Ausgabe 
18.5.1908 Erstes Blatt
 
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Monat!. Uederjicht der Todesfälle in der 5tadt Siegch.

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Freude ein5: sic Ijabcn ihren Kaiser gesehen!

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so müssen wir

So schwer cs uns wird.

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Berliner Börse, 18 Mai. Anlaugskurse.

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Elektriz. Schuckeri . < Eschweiler Bergwerk .

Berliner ilundelsges. Darmstadter Bank . Deutsche Bank . - Deutsch-Asiat. Bank Diskouto-KoniuianiiiL Dresdner Bank . . Kredituktieu . - - Baltimore- und Uhio-

EisenLahu . Gotthard bann . . LomUaru. Eisenbahn Uesterr. Staaisoahn .

Cauada E. B. .

Darmstädter Bank .

Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: still.

Harpeucr Bergwerk. Lauraliütie . - uombarden E. B. Nordd. Lloyd . . l ürkenlose . .

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ist das weltbekannte, berühmreSchltvcr deinen", das hier gebleicht wird. Verarbeitet, mit Zier- und vohlstiumen, Sticleret, sowie Klöppelspitzen und Einsätzen versehen, bildet es den schönen stolzen Besitz der uauSsrauen, die so gern mit diesen Schätzen die duftenden Laden füllen!

Von den Wiesen, die schon allerlei hübsche Blumen, wie Schaumkraut, Gänfc- und Dotterblumen, .Himmelschlüssel und Katzenpfötchen tragen, steigt ein srstcher, belebender Tust, aus. Tic Vogel singen um die Wette, cs ist ein wonniger Frühlingstag. Am Abhang blühen die weißen Schlehen, cs ist alles mit einem Mal getommen, wie ein Wunder wirklich!

Froh gestimmte, scstlich geputzte Men,chcn pilgern auf allen Wiesen- und Waldpfaden und find in dem einen Gedanken der

kehren und den Weg zum Bahnhof untreren man auf Die Rücktehr der Herrschaften vom

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1 eeyüfen im Jahre 1907. In Gcestcinunde, Bremerhaven Altona, Hamburg und Rordenhamm wurden im Jahre 1907 m.. gesamt ca. 160 Millionen Mund Fische, Hummer, Muscheln usiv im Werte von rund 17^ Millionen Atark umgesetzt. Den grüsticn Umsatz hatte Geestemünde mit rund 70 'JJiilhoncn Piund un Gesamtwert von ca. 7 Millionen Aiarkt. Ten Hauptbestandteil dcr iu Geestemünde verauktionierten Fische bildeten Schellfische, von denen 35 Millionen Psund sür ungefähr 3 9)hUionen Mark aus den Markt kamen.

Sonnenschc a Beiv. HmuM Sonneniche'a

Univerjitäts-Nttehriehten.

Darmstadt. Der Privaldozeul für Baugeschichte und Ge- schichle und Theorie des Ornaments an der Technischen Hochschule zu T a r in st a d t Architekt Dr. Julius Hülsen wurde vom preußischen Vandwirljchaslsminisler mit der Abhaltung von Bor- lesungen über Gartenarchitektur und allgemeine Stil» und Oma» meutslehre an der Kgl. Lehranstalt sür Wem-, Obst- und Garten» bau zu G e is e n h e t m a. Rh. beauftragt.

Frankfurt a. M. Dr. phil. Otto Schultze wurde als Privaldozeut sür das Gebiet der Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der Akademie sür Sozial» und Handelswissenichajlen -u Frantsurt a. M. zugelasjen. Schulte ivar früher an der Univer­sität Halle als Privatdozent tätig. l'ln der Frankfurter Akademie ist er zugleich Assistent des psychologischen Instituts und des Seminars sür Philosophie und Pädagogik.

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Handhabung dcr GeschäftSocstunmungcn mit den darin vorge- Ausichlicßlichleitscrtlärungen hinsichtlich dcr Geidcntnahme wie dcr Geldanlage, danr endlich dcc steten, und doch den Marktoerhält- nissen angcpa,,tcn, durch keinerlei Rücksichten aus billige Staats- gelder, ivce sic Bentraltassen anderer Länder zur Verfügung stehen, trregeführken Btnspolitik konnten die Genossenschastsbank und die mit ihr verbuirdenen hessischen Genossenschaften aus eigner Kraft ihre Aufgabell selbst in der allerkrttischsten Zeit erfüllen. Dieser, angesichts der im Berichtsjahr herrschenden allgemeinen Geld­knappheit und namentlich der gegen das Jahresende sich bedenk­lich zuspitzendcn Geldverhältnisse äußerst günstige Erfolge ist unter anderem dem festen, treuen Zusammenhalten der in ausschließ­lichem Geld- und k'reditoerlehr mit dcr Genossenschaftsbank stehen­den hessischen VerbandSgenostenschaften zu verdanken. Tie recht­zeitige Erhöhung der Zinssätze gab den Geiwssenschaflen die Mög­lichkeit, ihrerseits die nötigen Maßnahmen zu treffen, durch welche sie ihren Einlagebcstand erhalten und verstärken und andererseits einer außerordeiitlichen Inanspruchnahme vorbeugen konnten. Den Geldzugang unö -abgang bei den Genossenschaften und dadurch bei der Genossenschastsbank durch zeitgemätze Regulierung der Zins- sätzc so entsprechend beeinflussend, ist die Bank in der Lage, ihre seit Beginn des Jahres 19Ut gültigen allgemeinen Zinssätze un laufenden Rechnungsoerkehr, auch für das Jahr 1908, das mit dem höchsten feit Bestehen dcr Rcicysoank noch nicht dagewefenen Lombardiatz von 8Prozent begonnen Hai, für die mit ihr in ausschließlichem Geld- und kreditvcrtcyr stehenden hessischen Ver- bandsgcnossenschasten aufrecht zu erhalten. Rur hinsichtlich der Verzinsung der Sepositeneinlagen tritt im neuen Geschäftsjahr eine Aenderung ein, indem für die nach dem allgemeinen Tarif hereingenommcnen Tepoiiteneinlagen, welche bis zum Jahnsschlutz 1908 weder zurückgezahtt noch gekündigt sind eine Bonifikation von 1,2 Prozent, statt wie im Berichtsjahr von Prozent ge­währt wird.

I a h r e s u m s a tz a n F i f ch e n in unseren Di o t ö -

buntseidene Tücher, auch sind die ^schürzen von schöner, geblüm­ter Seide, die Bänder um die Mitte meist aus bunter Wolle ge­strickt. Tie Schuhe sind bum gestickt, die Strümpfe weiß, kunst­voll mit Zwickeln gestrickt. Tas Haar ist in Zöpfc geflochten und tief in die Stirn gelegt; am Arm darf ein schwarzes Henkeln körbchcn mit Mundoorrai. und dem Taschentuch nicht fehlen.

Die Burschen und Männer tragen lange do) en, unter denen helle, geftriate Strümpfe hervorsehen, die mit den ausgeschnittenen Schuhen wie Gamaschen wirken. Eine blauwollene, gestrickte oder gewirkte Jacke mit vielen Hellen mwpfen umschließt den Ober­körper, und was ein echte Hesse ist, dem hängt im rechten oder linken Mundwinkel die geliebte, selten verlöschende Pfetse. Wäh­rend wir über den geschmückten Marktplatz mit seinem alten, sehens­werten Brunnen schlendern, mitten int Gedränge, bald schiebend, bald geschoben, uns der Gegenwart freuend, Horen wir wie em Veteran nut der Kriegs-Denkmünze 1870/71 einem anderen er> zähH, daß der Kaiser beim gestrigen Eintreffen angesichts des Regens und der überschwemmenden Gegend geäußert habe:Was habt Ihr beim hier für schreckliches Wetter?! Ihr denkt wohl, ich komme mit dcr Flotte?!"

Fröhliches Gelächter ringsum beweist, wie gut der Witz ge­fallen hat! . . . . / n

llcberhaupt ist allerorts §cstcsittrnmung, die fremdesten Beute sprechen sich an ober tauschen freundliche Grüße!

Schließlich knurrt aber doch unser Magen, weshalb wir wieder basWeiße Rößl" aufsuchen, wo uns bie freundliche Wirtin ein schmackhaftes Mal bereitet hat.

UnsereBlume" gilt bem Wohle Seiner Majestät!

Spater werden an ö'ieunbe und Verwandte Kartengrüße ab­gefaßt, bie beim Dufte einer Henry Clay besonders poetisch ge­raten.

Balb nach zwei Uhr finden auf der Lauterbacher Straße Menschen-Ansammlimgen skati, weil sich das Gerücht verbreitet hat, die Gräfliche Familie walle mit bem kaiserlichen Gast einen Ausflug nach bem Steinberg unternehmen. Da der Weg dort­hin amWeißen Rößl" vorüberführt, haben wir es recht be­quem. Wir trinken unfern Mokka im Freien und brauchen nicht lange zu warten. DurchHoch"ruse schon angekündigt, naht der Wagen mit bem Kaiser und dem Grafen Emil von Görtz. Wieder wird unser Grüßen huldvoll erwidert, wieder sind wir dem Herrscher nahe, ein unvergeßlicher Augenblick! Nun kom­men bie Wagen nut dem Gefolge, das ebenfalls freundlich dankt, besonders bie Gräfinnen Görtz, schöne, stattliche Erscheinungen, ihrer verstorbenen Mutter, der berühmt-schönen Gräfin Sophie, selfr ähnlich!

Wir verfolgen den Weg, den die Wagen genommen haben und sind bald außerhalb des Städtchens. Da dehnen sich grüne, saftig-grüne Wiesen, auf denen es weiß wie Schnee blinkt: es

vermischtes.

* Amerikanische Musikkritik. Tie Musikkritik von Detroit zeichnet sich mehr durch Anschaulichkeit 'der Schilderung als durch Uebereinstiimnung im Urteil aus. Das hat sie beim letzten Paderewski-Konzert in Detroit bewiesen. DieDetroit Free Preß" schreibt: Ohne iveiterc Präliminarien, als einen Schlag von Paderewski selbst aufs Klavier, wurde die erste Runde eingeleitet. Dann nut seinen Armen das Instrument bearbeitend wie mit einem Petschaft, bahnte sich dieser pol­nische Feuerwerker seinen Böeg durch das Programm, wobei jeder Schlag eine Sündflut von Tönen heroorsprudeln ließ. Unbekümmert um die übrigen Haare, die bie Klaviatur bc« deckten, ließ der Künstler fein Kinn auf den Tasten ruhen und boxte, kratzte unb wütete wie em wildes Tier. Alk Erdbeben der Schöpfung, alle Schreie starker Männer im Todeskampfe können nicht nut bem Lärm wetteifern, der au= bem leidenden Instrument ertönte. Der Referent derTckroii News" dagegen konstatiert, daß Paderewski mit so liebkosender Zartheit das Pedal trat,wie eine junge ÜJiuttcf, die ihi kmd - wiegt. Dann wieder zieht er den rechten Fiiß hoch unter die Knie und läßt sie niederschnellen iuic ein Wctttenn- fahrer, der das Pedal fernes Rades tritt. So legt er all, Zärtlichkeit für das Instrument m bie Fußtritte, bie er itjin versetzt ..." ____

u/0 russ.btaatsanl. 19Oo 4>au/0 Japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 19u3 Türkenlose......

4% Gnech. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . ö°/0 Mexikaner . . . 4yau/0 Chinesen ....

Aktien:

Bochum Guss.....

Buderus E. W.....

Tendenz: etwas fester.

Treue, es wirb ganz von selbst mietet neu in ben Herzen! So schwer cs uns wird, so müssen wir boch cnblich um-

ftanfccl.

Don der Darmstädter landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank.

Dem Geschäftsbericht für 1907 entnehmen wir: Ter Verlauf und das Ergebnis des 24. Geschäftsjahres können in leder Hin­sicht als recht befrieöigenb bezeichnet werden, wenngleich ter Rein­gewinn, durch ben starken Kursrückgang des Besitzes an erst­klassigen Wertpapieren um Mr. 61 212,15 geichmalcrt, nur 9Jtf. 106 199,61 gleich 5,35 Prozent dcS in 1906 erhöhten unb in 1907 zum erstenmal das ganze Jahr hindurch nut vollen 2 Mill. Mark arbeitenden Grundkapitals betragt. Der Gesamtumsatz der Bank ist von rund 185 auf 223 Mill. Mark gestiegen, also um 38 Mill. Mark. Der durch die Bank gedeckte Geldbedarf der Genossenschaft war im Jahresourchschnilk 1,1 Million Mark größer als im Voriahr, während der bei der Bank untergebrachce ^Geld- überjchüsie der Genoffenschaften im Jahresdurchschnitt 0,1 Million Mark geringer war. JuSgeiamt wurden im Berichtsjahr von den hessischen Genossenschaften 2,2 Mill. Aiark mehr bei ter Genossen­schaftsbank cingezahlt als abgehoben, wodurch bis zum Jahrcs- schluß die Krebitinanspruchnahmc der Genoffenschaften bei der Bank um 0,7 auf 7,2 Mill. Marc zurückgegangen ist und ter Ein­lagebestand ter Genossenschaften bei der Bank sich um 1,5 auf 7,d Mill. Mark erhöht hat. Tie Genofscnschaftsbank hat ab 1. Jan. 1907 eine Erhöhung ihrer allgemeinen Zinssätze um je 1/2 Prozent Tür Guthaben wie für Schulden in lausender Rech­nung eintreten lassen. Im Berichtsiahre 190/ haben die all­gemeinen kritischen Geld- unb Kreditverhältnisse einen sehr ernsten geradezu beängjtigenten Charakter angenommen. Es wurden bei ben Genossen,aiaftsbank, in ter Zeit von Mitte Februar bis Mitte Juli, von ben heisisclfen Genossensclxrften nahezu zwei Millionen Mark mehr abgehoten als eingezahlt, trotz der mit Beginn des Berichtsjahres emgeiretenen Erhöhung ter allgemeinen Zinssätze für Guthaben und Schulten in laufender Rechnung auf 4 bezw. 5 Prozent. Da ersahrungsgemäß von der Jahresmiete bis zum Herost und jc nach Ausfall ter Ernte bis zum Jahres­schluß die Ansprüche ter Genossenschaften an bie Kaste ter Bank stets zunehmen, indem bie Entnahmen immer grober werden, während gleichzeitig bie Einlagen sich verringern und im Hinblick auf die für ben Herost vorausgesehene schwere Geldnot und emp­findliche Verteuerung ter Gcloleihsätze wurden bie Zinssätze für neue bare Einlagen au, provstionSfrcl geführten Depositenionteu mit einer Kündigungsfrist von 1 iUlonat auf 4 Prozent, von 3 Monaten aus 4'/i Prozent, von 6 Monaten auf 4y2 Prozent erhöht, um die Genossenschaften in die Page zu setzen, tunlichst alle in ihrem Bezirk flüssig werdenden Geldmittel an sich zu ziehen und eventuell für den GeloauSgieich der Bant zur Ver­fügung zu stellen. Dank der Organisatwn, dem fortschreucnbcn, inneren Ausbau der Veroandsgenoiscusmaften, ter gewissenhaften

Publizistir Sensation. ^ie 'jtename soll den Kundenkreis anziehen unb vermehren, die Sensation den Leserkreis. Was Sombart in seiner neuen ZeitschriftTer Morgen" kürzlich aesaat hat, riecht stark nach Sensation. Was ergestern" gesagt hat, ließ sich, wenn es auch in entgegengesetzter Richtung übers Ziel geschossen war, hören. Was wird der Herausgeber der ZeitschriftTer Morgen" wohlüber­morgen" seiner gläubigen Gemeinde cyt frischer Sensation austischcn?!

Vollständig selbsttätig!

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Gerichtssaal.

Prag, 15. Mai. Der oberste Gerichtshof, entschied in dem langjährigen Streit des Landgrafen von H e f f e n gegen den Fürsten Heinrich und den Fürsten Philipp von Hanau um bas Fideikommiß Horaschboiviß zu Gunsten des ^.andgrasen, dem nun das Erbfolgerecht und die Ansprüche auf die Jlacmolge zuerkannt wurden. Der oberste Gerichtshof schloß stch dein Stand­punkt des Klägers an, daß das neue hessische Privatsideikomnutz identisch sei mit bem kurfürstlichen Fideikonuniß. Die beiben Unter» instanzen hatten gegen ben Landgrafen enlschieben.

Die chronische Ltuhlverttopsuna der »auglmgc, eu yr.

klumpiger Gerinnung der Kuhmilch im Magen, wird om« nährnng mitKufeke"-.Ktndermehl zur Aiilch und die o wirkte feinslockige Gerinnung der letzteren behoben.

4l/6 % Uesterr. bilberreute Ungar. Goldreute . .

Das verbot der ßeuerbestatlung in Preußen.

Das mit großer Spannung erwartete Urteil des preußischen Lberverwaltungsgerichts in Sachen der Benutzung des Hagener Krematoriums ist nunmehr, wie bereits gemeldet, dahingehend er- folgt baß das polizeiliche Verbot zu Recht ergangen fei. Eine . ;elme Entscheidung hatte man allgemein wohl kaum erwartet, auch ' Jucht emmal die Regieruiig, die schon dabei war, die erforderlichen ; Alaßncchmeii vorzubereiten, wenn bas Oberverwaltungsgericht sein Urteil baten abgeben würbe, baß kein gesetzlicher Hinderungsgrund gegen die Einführung der fakultativen Feuerbestattung vorliege. . Das preußische Oberverwaltungsgericht hat einen anderen etanb- , rmnft eingenommen. Es ist immer etwas mißliches, gerichtliche ^nttoeibunqeu, bie nach sorgfältigster Prüfung getrosten worden sind zu kritisieren, aber auch Richter sind bekanntlich nicht un- lehlvar, sonst brauchte man ja Berufmig und Revision un Genchts- richtsoerfahren überhaupt nicht, unb eine ui angemessenen Grenzen (ich bewegende Kritik eines Richterspruches ist unter Umflanden sehr wohl am Platze, zumal sie oft von gutem Nutzen für die Zukunft fein kann So wird man wohl auch im vorliegenden Halle ben De­duktionen bes preußischen Verwaltungsgerichtes nicht allenthalben folaen können, benn vor allem ist es nicht ermibüch, warum ui anberen Bunbesstaaten bie fakultative Leichenverbrennung möglich ist ohne ben bestehenden Gesetzen zu widerjprechen. Smd doch gerade diejenigen Gesetze, aus die das preußische Lberverwaltungs- aericht ferne Gegengründe aufbaut, von Reichs wegen emgefuhrt, also auch in ben betreffenden Bundesstaaten, wo man sich bereits iur Einführung der Feuerbestattung schon vor längerer oder kürzerer Ken entschlossen hat. Die Schlußfolgerungen des preußischen Ge­richtshofes muten daher etwas seltsam an, und es erscheint etwas gejucht wenn die Behörde von dem Standpunkte ausgeht, datz alle Bestimmungen in ben Gesetzen auf der Voraussetzung bafieren, daß Leichen der Erdbestaltung übergeben werden. Die Entscheidung sagt selbst, daß m den bestehenden Gesetzen nach dieser Richtung hin keme Lücke vorhanden fei, womit man also wohl der Regierung eine Direktive an die Hand geben will, hierüi eine Aenderung herbei- ruführen. Da es gegen das Oberverwaltungsgericht keinen weiteren Appell gibt, muß man das Urteil daher am sich beruhen lassen. Die Frage ist nun die: Was wird die preußische Regierung tun? Gs ist bekannt, daß man an den zuständigen Stellen bie früheren iöebenfen abgegeben hat unb den Anhängern ber fakulativen Jener» bestattung Eiitgegenkommen beweisen will, selbstverständlich unter bestimmten Kanteten, wie insbesondere rechtsgültig hinterlaifene Anordnung des Verslorbenen über Verbremumg seiner Leiche, sowie vor allem entgehende Leichenschau durch einen Arzt oder Medizinal- beamten, um juristischen und kriminellen Bedenken vorzubeugen. 3roei Wege eröffnen sich für die Regierung, die nach Ansicht bes Oberverwaltuugsgerichls bestehende Lücke auszufüllen. Einmal kann sie mit einem betonteren Gesetze au den Landtag herantreten; bei der Zufamiueufetzung der preußischen Volksvertretung dürste sie aber hierbei nicht viel Glück haben, da Zentrum und der überwiegende ^leU ber Rechten von jeher gegen bie Feuerbestattung eingenommen waren. Außerdem gäbe es noch ben Verorduungsweg, inbem es Dielleicht genügte, burch Verfügung des Ministeriums Bestimmuugeii zu treffen, welche bie bestehenden Vorschriften über bas Bestattungswesen nach dieser Richtimg hin ergänzen. Erkennt doch das Ober­verwaltungsgericht felbst an, daß ein gesetzliches Verbot der Feuer­bestattung nicht bestehe, und ebenso ivird anch zugegeben, daß in religiöser Beziehung eine Störung nicht herbeigeführt werde, iuic ja evangelische orthodoxe Geistliche zugebeu, bau die Feuerbestattimg an sich ben Geboten ber Religion nicht widerfpreche. Es wirb nicht imiliteresiant sein zu sehen, ivelche Schritte bie preußische Regierung ergreifen wird, da es doch wohl kaum angeht, baß in einet großen Reihe von Bundesstaaten etwas zuläfsig ist, was in Preußen nicht ftatifinten bari.

6 (3) 7 (1)

2inm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie v«l der Todesfälle in der betressendeu Krankheit aus von auswärts mch Gießen gebrachte Kranke kommen.

unb gehofft, leitet vergebens.

Auch auf dem Bahnho, herrscht ungcwöhnlick)es Leben und Treiben. Viele wollen den bereitstehcnten Zug benutzen, ber noch einmal so lang als sonst ist. Aver er fährt nicht pünktlich ab; immer noch kommen Passagiere, immer noch werden Ge­päckstücke berladen, ter Postoote bringt eine ganze Tasche voll Ansichtspostkarten vom Kaisertage an ben Zug, Scherzworte fliegen hin unb her!

Schließlich aber setzt sich ter Zug doch in Bewegung, unb während wir langsam fahren die Böschung läuft parallel der Stniße erleben wir noch eine lieberra|d)ung! Aus einem wenig befahrenen Weg zwisckien Gärten entdecken wir einen Wagen, einen weißen, wehenden Federdusch; es ist gewiß: wir haben noch "einmal das Glück, den Kaiser zu sel-en, der dort mit bem Grafen Görtz fährt, auf ber Heimfahrt zurWallenburg" be­griffen. Wie ein Blitz läuft das Wortter Kaiser" im Zug entlang, und es bricht ein Juoel los, elementar, unbeschreiblich!

Der Kaiser und Graf Görtz menten sich sichtlich erstaunt, woher bas jubelnde Brausen kommt, zu dem oben auf dem Tamm rol­lenden Zug und danken, freundlich lächelnd, immerzu, bis das Dampfroß uns sckmell entführt!

Das war ein Tag wie selten einer! Mies freut sich und schwelgt tu Erinnerungen, so auch zwei ländlick>c Familien, die sich bem Schützer Zug in Salzschlirf entstiegen froh­erregt mitten im Menschengewühl begrüßen.

No Katrcrin, hast bc den Kaiser gesch?"

Jo sreili, Hannes, zivo Mal!"

Ei, wir drei Mal!"

Jo du mit deiner Brill'!"

4>o uesterr. Goldrente

Monat April 1908.

Einwohnerzahl: angenommen zu 30 400 (inkl. 1600 MannMililü.j Sterblichkeitszisfer: 22,5°/08,

Abzug von 25 Ortsfremden: 12,6 u/dc.

Kinder

Lebensjahr: 2.15. Iah::

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TTeäeWnßsefrBs fiiursüerechte des Giessener Anzeigers, nutgeteilt vun der Bank liu und Industrie, Giessen.

Frankfurter 18. Mai, 1.15 Ohr.

Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik i'aketL harpener Bergwerk. > -

Isurdd. Lloy d . . .

Ubeischlcs. Eisen-Industrie ..

Es starben an: Zusammen:

Erwachsene 1

Diphtherie

1(1?

Wundkrankheiten

3(2)

2(2)

Tuberkuloje d. Lungen

8(2)

6(2)

Tuberkulofe anderer

Organe

4(1)

3(1)

Lungenentzündung

6(3)

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Influenza

1

1

anderen Lungen-

kraukhelteii

2

1

Herzkrankhelten

4(2)

4(2)

Schlagsluf;

1

1

Kr.ankheiten der Ber»

dauungsorgane

4(2)

3(2)

Nierenentzündung

3(3)

3 (3)

iileublldungen

4(2)

4(2)

geivalifamem Tod

1

anderen Krankheiten

14 (7)

10 (5)

Summa:

57 (25)

41(21)

Meteorologische Äeovochtuugeii der Station Gießen. ___

Mai

1908

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Temperatur der Lust

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