Ausgabe 
2.10.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 232 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 2. Oktober 1908

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für die Redaktion 112, ¥\®>7 - * ä »q «r aa für den politischen Teil,

:ÜB General-Anzeiger für Oberhessen WM «t d.° Sage|munmet Hofotionsötu« und Verlag der vrühl'jchen Univ.-Vuch- und Steindrucker«! H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze r. Anzs!asn'teU°b's" B«L i bis vormittags 10 Uhr. a

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Krieg?

Die Lage im näheren Orient spitzt sich immer mehr zu. Bulgarien will den von ihm besetzten Teil der Orienrbahn nicht mehr herausgeben, obgleich es von den Mächten zu einer friedlichen Lösung der Streitfrage ermahnt wird. Neuerdings hat Rußland, wo man den Konflikt Bulgariens mit der Türkei nicht ohne Unbehagen verfolgt, den Vor­schlag gemacht, daß die bulgarisch-türkische Streitfrage wegen der Orientbahn den Berliner Signatarmüchten vorgelegt werden möchte. Diesem Vorschläge hat sich nun auch J-rank­reich angeschlosscn, aber es scheint, daß die Bulgaren vor­läufig wenig Neigung haben, diesen Vorschlag anzunehmen. Bulgarien mei(t in einem Expose an die Mächte auf die Geschichte des Baues der Orientbahn hin und legt dann aus­führlich dar, daß es Gründe der nationalen Verteidigung feien, die Bulgaren jetzt zur Besetzung der Orientbahn ver­anlaßt hätten. Es wird darin offen ausgesprochen, daß Bulgarien gegen die Türkei wehrlos sei, so lange die Bahn­linie ganz in türkischen Händen sei. Damit ist nun, wie man sieht, deutlich ausgesprochen, wohin Bulgarien zielt. So spricht keine Regierung, die sich seines Abhängigkeits­verhältnisses bewußt ist. Bulgarien ist eben des Suzeräni- tätsverhältnisses zur Türkei überdrüssig und will sich un­abhängig machen, und die Möglichkeit, diesen Schritt zu tun, findet cs in den gegenwärtigen innerpolitifchen Verhält­nissen der Türkei. Die türkische Regierung hat mit der Neuordnung seiner inneren Zustände vollauf zu tun und wird sich nur schwer zu einem Kriege hinreißen lassen. Man darf nicht warten, bis die Türkei innerlich so wc.it ge­festigt ist, daß es Bulgarien wieder mit allem' Nachdruck an fein Abhängigkeitsverhältnis erinnern kann. So denkt man in Bulgarien und will nun den Streit um die Orient­bahn als Mittel benutzen, um auch äußerlich die Oberherr­schaft des Sultans abzuschütteln. Die Türken haben diese Pläne sehr gut durchschaut, und der türkische Großwesir, Kiamil Pascha, hat dieser Tage dem Botschafter einer Groß­macht erklärt, daß, ivenn Bulgarien seine Unab­hängigkeit proklamiere, der Krieg unver­meidlich sein werde. Tie türkische Regierung werde nicht imstande sein, die Armee zurückzuhaltcn. Er hoffe jedoch, Bulgarien werde eine solche Eventualität vermeiden. Zn Bulgarien scheint man einstweilen noch nicht recht daran glauben zu wollen, daß die Türkei mit dieser Drohung Ernst machen könnte. Bulgarien scheint, sich auch auf gewisse Hintermänner stützen zu wollen. Richtig ist cs nun aller­dings, daß auch hinter den Kulissen- augenblicklich am bul­garisch-türkischen Streitfall eifrig gearbeitet wird. Ein Leit­artikel derNeuen Freien Presse" deutet hierüber mancherlei an. Das Wiener Blatt wendet -sich, .gegen die neueste poli­tische Legende, die in England mit großer Keckheit und Be­stimmtheit austrete, daß nämlich Oefterrcich-Ungarn, um die Türkei zu demütigen oder zu schädigen, Bulgarien angcstiftet habe, sich gewaltsam des ostrumelischen Teiles der orientali­schen Eisenbahnen zu bemächtigen, die sich im Besitz der Türkei befinden und von einer österreichischen Gesellschaft betrieben werden. Das gehe darauf aus, einen fremden

Staat zu veranlassen, einer österreichischen Gesellschaft schweres Unrecht zu tun und sich die Möglichkeit frii schaffen, durch alle Mittel der Tarifkunst dem österreich-ungarischen Handel Hindernisse in den Weg zu legen. Und dies alles, um den Jungtürken Verlegenheiten zu bereiten und im Orient Zwiste herDorzurufcn. Die Absicht dieses zu politischen Zwecken niedergeschriebenen WidersinnS sei ziemlich klar; man wolle zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei eine Kluft schaffen und in Rußland gegen es Mißtrauen erwecken. Man wolle für sich das Vertrauen der Jungtürken mono­polisieren, sich ihnen als einziger Beschützer anempfehlen und sich der russischen Diplomatie als einzigen verläßlichen Freund darbieten. Dieser Legende stellt dieNeue Freie Presse" die Wahrheit gegenüber. Frhr. v. Aehrenthal habe dem Fürsten Ferdinand in Pest ausdrücklich gesagt, daß Oesterreich-Ungarn sich gegen die Besetzung der Bahnen verwahre und diesen Einspruch schriftlich erneuert. Die öffentliche Meinung in Oesierrerch-Ungarn verurteile gleich­falls die bulgarische Eigenmächtigkeit und verlange, daß Bul­garien zunächst die begangene Rechtsverletzung gut mache und dann erst versuche, im Einvernehmen mit der österreichi­schen Gesellschaft feiner Eisenbahnpolitik die gewünschte Fornr zu geben. Bulgarien habe einen schweren Fehler begangen, indem eS das Vertrauen in seine Zuverlässigkeit und Achtung vor Gesetzmäßigkeit erschüttere und diesen Ein­druck noch verschärfe durch das Verfahren gegen einzelne Angestellte der Eisenbahn. Man begreife aber in Oester- reich-Ungaru, daß durch die Verletzung des bulgarischen Selbstgefühls durch die türkische Regierung das Verlangen nach einer auch formellen Unabhängigkeit in Bulgarien auf­gewallt fei. Die türkische Regierung habe die Lage offenbar nicht richtig abgefchützt und übersehen, daß man nicht Buch­staben gegen Geist, nicht Form gegen lebendigen Inhalt aus- spielen dürfe. Tie Suzeränitär der Türkei über Bulgarien )ei seit langer Zeit ein kaum-sichtbares, leichtes Band. Bul­garien habe selbständig gegen Serbien Krieg geführt uild selbständig Frieden geschlossen. Es schließe selbständig Ver­träge, und der Sultan habe sogar eine Ordensauszeichnung aus der Hand des Fürsten entgegengenommen. Tie Suze- rünität sei ein zweifelhafter Posten, den die Türkei längst nicht mehr zu ihren Aktiven rechnen dürfe und früher oder später abschreiben müsse. Bulgarien habe beobachtet und in Mazedonien eine zurückhaltende Politik befolgt, oft unter Gefahr der Unpopularität des Fürsten und der Minister. All dieses hätte die Türker berücksichtigen müssen. Es sei zu wünschen, daß sie jetzt den Wog finde, das freundschaftliche Verhältnis wieder herzuftellen, worüber selbstverständlich Oesterreich-Ungarn sehr zufrieden sein werde.

poiitifebe Sagestzehau.

Tie Leutenot in der Landwirtschaft

hat sich in diesem Jahre während der Erntezeit längst nicht in denc Grade bemerkbar gemacht, wie m den vergangenen Jahren. Sobald die Haupterntezeit vorbei ivar, verschwand der Brbeitermangel fast gänzlich. In Ostpreußen ivar es, wie die Arbeilsmarkl-Korresp." seststellt, im August zwar etwas schwerer, brauchbare Leute zu bekoniinen, doch iuar diese Erscheinung nur vorübergehend. Jil den anderen landwirtschaftlichen Provinzen Preußens konnte der Bedari fast durchiveg besser gedeckt ,verden als nn Vorjahr. In Brandenburg waren im allgemeinen ge­

nügend Arbeitskräfte vorhanden, um den Bedarf zu decken. In Schlesien, Sachsen und Schlesivig - Holstein ist das 9(ngcbot noch nicht ganz zureichend, doch ist die Knappheit an ArbeuskräNen cr- hetlich geringer als im Vorjahre. Ein starkes Ueberangebot be­steht m den mehr industriellen Provinzen, wo die befchäfligungs- loscit Industriearbeiter um Beschäftigung in der Landwirtschaft nachfragen, ganz gleich ob sie dafür geeignet siitd oder nicht. In Hannover decken sich Angebot und Nachfrage am landwirtschaft- licheit Arbeitsmarkt noch jo ziemlich, aber m Westfalen, Hessen- Nassan niid in den Rheinlanden bieten sich bet weitem mehr Ar­beiter der Landivirlschaft an, als gebraucht iverden köiinen. Be­sonders im Rheinland hat sich noch m letzter Zeit der Andrang, stark vertitehrt und ist iveit höher als 1907. Bon den süddeutschen Landesteileit ist vor allem Baden zu nennen, wo ein starker An- drang am landwirtschaftlichen Arbeitsmcirkl besteht und sich in den letzten Monaten noch erheblich vermehrt hat. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Großherzoglum Hessen; allerdings ist hier der Andrang etwas geringer. In Bayern imö im Königreich Sachsen konnte hingegen der Arbeiterbedarf der Latidwirtschast iioch nicht ganz befriedigt werden, obwohl auch hier der Leute- mangel lange nicht mehr so grob ist wie 1907. In Elsaß- Lothrtngen glichen sich Angebot und Nachfrage m der Hauptsache ziemlich aus.

Deutjches Resch.

Der Kronprinz wird im preußischen Finanzministerium^ vorerst in der Etatsabteilung Borträge l)ören. Wie verlautet, soll Herr v. Rheinbaben persönlich es übernommen haben, dem Kronprinzen die notwendigen Erläuterungen über die Aufstellung des Staatshaushalts und dessen parlamentarische Behandlung zu geben, Nach Beendigung dieser Vorträge gedenkt der Kronprinz fich mit dem Studium der F-inanzwissensä-aft, insbesondere mir den direkten und indirekten Steuern zu befassen.

D a S A b s ch i e d s g e s u ch d e s P r i n z e n B e r n h a r d zur Lippe ist unter dem 29. v. M. unter gleichzeitiger Zustellung eines allerhöchsten freundlichen Handschreibens an den Fürsten Leopold genehmigt worden. .

Anläßlich des goldenen Prtesteriubtl.au ms des Papstes wird auch der Kaiser dem Papst seine Glückwünsche zum Ausdruck bringen. Der Oberpräsident der Rhemproptnz, Freiherr von Schorlemer-Liefer, wird in dieser Mission nach Rons reisen und ein kaiserliches .Handschreiben überreichen.

Das sächsische Wahlrecht. Die sächsischen Nakional- liberalen haben den Entwurf der neuen Wahlkreiseinteilung ab* gelehnt, während die Konservativen ihm zustrmmten. Das Wahl- kömpromiß ist aufs neue in Frage gestellt.

S o z i a l d e m o k r a t i s ch e B n d g e t b e w t l l r g u n g. Das Gothaer Regierungsblatt stellt fest, daß die Sozialdemokraten int Gothaer Landtage das Budget nicht weniger als fünfmal bewilligt haben.

Ausland.

Das spanische K ö n i g s p a a r ist gestern nachmittag zum! Besuche des Kaisers Franz Josef in Budapest eingetroffen.

Wegen großserbischer Propaganda sind in Glina in Kroatien mehrere Personen verhaftet uitd in Ketten nach Agrant übergeführt worden.

Vom StänderatinBern wurde mit 24 gegen 2 Stimmen eine Gesetznovelle angenommen, welche die von Anarchisten: und Sozialisten in der Schweiz vielfach betriebene anti- militaristische Propaganda (Aufreizung und Anstiftung ^u Militärverbrechen und Jndisziplin) mit Gefängnis be-

Der internationale Unterrichtskongreß ist gestern in Paris eröffnet worden. Minister Eruppi wies in der

Kleines Feuilleton.

Tic Akustik des Theatersaals. Das trotz ntunnigfacher Forschungen immer noch nicht völlig geklärte Geheimnis Don den Zusammenwirkungen äußerer Bedin­gungen, unter denen in großen Räumen die höchsten und zugleich reinsten Schallwirmngen Zustandekommen, gewinnt lebendiges Interesse in diesen Tagen, da die Theater wieder ihre Pforten öffnen und der Theaterfreund die verschieden­artigen aiustischeu Verhältnisse der Bühnenräume mit eigenen Ohren nachprüfen muß. Tie Architekten des Alter­tums hatten auf diesem Gebiete Dor' den unseren einen wesentlichen Vorzug voraus: sie waren zugleich Physiker, die den Zusammenhang zwischen Raum und Schallwirknng wissenschaftlich abwägen konnten, wo der moderne Bau- künstler dazu neigt, empirisch vorzugehen. Die Grundform des Saales, der Abstand der Mäuse voneinander, Höhe, Breite, Nischen und Plafond, sie alle sind von dem größten Einfluß für die freie Entfaltung der Schallwellen, und mit den kleinsten Umänderungen lassen sich gar oft die größten Wirkungen erzielen. Auch die Zahl der im Saale anwesenden Menschen und ihre Verteilung im Raume ist Don größtem Einfluß, und der umsichtige Baukünstler wird auf alle diese Möglichkeiten eingehen müssen. Die physi­kalische Forschung yat mit Hilfe einer Nesvnanzstimmgabel, mit der die Schallwellen gemeßen werden können, sestgcstellt, daß die Dollbesetzten Stuhlreihen z. B. 0.96 Prozent des Schalles absorbieren, ein Teppich 0.200.30 Prozenr, Wand­täfelungen 0.03 Prozent und Glasflächen 0.002 Prozent. Die Holztäfelungen oder die Glasdeckung des Plafonds, wie sie bei Oberlichtsälen Dorhanden ist, reflektieren also fast den ganzen Ton, geben also Ueberakustik und können in Konzert­oder Theatersälen die Klangwirkung sehr schädigen. Ter französische Ingenieur M. Ä. Laeour hat Dor kurzem darauf hiugewicfen, daß der neue Saal der Pariser medizini­schen Fakultät mit seinem prachtDollen Glasdach aus diesem Grunde für die Abhaltung Da.it Kongressen und überhaupt für Reden so gut wie unbrauchbar ist. Eine interessante Erscheinung ist eS, daß die akustischen Verhältnisse mit dem zunehmenden Alter des Saales sich Derbessern. Auch die Beleuchtung, die Lichtwellen scheinen auf die Schallwellen von Einfluß zu sein; wie imGauloK" berichtet wird, hat der frühere Direktor der Pariser Musikakademie Gail- Hard sestgestellt, daß die Vibration einer Stimmgabel, die im verdunkelten Saale deutlich gehört werden konnte, nach Aufdrehen des Lichtes nicht meyr wahrgenommen wurde. Daß die Architekten des Altertums mit den Bedingungen der Akustik eng vertraut gewesen sein müssen, zeigen ihre

gewaltigen Thcaterbauten, z. B. das Theater von Tauro- menium, das 30 000 Menschen faßte, die alle den Klang der Schaufpielerstimme vernehmen sollten. Um den Schall zu steigern, pflegten die Alten auch Bron^evafen in den Thcater- räumen anfzustellen; ob in den f lein er en Bühnenränmen unserer Zeit hiermit günstige Wirkungen erreicht werden können, müßte die Erfahrung lehren.

Mnltatuli in Nieder-Ingelheim. (Rne in­teressante Feierlichkeit wird sich am Sonntag den 11. Oktober in Nieder-Jngelheim vollziehen. An diesem Tage wird nämlich am S t c r b e h a u s e des am 19. Februar 1887 dort gestorbenen holländischen Dichters Ednaro Douwes Dekker, der unter dem Pseudonym Mnltatuli als einer der bedeutendsten holländischen Ziomanschriftstellev bekannt ist, eine Gedenktafel an­gebracht werden. Die Tafel ist eine Stiftung eines holländischen Verehrers des Schriftstellers.

Die Fertigstellung der Arbeiten an Lio- nardos Abendmahl. Wie aus Mailand berichtet wird, hat Professor E a v e n a g h i die Restauration des Meisterwerkes des großen Florentiners, über die wir kürzlich ausführlich be­richteten, glücklich beendigt. Die vom Ministerium ernannte Kom­mission hat am Dienstag das Merk besichtigt; die Renovierung soll vollkommen gelungen fein und Professor Eavenaghi erntete lebhafte Anerkennung. Die Kvmmijsion pflictstete bent Vorschlag Eavenaghis bei, der das gerettete Fresko durch die Aufstellung einer größeren Glaswand gegen äußere Einflüsse schützen will. Die Ausführung dieses Planes hat aber mit großen Schwie­rigkeiten zu kämpfen, da es unmöglich ist, eine Glasscheibe von der Größe der Refektaniumswand, die acht zu neun Meter mißt, zu beschaffen. Man wirb fich damit absinden müssen, mehrere kleinere Glasscheiben zusammenzufügen, die dann durch eine eiserne Um­rahmung zusammengehalten werden sollen. (Dieser Vorschlag war vor mehreren Jahren schon von deutschen Kunstgelehrten gemacht worden. Die Red.)

Der Ärmce-MusikinsPizieut Professor Gustav Roß­berg trat am 1. Oktober nach 52 jähriger militärischer Dienstzeit, in den diu heft,and. Professor Roßberg, der im 71. Lebensjahre' steht, trat 1856 als Freiwilliger in das 2. Gardo-Regiment z. F. ein und wurde 1860 mit der Bildung eines Musikkorps für das 4. Garde-Regiment z. F. beauftragt, worauf er zu dessen. Niusikmeister und ein Jahr später zum Stadshoboistem ernannt! wurde. Nachdem er 1878 zum Militärmusikoirigenten ernannt worden war, wurde er 1894 Armec-Musikinspizient als Nach­folger des Musikinspizienten Voigt. 1806 erhielt Iioßberg beit Professortitel. Längere Zeit war Prosessor Roßberg auch Lehrer an der Hochschule für Diusik. Er hat an den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 mit Auszeichnung teilgenommen.

He het veel sapen. Ein Leser (Tr. K.) schreibt denHamb. Nachr.": In Stavenhagen soll ein Fritz Reuter- Denkmal errichtet werden. 9Jtir fällt dabei ein kleines Erlebnis ein, das ich vor etwa zwanzig Jahren als Student auf einer Fußtour hatte, die mich auch ourch Stavenhagen führte. Als Reutervevehrer fragte ich g ' ä den Wirt unseres Gasthofes, ob

es in Stavenhagen nicht ein Reitter-Denkmal, ein Reutermuseumj oder dergleichen gäbe, worauf der Biedere sehr abfällig erwiderte: 'n Denkmal för Reuter? Wat het de 9)iann denn dahn? He het veel sapen und en beten schrewen!" Nun scheint man ja doch in Stavenhagen zu etwas anderer Ansicht gekommen zu sein.

Maxim Gorki und die Andrejewa. Wie der Tag" erfährt, zeigt jetzt die Schauspielerin Andrejewa ihre Ver­mähl u n g mit Maxim Gorki an. Tie Andrejewa hat, wie unsere Leser sich erinnern werden, im April 1906 den russischen Dichter auf seiner Flucht nach Aniercka begleitet. Als man dort erfuhr, daß sie nicht seine Gattin fei, begann die Newyorker Presse einen wahren Feldzug gegen Gorki, der auch von der dortigen Gesell­schaft förmlich boykottiert, wurde. 'Man nahm es ihm besonders übel, daß er seine rechtmäßige Gattin und seine Kinder angeblich mittellos in Petersburg zurückgelassen habe, ivas indes den Tat­sachen nicht eiitsprach. Die Andrejeiva ist eine geborene Baronin JurawSki und enlstainmt einer alten Adelsfamilie Rußlands.

B e s r u ch t u >i g durch Elektrizität. In der Pariser Akademie der Wissenschaften erstattete Professor Pon Delage Be­richt über feilte neuen Experimente in künstlicher Befruchtung, die aiißerordentlich interessante Resiiltate ergeben haben. Bereits vor einem Jahre war es dem Stalurforscher gelungen, Seeigel-Eier künstlich zu befruchten; sie haben sich vollkoinnien normal sort- enlwickelt und die ausgeschlüpsten Tiere sind noch heute am Leben. Statt der chemischen Flüisigkeiten, die damals zur Anwendung kamen, hat der Gelehrte jetzt mit der Elektrizität Versuche angestellt iind es ijt ihm geglückt, durch die Anwendung elektrischer Kraft Keiine zum Wachstum zu bringen.

Kleine Ebronik ans Kunst und Wissenschaft. Der Erbauer hes Brandenburger Tores, Karl Gotthard Langhans, starb gestern vor IGO Jahren. Er­halle sich schon in Breslau hervorgetan, als er 1785 zum Ches des gesamten Bauwesens in Berlin ernannt wurde. Zu seinen Werken gehörten das Schauspielhaus, das nach bent Branbe burch' Schinkel neu gebaut ward, und die Kolonnaden, vor allem aber das Brandenburger Tor. Zum ersten Atale öffnete sich dieses, als Friedrich Wilhelm II. aus dem Feldzuge in der Champagne zurückkehrte. Bia re et Jambon, einer der tüch­tigsten Bieister auf dein Gebiete der Theatermalerei, ist im Alter von 60 Jahren in Paris gestorbeii. Am Dienstag ar­beitete er noch an den Skizzen für die neue OperChiqmto". Die Bühneiibilder derG ö t l e r d ä »i m e r u n g" für die Große Oper Halle er vor ktwzem volleudet. D avidof k's OperTie d er­fundene (S l o et e" errang in der deutjchen Uraufführung als Festvorstellung für die Association littöraire Artistique internationale

Mainz einen außergewöhnlichen Erfolg. Dem Königlichen Bi ü ii z k a b i n e t t in Bi ü n ch e n sind von zwei un­genannten Kunstfreunden 45 000 Mk. zu A ii k a u s s z w e ck e n ge­schenkt worden. Zur vollständigen Freilegung der Porta Nigra, des weltbekcnmlen allrömischen Bauwerkes in Trier, bewilligten die Stadtverordneten 3OOOOO Aik. Tic nach­gesuchte Lotterie wurde vom Minister a b g e l e h u t.