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19.9.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 221

Zweites Blatt

Samstag 1V. September 1908

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme be5 Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhefjen

DieGießener ZamHiendlStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit' fragen" erscheinen monatlich zweimal.

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universitä'S - Buch- und Eteindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul- siraße 7. Expedition und Verlag: et® 5L Redaktiome^KllI. Tel.-AdruAnzeigerGietzen.

i Kongreß der Interparlamentarischen Union in Berlin.

Die gestrigen Beratungen der Interparlamentarischen Konferenz im Sitzungssaale des Reichstags gaben äußerlich ein ähnliches Bild wie die vorgestrige Eröffnungstagung, nur daß diesmal die Vertreter der Regierung fehlten. Gegen IO1/2 Uhr eröffnete der Präsident Prinz zu Schönaich-Caro- lath die Sitzung durch Vorlesung des Telegramms deS Kaisers. Die Versammlung folgte dann den längeren Aus- sührungen des österreichischen Ministers a. D. v. Plener über das Hauptthema der Tagesordnung: die obliga- torischen Schiedsgerichte, Errichtung eines stän­digen internationalen Gerichtshofes und Vorschläge betr. die obligatorische Vermittelung. Er befürwortet folgende Resolution:Die Konferenz spricht den Wunsch aus, daß der Entwurf eines Schiedsgerichtsoertrages mit dem beigefügten Protokoll der ersten Kommission der Haager Konferenz von 1907, der doch die Zustimmung einer großen Mehrheit von Mächten gefunden hat und der auf dem allgemeinen Vertrag basiert ist, den die Interparlamen­tarische Union 1906 in London angenommen hat, als Aus­gangspunkt für die weiteren Verhandlungen zwischen den Mächten genommen werde, um zur allgemeinen Verstän- vigung über die Frage der obligatorischen Schiedsgerichte zu gelangen." Hierzu beantragte der belgische Senator Lafontaine ein Amendement: Die Konferenz möge die 32 Staaten, die auf der zweiten Haager Konferenz dem Entwurf des Weltschiedsgerichtsvertrags beigetreten wären, ersuchen, ihn baldigst in einen definitiven Vertrag um­zuwandeln, und die übrigen Staaten ersuchen, sich diesem Vertragssystem anzuschließen. Mach kurzer Debatte wurde die Resolution v. Pleener und das Amendement Lafontaine nit großer Mehrheit angenommen. Gegen das Amen­dement stimmten namentlich auch die deutschen Mitglieder.

Darauf erstattete Abg. G 0 b a t (Schweiz) Bericht über 4ie weitere Frage der obligatorischen Vermittelung bei inter­nationalen Streitigkeiten, deren baldige Einführung die Konferenz ebenfalls den Negierungen durch eine vorliegende Resolution zu empfehlen beabsichtigt. Auch diese Reso­lution wurde angenommen.

In der Nachmittagssitzung wurde der Antrag von Dissescu-Rumänien erörtert, den Kaiser von Rußland zur Einberufung einer neuen Haager Konferenz an- turegen. Prinz Schönaich-Carolath äußerte im Namen der deutschen Gruppe Bedenken. Der Antrag wurde darauf noch einmal an den interparlamentarischen Rat zurück- »erwiesen. Hierauf erstattete Dr. P a ch n i ck e Bericht iiber den letzten Punkt der heutigen Tagesordnung: Un­verletzlichkeit des Privateigentums im See­lriege und die dafür geeigneten Schutzmaß­nahmen. Der Redner befürwortete folgende Reso­lution der deutschen Gruppe: Die Konferenz spricht fcen Wunsch aus, daß die dritte Haager Konferenz als Grundsatz aufstellen möge, daß im Wege des internationalen Liebereinkommens anerkannt wird, daß unter Kriegs kontrc- üanbe nur Waffen, Munition und anderer Kriegsbedarf zu verstehen ist, daß weder ein Schiff, das Zdriegstontrebande an Bord führt, noch andere Waren außer der Kontrebande vernichtet werden dürfen, daß Privateigentum unverletzlich t-ü und daß offene Häfen niemals blockiert werden dürfen. Tie Diskussion führte zur einstimmigen Annahme der Reso­lution. Dann wurde die .Sitzung auf morgen vormittag vertagt.

Deutsches Neich.

Die Manöver des 17. und des 1. Korps wurden gestern mittag in Gegenwart des Kaisers beendet: ciuf dem Manöverfeld wurde eine größere Zahl von Ordens- «uszeichnmigen und Beförderungen bekanntgegeben. Der Monarch ist um 2 Uhr nach Hubertusstock abgereist.

Der Bundesrat trat gestern zum erstenmal nach been Ferien unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten Eülow zu einer Sitzung zusammen, an der die leitenden öinifter und Finanzminister der Bundesstaaten teilnahmen.

erster Gegenstand stand die Reichsfinanzreform auf b'ir Tagesordnung. Fürst Bülow eröffnete die Versamm­lung mit einer längeren Ansprache, in der er auf die mnerpolitische und nationale Bedeutung der Vorlage hin- teie§. Der bayrische Ministerpräsident Frhr. v. Podewils erklärte namens seiner Regierung seine volle Uebereinstim- miung mit den Darlegungen des Reichskanzlers. Seinen Ausführungen schlossen sich die leitenden Minister von Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen sowie Vertreter Letterer Bundesstaaten mit entsprechenden Erklärungen an. Hierauf wurden die zur Reichsfinanzreform eingebrachten Gesetzentwürfe den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Die nationalliberalen Abgeordneten Lassermann und Hieber sind gestern beim Reichsschatzsekretär Sydow zur Vorbesprechung der Reichsfinanzreform gewesen.

StaatssekretärvonKöllerhatbis zum 15. Okt. Urlaub genommen und wird derKreuzzeitung" zufolge d:e Dienstgeschäfte in Straßburg nicht mehr übernehmen, fer wird zunächst in Stettin Aufenthalt nehmen und Anfang nächsten Jahres (einen Wohnsitz auf feine Pommersche Be- .ning verlegen.

Ausland.

Der schweizerische Bundesrat hat die im 2 tujanner Prozeß verurteilten russischen Studenten Vogt u ib Tiatschkow, ferner die vom Gericht freigesprochenen S:udenten Gregor Goldstein, Anna Schwarz und Zosef Tao- ri:|d)eiü als landesgefäyrlich aus der Schweiz ausge- UHiefen.

Die Lage in Dänemark erscheint augeiwlidlug

machtvollste Kulrurbeweguug ber Welt darf nicht gum (Mpött der Gegner werden. Tort liebt das Schüd mit der Inschrift: Proletarier aller Länder vereinigt Erich!" (Zuruf: Aber Dcr- gcivoüigt Euch nicht! l Gruner Lärm? Tiefe Worte [ollen für die Arbeiter der ganzen Welt maßgebend sein. «Leby. Beifall.) Wir wollen den i&mcitag nicht als Sieger oder Bcsicgie verlassen, sondern als Kampfgenossen, die einig gceen den gemeinsamen Feind marschieren. > Tosender Beifall der Norddeutschen.)

ES folgt noch'eine Reil* von persönlichen Bernerkungen.

Geiß-Mannheim: Ich stelle fest, baß die badische Fraktion? völlig bereit war, dem Parteivorstand Auskunft zu geben. Sie war aber, als bas Telegramm des Vorstandes eintraf, noch nicht dazu in ber Lage und hätte nur eine halbe Auskunft geben können. Ehe die Sache geklärt war, begann bereits derVor­wärts" mit seiner Sckümpskampagne und machte dadurch eine Verständigung unmöglich. (Lärm der Nvrdbeuftchen.)

Lanbtagsabg. T i m m -Rtnnchen: Ich habe namens der Mehr­heit der süddeutschen Delegierten zu erklären: Wir werden der Resolution F r 0 h nt e trotz aller Bedenken z u - stimmen, um den weiteren Beweis 51t liefern, wie hoch uns die Geschlossenheit und das Gesamtmvhl der Partei stehen. Würde aber bie Resolution Frohme in irgend einer Weise verschärft, so müßten wir sie ablchnen.

Die Abstimmung.

Bors. Singer: Wir kommen zur Abstiinnntng. Ich schlagü vor, zunächst über die Abänderungsanträge abzustimmen, dann über die Resolution Fwhme und dann über die des Par- teivorstmtdes. Die beiden letzteit Abstimmungen sind nament> liä-e. f

Die Abänderungsanträge Schöpft in und Thiele zur Resolution des Partcivorstandes werden abgelehnt. Es folgt die namentliche Abftintinung über die Resolution

Fro hm e.

Dafür stimmen neben der Mehrzahl der süddeutschen Dele­gierten sämtliche Ge.ocrkschaftsführer, wie Hue, Legten, Sachse, Bömelburg, von Rciu stagsabg. noch Tr. David und Tr. Frank.

Für die Resolution Frohme stimmten noch: Ulrid>* Offenbach, Richard 'Fischer-Berlin, Robert Schmitt-Berlut; dagegen stimmten neben Bebel, Zubeil, Singer, Stadlhagen, Ledebour, Geck, saft sämtliche Frauen der Partei, tvie 9tofa Luxemburg, die übrigens vorher einen Anfall von Herz krumpfen hatte, Frau Zieh, Ottilie Bader, Klara Zetkin. Geschlossetc ftimnucn dagegen: Die LKv- zigcr und Berliner Genossen, auch .Heine stimmte gegen die Rest- lution. Von den süddeutschen Genossen stimmte eine kleine Gruppe ebenfalls dagegen.

Das Ergebnis

Der Zustimmung über die Resolution Frohme, die die Vui>- getbcwilligung ui dringenden Fallen nach vorhergegangencr Ver­ständigung der Fraktionen mit ihren Landesvorstänoen und dem! Partcivorstand für zulässig erklärt, war deren

Ablehnung,

und Lwar mit 217 gegen 160 Stimmen. Der Parteitag nahm! das Ergebnis, baS ja auch bei der Zusammensetzung der Ver­sammlung vorauszusehen war, ohne jede Kundgebung auf.

Darauf wurde über

bie Resolution beS ParteivorstanbcS abgeslimmt, bie bekanntlich folgenbcn Wortlaut Hal:

Ter Partetlag bestätigt von neuem bie Resolutionen von Lübeck und Dresden, die aussprechen, daß der Staut, so lange er sich in den Händen der besitzenden Klassen befindet, ein Organ der Klassenherrschaft barftetlt und ein Mittel zur Niedcrhaliulig der bcsftlosen VolkSklassen bildet. Wie die politische Aufgabe des proletarischen Klassenkampses die Erob.rnng ber Staatsgeivalt burck) Ueberwinbung ber Gegner ist, so ntuß jebe Politik des Ent- gegeukommcns an die bcstrhenbe Staats- und Gesellschaftsordnung abgelehnt werden. Als nottvenbige Folge dieser grundsätzlichen Auffassung und angesichts der Tatsache, baß bi? Gesamlabstimmung über bas Budget als Vertrauensvotum für die Regierung aufgc faße werben muß, ist jeder gegnerischen Regierung bas Staatsbudget bei der Gesamtabstimmung zu verweigern, es sei denn, daß bie Ablehnung desselben durch unsere Genossen die Annahme eines für die Arbeiterklasse ungünstigeren Budgets zur Folge Ijabetr würde. Die Bewilligung des Budgets in den Landtagen von Württemberg, Baden und Bayern ist daher unvereinbar mit bcn Resolutionen von Lübeck und Traden. Tie grundsätzliche Ver- wcigcrung des Budgets entspricht vollkommen der Mlaficnlagc ber besitzlosen Volksmasse, die eine unversöhnliche Opposition gegen bie bestehenbe, dem Kapitalismus bienende Staatsgewalt nottveiwtg macht. Die arbeitenden Klassen immer wieder nachdrücklich dar­über aufzuklären, ist eine unerläßliche Aufgabe unserer agitato­rischen Arbeit."

Alle Abänderungsanträge zu dieser Resolution, von denen einer im dritten Absatz statt der Worte: Zn bcn Landtagen von Württemberg, Baden und Bayern setzen wollte: in den Landtagen aller Bundesstaaten, wurden abgefeimt und die Resolution des Vorstandes Darauf in namentlicher Abstimmung mit 258 gegen 99 Stimmen angenommen.

Ter Parteivorstand stimmte geschlossen für die Resolution, ebenso die Leipziger und Berliner, ihnen schlossen sich neben einem großen Teil der norodeuftchen Delegierten die wenigen dissentierenden süddeutschen Genossen an. Gegen die Resolution stimmten wieder Tr. David, Heine, Ulrich, Noske, Legieu, Sachse, Hue, Bömelbu-g, Robert Schmidt, Frohme, Tr. Quarck, v. Elm, Leincrt, Segiß7 (

Auch diese Abstimmung wurde mit Ruhe cufgctunmiicn.

Saiti)tagsabg. segitz-Fürth gab darauf im Auftrage von 67 delegierten der württcmbergifchcn, badischen, bayrischen und hessischen Landtagsfraktionen eine Erklärung ab, in der diese kundgeöen, daß sie sich den Beschlüssen des Partei­tages inallen prinzipiellen Angelegenheiten des ganzen Reiches unterwerfen. Sie seien aber der An- ficht, daß für die speziellen Angelegenheiten der Landespolitik die Landesorganis ationcn die zu­ständigen Instanzen sind, bie auf bem Boden des gemein­samen Programms nach den besonderen Verhälttiissen selbständig zu entscheiden haben, und daß die jetveilige Enttck-eidung dem pflichtgemäßen Ermci'sen der Landi.sorganisationen überlassen wer- den müsse. (Lebh. Zustimmung der südd. Delegierten und auch der Zulstirer.) Bors. Singer: Der Parteitag nimmt Kenntnis von ^dieser Erklärung imb nimmt sie zu Protokoll.

Zn bex Dtachmülagssitzung waren bie Reihen bet Delegierten und der Zuhörer, nadibem der Hauptclou des Parteitages mit der heutigen Vormiturgssitzung erledigt war, bereits stark gelichtet. Ter Parteivorstand hat dem Parieitagc ürzwischen folgende

Resolution über die Kriegshetze vorgelegt: |

Das gemeingefährliche und verbrecherische Treiben besttmmter Kreiic, zwei Kulturvölker wie das englische und deutsche gegen- leittg zu verhetzen und zum, Kriege aufiustacheln, dient'nur den enghQ^igmn und, kurznchtigsten Interessen der ausbeutenden und herrschenden Klane. Es iteljt im schroffsten Goge.'ftatz zu der Ge­sinnung internatwnaler Brüderlichkeit der ausgebeuteten Massen aller Rationalitäten, wcteyc durch bie ciwste Solidarität b<-i In­teressen miteinander verbunden sind. Angesichts Der Opfer an Gut und Bütt, welche icber Krieg gerade in erster Lüne Den werk-

nicht unbedenklich. Es macht sich in der Bevölkerung eine arofjc Gcihrung bemerkbar, die unzweifclbast zum Ausbruch kommen wird, wenn der König sich nicht dem Diedcreiiitritt der abgegangenen Minister widersetzt. Albertis nächste Sin- verwandten empfinden tief den entsetzlichen Sturz Albertis. Seine, Frau und eine unverheiratete Schwester haben be­schlossen, den größten Teil ihres Privatvermögens zu opfern zur teilweisen Entschädigung der zahlreichen hartbetrofienen Privatpersonen.

Die französisch-spanische Note hat nun das Einverständnis Englands erlangt. Das war zu erroanen.

Der Konflikt Bulgariens mit der Türkei scheint sich weiter zuspitzen zu wollen. In amtlichen Kreisen Sofias verlautet, daß die bulgarische Regierung fest ent­schlossen sei, keinesfalls von der Forderung nach völliger Wiederherstellung der alten Verhältnisse abzuweichen und selbst vor einem völligen Abbruch der Bezichun- gennichtzurückweichen würde, falls die Türken nicht gewillt seien, volle Genugtuung zu geberr. Zur Besserung der Lage wird es nun wohl auch schwerlich beitragen, daß jetzt in Uesküb ein neues revolutionäres Programm der Bulgaren entdeckt worden ist. Me verlautet, soll Rußland auf feiten der Bulgaren in ihrem Streite mit der Türkei stehen.

SojialOemolraiifdjer Parteitag.

S. u. H. Nürnberg, 18. Sept.

5. Tag.

Mit grvßer Spannung sab mMi den heutigen Verhandlungen entgegen. Schon frühzeitig hatte sich die Halle des Herkules- Vclodvoms bis auf bcn letzten Platz gefüllt. Erregte Gruppen von Delegierten standen umher, bie ernst die Situation besprachen. Iirzwischen waren wieder

Einigungsverhandlungen im Gmige gewesen, über Deren Resultat noch Stillschweigen be­obachtet wurde. Doch hörte man soviel, baß der Parteivorstand und bie Berliner Genossen fest aus ihrem Standpunkt be­stehen bleiben.

Nach der Eröffnung teilte ber Vorsitzende Singer zunächst mit, baß bie Sozialbcmokvatte Dänemarks brüderlichen Gruß sende, unb Den Verhandlungen besten Erfolg wünsck)e. (Vereinzeltes Lachen.) Tic Aussprache über die Buogetbewilligung wurde Da­rauf fortgesetzt. Keil-Stuttgart redet zum Frieden: Aus der Verivirrung, in die wir geraten sind, gibt es nur einen Ausweg: Tic Resolution Frohme. Wenn Sie einen anberen Antrag an­nehmen, kommt es zu keinem Frieden, wenn auch hoffentlich nicht gleich eine Spaltung das Ergebnis ist.

Fuau Z i c tz - Hamburg: Wir werden int Interesse der Ein- hcülichrcit und Geschlossenheit ber Partei ber Resolution be§ Vorstanbes zustimmen. Für^bie Demokraten ist bie höchste Tugenb bas Mißtrauen. , Geberdenspäher aber und Geschäftsträger sollen uns nicht die Grundlagen unseres Handelns geben. (Beifall.)

Tarauf wurde ein Antrag Müller-Köln auf Schluß Der Aussprache mit Den Stimmen Der Norddeutschen angenommen.

Ebert-Berlin hielt anstelle Bebels, Der ebenfalls wieder im Saale erschienen ist, das Schlußwort und führte Darin aus:

Es ist systematisch auf Die Zuspitzung der Gegensätze hingear- beitct tooroen. Wir konnten Daher unmöglich unseren SlanDpunkt verlassen. Wir haben gestern abend im Vorstände beschlossen, auf unserer Resolution zu beharren. (Große Be­wegung.) Bebel hat die Meinung des Parteivorstanocs in ver­söhnender Form zum Ausdruck gebracht. Tie Genossen Tinim, Tr. Frank und Hilbenbrand hätten sich Das zum Muster nchinen sollen. (Sehr richtig.) Tas haben sic nicht getan. Sic haben geradezu gewetteifert an Heftigkeit, Lcwcnschaftlichkeit unb skrupel­loser Wahl ber Mittel, sich zu überbieten. (Heftiger Wiberfpruch und Lärm bei den SüdDeutfchsi.) Tie Einheit unD Gcschloffcnhcit Der Partei ist Die Ursache unserer Erfolge. Dazu gehört Tisziplm. Haben wir Die nicht. Dann kommt cs zur Desorganisation, Dann ist Die Schlagkraft Der Partei gelähmt. (Zuruf: Tas ist heute fchon Der Fall! Widerspruch.) Die badischen Genossen tun, als ob sie sehr zart befaitet seien, und doch wird immer von Den badischenRauhbeinen" gesprochen. Sie fühlten sich durch das Telegramm des Vorstandes beleidigt. Hätte der alte Auer cs verfaßt, auf den man sich hier immer berufen hat, bann wäre es ganz aiiders ausgefallen. (Beifall bei Den Norbdcutfchcn.) ES ist aber von einem Genossen geschrieben worDcu, Der als Muster persönlicher Lieoenswurdigkeit gilt. (Große Heiterkeit.) Von Der Stuttgarter Konferenz tourDe uns aua) nichts mitgeteilt. Alle diese Vorgänge Ijabeii zur Vergütung Der Llus.inanocrsctzungcn geführt. Ter Parteivorstand würbe in der heftigsten Weise an­gegriffen. Tie südbeuti'ck)e Presse strotzte vonLiebcnswurbig- keiten". Tann hat man die Sache so hingestellt, als ob ber Vor­stand nur geschoben werbe, als ob er nur ber Handlanger der Berliner sei. (Stürmisches Sehr richtig bei bcn Südbeutschen.) Wo sind bie Beweise? Es ist nichts als leeres Gerede, Klatsch und Tratsch. Nun zu der Resolution Des Borstanoes! Tie Zustim­mung su Dein Bubget verträgt sich nicht mit unserem Lübecker Beschluß. Nachbem Der Minister 0. Lodmann unsere Frakliou in Baden mißhandelt hatte, durste Das Budget nicht bewilligt werden. Tazu kommt der Fall Schäuftle. Einer solchen Regierung gibt man kein Vertrauensvotum. Tie Bayern hoben ihre Zu- jtimmung zum Budget motiviert mit Den sozial-polttischen Fort­schritten, Die sie errungen haben. Das ist Doch aber fein Grund, Der Regierung ein Vertrauensvotum zu geben. Der Absatz Der VorslanDSresolutwn, Der die BuDgetbcwilttgung als unvereinbar mir dem Beschluß des Lübecker Parteitages bezeichnet, enthält kein Tadelsvotum für Die Süddeutschem Im Auf­trage Bebels kann ich noch seftstellen, daß er mit bem sachlichen Inl-alt unserer Resolution vollständig einverstanden ist. Ten guten Glauben der Süddeutschen haben wir nie bestritten. Tie Art aber, wie sie hier die Verdienste der Regierungen und der anderen Parteien herausgestrickren haben, wirb iljncn bei der Agi­tation schweren Schaden zufügen. Ter Genosse Segitz hat die Einigungsverhandlungen eingeleitet, aber in einer Art, über die wir geradezu erttsetzt waren. Tas war eine klipp unD klare und kühle Erklärung: Wenn Ihr nicht so verfähret, wie wir wollen. Dann fugen wrr uns Dem Beschlüsse Des Parteitages nicht. (Leb­haftes hort! hört! bei den Norddeutschen.) Durch Die Resolution Fwhme wird nur der Streit in Pernranenz erklärt, denn cs wäre vor der Bewilligung dos Budgets eine Verhandlung zwischen Parreivorstand und Fraktion notwendig. Frohme hat selbst eine Abänderung feiner Resolution dahin vorgeschlagen, baß für das Budget gestimmt werden darf, wenn nicht die Partetinstanzen, Vorstand usw. Einspruch erheben. Die Süddeutschen wollen sich aber dagegen erüaren. Wir find uns des Ernstes der Lage, in der nur uns befinden, wohl bewußt. Trotzdem wissen wir keinen anderen Ausweg als den, die Entscheibung über die Streit­frage in die Hand des Parteitages zu legen, mag sie aussaUen wie sie will. Wir erwarten, daß jeder Genosse soviel demokratisches Gefühl im Leibe hat, daß er sich der Entscheidung des Partei­tages unterwirf:. Mmi hat von Scheidung und Spaltung ge­sprochen. Das wäre ein Verbrechen an der deutschen Arbeiter- schäft. S« hat bistzer allen Sturme:! Trotz geboten, und Diqe