Ausgabe 
20.1.1908 Zweites Blatt
 
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Ähnehmer Nicht die Rede sein könne. Ctr habe zwar die Ab- ehmer in dem Glauben gelassen, er liefere Kainit, doch babe er ihnen nur den Preis für Carnelit abgenommen. Eine Schödi- WUNg der Abnehmer müsse umsomehr für ausgeschlossen erachtet »erden, als daß die gelieferte Ware laut Untersuchungsbefund täten weit höheren Kaligehalt als durchschnittlich hatte. Uebri- «ens hätte sein jetzt mit ihm verfeindeter Geschäftsvorgänger, Ler die Triebfeder der Sache ist. es ebenso gemacht und ihm Dieses Verfahren anempfohlen. Mehrere als Zeugen vernom­mene Landwirte bekundeten zwar, wenn sie gewußt hätten, daß -ihnen Carnelit statt Kainit geliefert würde, sie die Ware nicht .mgenommen hätten. Ob sie benachteiligt sind, konnten sie nicht 'ingeben: sie waren mit der Wirkung der Ware zufrieden. Von iächverständiger Seite wurde noch erwähnt, daß beide Mittel iHefefbc Wirkung haben und auch die nämlichen Salze sind, den Unterschied in der Bezeichnung bedingt nur der Kali gehalt. Nach- i:ent noch erörtert worden war. daß Kainit zum genannten Preise rchne Schaden nicht geliefert hätte werden könne und der An­geklagte das Carnelit mit normalem Nutzen verkauft hat, mithin »ine Vermögensschädigung der Käufer nicht eingetreten ist, hob i)as Gericht das erstinstan'liche Urteil auf und erkannte auf Freisprechung, da es an einem wesentlichen Tatbestands- mer final gebrach.

Drei wandernde Gesellen.

Drei Handwerksburschen im Mter von 17 bis 20 'fahren, der Anstreichergeselle K. Sch. aus Marburg, die Eisen- ' abrikarbeiter VH. W. aus St. Johann und O. B. aus Remscheid, amen auf ihrer Wanderschaft durch Bad-Nauheim, wo Hie bettelten. Als sie bei Eintritt der Dunkelheit ihren l3eg nach Friedberg zu fortsetzten, sahen sie am Ortsausgange n einer Gartenhütte eine Anzahl zum Trocknen aufgehängter Strümpfe. Sch. stieg auf den Gartenzaun und holte sich 7 Paar, während die anderen in der Nähe stehen blieben. Ta ange- wmmen wurde, daß sie Anstifter oder Mittäter sind, erfolgte hre Verhaftung, nachdem sie von dem Eigentümer, der sie beobachtet hatte, eine Tracht Prügel erhalten hatten. Auf Grund Her Verhandlung konnte, entgegen der Annahme der Anklage, »(in schwerer Tiebstabl nicht für erwiesen erachtet werden, da i er Dieb leugnete, übergestiegen zu sein. Er will die Strümpfe ?urcf) Hineinlangen von außen geholt haben. Ta, um den Tatbestand des schweren Diebstahls zu erfüllen, der Dieb rnin- !?estens mit einem Fuß in das Innere hätte gelangen müssen, ' ies aber nicht nachzuweisen war, erging nur Verurteilung wegen infachen Diebstahls und zwar erhielt Sch. einen Monat -Gefängnis. Bei den andern war eine strafbare Bcteili- ,mng nicht feftzustellen, weshalb Freispruch erging, doch mußten flie wegen Bettelns verurteilt werden, wofür je fünf Tage Hast .cngesetzt wurden. Sämtliche Strafen wurden durch die Unter» f'üchungshaft für verbüßt erklärt und die Angeklagten auf freien T^ gesetzt.

Strafbarer Eigennutz.

Der nach Bockenheim verzogene Arbeiter H. W. war seinem Hauswirt in Fauerbach- Friedberg noch die Miete für zwei Monate schuldig. Es wurde sich dahin geeinigt, daß ein leiderschrank als Pfand zurückbleibt. W. lud aber in der Dnn- lirlheit seine Möbel auf und nahm den Schrank mit. Auf -trafantraa des Vermieters verurteilte ihn das Schöffengericht '^egen strafbaren Eigennutzes zu 10 Tagen Gefängnis, üitbem es seine Vorstrafe wegen Pfandverschleppung straferhähend it Betracht zog. Der Angeklagte focht bad Urteil mit dem Antrag »ruf Freisprechung an, da er von einem Pfand nichts wisse. Ta jedoch kein Zweifel an seiner Schuld bestand, wurde das Arteil bestätigt.

* Seuchen - M eldungen kommen jetzt käst täglich aus ien verschiedensten Weltteilen. Im Südharzstädtchen Ellrich ' erricht stircktbar der T n p h u s. In Oberschlesien kamen inige neue Erkrankungen an schwarzen Pocken vor. In den . irkiseben Landen, namentlich in den Küstengegenden des roten J)ieere§, besonders in Mekka und Medina, sind an die tausend

Cholerafälle mit tödlichem Ausgange, in Dschedda eine Erkrankung an Pest, zwei Pestiälle mit tödlichem Ausgange und zwei Eholerakälle vorgekommen.

Gruben Unfälle. Am 19. Januar ereignete sich in der GrubeCouchane de Flönu* bei Charleroi in Belgien eine Schlagwetter-Explosion, bei der sechs Arbeiter ge­tötet und 25 Arbeiter verwundet wurden. Die Explosion sand in einer Tiefe von 800 Metern statt. Wie aus Pittsburg in Penusylvanien gemeldet wird, ereignete sich in der Catsburg-Kohlengrube eine fürchterliche Explosion, die in dem Bergwerke große Verheerungen anrichtete und die Ein- und Ausfahrt der Grube versperrte. Es sind etwa 40 Bergleute int Innern eingeschlossen. Es ist anzunehmen, daß sie noch am Leben sind, dürften aber kaum gerettet werden können, zumal unmittelbar nach der Explosion ein Brand in der Grube ausbrach. Sie werden, wie man fürchtet, wenn sie nicht direkt von den Flammen erreicht werden, dem Erstickungstode nicht entgehen können. Eine 20 Mann starke Rettungs-Abteilung, die sich in die Grube begeben hatte, ist nicht wieder zurückgekommen und gilt als verloren.

* Von einem großen russ. Bankraub, der in der kaukas. Stadt Tiflis ausgeführt wurde, meldeten wir dieser Tage. Am letzten Samstag sind jetzt in München 3 der Räuber, darunter eine elegante junge Dame, verhaftet worden, und in Paris gleichzeitig 2 weitere. Bei den in Paris Festgenommenen wurden 20 000 Rubel vorgefunden, bei denen in München annähernd ebensoviel.

Kleine Tageschronik.

In Königsberg i. Pr. wurde der Juf.-Leutnant Horst von Sauden mit einer Kopfwunde aufgefunden: er ist an- scheinend beim Pistoleniiben verunglückt. Ein Selbstmord des lebensfrohen beliebten Offiziers ist angeblich ausgeschlossen.

Ter Mörder der aus der Huse bei Bremen vor ei­niger Zeit ermordet ausgefundenen Frau ist in Pemamouse, Brasilien, verhaftet worden. Er heißt Haas und ist Teutscher, so daß feine Auslieferung keine Schwierigkeiten machen wird. Haas ist verheiratet. Seine Frau und sieben Kinder wohnen im Hessischen.

In Petersburg besuchten der Adelsmarschall Tschitschtrin und die Staatsrätin Chanenko gemeinsam eine öffentliche Bade­anstalt, wo der Adelsmarschall tot, die Staatsrätin ohnmächtig aufgefunden wurden. Letztere sagte aus, beide hätten gemeinsam bedeutende Menge spanischer Fliege verschluckt. Während aber die Frau den größten Teil wieder von sich gab, ist der Adelsmar­schall verstorben.

In der argentinischen Stadt Baradero wütete ein furcht­barer Zyklon, dem zahlreiche Menschenleben zum Opfer fielen. Tie Maisernte der Umgegend ist vollständig vernichtet.

Am 18. Januar st a r b der Geh. Iustizrat, Prostssor der Rechte an der Universität Greifswald, Dr. Felix Stärk im Alter von 56 Jahren.

Wie aus Aachen gemeldet wird, wird aller Voraussicht wach die dortige H a n del s fa ku ltä t, die an die Technische Hochschule angegliedert ist, mit Ablauf des Sommersernesters e i n g e h e n. Eine Anzahl von. Lehrfächern soll von der Tech­nischen Hochschule übernommen werden. Die Frequenz der Aachener Handelsfakultät war in den letzten Jahren so schwach, daß das Kuratorium nach Ablauf der zehnjährigen Garantiezeit, der in diesem Jahre erfolgt, sich nicht entschließen konnte, die Anstalt weiterzuführen.

In München haben die städtischen Kollegien den Antrag au? Errichtung einer Handels-Hochschule angenommen.

Meteororoftische Beobachtsrrrgeu der Station Gießen.

Januar

1908

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

19.

I 754,2

4- 4,3

5.1

82

EXE

4

Sonnenschein

19.

9

1 753,6

0,8

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Bew. Himmel

20.

7

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0,7

4,2

96

N

2

Nebel

ll 1

Höchste Temperatur

1 1

am 18.-19. Janu

rr

+ 4,5 6 0.

Niedrigste

18.-19

1,2 * C.

TeSefomsc&ia S^uBsbeiHcMe

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Hank fUr Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter BCör«

3%6/0 Beichsanleihe . . 92.80 3% do. . . 81.80 3%°/0 Konsols .... 93.20 3% do.....81.80

3%°l6 Hessen......

3%°/n Oberhessen . . . 92.00 4% öesterr. Goldrente.. 4*/g % Oesterr. Silberrente 98 50 4% Ungar Goldrente . . 93 70 4% Italien. Rente . . . 104.40

3% Portugiesen Serie T . 62.50 3% Portugiesen III 63.50 4%°/ rass. Staatsaul. 1905 94 60 4J4°A> Japan. Staatsanleihe 87.00 4 % Conv. Türken von 1903 93.40 Tiirkenlose......145.20

4 Griech. Monopol-A nl. .. 4% äussere Argentinier . 85.75 3°/0 Mexikaner .... 63.30 4>ju/o Chinesen .... 95.25

Aktien:

Bochum Guss..... 198 20

Buderus E. W.....113.

Tendenz: schwächer.

Berliner Börse, 20

, 20. Januar. 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 123.75 Elektriz. Schnckert . . . 105.50 Esch weil er Bergwerk . . 206 25 Gelsenkirchen Bergwerk . 187.50 Hamburg- Amerik- Paketf. 116.00 Harpener Bergwerk. . . 202.75 Laurahütte.....217.00

Nordd Lloyd . ... 105.00

Obeischles. Eisen-Industrie 99.00 Berliner Handelsges. . . 157.00 Darmstädter Bank . . . 126.40 Deutsche Bank .... 231 60 Deutsch-Asiat. Bank . . 137 00 Diskonto-Kommaudit. . . 172.00 Dresdner Bank .... 138.00 Kreditaktien..... 200.75

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn .....89,10

Gotthard bahn......

Lombard. Eisenbahn . . 27.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.20

Priuce-Henri-Eisenbahu . 118.50

Januar. Anfangskurse.

Canada E. B.....

Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmuuder-Union C. . Dresdner Bank . . .

Tendenz: fest.

. 157.90

' 138*00

Harpener Bergwerk Laurahütte . .

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Lombarden R JV c* _ T -i^ng Der dem* i und die bisherige Art e (ie Grundgebühren und

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t ö H a z» a «« n, daß nach der pol -- IC pflegen ./oesentlicheStei-. den täglichen Gebrauch der sfuhr nach Ruß- aus feinen und sehr mild<

denn sie ist die eii en a. d. R.: Einzelne Seife, welche al^rzungen vor. Aus . das Mnrrholln mit ane 1n. °hl>n kic Gedinae um Schönhettswirkung aur dke Haut enthält, wurden Die bedinge um

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,he Generalkonsul a. D. rb t, ein geb. Livländer, bsuchte Vertrauens-- ürttem bergischen h einem Vortrage über n an:Die Ver/.l^.n-'-'

Kaufhaus

Ausführliche Preisliste folgt

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Der Verkauf dieser Waren beginnt

Donnerstag, den 23. Januar

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