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Nr. 195
Der Siegener Anzeiger erschein! täglich, au&tl Sonntag». - Beilagen: viermal wöchentlich Sietzener.^amilirndlälter; zweimal roocbentLKtcls» dlaNlürvenNretsGiesjen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirllchostUche SeMragen Ferntprech • Anschlüsse r füi btt Redaktion 112, Verlag a. Expedition 51 Iflbreflc tüt Depeschen»
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Erstes Blatt
158. Jahrgang
Donnerstag 20. August 1908
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderheffen
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Verantwortlich für den poliNfchen Teil: L Anderson; s. Feuilleton und .Vermischtes* P. Wittko; für .Stadt u. Land" und.Gericht-- faol": E. Heß; tüt den Auieigenteil: H. Beck.
— Kleine Kunftchronik- Oskar Straus, der glückliche Komponist des „Walzertraums"", arbeitet an einer komischen Oper, zu der ihm Rudolf Lothar mit Benutzung von 9Jter Dreyers „Tal des Lebens" den Text geschrieben hat- - - Im Hoftheater ut Kassel findet am 23. ds. Mts. auf Befehl des Kaisers eine Fesworstellung anläßlich der Fahneneinweihung statt. Gegeben wird das Uhlandsche Schauspiel „Ludwig der Bayer"".
daß er den Freund bei dem kalten Winde ohne schützende Hülle ziehen lasse; er schätze sich glücklich, einen neuen Ueberzieher entbehren zu können, der ihm nicht mehr passe, und wenn der seinem lieben N. sitzen würde, wäre er eine Sorge los. So fam sein Freund zu dem Ueberzieher, der ihm wie Lutterkorth angegossen saß.
Lutterkorth liebte Scherze in verschiedener Form, das zeigt auch folgender Fall: In einem Blatte tauchte die Nachricht aus, daß L. gestorben sei, und daran war die Bemerkung geknüpft, es wäre wenig schade, daß der ewige Student sein unnützlich Erdenwalten beendet habe. Diese Nachricht, die L. selbst in das Blatt lanciert Hatje, wurde von vielen anderen Blättern übernommen, die aber zumeist den Schlußsatz in andere Form kleideten unb, bedauerten, daß dieser Freund der akademischen Jugend so früh dem Tode den Tribut zahlen mußte. Sein Wirken werde bei seinen zahlreichen Freunden unvergessen bleiben. Als L., der etwa ein Vierteljahr spurlos verschwunden war und dann plötzlich wieder austauchte, um die von ihm erfundene Todesnachricht gefragt wurde, erklärte er freimütig, er habe nur seine Nekrologe lesen wollen.
Daß L. auch die Nachricht von seinem Unglücksfalle auf dem Bodensee-Tampser selbst in die Zeitungen lanciert habe, bezweifelt Ziegler, behauptet vielmehr, daß L. auf dem Dampfer in heiterer Gesellschaft gewesen und dort plötzlich verschwunden sei. Es sei Grund dafür vorhanden, daß der in animierter Stimmung befindliche „ewige Student'" abseits über Bord gefallen und unbemerkt ertrunken sei. So habe der „amicus juoentutis academicae"/ dessen Photographie den gutmütig aussehenden Dreißiger im schnürebesetzten Kneiprock und mit einem Fez bedeckt zeigt, ein vorzeitiges Ende gefunden. Dem widerspricht aber daS Dementi der Bodenseedampfergesellschaft, das tatsächlich erfolgt ist. Er soll vielmehr, wie man mir von verschiedenen Seiten, auch in Jena, erzählte, in späteren Jahren eine Asienreise unternommen haben, von der er nicht zurückkehrte. Jedenfalls hat mein Vater seinen Vetter Lutterkorth bereits vor Jahr und Tag als Direktor am Landgericht zu Tilsit aus Qfrunö des § 16 B. G. B. für tot erklärt.
P. Wittko.
Ein unhaltbarer Zustand.
Seit Jahren macht der sogenannte Präsident von Venezuela, Castro, von sich reden. Er hat im Lause der Zeck beinahe schon mit allen Mächten Konflikte gehabt, sein neuester Konflikt ist der mit den Niederlanden. Unter feinem Terrorismus leiden nicht nur die Venezulaner, sondern auch die Fremden in diesem Lande. Seine eigenartige Auslegung des Völkerrechts erlaubt es ihm, willkürlich zu schallen und zu walten; er scheut nicht einmal davor zurück, die diplomatische Vertretung der fremden Mächte zu brüskieren, wie jetzt der Streitfall mit Holland gezeigt hat. Und das Schlimmste ist, daß von diesem Ptanne keinerlei <!§enug- tuung zu erlangen ist; er steht ja unter dem Schutze der Monroedoktrin, jenes famosen, von den Amerikanern ausgestellten Satzes, der es teiiiem europäischen Staate erlaubt, gegen die amerikanischen Raubstaaten vorzugehen,
täten zugelassen, wenn gleich hinzngekügt wird, daß durch die Immatrikulation ein Anspruch auf Zulassung zur Prü- üng und Remtern ebensowenig wie für die Männer erworben wird. Alles in allem muß man sagen, daß die Reform von wirklich modernem Empfinden geleitet und von zroßzügigen Gedanken getragen ist und daß man erwarten darf, daß sie dem weiblichen Geschlecht eine gute Rüstung mit auf den Weg gibt
Zeppelin und die Sozialdemokratie.
K. N. Sehr seltsam mutete es an, als der „Vorwärts" mitten in der allgemeinen Begeisterung für den Grasen Zeppelin mächtig gegen die Nationalspende agitierte und, was zweifelsohne das bedeutsamste ist, die Erfindung des Grafen als ein Werk bezeichnete, das fast nur strategischen Zwecken diene. Sollte der „Vorwärts"" und mit ihm die überwiegende Mehrzahl der sozialdemokratischen Blätter, die doch sonst eine ziemliche Achtung auch vor geistiger Arbeit haben, sich durch ihre antimilitärische Tendenz so weit haben verleiten lassen, daß sie ihrem alten Prinzip untreu geworden sind oder suchten sie ihre Leser nur dazu zu veranlassen, ihre Taschen geschlossen zu halten ? Zweifellos ist ja, daß gerade die kleinen Leute ihr Geld am nötigsten brauchen, und es waren deshalb auch nur freiwillige Spenden ins Auge gefaßt. Wenn vielleicht nachher hier oder da ein Druck ausgeübt wurde, so schließt das die Anerkenntnis der hohen kulturellen Bedeutung der Erfindung des lenkbaren Luftschiffes aber nicht aus. Und doch wird von sozialdemokratischer Seite diese ideelle Bedeutung absichtlich verkannt, weil einige Hitzköpfe, die doch wirklich nicht ernst zu nehmen sind, von einem Ueberfall Englands durch deutsche Lenkballone träumen. Soweit sind wir aber noch lange nicht und über einen Angriffs krieg hat doch einzig und allein der Reichstag zu entscheiden. Man liebt es aber augenblicklich, beständig von Krieg und Kriegsgefahr zu faseln und drängt so das Volk zum Glauben an die Kriegsgefahr.
Dahin zielt auch ein Aufsatz, den Victor Snell unter dem Titel „Dupes?" in der von Jaurös geleiteten sozialistischen „Humanits"" veröffentlicht. Es heißt da z. B.:
„Als wir von der plötzlich hereingebrochenen Zeppelin- Katastrophe vernahmen, waren wir schmerzlich berührt, zumal im Hinblick auf so viel verlorene Kraftanstrengung. Es scheint, daß wir nur ar ine Betörte waren. — Auch in der Schweiz war, wie in Deutschland, von großmütigen Enthusiasten eine Sammlung eröffnet worden. Da ließ ein Freund (!) des Grafen Zeppelin sie wissen, daß das Geld zurückgewiesen werden würde. Wir haben — so sagte er — den Zeppelin nicht zu dem ausgesprochenen Zweck wissenschaftlichen Strebens gebaut (!), vielmehr zur Vorbereitung auf einen kommenden möglichen Krieg. (!) Wir können bann Bomben (!) und andere ähnliche Geschosse mitführen, mittels deren wir den Feind unheilbar schädigen (!) können. ... An diese Mitteilung knüpft dann Snell die entrüstete Frage, ob man sich bloß darum zur Anteilnahme bewegen ließ, um nun solche Dinge zu erfahren . . . Nein, schließt er seine Äusfilhrungeu, unsere
>aß er einen Herrn kennen lernte, der liach der Schweiz zu reifen gedachte, und da sei er mitgesahren. Und wie )as mitunter so trifft, habe er in einer Gesellschaft einen netten Menschen gefunden, dessen Ziel Paris war, und er habe es ihm nicht abschlagcn können, ihm bis dorthin weitere Gesellschaft zu leisten. Er wäre aber festen Willens, chon in längstens zwei Tagen wieder abzureifen und nach einem lieben Ostpreußen zu kommen. Und so geschah es >enn auch.
Seine Anhänglichkeit an Z. war groß und zeigte sich il a. auch in der gelegentlichen Uebersendung wertvoller und „süßer" Präsente; außer hübschen Kunstfachen waren es besonders Konfekt, Kuchen und sonstige Erzeugnisse des Backofens. Nachdem Lutterkorth den praktischen Unterricht — wenn auch mit solchen Unterbrechungen — genossen hatte, sollte er seine theoretische Bildung vervollkommnen, um später ein Gut, das von seinem Vormund bereits für ihn in feste Aussicht genommen war, *u bewirtschaften. So kam L., dessen 'Vermögen etwa 300000 Taler betrug, nach Jena und ließ sich dort als Hörer einschreiben, ist aber Sie wirklicher Student gewesen, sondern bezeichnete sich selbst als „amicus iuveurulis academicae"" (Freund der akademischen Jugend). Und er war ein wirklicher Freund, der sich namentlich der weniger Bemittelten annahm und manchen über Schwieriakciten hinweghalf. Dabei hatte er die seltene Gabe, Wohltaten zu erweisen, ohne zu verletzen, ja, es konnte mitunter scheinen, als täte der Beschenkte ihm einen Gefallen, wenn er ihn um etwas erleichterte.
Zwei Beispiele aus vielen sind bezeichnend. Ein Student brauchte dringend ein umfangreiches, recht teures Werk, aber die Mittel zur Anschaffung fehlten ihm. L. wußte Rat. Er lud den Kommilitonen eines Tages ein, ihn auf seiner Bude zu befud?en, und wußte ihn dort kösllich zu unterhalten. Schließlich klagte er chm seine Not, er hätte eine solche Unmasse von Büchern, daß er nicht wisse, was er damit anfangen solle. Nun habe er dazu noch ein Werk, das er gern jemand umsonst lassen würde, wenn er es sich nur nach Hause fduften ließe — es war natürlich das Werk, das der andere brauchte —, und so wurde denn scheinbar beiden geholfen. Ein anderer Fall: Ein Kommilitone, der nur unter äußerster Einschränkung fein Studium fortsetzen konnte, brauchte im Herbst einen wärmenden lleber- . zieher. Lutterkorth nahm den häufig Frierenden an einem . besonders kalten Tage unter feine Fittiche, d. h. er deichselte ■ ihn in seine behaglich durchwärmte ,Mirg" und ließ etwas ; Gutes ausfahren. Die Zeit verging unter Plaudern und । Scherzen und als dann am Spätabend der Freund scheiden wollte, . n.erkte L. scheinbar nebenbei, das ginge doch nicht.
Dom Jenenser „ewigen Studenten".
Unter dieser Uebcrschrift erzählte ich neulich an dieser ; Stelle von Lutterkorth, dem wunderlichen Atusensohne Jenas, der seinen Reichtum auf die heiterste Weise mit Kommilitonen vergeudete. Er war ein entfernter Verwandter von mir und diesem Umstande verdanke ich die Kenntnis seiner Hauptspäße.
Nun finde ich einen Artikel in der „Elb. Zta. von dem dortigen Stadtrat Ziegler, durch den meine Mitteilungen manche Ergänzung erfahren. Ziegler bewirtschaftete in den 70 er Jahren bis 1883 das Gut PaskaUven bei Tilsit in Ostpreußen, und ihm wurde der junge Lutterkorth zur Ausbildung in der Landwirtschaft ü(»ergeben. Etwa U/s ^ahre dauerte die praktische Lehrzeit des L. und in dieser Zeck hat Z. vielfach Gelegenheit gehabt, das mitunter eigenartige unb übermütige Treiben seines Eleven kennen zu lernen. Wenn L. z. B. den Auftrag hatte, die Leute eines Teiles des Gutes zu kontrollieren, so konnte Z. bei einem Revisionsgange sicher fein, daß L. „eben dagewesen" fei, aber sonderbarerweise gelang es nicht, L. dort zu finden, wo er hin geschickt war. Und trotzdem war es seinem Lehrmeister bald ein Leuhles, die Spur des L. herauszufinden. Er schwärmte nämlich für Schokolade in Staniol und vertilgte davon nicht wenig. So durfte man nur auf dem Wege den fortgeworfenen S-taniolumhüllungeu folgen und inan fand bann L. gewöhnlich auf einem anderen Teil des Gutes, auf bem teine Aufsicht nötig war. Außer einem guten Dropsen, Schoko- ladenbonbons und Kuchen ging ihm das Kartenspiel Preference über alles. , . m .. ,
Mitunter packte ihn dann allerdings auch em Reisefieber, das so plötzlich kam, daß es niemand vermutete, ^o bat er eines Tages Z. um Urlaub für einen Nachmittag, um einen Freund in der Nachbarschaft zu besuchen. Naturlick) wurde der Urlaub bewilligt, aber es vergingen zwer Tage, und der Eleve ließ sich roeber selbst sehen, noch war etwas von ihm zu hören. Anftagen bei seinen in Mtpreufjen wohnenden Verwandten waren erfolglos, da er dort nxeryt geivesen war. Nach etnxi acht Tagen traf btzi ö- eine Sendung prachtvollen Neuchateller Käses em, und nun wußw der Empfänger, was die Glocke geschlagen Halle, denn niemand anders als Lutterkorth konnte den „ftomage de brw de Neuchatel" direkt vom tzcrstellungsort gesandt habw. Nach einigen weiteren Tagen kam dann auch eine liche Nachricht von L. aus — Paris. Er^ schieb, es sei ihm ganz Sonderbares passiert. Seinen szreund habe er nicht getroffen, aber auf dem Bahnhofe habe er einen anderen Bekannten erblickt, der nach München reiste, und dem habe er sich angeschlossen. Dort wollte es der Zufall,
Die lNädchenschulresorm in preuhen.
Die seit langem angekündigte Reform des höheren Mädchenschulwesens in Preußen ist nunmehr der Verwirklichung um ein bedeutendes näher gerückt, die dem Kaiser vom Kultusministerium vorgelegten Pläne haben die allerhöchste Genehmigung gefunden und man darf annehmen, daß die neuen Bestimmungen baldmöglichst in Kraft treten. Die Reform stellt sich äußerlich als eine Konzession an den Umschwung dar, der im Laufe der letzten Jahrzehnte im Leben der Frau ein getreten ist und der der Frau im Erwerbs- wie öffentlichen Leben eine gegen früher wesentlich andere Stolle zuweist. Diesem Umstande wird bei der jetzigen Reform auch schon dadurch Ausdruck gegeben, daß die höheren Mädchenschulen den höheren Bildungsanstalten der männlichen Jugend im Range völlig gleichgestellt werden, ja daß man sogar unter gewissen Umständen es zu- läßt, daß auf der Unterstufe der Töchterschulen auch Knaben bis zur Reife für Tertia herangebildet werden können, das erste !Dial, daß die sogenannte Eoedukation in den preuß. öffentlichen höheren Lehranstalten an die Erscheinung tritt. Die Vorschläge des Ministeriums sind ja in ihren Haupt- grunb^ügen bekannt, sie sind auch bereits im Winter im preußischen Landtage mitgeteilt worden und man hat sich Dort im roefentlidjen mit den Prinzipien einverstanden erklärt. Die hauptsächlichste Aenderung besteht beEanntlid) darin, daß zu den bisherigen neun Klassen noch eine zehnte hinzutritt, und daß die höheren Töchterschulen einen Oberbau in Gestalt des sogenannten Lyzeums erhallen, mit einem zweijährigen Lehrgang, in welchem das Wissen der Schülerinnen erweitert werben soll, in bem man gleichzeitig im Hinblick auf die größere Reise eine freiere Art des Lehrens und Lernens einführen will. Um audj für das Erwerbsleben aus diesem Lyzeum einen Nutzen zu ziehen, tut man sehr recht daran, wenn man die Lyzeen so ein- richtet, daß den jungen Mädchen die Möglichkeit gegeben wird, fid) als Sprachlehrerin, Hauswirtschafts-, Hand- arbeits-, Turnlehrerin rc. auszubilden, ohne die Bered) ti- gung als wissenschaftliche Lehrerin erwerben zu wollen, wofür nod) die beiden Seminarllassen eingerichtet werden, welche sich dem Lyzeum angliedem. In unmittelbaren Zusammenhang mit den höheren Mädchenschulen werden auch die fogenannten Studienanstalten stehen, denen die Ausbildung für die Universität zufallen soll. Man hat sehr wohl daran getan, diese Ausbildung von dem übrigen Lehrpensum der höheren Töchterschulen und des Lyzeums zu trennen, weil in diesen Studienanstalten für einen ganz anderen Zweck vorbereitet werden soll, als im Lyzeum und Lehrcrinnen- feminar. Für diejenigen Mädchen, die eine den Gymnasien gleiche Bildung erhalten wollen, werden besondere Klassen nad) bem 7. Schuljahr eingerichtet, für Oberrealschulkurse nach dem 8. Schuljahr, und die bereits nach dieser Richtung hin an einigen Orten angestellten Versuche sind durchaus zur Zuftiedenheit ausgefallen. Für die gesamte Lernzeit bis zur Universitätsreife haben die Mädchen ein Jahr länger den Unterricht zu besuchen als die Knaben, was in Würdigung der durch die weibliche Statur gebotenen Rücksichten vorgesehen ist. Zum Universitätsstudium werden durch eine gleichzeitig ergangene Verordnung Frauen bei allen Fakul-
Dernunft sagt uns: Wir täufdjeii uns doch nicht. ~roj aller Zeppeline und Unterzeppeline bient ihr Werk einem andern Zwuk, als ihrem zynischen Vorhaben. Trotz allem sind ie nur Werkzeuge einer höheren Macht . . . . Möglich, baß >ie ersten SenFbaren mit Kanonen beladen sind. Die Ver- nuuft unb das menschliche Gewissen werben über diese Rvh- ; inge (brutes) triumphieren. Sie werden die ^.odesinstru- mente dem Nichts überliefern unb bie Boote mit Friebens- zweigen schmücken....."" .
Das hört sich sehr gefährlid) an. Aber selbst dem Naichlen werden beim Lesen dieses Berichtes gclinbc Zweifel aus- kommen.
Die „M. K." schreibt hierzu:
„Mr haben beim Lesen dieser Ergüsse uns tm Hinblick auf die ganze Sachlage und der offenbaren Sensationshascherei, die in der Notiz der „Humanitö"" zum Ausdruck kam, des absoluten Zweifels an ihrer Richtigkeit nicht enthalten können. Wir haben uns deshalb telegraphisd) an den Grasen Zeppelin gewandt und ihn unter Hinweis auf die Mitteilung der „Humaniko" gebeten, uns zu benachrichtigen, wie sich bie Angelegenheit verhalte. Die Antwort ist vollstänbig in dem Sinne ausgefallen, wie wir es vermuteten:
Friedrichshafen. Bis jetzt ist hier nur bie Sammlung ber schweizer Gemeinde Emmis- hofen bekannt und angenommen worden. Die Luftschiffe bienen allgemeinen kulturellen Zwecken. — Gras Zeppelin.""
Mr stellen das gegenüber der falschen, irreführenden dtotiz der „Hurnanite" mit tiefer Genugtuung fest und wünschen, daß sie zu ihrer eigenen Beruhigung bald bie Lächerlichkeit ihrer Notiz einsieht, benn wenn and) — um das nochmals zu sagen, weil es gar nicht oft genug gesagt werden kann — einige Hurrapatrioten von einem ivelt- erfchütterndeii Krieg und einem glorreichen beutsd)en Sieg träumen, so sind das Utopien, denen bie Nation vollständig fremd gegenüber steht, denn wir wollen den Frieden und brauchen den Frieden auch. Wer unser Volk kriegslustig nennt hat nur insofern Recht, als er ihm zutraut, daß es begeistert zu den Waffen greifen wird, wenn es bös- willig angegriffen wird.


