Ausgabe 
19.6.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 142

ent-

3.

DieSiebener FamNienblStter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich betgelegt, das Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftliSsen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

wolle

1.

Heren, und

den im Großherzogtum Hessen gewerbsmäßig Lieh- handel treibenden Personen eine Buchführung über Ab- und Zugang, über Wohin? und Woher'? ihrer Viehbestände aufzuerlegen."

Abg. Köhler erklärt, er wolle der Regierung den Rücken stärken gegen den Ansturm des Viehhändlertums, und bittet um Annahme des Antrages.

Abg. Korell: Im Interesse der Viehzucht sei es nötig, daß alles geschehe, um die Viehseuchen lernzuhalten. Angesichts der Gefahr der Verschleppung der Seuchen über die Grenzen bitte er die Regierung, Hand in Hand mit der preußischen Regierung zu gehen.

Abg. Brauer spricht sich in demselben Sinne aus.

Minister b. I. Dr. Brau n: Rach einer Zeitungs­notiz sei die gleiche Angelegenheit vor wenigen Tagen im bayerischen Landtag verhandelt worden. Dort habe der Minister des Innern, v. Brettreich, erklärt, die Regierung habe der Angelegenheit große Aufmerksamkeit geschenkt und Schutzmaßregeln sofort ergriffen; auch werde man ent­sprechende Schritte in Berlin tun. Wenn diese Mitteilung richtig ist, dann wird sich die Großh. Negierung gern an­schließen. (Beifall.)

Abg. Köhler: In Baden und Württemberg seien die Viehhändler zu einer genauen Buchführung verpflichtet, aus der ersichtlich sei, woher jedes Stück Vieh komme, und wohin es gehe. Eine derartige Bestimung solle man auch

in Hessen treffen.

Minister d. I. Dr. Braun: Ob eine derartige Ein­richtung in Württemberg und Baden besteht, weiß ich nicht, kann im Augenblick auch nicht beurteilen, ob sie rechtlich möglich ist. Ich werde die Frage sorgfältig prüfen, doch erscheint es mir zweifelhaft, dag jene Eintragungen für die Verhütung von Seuchen von beionberem Wert sind.

Abgg. Leun und Breidenbach befürworten den Antrag Köhler.'

Der Antrag wird dem Ausschuß überwiesen.

Redaktion, Expedition und Dnlckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion:^Eii^.Tel.-2ldr.:AnzeigerGießen.

Genossenschastsbrauereien wurde schließlich folgende Resolution angenommen:Der 3 5. Deutsche Gastwirtstag emp­fiehlt allen Ga st Wirtsvereinen, dort, wo es an­gängig ist, und wo sich die Rentabilität nach ge­höriger Information voraus sehen läßt, Ver­eins- oder Genossenschaftsbrauereien zu grün- d e n."

Hierauf hielt der Generalsekretär Brückner «Berlin) einen" Vortrag über die Reichsbank und die G e l d t c u e r u u g. Er wies auf die finanzielle Krise der letzten Monate hin und begrüßte die Herabsetzung des Bankdiskonts Darauf wurden die Verhältnisse des Gastwirtsverbandes mit dem Allgemeinen Deutschen Versicherungsverein zu Stuttgart besprochen. -- Ter Abschluß eines Begünstigungsvertrages für die Verbandsmitglieder mit der Stuttgarter Mit- und Rückversicherungs-Aktien-Gesell- schaft bezüglich Einbruchs-Diebstahl, Wasserleitungs-, Glas- und Sturmschäden wird nach kurzer Empfehlung genehmigt. Weiler beschäftigte man sich mit dem Verbandskolstcnsäurewerk Sondra. Ein Antrag des Hamburger Vereins forderte die Einführung von Kontrollmarken beim Sondrawerk, die Einrichtung einer Flaschen - kontrolle mindestens an denjenigen Orten, wo Umfüllstationen und Zentrallager sind, ferner wurde noch ein Einheitspreis für sämtliche Vereine gefordert. Die Anträge wurden darauf ange- n o m m e n.

sicheres Referat darüber:

Der Antrag lautete:Tie verehrliche Zweite Kammer beschließen, Großherzogliche Regierung zu ersuchen: Die veterinärpolizeiliche Aufsicht auf den Viehmärkten des Landes so streng als nur möglich zu gestalten; besonders aber auch das Viehhändlertum so genau, so streng und so gewissenhaft, als nur irgend mög­lich, sowohl in allgemein-polizeilicher wie besonders auch in veterinär-polizeilicher Hinsicht zu kontrol-

Ans Stadt und Land.

Gießen, 19. Juni 1908.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Für $rage der TierseuchenadMhr.

In der jüngsten Sitzung der Zweiten Kam­mer kam betanntlich auch der dringliche Antrag Köhler, betr. Abwehrmaßregeln gegen Tierseuchen, zur Beratung. Da bei dem überreichlich bargebotenen Bera-- tungsstoff diese Sache in unferm Kammerbericht nur kurz behandelt -werden konnte, geben wir hier noch ein ausführ-

35. Deutscher tzLastwirtstag.

S. u. H. Görlitz, 17. Juni.

Im Europäischen Hof trat heute unter außerordentlich zahl­reicher Beteiligung die erste Hauptversammlung des diesjährigen Deutschen Gastwirtstages zusammen. Ter vorliegende Geichasts- bericht weist darauf hin, daß der Verband nun in eine rechts­fähige Korporation verwandelt ist. Ter Bericht erwähnt weiter­hin den Beitritt zum Bund Deutscher Verkehrsvereine und weist auf die Tätigkeit des Ausschusses in den verschiedenen aktuellen Fragen hin, die das Gastwirtsgewerbe betreffen. Tie Abstinenten­bewegung hat, wie der Bericht bemerkt, sonderliche Leistungen nicht hervorgebracht. Tie bekannten. Reformgasthäuser mußten wegen Unrentabilität zum Teil geschlossen werden. Bedauerlich sei die Rechtsunsicherheit auf dem Gebiete des Spiel automa- tenwesens. 38 neue Vereine mit einer Mitgliederzahl von rund 1000 sind dem Verbände neu beigetreten. Ter Bericht schließt mit den Worten:Mit Befriedigung kann aus die ge­tane Arbeit und die erzielten Erfolge zurückgeblickt werden. Möchten die schweren Gewitterwolken, die am steuerpolitischen Horizont sich aufzutürmen beginnen, jeden Kollegen den Ernst der gegenwärtigen Lage erkennen lassen und sie zuiammeilscharen, um vereint und machtvoll den wirtschaftlichen Bedruckungen Wider­stand zu leisten, getreu dem Grundsätze: --Einigkeit macht ft an .

Präsident Ringel- Berlin eröffnet den 35. Deutichen Gast- wirtstag und dankt für die Willkommensworte. An den Kaiser wird ein Telegramm abgesandt. Der Gastwirtstag des Jahres 1909 wird in Stettin stattfinden. Dann wurde die Frage be­handelt: Empfiehlt sich die Gründung vonGenossenschafts- Brauereien? Pach längerer Absprache, überjen^ Wert von

politische Tagesschau.

Zum Schutze der Schwarze».

Der französische Deputierte Lucien Hubert, der auch im Aus- kande, besonders in Berlin und London, durch seine Theorien über die Eingeborenenpolitik bekannt ist, hat den für koloniale Fragen in Betracht konnnenden Persönlichkeiten der interessierten Mächte einen Plan zur Zus am m ende ruiung eine? europäi­schen Kongresses zum Schutze der Schwarzen unterbreitet. Hubert erklärt, der warme Empfang, den er in Berlin und London gefunden habe, sei ein Beweis, daß seine An­regung weder deplaziert noch verfrüht sei. An? dein afrikanischen Boden seien alle europäischen Mächte solidarisch und müßten not­wendigerweise zusammen arbeiten. Hubert entwirft schließlich das Programm des vorgeschlagenen Kongresses, der ein Naturvölker, recht proklamieren würde. Kolonialminister Millies-Lacroix be­glückwünschte Hubert zu seinem humanitären Werke und versprach Unterstützung der Regierung.

Die Präsidentschastseandidatur Tafts.

Der republikanische Konvent hat Taft zum Präsident- schaftskandidaten nominiert.

Das Resolutionskomitee des republikanischen Konvents unterbreitete dem Parteitag bas Parteiprogramm, bas eine lange Reihe wichtiger Fragen behanbelt. Bezüglich der Tariffrage sübrt es aus, bie republikanische Partei er­kläre sich unzweideutig idzafür, daß die Tarifrevision in einer Spezialsession des Kongresses sofort nach dem Amts­antritt des neuen Präsidenten verhandelt werde. Das Parteiprogramm erklärt weiter, das Prinzip des Schutz­zolles werbe am besten gewahrt burch bte Auferlegung solcher Zölle, bie bie Differenz zwischen ben Produktions­kosten bes Inlandes und des Auslandes ausgleichen und ferner der amerikanischen Industrie einen angemessenen Ver­dienst sichern. Weiter wird in dem Programm ein Mini­mal- und Maximal-Tarif befürwortet; dieser soll gegen die Länder angewendet werden, bie amerikanische Waren unterschieblich behandeln. Der Minimaltarif soll dagegen nicht nur den amerikanischen Fabrikanten, Farmern usw. einen Schutz gegen den Wettbewerb des Auslandes sichern, sondern auch die hohe Lebenshaltung der amerika­nischen Arbeiter, die den unmittelbaren Nutzen des Schutz­systems genießen, erhalten. Das Programm beftirwortet ferner den zollfreien Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und den Philippinen mit Einschränkungen nur be­züglich des Tabaks und des Zuckers. Zum Schutze dieser heimischen Interessen befürwortet das Parteiprogramm die Abänderung des Sherman-Antitrustgesetz es zwecks Erweiterung der Kontrolle seitens der Regierung über die Korporationen. Das Parteiprogramm betont die Riesenfort­schritte des Landes unter dem republikanischen Regime. Das Nationalvermögen übertreffe das Englands und aller seiner Kolonien und sei größer als das Deutschlands und Frankreichs zusammengenommen.

"Nach einer, die ganze Nacht währenden Sitzung ge­wannen die Anhänger Tafts in dem zur Beratung der Reso­lutionen eingesetzten Ausschuß des republikanischen National­konvents den Sieg, indem alle Punkte der Platform, die von Taft und Roosevelt befürwortet waren, zur Annahme gelangten. Insbesondere wurde auch der Punkt in der Platform genehmigt,' der ein Gesetz empfiehlt, wonach die Arbeiterorganisationen bei Streitigkeiten zwischen den Ar­beitgebern und den Arbeitnehmern nur bundesgerichtlichen Verordnungen unterworfen sind, die nach ordnungsmäßiger Vernehmung beider Parteien beschlossen wurden. Ausnah­men sollen nur die Fälle bilden, wo ein nicht wieder gut zu machender Schaden aus einem Verzüge entstehen könnte. Nachdem der republikanische Konvent die Platform ange­nommen hatte, begann die Aufstellung der Kandidaten seitens der Staaten in alphabetischer Reihenfolge. Illinois nannte Cannon. Indiana Fairbants, Newyvrk Hughes, der nur mit schwachen Beifallsbezeugungen ausgenommen wurde. Die Galerien, ungeduldig, Taft genannt zu hören, unterbrachen die Sprecher. Als Ohio endlich Taft no­minierte, erfolgte eine Szene größter Begeisterung und 25 Minuten dauerte das Flaggenschwenken, die lauten Zu­rufe und das Singen von Liedern. '

Die hessische Mahlrechtroorlage betreffend.

Ein von Abg. Dr. G l ä s f i n g im Auftrag des Gesetzgebungs- ausschusfes gestellter Antrag, über dessen wesentlichsten Inhalt wir gestern kurz berichteten, lautet: Als Ergebnis der letzten gemeinschaftlichen Beratungen der zuständigen Ausschüsse der beiden Kammern ist jestzustellen, daß der Ausschuß der Ersten Kammer mit Majorität beschlossen hat, sowohl den Initiativantrag auf Abänderung der Artikel 67, 110 der Verfassungsurkunde (21. ijum 1905) fallen zu lassen und seine seitherige ablehnende Stellung­nahme zu den. Anträgen Glässing, mitgeteilt in dem Schreiben vom 22. Mai ls. Js. zu modifizieren. Der Ausschuß der Ersten Kammer erklärt sich bereit, den Antrag Glässing zu Art. 67 der Vcrfaffungsurkunde anzunehmeu. Hiernach ist der Zweiten Kammer die seitherige entscheidende Stellung hinsichtlich des Budgets ge­sichert unb diese Stellungnahme analog den Bestimmungen der Versassungsurkunden Süddeutschlands ausdrücklich ausgesprochen. Im wesentlichen sollen dem seitherigen Brauch entsprechend in Zukunft Rekommunikationeu durch ausdrückliche Vorschriftder Verfassung zulässig sein. Die Erste Kammer soll nur das Recht der Annahme unb Ablehnung des Budgets im Ganzen haben, eine Durchstimmung soll ferner auch in dem Falle stattsinden, wenn die Zweite Kammer das Budget ablehnt. Hier loirb jeboef) an dem Erfordernis der einfachen Majorität festgehalten, was bei der gegenwärtigen und künftigen Anzahl der Mitglieder der Zweiten Kammer von Bedeutung ist. Nachdem diese Vorschläge angenommen sind, hält der Zweite Ausschuß der Zweiten Kammer eme Verstän­digung auch hinsichtlich des Artikels 75 für möglich, ^iese Ver­ständigung erscheint mit Rücksicht auf bie Wichtigkeit unb große Bedeutung der Wahlrechtsvorlage, auf die dringliche nicht mehr aufschiebbare Forderung des direkten Wahlrechts wünschenswert. Nachdem der Ausschuß der Zweiten Kammer zu Artikel 7o den Vorschlag auf Einführung der Majorität befürwortet hat, handelt es sich nunmehr nur noch um eine Differenz von sieben Stimmen. Soll die Einführung des direkten Wahlrechts an dieser Differenz scheitern? Es steht fest, daß die Negierung den Kammern ein Recht auf Durchstimmung nicht verleihen will und'lach lote vor allein über die Handhabung des Artikels 75 zu entscheiden bean- PlU$a die Vorschrift des! Artikels! 75 feit Bestehen der Verfassungs- urfunbe im wesentlichen eine praktische Bedeutung überhaupt nicht erlangt hat, auch in Zukunft kaum erlangen durfte, und es lediglich die Regierung ist, und nicht die Vertretung des Volkes, welche im Vorliegenden Fall Rechte preisgibt, dürste doch diö Verantwortung

für das Scheitern der Wahlrechtsvorlage sehr zu überlegen feilt. Sollen alle Fraktionen des Landtags, welche bei dem bevorstehen­den Schluß erst auf dem! Nächsten Landtage eine endgültige Stellung einnehmen können, die vorwiegend theoretische Bedeutung des Artikels, 75 der Verfassung so hoch einschätzen, daß sie des­wegen die Verantwortung für das Scheitern des direkten Wahl­rechtes und des damit gegebenen Fortschrittes übernehmen können? Nach der bestimmten Erklärung der Großherzoglichen Regierung ist es ausgeschlossen, daß in absehbarer Zeit eine Vorlage cin- gebracht wird, wenn nicht die Zweite Kammer vorher die Basis zu einer Verständigung mit der Ersten Kammer gut geheißen hat. Um zu verhüten, daß der neue Landtag in dieser Frage vor einem Nichts" steht, ist fdjon jetzt vorbehältlich der befinitioen Stellung­nahme des neuen Landtags- eine Aeußerung des Ausschusses Zweiter Kammer erforderlich. Unter der Voraussetzung, daß demnächst eine Verständigung auf vorstehender Grundlage gebilligt wird und das Plenum der Stoeiten Kammer e r n st h a f t n n d mit Ener - gie bie Forderung des direkten Wahlrechts ver­wirklichen will, beantrage ich:

Ter Ausschuß der Zsweiten Kammer wolle sich dahin aus­sprechen:

1. Hohe Zweite Kammer wolle die Grohherzogliche Regierung ersuchen, eine neue Wahlrechtsvorlage einzubringen, welche auf vorstehender seitens des Ausschusses der Ersten Kammer, ange­nommenen Verständigung beruht und somit einen erheb­lichen Fortschritt gegenüber ber gegenwärtigen Wahlrechtsvorlage barstellt.

2. Ta dieser Antrag in dem gegenwärtigen Landtag nicht mehr behandelt werden kann, so erklären die Mitglieder des Ausschusses, daß sie ihre Wiederwahl vorausgesetzt im nächsten Land­tag einen entsprechenden Antrag bei der Zweiten Kammer stellen werden, damit durch Plenarentscheidungen der Zweiten Kammer bie Möglichkeit des direkten Wahlrechts und seine Einführung bei den Landtagswahlen in Hessen entschieden wird.

Für den Fall der Annahme vorstehender Anträge int Aus­schüße bitte ich, dem Zweiten Ausschüsse der Ersten Kammer eine entsprechende Mitteilung zugehen zu lassen.

128 Uhr bemühten sich unsere Stadtväter im hohen Rat um bas Wohl ber Stabt unb bewiesen bamit eine Aufopse- rungsfreubigkeit, die beshalb nicht geringer angeschlagen ei, baß es sich nicht jjerabc um Millionenprojekte drehte. ,Man kann auch in Kleinigkeiten groß fein", biefer Ge- )anke war bas Leitmotiv ber Sitzung, bie auch sonst sehr rieb Lid) verlief. Frieblich, aber nicht ruhig. Tie Unter­haltung war zeitweise so lebhaft, baß bie sie Führenben tellenweise ihre eigenen Worte kaum verstehen konnten und beshalb der hohe Magistrat einen anderen Platz be­kommen soll, damit auch dasUnterhaus" ihn hören kann. Das interessanteste der ganzen Sitzung kam gleich! zu Beginn, nämlich eine Illustration dertunlichsten" Berück- ichtigung hessischer Eisenbahnwünsche durch Preußen. Wie Oberbürgermeister Mecum nämlich mitteille, hat die Eisen- bahndirektion die Errichtung des Gießener Nord­bahnhofs aus Betriebsrücksichten abgelehnt. Nack) dem seitherigen Gange ber Verhandlungen mußte man annehmen, baß bie betriebstechnischen Bedenken nur ins Feld geführt mürben, um eine größere Leistung der Stadt für die Haltestelle herauszuschlagen. Bis zu einem ge­wissen Grade war das ja auch erreicht worden, da die dürft) Geländebesitz in jener Gegend Interessierten unter Beihilfe der Stadt die Kosten der Einrichtung ber Station tragen wollten. Darüber hinaus verlangte der Herr Fiskus noch einen Zuschuß zu den Betriebskosten. Als die Stadt sich nicht breitschlagen ließ, mußten die vorsorglicherweise schon früher, allerdings mehr nebensächlich geäußerten Be­triebsrücksichten herhalten, um die Ablehnung zu recht- fertigen. Zwischen ben Zeilen bes Absagebriefes kann man aber lesen, baß ber eigentliche Grund das Rechenexempel ist, nack) dem die vom Nordbahnhof nach Worben fahrenden Reisenden 5 ober 10 Psg. weniger bezahlen müßten, als wenn sie vom Hauptbahnhof aus fahren. Eine wahrhaft grandiose Verkehrspolitif. auf bie bie preußische Eisenbahn- verwaltnng in ber Tat stolz sein kann. Die Stadtverord- netenversammlung beschloß in erfreulicher Einmütigkeit, die Flinte noch nicht ins Korn zu werfen. Vielleicht gibt es auch später einmal eine Verwaltung, bie burch Taten be­weist, daß die Eisenbahnen nicht nur eine fiskalische Finanz­quelle sind, sondern and) zur Erleichterung des Verkehrs dienen sollen. Tann wird and) das nördliche Gießen und das an der Frage stark interessierte Wieseck zu seinem Recht, kommen. Im übrigen gab es im bunten Wechsel Ban-! gesuche, Straßenangelegenheiten, Wirtschaftskonzessions- gesuche und andere schöne Tinge zu erledigen. Von ben zahlreichen Interessenten wird die Herabsetzung der Miete für die Elektrizitätszähler mit Befriedigung aufgenommen werden unb nach einer kleinen Ottroidebatte wurden die Bestimmungen über das Oktroi für Branntwein gemäß früher vom Ministerium geäußerten Wünschen geändert. Tie Stiftungen für Arme haben durch ein Vermächtnis des verstorbenen Kanzleirats Temüth eine Vermehrung er­fahren, was mit Dank zur Kenntnis genommen wurde. Wäd)fte Woche wird die Frage ber elektrischen Bahn be­handelt werden.

*

** Zu Geheimerats Heß Jubiläum. Wie wir bereits mitteitten, beging am 3. Pfingstfeiertage Herr Geheimrat Professor Dr. Heß sein fünfzigjähriges Tienst- jubiläum. Das ihm von dem Rektor im Warnen des Ge- famtfenats der Landesuniversität zugesandte Glück­wunschschreiben hat folgenden Wortlaut: Hochverehrter Herr Geheimerat!

Am 9. Juni ds. Js. sind seit Ihrem Eintritt in den Herzoglich Sachsen-Koburg-Gotha'schen Staatsdienst 50 Jahre abgelauien. Und von diesen 50 Dicnstjahren gehören volle 39 unserer Hoch­schule an. n z _ . . .

Wenn Ihre Kollegen an der Alma mater Ludoviciana ^hnen als ihrem verehrten Senior an diesem für Sie so bedeutungs­vollen Tage ihre Glückwünsche darbringen, so gedenken sie in Dankbarkeit alles dessen, was Sie in dieser langen Reihe von Jahren für die Hochschule und das Land geleistet haben.

Nach elfjähriger praktischer Tätigkeit im Dienste Ihres Ge­burtslandes, die Ihnen auch schon zu umfangreicher literarncher Arbeit Anlaß gab, sind Sie im besten Mannesalter dem Rufe an unsere Universität gefolgt. Sie haben hier das Erbe eines hervorragenden Gelehrten angetreren. Sie haben mit dem Ihnen anvertrauten Pfunde unermüdlich gewuchert und mit verhält­nismäßig geringen Mitteln Großes gewirkt, so daß die forstliche Le'hrstättc Gießens damals die einzige an Deutschlands Uni­versitäten auch heute noch neben anderen größeren, die in­zwischen entstanden sind, ihren alten guten Ruf bewahrt. Von ben hundert hessischen StaatssorsHeamten haben neunzig als Schüler 311 Ihren Füßen gesessen. Sie alle bewahren Ihnen ein dankbares Andenken unb was sie dem Lande leisten, dankt dieses zum großen Teile dem Wissen unb Können, das Sie Ihren ^chmern vermittelt hahen. Aber noch weit über die Grenzest^ peshefftschen

Zweites Blatt 158. Jahrgang Freitag 19. Juni 1908

«rfdjetnt tägiid) mit Ausnahme des Sonntags. T Xl A a a X AA Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu

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General-Anzeiger für Gberhefsen

Ter großen Ausdehnung ber gestrigen Sitzung sprach zwar die Länge der erledigten Taaesordnung, nicht aber die Tragweite der verhandelten Gegenstände. Bis