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amstag 17» Oktober 1908
158. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 245
»dcfsdnl tagfid) mit Ausnahme des Sonntag«.
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= Frankfurt a. M., 16. Okt.
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Zur waldschulsrage.
Es freut mich, konstatieren zu können, daß der Gegner der Waldschule sachlich gegen diese nichts einzuwenden hatte. Was er sonst brachte, betrifft Schmerzen lokaler Natur, die mit meiner prinzipiellen Erörterung der Frage nichts zu schaffen haben. Nur was die geringe Beteiligung dec Gesamtheit aller Schüler an der Waldschule betrifft, so möchte ich doch nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß diese Erscheinung doch in der Natur der Sache begründet ist. Spezialschulen wie diese werden sich stets nur an einen geringen Prozentsatz aller Schüler wenden, wie wir dies vom Kinderhort, den Stotterkursen u. s.'sw. schon längst gewöhnt sind. Oder ist es denkbar, daß jemand die Stotterabteilung als überflüssig ablehne, weil unter hundert vielleicht nur ein Schüler in der Lage ist, die Wohltat solcher Kurse zu genießen? Dabei ist doch auch zu beachten, daß es sich mit den zwei in Aussicht genommenen Klaffen der Waldschule vorerst nur um einen Versuch handelt. Andere Städte, wie Charlottenburg, Mühlhausen u. s. iv„ haben auch nicht gleich mit acht oder mehr Klassen angefangen, sondern haben das neue Unternehmen nach Bedürfnis wachsen lassen. Daß sich aber auch Gießen bei günstigen Resultaten mit 2 Proz. der Beteiligung nicht beruhigen würde, dafür bürgt die Erfahrung bei ähnlichen Fragen der Jugendfürsorge.
Ganz deplaciert finde ich jedoch den Hinweis de§ Gegners auf die höheren Schulen, trotz seines Geivährsmannes. Einem Vertreter der Bürgerschaft (also auch derjenigen Eltern, die ihre Kinder in die höheren Schulen schicken) sollte doch bekannt sein, daß sich nicht nur die Volksschule, sondern alle Schulen seit einigen Jahren bezüglich der Lokalitäten in schwieriger Lage befinden beziv. befunden haben. Ich nehme an, daß der Gewährsmann noch nie Gelegenheit hatte, das Zimmer im Turmhaus zu beaugenscheinigen, in dem seit Jahren eine Gymnasialklasse untergebracht ist. Dann würde ich ihm raten, sich nachträglich noch einmal das frühere Schulzimmer der höheren Mädchenschule im Plochschen Hause (Aslerweg) zeigen zu lassen. Vielleicht besucht er auch im Vorbeigehen die Klassen des Realgymnasiums im Webetschen Haus (Wetzsteingasse). Wenn er dann noch eine helle Töcker- sche Baracke für keinen Schulpalast hält, dann ist ihm nicht zu helfen.
Selbstverständlich soll durch vorstehende Richtigstellung das Verlangen des Verfassers nach hygienisch einwandfreien Räumen für alle Volksschulklassen nicht im geringsten abgeschwächt oder die Berechtigung solcher Forderung gar geleugnet werden. Die Gerechtigkeit verbietet jedoch, diesen Zweck durch den ungerechtfertigten Hinweis auf die scheinbar begünstigteren höheren Schulen fördern zu wollen.
Der Vers. des 1. Waldschulartikels.
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MM Rüstzeug der Diplomatie und manch- kritische Frage in der Politil ist schon an iben Börsen zum Austrag gebracht worden. Je mächäg.'r nun die Banken bei uns werde.i, je größere Kapitalsunirncu sich bei ihnen ansammeln, desto näher liegt es, daß auch unsere Regierung in geeigneten Fällen sich dieses Jn- truments bedient. .
So ist diesmal fofie Deutsckie Bank der türlychen Negierung in ihrer ')un mit einem .Vorschuß, beigewrungen. Mag dieses Geschäft auch Hier Initiative der Verwaltung des Instituts ent- pruugeu sein, ohne vorherige Fühlungnahme mit dem auswärtigen Amte wurde es faum abgeschlossen und daß man es zum Ab- chluß brachte, kann nur als ein glücklick-er Schachzug betrachtet werden. Denn hätte nmn nicht rechtzeitig eingegriffen, sowohl durch die Erklärung, daß Deutschland Liber diej Pläne seines BuudeS- genosseti vorher nicht sondiert worden ist, als auch durch daS Eutaegenlommeu bar Deutsck>cn Bank, bann hätte ebenso wie über die Waren österreich-ungar. Herkunft auch über die deutschen Waren im osmanisckren Rcick>c der Boykott verhängt toerden können und dadurch wäre nicht nur die deutsche Industrie schwer geschädigt worden, auch die deutsche Politik wäre in Konstantinopel in Mißkredit gekommen; das hat man durch diese Maßnahmen aber verhütet. Auch die österreichische Regierung hielt es filr geboten, die Vcrweter der haute banque &u berufen, um ihnen tot- ruhigende Erklärungen zu geben und damit eine Panik an der Börse %u verhüten, überhaupt bemühte man sich an der Donau durch friedliche Erklärungen Beruhigung tzU verbreiten und diese hatten denn auch den Erfolg, daß die Bö^en die Besonnenheit nicht verloren haben. Die Kurse konnten sich nach dem in der vorigen Woche erfolgten idjatfen Rückgang sogar wieder beträchtlich erholen. Rian möchte die Erholung fast über haftet nennen. Aller- dillgs greift die Zuversicht immer mehr um sich, daß c-3 der Kunst der Diplmnatie gelingen wirb, einen Weg zu finden, um die Schwierigkeiten, die imrdj die Ereignisse hcrvorgerusen wurden, zu beseitigen, indessen sollte man doch nicht übersehen, daß die Verhandlungen voraussichtlich längere Zeit dauern werden und noch manche Phasen ein tret en können, die geeignet sind, die Märkte zu beunruhigen. Aus diesem Grunde wäre eine größere Zurückhaltung wohl mehr am Platze. Die Aufmerksamkeit der Börsen wurde naturgemäß fast vollständig durch die politischen Meldungen in Anspruch genommen, diese sind augenblicklich saft allein bestimmend Tür die Tendenz. So weit daneben noch Moments wirtschaftlicher Natur, in Betracht kamen, waren sie eher geeignet, ungünstigen Einfluß auszuüben. Insbesondere lauteten die Meldungen vom Montan markt wenig erbaulich. In der Eisenindustrie wurden weitere Preisermäßigungen borgenommen, bei den großen Weckken gehen die Auftragsmengen zurück und der Kohlenmarl't wird einerseits durch den geringen Bedarf bet Eisenindustrie, andernteils durch den schwachen Abruf von Hausbrand infolge der milden Witterung ungünstig beeinflußt. So sieht c5 iciflso in den tonangebenden Industriezweigen augenblicklich recht ungünstig aus.. Wenn die Börse auf diese ungünstigen Verhältnisse nicht stärker reagiert, so erklärt sich dies nur daraus, baß sie zum Frühjahr sicher auf eine Besserung rechnet. Selbst M v n tau pap ier e konnten ihre Kurse saft durchweg um 2—3 o.o erhöhen. Wesentlich größere Avancen erzielten aber andere I n du ft r i epa p i er e. So haben Badische Anilin und höchster Farbwerke je 10 o/o gewonnen, Scheideanftalt und Albert je 5 o/o, Adlerwevke Kleyer, für die ein sehr günstiger Jahresabschluß ertoartet wird, 15 °/o, Dürkopp 10 °.o und Wittener Stahlrohren 20 °ö. Ele'ttrizirätslverke sind ebenfalls mehrere Prozent gestiegen, auch Mannesmannröhren, Waghäusler Zucker und Zellstoff Waldhvs-B ankal'tien erholten sich um 2—3%, auch if enbahn a 111 en waren großenteils besser, Sch i f fa yr t S- aktien fest. Auf dem Renten markt erholten sich die Balkanwerte um etwa 2 %, auch andere Fonds lagen fest.
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Gießener Anzeiger
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-en 18. Oktober | in M i ^.astwaßer ,» Uhr nachmittags. Der Vorstand. ®äTHT den 18. Oktober M utfl im Veremslokm s, verbunden mit tzortränco, Tanr. äisang 4 Uhr und Bonner, des « l' reundlichit emgeladen.
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Oktober. 10. Heinrich Beruges, Knecht, mit Maria e-eng, beide in Gießen. 12. Heinrich Wilhelm Brinkmann, Ingenieur in Gießen, mit Anna Marie Emilie Pactsch m Eharlottcnbnrg. Id. Georg Eckhard, Handarbcuer in Jugenheim, mit Eleonore 2lrnold m Gießen. 13. dionrad Lieber, Schilhmacher in Gießern nut l'lavic Katharine Brand in Rosenthal. 13. Johann Prelß, Oekonom^nul Älarnarele Hermann, beide in Gießen. 13. Adoli öcijilö, qCIu« wedel, mit Elisabeth Grah beide in Gießen. 14. Karl enpiuhl, Sck;losser, mit Maria Bott, beide in Gießen. 16. Friedrich Stlmrel, Eiscndrcher, mit Luise Kinzenbach, beide in Gießen.
Eheschlictzungen.
Oktober. 10. Wilhelm Sehrt, Schlosser, mit Barbara ---perlmg, beide in Gießen. 10. Paul Ernst, Gärtner in Schierstem, mit Karoline Schmidt in Gießen. 10. Wilhelm Walther, Zigarren- inacher in Vetzbergs mit 'Marie Hatz in Gießen. 10. Bruno Döttcher, Diakon, init Alarie Wilhelmme Bertha Leidhecker, beide in Bensheim. 10. Karl Schmitt, Taglöhner in Garbenteich, mit Katharine Janz in Gießen. 12. Karl Eich Hoss, Kgl. öicgierttngv- banmeislcr in Freiendiez, mit Martha Caesar in Gießen.
Geborene.
Cflober. 5. Dem ßaitbbiiejiräqer Heinrich Arend eine Tochter, Elisabeth. 7. Dem Tienstmann August König ein Sohn, Heuirich. 7 Tem Bademeister Andreas Rödel eine Tochter, Johanna Käthe. 7. Tem Taglöhner Wilhelm Becker ein Sohn, 9lngnst Wilhelm. 8. Dem Kallimaim Georg Zörb ein Sohn, Georg Richard Heinrich Ernst. 9. Dem Schneider yugo Richard Bromm ein -Lohn, Heinrich Peter. 9. Dem Badeivärlcr Adam Nickel eine Tochter, -Lora Wilhelmine Marie. 10. Tem Taglöhner Hemrick; Alagel eme Tochter, Karola. 12. Dem Bautechnilrr Heinrich Hohn em Sohn, Wilhelm Hans. 13. Tem Taglöhner Heinrich Schneider eine Tochter, Wilhelmine. 13. Dem Kanstnanii Augnst Johann Lesters eine Tochter, Lilli Anna Wilhelmine. 14. Dem Schausteller Ludwig Haubeil ein Sohn, Gustav.
Gestorbene.
Oktober. 10. Wilhelmine Orbig, geb. Frech, 73 Jahre alt, Brnchstraße 13a. 11. Mana Karola Balser, 15 Jal)re alt, Llid- ivigsplatz 8. 15. Karl Ochs, Techniker, 19 Jahre alt, iLonnenstr. 2.
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Hauptversammlung
am Samstag dem 31. Oktober 1908, abends 81/, Uhr, im oberen Saale des Cas^ Ebel.
TageS-Ordnung:
§ 9 der Satzungen.
Daran anschließend findet eine kleine Feier zu Ehren einiger Ticnstjubilare statt. Um allseitiges Erscheinen bittet
___ Kfcän cheYv '


