mit Platzen tziehnng für die Rezensenten gedroht. Die beteiligten Re-- öottixmen tarnen beni zuvor und verschossen dem Tlxaccr den An- zeigeu- und Textteil. Am Mittwoch fthtte in drei Blättern die Theaterrubrik.

In Darmstadt hat das Preisgericht über die Ent­würfe zu einer Erinnerungsmünze der Landes-Au s- ste llu ng entschieden, daß keiner der eingegangenen Ent­würfe allen Anforderungen genüge und deshalb l e i n P r c i s -ii verteilen fei. Dagegen sollen die Künstler der drei besten "Entwürfe mit je 200 Mark entschädigt werden

T a s neue 2 5 - P f e n n ig st ü d. Nachdem am 1. De- jCiuber der Termin für die Einsendung von Entwürsen für oas neue 25 Pfennigstück abgelaufen ist, wie dieB. U.-Korrespond/

Cinsechr t Angeboten, lgen u-s. w. auf Sn- mit Buchstaben, uni) emHeuden, machen maus aufmetiiam ns die AnftWgebcr

Anzeigen tausig «mr smü.

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thema, das zur Zeit in Ertgland diskutiert würde, das Oberhaus betreffe. Er faßte seine Meinung dahin zusammen: Das Ober- urrverantwoctliche Körperschaft, das keineswegs die

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den Montag auM>! ilnna kam wegen t. VHermRestwtu tanmrstattPd" -^ZerBorW^, iI-Witkl« iSÄ »$»

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bört, das Preisgericht am 15. Dez. im Reichsschatzamte zusammen. Ten Vorsitz des Preisrichterkollegiums wird Staatssekretär 2 y - dow führen. Es sind über 50 Entwürfe cingelangi, von denen jeÄrch viele den gestellten Anforderungen nicht entsprechen und demnach von vornherein vom Wettbewerb ausgeschaltet werden. ES sollen Preise zu 2000, 1500 und 1000 Ml. zur Verteilung kommen. Tie Entscheidung des Preisgerichts durfte .erft im Januar bekanntgegeben werden.

Tie.Feste Koburg in Gefa hr! Wieder soll eine alte deutsche Burgrestauriert" werden. Ter Herzog von Koburg und Gotha will die alte Feste Koburg von Professor Bodo Eb- h a r d c uutbauen lassen. Darüber wird dem Verl. Tgbl. aus Wo bürg gemeldet: Ter Her^zog plant einen teilweisen Umbau der Feste, mn sie einem sürstttchen Wohnsitz um- und auszu^ gcftalieu. Man spricht davon, daß der alte Fürstenbau die lünstige Wohnung sein würde. In bie) em Falle würde aber der Frem- d e n v e r k e h r, nammtlich der Besuch der (allerdings ohnehin historisch zweifelhaften) Lutherzintmer ganz aufhöcen müs en; auch die schönen Sammlungen müßten in einem Neubau oder Ausbau anderer Tratte der Burg oder in der Stadt untergebracht werden.

Kuno Fischers Bibliothek kam am 10. Te^mber bei Ernst Carleoach in Heidelberg zur Versteigerung. Es hatte sich d^zu cin zahlreiches at .d.misches Pubiuum cir.gc unb.n Z hl- reiche Auftrage iageu in d.r ^ano des Versteigerers. Tie Preiso hielten sich in mäßigen Grenzen. Der philosophische Teil der Bibliothek wird im Februar 1909 zur Auktion kommen.

Kleine E !: c u . . u n b t j s e nscha ft. Pro'essor Ehrlich (Frankfurt a.M.) hielt am Freitag in Stock­holm ben ersten der drei Vorträge, die anläßlich der Verteilung der Nobclvreste zu halten sind, und zwar über seine Forschungen auf dem (Gebiete der Gift-Immunität. In der kaiser­lichen Eremitage zu Petersburg ist man zufällig hinter gewaltige Fälschungen gekommen. Es envies sich, daß die dov 14 Jahren von A. Basllewsti in Paris für mehrere Millionen Rubel augekauiteu byzantinischen Elfen­bein-Schnitzereien zahlreiche wertlose Nachahm­ungen enthielten. Einen tuet blich enOpernregrjfcur hat letzt die Wiener Volksoper aufzuweisen; Direktor Simons, der nüber einige Jahre das Mainzer Stadttheater führte, ha: die ehemalige Mimikerin der Hoioper und jpätere Opernsängerin Frll E. Krauß mit bieiev Aurgabe betraut. Edmond ?Jl o - standsEl) anlecle r", das feit Jahren erwartete Tier-IerS- drama, dessen Erstaufführung iur Mitte Januar m der Porte 2aiiit Martin fe^aesetzl war, ist, einer Meldung des (Sri be Paris zufolge, neuerlich zurückgezogen worden. Sven Hedirr soll nach einer Meldung aus Ltockholrn bei feiner Rucklehr vom, König von Schweden ben Freiherrn-Titel erhalten.

Babel in Offenbach zum AktuariatSassistenten bei dem 2lmtS- gericht Lauterbach.

** Der silberne Sonntag, nach der Steigerung der Wertung der Metalle so benannt auf Kupfer folgt Silber war vom denkbar besten Wetter begünstigt. Trotz­dem hatten die durch ben Regen der vorhergehenden Tage durck> weicht en Wege die Landbewohner teilweise abgehaltcn in die Stabt zu io Hinten. Man konnte dies besonders in der Zeit von 13 Uhr mittags merken, wo der Straßen­verkehr besonders in der Neuicadt, Marktstraße und obere: Bahnhofstraße nicht außergewöhnlich belebt war. Mcur drängte sich nid)t so wie am kupfernen Sonntag. In bat Geschäften jener Stadtgegend war aber zu tun, denn bie Leute von brausten, die zur Stadt gekommen waren, wollten bei dem .Herannahen des Weihnachtssestes Einkäufe machen. Stach 3 Uhr wurde es toieder lebhaft wie am Sonntag vor­her, weil die Stadtb-ewohncr den Straßenw-'-rkehr verstürl- ten und teilweise auch die Geschäffte aufsuchten, um einzu­laufen.. Besonders die SpiLlwarengeschäftc und, da, wo eZ Süßigketteu, Lebkuchen usw. gibt, auch die Spezial-Herrens artikel, die Leder- und Galanteriewarengeschäfte hatten zeit^ weise, wie die Inhaber sagten, mit kurzen Rucken zu tun. Klagen über den schlechieu Geschäftsgang vor Weihnachterr iiberhaupt hören wir aus der Mauufattur-, Wäsche- nnbi Koufettionsbranche, auch die .Herreukleidergeschäste erklären^ schlechten Msatz zu haben. Unsere Geschäftsleute sind in ihren Anforderungen au das Weihnachtsgeschäft von Jahv zu Jahr bescheidener geworden, sie hoffen immer noch in den Tagen bis zuui Feste, wenn auch keine glänzenden, Umsätze, so doch leidlich zufriedenstellende Einnahmen zu erzielen. Wünschen wir, daß der goldene Sonntag und der Heilige-Mend unserer Geschäftswelt manchen Ausfall, den dieselbe bisher in dieser schlechten Saison gehabt hat, aus­gleicht.

* Stadttheater. Da? neueste Lustspiel der beiden vcrbünbelen Autoren Blumenthal und Kadelburg dieTür in8 Freie", geht in der morgigen Abonnementsoorstellung hier zum erstenmal in Szene, Das Stück macht gegenwärtig den Weg über sämtliche deutsche Bühnen auch in Frank­furt findet dieser Tage die Premiere statt und wird all­gemein als bestes gemeinsames Werk der beiden Versasier seit demweißen Rößl" bezeichnet. Der Grundgedanke beS Stückes, baß in einem Stäbtchen burch einen Formsehler eine größere Llnzahl von Ehen als nichtig vor dem Gesetze er­scheint, läßt ja die Reihe der heitersten Verwicklungen, Situationen und Szenen vorausahnen, die die Verfasser auch wirklich geschaffen haben. Schon heute sei auf die beiden Vorstellungen des kommenden Sonntags hingetviesen, die in zwei Vorstellungen des wissenschaftlichen Theaters Urania" in Berlin etwas ganz besonderes bieten. Am Nachmittag wird bei kleinen PreisenIm Lande der Miller- nachlsjonne" gegeben, am Abend bei gewöhnlichen Preisen Frühlingstage an der Riviera". Wir kommen noch auf das mteresianle Gastspiel zurück.

** K u n st o e r e i n. Einige, erst feit gestern neu aus­gestellte Bilder bleiben nur nych bis zunt nächsten Donners­tag ausgestellt, um an deren Stelle wieder neue Bilden bringen zu llinnen. Auch die beiden Bilder von Richard» Kaiser (München) bleiben nur solange ausgestellt.< Da die Ziehungsliste von der am Samstag vorge- nommeiten Verlosung von diesem Jahre ab in anderen Weise verausgabt wird, kann das Resultat heute nicht ge­geben werden.

** 2)ec Kron ba uer'sche Quartett-Verein beging am SamLtag sein 3 2. Stiftungsfest in althergebrachter Weise durch Konzert und einem sich daran schließenden Fest­essen. Schon seit Jahren wurden zu ersterem, stets mit schönem Ersoig, junge Kunslbeflissene hmzugezogen, denen

Provinzial-Ansschuß vcr Provinz OdertzeFen.

2. Gießen, 12. Dezember.

In der Sache: Bürgermeisterwahl zu Aulen- d i e b a ch hatte bereits am 28. November ds. Irs. Ver­handlung vor deut Provinzial-Llusschuß stattgefunden, die Entscheidung war jedoch behufs Vornahme weiterer Er­hebungen ausgesetzt wordcn. Heute wurde nun zum Scl)lusse verhandelt. Tic Verhandlung ergab folgenden Sachver­halt: Am 1. August ds. Js. fand Bürgermcifterwahl zu Aulcndiebach start, bei der Otto Bvlitsch 40 und Beigeord­neter Bähr 38 Stimmen erhielten, so daß Bvlitsch als ge­wählt erschien. Gegen seine Wahl reklamierte jedoch K. L. Nagel, indem er bck)auptete, es feien Wahlbeeinflussungen vorgekommen und Bvlitsch sei gar nicht wählbar, da er nicht seit dem 1. April des der Wahl vorausgegangenen Rechnungsjahres gemeindesteuerpflichtig gewesen sei. Der KreisauLschuß deS Kreises Büdingen erachtete in seinem Ur­teil vom 1. September ds. Js. die Wahtbeeinflussungen als nicht erwiesen; wohl aber erkannte er den anderen Rekla- mationsgruud als berechtigt an und erklärte deshalb die Wahl Bolitschs für ungiltig. Außerdem aber nahm der Kreisrat Veranlassung, die Wahl wegen der mangelnden Lteucrpflicht zu beanstanden. Der Kreisausschuß entsprach durch ein weiteres Urteil vorn 29. September dieser Bean­standung, indem e&-bic Wahl aufhob. Gegen bcloe Urteile verfolgte der Anwalt Bolltfchs Rekurs an ben Peoviuzial- Ausschuß, wobei er die Steuerpflicht nachKUweisen suchte. Wenn auch feststebt, daß Bvlitsch tatsächlich Steuer be­zahlt hat, so war ooch der Proviuzial-AuSschuß der Ueber- zeugung, daß er hierzu nicht verpflichtet war. Er mutzte deshalb den eingelegten Rekurs verwerfen.

Heinrich Stock zu Mvgen ist am 9. Mai 1908 mit einer Stimme zum Beigeordneten von Rödgen, Kreis Friedberg gewählt worben. Da Stock einer der Führer der sozialdemoiratischen Partei in Rödgen ist, nahm der Großh. Kreisrat Anstand, die Wahl zu bestätigen und der Krciscrus- schuß des Kreises Friedberg versagte aus diesem Grunde der Wahl die Bestätigung. Gegen diese Eillschcidung richtet sich der heule zur Beryandlung stehende Rekurs. Dieser war jedoch ohne Erfolg, denn der Provinzial-Ausschuß tarn zur Bestätigung des erstiusttmzllchcn Urteils. lieber die Beschwerde des .Heinrich o t d c£ zu Rödgen, Kreis Fried­berg, gegen den Polizeidiener Fink daselbst, wurde nicht verhandelt, da Stock den von ihm eingelegten Rekurs zu- rücknahl«.

jMIIII TMiiweam.Jiwiwi wniii^mfcauggaaCTa Gietzener sLcrdrLhecrter.

Die Puppenfce.

Von I. Haßreiter mid F. Gaul. Musik von Jos. Bayer.

Die große Entwicklungsfähigkeit des schauspielerischen Aus­drucks und die damit Hand iu Hand gehende Vertiefung des ftummcn Spieles, haben neuerdings eine Wiedcrbelevung der alten Pan­tomime, des Gebärdcnstückcs hervorgerufen, und wechseln)Eten) ist damit wieder die darstellerische Fähigkeit des lebendigen Wrpers ausgcstaltet worden. Solange wir aber noch keine vollkommen ausgebildete Gebärdensprache haben und solange eine Bühne nicht über durchaus sichere Gebärdenspieler verfügt, solange wird sich das stumme Spiel nur mit Der Wiedergabe von leicht verständ­lichen, womöglich humorvollen Vorgängen befdxiftigcn dürsen. Diesen wesentlichen Bedingungen entspricht die P u p p e n f e e mit ihrem heiteren, vergnüglichen Vocwnrf vollitändig, und sie rmM deshalb immer wieder fteudige Aumahme, was die zahlreichen Aufsührungen, die Jahr für Jahr an den auswärtigen Buhnen ftattflnben, hinreichend beweisen. Tie Gepflogenheit, dieses Tür die Weihnachtszeit allerdings sehr geeignete Werl, wahrend der Adventswochen herauszubringen, hat dazu beigelragen, cs als Kinderstück zu betrachten, obgleich cs auch für jeben Erwachseilen, mit Gebanken schwer Belabencn, vergnüglich anzusehen ist. roie gestrige Aufführung, zu der mit recht erheblichen Kosten c;nc voll­ständig neue, unter Leitung von Direktor Steingottcr m den Werkstätten des Theaters angefertigte Ausstattung beschafft werden war, fand denn aud? ungemein lebhaften Beifall und zeugte wn einer sorgfältigen, eingehenden Vorbereitung. Tie meckanifchen Einrichtungen und die Tischlerarbeiten waren nach Angaben und unter Leitung des Theatermeisters Hermann Jenny angefertigt, die Versatzstücke nach Entwürfen des Theaternialcrs Kar! '<? w w e o- l e r, dft größte Teil der neuen Kdstüme unter Leitung des Klerbtr- obermeisterS Karl Steuerwald. An der sehr gut gclungmcu Aufführung, die durch eine Fülle von Lichtwirkungen prächtig belebt wurdc,hatten hervorrageiidcn Anteil: Elairc A ( b r c d) t, Edgar Pauly, Paul Ko hl mann, Willibald Völker, Ada Pauly, Rudolf Goll, Grete Höcker, Lore 2 d) o i z, ^orle Maifarth, Anni Röber, Io Hoven.

Die von der Ballettmeisterin Lina Oldini vorbereiteten Tanze und Reigen, an denen eine große Anzahl von Kindern, bie ihre Aufgaben sehr geschickt und gefällig erledigten, lebhaft teil- nahm, waren sehr hübsch und farbenprächtig ausgeführt, und wurden mit ausnehmend starkem Beifall aufgenommen.

Ter Puppenfee voraus ging das bekannte Bill) Kur raä r Ter und Pikardc, das ich ber seiner ersten Aufführung bereits besprochen habe. Nearath.

191 Dezember 9 Uhr:

Its-Kttei-e tdurant Kobel, jung liegt bei Turn. ----ä derAnmnce be w netne itunbfdjaft bartu n, bau an bicbetrefi:..? $TiMituub toerbti bicfelbe nicht bered)«: - iur mich in Gnwjo;. L , HHUD rma C. H. Wxv >us beioabercn törni ldlgl.

irfoföf, JBiiatht

01011! imMJiehen.

Die Srientfrage.

Dura-die Bvykottbcweguna der Türken gegen Oesterreich waren bie Verhandlungen Ccftericirfy Ungarns mit der Türkei zur Er­zielung eines Einverftandnisscs wegen der ^üiiieyion von Bosnien und der Herzegowina ins Stocken geraten. Aus ernste Vorstellun­gen Oestcrrciä.'S in Uvnstantinopel hatte die Pforte schließlich er- klärt, daß sie alles aufbieten werde, um dem Boukolr zu steuern. Ocstcrreiw-Ungarn l>rt sich hierauf nun bereit crE.irt, die bishet> unterbrochen gewesenen Verhandlungen wieder auszunehmen. Der Sstrerrcichisch-ungarische Botschafter in Üvnstantinvpel hot demnach die entsprcchendeii Weisungen erhalten. ES würde wohl allenthalben lebhast begrüßt werden, iixiut die bald zu getvär- tigenden Verhandlungen zu vi'llem Einvernehmen führen und in gleichem Schritt auch die wirffchaftll^hen Beziehungen wieder in ihr normales Gleis zurück kehren würden.

Tas Wiener F-remdenblatt fchildert den augenblicklichen Stand der Tingc folgendermaßen:

Älan steht in der Behandlung der Orientangelegeiiheit vor einer unfertigen Situation, an deren Beendigung in ftredlichcm Sinne von oen zunächst in Betracht Eomnrcnbcn Faktoren, näm­lich den Kabinetten von Wien, Petersburg und Konstantinope!, eifrig gearbeitet wird. (D wäre nickst zu rechtfertigen, luenn man auf die ungünstigen Äi-omeiite in der Situation mehr Gewickst legen wollte als auf die günstigen, zumal gerade in diesem Augen­blick die günstigen tveit überwiegen. Die Verhandlungen mit der russischen Regierung nehmen ihren vegiilären Fortgang und in Petersburg tvirb ausdrücklich betont, daß man bat wn der öster­reichischen Regierung vvrgeschlagenen Weg -rnv "Regelung der Balbanfrage aiurchmoar finde. Ebenso hoffnungsvoll steht cs, wie aus bau heutigen Kommunique der vskrrcichisck>-uilgarischeii Regierung hervvrgeht, mit den Beziehungen zwischen Oestcrceich- llnglrrn Mld der tückischen Regierung, die, da der österrcicksisch- ruigaliscke ^bvtfchafder in Konstantinopel verbleibt, nickst von der Gcftchr deS Abbruches bedroht sind, und denen die Tatsache -m- gutr ßornant, daß keiner der beiden Teile estren intransigenten Standpunkt cinnunmt Insbesondere hat die türkische Regierung die feste Absickst, soweit cd an ihr liegt, bie Hindernisse zu bc- icitigeu. bie bisher für den Fortgang der Verhandlungen aus der Boyiottbcwegung entstunden sind. Die osterreick).isck>-ungarisck>c Re­gierung, welche bie fdpvicrigc Situation nicht verkennt, in der die Pforte sich dem Boykott gegatuoci befindet, iviro die Pfirvlc nur im Rahmen her chr aus oen Kreisen unseres Handels unb unserer Industrie zubmrmenden Reklamationen verantwortlich machen, doch mirb ihre Tätigkeit juguuücn dieser Reklamationen nicht als politische Aktion, sondern nur als pflichtgemäße Wahrung des den Pwduzenten uno Erportcuren gebührenden Schutzes auj- i,ufassen sein. Was die Forderung onbclangt, daß Qcstcrrcich- Ungarn einen Teil der türkischen Staatsschuld überiichmcn solle, so ist zwar der ablehnende Stcuidpunkt der österrcick)lsch-ungarischen Regierung in diesem Punkte bekamst, doch weiß die Pforte, daß sie dafür in un]ercm eventuellen Entgcgeukommen auf staats- linanziellem und wirlidMfllicyeni Gebiete eine angemessene Ent­schädigung erwarten Eanu. TasFremdendlatt" verurteilt so­dann die FÄsckmngcn und Verhetzungen der englischen Presse, deren Tätigkeit chic unberechtigte LlöngUichkeit unb Ungeduld der öffentlichen 9Ncinuug -uzuschreiben fei, und die sich in Viesern Falle nicht einmal darauf berufen könne, die englische ösfMlichSi Meinung, noch weniger aber die Auffassung dec englisd>en 9ic- gieruiig ru vertreten.

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