Ausgabe 
18.11.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. S72 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Mittwoch 18. November 1908

Erscheint tLgllch mit Ausnahme deS Sonntag».

®teSietzener FamtliendlStter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblfltt für den Kreis Glehen" zweimal wöchentlich. D»e ..Landwirtschaftlichen Srit» fragen erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sderheften

Rotationsdruck und Verlag der vrühlschen Universums Blich, und Stemörudcrel ÖL Lange. Gießen.

Redaktion. (Eroebthon und Druckerei: Schul­straße 7. Ervedinon und Verlag: öl.

Redaktion:e-^112. Tet.-AdruAnzeigerGieben.

Zur Lage in China.

In bet Befürchtung uinc» Anwachsens der revolutio­nären Bewegung hat der Regent Tschun die Zügel der Re­gierung mit fester Hand ergriffen, so daß die Aufrecht­erhaltung des Friedens wenigstens sür einige Zeit gesichert erscheint. Es sind alle Vorsichtsmaßregeln getrvfsen, um eine Wiederholung der revolutionären Vorgänge vom April und Mai zu verhindern. Besondere Abteilungen chinesischer Truppen bewachen die Zugänge zu den Gesandtschaften. Gestern herrschte ein lebhafter Ansturin aus die Banken, vierzehn einheimische Bankinstitute wurden geschlossen. Unter der eingeborenen Bevölkerung herrscht große Er­regung. Die Polizei drängte die Menge von den Bant aebäuoen zurück. Besonders die Nokohama-Wechselbanl hatte einen schweren Ansturm zu erleiden, während die eng­lischen, deutschen und russischen Institute unbehelligt blieben. Die Ursachen des Todes des Kaisers und der Kaiserin-Witwe sind noch unbekannt, obgleich eine Anzahl langer, sür den Fremden unverständlicher Berichte ausgegeben worden ist. Obwohl andererseits (verrichte von unsauberen Machenschaf­ten weit verbreitet sind, hat man keinen Grund für die Annahme, daß die beiden Todesfälle an­deren als natürlichen Ursachen zuzuschreiben seien. Der Kaiser ist lange leidend gewesen. Die Kaiserin- Witioe wurde während der Feier ihres Geburtstages am 3. November von Kongestionen der Lunge befallen. Man besürchtet, daß die Resormpartei sich die gegenwärtigen Un­ruhen zu Nutze machen wird. Ein Teil der Chinesen sieht in Pulun den legitimen Thronerben.

Der Abschieds-Erlaß des Kaisers, der in Kwang- hsüs Warnen vom großen Rat ausgesetzt war, zeigt, daß der Einfluß der chinesischen Staatsmänner den Einsluß des Mandschus überwiegt. Der Erlaß mutz als ausdrückliche Er­klärung der neuen Regierung über ihre Politik betrachtet werden. Der Erlaß, der unter anderem eine energische Durchführung des Resormpregramms vorsieht, sagt, der Kaiser beschäftigte sich während seiner Negierung mit Schnnerig leiten, die sich aus dem Verkehr mit den Fremden und aus dem Verkehr zwischen den Christen und Nichtchristen ergaben. Er vermehrte das Heer und die Schulen, förderte die Industrien und bereitete die Verfassung vor. Dem Ver­nehmen nach führte der Regent Tschun bereits nunmehr Neuerungen im Palaste ein, so einen modernen Betrieb in der Erledigung von Geschäften. Die Erziehung des un­mündigen Kaisers soll nach modernen Grundsätzen geleitet werden.

Obwohl der Regent aufrichtig gewillt ist, Reformen zu gewähren, wird er doch nicht als em starker Mann betrachtet. Die Herrschaft über die Truppen in Tschili ist geteilt. Eine Division ist unter der Gewalt des Thrones; zwei Divisionen werden kommandiert von dem Kriegsminister Tiehliang, der der heftigste Gegner Duanschikais ist. Dies macht es . für den Regenten Prinzen Tschun schwierig, sich auf Man- schikai zu stützen. Unter den Revolutionären geht das Ge­rücht, daß einige ihrer Führer sich nach Peking zurück begaben. -

Deutsches Neieh.

Die Beisetzung des Grafen Hülsen-Häseler hat gestern im Beisein des Kaiserpaarcs stattgefunden.

Zum Chef des Militärkabinetts ist der Kom­mandeur der 19. Division Freiherr v. Lyncker ernannt worden.

Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin beläuft sich nach einer vorgestern vorgenommenen Zählung aus 40 124. Davon entfallen aus die Stadt Berlin 29 123.

Eine große Studentenversamm lung hat gestern in Berlin eine Sympathiekundgebung sür die Prager Studenten angenommen.

Schutz deL gewerblichen Eigentums. Gestern

wurde im Auswärtigen Amte zu Berlin der Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Ungarn über den gegenseitigen Schutz des gewerblichen Eigentums unterzeichnet.

Ausland.

Der ö st e r r e i ch i s » .. u r a t wird am 26. Nov. wieder zufammentreten.

Russische Anarchisten in Dänemark. Aus Kopenhagen wird derDaily Mail" gemeldet, daß die Karscrin-Witwc von Rußlaird die mit ihren Schwestern ge­meinschaftlich bewohnte Villa verlassen werde, weil die dänische Polizei erklärt hat, daß russische Anarchisten den Aufenthalt dortsclbst gefährlich machen. Es kam bereits zu einem Zusammenstoß zwischen Anarchisten und Poli­zisten, wobei von letzteren bret verwundet wurden; doch gelang es der Polizei, einen Anarchisten festzunehmen.

Klagen über deutsche Luftschiffer. , Echo de Paris" stellt eine ziemlich lange Liste deutscher Lustballons und ihrer Insassen zusammen, die während der letzten Mo­nate über die Ostgrenze kamen und in Frankreich landeten. Aus der Tatsache, daß sich unter den Lnftrcisendcn säst regel­mäßig aktive Offiziere befinden und daß wiederholt mehrere Ballons gleichzeitig ausgestiegen waren, schließt das ge­nannte Blatt auf die Av.icht militärischer Sp.onage und kündigt an, daß die Regierung strenge und wirksame Maß­regeln ergreifen werde.

Die englische Admiralität. TieMoming Post"' greift die Mministration dcr ei.g.i,chen Kriegsmarine an, indem sie behauptet, die Offiziere oer Flotte befrachten die Möglichkeit eines Krieges mit Unruhe, weil die Flotte vollständig desorganisiert lei. Die Fr ölte habe kein Ver­trauen zur Admiralität. Ein Krieg würde Niederlagen herbeisühren, deren Wirkung vielleicht nicht mehr gut zu machen wäre.

Die russische Festung Libau wird aufgelassen. Ihre Besatzung geht zum Teil nach Wladiwostok. Die Flottenstation bleibt, aber nur für kleine Fahrzeuge.

0. Sitzung Großherzoglicker Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, den 4. November 1908.

Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Koch als Vor­sitzender, Kommerzienrat H e i ch e l h e i m als stellvertrerender Dor- sitzender, Tür deck, Friedberger, Grünewald, Hoos, FHring, Klingspor, Münker, Ramspeck, Röhr R ü h l, Kommerzienrat Schirmer, Stammler, Zurbuch und der Syndikus.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen:

a) Auf die Eingabe der Handelskammer betreffend die Ein­legung eines Abendzuges auf der Strecke Kassel- Frankfurt a. M., welch-c einen Anschluß für die nach Abgang des v-Zuges abends 7 Uhr in Kassel eintreffendcn fünf Schnellzüge auf der Main - Weser - Bahn herbeiführen soll, teilte der Herr Minister der öffentlichen Ar­beiten mit, daß bei der späten Lage, die der Zug 69 im Falle seiner Fortführung von Kassel nach Frankfurt a. M. er­halten müßte, auf eine ausreichende Benutzung nicht zu rechnen sei. Die aufzuwendenden erheolichen Kosten würden sich dem­gegenüber nicht rechtfertigen lassen. Bet den zwischen Kassel und Frankfurt bestehenden zahlreichen Zugverbindungcn fei auch ein Bedürfnis für die Einlegung neuer Züge zur Zeit nicht an- »uerfennen. Dem Anträge könne deshalb uichl fLtitgegeben werden. Da die Handelskammer diese ablehnenden Gründe nicht als be­rechtigt anerkennen kann, wird sie dem Antrag für den Sommer- Fahrplan aufs Neue ausnchmen.

b) Einem des Nähern gegründeten Wunsche des Kaufmän­nischen Vereins zu Alsfeld Folge gebend, hat oie Handelskammer uei der Kgl. Eisenbahnmrettion Frankfurt a. M. die E i n l e g u n g eines Zuges, der etwa kurz vor 8 Uhr morgens aus der Rickttung Fulda in Alsfeld eintreffen müßte und eines entfprcchenden Gegenzuges, etwa 7,35 Uhr abends ab Gießen, beantragt. Tie hierauf bezüglichen Erhebungen der Eisen<wl)nvcrwattung sind noch nicht zum Abschluß gekommen.

c) Der Kgl. Cifenöahndirel'tion Frankfurt a. M. ist der üb-

s Interview.'»

E nei Lied uff e ott Melodie.

Kaiser Wilhelm babbelt heiter Mi'm Lord Beefsteak singst, im weiter Denkt er gor net, was er fehlt: Er enlhillt em ohne Wanke E poor haamliche Gedanke, Wo er dies im Herz drei trehkt.

Doch mein Lord roie8 Tunnerwetter Schreibt mit seine spitze Fedder Alles uff sich, schlau un fei;

Awwer, um net a'zusioße.

Schickt den Uffiatz. den iarnose, Er zuvor dem Kaiser ei'.

Wilhelm is kaan Firlefanzler, Trum friflgt erst emol sein Kanzler Zu Gesicht die Schreuverei;

Der jedoch hat grob indesse Bis an Hals im Bad g es esse Un h o t drum die Hand net frei.

An sein Sekretär des Staates Schickt er also voller Gnad' des Schreiwes, wos den wenig freit; Tann er hol grob Skat getrununelt Un Hot m sein Bart gebrummelt: ,2 ch hab alleweil k a a ZeitI"

Also schickt den Bries direkt er Honig sei'rn Kanzleidirekter. Ter do fast in Ohnmacht sinkt. Tann aach der sieht sich derzeitig Schun beschäftigt a n n e r ro e i t i g, Weil et grob sein Kaffe trinkt.

.Fort bemit, je eh'r, je heroer 1" Ruft er drum, un schnell wie's Fiewer Schickt den Wisch er jet'm Kanzl.lt ; Ter will aach net stör'« sich losse, Tann des warn aach schöne Bosse, Wann mer grab fei Friehsttck i ß t.

Also ohne lang Gefackel Gibt er druff den Krickel-Krackel An sein Diener der Kanzlet; Ter Hot setfzend sich bcqucmigt, Schreibt ganz aa'iach druff: Genehmigt! Un drickt stumm das Siegel bei.

Korz druff gvb's en scheene Schrecke.

Als den Ufiialj mer entdecke Tahl un ^,Tally Telegraph" l Kanzler, eefretär, Tirekter Un Kanzlist steh'n do erschreckter, Als roann sie en Blitzschlag traf.

Englands Feind," so dicht mer lese, ^Bin ich niemals noch geroeje! paro'-ich meiner Großmama Doch die Kriegsplän selbst ersunne, Wie ihr fest gesteckt dort unnc Tomols habt in Afrika.

Un wie Russe un Franzose Aus des Feier wollte bloje, Haw'-ich still en abgewehit. Aach mei* Flott laß not ich baue, Taß se, roann der Tag bubt graue, Einst mit eich gen O st e fährt!--

Jesses, Jesses, lieroer Kaiser! Tönt bald lauter un bald leiser To de Rus dorchs deiische Reich, So die Korte zu vorote!

, vun alle beme Täte

Wor des net be beste Streich!*

Un be Reichsdog tritt zusamme, Dorch die Bank bord) buht oabamme Ter, was do im Blatt steht bret*; Un |ogor die rote Sozze, Wo vun Widder, vrnch fünft strotze, Stimme desmol laut mit ei'!

©unff is roeiter nix geschehe, Zroor be Kanzler wollt erst gehe, Aiviver, Galt |ei Tank, er bleibt; Slot des Volk buht ängstlich frage: Wos geschieht ui finfi'ge Tage, Daß mer's net so weiter treibt 1*

Stolzer Kaiser, I o ß dich bitte, Babbel net mehr mit b e Brite, 's fchab't not b i r un unserem Land;

R e d b' mit u n6, roann be mußt redde, Tann nur mache, id) will weite, Siet bte M i d zum Elefant!

-------- Fraa Hannebambek.

) Wir entnehmen diese humorvollen Verse demTarmst lägt Anz.^.

liche Halbjahrs-Bericht über die Lage des ober­hessischen Eisenerzbergbaues erstattet worden.

d) In der am 18. v. Mts. in Limburg stattgehabten crbcnN lichen Hauptversammlung des Lahukanal-Bereins, an welcher btt Herren Kommerzienrat S. Heichelheim, M. Friedberger rörote ber Syndikus teilgenommen haben, gelangte die nachstehende Reia- lution einstimmig zur Annahme:

Die Versammlung giol ihrer Freude über das von dcr Königlichen Slaatsregierung den auf eine Kanalisierung des Lahn- usses gerichteten Bestreuungen entgegengebrachte Wohlwollen danv- uaren Ausdruck: insbesondere erkennt sie an, daß das Ziel ihrer Wünsche baburd, seiner Verwirklid)ung erheblich näher gerückt ist, daß die Königlid)c Wafferöauinspeklion in Diez mit der Aus­führung der bereits bis zu einem gewissen Abschlüsse gelangten technischen Vorarbeiten zur Verbesserung der Schiffbarkeit dieses Wasserweges betraut worden ist und die daraus erwachsenden Kosten auf die Staatskasse übernommen sind. Sie schließt daran die Bitte, Die Königliche Staatsregierung möge den entgültigen Abschluß dieser Vorarueiten und die inzwischen von ihr noch eingeleiteten! wirtschaftlichen Ermittlungen nach 'Möglichkeit beschleuniaen, da­mit spälesteits im kommenoen Jahre dem preußischen Landtage ein Gesetzentwurf über die Kanalisierung der Lahn zur Geneh­migung vorgelegt und an die Inangriffnahme des Baues so frühzeitig hcrangctretcn wird, daß in Gemäßheit des im Februar, 1906 vom Lairotage einstimmig genehmigten und vom Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten gebilligten Antrages Dr. Röch- ling-CahenSly die Inbetriebnahme des verbesserten Schifsahrt- weges glcicl-zeitig mit der Eröffnung des Rhein-Haruwver-KanalS erfolgen kann."

2. Neuwahlen zur Handelskammer.

Auf Grund des Gesetzes vvm 1. Juli 1908 über die Aende» rung des Gesetzes vom 6. August 1902, die Handelskammern be­treffend, nad) welchem künftig oie Mitglieder dcr Handelskammer auf 6 Jalw gewühlt werden, hat das Gwßh. Ministerium deS Innern für Ende dieses Jahres Neuwahlen für sämtliche Mit­glieder der Handelskammer angeordnet. In Vorbereitung dieser Wahlen befdtfiefft die Handelskammer:

1. Die Wählerlisten der 6 Wahlkreise in der Zeit vom 9, bis 18. November zur Einsicht offenzulegen.

2. Den Wahltermin für die Wahlbezirke Gießen-Stadt, Grünberg und Alsfeld auf den 24. November, für die Wahlbezirke Gießeu-Land und Lich auf den 26. November und für den Wahlbezirk Lauterbach auf den 27. November festzusetzen. w ,

3. Als Wahlkommissare zu bestellen die Herren: A. Klingspor für Gießen-Stadt; M. Friedberger für Gießen-Laud; Georg Stammler für Lick); H. Jhring für Grün­

berg; L. .Hoos für Alsfeld und K. Grünewald IL für Lauterbach.

Tic Handelskammer besck>ließt ferner, btc Wähler auf die neue Fassung des Artikels 5 des Handelskammergesetzes besonders aufmerksam zu madten. Dieser Artikel hat folgenden Wortlaut: Eine Person, die nicht unter Vormuirdschaft oder Pflegschaft steht, übt ihr Wahlrecht persönlich oder durch einen Vertreter aus. Die Vertretung des Wahlberechtigten kann nur durch einen für ihn im Handelsregister eingetragenen Prokuristen oder, wenn ein sol­cher nicht vorhanden ist, durch einen volljährigen kaufmännischen oder technischen Angestellten seines Geschäftes erfolgen; der 2In* gestellte bedarf dazu schriftlicher Vollmacht.

Diese neue Fassung des Artikels unterscheidet sich von der früheren dadurch, daß eine selbst zur Wahl berechtigt« Person sich künftig nicht mehr durch einen anderen Wahl­berechtigten vertreten lassen kann und daß ferner derProkurist keiner Vollmackst mehr bedarf.

3. Einschränkung des Flaschenbier Handels.

Von dem Verein der Gastwirte von Gießen und Umgegend ist eine Eingabe des Rhein-SNain-Gastwirte-VerbandeS zur Vorlage gelangt, in welcher gefordert toiro, daß der Flaschenbieroerkauf konzessionspflichtig und außerdem von der Prüfung des Bedürf­nisses abhängig gemacht wird. TH Handelskammer lehnt eine Unterstützung dieser Forderungen als zu weitgehend ab, spricht sich aber für eine Aenderung des § 35 Ach. 1 der Gewerbe­ordnung dahingehend aus, daß die Erlaubnis znm Flaschenbier- hanüel zu »erjagen ist, wenn Tatsachen vorliegen, welche di« Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden in Bezug auf diesen Gv- weroebetrieb dartun.

4. Eingänge

1. Dem Vernehmen nach sollen ht Zukunft am 1. April eines jeden Jahres in das hiesige Infanterie-RegimentKaiser Wilhelm" nur noch Studierende der Medizin und der Pharmazie eingisitellt werden. Die Handelskammer beschließt, da sie in dieser Maßnahme and) eine Schädigung des hiesigen Kaufmannstandes erblickt, beim Großh. Minsi'ttruim des Innern vorstellig zu werden.

2. Nach einer Mitteilung des Kaiser!. Gouvernements für Deutsch-Lstafrika, soll die Lieferung des Jahresbedarfes an Ge. rxiten und NMaterialien für das Rechnungsjahr 1909 im Wege der öffentlichen Ausbietung vergeben werden.

Die Bedarfsnadjweisungen sowie die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Bureau der Handelskammer zur Einsicht offen.

3. Von unterrichteter Seite liegen Mitteilungen vor über zweifelhafte Firmen im Auslande, ferner eines Hondelssachver- stündigen bei oem Kasierl. ^kvnsulat in Mexiko, Herstellung von Südweinen, von Tce, von Arrak und von Koprolith in den Er­zeugungsländern. Interessenten Eönncn hierüoer naßere Auskunft auf dem Bureau der Handelskammer erhalten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. Slooember 1908.

Vom Großherzoglichen Hose. Tie anläßlich deS BerkaufStages der Großherzogin im Neuen Palais zu Besuch weilenden Herrschaften reisten un Laufe deS 16. Sloo. nach Lich und Schloß Heiligenberg zurück. Der Groß­herzog begab sich, n. d. Darmsl. §tg.*, früh in Begleitung des Oberjägerineisters und deS Hofmarschalls im Auto nach Schloß PhitippSluhe zur Jagd bei Sr. K. H. dem Land­grafen Alexander Friedrich von Hessen. Die Rückkehr nach Taimstadt erfolgte am Abend. Tie Großherzoglichen Herr­schaften besuchten am Dienstag mittag das Mausoleum auf der Rosenhöhe.

* Festessen an Großherzogs Geburtstag. Zu unserer Slachncht vom Alontag über das Festessen an Groß- Herzogs Geburtstag teilen wir berichtigend mit, daß daS Essen nicht um 21/, Uhr, sondern um l1/, Uhr beginnt.

** Gießener freie Studentenschaft. Morgen abend 8y< Uhr findet im Saale des Cafe Metropol die Erofs- nungsversammlung der Gießener freien Studentenschaft statt. Als Siebncr ift der bekannte Vorkämpfer für freiftuden- tische Ideen, Privatdo^ent Dr. Ohr-9Nünchen, General­sekretär des Slationatvereins, gewonnen. Sein Thema lautet: Der deutsche Student uno das deutsche Volk. Eine sich anschließende freie Diskussion wird den Anwesenden Gelegenheit geben, sich über Freistudentenschaft und ihre Bestrebungen auszufprechen.