Ausgabe 
20.8.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 195 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 20. August 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger* vierinal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für Öen Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. DieLanÖwirtschastlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UnioersitälS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: edgo 5L Reüaktion:L^H2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

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55. Deutscher Katholikentag.

S- u. H. Düsseldorf, 18. Aug.

Der heutige dritte Haupltag der s-^neralveriammlung der Katholiken Deutschlands brachte zunächst die Generalver­sammlung des Volksverein für das laiholische Deutschland, der großarligen Arbeits-Organisation des Zen- irums, der bei den Wahlsch.achlen stets eine ausschlaggebende Nolle zufallt- In dieser Organisation smd sowohl du christlichen Gewerkschaften als auch die kaiholischen Kaufleute, Handwerker und Meingewerbetreibrnoen vereinigt. Fabricvcftver Brandl eröffnete die Berl)andlungen mir dem Hinweis auf die Pflicht aller Katholiken, an den großen Aufgaben des Bolksoereins mu- zuwirkcn- Der Verein »volle unter Wahrung der Rechte aller Klassen die breiten Massen aus wirtschnttick-em Gebiete vorwärts

- aui Klassen sei es, daran mft-uwirken. Der Widerflano der höheren Klaffen gegen das Aufwärtsstoebcn der breiten 'Jiafje trete, wenn auch häufig nur unbewußt, doch in die Lrscheitmng. 7yüc alle dec Bevölkerung werde

schließlich der Glaube das einzige Bindemittel sein- Der Bolksverein wolle Besitzende und Nick-tbefitzenoe einander mihcr bringen- (Lebh. Beifall.- Gr rufe alle Katholiken zur Mitarbeit an den Ausgaben oeö Bolksvereins aus- Den höheren Ständen ruse er ju: Erfüllt Euch nicht nur mit sozialer Gesinnung, sondern schreitet auch zur sozialen Tat- (Lebh. Zu- stinmiung-- Der ^eilige Barer nehme besonders großen Anteil an dem Gedeihen des Boltsoerems- Gr unterstütze auch besonders die Bestrebungen des Vereins aus Besserung der sozialen Lage der Arbefter-

Als erster Redner sprach dann Direktor Dr. Braun (M.- Gladback» über die Z i c l e u n o G r s o l g e d c S V o l l s v e r e i n s im letzten Jahre- Der Bolksoerein für das katl-olisck-e Deutsch­land fei dec große soziale VoltSerzieher, der die Aufgabe habe, das soziale Denken ftduoig zu erneuern und zu befruchten mit den Problemen der Gegenwart- Ter Voltsverein wolle die Katho- lilen zur Ebenbürtig teil der Leistungen in wirtschaftlichen, poli­tischen und sozialen, überhaupt im öffentlichen Leven erziehen- Gr diene den höchsten und größten Idealen unseres Vaterlandes und unseres Glaubens. (Levh. Beifall.) Der Bolksverein wolle nicht bloß durch Reden zur Förderung des Wohls der breiten Massen beitragen, sondern durch Taten getreu seiner Parole: Wir sind auf der Welt, nicht bloß, um die Dinge zu ertragen, andern um |ic zu gestalten- (Langanyaltender lebhafter Beifall.)

Kommerzienral Müller-Hohberg (M--Gladbach), der -welle Vizepräfident des Katholikentachs führte aus: Eine große Aufgabe der Kaiholiken unserer Tage i)t cs, im polnischen Leben rüstig voranzuschreiten, überall tcttuijlig mitzuwirken und in ge- iröneter Weife sich, auch die Güter dieser Welt untertan zu machen-

Kardinal - Erzbisck- of von Köln Dr- Fischer dankte für die Einladung zur heutigen Generalversammlung des Volls- vereins für das latholische Deutfchland, tvcil er wisse, welche große Bedeutung der Volksverein habe, und weil er mit Dank konsta­tieren möchte, wie Vieles der Verein bisher sckfon geleistet habe- Der Voltsverein sei das kostbare Erde des großen seeligen Windt- horst- sStürin. Beifall.) Der Voltsverein ljabe sich freiwillig ui den Dienst der Kirche gestjellt- Gr ivollc von seiner Stelle aus auch an dem großen Werte mitmirfen, dem die amtlichen Ver­treter der Kirche, die Bischöse und Priester obliegen- Gr wolle Mitwirken, bem latl-olischen Volle in den Gefahren der Jetztzeit den Glauben zu erhalten und die katholischen Grundsätze hinein­zutragen in das öffentliche Leben, namentlich in das soziale Leben- Das schließe freilich nicht aus, daß in gewissen Trugen, ttw es notwendig und nützlich erscheine, man auf dem politischen und Ivzialen Gebiete Hand in Hand mit Andersdenkenden gehe, i>ie gegen die Grundsätze und Bestrebungen des Umsturzes aufzutretcn oiiLillt seien- Ter Karoinal schloß mit dem Wunsche, daß der Boilsoerein, der jid) bisher ,v großartig cntiuid'clt habe, auch ferner vorwärts kommen möge- Er danke allen, die sich be- mühlen, namentlich den vielen Priesterii, die sich in den Dienst cws Volksvereins gestellt hatten uno vor allem dem Vorstände des Vereins, dem das Wohl des Volles, besonders des arbeitenden 'Voltes so sehr am Herzen liege- (Stürm. Beifall.) Hierauf er-- ,eilte Kardinal Dr- Fifcher der Versammlutig, die niedergekniet war, den erzbischöflichen Segen-

Es folgte dann eine längere Ansprache von Prof- Dr. Maus- bad) Cliüuller), der sich in der gestrigen öfselttlick-en Versammlung über bell Modernismus verbreitet tjattc- Gr nahm auch heute auf feine gestrigen Ausführungen Bezug und gab in großen Zügen iui Bild der Stellung der tat ho tischen Kirche gegen- uber der modernen Kulturbewegung.

Reid stagsabg- G r o e b e r (ycilbroint) führte m Längerer Rede folgendes aus: Wir leben in einer Zeit des ernsten Kampfes, uno da gibt es viele Männer und Frauen, welche die Hände über dem Kvpf zusamrnenschtagen über die fortgesetzten Angriffe gegen Religion, Sittlichreit und Wirtsd-aftsordnung. Aber sie mn nicht dagegen. Wir hallen oiefen Kampf für eine große Aus­gabe, die uns der Herrgott gestellt hat- Wir klagen also nidji, londern wir sind alle bereit, die uns gestellte Aufgabe nad) besten Kräften zu erfüllen Dazu ist der Volksverein für das latholische Deutschland in erster Linie berufen- Die Organisation ist bao Schlagivort der modernen Zeil- Tas haben wir deutschen söatholiken langst erkannt- Deshalb scha,ilen wir uns sclwn vor 10 Jahren die Generalversammlung oer Katl-oliken Teuischtanös unD den Volksverein- Der wirtschaftliche Liberalis­mus ist, Gott fei Dank, im Prinzip überwunden- sLebh- Beifall.- In erster Linie ist das gesck-ehen durch die ständige, geschlossene, zielbewußte Arbeit der deutid-en Katholiten und des Volksvereins. (Lebh. Beifall.) Ter wirtschaftliche Liberalismus hakte als oberstes Gesetz die wirtschaftlickfe Freiheit nach jeder Richtung hin, selbst bis zur Wucherfreihcit proklamiere, (Pfui-Rufc.- Dieses oberste Prinzip des Liberalismus ist, Gott sei Tank, längst überwunden. Was die liberalen Theoretiker und Praktiker gepredigt haben, ist längst als eitel Wind erkannt nwrden, und der Arbeit des großen Sohnes Der -stabt Düsseldorf, August Reichenspergers, ist es in erster Linie zu danken, datz wir ein Gesetz gegen den Wucher erhielten. Der Liberalismus hatte ferner die alten Zünfte mit stumpf und Stiel ausgervttet- Wir dagegen haben uns Iwmüht, die Innungen zu schaffen und haben auch den kleinen Befähigungsnachweis herbcigesnhrt Damals ries ein liberaler Abgeordneter im Reickfstagc aus; Bis hierher und nicht ivcitcr! Das deutsche Volk habe aber damals in Bezug aui den Liberalismus gejagt: Bis hierher und nicht weiter! (Heiterkeit und Beifall.- Und den liberalen Professoren, welche Bücher über das Wirtschaftsleben-reiben wollten, habe das deutsche Volk gesagt: Erst wollen wir leben, und dann tonnt Ihr ichreibcn- (Heiterkeit und Beifall.) Die Organisation muß aber noch weiter ausgebaut werden- Erfreulich sei cs, so führte der Redner roeiter aus, daß auch die Industrie neuerdings dem Ge­danken der Organisation näher getreten sei- Die Kartelle feien allerdings unter Umständen als bedenklich zu bezeichnen- Auf der andern oeite könnten sie aoer doch zur Löfung grober Pähler Schwierigkeiten beitragen. Deshalb stelle sich das latholische Volt nicht gegen sie- . -

Reichstags- und Landtagsaogcordneker r i m b o r n Kvin. hielt die Schlußrede. Tas Wichtigste in der Arbeit des Zso.is sereins sei nicht die Arbeit als Agitation und gegen Die Sozial­demokratie oder als Scyntzirupp.' ,sur die heutige Geseilichaitsoro- aunL: wichtiger fei es, das Ghristentum und das Vaterland zu chützen- Die Leistungsjähigkeit des Voltsvereins für das tatho-

lische Deutschland auf allen ösfenilichen Gebieten müsse erstrebt werden- Das sei namentlich wichttg zu einer Zett, wo das Ghristen- tum ausgeschaltet werden solle aus Staat, Schule und Volk-Uns treibt," so sckstoß der Redner,die vaterländische Gesinnung zur Arbeit- Wir sind die treuesten Patrioten, die es gibt, und wir bestreuen allen anderen das Rvcht, uns diese patriotische Eigenschaft abzustreiten."

Der vom Generalsekretär des Volksvereins, Dr- Pieper, vorgelegte Geschäftsbericht legt Dar, daß der Volksverein 61080U Mitglieder zählt- Ter Zuwachs im Icßten Jahre betrug 45 000- In den verschiedenen Städten Deutschlaiids füiD 20 OOu Vertrauensmänner für den Volksvereui tätig- Damit wurde die Generalversammlung des Volksvereins geschlossen-

Im Anschluß an die Generalversammlung ix? Volksoereins ür das katholische Deutschland tagte im Kaiserfaal der städtischen Tonhalle die zweite geschlossene Versammlung des Katholikentages, die sich mit der Durchberatung der Anträge für den Katheüiteniag beschäftigte- Dom Grasen Stolberg lag ein Antrag in Sachen des Bonifa! i ws-Ver ei ns vor, ivclchec der Ge­neralversammlung auf das dringendste die Unterstützung des Vereins empfichli- Der Antrag des Grafen Stolberg wurde angenommen, ebenso einige andere Anträge, welche Die Fürsorge für Die schulentlassene Jugend, Die Unterstützung des Albertus Magnus-Vereins, der katholischen Görres-Gesellschaft und an­deres mehr betrafen. $n dem Anträge betreffend die Für­sorge für die schulentlassene Jugend wird es als Pflicht aller Katholiken bezeichnet, darüber zu wachen, daß diese Jugend in christlichem Sinne erzogen wird- Tie Katholikenver­sammlung begrüßt es mit Freuden, daß in einer Reihe von Bundes­staaten durch die Gesetzgebung neuerdings der konfessionelle Gharakter der Volksschule festgelegt sei- Sie erkennt aber anderseits an, daß in erster Lime die Persönlichkeit des Lehrers von ausschlaggebender Bedeutung sur die Grzicyung der Jugend in katholijchvgläub'igem Geiste sei- Gleichzeilig spricht Die Katholikenversammlung Dem Katholischen Lehrerverband und dem Verein Katholischer Deutscher Lehrerinnen für ihr treues Festhalten an den Grundfätzen der katholifchen Kirche und ihr entschiedenes Eintteten für sie Dank und Anerkennung aus- Tie Katholikcn- versarnmlung crlennt die Bestrebungen der Lehrer uno Lehrerinnen zur Hebung ihres Standes in Stellung und Einkommen als durchaus berechtigt an- Dieser Antrag wurde einstimmig aiigenom- men- Der Antrag bctrejfend die Fürsorge für die schulentlassene Jugend betont von neuem Die Dringende Notwendigkeit, die schul- enliasfene Jugend in Stadt und Land in religiös sittlickier Be­ziehung sonzubilden. Er wünsckst zu Diesem Zwecke Die allgemeine Einführung des Fortbildungsfchuluntcrrichts mit Einführung des obligatorischen hieligionSunterrichts ut Der Fortbildungsschule.

Weiterhin wurde em Antrag angenommen, den Studienverefti katholischer Frauen zu unterstützen- Gin anderer Antrag betraf die Förderung Der christlichen Kunst, insbesondere des Albrecht-Türer- Bcreins- Zum Schlüsse der Sitzung wurde Dann noch ein Antrag angenommen, in welchem Die Aufmerksamkeit der Katholiken auf die neuerdings mit großem Eifer geförderten Bestrebungen, die Parameniil m einer Den Forderungen Der Kunst entspred-enDen Weise wieder zu beleben uno weiter zu entwickeln. Zu Diesem Anträge nahm zum ersten Male auf einer deutschen Katho- likenversammlung eine Frau das Won- Ter Voriitzende, Graf Prafchma, hob dies als ein besonderes Ereignis in einer längeren Ansprache hervor, in der er die Rednerin, Frau Helene Stummel aus kevelaar, begrüßte- Die Dame ist eine Künst­lerin auf dem Gebiete der Paramentik und wurde von der Ver- fammuing als Sachverständige zu diesem Thema gehört- Sie polemisierte vor allem gegen Die Naivität gewisser tatholisckfcr kreise, die kirchliche Kunst ftiefnuitterlid) zu behandeln und da­für nich<s ausgeben zu wollen- Wer ivayre Kunst ivolle, müsse auch Geld dasür bezahlen-

Darauf wurde uie zweite geschlossene Versammlung des Katho­likentages geschlossen-

Tie zrveite öffentliche Versammlung des Deutschen Katholiken­tages, die heute nachniittag ö Uhr in ocr Festhalle ihren Anfang nahm, brachte den üblichen Masfenbesuch- Als erster Redner sprach Fabrikbesitzer Riatthias Wiese (Verden a- d. Ruhr) über Augu st Relchensperger-

Hieraus sprach der Tirertor des Voilsvereins für das katholische Deutschland, Dr- Braun, (M--Aladbach), über die Selbst­hilfe der Katholiken im wirtschaftlicheii und so­zialen Leben- Tirektor Braun schloß seine Ausführungen: Wir stehen vor erfreulichen Resultaten- Ein großer Teil der Ar­beit, ivelche die vergangenen Katholikentage inauguriert haben, liegt inzwischen vollendet vor uns- Biele möchten einen Augen­blick ausruhen in sozialen Arveften uno fich des erzielten Erfolges freuen- Diese Stimmung ist begreiflich uno berechtigt. Aber eins muß doch Hat sein: Dauernde Ruhe gibt es aus diesem Gebiete nicht und kann es lischt geben- Die Pflicht der K-nlttirarbeit an der Menschheit schwindet nicht- Darum tann Die Ruhe, die wir wünschen, nur eine Sabbairuhe sein. Die bestimmt ist, neue Kraft zu sammeln für die folgenden Arbeitstage- (Lebh. Beifall.)

Zum Schluß Der heutigen Versammlung sprach Pwfessor Dr- Meyers (Luxemburg- üoer die Stellung Der Katholiken zur modernen Kunst und Literatur- Der christttck-e Gedanke mit feinen verborgenen Gotteskräften, mit seinem alle Talente zur Mitarbeiterschaft aufforDcrnOen Programm müsse nochein- mal Der Träger einer großen Kunstepoche iverDen können- So habe Der Katholizismus Den festen Glauben an Die Zukunft einer großen Kunst und Literatur der neuen Zech Not­wendig fei im Lande des Fortschritts f-Ibitoerflänblid) Die weise Anpassung an die neue Zeit Denn eine große Strömung in der Jetztzeit verweise ausschließlich auf Die materiellen Interessen des Lebens- Dem Volke der Denker und Dichter drohe Gefahr in der Aera der Technik und Naiurwissenscha>ten. Professor Meyers erörterte bann die Geschichte Der modernen Kunstbewegung, Die vielfach den Glauben an Gott verloren habe und deshalb nicht mehr führend sein könne-Nickst Schönheit, sondern Wahr­heit lautet die Parole," welche die jüngue Generation ausgegeben habe- Das sei ein salscher Grundsatz. Denn Wahrheit und Schön­heit lasse sich vereinen- Zum Schluß nxxnbtc sich Der Redner einer BetrackMng Der modernen Literatur zu, urtD richtete dabei einen Gruß und Dank aus au den bewährten Führer Rör en, den Arminius im Kampfe gegen o ie Un­sittlichkeit, der den Schild halte über deutschen Hauses Ehre und bcuiidxn Hauses moralische Größe- (Lebh. anhaltender Bei­fall.) Ter Redner schließt seine Ausführungen mit einer Hul­digung für Diom und den Papst- (Lebh. Beifall.)

Damit schloß die heutige zweite öffentliche Versammlung des Deutschen Katholikentages-

Aus Staöt uiiO Land.

Gießen, 20. August 1908.

Das gewerbliche Uuterrichtsweseu

im Großherzogtum Hessen soll durch einen zur Haupt­versammlung des Landesgewerbeoereins am 20. September ui Darmstadt cingebrachten Antrag m Zukunft mit Staats­mitteln kräftiger unterstützt werden. Einem Sonderabdruck der »Zeitschrift für gemirblichcn Unterricht^ entnehmen mir darüber: Vor 10 Jahren stand Hessen in Bezug auf gewerb­

lichen Unterricht an der Spitze der Bundesnaaten. Seit der Organisation des Handwerks im Jahr 1901, mit Einführung der Gesellen- und Klleisterprüsung, sind in anderen Staaten bedeutende Fortschritte zu bemerken in Hessen aber leider Stillstand. Die schlimme Lage Der Finanzen ist ja nicht zu verkennen. Es darf aber doch nicht versucht werben zu sparen durch Verküinmertmg des Unterrichts, der unbedingt nötig ist zur Vorbereitung für die den Handwerkern auf- erlegten Prüfiuigen. TaS Großh. Ministerium des Innert hat aber in diesem Sommer ernstlich vorgeschlagen, Drei Gewerbeschulen aufzuheben, um Die Kosten zu ersparen. Die Ausgaben Der Staaten zur Förderung Der Gewerbe sind, auf Den Kopf Der Bevölkerung berechnet, von 1902 bis 19U8 gestiegen: in Hessen um 1,7 Proz., in Baden um 22 Proz., in Preußen um Proz. Jetzt wendet Preußen, auf den Kopf der Bevölkerung, gerade so viel auf wie Hessen, Baden schon Proz. mehr. Beharrt Hessen auf Dein Stillstand, dann ist mit Sicherheit zu erwarten, daß Der Handwerker­stand von dem m Den Nachbarstaaten balD überflügelt wird.

** Hofrat Rothschild, der seit dem 11. Juli in der Landesirrenanstalt zu Heppenheim auf seinen Geistes­zustand untersucht wurde, i|l gestern nachmittag von zwei Beamten wieder in das hiesige ilntcrfuchungSgesangnis ver­bracht worden. Danach scheint man nicht anormales an seinem geistigen Zustand gefunden zu haben und es ist zu erwarten, datz er in der nächsten Sa)wurgerichtsperiodc, die am 28. September beginnt, zur Aburteilung kommt. Gleich­zeitig mit ihm wird wahrscheinlich sein Prokurist Acker auf der Anklagebank erscheinen, der an Rothschilds Straf­taten mitbeteiligt ist und gegen den anfänglich besonders vor der Strafkammer verhandelt werden sollte.

x Ober-Ohmen, 18- Aug. Bei einem gestrigen Ge­witter fuhr ein Blitzstrahl in einen Zwetsä-rubauni, Der am Wege nad; Ermenrod zu steht- Dieser Blitzschlag ist ein Beispiel davon, daß Der Blitz keinesfalls immer ui die höchsten Gegen­stände fährt- Ganz m Der Nütze d<S getroffenen Baumes standen yöhere Baume, die Der Strahl verjchvnte. Solcheregelwidrige" Blitzschläge kommen öfters vor-

-g- Garben he im, 18. Aug. Innerhalb weniger Jahre hat unsere Gemeinde auf landwirtschaftlictzem Gebiete einen großen Umschwung genommen. Sic hat mit gutem Erfolg eine Jung- Viehweide angelegt. Tie ehemais loenig ergiebigenPferdegras- wiesen" an Der Lahn Dienen jetzt in ihren drei Abteilungen als Weide- und Tummelplatz Der Rinder. Auch ist Die Zusammen­legung Der Ländereien bereits durchsesühtt- Keiner möchte je wieder die alten Verhältnisse zurückwunschcn, beim ein jeder kann jetzt bequem und ungehindert zu seinen Grundstücken gelangen. Als weitere Neuerung ist die Quellivasferversor-gung zu erwähnen, die in der Quellsassung bereits beendet ist. Dazu hat uns die unmittelbare Nahe oer Stadt Wetzlar noch manchen Vorteil gc-> brochi- Wir haben fetzt eine angemessene Straßenbeleuchtung und durci) Den Äusvau ves Bahnhofes Wetzlar wird eine Haltestelle geschaffen.

kg- Kirchhain, 18. Aug. In diesem Herbst finden hiew zwei Au s ft e 11 u n g e n statt, die weit über den Kreis Kirchhain hinaus Interesse beanspruchen. Ende September ist die Obst- Ausstellung für den tz'i e g i e r u n g s b e z i r l Kassel; sie wird. Da Der Obstzucht von Jahr zu Jahr mehr Interesse zugcwendet wird, wohl eine größere Anzahl Aussteller uno noch mehr Be­sucher nach hier ziehen- Vom 7.9. 'Jloocmber veranstaltet der hiesige Geflügelzuchiverein eine allgemeine Geflügel­ausstellung, verbunden mit Prämiierung- Bereits sind von Korporationen und Privaten eine Anzahl von Ehrenpreisen ge­stiftet und es ist zu erwarten, daß die Beteiligung an der Aus­stellung sehr rege werden wird-

Höchste Temperatur

Niedrigste ,

bis 19. August 20,8 0 C.

= 4- 7,8 u U.

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Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

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Sonnenschein

T elefoniscbe des Giessener Anzeigers, mitg< und Jndust; Frankfurter Hör*

3>je/0 Beichsanleihe . . 01.90 3% do. . . 83.6b

3>se/0 Konsols . . . . 92.10 ö% do 83.55 3>5% liessen 90.65 3^®/o Oberhessen . . . 90.00 4% Uesterr Goldrente. 98.75

4l/6% Uesterr. bilberrente 99.40 4>0 Ungar Goldrente . . 93.00 49-6 Italien. Bente ...--

396 Portugiesen Serie I. 396 PuiLugiesen JII 63.00 4>6°/e russ.Staatsaul. 1905 96.80 4>t °y0 japau. Staatsanleihe 89.40 496 Louv. Türken von 1903 93.80 Türkenlose 144.60 496 Griech. 3Iouopol-Anl.. 51.00 496 äussere Argentinier . 86.05 3°/0 Mexikaner . . . 64.90 4 °/0 Chinesen .... 97.75

Aktien:

Bochum Guss 221.50

Buderus E. W 112.00

Tendenz: geschäftslos.

Berliner Börse, 2'

Canada E. B 167.30

Darmstädter Bank . . . 127.3j Deutsche Bank ..... Dortmunder-Union C. . . Dresdner Bank . . . 142.10

1 Tendenz: unentschieden.

Kursberichte

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

>, 20. August, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 118.00

Elektriz. Schuckert . . . 106.60 Eschweiler Bergwerk . . 199.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 194.00 Hamburg-Amerik. PaketL . Harpener Bergwerk. . . 200.25 Laurahtltte 209.40 Isordd. Lloyd 94.50 Obeischles. Eisen-Industrie 101.30 Berliner Bandelsges. . . 164.25 Darmstädter Bank . . . 127.30 Deutsche Bank .... 235.30 Deutsch-Asiat Bank . . 135.40 Diskouto-Kominandit. . . 176.30 Dresdner Bank .... 141.80 Kreditaktien 197.50 Baltimore- und Ohio-

Eisen Lahn 94.50 Gotthardbahn. Loinuard. Eisenbahn . . 20.90 Uesterr. htaatsbahn . . . 147.70 Prince-Heun-Eiseubahu . 122.50

'. August. Anlangskurse.

Harpener Bergwerk. . .

Laurabütie 209.50

Lombarden E. B. ... 20.90 Nordd. Lloyd. Türkenlose 144.70