wünschen einsichtige Leute eine Besserung des Verhältnisses zwischen Frankreich und Deutschland, denn man weiß in Frankreich sehr wohl, daß die Freundschaft zu Rußland zu feuer ist und die Freundschaft zu England nicht besonders vor- teilhaft für Frankreich sein kann. Deutschland sollte daher ruhig den ersten Schritt unternehmen, um diese günstigen Strömungen in Frankreich zu unterstützen. In Frankreich kann diese deutschfreundliche Bewegung nichts unternehmen wegen der fortwährenden Plötzlichkeiten in der deutschen auswärtigen Politik. Es muß aller getan werden, um zu einem besseren Verhältnis zn Frankreich zu kommen.
Auf die Kaiserinterviews will ich hier nicht ausführlich eingehen. Ich möchte aber eins hervorhebcn: eS ist bekannt geworden, daß 200 000 Mk. dafür auSgegebcn werden mußten, um die Publikation des Artikels über das amerikanische Interview zu verhindern. Gegenüber dieser Nachricht hat sich der sonst so tätige Dementierapparat ausgeschwiegen. Es wäre interessant, wenn der Staatssekretär hierüber eine ausreichende Auskunft gäbe. Wegen der Intervention des Kaisers in Sachen des Durenkrieges habe ich schon im März auf Grund eines englischen Artikels, der hierüber Ausführliches berichtete, den Staatssekretär befragt. Der Staatssekretär sagte damals, es sei richtig, daß das Manuskript der deutschen Botschaft in London Vorgelegen habe, aber nicht dem Kaiser. Kurz darauf veröffentlichte aber das englische Blatt eine Danknotiz des Kaisers für die Publikation des Artikels. (Lebhaftes Hört, hört!) Sie können sich meine Verwunderung denken, als ich diese Publikation mit der Erklärung des Staatssekretärs zusammenbielt. (Lebh. Zustimmung.) Lch bitte hierüber um eine erschöpfende Auskunft. Wie kann es üoerhaupt Vorkommen, daß ein Staatssekretär bei einer so wichtigen Angelegenheit, wo man zum ersten Mal erfährt, daß der Kaiser im Burenkrieg interveniert hat, eine so unzutreffende Antwort geben konnte? (Sehr richtig! im Zentrum.) Das Auswärtige Amt muß sich der Pr-ffe gegenüber auf Informationen beschränken. Die bisherige Stimmungsmache muß aufhören, c5 darf nicht immer alles in rosa-rosa gemalt und vertuscht werden. Ein Engländer hat mir erklärt, es gäbe nur zwei unabhängige Mütter, den .Vorwärts^ und die „Kölnische Volkszeitung". (Große Heiterkeit.) Recht eigenartig ist das Verfahren, das dem Für st en Philipp Eulenburg gegenüber eingeschlagen wird. Wenn andere Leute krank sind, kamt gehen sie ins Krankenhaus; Fürst Eulenburg war aber so krank, daß er wieder aus dem Krankenhaus heraus mußte. Gegen H a r d e n ist man weniger sanft verfahren, den hat man sogar in seiner Villa im Grünewald aufgesucht. Bei solchen Vorkommnissen muß daß Wort von der Klassenjustiz immer neuen Boden finden. Zurückkommen muß ich noch auf einen hochpolitischen d r a- m a tischen Zwischenfall im Eulenburg - Prozeß. Fürst Eulenburg erklärte: »Ich hatte in München Preußen nicht nur politisch, sondern auch kirchlich zu vertreten. (Hört, hört! im Zentrum.) Mein Lebenlang bin ich ein Vertreter des Gedankens deS protestantischen Kaisertums gewesen. Tas hat mir im Süden viele Feinde gemacht. Ich habe wichtige Verhandlungen im Sinne des protestantischen Kaisertums geführt. Dadurch bin ich dem Klerikalismus und dem bayerischen Partikularismus verhaßt geworden. Vielleicht bin ich eins der Opfer der großen Kaiscr- idee. (Lachen im Zentrum.) Der Klerikaliönnts hat es mir nicht verziehen, daß ich ihn mit der ganzen Energie eines vrotestantischen Norddeutschen bekämpft habe, und aus diesem Milieu heraus mögen diese infamen Verdächtigungen gegen mich entstanden sein. — Ich gehe auf diese Redensarten nicht weiter ein, aber Fürst Eulenburg war auch Botschafter in Wien, wo die Los-von-Rom- Bewegung einsetzte. Ich frage nun den Staatssekretär: Hat tatsächlich ^ein Botschafter des Deutschen Reiches eine solche oder eine ähnliche Instruktion, wie sie Fürst Eulenburg für sich in Anspruch nahm? Der bayerische Ministerpräsident von Pode- wils hat bereits erklärt, daß gegen einen solchen Diplomaten das Disziplinarverfahren eingeleitet werden würde. Was gedenkt nun der Staatssekretär zu tun gegenüber der Art, wie Fürst Eulenburg sein Amt verwaltet hat? Wir wollen eine Antwort! (Beifall im Zentrum.)
Ich glaube nicht, daß der Reichskanzler meinte, daß wir, wenn wir in näherer Nachbarschaft zur Türkei leben würden, auch zvgegriffen hätten; aber der Satz kann Mißdeutungen hervor- rufen. Es handelte sich wohl um einen falschen Zungenschlag. Fürst Bülow hat überhaupt die Gewohnheit, mag noch so große Entrüstung herrschen, mag Germania weinen, zu lachen. (Sehr richtig! im Zentr.) Alle seine Reden sind immer, gestimmt auf den Ton: Freut euch des Lebens! (Große .Heiterkeit.) Fürst Bülow fand freundliche Worte über das japanisch-amerikanische Abkommen, Fürst Bülow fand freundliche Worte über das Marokkoabkommen, Fürst Bülow stellte es als nützlich und erwünscht hin, wenn Italien freundliche Beziehungen zu England unterhält. Das ist eine Blütenlese aus den Auslassungen des Reichskanzlers über die wichtigsten internationalen Abkommen im Laufe der letzten 4, 6 Jahre. Beim Herrn Reichskanzler finden wir immer Freude darüber. Er versteht es großartig, als poli- tischer Retouchierkünstler aufsutreten, der alle Unebenheiten aus dem internationalen Gemälde beseitigt und immer zum Ausdruck bringt: die Freude des Deutschen Reiches! (Lebhafte Zustimmung im Zentr.) Ich kann nur sagen, daß in weiten Kreisen des deutschen Volkes nicht dasjenige Vertrauen zu der Leitung unserer auswärtigen Politik vorhanden ist, das die Leiter derselben haben müssen. Wenn man jetzt von der Reorganisation des Auswärtigen Amtes spricht, so darf sich diese nicht darauf beschränken, daß in einem Nachtragsetat sechs oder sieben neue Legationsratsstellen gefordert werden.
Der Staatssekretär des Auswärtigen hat wiederholt von einer kaiserlichen Regierung gesprochen. Dieser Ausdruck ist nicht statthaft. (Zustimmung.) Eine kaiserliche Regierung haben wir nur in Elsaß-Lorhringen, nicht in Berlin, hier haben wir Bundesrat und verbündete Regierungen. Ich mache Herrn b. Schoen keinen Vorwurf, e5 ist das ein Sprachgebrauch aus seinem ausländischen Aufenthalt, aber im Interesse der Reichsverfassung haben wir dagegen zu protestieren, daß der Ausdruck wiederholt in diesem Hause gefallen ist, und ich wundere mich, daß nicht von feiten des Bundesrats dagegen Prorest erhoben ist. Herr b. Schoen möge den Rat des Prinzen Li-dwig von Bayern befolgen: Meine Herren, studieren Sie die Reichs Verfassung!
Graf Mielezynski hat vor zwei Jahren einmal bemerkt: Fürst Bülow habe es verstanden, auch aus den Mißerfolgen seines kaiserlichen Herrn noch einen Scheinerfolg herauszuholen. Hat er das auch am 10. und 11. November getan? Ein in politischen Kreisen sehr bekannter Mann hat die Aeußernng getan, daß noch über feinen Monarchen je in einem Parlament so geurteilt worden sei wie am 10. und 11. November. Von anderer Seite ist das Verhalten des Reichskanzlers in jenen Tagen mit den Worten des BlockdichterS beurteilt worden: Der Kn-cht hat erstochen den edlen Herrn, ein Herr wär' er selber geworden gern! Früher war das anders. Da hieß es: ,Der Kaiser hat als Soldat gesprochen und nicht als Diplomat; daß der Diplomat nicht zu kurz komme, dafür werde ich sorgen!" Darauf hat er den Schwarzen Adlerorden be. kommen. Es ist mir nicht bekannt geworden, ob er wegen seiner Rede vom 11 November «um Herzog von Klem-Flottbeck ernannt worden ist. Früher hieß es: ..Der Kaiser verträgt sehr gut Widerspruch an ihm ist nichts Kleinliches; was man ibm auch
bori erfen mag, ein Philister r st et n i d) LN Und al? der linwillc der Nationalliberalen 1906 sehr hoch ging, hat er er- klärt: .Das deutsche Volk will leinen Schattenkaiser, will einen Kaiser von Fleisch und Slut* Was ist denn die Wirkung all dieser Ableugnungen und Inschutznahmen? Doch nur die, daß der Kaiser zu der Ueberzeugung kommen mußte, alles was er tut, ist unanfechtbar, alles liegt im Interesse d-S deutschen Volkes, alle srine Handlungen haben die Zustimmung der Nchrbctt des Reichstages. (Sehr richtig!) Da durfte man . sich wahrhaftig nicht wundern, wenn das eingetreten ist, roa» jetzt in weiten Volkskreisen beklagt wird. Der Reichskanzler rrrt sich, wenn er glaubt, daß er die Sozialdemokratie bei der letzten Wahl so sehr unter, gekriegt habe. Cb die Folgen des 11" Noveml er nicht für di? Sozialdemokraten günstig sind, werden ja die nächsten Wahlen bekunden. Immerhin glaube ick, daß Ois Wohl be5 Reiches und des Volkes durch eine solche Politik und em solches Verbalten des verantwortlichen Leiters schweren, vielleicht unheilvollen Schaden erlitten hat.
Ganz kurz zum Kolonialetat. Ich nehme an, daß alles, was Herr Dernburg über die Diamanten gesagt hat, nach genauer Prüfung gesagt ist. Wir können uns nur freuen, wenn aus Südwestafrika wirtlich etwas herauszuholen ist. Aber dieser Streifen, in dem die Diamanten gefunden sind, ist durch die Tätigkeit von uns, dem Zentrum, an das Reich gekommen. (Große Heiterkeit) —, ich will damit nicht sagen, daß wir die Diamanten vorausgesehen haben. (Heiterkeit.) Unklar sind aber die berg- rechtlichen Verhältnisse gerade in dem Gebiet. Noch in den Weihnachtsferien sollte die Kommission zusammentreten, um die Vorteile für den FiskuS sicherzustellen, damit nicht eine privilegierte Landgesellschaft den ganzen Vorteil einsteckt.
Damit der Kriegsminister nicht glaubt, daß wir mit seiner Sparsamkeit schon völlig zufrieden sind, jetzt nur zwei Punkte: Zunächst die R a t i o n e n f r a ge. Ein kommandieren- der General mit Automobil braucht nicht acht Rationen. (Sehr richtig!) Keine Ration ohne entsprechende Pferde; dabei kann sehr viel gespart werden. Und dann bitte ich den Kriegsminister um eine genaue Spezifikation über den Festungsbaufonds. DaS ist ein ganz verdächtiger Sammelfonds — natürlich vollkommen in den gesetzlichen Schranken, aber ein Dispositiv, auf den alles mögliche gebracht werden kann. Vier Prozent — das wäre ein Million in einem Jahr, können doch unmöglich an Bureaugeldern ausgegeben sein. (Sehr richtig! rechts.) Aber vielleicht ergeben sich überreich ausgestattete Dienstwohnungen. Hoffentlich wird das .Haus die Budgetkommission nicht im Stich lassen. (Beifall im Zentrum.)
Staatssekretär v. Schoen:
Bei der vorgerückten Zeit möchte ich mich darauf BefcfjränTen, auf einige positive Fragen Auskunft zu erteilen. Der Abg. Erzberger hat es so dargestellt, als ob ich ihm früher eine Auskunft erteilt hätte, die sich als nicht zutreffend hcrausgestellt hatte. DaS Wesentliche in der L>ache ist, zu wissen, ob die Unterredung, weche das betreffende Blatt gebracht hat und welche mit S e. Majestät dem Kaiser stattgefunden haben soll, tatsächlich stattgefunden hat, wie daZ Blatt behauptet. Meine Auskunft, meiere dahin lautete, eine solche Unterteilung habe nicht st a 1t- ge fanden, basierte auf einer amtlichen Auskunft unseres Botschafters in London. Das betreffende Telegramm vom 4. Dezember lautete: „Vor etwa 14 Tagen schickte mir der Herausgeber des „Daily Dispeatch in Manchester" den Wortlaut eines angeblichen Gesprächs zwischen Se. Majestät dem Kaiser und einem hochgestellten Diplomaten. Der Herausgeber drückte die Absicht aus, das Gespräch zu veröffentlichen. Ich zeigte Se. Majestät dem Kaiser das Schriftstück an. Mir wurde bestimmt erklärt daraufhin, eine solche oder ähnliche Unterredung habe nie stattgefunden. (Hört I hört!) Sie werden anerkennen, daß ich nach Inhalt dieses Telegramms keine andere Auskunft geben konnte als diejenige, die idi gegeben habe. Es ist richtig, so viel ich mich entsinne — ich kann im Augenblick das nicht genau feststellen —, daß daL Blatt wiederholt darauf zurückgekommen ist mit der Behauptung, es müsse irgend ein Mißverständnis vorliegen, das Blatt habe das Manuskript der Botschaft vorgelegt, die Botschaft habe Korrekturen darin vorgenommen. Soviel ich mich erinnere, ist das letztere alles richtig. Von der Botschaft ist aber immer wieder der Standpunkt betont worden: der Inhalt ist insofern unridjtig, als eine U n - terhaltung mit S r. Majestät nie stattgefunden hat. Tas ist das wesentliche in dieser Angelegenheit. Damit ist sie, glaube ich, für heute erledigt. Ich will sie noch weiter nachprüfen, und wenn sich Momente finden sollt ’n, die einen Anhalt für die Auffassung des Abg. Erzberger geben, so werde ich darauf zurückkommen. Ferner hat der Abg. Erzberger die bestimmte Frage gestellt, ob dem Fürsten Eulenburg in der Zeit, wo ihm diplomatische Vertretungen in München und Wien übertragen worden waren, Instruktionen in dem Sinne geworden wären, daß er konfessionelle Interessen zu vertreten habe. Diese Annahme kann nicht richtig sein, denn derartige Instruktionen bekommen unsere Vertreter i in Auslande niemals. Sie haben nicht konfessionelle Interessen zu vertreten, sondern politische. (Sehr richtig!» Ich kann natürlich alle Akten nicht im Kopf haben. Aber eS ist ganz unmöglich, daß die Cache sich so verhält, wie der Abg. Erzoerger annimmt. Der Abg. Erzberger hat weiter die bestimmte Frage gestellt, ob mir ein Artikel aus der Feder eines amerikanischen Schriftstellers Hale bekannt geworden sei, und ob aus Reichsmitteln Gelder zur Verfügung gestellt worden wären zur Unterdrückung oder Zurückziehung dieses Artikels. Ich kann auf das Best immte st ever sichern, daß kein Groschen, keine Mark, nichts aus Reichsmitteln zu diesem Zweck e zur Verfügung gestellt worden ist! (Hört! bort und Beifall.) Ich füge noch hinzu, daß nach meiner Kenntnis der Dinge dieser amerikanische Schriftsteller Hale ein früherer Geistlicher, ein naher Freund des Präsidenten Roosevelt, aus eigenem Antriebe, soviel mir bekannt ist, den von ihm geschriebenen Artikel zurückgezogen hat in der Ueberzeugung, daß die Veröffentlichung, die übrigens gänzlich unbedenk- lich gewesen sein soll, in dem Augenblick, wo sie erscheinen sollte, nicht opportun gewesen wäre. Das ist alles, was mir über die Sache bekannt ist.
Ich glaube, daß es Ihnen erwünscht sein wird, über M a ■ rokkoangelegcnheiten erst wieder zu sprechen, wenn doS Weißbuch vorliegt. (Lebhafte Zustimmung.) Ebenso sollen wir unS enthalten, noch eingehend über Casablanca zu sprechen, die Sache kommt nächstens vor das Schiedsgericht. Widersprüche bezüglich des Schiedsgerichts zwischen mir und dem französischen Botschafter bestanden nicht. Ich sprach zuerst in einer nichtamtlichen Unterredung mit dem französischen Botschafter und berührte den Gedanken eines Schiedsgerichts, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Erst in späteren amtlichen Unterredungen wurde weiter darüber beraten. Die Verhandlungen zogen sich ziemlich lange hin, weil die Informationen noch unvollständig waren. Als wir informiert waren, kamen wir bald zu einer Verständigung. Nun ist dem Auswärtigen Amt der Vorwurf gemacht worden, daß es in einem bestimmten Moment den Aufenthaltsort des Kaisers nicht gewußt habe. Die Sache verhält sich ganz einfach. Der österreichische Botschafter fragte an, wo et dem Kaiser einen Brief seines Monarchen überreichen könnte. Tatsächlich wußten |
wir nun ht dieser Stunde nicht, ob der Kaiser noch in Rorntttterü war, oder ob er schon nach Königsberg abgereist war. Eine Anfrage informierte uns, und der Brief gelangte noch rechtzeitig an seinen Bestimmungsort. Herr Erzberger hob den offiziösen Charakter der „Frankfurter Zeitung" hcvor. Das Wort „offiziös" ist dehnbar. Wenn Herr Erzbergcr das ' 3ort in dem Sinne meint, daß die .Frankfurter Zeitung" von bcr Auswärtigen mt in irgend einer Weise abhängig sei, so ?anr »ch nur sagen, daß daß nicht der Fall ist. Wenn sie hier und do'.t einmal einen Artikel bringt, der unseren Anschauungen entspricht, so können wir dafür nur dankbar sein. (Heiterkeit.) Es geschieht auch nicht häufig. Die „Frankfurter Zeitung" würde die erste sein, die dagegen protestieren würde, wenn wir ihr unsere Anschauungen aufdrängen wollten.
Uebcr das Weißbuch will ick mir kurz sagen, daß wir uns alle Mühe geben, eL so rasch wie möglich fertigzustellen. ES liegt das aber nicht ganz in unserer Hand, wir brauchen für die Veröffentlichung mancher Schriftstücke auch die Genehmigung, und darüber vergeht einige Zeit, namentlich, wenn Weihnachten heran» kommt. Wir haben jedenfalls den besten Willen, die Dokumente so ralch wie möglich vorzulegen.
Ich will dann noch eine Frage beantworten, weil sie bereits wiederholt von zwei sozialdemokratischen Rednern gestellt worden ist. Die Frage, ob in Wien zu kriegerischen oder anderen Zwecken deutsche Soldaten, deutsche Regimenter angeboten worden seien. Diese doppelte Frage kann ich mit einem doppelt unterstrichenen Nein beantworten. (Lebhafter Beifall.) Der Abg. Erzberger hat es auffällig gefunden, daß vom Auswärtigen Amt so oft das Dort „ka iserliche Regierung" gebraucht wird. Nach Art. 11 her Reichsverfassung hat der Kaiser die Pflicht, das Reich völkerrechtlich zu vertreten, und im Namen des Reichs Verträge mit anderen Völkern zu schließen. Durch diese Verfassurrnsbestimmung wird gewährleistet, daß daL Reich in allen äußeren Beziehungen als staatsrechtliche Einheit erscheint. Wir handeln verfassungsmäßig nur korrekt, wenn wir die Befugnis des Kaiser?, das Reich auch nach außen hin völkerrechtlich zu vertreten, auch nach außen hin zur Geltung bringen, indem wir das Wort „kaiserliche Regierung" anwenden. Der Ausdruck ist der gegebene, um den Verkehr mit den anderen Staaten zu regeln. Durchschlagend aber ist, daß dieser Ausdruck sich bereits in dem Frankfurts FriedenLwertrag von 1671 findet. Wenn der Abg. Erzberger sich die Mübe geben wollte, das Reichsgesetzblatt nachzusehen, würde er darin zahl- reiche auch vom Reichstag genehmigte Gesetze finden, in denen der gleiche oder ein gleichbedeutender Ausdruck gebraucht wird, ohne daß jemals der Reichstag daran Anstoß genommen hat. (Lebhafter Beifall rechts und bei den Natl.)
Dbg. Ledebour (Soz.)k
Herr v. Bethmann-Hollwcg fiat erkört, daß keine der Parteien getäuscht worden fei, die das Gesetz angenommen hätten. In Wahrheit aber sind nach der Erklärung des Abg. Gothein zahl- reiche Mitglieder der freisinnigen Parteien getäuscht worden. (Lachen.) Wenn Sie glauben, durch Ihr Lochen die Blamage der Negierung zu verdecken, so irren S'e sich. (Abg. v. Cerfeen ruft: Wir lachen ja über Sie!) Wenn Sie lachen, daß man sich über solche Praktiken der Negierung erregt, sind Sie nicht mehr wert wie die Regierung selbst. (Abg. v. Cer feen: Das ist sehr schm>-'chelhaftl Heiterkeit.) Es handelt sich um eine gewollte Doppeldeutigkeit des Staatssekretärs. (Unruhe.)
Präsident Graf Stolberg:
Sie dürfen dem Staatssekretär feine gewollte Doppeldeutigkeit vorwerfen.
Dbg. Lebebour (Soz.):
Herr v. Bethmann-Hollweg hat sich als Diplomat gezeigt. Er hat skandalöse Dinge getrieben.
Präsident Graf Stolberg ruft den Redner zur Ordnung.
Abg. Ledebour (Soz.):
Aus allen diesen Vorkommnissen ziehen wir den Schluß, daß wir mit aller Kraft danach streben müssen, das jetzige bureaukrctti- sche Regierungssystem zu beseitigen. (Beifall der Soz.),
Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg:
Auf die persönlichen Angriffe deS Abg. Ledebour lege ich keinen Wert. (Beifall.) Im übrigen hoffe ich, daß das HauS aus meinen vorgestrigen Ausführungen einen anderen Eindruck von den Ab- sichten der Regierung bei der Ausführung des VereinSgesefees be« kommen hat, als der Abg. Ledebour dargelegt hat. (Zustimmung.) Wir sind entschlossen, das Vereinsgesefe mit der vollsten Loyalität auszuführen, alle Versprechungen zu halten, die wir erteilt haben und nachträglich keinerlei Beschränkungen hineinzulegen. Der Dbg. Ledebour hat mir zum Vorwurf gemacht) daß ich vorgestern die Behauptung aufgestellt habe, keine der Parteien, die für das Gesetz gestimmt hätten, sei sich über die Tragweite ihrer Entschließungen' im Unklaren gewesen. Ich habe diese Behauptung aufgestellt auf Grund der Erklärung deS Abg. Wiemer und auf Grund von Erklärungen von feiten der Notionolliberalen. Ob ich berechtigt war, an diese Erklärungen meine Folgerungen zu knüpfen, darüber ist nicht der Abg. Ledebour Richter, sondern es sind diejenigen Parteien darüber Richter, die diese Erklärungen abgegeben haben. Meinen Standvunkt zu der Frage der Gewerkschaften und der polnischen Gewerkschaften habe ich schon früher wiederholt dargelegt. Er geht heute wie damals dahin: es soll allen Gewerkschaften ohne Unterschied freier Spielraum in der Geltendmachung ihrer wirtschaftlichen Interessen gewährleistet werden, und wenn die sogenannten polnischen Gewerkschaften davon ausgeschlossen geblieben sind, so ist dies nur geschehen, weil und soweit sie zur Grundlage ihrer wirtschaftlichen Bestrebungen die Verfolgung national polnischer Zwecke machen. (Zustimmung.) DaS ist mein Standpunkt früher gewesen, das ist mein Standpunkt fieute, und solange diese VorauSsefeimgen zutreffen ivcrden, kann tefi von den Erklärungen, die ich bei der ersien und zweiten Lesung des Vereinsgesetzes abgegeben habe und die ich hiermit wiederholt habe, nicht abgehen. (Beifall.)
Abg. Ahlhorn (Fr. Vp.):
Ganze Wagenladung en von Lügen sind in der französischen Presse über unser Verhalten in Marokko verbreitet. Das Benehmen der Franzosen war so, als wären sie schon Herren in Marokko. Deutsche Schutzbefohlene wurden ihres Besitzes beraubt und ins Gefängnis geworfen. Französische Soldaten sind in deutsche Häuser eingedrungen, haben unter Hausfriedensbruch Haussuchung gehalten, deutsche Reichsangefiörigc auf der Reise angehalten und mit Revolvern bedroht, d i e deutsche Flagge bespuckt. Wenn die deutsche Reichsregierung sich der deutschen Interessen in Marokko nicht besser annimmt, so muß der deutsche Kaufmann sein Bündel schnüren und dieses zukunftsreiche Land verlieren. Solange noch ein französischer Soldat dort ist, wird Ruhe nicht eintreten. Wir dürfen uns nicht dort herauSekeln lassen; die deutsche Regierung ist nicht entschieden genug.
Abg. Dr. Heckschcr (Fr. Vg.) erklärt, daß Ahlhorn unpersönlich gesprochen hat, die Freisinnigen sind mit. bet jetzigen Marottopolitik im ganzen einverstanden und wollen die schwebenden Verhandlungen nicht stören.
DaS HauS vertagt sich um 71'. Uhr bis nach Neujahr.
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11 Feinheit des damit erzielten Wohlgeschmacks,
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J" $iüißfeit In Originalstaschen von 10 Pfg. an.
4- Unbegrenzte Haltbarkeit, UK wenn die
D’SF Mau lasse Würze nne in HIRSCH* Qriqinalfläichchen nacl,füllen.


